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Sotationsbruckund Verlag der Luibaer Rk. üenbnickerei in Zulba Fernsprecher Nr. 9.

JV3 40.

Fu ld a, Freilaq den 19. Februar 1909.

36. Jahrgang.

Zweites Wtcrtt.

Deutsches Reich.

-- Tie auswärtige Politik des Reiches und ihre Organe kommen in einer Schilderung, die der Berliner Korre'pondent des Madrider .Mundo' entwirft, sehr schlecht weg:

„Die auswärtigen Geschäile des Reiches gehen schlecht. Es herrscht em heilloser Wirrwarr. Die diplomatische Vertretung Deutschlands im Auslande lebt tm UnschuldsKimniel der neugeborenen Kinder D-e bedeutendsten Angelegenheiten, von denen die Ehre und das Dasein des Reiches abhängen, liegen in den Händen einer Kamarilla von Monokle-Diplomaten, als da sind die Herren (es folgen mehrere bekannte Namen) .... Diese stolze, aufgeblasene, hochnäsige Diplomatie hat es zugelassen, daß sich um das Deutsche Reich der eiserne Ring gebildet hat, von dem man so viel spricht. Nichts als Mißerfolge haben sie zu verzeichnen. Tie plebejische Diplomatie Frankreichs, diese Gesellschaft von arbeilsiamen, skrupelloien, in der Kunst der In­trige beschlagenen Emporkömmlingen, hat mehr ge­leistet. Die feudalen deutschen Herren, für die die übrige Menschheit so gut wie nichts bedeutet, sind von den Herren tes folgt eine Reihe von Namen der fran­zösischen Diplomatenl über den Haufen gerannt worden. Leute, von denen die einen nichts als Journalisten, die anderen Advokaten und Geschäfisagenlen sind. In­zwischen sitzen die braven Deugchen in ihrer Kneipe und deklamieren über die Isolierung, in der sich Deutschland befindet und wiederholen unermüdlich: „Was macht das?! Deutschland, Deutschland übe> alles!"

„Sitter, aber durchaus nicht unwahr?' be- merkt die „nationale" .Franks. Ztg/ zu dieser Kritik. Wenn solche Urteile im Auslande über unsere Diplomatie gang uno gäbe sind, kann man sich denken, daß die deulsche Politik an allen Ecken und Enden auf Schwierigkeilen stößl und nicht darüber hinwegkommt.

-r- lieber das Wahlresultat in Bingen- Alzey ist die freisinnige Presse in lauten Jubel ausgebrochen. In der Tat dürfte die Slichmabl den Sieg des freisinnigen Kandidaten Pfarrers Korell bringen, da die Nationalliberalen dem Zentrumskandidaten die notwendige Unterstützung nicht leisten werden. Die freilonservalive .Post' mahnt die Bingener Nalwnalliberalen, dem Block­gedanken treu zu bleiben, der freisinnige ,Berl. Börsenkurier' erhofft den Sieg von der Wirk­samkeit des konfessionellen Gegensatzes.

„Dir überwiegend protettanttsche Landbevölkerimg deS Wahlkreises", so schreibt das Blatt, „bunte nickt so leicht geneigt sein, einem protestantischen Pfarrei einen Zenlrnmsmann vorzuz ehen. Und der evangelische Bund, der in Rheinhessen stark ist, würde es kaum ruhig an:eben, daß man einen überwiegend prote­stantischen Wahlkreis in der Stichwahl gegen einen liberalen Pfarrer der hesstichen Landeskirche dem Zentrum überliefert. Dieses Moment wirs, wenn nicht schon für die oifiiielle Wahlparole der Nalionallibe- ralen, bann sicher für die Wählerschaft von Bedeutung werden."

Wir fürchten sehr, daß das liberale Blatt damit Recht behalten wird. Trotz dieses offenen Appells an das pioleilaritttche Gtanbensbekennl. nis wird aber immer wieder behauptet werden, kvnfeisionelle Politik werde auf Seite des Zen- IrumS gemacht, bei Leibe nicht auf prolestaniischer Seite.

X Tie „lote Hand". Die /Reue Boyer. Landeszlg.' bringt einen iniereffanien Auszug aus dem Finanzresetal des Wiener Gemeinderales Nagel, das Dieter seinen Wählern erstattete. Diesem eninehmen wir folgendes:

„Das Wiener Haus Rothschild schloß den Etat des Jahres J908 mit einem Aktivsaldo von

11116 594 672 Kronen (1 Krone --- 80 Pfg.) ab. Würde diese gewaltige Summe mit nur 4 Prozent verzinst feto, io hätte Rothschild das nette Jahreseinkommen von rund 440 Mill. Kronen. Der genannte Krösus würde dementsprechend pro Tag über 1200000, pro Stunde über 50 000 und pro Minute über 833 Kronen vertilgen. Tatsächlich ist aber das Einkommen em un­verhältnismäßig höheres. Demgegenüber beträgt das Gekamivermögen der k a t h o l i s ch e n K i r ch e in Oester- reich 8135000(0 Kronen. Davon werden unterhalten 300 0 Ordenspriester, 14228 Priester, sämtliche Kirchen, Pfarreien, Spitäler, Schulen, charitaltoen Stiftungen ufro., so daß nach Abzug sämtlicher Steuern und Re- ligionsfondsbeiträge des Gebührenäquivalenls auf einen Priester jährlich 740 Kronen gerechnet werden müssen, während, wie schon oben gesagt, Rothschilds Einkünfte für jede Minute 833 Kronen betragen."

Diese Ziffern beweisen zur Evidenz, daß die sog. „tote Hand" mit ihrem Vermögen mit dem Mammon einzelner Finanziers nicht entfernt einen Vergleich aushrlten kann. Dabei ift aber zu erwägen, daß die katholische Kirche nicht nur Tawende, sondern Hunderttausimde von Menschen zu unterhalten hat, und daß sie insbesondere aus diesen Mitteln auf dem Gebiete der Charitas und Wiffenichast seit Jahrhunderten Unvergäng­liches und Unerreichbares zum Segen der Mensch­heit geleistet hat. Das Haus Rothschild allein dagegen vereinigt in wenigen Händen "eine so ungeheuer große Summe, daß es eine Weltmacht bildet, die Kaiser und Könige respektieren, wett sie selbst Krieg und Frieden diktieren kann, die aber auch infolge ihres kolossalen Einflusses auf das Wohl deS Volkes und auf den National- Wohlstand von unberechenbarer Wichtigkeit ist. Wenn daher wieder einmal moderne „Kultur- fämpfer" den alten Gassenhauer von der „toten Hand" herausfordernd p elfen, so mö^en sie sich gefälligst doch an die richtige Adresse we'.iden, die sie aus der Lektüre deS Vorstehenden nicht unschwer erkennen tonnen. Ter „toten Hand" aber mögen sie ihr ehrlich erworbenes Geld gönnen; denn ihr ist es zu verdanken, daß das viele E'end, das uns auf Schritt und Tritt be­gegnet, gemildert wird — und zwar auch im Interesse der Staaken und der Söffer.

Ausland.

(*) Die österreichisch-serbischen Beziehungen haben noch nichts von ihrer Schärfe verloren und Serbien bleibt, da an einer baldigen völ­ligen Einigung der Türkei mit Oesterreich und Bulgarien kaum noch) zu zweifeln ist, der ein­zige Störenfried auf dem Balkan. Es scheint nun, als wenn Rußland zwischen Oesterreich- Ungarn und Serbien vermitteln wolle. Denn der russische Gesandte in Belgrad Sergejew hat sich nach Wien begeben. Schon kürzlich hatte die rusiische Regierung in anerkennenswerter Weise einen kräftigen kalten Wasserstrahl nach Serbien gerichtet. Es müßte mit ungeheuer viel Hinterlist und Doppelzüngigkeit gearbeitet werden, wenn nicht jetzt für die Serben end­gültig klargestellt wäre, daß sie bei Fortsetzung ihres tollen Treibens nicht auf Unterstützung zu rechnen haben. Es ist ferner bekannt gewor­den, . daß Oesterreich bereits bei den Mächten sondiert hat, wie sie sich für den Fall eines An­griffs auf die serbischen Skandalmacher stellen würden. Die kräftige Drohung mit einer mili­tärischen Züchtigung wird freilich nicht den ra­biaten Kronprinzen, aber hoffentlich doch den König und die vernünftigen Parteiführer zur Besonnenheit bringen. Ob die Geschichte mit

einem Aufruhr und Umsturz in Belgrad ab­schließen wird ,kann uns ja ziemlich kalt lassen, wenn nur kein europäischer Krieg zu befürch­ten ist.

— Ter neue türkische Großwesir H i l m i Pascha hielt am Mittwoch im Parlament seine Programmrede über die innere und äußere Politik der Regierung. Als Aufgaben der i n- neren Politik bezeichnete der Großwesier die Reorganisation der Verwaltung, die größte Sparsamkeit, die Sorge der öffentlichen Sicher­heit und der allgemeinen Volksbildung. Zur äußeren Politik übergehend, erklärte der Großwesir, die Regierung werde sich be­mühen, zu allen Mächten freundschaftliche Be­ziehungen zu unterhalten und auf friedlichem Wege die Fragen zu lösen, die gegenwärtig noch Gegenstand pon Meinungsverschiedenheiten wer­den könnten. Die Regierung zweifle nicht, daß es ihr gelingen werde, trotz der Schwierigkeiten jede Gefahr eines Konflikts auszuschalten. Tie Schwierigkeiten seien übrigens auf dem Wege definitiver Regelung. — Die Kammer hörte schweigend, aber aufmerksam zu und äußerte am Schluß lebhaften Beifall. Als der Präsident fragte, wer dem neuen Kabinett das Vertrauen bekunden wolle, solle die Hand erheben, zeigte es sich, daß die Kammer fast einstimmig das Programm H i l m i Paschas g u t- h i e ß.

* 25 Millionen Patronen für Serbien. Wie der „Franks. Zeitung" aus Petersburg ge­meldet wird, erhielt eine Antwerpener Firma von der serbischen Regierung eine Bestellung auf 25 Millionen Patronen. Die Munition soll über Odesia und Rumänien expediert wer­den.

Rus dem Uachbargebiele.

* Klein-Auheim, 18. Febr. 1909. Im Main wurden in letzterer Zeit verschiedene R i e- senhechte erbeutet. Erst kürzlich singen zwei Fischer zu Sdligenstadt einen Hecht von 24 Pfund Gewicht und jetzt erbeutete Fischer Ferd. Kämmerer ans Groß-Auheim ein Exemplar im Gewichte von 20 Psund. Das Alter dieser be­moosten Häupter schätzen Sachverständige auf mindestens 60 Jahre.

* Frankfurt, 18. Febr. 1909. Der Eisen­bahnminister hat der Eisenbahn direktion Frank­furt a. M. vier weitere Akkumulatoren- wagen zur Verwendung in ihrem Bezirk bewilligt. Wo sie laufen werden, ist noch nicht bestimmt.

* Offenbach, 18 Febr. 1909. Der Inge­nieur Weißenburger hat gemeinschaftlich mit dem Architekten Basiert das Modell eines ft a r r c n, zerlegbaren Luftschiffes konstru­iert. Ain Samstag hatten die beiden Erfinder eine Audienz beim Großherzog, dem sie die Ein­zelheiten ihres Modells vorführten.

’ Boni EichKfelde, 18. Febr. 1909. Das Hochwasser in vorvoriger Woche hat eklatant ge­zeigt, daß die T a l s p e r r e n die Hochwasser­gefahr in ganz außerordentlichem Maße ab­schwächen. Tas gilt besonders bei der Tal­sperre bei Langenhagen (Kreis Duderstadt), de­ren Wert von der Bevölkerung bisher nicht ge­nügend gewürdigt wurde. Trotz der kolossalen Wassermassen, die der ras chaufgetaute Schnee diesmal zu Tale führte, ist kein Schaden auge-

richtet worden. In wenigen Stunden war in dem Staubecken die Wasserhöhe bis zur Höhe von 5y2 Metern gestiegen. Wenn die großen Wafsermassen, die der rasch aufgetaute Schnee in einer schmalen Schlucht erbauten Ort ge­drängt hätten, wäre unabsehbares Unheil ent­standen.

DermWes.

* Stcucr-Hiiiterziehung. Durch die Novelle über die Verpflichtung der Arbeitgeber, das Ein­kommen oder den Verdienst ihrer Angestellten dec Steuerbehörde anzugeben, sind die Behörden ver­anlaßt worden, die „kleineren" Einkommen genau zu ermitteln. Die Stadt Berlin hat dazu ein besonderes Bureau eingerichtet. Die Ergebnisse dieser Ermittelungen sind ganz überraschend ge­wesen. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß eine Menge Personen, die bisher entweder gar keine oder nur geringe Steuern entrichtet hatten, ein Einkommen von über 3000 Mark haben und sich nun selbst einschätzen müssen. Durch diese Steuerhinterziehungen ist dec Staat jährlich um viele Millionen gekommen. Für Berlin ist der Ausfall sehr beträchtlich gewesen. Die Einkom­men z. V. von Berliner Chauffeuren, Monteuren, Putzern, Maurern, besonders Akkordmanrertn, Steinsetzern, Zuschneidern, Bildhauern usw. sind bedeutend hoher, als bisher angenommen wurde. Bei Bierfahrern sind Einkommen von 5000 bis herauf zu 9000 M ermittelt worden.

* Ein eigenartiger Todesfall. In St u t t- gact fiel von einem Fuhrwerk, dessen Pferd ge­stürzt war. eine Flasche Kohlensäure auf das Pflaster, wodurch diese explodierte. Das 58er- schlnßstiick der Flasche wurde mit solcher Gewalt fortgeschleudert, daß ein in einer Entfernung von 20 Metern stehender junger Mann, dem das Eisenstück an den Unterleib flog, auf der Stelle getötet wurde.

* „Meuternde" Dozenten. Der Direktor des Technikums in Bad Sulza hat sich veranlaßt gesehen, 4 Lehrer, nämlich die Ingenieure Jün­ger und Ernst, sowie die Architekten Just und Pefchke ans Disziplinargründen und wegen kom­plottartiger Gehorsamsverweigerung auf der Stelle zu entlassen. Einem fünften Lehrer soll das gleiche Schicksal drohen. Es unterrichten jetzt nur noch zwei Lehrer an der genannten An­stalt.

* Die weltberühmte Peljixrenfärberei von Chapel in Pans steht in Flammen. Dieser Brand ist für die gesamte Pelzbranche von einschneidenster Be­deutung, da ChapelS Spezialitäten ohne jede Kon- turreuz sind.

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Kleines Feuilleton

— Er bettelt, um sein Kind studieren zu lasten. Vor einem Wiener Bezirksgerichte stand »'rser Tage der 66jähr. Karl Z., Bürger und Pfründner von Wien, wegen Bettelei angeklagt. r r ar geständig. Aus der Verhandlung wird -mtgeteilt: Bczirksrichter: Sie sind mehr als Lwo.fmal wegen Bettelns bestraft? — Angeklag- n rlr.:! — Richter: Sie können nicht mehr hnv,-\. n‘ Barnin gehen Sie nickt in die Bürger- a- nwiner ch-— Angeklagter: Ich häng zuviel stnL, , 5mmhe; ich hab ein Wcib und vier Pip nia8r« ~ Richter: Die Polizei kennt S "veitsbettler. Ihre Frau verdient als Hausbesorgerin und durch Wchcken. Sie be- lrehen eine rllerdings bescheidene Pfründe. Ihr e':’ Milsiker, bringt auch hin und wieder

L ,6m"v ?u^rdem haben Sie zwei Sch-afburscken und ein Kosikind! — Angeklagter- Das alles langt nickt: ick leb halt doch nur wie ein Bettler. Früher freilich, da hab' ich ein schö­nes Geschäft gebabt, bin aber zugrunde gegangen. — Rickter: Aber Sie lassen ja ihre tGinbrine Tochter Marie im Konservatorium Musik stu­dieren und zahlen für sie monatlich 28 Kronen allein an Schulgeld? — Angeklagter ^weinend): Darum geb' ich ja betteln! Das Mädel ift so ' talentiert und da soll ich sie ans dem Studium herausreißen? — Unter Berücksichtigung dieses Motivs verurteilte der Richter den Bettler trotz der zahlreichen Vorstrafen zu acktundvierzig Stunden strengen Arrests. Richter sznm Anae- klaaten): Rehmen Sie die Strafe an? — An­geklagter: Mas soll ich denn tun? Ich werd' halt wmder sitzen.

~ Der zerstreute Professor. Die schwedische Presie erheitert sich an einem netten Gesckeh- ,tt3 aus dem Bereich der sprichwörtlichen Profes- ^renzerstreutheit: Als Professor Borelius eines Tages ausgehen will, bittet ihn eine der Damen

des Hauses, „wenn möglich" daran zu denken, eine Flascke Eau de Cologne mitzubringen. Weil er bange ist, es zu vergessen, macht Borelius diese Besorgung zuerst und geht dann der Sicherheit halber mit der Flasche in der Hand weiter. Da entdeckt er in dem Schaufenster der Möllerschen Btichhandlung eine neuerschienene philosophische Abhandlung und geht hinein, obgleich er sonst in der gerade gegenüberliegenden Lindstedtscken Buchhandlung zu kaufen pflegt. Während er nun das Buch besieht stellt er die Flasche auf den Tisch, und natürlich vergißt er sie, als er geht. Beim Mittagessen wird er gefragt: Tu "hast selbstverständlich die Flasche Eau de Cologne ver­gessen?" — „Rein, ich habe sic hier . . und der Professor beginnt in allen Taschen zu suchen .

„Ach, das ist wahr, ich vergaß sie in der Buch­handlung." Das Mädcken wird fortgeschickt um die Flasche zu holen; aber sie geht natürlich zu Lindsledt. weil sie weiß, daß der Professor dort zu kaufen pflegt. Hier erklärt man, es sei keine Flascke dort vergessen worden. Als das Mädchen mit diesem Beschreib nach Hause kommt, wird der Proleflor zornig und ruft: „Tu hältst uns zum Narren, du bist gar nicht in der Buchhandlung gewesen." Als das Mädchen daran festhält daß es in der Buchhandlung gewesen sei, will der Pro­fessor sich selbst davon überzeugen. Er geht nach dem Möllerschen Geschäft und fragt: .Ist mein Mädchen hier gewesen?" — „Nein!" — -r-Q§ dachte ich mir!" Und der Gelehrte geht befrie­digt nach Hause — ohne Flasche. Als das Mäd­chen andauernd dabei bleibt, daß sie in der Buch­handlung gewesen sei, befiehlt der Professor itr ihn zu begleiten. Als sie zur Möllerschen Buch­handlung kommen, will Borelius hineingehen aber das Mädchen hält ihn am Rock fest, und der Irrtum klärt iufi auf. „Na, da bist du ja ent- schuldigt; da können wir ja wieder nach Hause geben . . ." und der Herr und das Mädchen geben nach Hause. Hier wird Bericht erstattet. „Nun gut, wo hast du denn die Flasche?" — „Ja, die haben wir vergessen. . . aber ich esse keinen Bis­

sen. bis ick sie selbst herbeigeschafft habe." Ter Gelehrte geht aufs neue nach der Möllerschen Buchhandlung. Tort bekommt er die Flasche, und stolz wandert er mit ihr nach Hause, indem er sie die ganze Zeit über fest in der Rechten hält. In feiner Haustür begegnet ihm indessen ein Student, der ihn grüßt. Höflich greift Bo­relius nach dem Hut — und läßt die Flasche fallen. . =a.

- ■ Eine Rechtfertigung der alten Jungfern. Wohl nur wenige Menschen ahnen, wieviel ver­borgene Tugenden, wieviel milde Güte und Sanftmut, aber auch wieviel Kummer derjenige zu entdecken Gelegenheit hat. der in d-er Seele einer alten Jungfer zu lesen versteht, jener Men- schenkafegorie, die gewöhnlich die Zielscheibe des Spottes bildet, ohne daß man bedenkt, wie oft biefen Verlassenen durch berartiao Witzeleien bitteres Unrecht geschieht. Viele Personen fin­den gewöhnlich Gefallen daran, sich über die Kapricen mancher alten Jungfer zu amüsieren, über, ihre Vorliebe für Hunde und Katzen zu Ulfen, ober sich über ihre zum Teil crtr.iDaganten Toiletten lustig zu macken. Auch ber Egoismus, der Geiz und bie Habgier mancher altert Jungfer gibt nicht selten bankbaren Gesvräckjsstosf. Ge­wiß, es soll nicht geleugnet werben, daß sich ein gewisser Prozentsatz unter den alten Jungfern befindet, bie infolge ihrer Habgier und ihrer Selbstsucht unser Mitleib kaum verdienen. Recht selten aber denkt man an die Summe von Opfern, die sich in dem bescheidenen Leben mancher alten Jungfer verbergen. Oder ist es vielleicht nicht ein hartes Los, keinen heimischen Herd, keine Zukunft zu besitzen und in Stunden ber Trübsal und bes Leibes kein liebenbes Wefen um sich zu haben? Ist es nickt ein hartes Los. bas Kreuz ber Einsamkeit auf sich nehmen zu müssen, zu- mal wenn ber äußeren Einsamkeit sich noch bie Einsamkeit ber Seele hinzugesellt? Diejenigen, welche sich mit Respekt biesem Isolierten zu nahen wissen, haben nicht selten Gelegenheit, den außer« ordentlichen Herzcnsreichtum und die reine Güte

mancher dieser Verlasienen zu bewundern. Diele unter ihnen sind zu beneiden um die Art, wie sie anderen Trost zu spenden wissen; bewunderns- wert ist ihre Milde und Sanftmut. Wie viele, die im Kampfe des Lebens Schiffbruch gelitten haben, find durch ihre materielle Unterstützung wieder aufgerichtet worden. Wie viele Kranke unb, Verwunbete haben sie gepflegt unb ihnen Trost gefpenbet? wie viele arme Kinder gekleidet unb genährt? Das wären die Lichtseiten des alten Jungfernwesens. Noch einer Schattenseite wollen wir gedenken. Wie viele schmerzliche Ge­heimnisse, wie viele getäuschte Hoffnungen birgt bie alte Jungfer nickt selten im Innersten ihrer Seele; wieviel schwere Prüfungen, wieviel Bit­ternisse, wieviel Sorgen, wieviel Kummer unb Not bringt bas Leden jenen Verlassenen? Für- wahr, wer alle biese Umstände berücksichtigt, wirb mit ettvas mehr Hochachtung biefen Personen auf ihrem einsamen Lebenspfabe begegnen. Gewiß würde mandwr beißende Witz unb manche Frivo­lität gegenüber biefen Einsamen verschwinden, wenn man alle Umstände berücksichtigen wollte.

— Ein Gesetz zum Schutze ber Männer gegen Wriderlist. In Amerika ist man gegenwärtig dabei, ein Gesetz zu schmieden, durch welches un- vorsichtig- Männer, die sich durch allerhand Lock- mittel unter das Ehejoch haben beugen lasten, wieder aus den Händen ihrer Verführerinnen be. freit werden sollen. In dem Gesetze von dem behauptet wird, daß es alle Aussicht auf Annahme habe, heißt es u. a.: Wenn ein Mädcken ober eine Witwe mit Hilfe von künstlichen Verschöne­rungsmitteln. wie beispielsweise Puder, Schrniiike Parfum, falsche Zähne, künstliche Perücken, außer­gewöhnlichen Spitzenbesatz der Kleider und andere, auf Täuschung berechnete Hilfsmittel einen ehr­baren Junaling oder Witwer zur Ehe verleitet und die Adsickf der Täuschung nachgewiesen ist, so ist die Ebe als Null und nichtig zu erklären.

— Grob „In unieiem Priem fü o cm Paar furchtbar dämliche Menschen." „So? Wer ist denn dcr Andere?"/