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votattonsdruckund Verlag der Fuldaer A> tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

Fulda, Freitag den 12. Februar 1909.

M 34.

36. Jahrqang.

Iwertes HZIertt.

O Dernburg gegen Trotha s Kriegsführung.

In dem vom großen Generalstab herausge- gebenen Werke „Die Kämpfe der deutschen Trup­pen in Südwestafrika" befindet sich auf der Seite 214 des ersten Bandes die folgende Schilderung des Unterganges des ehemaligen . selbständigen Hererostandes in Deutschsüdwestafrika:

„Bon Onhorou ab bezeichnete eine im Omuramba ausgeireUne Fußpar, neben welcher Menschenschädel und Gerippe und Tausende gefallenen Viehes, be­sonders Großvieh lagen, den Weg, den anscheinend die nach Norvosien entwichenen Hereros genommen haben. Besonders in den dichten Gebüschen am Wege, wo die verdurstenden Tiere wohl Schuh vor den versengenden Strahlen der Sonne gesucht halten, lagen die Kadaver zu Hunderten dicht neben» und übereinander. An vielen Stellen war in 15 bis 20 Meter tiefen, aufgewühlten Löchern vergeblich nach Wasser gegraben .... Mes läßt daraus schließen, daß der Rückzug ein Zug des TodeS war. . . ."

„Die mit eiserner Strenge monatelang durchgemhrte Absperrung de§ Sand'eldeS vollendete das Werk der Bernichtung. Die Kriegsberichte des Generals o. Trotha aus jener Zeit enthielten feine Aussehen er­regenden Meldungen. Das Drama spielte sich auf der dunklen Bühne des Sandseldes ab. Aber alS die Regen­zeit tarn, als sich die Bühne allmählich erhellte und unsere Patrouillen dis zur Grenze deS Betschuana- landes vorstießen, da enthüllte sich ihrem Auge das grauenhaste Bild verdursteter Heereszüge. Das Röcheln der Ererbenden und das Wutgeschrei des Wahnsinn-, sie ver -allen in der erhabenen Grille der Unendlich- ettDas Strafgericht halle fern (Snoe gejui-öen. bXe Hereros hatten ausgehört, ein felbgänbiger Bolks- sirmni zu sern."

Die Kriegsführurrg des Generals v. Trotha in Leutichsüdwestafrika gegenüber den Hereros ha. wiederholt, auch im Reichstage Veranlassung zu den lebhaftesten Aussprachen gegeben. Man wat der Ansicht, daß eine derartige Maßnahme dem Ansehen einer Kulturnation nicht förderlich sei, »ird weiter rvar man der Ansicht, daß die Eingchorenen unser wichtigster Wert in den Kolonien seien, und daß ihre Vernichtung daher für ins von allergrößtem Schaden sein müsse. Lrothr hat damals, wie auf Seite 208 des Gene- oatstat swerikes zu lesen ist, seinerzeit auf die „von mehr als einer Seite" angeregten Verhand­lungen über die Unterwerfung stets mit „Nein" geantwortet, weil er den Aufstand im Schutzge­biete als „das erste Anzeichen eines Rassen­kampfes" in ganz Afrika ansah, eine Ansicht, die bekanntlich nachher in keiner Weise verwirklicht worden ist. „Der Kampf mußte also," so heißt es weiter, „weiter geführt werden, solange über­haupt die Möglichkeit eines Wiederauflebens der Widerstandskraft der Hereros vorhanden tvar." Inzwischen ist der Kolonialsekretär Dernburg in Südwestafrika gewesen, und hat sich dort die Situation angesehen. Der Eindruck, den er dort mitgenommen hat, ist geradezu niederschmetternd gewesen. Er hat gesehen, daß in Deutschslldwest- afrika eine Kleinsiedelung, so wie sie seinerzeit vielleicht in Aussicht genommen war, nicht mög­lich war. Er hat ferner gesehen, daß füt den Bergbau neben den Eingeborenen nur der aller­wichtigste Abschaum der Weißen Kulturvölker als Arbeiter in Betraäst kommen; er hat weiter ge­sehen, daß die großen Dichwirtschaften nur mit Hilfe Eingeborener zu betreiben sind, weil Euro­päer sich für diese Art Arbeit kaum hergeben werden. Und da empfindet er es vom Stand­punkte des Volkswirtes aus als denkbar bitter, daß die Eingeborenen vernichtet worden sind. Ans diesem Gedankengange heraus hat er sich

sehr energisch gegen die von Trotha geübte Art der Kriegsführung ausgesprochen. Darob bricht nun in den „nationalen" Blättern ein Sturm der Entrüstung los, der anscheinend für Lern- bürg nicht ganz harmlos sein wird.

An sich kann dieser Streit uns ziemlich kalt lassen. Di« Vernichtung der Hereros ist beendet. Zu ändern ist an der Sache nichts mehr, der oben zitierte Passus des Generalstabs-Werkes über den Krieg wird für alle Zeiten in der Geschichte einen Platz finden, nachdem er von so authentischer Stelle, wie vom Generalstab, schriftlich nieder­gelegt worden ist. Aber es ist doch sehr inter­essant, daß Staatssekretär Dernburg wieder einmal, wie in fast allen Fragen, in denen er Stellung genommen hat, auf dem Stand­punkte des Zentrums angelangt ist. Das Zentrum hat diese Art Kriegsführung in ihren ersten Anfängen — in dem Troth a'schen Erlaß, eventuell auch die Weiber nicht zu schonen — aufs heftigste bekämpft. Damals haben die Offiziösen gesHniegen. Heute steht Dernburg auf der Seite der damaligen Oppo­sition.

Deutsches Reich.

Die Deutsche Bereinigung

versucht auch unter den Katholiken Kassels Propaganda zu machen. Sie versendet eine Bro- schüre: „Was will die Deutsche Vereinigung?" und eine Nummer der „Deutschen Wacht", um dadurch Mitglieder zu werben. Was die „D. Vereinigung" als ihre Zwecke in § 2 ihrer Satz­ungen bezeichnet, — Sicherung und Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Machtstellung des Deutschen Reiches; Pflege des christlichen und deutschen Charakters unseres Staats- und Volkslebens, unter Ausgleich der konfessionellen Gegensätze; Erhaltung eines lebens- und lei- stungssähigen Mittelstandes und Bekämpfung der Sozialdemokratie durch Fortführung einer gesunden Sozialpolitik — steht schon längst auf dem Programm der Zentrumspartei; es wäre daher gar nicht nötig, eine Vereinigung zu grün- den, um diese Zwecke zu erreichen. Des Pudels Kern liegt auch ganz wo anders. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Artikel der Drucksachen der Haß gegen das Zentrum, das stets als konfessionelle Partei bezeichnet wird, während doch statutengemäß di« Partei keinen konfessio­nellen Charakter haben kann und auch nicht hat. — In der Broschüre wird darüber geklagt, daß „weite Volkskrcise durch konfessionelle Schranken von jeder gegenseitigen Berührung abgesperrt" seien und „Literatur und Tagespreise einseitiger Richtung die unparteiische Beurteilung geg­nerischer Anschauungen hindere", doch wird da- bei nicht etwa auf die evangelische Bevöl­kerung hingewiesen, für welche die katholische Tagespresse und Literatur tatsächlich eine terra incognita ist, sondern den Katholiken gilt es, die doch durch Schule und Leben gezwungen wer­den mehr als ihnen lieb ist, sich mit gegnerischen Anschauungen zu befassen. Wer hat denn die konfessionellen Gegensätze mehr verstärkt, das Zentrum, das ebenso bereitwillig für evange­lische wie katholische Staatsbürger eintritt, oder der Evangelische Bun-d, der ständig gegen die Katholiken hetzt? Wenn die „Deutsche Vereinig­ung" ein gutes Werk tun will, dann soll sie in ihren Schriften zunächst den Herren Bundesbrü­dern klar machen, wie wenig diese zur „Versöh­nung der konfessionellen Gegensätze" beitragen. Freitag Abend wird ein Herr Lorenz Wahl aus Berlin im Auftrag des antiultramontancn

Reichsverbandes einen Vortrag halten über „Der Ultramontanismus in der Gegenwart: Sein Wesen und seine Gefahr." — Was soll dieser Vortrag bezwecken? Fürchtet man, daß in Kassel die Ultranwntanen zu mächtig werden, obschon in städtischen und staatlichen Behörden keine Spur von Ultramontanismus zu entdecken ist. und wo die Katholiken gar nicht oder nur in verschvindender Zahl im Magistrat und unter den Stadtverordneten vertreten sind? Nein, es handelt sich nur uni neue Hetzereien, natürlich nicht gegen „unsere katholischen Mitbürger", son­dern nur gegen jene Katholiken, welche in reli­giösen Fragen ultra montes sich wenden, d. h. gegen alle, die wirklich noch katholisch sind. K.

* Eine ernste Mahnung für die Katholiken enthalten di« statistischen Mitteilungen des eben erschienenen Ergänzungsheftes zum Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preu- ßen. Unter den 212 115 Schülern, welche am 1. Februar 1908 unsere höheren Lehranstal- t e n besuchten, bildeten die Katholiken mit 52 305 nur 2 4,6 6 Prozent, während die ka­tholische Bevölkerung annähernd 36 Pro­zent beträgt. Noch bedauerlicher ist es, daß gegen das Vorjahr nicht nur kein Fortschritt, sondern sogar ein, wenn auch kleiner Rückgang zu beobachten ist, indem die Katholiken im Win­tersemester 1907 mit 51 436 unter 208 170 noch 24.70 Prozent ausmachten. Etwas günstiger lie­gen die Verhältnisse hinsichtlich der Abiturienten. Unter den 7824 Schülern, welche die Reifeprü­fung bestanden haben, befinden sich 2158 Katho- lifen — 27.36 Prozent. Doch auch hier ist ein Rückschritt zu verzeichnen, da die katholischen Abi­turienten des vorhergehenden Jahres (2070 un­ter 7349) 28.18 Prozent bildeten.

* Wie unsere Hakaristen germanisieren. Dem „Westpreuß. Volksblatt" wird aus K u l m s e e geschrieben: Don hier sind mehrere katholi­sche Eisenbahnbeamte strafweise versetzt worden, weil sie ihre Kinder am polnischen Kate- chumenunterricht teilnehmen ließen. Die Post­beamten polnischer Muttersprache, deren Kin­der zum polnischen Beichtunterricht gingen, sind gezwungen worden, ihre Kinder in den deutschen Beichtunterricht zu schicken. Wir glauben, daß es Sache der Eltern und Seelsorger sein müßte, zu entscheiden, ob em Kind zum deutschen oder polnischen Beichtunterricht gebt. Dies dürfte die Regierung gar nichts angehen.

Aus dem Nachbargebiete.

4- Großenlüder, 10. Febr. 1909. Die Spezialkommiflion Fulda hat der Landwirtschafts- kammer mitgeteilt, daß in Großenlüder durch Ausweisung eines Geländes und Herbeiführung eines Gemeindebeschlusfes bei der erfolgten Zu­sammenlegung die Grundlagen für die Anlegung einer Iungviehweide geschaffen worden feien und an heimgegeben, die Kammer möge einen Plan für die Anlage der Werde auffleUen. Die Kammer hat nun den Viehzuchtlnjpekwr mit der Besichtigung des Geländes und der Ausa.bestung des Projekts beauftragt

* Frankfurt a. M., 11. Febr. 1909. Als dieser Tage ein hiesiger Kaufmann über die alte Brücke nach Hause gehen wollte, packte ihn ein Mann an Armen und Beinen und ein zweiter nahm ihm das Portemonnaie mit 100 ab. Die Räu­ber, der Taglöhner Emil Rupp von hier, und der Hausdiener Heinrich Hillgärtner aus Paris, wurden gestern verhaftet. — Eine „saubere" Back st u be muß der Bäcker Siegmund Hirsch, Kantstraße 13, gehabt haben. Heute verurteilte

Mleiues Feuilleton.

— Die Kunst, zu lachen. Der italienische Tenor Flimingo behauptet, baß nur die wenigsten Men­schen richtig zu lachen verstünden. Sie lachen, ohne den Eindruck zu bereck)nen, den ihr Lachen auf ihre Zuhörer macht. Diesem Uebelstande will Flimingo durch eine Lachschule abhelsen. Fli- mingos Lehrkurius besteht aus 10 Lektionen, und jeder Schüler, der davon profitiert hat, soll im­stande sein, mit musikalischer Modulation und mit künstlerischer Fertigkeit zu lachen. Dieser Lach­lehrer har einen großen Zulauf. Nach Flimingos Lehre lachen alle Völker verschiedenartig. Der Deutsch« hat ein sonores Lachen ohne bestimmte Grenzen. Er lacht vielfach ohne Grund. Das mglische Lachen ist kalt, meist herablassend, und m den guten Klassen der Gesellschaft gilt es als siegel, überhaupt nicht zu lachen. Das Lachen »er Oesterreiwer klingt leicht und elegant, und yS Wiener Mädchen lacht oft und viel, wahr- cheinlich, um ihre guten Zähne zu zeigen. Ter Belgier lacht frei und offen, der Amerikaner schal­lend und jedes andere Geräusch übertönend. Das Lachen der Französin ist dasjenige eines Volkes, das gute Weine zu trinken liebt; aber seit einigen Jahren wird unter den französischen Frauen we­niger gelacht, was wahrscheinlich auf den höheren Konsum in Mineralwasser und — auf die Ver­schüchterung der Zähne zurllckzuführen ist. -a.

— Redebliiten aus Versammlungen. In einer Kohlenhändlerversammlung bemerkte ein Redner: „Ich will einmal eine Lieferung von 503 Doppel- Waggons Briketts ins Auge fassen!" In einer Bäckerversammlung bemerkte ein Bäckermeister: „Wir müssen uns auf vier Brötchen festlegen I" In derselben Versammlung meinte ein anderer Redner: „Die Hauptsache ist, daß all« unterschrei- den, nur noch 4 Brötchen für 10 F zu geben, denn nur so können wir zu einer Gemeinheit kommen." bin am Gewerbegericht verklagter Stuckateur be» pritt die Zuständigkeit des Gerichts, denn, be­

gründete der Beklagte, der Kläger ist nicht mein Arbeitnehmer, sondern wir haben zusammen in­kognito gearbeitet. Als in einer Wirteversamm­lung die Anschaffung einer Fahne befproeben wurde, meinte ein Wirt, man könne sich erst ein­mal von einer Fahnenfabrik einen „Prolog" kom­men lasten und dann aiissuchen, ob man sich für eine Standarte oder eine Fahrig entscheiden wolle!

*p*

— Dir verliebte und die verlobte Köchin. Daß die verliebte Köchin für denjenigen, dem sie nicht gerade ihre Liebe entgegenbringt, nicht immer ein Genuß ist, ist allgemein bekannt. Wenn die Suppe versalzen ist, dann weiß man gewöhnlich, daß die Gedanken der Köchin wohl mehr bei dem Liebsten weilen, als bei der Arbeit. Mit dem Derliebtsein geht es nun noch Diel schlimmer aber wird die Sache, wenn die Köchin einmal Braut geworden ist. Dann ist es mit ihr nicht mehr zum Aushalten. In der Stadt Bremen ist dies ein Kündigungsgrund. Unter der Rubrik - „Verlangtes weibliches Personal" findet sich in den Bremer Nachrichten folgendes Inserat: „Zum 1. Mai eine Köchin anstelle einer Braut geworde­nen gesucht. Senator Wessels." Senator Wes­sels wird wohl jedenfalls wissen, was in seiner Republik Rechtens ist. Glücklicherweise brauchen im übrigen Deutschland die Köchinnen erst dann zu gehen, wenn sie heiraten wollen. =p

— Religionsbekenntnis und Feuerbestattung. Das Organ für Feuerbestattungswesen „Die Flamme" veröffentlicht eine interessante Tabelle über den Anteil der verschiedenen Konfessionen an den Feuerbestattungen im Jahre 1908. Im Deutschen Reiche wurden danach im ganzen 4050 Leichen eingeäschert. Davon entfielen auf die Protestanten 3236, die Katholiken 299, die Alt­katholiken 35, Juden 153, die Freireligiösen 72, die Dissidenten 19, auf andere Bekenntnisse 9. Die Konfessionsangabe fehlte bei 197 Einäsche­rungen.

— Ein böser Druckfehler. Zu einer Musik­aufführung hatte ein Komponist ein Lied vier- timmig drucken lasten und darüber gesetzt;

„Sanft, langsam und beständig." Als am Abend der Gesangtext unter die Anwesenden verteilt wurde, begann an einer Stelle des Saales ein Kichern, das sich lawinenartig fortsetzte, sodaß eine Minute darauf das ganze Haus von Heiter­keitsausbrüchen durchzrttert wurde. Der Setzer- teufel batte, nämlich aus dem „Sanft, langsam und beständig" „Sanft langsam und beständig" werden lassen. Dem Künstler war darauf die ganze Freude an seiner Komposition -vergangen und infolgedessen ist das Tonstück, zu dem er den Taktstock sckuvcing, vollständig verunglückt, -p.

— Menschliche Postkolli. Es ist wenig bekannt daß die englische Post verpflichtet ist, auch die Weiterbeförderung von Menschen durch Eilboten vorzunehmen. Eine junge taube Londonerin sollte dieser Tage bei einem Brautzüge als Kranzdame sein. Da sie aber in einem entlegenen Vororte der Stadt lebt und zur betreffenden Kirche einen weiten Weg gehabt hätte, wollten sie ihre Ange­hörigen die Reise wegen des starken Nebels nicht antreten lassen. Da erinnerte sich die Brautjung­fer, die auf ihr Vergnügen nicht gern verzichten wollte, an die Postordnung und ließ sich ohne weiteren Verzug als Erpreßware befördern. In Begleitung eines Spezialboten, der von der näch­sten Possttation geholt worden war, erreichte sie auch sicher ihren Bestimmungsort und kam ge- rabe noch zur Zeit, um der Trauung beiwohnen zu können. -a.

— Erkannt. Patient: „Ich weiß nicht, Herr Doktor, ich tühl' mich so elend, ich habe für nichts Jnleresse, hab' keinen Appetit, kann nicht schlafen." — Arzt: „Warum heiraten Sie das Mädchen nicht?"

— Kühn ausgedriickt. „Nun, hast Tn das Herz der reichen Rentlerslochier schon erobert ?* — „Ja, ich stehe bereits mit einem Fuße in ihrem Geld- schrant!*

— Verblümt. Diener: „Wir müsten aus unserer Hut sein, gnä' Herr — bei dem Kolonialwaren­händler nebenan ist diese Nacht eingebrochen worden." — Herr: „Ja, in meinem Kistchen fehlen biefen Mrrgen auch schon wieder zwei Zigarren."

ihn nämlich di« Strafkammer zu drei Monaten Gefängnis, weil er Mehl zum Backen bermenbete, das von Würmern, Käsern und Milben durchsetzt und vollständig verdorben war.

* Homberg, 11. Febr. 1900. Die städtischen Behörden haben einen Entwurf aufgestellt zu einer Ordnung für die hiesige Stadt zum Schutze gegen Verunstaltung.

* Eschwcge, 10. Febr. 1909. Die Stadtverord­neten beschlossen in ihrer gestrigen Sitzung, di« in der Stadt wohnenden Kriegsveteranen mit einem Jahreseinkommen von unter 1200 JL von der Gemeindesteuer zu befreien.

* Aus dem Löwensteiner Grund, 12. Febr. 1909. In Niederurff fiel am Montag nach­mittag beim Spielen das fünfjährige Kind des Ackermannes Heinrich Otto in den angeschwolle­nen Bach. Gastwirt Metz rettete unter eige­ner Lebensgefahr das Kind, welches schon etwa 50 Meter von der Strömung mit fortgerissen war, aus den Flutern

* Eisenach, 12. Febr. 1909. Die hiesige Dar rsche Hofwagenfabrik, die in ganz Deutschland und darüber hinaus einen guten Ruf hatte, war nach bem Selbstmord ihres Besitzers in Konkurs geraten. Sie entläßt kommenden Freitag ihre sämtlichen Arbeiter. Es befinden sich darunter solche, welche 33—40 Jahre ununter­brochen in dem Geschäft tätig waren.

* Mainz, 12. Febr. 1909. Der flüchtige Spar- kasienbuächalter Scheuer ist in Mannheim im Saalbautheater verhaftet worden. Seine Vergehen werden ihre Aburteilung vor dem Schwurgericht finden, doch bleibt vorher noch zu ermitteln, wie lange sie zurückreichen. — In dem kürzlich eröffneten Testament des von seinem Sohne getöteten Nikola Racke ist es charak­teristisch, daß der Sohn Joseph von seinem Vater in ganz besonderer Weise durch eine weit höher « Summe in dem Testamente bedacht morden ist, als seine übrigen Geschwister. Als Grund die­ser Bevorzugung seines Sohnes Joseph ist in dem Testamente angegeben, daß er — Nikola Racke — der festen Ueberzeugung sei, daß fein Sohn Jo­seph in seinem späteren Lebensalter wohl nicht in der Lage fein werde, wie feine übrigen Geschwi­ster, sich feinen Lebensunterhalt erwerben zu kön­nen. Es scheint demnach, daß selbst Herr Racke an die geistige Minderwertigkeit seines Sohne- Jofeph geglaubt hat.

vermischter.

* Ein Referendar als Schweinetreiber. Nicht geringes Aufsehen erregte es in Zweibrücken, als ein Nechtspraktikant in Frack und Zylinder ein Schwein durch die Stadt trieb. Wie man erfuhr, handelte es sich um eine Wette. Die vorgesetzte Behörde nahm den Spaß aber krumm und erteilte dein Nechtspraktikanten einen Disziplinarver» weis. Nun aber haben die Metzgermeister zu der Affäre Stellung genommen, indem sie sich dage­gen verwahren, daß es als eine unehrenhafte Handlung angesehen wird, ein Schwein durch die Stadt zu treiben.

* Die Prager Röhrenlieferung. Der Sensa­tionsprozeß, den die Prager Stadtverordneten gegen den Zentraldirektor der Prager Eisenindu­striegesellschaft, Wilhelm Kesrranek, ange­strengt haben, hat mit der Verurteilung Kestra- neks wegen Ehrenbeleidigung zu 3003 Kronen Geldstrafe geendet. Kestranek hatte bekanntlich den Prager Stadtrat und die Direktion der „Ver­einigten Prager Wasserwerke" beschuldigt, eine große Röhrenbestellung einer französischen anstatt einer einheimischen Firma übertragen zu haben, weil gewisse Magistratsmitglieder von der fran- zösischen Firma Schmiergelder erhalten hätten. Am schärfsten erschien der Stadwerordnete und jungtschechische Abgeordnete Dr. Cernohorsky von den Anschuldigungen betroffen. In den entschei­denden Punkten, namentlich soweit sie sich auf Cernohorsky bezogen, wurde Kestranek freigespro­chen. Seine Sortoürfe scheinen sich also als be­rechtigt herausgestellt zu haben. Nur wegen all-, gemein gehaltener Bemerkungen, durch die sich andere Stadtverordnete beleidigt fühlten, erfolgte die erwähnte Verurteilung.

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