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3.peneae"t*ta^fb«. Wochenbeilage: .Mustriette Zonntagrzeitung

36. Jahrqanst.

Fulda, Donnerstaa den 11. Februar 1909

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Erstes Watt

«rschnnt t»-Nch mit Husnabme bet Se.m= und Zetertage Viertei- iiiiseriche^ver»grpreir ohne «rtagertotz» »nd Veftekget»i«5«lbas»- «te aursirtr1-5» ält

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Die englischen Preßsiimnien sind darüber einig, daß der Einzugstag einen vollen Erfolg bedeute. Nach dem ,Dmly Graphik bedeutet der Besuch ein neues Unterpfand des Frieden- für die Weit. Sicherlich würde nichts den König mehr freuen, als die Gewißheit, daß die Aera des gegenwärtigen Argwohns vorüber fei. Da- deutsche Volk möge versichert sein, daß die be­geisterten Worte des Königs bei feiner Nation einen herzlichen Widerhall fänden. Die,9Jlor« ning Poft' sagt: das Ziel der englischen Politik, wie sie sich in den englischen Abkommen mit Japan, Frankreich und Rußland dokumentiere,

abgcfatzt, datz die Sozialdemokraten den Zweck nicht merken sollten. Es war eine feige Ueberrumpe- lungstaktik politischer Gegner. Wenn wegen der Verschiedenbcit der Steuerlisten die Wahlen zu bean­standen sind, so müssen doch sämtliche 12 Berliner Wah- len beanstandet werden und nickt nur die sozialdemo- kratiscken. Der bekannte Protest des Leutnanrs Pohl gegen sämtliche Berliner Wahlen ist form- und frist­gerecht! Das haben auch die „Post" und die „Na- twnalzcitung" anerkannt! Pobl hat seinem Protest allerdings nachher eine andere Interpretation gegeben, als anfänglich. Wenn man dieses durchgeben lassen würde, so würde dies zu ungeheuerlichen Konsequen­zen führen. Es ist von freisinniger Seite behauptet worden, datz wir die Wählerschaft durch unseren Tcr- rorismus eingeschüchtert hätten. (Sehr richtig! rechts.) Wenn man aber etwas behauptet, mutz man auch den Beweis dafür erbringen. Uebrigens bin ich der An­sicht, wenn der Terror als ein Mittel zur Kassation der Wabl eines Abgeordneten angesehen wird, dann können die sämtlichen Abgeordneten sich von ihren Sitzen erheben und nach Hause gehen. (Großer Tu­mult, Klingel des Präsidenten.) Ich behaupte nicht zuviel, wenn ick sage, datz in jedem Wahlkreise und von allen Parteien, ja selbst von der Regterung Ter­ror geübt worden ist. Was ist es anders als Terror, wenn Fürst Bülow ausführt, datz die Beamten unter keinen Umständen einen Sozialdemokraten wählen dür­fen. (Große Unruhe. Klingel des Präsidenten.) Wenn Sie uns vier Sozmldemokraten zum Abgeordneten­hause hinausschmeitzen, dann begehen Sie ein Attentat gegen das Wahlrecht der arbeitenden Klaffen, wie es in den Annalen der Parlamentsgeschichte einzig da- steht. (Lachen rechts.) Wir sehen der Entscheidung mit der größten Kaltblütigkeit entgegen lHeiterkeit im Hause), ja, ich sage sogar, Sie können uns keinen grö­ßeren Gesirllen tun, als uns herauswerfen. (Große Heiterkeit.) Sie entrechten dadurch einen großen Teil der Arbeiterschaft, die sich hierdurch nur noch enger an die Sozialedmokratie anschlietzen wird.

Abg. Fischbeck (frs. Bp.): Die Darstellungen des Porredners leiden darunter, daß er den Beschluß der Wahlprüsungskommiffion noch nicht verstanden hat. Tie Wahlprüsungskommiffion beantragt, die Wahl zu beanstandetl mir wegen der Abteilungsbildungen. Ueber die Frage des Terrors ist in der Wahlprüfungs- kommission materiell noch nicht beschloffen lvorden. Wenn der Abg. Ströbel meinte, die Kommission hätte alle 12 Berliner Mandate beanstanden muffen, so be­weist das wieder seine Unkenntnis der Materie. Der Kommiffion haben nur Proteste gegen 4 Mandate Vor­gelegen und sie konnte somit auch nur über diese vier Mandate verhandeln. Es ist uns Freisinnigen nachge­sagt worden, daß wir gegen unsere Mandate Proteste einlegen wollten. Ja, uns Freisinnigen ist davon nichts bekannt. (Große Heiterkeit.) Sie (zu den So­zialdemokraten), Sie leben ja nur von sozialdemokra­tischen Interessen. i (Erneute Unruhe bei den Sozial­demokraten. Zuruf des Abg. Ströbel: Blödsinnige Vehauplung. — Präsident v. Kröcher: Der Zuruf ist so fchlimm, daß ich den Urheber desfelben lieber nicht zur Ordnung rufen will.) Auf die persönlichen Angriffe des Vorwärts will ich nicht eingehen, da sie mir in den Kreisen, auf deren Urteil ich etwas gebe, nicht fchaden, und es daher besser ist, sie mit Verach­tung zu strafen. (Lebh. Beif.b. d. greif, u. rechts.)

Abg. Strvsser (I.): Der Abg. Ströbel hat vorhin eine Aentzerung des Fürsten Bülow erwähnt, datz Be­amte keine Sozialdemokraten wählen dürfen. Hierin stimmt wohl das ganze Haus, die Sozialdemokraten ausgenommen, dem Fürsten Bülow bei, denn bei den von Ihnen (zu den Soz.) vertretenen Grundsätzen, darf ein Beamter fein Sozialdemokrat fein, weil Sie diesen Staat stürzen wollen. Es wäre somit schmäh- lichr Verrat am Vaterlande, wenn der Staat diejeni­gen Leute, die es offen aussprechen, datz sie das Ge­bäude des Staates Niederreißen wollen, noch als Be­amte in seinen Diensten beschäftigen würde.

Präsident v. Kröcher: Herr Abgeordneter, Sie mei­nen doch nur die Sozialdemokraten außerhalb dieses Hauses. Die Sozialdemokraten, welche hier sind, ha­ben in feierlicher Weise dem König und der Verfassung die Treue geschworen. Die Herren Sozialdemokraten hier im Hause wollen also den Staat nicht stürzen! (Schallende Heiterkeit im ganzen Hause.)

Donnerstag: Fortsetzung der heutigen Tagesord­nung und Justizetat.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 10. Februar 1909.

Das Haus fetzte die zweite Beratung des

LehrerbefoldungSgesetzeS

«i den §§ 43—50 (Leistungen deS Staates) fort

Abg. Graf Spe« (Ztr.): Wir haben Bedenken ge­gen die zur Debatte stehenden Bestimmungen, well die Schulverbände mit 7—25 Schulstellen keine Z u- schüsfe erhalten. Durch die Regelung, welche die Kommisswnsbeschlüffe vorsehen, kann eS Vorkommen, daß ein Schulverband mit sieben Schulstellen, der lei- stungssähig ist. Zuschüsse bekommt, während der be- nachbart« Sckulverband mit über sieben Schulstellen keine Zuschüsse erhält (Beifall im Zentrum.)

Abg. Schiffer (nist): Auch wir haben Bedenken ge- gen die Verteilung der Staatsbeiträge. Wir können es nicht billigen, daß Schulverbände von acht und mehr Schulstellcn auf das Wohlwollen der Krersausschuffe angewiesen sind. Wir erwarten, datz die Krei»aus- schüffe bei der Verteilung des Fonds gerecht verfahren.

GeheimratPlotsch: Die Regierung wird bezüglich der Verteilung der Fonds Anweisungen darüber ge-

Dentscher Reichstag.

Sitzung vom 10. Februar 1909.

Fortsetzung der sozialpolitischen Debatte beim Etat »es Reichsamts des Innern.

Abq. «ehren» iw.rtsch. Vgg.): Das Vorgehen der Aerzte in Köln geht entichieden ju wett. Auch wer em Anhänger de» uneingeschränkten Koaluwns- rechtes ist, braucht mit dem Verhallen der Kölner Aerzte nicht «inner Han Ben zu sein, (sehr richiig!> Ich glaube auch, datz ein großer Teil der Aerzte den Streik ihrer Kollegen in Köln mißbilligen werden. 'Das Streikrecht muß Hall machen, wenn es sich um Leben und Gemnd- hei! von Menschen handelt. (Sehr richtig!) Der Redner verlangte weiter, daß auch etwas für den deutschen Erzbergbau getan werde, und schilderte Mißstände bei den westfälischen und riederrheinischen Hütienwerken, wo man den Arbeitern die verfassungsmäßig gewährte Freizügigkett vorenthalle.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (freis. Vp.) begründet die freisinnig« Resotutiou auf Vorlegung eines R e tch s- theatergeietzes.

Abg. Frank (Ztr.) schilderte, wie in Oberschlesien der Sprachenparagraph des Vereinsgesetzes ganz und gar nicht beachtet wird. Auch wenn 60 Prozent der Bewohner Polen sind, wird der Gebrauch der polnischen Sprich« in Versammlungen verboten.

Abg. v. Dirksen (Rp.) sucht die schwarzen Listen der Arbettgeber zu rechtfertigen.

Staatsiekretär v. Bethmann-Hollweg verspricht, die Beschwerden bei Abg. Frank zu prüfen.

, Abg. Wielan» (Südd. Vp.) führt aus, daß die geplante weitere Aussehnung der Sonntagsruhe ohne eine scharze Differenzierung zwischen großen und kleinen Städten und dem Lande nicht möglich sei.

Avg. Graf v. Kanitz (kons.) polemisiert gegen die «llpolitischen Ausführungen des Abg. Kaempff. Die Verteuerung deS ganzen Lebens ist nicht eine Folge unterer Zölle. Schuld an der Verteuerung sind die gelegenen Fabrikationskosten, die hohen Löhne, die gestiegenen Wohnunqsmieten.

Abg. Dr. Pfeiffer (Ztr.) spricht sich ausführlich Über die Lage der Bühnenangestellten aus. Die Ar- bettszett, das Küudizung-recht, die Sonntagsruhe müßten gesetzlich geregell werden.

Abg. Sachse (S»$.) begründet die sozialdemokratische Resolution auf Erlaß eines Retchsberggesetzes, uut> spricht sich gegen die Konzes sionspsticht deS Flaschenbier- Handels aus.

Der Titel Staatssekretär wird bewilligt.

Hierauf wir» eine Reihe von Resolutionen angenommen. Die Resolution auf Einführung der Kv!-zessionspflkcht für den Flaschenbitrha"del und aus reicksgefetzliche Regelung des gewerblichen Auskunstei- wesens werden abgelehnt.

Donnerstag: Fortsetzung.

zs Der Besuch des englischen Königspaares.

Dem Berliner Rathause ist am Mittwoch zum erstcnmale die Ehre zuteil geworden, einen tremden Fürsten in seinen Räumen zu sehen. Berlin halte alles ausgeboten, um den Herrscher Großbritanniens mit reichen Ehren zu empfangen. Punkt 11V, Uhr erschien der König in '-Beglei­tung des englischen Botschafters und des Fürsten v. Bülow, Rach der Begrüßung ergriff der König wider alles Erwarten dis Wort zu einer kurzen' Ansprache, in der er etwa sagte: „Ich freue mich sehr, daß ich die Zeit gesunden habe, Ihr schönes Rathaus zu sehen und der Bürger« schüft zu danken für den herzlichen Empfang. Ich bin gerne nach Berlin gekommen, und es ist mein aufrichtiger Wunsch und mein Bestreben, daß die Beziehungen zwischen un­seren beiden Völkern sich stets aus dem besten treundschaftlichen Fuße befinden mögen." Die Tochter des Oberbürgermeisters Kirschner kredenzte dem König den Ehrentrunk, den er ent­gegennahm und in einem Zuge leerte. Darauf liefe sich der König verschiedene Herren der Han­dels- und Geschäftswelt, sowie des Magistrats vorstellen. Im Anschluß daran wurde ein Rund« gang durch das in feenhaftem Lichtglanz er­strahlende, überall mit verschwenderischer Pracht ausgestattete Rathaus angetreten. Dann ging eS zurück zum Festsaale, wo Vorsteher Michelet de« Dank der ganzen Berliner Einwohnerschaft sür Den Besuch aussprach und mit einem Hoch auf König Eduard schloß.

Gegen 1 Uhr begaben sich der König und die Königin ur großbritannisch.n Botschaft, wo ein Frühstück stattfand. Danach empfing der König eine Abordnung von 14 Herren der englischen Kolonie, die eine Adresse überreichte. In der Antwort auf die Adresse sagte König Eduard u. a.:

Der begeisterte Empfang, den di« Königin und ich in Berlin gefunden haben, wirb sicher bei meinem Volke auf der anderen Sette der Nordsee ein dankbares Echo finden und zur Festigung der freundschaftlichen Gefühle zwischen ihm und dem deutschen Volke bei­tragen, für dessen Fortschritt in dem Bereiche der Kunst, der Musik und der Kultur wir alle aufrichtige und warme Bewunderung hegen. Sie, die Sie in dieser schönen Hauptstadt Ihren Wohnsitz haben, können viel dazu beitragen, um bte Deutschen, unter denen Sie leben, von der Aufrichtigkeit unserer Freundschaft für sie zu Überzeugen. Und ich weiß, daß ich darauf rechnen kann, daß Sie m diesem Sinne Ihr Allerbestes tue werden.

Um 3 Uhr begab sich das Königspaar, um das Andenken der Kaiserin Friedrich zu ehren, zum Kaiserin Friedrich-Haus, dessen Einrichtungen und Sammlungen es mit größtem Interesse be­sichtigte. Von dort kehrte es ins Schloß zurück.

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ben. daß besonders die leistungsschwachen Verbände be­rücksichtigt werden.

Abg. e. Zedlitz (frf.) verteidigt bte Komnnsnonsbe- scklüffe ES gibt keinen anderen Weg, um die Staats- zuscküffe gerechter zu verteilen. Die leistungsschwachen Gemeinden, die sich bezüglich der staatlichen Zuwen­dungen benachteiligt glauben, haben Gelegenheit sich zu beschweren.

Abg. v. Titfurth (kons.): Unsere Auffassung geht auch dahin, datz die Gemeinden, deren Staatszuschüsse gekürzt werden, wieder aus einem anderen Fonds voll entschädigt werden.

Abg. Wolff-Biebrich (ntl.): Der fogenannte Er- gänzungsfonds von sieben Millionen für die großen Gemeinden erfchernt reichlich hoch. Man hätte lieber die kleinen Gemeinden mehr bedenken sollen.

Abg. Leineri (Soz.): Nicht die Gutshczirke sind bedürftig, sondern die Arbeitergernetndcn. Die Ar­beiter müssen dort sehr hohe Zuschläge zur Einkom­mensteuer zahlen wegen der Schullasten.

Abg. Hoeveler (Ztr.): Im Lande ist die Befürch­tung ausgesprochen worden, datz die Herren, die die Aenderunx dieses Teils des Gesetzes vorgenommen ha­ben, dem Lande einen verhängnisvollen Dienst er­wiesen haben. Man befürchtet durch die Vorlage eine Erhöhung der Kommunalsteuern durchschnittlich um 40 Prozent. Ich habe sehr viele Zufchristen in diesem Sinne erhalten. Ich halte die Befürchtungen für über­trieben, aber man sollte die 3. Lesung hinausschieben, damit eine Klärung noch eintreten kann. (Znsttmmung im Zentrum.)

Ministerialdirektor Schwartzkopff: Ich mutz fest­stellen, datz es kein« Neuerung ist, datz die Gewährung der Zuschüsse von der Bewilligung des Ministers ab­hängig ist. Neu ist nur, datz nicht der Minister, son­dern der Kreisausschuß, eine unparteiische Selbstver- walttmgSbehörde, die Verteilung vornehmen soll. Im übrigen kann ich nur wiederholen, datz ein Truck auf die Gemeinden nicht ausgeübt wird, der sie Über ihre Kräfte belastet.

Die §§ 43—60 werden einstimmig angenommen, desgleichen die §§ 51—59 (UebergangsbestimiKungen).

Damit ist die zweite ße f u n g der Vorlagen e r- l e d i g t, worauf in die Befprechung der von der Kom- mifsion vorgefchlagenen Anträge und des neu ein­gegangenen Antrages Schiffer (nl.), durch einen Nach­tragsetat Mittel zur Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden und Schulverbände bereitszustellen, welche durch die den Besoldungsgesetzen beigelegte rückwir­kende Kraft in eine unverschuldete. Notlage geraten sind, eingetreten wird.

Abg. Fürbringer (ntl) begründet den Antrag. Wir haben Städte, die 20, und andere, die bis 380 Prozent der Einkommensteuer an Kommunalsteuer erbeben. Tie so hoch belasteten Städte haben diese Belastung zu einem grotzen Teile den Schullasten zuzuschreiben.

Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Der Antrag hat für mich ein lebhaftes psychologisches Interesse. Als ich bei den verschiedenen Besoldungsvorlagen in der ersten Lesung warnend auf die Belastung der Gemein­den hinwies, predigte ich tauben Ohren, damals hieß es: der Minister übertreibt. Tragen Sie selbst jetzt die Konsequenzen! Man kann die finanzieren Wir­kungen doch nickt jetzt auf den Staat abschieben, der an den Erhöhungen ganz unschuldig ist.

Für die einzelnen Kommisfionsanträge sprachen dann noch die Abgg. Dr. v. Korn (kons.), Hackenberg (ntl.). Hoff (fr. Vgg.), v. Tilly (tonf.) und Gaffel (frf. Vgg.)

Die Kommissionsanträge werden angenommen, nur die Anträge, die eine Erhöhung des Dispositionsfonds für die vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes pen­sionierten Lehrer und Beschaffung von Dienstwohnun­gen für Lehrer und Lehrerinnen fordern, werden ab­gelehnt. Der Antrag Schiffer wurde an die Budget- kommisfion verwiesen.

Es folgen

Wahlprüfungen.

Eine Reihe von Wahlen wird für gütig erklärt, un- giltig ist die Wahl des Abg. Kölle (ntl.). — Die Wah­len der fozialdemokrattfchen Abgg. Borgmann, Heimann, Hirsch und Hoffmann, die fämllich in Berlin gewählt find, beantragt die Kommission zu beanstanden.

Abg. Ströbel (Soz.) kritisiert den bekannten frei­sinnigen Protest gegen diese vier Wahlen, der sich auf eine gesetzlich unzulässige oder doch zweifelhafte Auf­stellung der Wählerlisten stützt. Der Protest war ganz heimlich eingereicht. Er war so vorsichtig und geschickt

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Zm Sonne des Geheimnisses.

29] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld

16. Kapitel.

Das Diner auf Downham.

Ter Gesellschafts-Abend auf Downham war ein großer Erfolg. Lady Wayne war die schönste Fran dabei, und sie unterschied sich von anderen Schönheiten auch darin, daß ihr Geist und Ge­müt dem Aeußeren gleichkamen. Sie war sehr verständig, von großer Fassungskraft und gelst- reich; niemand verstand es, ein Gespräch mrt grö­ßerer Leichtigkeit und Grazie in so stetem Fluß zu halten. Lord Wayne war vor allem auf sein unvergwichlichcs Weib stolz. Sie hatte sein Leben mit Liebe, Schönheit und Ehre gekrönt. Rück­blickend auf die lange Ahnenreihe der WayneS fand er keine, die die Ehre des Namens zu solchem Glanze, solcher Höhe gebracht, wie sie; keine so schön keine so unvergleichlich, keine so stolz.

Werner Jefferies war entzückt, bezaubert, hin­gerissen von ihr; nie in seinem Leben hätte er sich träumen lassen, daß es so schöne und anmutige Frauen gäbe, wie diese hier. Lady Romsey war ihm wie eine Enthüllung von etwas Schönem, bisher ganz Unbekanntem gewesen, wegen ihrer feinen Bildung, Anmut, Vornehmheit und Ele­ganz. Hatte er doch seither nur Frauen, wie Kate Jefferies kennen gelernt — hausbacken, ungebil­det, sich quälend und plackend, zwar voll Gut­mütigkeit und Freundlichkeit, aber doch bar aller Reize, die eine Frau so bezaubernd machen. —

Und nun gar erst Lady Wayne l Kein Wun­der, daß die Dichter aller Zeiten das Lob der Frauen so begeistert gefunden 1 Nie zuvor hatte er die Liebe Dante's zu Beatrice, die Petrarca's zu Laura so recht verstanden; aber jetzt war ihm alles klar. Frauen, wie Lady Wayne waren ge­schaffen, um als Herrinnen und Königinnen ver­ehrt und bewundert, — nicht wie andere Sterb­liche in der gewöhnlichen Weife geliebt zu werden.

Er konnte seine Gefühle nicht ganz begreifen; stundenlang hätte er mit Freuden still und stumm dasitzen mögen, um bloß das Gesicht da anzusehen, seine Schönheit zu bewundern, allerlei phantasti-' schen Gedanken und Träumereien nachzuhängen. Es war nicht Liebeszauber, was ihn ergriffen und gefangen hielt, sondern eine tiefere, ehr- furchtsvollere Verehrung, die ihm selbst rätselhaft war.

Er schien aus einem schönen Traume auszu­fahren, als die Damen sich endlich erhoben, um sich ins Gesellschaftszimmer zurückzubegeben;' sein Ideal verschwand mit ihnen und eine öde Leere schien sich vor ihm auszubreiten. Wie im Traume hörte er, datz Lord Romsey ihn anredete.

„Run, Mr. Jefferies, ganz geistesabwesend?"

Er fuhr zusammen, dann sammelte er seine widerspenstigen Gedanken, wandte sie von der Schönheit, die alle poetischen Gefühle und Ideen in ihm wachgerufen, und stürzte sich in den Strom der animierten Unterhaltung.

„Genie schafft sich Bahn." Nicht lange, unb die Aeltesten an dieser gastlichen Tafel lauschten überrascht und vergnügt auf die Ausführungen des jungen Sekretärs. Seine Lippen schienen wie von Feuer berührt; jedes Thema, an dessen Erörterung er im Saufe des Gespräches teilnahm, gewann ein neues Licht durch seine Anschauungs^ weise -- alles war so durchaus ftisch und ur­sprünglich, feine Gedanken und Ideen waren so schön und wahr.

»Es ist wirklich ganz jammerschade", sagte Lord Romsey leise zu seinem Nachbarn, „daß die­ser junge Feuerkopf nicht ins Parlament kommen kann; man braucht dort einige gute Redner und er hat wirklich das Zeug dazu, — zu einem' gro­ßen Redner sogar — Feuer, Leidenschaft Genie, Macht, Kraft und Beredsamkeit. Wir müssen ihn weiter bringen."

Entzückter van ihm jedoch tote alle anderen war wohl unstreitig Lord Wayne. Beim Verlas- sen des Speisesaals schritt er auf ihn p» und tagte:

„Es freut mich außerordentlich. Sie kennen gelernt zu haben, Mr. Jefferies. Ich prophezeie Ihnen eine große Zukunst. Wollen Sie nicht 'mal nach Kenninghall herüberkommen? Ich bin überzeugt, Lady Wayne wird es ebenso sehr freuen, wie mich. Sie einmal bei uns zu sehen."

Werner dankte ihm herzlich. Es war sehr an­genehm, solche Güte zu finden, solche herzlichen Beweise von Wohlwollen und Freundlichkeit zu erhallen.

„Tas Beste dabei ist noch", dachte er bei sich, „man kennt mich als das, was ich bin; es ist also wohl keinerlei Prätension meinerseits dabei zu unterschieben; jeder weiß, daß ich der Sohn eines armen Arbeitsmannes bin."

Dann betraten sie wieder das Gesellschaftszim­mer, und er glaubte ein Lächeln in Lady Waynes Augen zu erblicken, das ihn ermutigte, einen Sitz neben ihr einzunehmen. Wirklich, das liebliche Gesicht lächelte ihn an; sie schob ihre kostbare Toilette etwas beiseite, um Platz für ihn zu ma­chen.

,Tas ist recht, Mr. Jefferies", sagte sie. „Ich hoffte noch einige Minuten länger mit Ihnen zu plaudern. Ich höre, Sie find ein Dichter, — bin ich recht beruhtet?"

„Ich weiß nicht, wie ich darauf antworten soll", versetzte er. „Soll ich sagen, ich hoffe, datz eS so ist?" Sein schönes jugendliches Gesicht rö­tete sich, und ein begeistertes Licht brach aus sei­nen Augen, als er fortsuhr: „Wenn Dichter sein heitzt: alles Schöne und Gute lieben, und dar­über tausend und abertausend Gedanken zu ha­ben, die sich in Worten Luft machen müssen, — dann, Lady Wayne, glaube ich, bin ich einer."

Ihre Augen wurden eigentümlich feucht, als sie ihn ansah. „3bre Mutter mutz sehr stolz auf Eie fein", sagte sie sanft und leise.

Werner lachte; ein ftöhliches, klares Lachen, da» jeder gern hörte.

^Fch wüßte nicht", versetzte er heiter. „Meine Mutter ist eine liebe, herzensgute, häusliche Frau, der alle Bücher — ihr Gebetbuch auSaenommen

— eine fremde, unbekannte Welt find. Ich glau­be, sie ist viel stolzer auf meinen Bruder Jack, der sechs Fuß hoch und so stark wie Goliath ist."

„Sie müssen aber doch auch stark fein; ich schließe das aus der Art unb Weise, wie Sie Lord St. Gilbert aus dem Wasser gerettet."

„Gott sei Dank, fehlt es meinem Arm aller­dings nicht an Nerven- und Muskelkraft, Lady Wayne." ,

Ihr Blick hatte während dieser Unterhaltung aufmerksam auf feinen Zügen geruht.

„Ich habe Sie doch nie früher irgendwo ge­sehen", sprach sie dann nachdenklich, „und doch hat Ihr Gesicht etwas ganz Bekanntes für mich — was, könnte ich aber nicht sagen."

„Ich habe Sie bestimmt früher nie gesehen, Lady Wayne", sagte er. „Ich würde mich an Ihr Gesicht wieder erinnert haben; ich werde jetzt daran denken bis zum Tode." i

Er sprach so ernsthaft, daß sie wohl sah, er denke nicht entfernt daran, ihr zu schmeicheln.

„Sie sind auf bestem Wege, ein Höfling zu werden", scherzte sie mit einem Lächeln.

..Verzeihung, Lady Wayne, ein Höfling werde ich nie werden. Ich habe eine verhängnisvolle Fertigkeit darin, das zu sagen, was ich denke, und den Leuten die Wahrhett zu sagen. Diese Ge- wohnheit wäre doch etwas sehr Mißliches bei einem Hofmann."

„Wo sind Sie zu Hause?" fragte sie; „wo wohnt Ihre Mutter?"

„In Elton", versetzte er; „wir haben stets dort gewohnt, wenigstens fo weit ich mich erin­nern kann."

„Tas ist also da, wo die berühmte Grammatik- Schule ist, nicht wahr?"

jawohl", erwiderte er, und sein Gelicht strcchlte vor Vergnügen. „Wie sonderbar, datz Sie das wissen. Lady Wayne. Dr. Cloth ist der Direktor, und ich möchte glauben, er ist der beste seines Fachs in ganz England."

tFottsetzung folgt)