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36. Jahrgaufi.

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Fulda, Donnerstag den 11. Februar 1909.

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wochmbeilage: ..Illustrierte Sonntagszeitung"

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Monakdellage: „Fuldaer Geschichtsblätter" Fernsprecher Nr. 9.

Kwertes HZIcrtt.

= Zur Lage in Oesterreich.

Eine Handvoll radaulustiger Tschechen hat eS ' tu stundenlangem Skandal sertiggÄracht. baB erste auf Grund des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes gewählte österreichische Parlament zum Schweigen zu bringen. Neun Skandalma­cher standen gegen 5071

Die von dem Ministerium Brenerth mit gro­ßen Mühen vorbereitete Ausgleichsaktion zwischen Deutschen und Tschechen in Böhmen ist am Tsche- ckcntrotz gescheitert. Durch zwei Gesetzvorlagen, die es deni Reichsrat unterbreitete, wollte dieses Ministerium eine endgültige administrative und sprachliche Zweiteilung Böhmens durchführen, eine Abgrenzung nach Sprachgebieten vornehnen, die in Zukunft die nationalen Rei- bungsfiächen vermindern und derart den erbitter- trn Kämpfen zwischen Deutschen und Tschechen allmählich ein Ende bereiten sollten. Die Vor­lagen boten den Tschechen größere Vorteile als den Deutschböhmen. Trotzdem erklärten diese sich bereit, die Gesetzentwürfe als Grundlage für wei­ters Verhandlungen anzunehmen; sie hofften, daß es ihnen gelingen würde, die Vorlagen wäh­rend der Verhandlungen zu ihren Gunsten zu än- > Kern. Die Tschechen haben es nicht dahin kom­men lassen. Durch eine planmäßige, wohlvorbe­reitete Aktion haben sie die Schließung der Ses­sion und damit das Scheitern der Sprc^hengesetze herbcigeführt.

Daß die Session des Reichsrats gerade im setzigen Augenblicke geschlossen wurde, ist ein gro­ßer Nachteil für die innere Politik. Noch nie öot sich der Regieruiig eine günstigere Gelegen­heit, der Bevölkerung, den Wählern die ganze verbrecherische Torheit der Obstruktion so recht mm Bewußtsein zu bringen als eben jetzt, da der kürzeste politische Verstand erkennen muß, daß oas blinde Wüten des Radikalismus am meisten den Wählern selbst geschadet hat. Man denke nur । an die Sozialversicherung, die nun vorläufig ver­eitel! ist! Große Aufgaben, die auf die lange Bank geschoben wurden, sind u. a. die Verstaat­lichung der Staatseisenbahngesellschaft und der Nordwestbahn, Annexion von Bosnien und der Herzegowina, das Budget für das Jahr 1909, das Rekrutenkontingent, ein Gesetz gegen die Aus­wüchse des Kartellwesens, Gesetze über Arbeiter- schutz, Evidenz Grundsteuerkatasters, die Geschäftsordnungsreform und viele andere wich­tige Gegenstände, welche aus der Initiative un­serer Partei hervorgegangen sind, und schließlich als Krönung des Ganzen die Alters- und Jnva- liditätsversicherung. Auch die wichtigsten fragen int Verhältnisse zu Ungarn, insbesondere die Bankfraae, sowie die militärischen Fragen harren der Lösung.

In christlich-sozialen und allen gemäßigten po- litischen Kreisen ist man, wie der „Köln. Vztg." geschrieben wird, der Ueberzeugung, daß es ohne die Aufzwingung einer brauchbaren Geschäfts- o r d n u n g unmöglich ist, den Reichsrat je ar­beitsfähig zu machen. Eine parlamentarische Beschlußfassung über eine Hausordnungsverbesse- rung würden die radausüchtigen Gruppen mit allen Mitteln der Obstruktion verhindern. Tie letzten Sitzungen haben gezeigt, wie wenige Mann daztl gehören, die Beratungen unmöglich zu ma­chen. Es bleibt also nur eine zwangsweise Ein­führung als Ausweg übrig. Man erzählt sich aber, daß sich die Krone dagegen sträubt. Der

.Meines Feuilleton.

। _ — Die Briefträger im Kloster. Eine eigen­tümliche Geschichte, die trotz ihres tiefernsten so­zialen Hintergrundes eines gewissen Humors nicht enthphrt, macht gegenwärtig die Runde durch die italienische Presse. Ein Briefträger war vor der Türe eines Klosters in Genua ohn­mächtig zusammengesunken. Er hatte Briefe ins Kloster gebracht, als ihn bei seinem Austritt aus der Tür die Kräfte verließen. Die Klosterbrüder trugen den Bewußtlosen hinein, riefen ihn wieder ins Bewußtsein zurück und versorgten ihn mit Speise und Trank. Ter besagte Briefträger er­zählte seinen Kollegen von der guten Verpflegung im Kloster, was zur Folge hatte, daß am nächsten Tage vier hungrige Briefträger an die Kloster­pforte klopften. Auch ihnen wurde seitens der ! etwas überraschten Klosterbrüder die gleiche Wohl­tat erwiesen, wie dem anderen am vorhergehenden Tage. Die vier Gesättigten erzählten nun den Wohltätigkeitssinn der Ordeusmänner ihren üb­rigen Kameraden, sodaß sich am nächstfolgenden Tage 12 dieser hungrigen Gesellen an der Kloster­türe einfauden. Auch sie wurden gespeist. Die verblüfften Mönche, die sich nun nach der Ursache dieses außerordentlichen Zuspruches erkundigten, erfuhren daß das den Briefträgern gezahlte mi­serable Gehalt die Folge des außerordentlichen Hungers sei. Tie Mönche wiesen keinen von ihnen ab, sondern beschlossen, sie auch weiterhin zu füttern, um auf diese Weise gegen den italieni- scheu Staat zu protestieren, der seine Leute so schlecht bezahle. Tie Sache kam in die Presse und auf diese Weise auch der oberen Postbehörde zur Kenntnis, die nun ihrerseits einellntersuchung an- ovdnete. Tie zwölf Halbverhungerten mußten vor ihrem Vorgesetzten erscheinen, der sie wegen der Annahme von Almosen in strengem Tone zur Rede stellte. Keiner von ihnen aber entschuldigte llch- sondern sie antworteten einstimmig: „Die m (lut. Wenn Sie unser ärmliches

^ohalt nicht erhöhen, werden wir auch ferner die Wohltätigkeit der Klosterbrüder in Anspruch nehmen."

Grund, warum der Kaiser zögert, ist wohl der, daß sich die Krone an der Arbeitsfähigkeit des österreichischen Reichsrates nicht stark interessiert fühlt. Die Staatsnotwendigkeiten können für alle Fälle mit dem § 14 in Sicherheit gebracht werden, im übrigen aber befürchtet man von einem arbeitsfähigen österreichischen Parlament eine unbegueme Kontrolle und Störung der Poli­tik, die in Schönbrunn augenblicklich gegenüber Ungarn beliebt wird. Die gemeinsamen Mi- nister Baron Aehrenthal, insbesondere aber Ba­ron Schönaich und Baron Burian bedürfen drin­gend einer Schonzeit; ihr Gewißen ist schwer be­lastet. Baron Burian hat hinter dem Rücken Oesterreichs in einer die Verfastung verletzenden, betrügerischen Weise einer ungarischen Bank ein Privilegium für Bosnien und Herzegowina er­teilt, durch das Ungarn geradezu die faktische Be- sitzergreifung der ^inverleibten Länder in abseh­barer Zeit gewährleistet würde. Baron Schönaich reitet noch immer ängstlich durch Nacht und Wind, um den Militärausgleich vor dem zürnenden Oesterreich in Sicherheit zu bringen.

Tas nächste wird sein, daß das Ministerium Bienerth in ein definitives Beamtenministerium umgewandelt wird, nachdem das Provisorium zu Ende ist Nach allgemeiner Ansicht wird sich das neue Ministerium so gestalten, daß kein wie im­mer geartetes parteimäßiges Element sich im künftigen Beamtenministerium befinden solle. Vermag Baron Bienerth eine Gescbäftsordnungs- reform durc^usetzen, dann würde sich eine Regie­rungsmehrheit bald finden und das Beamtenka- binctt wurde rasch einem parlamentarischen Platz machen. Wird aber die Geschäftsordnungsände­rung von den gekennzeichneten interessierten Grei­fen Hintertrieben, dann wird man wahrscheinlich noch einen Versuch mit dem Abgeordnetenhause machen, und wenn dieser mißlingt, das Haus a u f l ö s e n. Es wird, zwischen Parlamentaris­mus und § 14 hin» und herpendelnd, nach be­währten Mustern fortgewurstelt werden.

Deutsches Reich.

C Die Gewerbeordnungskommifsion setzte die Beratung über die Konkurrenzklausel fort Es standen die Bestimmungen über die Geltung der Konkurrenzklausel bei Auflösung des Dienstverhältnisses durch Verschulden des Ge­werbeunternehmers zur Debatte. Anträge an die Angestellten sollen hiernach nicht geltend ge­macht werden können auf Grund der Konkurrenz­klausel, wenn der Gewerbeunternehmer durch ver­tragswidriges Verholten dem Angestellten Grund zur Auflösung des Dienstverhältnisses gibt oder der Gewkrbeunternehmer selbst das Dienstver­hältnis auflöst, es sei denn, daß für die Auflösung ein erheblicher Grund vorliegt oder daß dem An­gestellten das Gehalt fortbezahll wird. Der Ge­werbeunternehmer kann über die vereinbarte Strafe hinaus Schadenersatz nicht beanspruchen. Man beschäftigte sich dann weiter mit der Ar­beitszeit in Fabriken. Dabei kam es noch nicht zur Abstimmung, doch nahm die Re­gierung gegenüber den Arbeiterschutz- anträgen des Zentrums und der Sozialde­mokrat ie fast durchweg eine ablehnende Stel­lung ein. Die Sozialdemokraten beantragten einen neuen § 133a einzufügen, der für Betriebe mit mindestens 20 Arbeitern mit ununterbroche­ner Tag- und Nachtarbeit drei Arbeitsschichten vorschreibt. Im Zusammenhang hiermit wurde der Zentrumsantrag auf Einführung eines zehnstündigen Maximalar- beitstages für alle Fabrikarbeiter verhan­delt Ein Bundesratsvertreter erklärte den ge­setzlichen Zehnstundentag für unannehmbar. Auch dem sozialdemokratischen Antrag könnten die verbündeten Regierungen nicht zustimmen, da die gesundheitsschädlichen Voraussetzungen für einen solchen gesetzlichen Eingriff nicht vorlägen. Mit Verordnungen sei der Bundesrat bereits vor. gelingen. Das Zentrum beantragte für die Feuerarbeiter den gesetzlichen Achtstundentag. Auch diesen Antrag erklärt die Regierung für nicht annehmbar.

' Tie Berggesetznovelle. Dem Abgeordneten­hause ist die längst versprochene Berggesetznovelle zugegangen. Sie fordert die Einrichtung von Aussichtsbeamten undGrubenkontrolleuren, bringt Bestimmungen über Arbeiterausschüsie, ihre Zu­sammensetzung und Rechte und revidiert die Be­stimmungen über die Kündigungsfristen.

* Karlsruhe, 9. Febr. 1909. Es besteht kein Zweifel mehr: der B lo ck, den die badischen Libe­ralen vor vier Jahren mit einander abgeschlossen haben, um die Zentrumsmehrheit abzuwehren, bestehtnichtmehr. Die monatelangen Ver-' Handlungen zwischen den Parteileitungen sind ge­scheitert. Die Verhandlungen zwischen Freisinni­gen und Nationalliberalen sind endgültig gescheitert. Tie Freisinnigen nehmen zwar die übrigen Angebote der Nationalliberalen be- züglich der Kandidaturen an, lehnen aber, wie schon gemeldet, ab, in Lörrach.Land den Na- tionalliberalen O bk i r ch e r zu wählen. Nun ha­ben auch die Demokraten auf ihrer Landesver­trauensmännerversammlung in Offenburg be­schlossen, für sich allein, das heißt ohne die Frei­sinnigen und Nationalsozialen das Abkommen mit den Nationalliberalen nicht abzuschließen. Sie berrachten den Versuch einr Erneuerung des früheren Blockabkommens als gescheitert, machen aber den Nationalliberalen den Vorschlag, eine Verständigung aller liberalen Gruppen in den einzelnen Wahlkreisen zu versuchen. — Damit wird man Wohl mehr Erfolg haben. Je­denfalls wird alles Gezänke die Blockleute nicht abhalten, überall, wo es gegen das Zentrum geht, sich in der entscheidenden Stunde zusammenfin- den und zum Kampf gegen das Zentrum sich auch wieder bei der Sozialdemokratie anzubieten. I

Ausland.

* Optimistische Beurteilung der Weltlage durch Clemcnceau. Ein Mitarbeiter des „Siecle" berichtet, Ministerpräsident Clemenceau habe ihm folgendes erklärt: In der äußeren Politik steht alles gut. Jnbezug auf die Balkanangelegenhei- ten geht man einer baldigen Verständigung ent­gegen. Es handelt sich jetzt nur mehr um Erörte­rungen zwischen den Finanzleuten. Auf deutscher Seite steht gleichfalls alles aufs beste. Die Reise König Eduards ist eine sehr gute Sache für den Frieden. ________________________________

volkswirtschaftliches und Soziales.

• Sozialer Kursus für Landwirte. Die Zen­tralstelle des Volksvereins in M.-Gladbach läßt mitteilen, daß Anmeldungen zum sozialen Kur- sus für Landwirte (22. bis 27. Februar) noch in dieser und anfangs nächster Woche angenommen werden. Da die Veranstaltung, nach den einge­laufenen Meldungen und Anfragen zu schließen, sehr besucht werden wird, so werden die Teil­nehmer gebeten, etwaige Wünsche wegen Kost und Wohnung bei der Anmeldung zu äußern. Münd­liche Auskunft über Kost und Wohnung wird am Nachmittage vor dem Kursus, also Sonntag, den 21. Februar, im Volksvereinshause, Kurzestraße 4 M.-Glodbach, erteilt.

Katholischer Mätzigkettsbund für die Diözese Fulda.

Allen Freunden der kathol. Mäßigkeitsbeweg­ung in der Diözese Fulda werden nachstehende Mitteilungen über den neugegründeten Kathol. Diczesan-Mäßigkeitsbund von Interesse fein.

Zum Vorsitzenden des für die Diözese Fulda gegründeten Kath. Mäßigkeitsbundes ward vom Hochwürdigsten Herrn Bischof der Unter­zeichnete ernannt. In den Vorstand wurden ferner in der konstituierenden Versammlung die­ses Vereines am 13 Dezember 1908 auf drei Jahre gewählt und vom Hochwürdigsten Herrn Bischof bestätigt, folgende sechs Herren: 1) Se- nnnarregens Prof. Dr. Schreiber, Fulda, 2, Prof. Dr. Thielemann, Fulda, 3) Superior P. Huß, Hünfeld, 4) Dr. med. G Schneider, Fulda, 5) Lehrer P. Schm* t Fulda, 6) Stadtverordneter Kapp, Zahntechniker, Fulda.

In der am 17. Januar d. I. abgehaltenen ersten Vorstandssitzung wurden 7 Herren ans Fulda als außerordentliche Mitglieder dem Vor­stände hinzugewählt.

Aus diesem enveiterten Vorstande wurde ein geschäftsführender Ausschuß gewählt, den folgende Herren bilden:

Vorsitzender: Pfarrer Gutberlet, Mackenzell, Stellvertreter: Superior P. Huß, Hünfeld, Schriftführer: Lehrer P. Schmitt, Fulda, Kas­sierer: Buchhalter Jakob Müller, Fulda; Bei­sitzer: Regens Prof. Dr. Schreiber, Benesiziat Krieg, Volksvereinssekretär Frank, Zahntechniker Kapp, Geschäftsführer der Fuldaer Aktiendrucke- rei, Parzeller, sämtlich in Fulda.

Für alle Dekanate der Diözese bis auf das Dekanat Kassel find Bezirksvertreter auf- gestellt, und zwar:

1. für die Stadt Fulda Herr Ober-Postassistent Kuhn, Fulda,

2) für das Dekanat Amöneburg Herr Pfarrer Gruß, Mendorf.

3) für das Dekanat Eiterfeld Herr Pfarrer Hüber. Großentaft,

4) für das Dekanat Fritzlar Herr Dechant Je­städt, Fritzlar,

5) für das Dekanat Geisa Herr Pastor Gramm, Schleid,

6) für das Dekanat Großenlüder Herr Pfarrer Malkmus, Blankenau.

7) für das Dekanat Hanau Herr Dechant Braun, Hanau,

8) für das Dekanat Hilders Herr Dechmt Schnaus, Batten,

9) für das Dekanat Hünfeld Herr Pfarrer Gutberlet, Mackenzell,

10) für das Dekanat Margretenhaun Herr Pfarrer Rübsam, Petersberg,

11) für das Dekanat Neuhof Herr Dechant Bermoser, Neuhof,

12) für das Dekanat OiK Herr Pfarrer Röhre, Orb,

13) für das Dekanat Salmünster Herr Pfar­rer Richter, Herolz,

14) für das Dekanat Weyhers Herr Kaplan Ruez. Poppenhausen.

Als erster Ortsverein des Mäßigkeitsbundes ward am 17. Januar d. I. der Ortsverein Fulda gegründet. Zum Vorstände desselben gehören folgende Herren:

1) Ober-Postassistent Kuhn, I. Vorsitzender, 2) Dr. med. G. Schneider, II. Vorsitzender, 3) Buchhalter Jakob Muller, Kassierer; Beisitzer: Dompfarrer Schmelz, Prof. Dr. Thielemann und Verwalter Schöpf.

Durch ein Zirkular werden demnächst die ver- ehrlichen Bürger der Stadt Fulda eingeladen, die­sem Ortsvereine beizutreten.

Mögen recht titele dieser freundlichen Einla­dung Folge leisten und eifrige Mitglieder des nur Schönes und Edles anstrebenden Mäßigkeits- Vereines werden.

Anmeldungen zum Vereine aus Fulda nimmt stets gerne entgegen Herr Ober-Postassi- stent Kuhn, Postamt.

Anmeldungen zum Mäßigkeitsbunde ans andern Städten und Orten der Diözese sind, so lange keine weiteren Ortsvereine bestehen, an den unterzeichneten Vorsitzenden des Diözesan- MäßigkeitAbun des zu richten. Die Jahres bei» träge aus der Diözese mögen die verehelichen Ver­einsmitglieder, denen das Vereinsorgan durch die

Post zugeht, entsprechend der Zahl der zugesanix ten Monatshefte, indem sie um gefällige Ein« ziehung der betreffenden Betröge gebeten werden, an Herrn Buchhalter Jakob Müller, Fulda, Ich hannisstraße 5, emsenden.

Der erst im Entstehen begriffene Diözesan* Mäßigkeitsbund zählt über 100 Mitglieder, die sich auf 31 Orte der Diözese verteilen.

Es ist sehr erfreulich, daß in der Diözese Fuldo bereits mehr als früher in Versammlungen des Volksvereins und anderer katholischer Vereine wacker für die katholische Mäßigkeitsbctweguitg agitiert wird.

Die vom Vorstände geplante Propaganda für den Diözesan-Mäßigkeitsbund wird diesem höchst zeitgemäßen Vereine hoffentlich recht viele Mit­glieder aus allen Berufsklassen und aus allen Orten der Diözese zuführen.

Zum Schluffe möge es mir gestattet fein, aus ein schönes Wort eines großen Helden als auf einen paffenden Weckruf zu einem edlen Kampf hinzuweisen.

Am 21. Oktober 1805 führte Admiral Nelson die englische Flotte zum Seegefecht bei Trafal­gar gegen die vereinigte französisch-spanische Macht. Der große Siegesheld hatte im Dienste Englands bereits ein* Äuge verloren und einen Arm eingebüßt, aber ungebeugt war sein Helden­mut.

Ehe die Schlacht begann, richtete er an seine Krieger die denkwürdigen Worte: „England er­wartet, daßjedervon Euch feine Pflicht erfülle."

Während der Seeschlacht ward der mutige und furchtlose Führer schwer verwundet. Man brachte ihn in die unteren Räume des Admiralsschiffes, wo er sterbend noch die .Kunde des Sieges em­pfing. Da richtete er sich noch einmal auf und sagte: Gott fei gelobt für den Sieg! I ch tat meine Pflicht". Diese Worte waren deS großen Helden würdig.

Ein Feind dringt im deutschen Vaterlande im­mer weiter vor. Es ist der Alkoholismus, der Mißbrauch geistiger Getränke.

Dieser Alkoholismus erfüllt die deutschen Lande, mit tausendfachem Wehe; er ruft immer­fort vielfältiges neues Elend und Verderben her-, vor. Und da erwartet die katholische Kirche von ihren treuen und von wahrer Nächstenliebe er»' füllten Kindern, daß ein jedes von ihnen auch auf diesem Gebiete der christlichen Nächstenliebe, im Kampfe gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, seine Pflicht erfülle.

In diesem Kampfe darf die Diözese Fulda nicht im Hintertreffen bleiben, sie muß mit den andern deutschen Diözesen wetteifern in der 33e-' kämpfunz des gefährlichen Volksfeindes Alkohol, um auch einst sagen zu können: „Ich tat meine Pflicht." Möge kein Katholik der Diözese Fulda sein Auge abwenden von den schädlichen Wirkun­gen des Alkohols, um nicht zu sehen das Verderb den, das sich vor ihm in schrecklicher Gestalt auf- hönft, und um nicht etwa an eine unangenehme Pflicht gemahnt zu werden.

Durch Anfeindungen und Schwierigkeiten dür- fen die katholischen Mäßigkeitsfreunde der Diö­zese Fulda von einer ^ielbewußten und Erfolg versprechenden Bekämpfung des Alkoholismus, wie sie nur durch eine wohlorganisierte Vereini­gung edler Kräfte geschehen kann, sich nicht ab­schrecken lassen.

Mackenzell, den 4. Februar 1909.

Der DiSzesanvorsttzende: Gutberlet, Pfarrer.

vermischtes.

* In Eisknbahnzügen sind in den letzten Ta­gen wiederholt die Passagiere durch Schüsse und Steinwürfe gefährdet worden. Bei Dortmund wurde etn fdfroerer Stein durch das Feilster eines Abteils erster Klasse geworfen, die Passagiere blieben glücklicherweise unverletzt, Bei Heißen wurden durch Steinwürfe mehrere Passagiere teils schwer, teils leicht verletzt. Auf einen kurz vor 1 Uhr den Bahnhof Heißen durch­fahrenden Berliner V-Zug wurden Revolver- schüsse abgegeben, wobei mehrere Scheiben zer­trümmert wurden. Glücklicherweise befanden sich in dem betreffenden Eoupe keine Passagiere. Auch bei Farmen wurden durch schwere Steine meh­rere Fenster eines Eilzugs zertrümmert, wobei ein Packmeister leichte Verletzungen erlitt.

* Einbrecher raubten in einem Modewarenge­schäft in der Reinickendorferstraße in Berlin Wa­ren im Werte von 30 000 M. Sie gelangten vom Keller ans in den Laden, indem sie die Falltür aufbrachen.

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