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votationsdruckund Verlag der Zuldaer Ak» ttendruckerei in Zulda Fernsprecher M. 9.

M 32.

Fulda, Mittwoch den 10. Februar 1909.

36. Jahrqanq.

Iwertes Mlcltt.

«= Die Hauptergebnisse -er Berufs Zahlung von 1907 sür Preußen.

Wie das Statistische Landesamt mitteilt, bat seit der letzten Berufszählung vom Jahre 1895 die auf die Berufsabteilung Gewerbe und Industrie entsallenve Bevölkerung um mehr als vier Millionen, die auf die Abteilung Handel und Verkehr entfallende Bevölkerung um ll/i Millionen zugenommen; die landwirtschaft­liche Bevölkerung ist von 11,3 Millionen im Jahre 1895 aus 10,8 Millionen im J-hre 1907 zurückgeaangen. In Prozentzahlen ausgedrückt, kann man sagen: der Anteil der Berussabteilun- gen Gewerbe, Industrie, Handel und Verkehr an der Gesamtbeoölkerung ist von 50 Prozent im Jahre 1882 auf 66,1 Prozent im Jahre 1907 gestiegen, der An eil der Landwirtschaft in der­selben Zeit ist von 49,55 Proz. auf 83,83 Proz. gesunken. Mit anderen Worten: Preußen ist ein Industriestaat geworden.

In allen Berufen zeigt sich ferner eine schär­fere Heranziehung der Familien-Angehöri­gen zur wirtschaftlichen Arbeit; der Anteil der hauptberuflich Erwerbstätigen ist von 38 auf 42 Prozent in den letzten 12 Jahren gestiegen; da­gegen ist in allen Ländern, für die bisher die Ergebnisse der Berufszählung veröffentlicht wor­den sind, ein Rückgang der häuslichen Dienst­boten festgestellt worden, was sich daraus er- klären läßt, daß sich viele Dienstboten entweder der Fabrikarbeit oder der Landwirtschaft zuge- wandt haben. Besonders charakteristisch ist der Rückgang der männlichen Dienstboten, der nicht weniger als 42,t Prozent beträgt, während er bei dem weiblichen Geschlechte nur 2 Prozent ausmacht.

Die Selbständigen haben in der Land- wirtschaft wie im Gewerbe und in der Industrie abgenommen, und zwar in der Landwirtschaft um 2,4, in Gewerbe und Industrie um 3,6; da­gegen westen Handel und Verkehr eine Zunahme der Selbständigen um 21.» Prozent auf. Es hängt dies mit der vermehrten Konzentration der Betriebe in der Industrie und der Abwanderung au» dem Kleingewerbe in die Berufs-Abteilung Handel und Verkehr zusammen.

Interessant ist auch die Feststellung, daß die hauptberufliche Erwerbslällgkeit des weiblichen Geschlechtes im Vergleich zur Zählung von 1895 stark zugenommen hat. Während bei dem män.'lrchen Geschlechte die Zahl der Erwerbstätigen im Hauptberufe nur noch von 59^, auf 60, s o. H. der Gesamtbevölkerung gestiegen ist, ergibt sich bei dem weiblichen Geschlechte eine Zunahme von 17,41 auf 24,14 v. H. Während also vor 12 Jahre noch nahezu drei Viertel aller weiblichen Personen ohne Hauptberuf waren, sind dies jetzt nur noch kaum zwe» Drittel.

Deutscher Reich.

)( Tie Kosten der Berufs- und Betriebszäh­lung von 1907 sind auf 9 Pfennig auf den Kopf der Bevölkerung berechnet worden, sodaß das Reich an die Landesregierungen 5 554 938 <Al zu vergüten bat. Da ursprünglich noch nicht 4 Mil­lionen vorgesehen waren, wird der Fehlbetrag durch einen Nachtragsetat eingefordert werden.

X Lehrer und Jugendgerichtshöfe. Die oldenburgitche Regierung, die hm und wieder überaus fortschrittlich ist, hat die Zuziehung von Lehrer zu den Juqendgerlchtshösen beschlossen.

Kleines Feuilleton.

— Der feige Löwenbändiger. Ein imiifan- keS Geschichtchen erzählt eine bekannte Varietee- Liedersängerin namens Amelie de l'Enclos im Berliner „Tag". Die Künstlerin trat auf ihrem letzten Gastspiel in Holland in einem Varietee auf, in welchem sich auch ein Löwenbändiger mit feiner gefährlichen Truppe produzierte. Nach­dem letzterer seine Vorstellung beendigt hatte und aus beut Käfig heraustrat, um über die Beifalls- ftürnte des Publikums durch Verneigen zu quit­tieren, empfing ihn beim Abtreten in der Kulisse feine bessere Ehehälfte mit einer Flut von Schimpfreden und Anschuldigungen, aus denen hervorging, daß er vielleicht ein guter Löwen­bändiger, jedenfalls aber der miserabelste Ehe­gatte beider Welthalbkugeln sei. Eine Zeit lang hörte sich der also Gekränkte, die Sache mit an und ließ den Wortsci^vall geduldig über sich er­gehen. Als es ihm aber zu bunt wurde, erlaubte er sich in demütigem Ton zu bemerken, daß es doch nicht recht von feiner Frau sei, ihn so vor dem gesamten Ensemble des Theaters bloßzustel­len. Hierdurch nur noch mehr gereizt, kannte die Wut dieser liebenswürdigen Dame keine Gren­zen mehr. Sie begann zu Tätlichkeiten überzu» gehcn und einen Besen ergreifend, drang sie da­mit auf den verdutzten Gatten ein. Da ereignete sich etwas ganz absonderliches. Mit einem Satz befand sich der Bändiger wieder auf der Bühne, riß die Tür des Löwenkäfigs auf, sprang hinein, dieselbe wieder hinter sich zuschlagend und befand sich, inmitten seiner freundlichen Bestien — in Sicherheit. Seine Frau richtete sich hoch auf, blickte sich triumphierend im Kreise um, und rief den Anwesenden zu: „Habt ihr schon jemals xinp» kokckZn SWaJwo r>(Aptw9*'

In welcher Form das geschehen soll, wird leider nicht mitgeteilt. In den Beratungen über die Zulassung der Lehrer zu dem Amte der Schöffen und Geschworenen im preußischen Abgeordnelen- haufe hat sich der Zentrumsredner bekanntlich dahin ausgesprochen, daß die Zuziehung der Lehrer als Richter der Jugendgerichtshöse nicht wünschenswert sei, wohl aber ihre Zuziehung als Berater der Gerichte.

Ausland.

* Mcnclik ist nicht krank. Die Nachrichten von einer schweren Erkrankung des Negus Mene» lik von Abessynien werden amtlich dementiert. Der Negus befindet sich zurzeit auf einer Auto- mobiltour.

* Eine neue Brandrede hat der serbische Kronprinz im Belgrader Olsizierskassino gehalten, wo et den Offizieren das Schriftstück verlas. Er bega n mit den üblichen Ausfällen gegen Oester- retch-Unaarn und knüpfte daran ein scharfe Polemik gegen die Balkanpolitik Iswolskis. Dabei sagte er: „Iswolski empfiehlt uns eine Politik, welche aus Serbien eine Grabstätte machen müßte. (Sine solche selbstmörderische Politik werden wir nicht machen. Iswolski darf nicht vergessen, daß hinter ihm und feiner deutschfreundlichen Politik (!) niemand steht, vielmehr das russische Volk mit dem Zaren an der Spitze eine slawische Politik wünscht und im entscheidenden Moment energisch durchführen wird."

T. Zur sozialen Konferenz -er Geistliche» in Hanau.

Legen wir die Art und Weise der Fürsorge für die Abwandernden im einzelnen dar. Meine Vorschüße, sür die sich recht viele Herren Konfratres noch in den nächsten Tagen mit anderen praktischen Winken zum Worte ntelDen wollen, sind diese:

Als Grundlage für ein einheitliches Vorgehen diene der bei Bachem in Köln erschienene Ab­wanderungsblock. Dieser hat sich in Rheinland als äußerst praktisch bewährt und schon Schaaren von Abwandernden schützende Hand gereicht. Er sollte auf dem Schreibtische eines jeden Seelsorgers liegen und wird auch auf der Konferenz den Geistlichen angebolen werden. Es jolgen in ihm immer aufeinander drei zuiammengehörende Blätter. Das erste Blatt bleibt in dem Block und bildet so ein Pfarrregifter der Ab­wanderung. Es enlhätt wie auch die anderen zwei Blätter genaue Personalien des Wegziehenden und die Adresse, wohin der Betreffende verzieht. Zwischen dem ersten und zweiten und zweiten und dritten Blatt ist ein Pauspapier, sodaß durch das einmalige Schreiben sofort dre drei Blätter auspesüllt sind. Das zweue Blatt erhält der Abwandernde in die Hand mit einer Empfehlung an das Pfarramt oder an den Berein, wohin er zieht. Das dritte Blatt hat Postlartensorm und wird sofort an das betreffende Pfarramt gejchicki. Auf dem ersten und dritten Blatt ist unten in lateini­scher Sprache auch noch ein kurzes Sittenzeugnis vor- gesehen. Auf dem dritten Blatt bittet der Heimat- pfarrer noch um sofortige Mitteilung, ob der Zu- zirhende sich gemeldet bat

Ei« solcher praktisch ausgearbeiteter Block ist ein so notwendiges Instrument in der Seelsorge in unserem Zeitalter der Freizügigkeit, daß wohl die Frage: „Ist die Lifte für die »dwandernden mit Mitteilung an die Geistlichen des betreffenden Ortes nach Möglichkeit geführt?" eine dedemungsvolle Frage de» Dechant« liehen Bifikationsprotokolls sein könnte.

Es ,st nun die Frage zu behandeln: Wie er­fahren die Heimatgeistlichen rechtzeitig die Wanten der Abziehenden, baß sie nach diesen Anregun­gen verfahren können?

1. Der Seelsorger muß alljährlich zweimal, etwa int Februar, für die Saisonarbeiter und -Arbeiterinnen und im Spätsommer, anfangs September, von der Kanzet mit allem Nachdruck die Eltern bitten, daß sie ihre Kinder, die vorhaben, in die Fremde zu ziehen, rechtzeitig einmal ins Pfarrhaus schicken, oder daß die Eltern selbst einmal kommen mögen. Er kann ja im

— Eine heitere Episode aus dem Lebe« des Feldmarschalls Grafen Haeseler erzählt der Metzer Journalist Friedrich Sporleder in seinen „Haese- ler-Anekdoten". Ein Franzose aus Nancy war nach Metz gekommen, um den Bischof kennen zu lernen. DaS Bischofspalais und das damalige Generalkommando liegen beide in der Chatillon- straße. Der Franzose geriet nun statt inz Bi- schosspalais ins Generalkommando. Er war in­nerlich hoch erfreut, daß hier in Deutschland die Bischöfe fo geehrt seien, daß man ihnen sogar Doppelposten vor die Tür stelle. An den Dop- pelposten, zwei biedere Schleswig-Holsteiner, rich- teie er auf französisch die Frage, ob der Bischof zu Hause sei. Da aber die beiden Marsjünger außer „du pains" und „du vin" kein Wort Fran­zösisch verstanden, fo glaubten sie, der feine Herr wollte zum kommandierenden General. Im Hauptportal wurde der Franzose vom Diener empfangen, dem er feine Karte gab. Dieser mel­dete den Besucher an. Nach einigen Minuten, während sich der Besucher über die klösterliche Einfachheit der Zimmer freute, tat sich die Tür auf und herein trat Graf Haeseler. Schon aus den ersten Worten erkannte Exzellenz Gottlieb, daß er mit dem Bischof verlvechselt wurde. Der Besucher wollte die Unterstützung des Bischofs für den Aufenthalt eines französischen Offiziers er­bitten, dessen Tante in Metz im Sterben lag. Graf Haeseler gab ihm einen Zettel mit. lieber» all, wohin der Franzose nun fam, fand er ein ge­neigtes Ohr und seine Wünsche wurden schnell er­ledigt. Al» er nun wieder nach Nancy zurückge- kehrt war, erzählte er mit großem Behagen von der Liebenswürdigkeit des Bischofs von Metz. Nur eines habe ihn an dem Bischof gestört, näm­lich, daß er preußische Generalsuniform getragen habe. -P-

Mütterverein oder Männerverein dieses Thema be­handeln und sofort nach der Konferenz oder in der Veremssitzung sich von den einzelnen Eltern Mit­teilungen machen lasten. Selbstverständlich darf der Seelsorger nicht unterlassen, in den letzten Schulwochen die Adressen der abw-mdernden 14jährigen Jungen und Mädchen festzustellrn und zu übermitteln. Bei der Besprechung mit den Ellern wird der Geistliche mit Entschiedenheit betonen, daß sie ihren Kindern doch ja keine Stelle durch ihnen unbekannte Personen suchen lassen, auch nicht durch leichtfertige Mädchen und Bnr chen aus der Heimat, sondern daß sie die katho­lischen Stellenoermittelungeir und Pfarrämter der Städte zu Rate ziehen sollen, die in erster Linie aus das Seelenheil der Zupehenden bedacht sind.

2. Ein leich'es Mittel, wenn auch manchmal etwas verspätet, um die Namen der Jünglinge und Jung­srauen vom 14. bis IS. Jahre zu erfahren und den Pfarrämtern re. der Zuwanderungszentren zu über­mitteln, ist die Christenlehrliste. Durch geeignete Mittel kann der Geistliche sehr wohl erreichen, daß die Christenlehrpflichtigen, wenn sie fortziehen, sich bei ihm rechtzeitig perfönl ch abmelden.

3. Die Meldeämter der einzelnen Bürger- metstereien können gute Dienste tun. In vielen Städten mit ganz protestantischer Stadtverwaltung stellt der Magistrat unentgeltlich jeden Monat den Pfarrämtern die Lilie der Einwandernden zu, oder erlaubt, daß diese sich diese Namen jede Woche aus den Büchein herausschreiben. — Wenn auch nicht der Befehl, so doch der dringende Wunsch von 3 Ministern veranlaßt den Magistrat dazu. Wenn die städtischen Behörden hier den Geistlichen die Hand reichen, dann wird der Landgeistliche ebensalls es leicht erreichen, daß ihm so­fort die Abmeldung eines Pfarrkindes in bestimmten Zeitabschnitten nutgeleilt wird. Auch dann noch ließe sich manches bei den Eltern erreichen.

Diese Ausführungen sind nur Vorschläge. Wer meldet sich weiter zum Wort?

Aus Kirche und Schule.

= Rom, 8. Febr. 1909. Der Tod des Kardi- nals Cretoui, der bis zu feinem Ableben die Stel­lung des Präfekten der Ritenkongregation inne hatte, hat die Zahl der Lücken im Kardinalskollr- ghtm die nicht häufig zu beobachtende Höhe von sechzehn erreichen lassen. Nach Mitteilungen von vatikanischer Seite wird Papst Pius das nächste Kcnfistorium im März abhalten, in toel- chem voraussichtlich acht Kirchenfürsten den $ ur­pur erhalten werden. Von den gegenwärtig 54 Kardinälen residieren 18 in Rom. Tie in den Kongregationen vorgesehenen Aernter erfordern jedoch 24 Kardinäle, welche dauernd im Vatikan ihre Residenz haben sollen. Die Gründe der bis­herigen Beschränkung der Zahl der römischen Kar­dinale dürften hauptsächlich finanzieller, Natur sein, weshalb es begreiflich ist, daß Papst Pius bei seinem Bestreben, alle Ausgaben noch Mög­lichkeit einzuschränken, sich nur schwer entschlie­ßen konnte, die Zahl der Kardinäle im Vatikan zu vermehren. Die im letzten Sommer durchge­führte Verwaltungsreform wird nun ober doch die Ernennung neuer Kardinale für den Dienst der Kongregationen unumgänglich machen. Zu bemerken ist noch, daß sich unter den heule, leben­den Purpnrträgern 32 Italiener und LL Nichtita- liener befinden. Die letzteren verteilen sich fol­gendermaßen: Deutschland 2, Oesterreich 3, Un­garn 3, Frankreich 4, Spanien 5, Portugal 1, England 2. Nordamerika 1 und Brasilien 1.

Aus dem Nachbargebiete.

A Großenlüder, 9. Febr. 1909. Der 9. Stif- tungstog des hiesigen über 200 Mitglieder zäh- lenden katholischen Arbeitervereins nabm einen sehr schönen Verlauf. Durch eine ge­meinsame Generalkommunion der Mitglieder er­hielt der Tag seine religiöse Weihe. Gegen 2 Uhr bewegte sich der stattliche Arbeiterzug mit der Bereinsfahne und der Fahne des Gesellenver­eins von Großentaft, dessen Präses, Herr Pfarrer Huber mit einigen Mitgliedrn erschienen toir, zur Kirche, wo Herr Pfarrer Hüber die Festpre­digt über das Bekenntnis des Glaubens und die christliche Arbeit hielt. Der Zug bewegte sich dam: ttt den Pfarrhof, wo Herr Schönherr dem Protektor des Vereins, den hochw. Herrn Pfarrer Malkinus begrüßte, welcher herzliche Worte der Ermunterung an den Verein richtete. In der Festversammlung im Reith'schen Saale gab der Präses, Herr Kaplan Witzel. feiner Freude Aus­druck, daß der Verein bisher fo treu seinen hehren Zielen zugestrebt habe, und feierte dann die Trä­ger der höchsten Gewalten in Kirche und Staat. Die humorvollen und originellen Ansprachen des Herrn Pfarrers Hüber, sowie die Weisen der Bioneck'schen Kapelle hielten in dec Versammlung die fröhlichste Stimmung wach. Großer Jubel erfüllte den Saal, als plötzlich ein früherer Prä- ses des Vereins, Herr Kuratus Ramb, Schmal- Falben, erschien. Des Abends wurde vor voll be- setztem Saale das ergreifende Schauspiel von Tr. I. Faust „Arumugam, ein standhafter indischer Prinz", gegeben. Das Stück, welches auf das sorgsältigste eingeübt worden war, wurde mit tiefstem Verständnis und großer Exaktheit ge­spielt und machte auf die Zuschauer einen großen Eindruck. Einige komische Aufführungen riefen viel Heiterkeit hervor.

* Weimar, 9. Febr. 1909. Die Nummer 2 des Kirchen» und Schulblattes enthält eine Ver» otbnung deS groß herzoglichen Staa-Sministeriums, nach der künftig nicht über 18 Jahre alle Unter- suchungs» und Strafgefangene durch Volk»- fchullehrer regelmäßigen Unterricht erhalten fallen.

Reklamen- uud Anzeigenteil.

Altardecke, ein Taufbecken und zwei Opferbüchsen gestohlen. Am Sonntag fanden spielende Kinder auf einem Baugelände in Pankow die geraubten Sachen unter Schnee und Morast vergraben. Wahrscheinlich wollten die Kirchenräuber zu ge- egener Zeit ihre Beute aus dem Versteck abholen und dann verkaufen. Das gestohlene Gut tvurde i)cr Polizei übergeben.

*’ Wer kauft Schlösser? Das königliche Schloß n Freienwalde wird vom Kronfiskus zum Ver­kaufe gestellt. Die dazu gehörigen Wiesen sind an ein Bau-Konsortium aufgelassen. Ein sich dem Schlosspark anschließender großer Garten wird demnächst in den Besitz der Stadt übergehen.

— Durchschaut. Ehemann: „Willst Du nicht beute, liebe Laura, das Schlafpulver nehmen, das Dir der Artt verschrieben hat?' — Frau: „Meinet­wegen. Den Hausschlüssel kriegst Du aber doch nicht!"

Handel und Industrie.

A. Berlin, 9. Februar 1909. Die Börse zeigte heute eine feste Tendenz, wovon unsere deutschen Anleihen stark profitierten. — Auch an der Pro­duktenbörse war die Haltung fest. Weizen 216 bis 217, Roggen 166,50.

Märkte.

• Frankfurt, 8. Febr. 1909. (G etreidemarkt.j Am heutigen Fruchtmarkle war die Stimmung für Westen recht fest, fo daß der Preis sich gegen die Vor- rooaje merklich höher stellte. Roggen war im Preise nicht verändert, Hafer begegnete guter Nachfrage bei leicht gebesserten Preisen. Gerste war nach wie vor schlecht beachtet. Mais in gesunder Ware fester. Mehl höher im Preise. Es notieren nach Qualität: Weizen, hiesiger unüWrtterauer, 22.00-22L5 Mark, kurhessischer 22.40-00 00 Mark, norddeutscher 22.40-00 00 Ml., ruft. 00.00-00.00 M., Redwinter 00.00 -00.00 Ml., Kansas 00.00-00.00 Ml., La Plata 24.25 -25.00 M., ihumän. 00.00-00.00 Mark, Roggen, hiesiger, 17.25 bis 00.00 Ml., russischer 19.50-20.50 Ml., rumänischer 00.00—00.00 Ml., «erste hies. u Wetterauer 18.50—IS 50 Mark, Psötzer 18.50 19.50 M., Ried 18.50—19.50 M., Hafer, hies. 16.50-17.50 Mk., bauet. 16.50-17.50 Mk., württbg. 16.50-17.50 M., russischer (000 - 00.00 'IRL rumän. 00.00-00.00 Mk., La Plata 16 00 -17.00 Mark, Mais (Mixed) 16.25-16.50 M., russ. 16.50 -00.00 M-, DouaumalS 00.00 -00.00 M, La Plata 16 50—16.75 Ml. Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl : —. Weizenmehl Str. 0 3125 - 00.00 Mark. Str. 1 29 75-00.00 Mark, Nr. 2 28.75 -00.00 M„ Nr. 3 27.75-00.00 Mk., feinere Marken 0.50—0.00 M. höher. Roggenmehl Str. 0 25.00 -00.00 M., Nr.l 23.00- 00.00 M., Str. 2 19.50 -00.00 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futtermittel: —• Weizenschalen 11.00-0.00 Mk, Weizenkleie 10.25-0.00 Mark, Roggenkleie 11.00—00.00 Mark, Futtermehl 14.00-00.00 M., Biertreber, getrocknet, 13.00-13.25 Mark. AUeS per 100 Kilo netto effektiv loko stier

• Frankfurt a. M„ 8. Febr. 1909. Ammcye Mu­tierung der Biehmarkt-Preise. Zum Verlauf standen 448 Ochien, 50 Bullen, 820 Kühe und Rmder (Stiere und Färsen), 284 Kälber, 327 Schafe und Hammel und 1673 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: ». vvllsteischige, ausgemäftete höchsten schlacht- wertes bis zu 6 Jahren 73-76 M., b. junge siestch'ge nfitjF auSgemäftele und ältere ausgemäftete 68 —,0 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 58 -60 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 At. Bullen: t. vollsteffchlge höchsten Schlachtwertes 64—66 Mart, h. mäßig genährte jüngere und gut genährte auete 60—(.2 Mk., c. gering genährte 00—00 Mark. Mhe und Jungrinder: a. vollfleischrg«, ""^ernästelr Jungrinder höchsten Echlachlwerter _ 70—72 ittiarr, b. vollstesschige, ausgemäftete Kühe höchsten schlacht­werte- bis zu 7 Jahren 59 di- bl Mark, c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Jungrmder 47 bis 49 M., d. mäßig genährte Kühe und Jungrinder 00—00 Al, «. gering genährte Kühe u. Jungrmder 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Pjd. Schlachtgewicht: Kälber: a. finite Wta|t» (Bollmaft) u. beste Saugkälber (Haunov.j 90—95 Pfg-, b. mittlere Mast» und gute Saugkälber 80 —88 Pfg-, c. geringe Saugkälber 65—68 Psg-, d. ältere, genug genährte Kälber (Fresser) 00-00 Pfg- Schaf»: ft. Mastlämmer und junger« Mafthämmrt 70—00 Pfg , b. ältere Masthämmel 58—60 Pfg., c. mäßig genährte Hämmel und Schaf« (Merz-Schafe) 00— 00. Schweine: a. voUfleifchige der feineren Raffen und drren Kreu­zungen im Atter bi- zu l1/« Jahren 70-72 Pfg-, b. stesschme 70—72 Pfg., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eder 64-68 Pfg., d. ausländifch« schwem« (unter Angabe der Herkunft) ,0°-00 Bezahlt wurde für 1 Pfund Lebendgewicht: Ochsen 00 00 Pf-, Kälber: *. 53-57 Pfg., b. 48-53 Pfg-, Schweme: ft. 57-00 Pfg., b. fleischige 57 Pfg.

gang in Ochsen und Bullen mittelmäßig, Kühen und Jungrmd«» gut, in Kl.inviest gut, Hebe^anO kemen Aus Orsterrnch standen 82 Ochsen Md 1 Bull« »um Verkauf. Oefterr«ichifch« Ochs«» wurden mit 78 IRL be,0| Fleischpreisr im Januar. DaS preußische statistische Landesamt veröffentlicht zum crftenmal Erhebungen über die Fleischpreise tn preußischen Städten. Die Statistik umfaßt vorläufig 50 Orte. Nach diesen Ermittlungen ergibt sich für Rindfleisch ein DurchschnittArers von 1,55 Mark pro Kilogramm. Den höchsten Preis hat Breslau mit 1,73 den niedttgsten Memel mch Gleiwitz mit 1,18 Kalbs letsch kofttckim Durchschnitt 1,71 M. In Altona und Slade geht der Preis bis aus 2,12 M hinauf: tn Memel sinkt er bis auf 1,26 Der Durchschnittspreis für Hammelfleisch beläuft sich auf 1,58 JL. Drei Orte haben einen Höchstpreis von 1,92 M, und zwar find dies Breslau, Altona und Wiesbaden. Schweines leisch kostet im Durchschnitt 1,55 Mark, Schweineschinken 2,59 und Schweinespeck 1,81 M. Die höchsten Preise haben Hanau mit 1,91, Krefeld mit 1,89, Köln mit 1,87, Wiesbaden mit 1,84 M. Am niedrigsten steht Osnabrück mit 1,29 -F.

vermischtes.

•* Geprellte Kircheuränber. Bei dem Einbruch in der katholischen Kirche zu Lege l wurden Ävei silberne und »wei Zinkleuchter, eine blaue

Braut-Seide«.»

— Schon venolltl — Verlangen Sie Muster. — Q. Heenebero. ZOHch.