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Fulda, Mittwoch den 17. Februar 1909.

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Erstes Wlcrtt

oerant«

36. Jahrgang

I» Verbindung mit dem Entwurf werden beraten: die Anträge Dr. Sn;mann (<ole) und Genossen bete, die geheime Wahl der Knappschaftsältesten, die Einführung von Vertrauensmännern der Bergarbeiter und die Einführung des Achtstundentages in den Berg­werken; der Abgeordneten Aronsohn (freif. Vp.) und Genossen betr. die Einführung von Vertrauensmännern der Bergarbeiter und die reichsgesetzliche Regelung des Bergrechts: der Abgeordneten Jmbusch (Zentr.l und (Benoffen betr. die Mitwirkung der Bergarbeiter bei der (»rubenfontrofle und die reichsgesetzliche Regelung der Bergarbeiterverhältniffe; des Abgeordneten Krause (Waldenburg, freikons.i betr. die Verantwortlichkeit der Bergwerksbetriebsbeamten und Werksbesitzer und die Mitwirkung der Arbeiterausschüffe bet der Stuben» konrrolle.

Handelsminister Delbrück: Der vorliegende Gesetz­entwurf bezweckt die anberroeite bezw. Neuregelung einer Anzahl von Fragen, die mit der Handhabung der Bergpolizei, mit der Vervollkommnung der Unfall­verhütungsvorschriften und mit der Verringerung der Gelahren des Bergbaus mehr oder weniger in Be­ziehung stehen. Diese Fragen sind jetzt spruchreif. Wir halten nach wie vor eine reichsgesetzliche Regelung nicht für erwünscht, und darin ist der Bundesrat mit uns einig. Der erste Teil deS Gesetzes beabsichtigt eine an bewerte Regelung der bergpolizeilichen Verantwort­lichkeit der Betriebsbeamten, da die beragefehlichen Bestimmungen mit der modernen Entwicklung nicht Schritt gehalten hat. Es wäre zweckmäßig, die be­stehenden staatlichen Belriebslührer beizubehalten, da le sich bewährt haben. Im Anschluß an diese Siege­lung ist eine anberroeite Regelung der Bestimmungen über die Erteilung ober Verweigerung bet Quali- ikation vorzunehmen. Die Entscheidung dieser Frage muß der Bergpolizeibehörde Vorbehalten bleiben. Die

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wochenbellage: „IlluMeÜe

glänzende und schöne Herrin von Kenning^hall seine Mutter war .ebensowenig konnte Lady Way. ne jemals erfahren, datz der Held, den sie so sehr bewunderte, ihr eigener Sohn war. Wer sollt« es ihnen sagen?

Selbst wenn Kate Jefferies und Lady Wayne sich je treffen sollten, so konnten sie sich nicht wie­der erkennen. Kate hatte ihre Schwester nur ein einziges Mal gesehen, und damals war obendrein das schöne Gesicht durch die Krankheit und den Kummer entstellt und verändert gewesen. Lady Wayne ihrerseits hatte die Witwe überhaupt nie­mals gesehen, noch ihren Namen gehört. Sie brauchte also noch gar nicht zu verzweifeln. ES war ein furchtbarerSchrecken für sie gewesen; aber sie begann jetzt klarer zu sehen — das Geheimnis war so sicher wie je. Keine Furcht vor irgend­welcher fatalen Enthüllung, keine Furcht vor Entdeckung; und Marian West stieß einen langen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, als sie in ihrem Gedankengange so weit gekommen.

Plötzlich schoß ihr durch den Sinn, was ihr« Schwester von der grünseidenen Börse gesagt, uni dieser Gedanke ließ ihr wie vorhin das Herz fass stillstehen.

Evelyn selbst hatte diese Börse angefertigt uni sie ihr vor langen Jahren einmal geschenkt, uni sie hatte sie stets sehr geschätzt. Wie hatte sie nu, st» blind sein und diese Börse schicken können l Was für em verhängnisvoller Mißgriff — welch äußerst unglückseliger Irrtum! Und, um sie noch mehr zu schrecken, tarn ihr die Erinnerung an cif altes Sprüchwort: „Wen Gott verderben will den schlagt er zuvor mit Blindheit. "

War sie denn mit Blindheit geschlagen ge­wesen, als sie diese Börse geschickt hatte? Evelyn brauchte sie nur einmal zu sehen, um sie sofort wieder zu kennen.

„Ich mutz sie also wieder bekommen", sagte ft« sich, „einerlei, wie. Ich muß sie haben, und dann ist mein Liebling wieder einmal sicher."

lFortsetzuna folgt.)

Doch mit eiserner Willenskraft bezwang sie diese wahnsinnige Regung und begab sich schein­bar ruhig und gefaßt wie immer auf ihr Zim­mer. Dort war alle mühsame Selbstbeherrschung Darüber. Sie verschloß die Tür, stellte die Lamve auf den Tisch und starrte mit großen, wilden Blicken in das Licht.

„O Himmel!" stöhnte sie leise, ,stvaz soll ich tun — was kann ich tun? Wer hot sie zusam­men geführt? Wenn ich das nur wüßte — ist es das Schicksal, dec Zufall oder die Vorsehung?"

Sie rang die Hände und blickte verzweiflungs- voll «npor.

„Warst Du es, mein Gott?" rief sie angstge­preßt.

Zum ersten Male in ihrem Leben fühlte sie sich unsicher, ob das, was sie getan, das Rechte gewesen. Hatte sie denn irgend ein Recht, Mutter und Kind zu trennen, sie in der Welt als sich fremd aufwachsen zu lasten, — aus eigener Macht- Vollkommenheit zwei Personen zu trennen, die sich gegenseitig alles in allem hätten sein sollen?

Zum ersten Male hatte sie ernstliche Zweifel darüber, ob nicht die stets von ihr als löblich be- ttachtete Handlung am Ende verbrecherisch gewe­sen. Welches Recht hatte sie, das kleine, unmün­dige Wesen aus den Armen seiner Mutter zu rei­ßen und es in eine ganz andere Lebenssphäre zu verpflanzen?

„Ich tat es in bester Absicht", stöhnte sie. „O, mein Gott, ich bitte Dich, gedenk«, daß ich es in bester Absicht getan! Es geschah ihretwegen, ihrer Zukunft, ihres Glückes mitten! Ich wäre für sie gestorben!"--

Dann, nach und nach, als ein gewister Grad von ruhiger Ueberlegung zurückkebrte. begann sie zu denken, daß noch nicht alles verloren sei. Ge­wiß, sie waren einander wieder begegnet, diese Mutter, dies Kind, die so lange getrennt gewe­sen, doch ihr Geheimnis war gesickert, als ob sie sich nie gesehen. Der junge Mann konnte nie­mals. auf feine Art und Weise, entdecken, daß hie

Preußischer Landtag

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 16. Februar 1909 Zur Beratung steht die

Berggesetznovelle.

technische QaalifUation für den Betriebssichrer soll von einer Prüfung abhängig gemacht werben. Die soge­nannten bergtechniichen Deputationen, die zu zwei Dritteln auS den Arbeitern genommen und von ben­eiden gewählt werben sollen, roäbrenb ein Drittel vom Minister ernannt wirb, möchte ich als ein bestimmtes ©lieb in die Neuorganisation des Bergwesens einbe- zogen misten. In der Kontrolle zur Ausübung der Tniallverhütungsvorschriften geschieht in Deutschland mehr als in anderen Bergbau betreibenden Ländern. Unsere Revierbeamten hatte ich zur Erfüllung ihrer Aufgaben qualifiziert. Bezüglich ber ArbeiierkontroUeure hat die Regierung geglaubt, eine so allgemein erhobene Forderung nicht unberücksichtigt lassen zu bür)en. Wenn

Deutsches Reich. '

* Die politische Bedeutung deS englischen Königsbesuches in Berlin liegt nicht in festen, bindenden Abmachungen, sondern in der Klärung der trüben Atmosphäre, durch die daS politische Leben beider Völker seit Jahren bedrückt wurde. So ist von London her versichert worden und so hört mans in Berlin. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ faßt das Ergebnis noch einmal in folgenden Sätzen zusammen:

Der Willkommensgruß, den Seine Majestät de» Kaiser an denkwürdiger Stätte den britischen afiaje* (täten ans vollem Herzen entbot, entsprach der Stim­mung unseres Volkes, bas mit seinem Kaiser an bi* Berliner Begegnung die Hoffnung knüpft auf eine fried­liche unb freundschaftliche Entwicklung des Verhält» niffes zwischen ben beiden Ländern. In demselben Geiste bewegten sich auch die Unterredungen, die der Reichskanzler Fürst 0. Bülow mit dem Unterftaatär selretär des Auswärtigen, Sir EharleS Hardinge, uni dem Staatssekretär für die Kolonien, Earl of Crewe, gepflogen hat. Stand auch nicht die Regelung spezieller, Deutschland und England im besonderen berührende« Fragen zur Erörterung, so ergaben doch die schwebenden internationalen Probleme mancherlei Themata, bet deren Bestechung beiderseits durchaus befriedigende Ein­drücke ausgekamchl wurden. So haben die Berliner Festtage in ihrem durchweg erfreulichen Verlaufe in glücklichster Weise die Bemühungen gefördert.

Abg. Jmbusch (Ztr.): Wir sehen in dem Entwürfe keine ideale Lösung, aber wir werden eifrig Mitarbeiten, um den berechtigten Wünschen aller Teile auf diesem Gebiete möglichst gerecht zu werden. Sehr wertvoll ist der erste Teil der Vorlage, der die Verantwortiichkeit und die Stellung der technischen Beamten ander- regeln und damit einem lange gehegten Wunsche der Beteiligten erfüllen wird. Die Fahrsteiger und andere neugeschaffenen Beamtengruvpen, welche tatsächlich im wesentlichen nur die Antreiber d-r anderen Beamten waren und für möglichst hohe Förderung zu sorgen hatten, haben durch ihr bloßes Dasein die Betriebs­sicherheit vermindert, und namentlich die anderen Beamten werden es dankbar begrüßen, daß diesem Zustande endlich Halt geboten werden soll. Seit 1886 hat der Bergmannsstand 25000 Mitglieder verloren, die durch Unfälle den Tod fanden. (Hört, hört! Bewegung.' Außerdem ist die Zahl der schweren Unfälle viel stärker gestiegen als die der übrigen; ebenso gestiegen ist die Zahl der durcy die Gefährlichkeiten unb belonbere Mängel des Betriebes verursachten Unfälle. Die großen Mafsenkatastrophen von Rabbod, Reden, Kl.-Rösse'n und Borufsia, die die Oeffentlichkeit so sehr erregt haben, treten hinsichtlich bet Zahl cer Verunglückten und Getöteten sehr zu ück; die Haupisache ist, daß alles geschieht, um die Zahl der Einzelunfälle zu vermindern und zu verhüten, durch welche jährlich Tausende ums Leden kommen. Die Bergarbeiter empfinden es sehr schwer, bau bisher ihre berechtigten Wünsche auf Abstellung biefer unb sonstiger Uebelstände nicht erfüllt worden sind. Aus dem Hause sind von vier verschiedenen Seiten ent­sprechende Anträge gestellt. Der unserige verlangt eine geordne e Mitwirkung der Bergarbeiter bei der Gruben­kontrolle und ein Reichsberggesetz. Die Anstellung von Einfahrern war ein Anfang. Die Zahl der Unsälle hat sich aber nicht vermindert, das Vertrauen der Kame­raden^ haben sie sich nicht erworben ; es muß das an dem System liegen. Die Vorlage will diesen Mängeln abhelsen, und ich halte ihre Vorschläge, von Ein el- heiten abgesehen, dazu für sehr geeignet. Es wäre zu erwägen, ob nicht das Alter der passiven Wählbarleit auf 25 Jahre herabgesetzt und der Kreis der Wahlbe. reditigten erweitert werden könnte, da möglichst viel Arbeiter an der Grubenlonirolle interessiert werden müssen. Die einmalige Befahrung im Monat genügt meines Erachtens nicht; es wird auch in man­chen Fällen eine Nachkontrolle notwendig sein, um feil« zustellen, ob gewisse, angeorönete Vorkehrungen auch getroffen, gewisse sestgestellie Gefahren be­seitigt sind. Der Sicherheitsmann muß eine größere Bewegungsfreiheit erhallen; er darf nicht nur unter Leitung eme§ Aufsichtsbeamlen die Grude befahren. Den Wnnich größerer Bewegungslrerheit für ben Sicherheitsmann bitte ich das Haus trotz der Einwände des Vorredners näher zu prüfen. Auch den Gruben­besitzern muß gezeigt werden, daß sie sich der Staats-

„Was. Marian?" sagte sie. „Mortimer wäre sehr enttäuscht. Hat er sich doch ebensosehr wie ich nach Dir gesehnt. Denk Dir, ein Tiner am ersten Tage Deiner Wiederkehr, und Du bist nicht daber. Und wär's nur um das Vergnügen Dich anzuschen, kommen mußt Du." '

Und Marian, die zum ersten Male seit lanaem wieder ihr Selbstbewußtsein und ihre SEtb? herrschung verloren, fühlte, es fei ihr leichter ml gehen, als zu widerstehen. '

Aber das ganze Diner ging wie ein Traum an ihr vorüber. Sre Iah Blumen, Lichter Per- sonen, alles wie durch einen Nebel. Lord Wayne versucht« nnt rhr zu plaudern, vergebens- Ev"lvn war besser gelaunt wie seit langem; aber Ma­rian West hatte ihren Mut, ihre Ruhe ihre Si- cherhett verloren. '

Auch konnte sie sich später nicht mehr besinnen wie der lange Abend eigentlich verflossen mar' Sie hörte Lady Wayne singen und fand sich dann plötzlich an der Seite des Lords wieder, der ihr seine Meinung über die demnächstigen Parla- mentswahlen auseinandersetzte. Aber sie hörte kein Wort; ihr Gemüt war in Aufruhr- ihre Ge- danken wirbelten wild durcheinander chr fefttnin" delte nur nnhsam vernichte sie sich soweit zu be' meistern, um nicht Aufsehen zu erregen.

, „Bin ich nur erst einmal allein," war ibr Kr”e&anie' "f° ‘DeCl* id) in E-m schon

Und doch schien es ihr Jahrhunderte rn ern, big sie endlich allein war. 1 ^h-

„Du siehst wirklich nicht gut aus >•

Ä e”iM ■*“ w« ä* «St . ^Dann fühlte sie, daß Evelyn sie küßte und de» M unwiderstehlichen Anttieb hatte, ihr um dm Hal- zu fallen und laut zu rufen- n

., "Er ist Dein Sohn, Eve — Dein Sohn, den ich all duffe Jahre her von Dir fern gehalten von dem uh Drr erzählt, er fei tot — Dem Sohn' Eve!" '

autoritär zu beugen haben. Zu erwägen ist auch, ob daS Prämiensystem nicht die Unfallverhütung beein­trächtigt. Sest Jahren hat sich daS 6au$ wiederholt mit Bergarbeiterfragen beschäftigt. Die Bergarbeiter find nicht befriedigt von dem bisherigen Ergebnis. Sie wünschen reichsgesetzliche Regelung. Geben Sie die tetchSgesetzliche Regelung zu, damit wieder Ruhe im Bergbau eintritt. (Beifall).

Abg. Seinert (Eoz.): Die Verantwortlichkettsvor- schristen der Vorlage für die höheren Beamten nur Wett, wenn ein Unglück eingetreten ist. Es fehlt die Bestimmung, daß gesetz- unb vorschriftswidrige An­ordnungen bet höheren Beamten von ben Unterbeamten nicht auSgefübrt werden dürfen. Das Gesetz erfüllt im übrigen die berechtigten Forderungen der Arbeiter ganz und gar nicht. Im Bergbau herrscht die rück stchtsloseste Kapitalistenwirtschaft. Der Bergbau wird beherrscht von einem Kowitatistenkllmael, der mächtig ist auch gegenüber der Regierung. Durch die furcht­bare Verachtung der Arbeiter als Menschen, durch die ^Brutalität und den Hohn des Kapitalismus liefern Sie uns ja ständig Makettal für unsere Agitation.

Abg. Dr. grtebberg (natl): Wir stehen dem Gesetz­entwürfe fteunblich gegenüber, wenn wir auch gewisse Bedenken haben, die in der Kommission näher zu er­örtern sein roerben. Die Kontrolle durch die Arbeiter« Vertreter wird in den meisten Fällen nur sehr ober­flächlich fein können; wollte man sich bet ihr beruhigen, so würde die Unglücksgefahr in den Bergwerken nur steigen. Nicht die Furcht vor der Sozialdemokratie, wie Herr Seiner! sagt, ist für uns maßgebend, sonder» daS psychologische Moment, die Arbeiter zu beruhigen. Redner sucht dann ausführlich die Behauptungen bei Abg. Seiner! zu widerlegen. Dem Sicherheitsmanu muß weitgehender Schutz gegen die Kündigung ge­geben werden. Notwendig bleibt eine befriedigend« Lösung der Frage bet unstreitig unmoralischen schwar­zen Siften. |

Abg. Wohnet (natl.) und Abg. Dr. (trüget (frf. Bp.) äußern sich im gleichen Sinne zur Vorlage.

Hanbelsminister Delbrück: Ich glaube, es wird zweckmäßig sein, bie Frage der schwarzen Siften in bet Kommission, nicht hier, zu bebattieren. Im Übrigen halte ich es für richtig, wenn man etwas erreichen will, bas Schiff nicht mit unnötigen Ballast zu be­lasten. |

Geh. Rat Reuh gibt Aufschluß übet baS Ergebnis der Untersuchungen über die Unfall» unb Krankheit-- statistik. Im Bezirk Saarbrücken sei eine Vermehrung der Krankheiten überhaupt nicht zu verzeichnen. Wen» sich in den übrigen Bezirken die Krankheitsstatistik ge­steigert habe, so erkläre sich das im wesentlichen daraus, 1 daß bie früheren Zahlen wesentlich auf Schätzung be­ruhten.

DaS HauS vertagt sich. Morgen Weiterberatung.

84] Aus dem Englischen von K. v. RaeSseld- „Natürlich doch, Marian. Was für eine Frage! Ich habe während des Abends in der Hauptsache mit ihm geplaudert."

.Kannte er Dich — das heißt, ich meine, hatte er von Dir gehört?"

„Ich weiß nicht. Ich schien ihm sehr zu ge- allen; und — Marian, ich sollte mich wirklich chämen, daß ich's sage, aber Dir kann ich's wohl agen — weißt Du, als ich mich von ihm verab» chiedete, fühlte ich eine unwiderstehliche Neigung, hn zu umarmen und zu küssen."

„Kein Wunder," dachte Maria» Wett. „O, großer Gott! Was sott ich tun?" Laut fragte sie dann: „Sagtest Du nicht, er habe Lord Wayne gefallen?"

,Za. sehr gut. Du kannst Dir denken, Ma- rian, wie sehr er mir gefallen, wenn ich Dir sage, mein größter Herzenswunsch ist es, meinen Ray- mond ihm ähnlich zu sehen. Ach,— da schellt's »um Diner."

ITnd Lady Wayne, die Erregung ihrer Schtvc- ster ganz und gar nicht gewahrend, erhob sich und blieb einen Augenblick vor dem Spiegel stehen, nrdes sie ihre Handschuhe anzog und nach ihrem Fächer griff.

„Eve," sagte ihre Schwester matt, „ich glaube mcht, daß ich heute zum Diner hinuntergehe. Ich fuh^ mich nicht wohl; der Schmerz von eben quält, mich immer noch."

Sie sehnte sich darnach, allein zu sein, um sich schreckliche Wahrheit, diese fürchterliche Ge­schichte zu vergegenwärtigen; um sich im Geiste in den grellsten Farben die Tatsache auszumalen, 7 « 2-ve Schwester endlich dem Sohne, den sie

ä begegnet sei; daß Mutter

■ vhue sich wiederzuerkennen.

Schwester"^ ®°9nc schlang den Arm um ihre

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 16. Februar 1909.

Die Beratung des

Etat» des ReichseiseubahnamteS rotrb fortgesetzt.

Abg. Stolle (Soz.): Noch immer werden bie Unter» beamten von ihren Vorgesetzten in einer Weise behan­delt, bie lebhaft an bie Kaserne erinnert. Ein Erlaß des Kölner Eisenbahndirektionspräsibenten spttcht seine Berrounberung barüber aus, daß Unterbeamte vor Gericht wiederholt Betriebsmiregelmäßigkeiten zur Sprache blingen, die ben höheren Stellen nicht gemeldet worden sind.

Präsident des Reichseisenbahnamtes Schulz: Die Verwaltung ist bemüht, bie Gefahren für bie Beamten in jeder Weise zu vermindern. Die Wagen mit offenen BremSsttzen werden immer mehr aus dem Betttebe ausgeschaltet. Es rotrb überhaupt kein solcher Wagen Mehr neu in ben Betrieb eingestellt. Die Dienstzeit der Beamten wird nach Möglichkeit beschränkt. Auch in dieser Beziehung find die Verhältnifle günstiger ge­worden. Jedenfalls geschieht alles, um die Sicherheit zu erhöhen.

Abg. Schrader (freif. Vgg.i will das Personal er­heblich »erringert wissen. ES ist nicht durchaus nötig, achtstündige Arbeitszeit für alle Beamten zu fordern Es ist bie Frage aufgeworfen worben, ob wir nicht da? Reichseisenbahnamt überhaupt entbehren könne». Ich würbe baS nicht raten, benn wir schränken damit bie Reichsverwaltung ein unb gestehen zugleich ein, baß bie Paragraphen ber Reichsverfaffung, die von der Austicht über bas Eisenbahnwesen handeln, nahezu hin­fällig geworben sind.

Abg. Gan» Edler zu Pndlitz (kons.): Der Ansicht, daß bas Reichseisenbahnamt eine iiberrounbene Sache fei, kann ich mich nicht anschließen. Das Amt hat feine Aufgaben in ber Reichsverfaffung unb int Reichs- eisenbahngefetz bekommen, unb diese Aufgaben bestehen heute ebenso gut wie früher. Wir wünschen weder eine Uebetbürbung unserer Beamten, noch eine zu ge­linge Arbeitsleistung. Wir finb aber ber Ansicht, daß wir bie Einzelheiten nicht übersehen unb daß wir ben vorgesetzten Behörden lelbft bie Aufsicht über bie Tätigkeit ber Beamten überlasten wüsten.

Abg. CarstenS (freif. Bp.): Das Reichseifenbahn- amt muß auch auf bie Sohnverhältnisse Einfluß haben, fvenn bit Betriebssicherheit bamit zusammenhängl. Es wüte auch für ausreichenbeS Wagenmaterial gesorgt

Präsident des Reichseifenbahnamtes Dr. Schulz: DaS Reichseisenbahnamt kann Maßnahmen ber einzel- »en Eisenbahn Verwaltungen nur bann beanstanden, roenn bie Sicherheit des Betriebes ge]ährbet erscheint.

Abg. Stör, (b. Rp.): Dem Optimismus beä Abg. Wetzel tnbezug auf bie Güterwagengemeinschaft teile ick) nicht ganz. Sie soll wohl ben Eindruck Hervorrufen, a!§ ob etwas Rechte? geschehen fei. ES ist offenbar eine Bettegenheitsmaßregel. Die Hauptmißfiände im Eisenbahnwesen werben dadurch nicht beseitigt. Da herrscht der Pattikularismus, und wen» Preußen unb Bayer» einig stnb, können bie anderen Verwaltungen Nichts erreichen.

Abg. Dr. Pichler (Ztr.): Die Anregung zur Güter­gemeinschaft ist gerade von ber bayerischen Eisendahn- vetroaltung ausgegangen. Herr Wetzel sieht bann nur eine Zroischenstation auf Dem Wege zur beutschen ReichSeisendahngemeinschaft. Ich wünsche ja nicht, baß das Zügle entgleist, bevor es zu diesem Ziele kommt, aber baß wir noch recht lange auf ber Zwischenstation stehen bleiben. Herr Storz hat nun ein großes Klage­lied angestimmt über bas Zusammenhalten von Preußen und Bayern, wobei Württemberg zu kurz komme. Es hätte boch näher gelegen auf ben großen Unterschieb in der Behandlung von Berlin-Leipzig unb Berlin-Halle Hinzuwelsen Berlin-Leipzig hat nur zwei D-Züge, Berlin-Halle drei, unb ich lege bem Eisendahnminifter Berlin-Leipzig und bamit bie bayerische Richtung nach RegenSburg befonberS warm ans Herz. Herr Storz meint, bie einzig rationelle Richtung von Nurn- berg nach dem Bodensee gehe über Ulm nach Friedrichshafen; aber bie bayerische Verwaltung mutzte auch ein bischen an ihre eigenen großen Städte

nalen Verkehr möglichst schnell durch unser Land hin­durch und hinaus besördert wirb, sonbern baß er be­quem in bie großen Stäbte deS Vaterlands kommt. Eine ReichSeisendahngemeinschaft würbe ben Einzel­staaten ben wirksamen Antrieb zur Förderung ihrer Interessen nehme». Woraus eS ankommt, ist ein loyales Zusammenarbeiten ber Eisenbahnverwaltungen; darin soll man nicht aus politischen Gründe» störend ein» greifen (Beifall.)

Abg. Sachse (Soz.) bespricht Mißstände in dem Tunnel Schönhufen tn Schlesien, in welchem einen Tag »ach der Besichtigung die Holz« und Eisenstütze» zu- sammenbrachen.

A» der weiteren Debatte, die sich fast ausschließ­lich um süddeutsche Eisenbahnwünsche dreht, beteiligen sich die Abgg. Freiherr Hehl zu Herrnsheim (natlib.), Freiherr v. G«up (Rp.), Storz (sübd. Vp.i, Stolle (Soz.), Dr. David (Soz.), Dr. Pichler <Ztr), v Btock- hause» (kons.), Haa» (ntL), Ulrich (Soz.), Köhler (Rfp.) und Schwabach (natlib.).

Der Etat wirb erledigt, bie Resolution angenommen.

DaS Hau? vertagt sich. Mittwoch: Bankgesetz, vor­her kleine Vorlagen.

denken Wir haben unsere Eisenbahnen nicht nur lyuiveiuny mu,i unueiuuiiujuyi tunen zu ourjen. Wenn dazu, daß jeder Reisende auf dem internal io« | ich meinen früheren Standpunkt, der allgemeine Be-

Isjelgea: Dte et» f jwüige Petit-eilt obet bem Bern* (5 pfg. »eriasrsbirpekitztll« 25 Pfc, de! wieder» halMgeit wird erttsxr.

Lsdatt gewährt.

Ldtattourdruckimd Verlader Fuldaer Ak,

Monakröcllage: „§uldaer Geschichts-Mer" Zrrrl-recher nfV*

ftimmungen ablehnte, jetzt verlasse» habe, so ist diese ®eftnnung?änberung da? Ergebnis einer eingehenden Untersuchung ber bezüglichen Verhältnisse. Ich habe gesehen, wie unerträglich mancherorts das Verhältnis zwischen Arbeitgeber» unb Arbeitnehmern war, ich habe aber auch gesehen, wie segensreich eine Aussprache zwischen Arbeitern unb Arbeitgebern zu wirken tmftanbe ist. Wohl kein anberer Staat ist tn so hohem Maße bestrebt gewesen, burch gesetzliche Anordnungen bie soziale Lage unb wirtschaftliche Stellung ber Arbeiter zu verbessern, wie wir. So muffen sich auch bie Be­ziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern bessern, unb dazu glaube ich, wirb bie Vorlage beitragen. Deshalb bitte ich Sie, bie Vorlage, womöglich so wie sie co- liegt, anzunehmen. (Lebhafter Bestall.)

Abg. Beuchett (kons.) bezweifelt, daß ber Zweck der Novelle durch bie vorgeschlagenen Bestimmungen er­reicht werden wird. Wichtiger ist ein gegenseitiges Verstehen der beiden Parteien. Bei einem großen Teil der Arbeiter scheint es aber an bem guten Willen zu frieblicher Einigung zu fehlen. Den Bestimmungen über bie Aufsicht können wir im großen unb ganzen zustim­men. Mit ber vvrgeschlagenen Teilnahme ber Arbeiter an ber Kontrolle sind wir ebenfalls einverstanden, aber bie Einrichtung von Grubenkontrolleuren aus ben Reihen ber Arbeiter, wie sie bie Sozialdemokraten wünschen, muffen wir ablehnen. Neber Einzelheiten rotrb man sich in ber Kornmisst on noch weiter zu unter­halten haben. Ich beantrage baher bie Verweisung ber Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliebern, bemerke aber schon jetzt, baß wir gegen eine reichs­gesetzliche Regelung finb, unb barin find wir mit dem Minister unb bem Bundesrat einig.

Der Entwurf bestimmt bie Einführung _______

wörtlicher Aufsichtspersonen sowie von stänbigenArbeiker- auSschüflen auf Bergwerken mit mehr als 100 Arbei­tern unb non Sicherheitsrnämiern für bie einzelnen Steigerabteilungen unb regelt beten Befugnisse.