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M 32.
Fulda, Mittwoch den 10. Februar 1909.
36. Jahrqana*
Er-Kes Alcrtt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 9. Februar 1909.
Fortsetzung der sozialpolitischen Besprech- * u n g beim
Etat des ReichSamtS deS Inner«.
Abg. Hu, (Ztr.) betonte die Notwendigkeit einer . weiteren Regulierung des Oberrheins.
Abg. v. Brockhausen (kons.) wünschte Abhilfe des .erroßen Äohnungselenres in den Troststädten und Erhebungen über die Mistständ« im Theaterwesen. Redner widmet dem verstorbenen früheren Abg. Stöcker einen , warm empfundenen Nachruf.
Abg. Arning (nL) begrüßt die Weiterentwicklung des Krankenverstcherungswesens und hofft, daß die neue Reform nicht zu Ungunsten des Aerzteitandes aussallen würde. Unter Widerspruch eines Teiles des Hanfes verlangt er für die Aerzte das Recht, ihre Arberksleistung zu verweigern.
Staatssekretär ». Bethmann-Hollweg: Der ärztliche Berus ist ein liberaler Beruf und er hat höhere । Güter zu wahren, als es bei den Bernsskreifeu der ' Fall ist. Deshalb hat man die Aerzte nicht unter die Gewerbeordnung gestellt, und darum sollien sie es sich auch überlegen, ob sie nicht deffer tun, von den Mitteln keinen Gebrauch zu machen, die sonst von gewerblichen Koalitwnen benutzt werden. Ich erkenne an, daß die Berhätlniffe des ärztlichen Stande? durch unsere Ber- sicherungsgesetzgebung ungünstig beeinflußt sind. Deshalb ist die Flage der Zulassung der Aerzte zu de« Krankenkaffen bet den Vorverhandlungen über bie neue 1 Bersicherungsordnung gründlich erörtert worden und wrr glauben hier den richtigen Modus gefunden zu haben. Der Staatssekretär bespricht dann die Stellungnahme der Regierung zu einzelnen Wünschen der Abgeordneten.
Abg. Kämpf lfreis. Vp.) wendet sich gegen die Preispolitik der Kartelle und Syndikate, die im Jn- , lande die Waren verteuerten.
Die weitere Debatte war unerheblich.
Mtttwoch: Fortsetzung.
Preußischer Landtag.
Aßgeordnetenliau».
Sitzung vom 9. Februar 1909.
Das Haus beriet zunächst das
PfarrerbesolbungSgesetz.
Dazu sind mehrere neue Anträge eingegangen Ein Antrag Winckler (kons.) verlangt, daß dem Pfarr- wilwen- und Waijenfonds weitere 5UOOOO Mark jährlich überwiese» werden. Ein Antrag Eickhofs ifrf. Bp.) ersucht um dauernde Beihilsen an leistungsfähige l jüdische Kultusgememden. Ein Antrag Dr. Porsch (Zemr.f fordert Bereitstellung staatlicher Mittel zur Verbesserung des DienstemkommenS der katholischen Hrlssgeiftlichen. Ein weiterer Antrag desselben Abge- , ordneten verlangt eine Erhöhung der sür das Ruhe- 1 gehallswesen der katholischen Geistlichen auSgeworfenen Summen.
Abg. Winckler (kons.) beantragt, mit Rücksicht auf die neu eingegangeuen Anträge, die Vorlage« mit diesen Anrräqeu an die Psarrbeso dungs ommrffio» zurück- zuweilen. Die Abgg. Tourneau (Zenlr.) und Eickhoff (srf Bp) schließen sich dem an.
Das Haus beschließt, die Gesetzentwürfe mit allem dazu gestellten Anträgen an die Kommission zu- räckzuwetsen. — Die Beratung deS
LeßrerbesoldnngsgesetzeS
wird dann fortgesetzt bei den §§ 6 bis 19, welche die Alterszulagen, die Dienstwohnungen und dir Mtet-entlchädigunqeu bebaxbeta.
Abg. v. TiSy «kons.): Die niederen Küsterdienste abzulösen ist nolwendig. Erst allmählich wird man zu bleiern Ziele getan,en. Wenn eine Trennung zwischen Stadt- und Landlehrern ein treten sollte, dann kann dies seine» Grund nur darin haben, daß die Jnte- reffen der Landlehrer nicht genügend gewahrt sind.
Abg. Dr. v. Campe (natl.): Die Ablösung der «lederen Küsterdtenfte bat m anderen Staaten schon stattgeinnde«. Warum soll bas in Preußen nicht möglich sein?
Abg. Hoff ssreis. Bgg.): Der gesunde Sinn der Lehrerschaft wird alle fest einiger Zeit gemachten Versuche, Gegensätze in die Lehrerschaft zu bringe«, rundweg ab werfen. Bezüglich der Atterszulagen bebaute ich persönlich es aufs lebhafteste, daß es nicht möglich war, die Kommiisionsbefchlüffe erster Lesung aufrecht zu erhalten. Ebenso ist höchst bedauerlich, daß die Mißstände auf dem Gebiet der Wohnungsgelegenheit für die Landlehrer nicht schon jetzt durch Gesetz befestigt worben find.
Abg. Castet (fteis. Bp.) verwahrt seine Partei gegen den Vorwurf, alS hätte sie bie Lehrer mit unerfüllbaren Berfprechungen reguliert.
Abg. Dr. Jderhoff (fteikons.): Abg. Hoff müßte wiffen, daß wir die von ihm gewünschte Abschaffung der niederen KSsterdierme nicht, wie er uns unterstellt, abgelehnt haben, um der Kirche einen Glasten zu tun. Bei einer völligen Trennung des Lehrer- und Küsteramts würde sich ergeben, daß der größere Teil des jetzt verfügbaren Vermögens kirchlichen llrsprungs ist und daß dann die Schulgemeinden nicht mehr über genügende Mittel verfügen.
Nach einer Replik des Abg. Hoff werden die §§ 6 bis 19 angenommen.
Es folgt die Besprechung der §§ 20—25, welche bie Orts» unb Amtszulage« regeln.
Abg. Schiffer <ntl.) gibt der Hoffnung Ausbruch baß bet Streit zwischen Rektoren unb Klaffenlehrern bald aufhöre.
Abg. Marx (Ztr.): Bei den AmtSzitlagen handelt eS sich, darauf mache ich besonders aufmerksam, nur nm Mindestsätze, sie sollen mindestens 2700 und 200 Jt betragen. In Bezug auf die Ortszulagen war es ein Fehler der Regierungsvorlage, zwischen den größeren und kleineren Gemeinden dadurch zu un. terscheiden, daß nur bei mehr als 25 Schulstellen Ortszulagen gewährt werden könnten. Auch die jetzige Kom. miffionsfaffung hat gewiß ihre Bedenken, aber im großen und ganzen ist diese Lösung eine glückliche, wenn auch die Begrenzung auf 4200 Jt steif und ungelenk ist. Für die Lehrerinnen war m der zweiten Kom. missionslesung die Ortszulage mir so bemessen, daß das Diensteinkommen höchstens um 500 Mark erhöh: würde; es kamen unS aber aus dem Westen Mitteilungen. daß dort in manchen Gemeinden neben Leh- rergehältern bis 4200 Jt sehr niedrige Lehrerinnengehälter bestehen, unb deshalb haben wir in der dritten Kommissionslesung mit dankenswerter Zustimmung der Regierung 600 Jt festgesetzt.
Abg. Graf Moktke (freikons.) bespricht daS Bei- hältnis der Rektorengehälter zu den Gehältern der Borschullehrer und der Seminarlehrer.
Abg. Hoff (frs. Vgg.) erwartet, daß die Gemein- den, die nach der Vorlage das Recht zur Gewährung von Ortszulagen haben, von diesem Rechte ausgiebigen Gebrauch machen.
Abg. Frhr. e. Zedlitz fkorrs.): Auch eine große Zahl von Gemeinden, die heute noch keine Ortszulagen gewähren dürfen, werden in Zukunft vermöge deS Bevölkerungszuwachses Ort^ulagen gewähren können. Die Amtszulagen für bie Rektoren sind ein Notbehelf, den wir indes für den Augenblick nicht entbehren können.
Abg. Glottfelber (Mr.) gibt der Uekerzeugung Ausdruck, daß die Vorlage trotz mancher Mängel in Einzelheiten doch ein Segen für die Lehrer und daS Land fein_ werde und betont, daß die Schulverbände, wenn sie überhaupi Ortszulagen gewähren können, dieselben auch mit rückwirkender Kraft bis zum 1. April 1908 ausstatten können.
Die Debatte wird geschloffen. Die §§ 21—25 werden angenommen.
Es folgt die allgemeine Besprechung der §§ 26—38. Sie behandeln die Zahlung des baren Diensteinkom- menS, die Beschaffung des Brennmaterials, Gewährung von Dienstland, Raturalleistungen, Anrechnung auf das Grundgehall, Umzugskosten, Gnadenguartal, Anrechnung der Dienstzeit an Privatschulen, und den Rechtsweg bei Streitigkeiten.
Abg. Tr. Hahn (Bd. d. L.): verteidigt sich gegen Angriffe von der Linken. Cs trifft zu. daß ich in Hannover die Forderungen der Landlehrer gebilligt habe. Ich habe in diesem Sinne auch Briefe an konservative Herren und an unsere Vertrauensmänner gerichtet. Wenn das Berliner Tageblatt ein Schreiben von mir veröffentlicht hat, so kann die? nur in meinem Bureau entwendet worden sein. Seine solche Verwertung eines Schreibens setzt eine niedere moralische Anschauung voraus. UebrigenS möchte ich bemerken, daß in dem Hanse, in dem ich wohne, kürzlich bei einem
Herrn auch Hut unb Paletot gestohlen worden sind, fHeiterkeit.) Der Dieb scheint also oben den Paletot und zwei Treppen tiefer bei mir den Brief gestohlen zu haben. (Erneute Heiterkeit.) Die Herren, welche dem Berliner Tageblatt nahe stehen, können daher vielleicht in der Redaktion diese» Blattes erfahren, wo der gestohlene Hut und Rock geblieben ist. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß sich die Lehrer auf dem Lande mehr und mehr von den Freisinnigen ahmenden, da sie zur Einsicht gekommen sind, daß diese doch nicht so für sie zu sorgen imstande find, wie die Konservativen und daS Zentrum. (Beifall rechts.)
Abg. Tvurneau (Ztr.): Rach den Bestimmungen des § 36 sollen die Privatlehrer, welche in den öffentlichen Volksschuldienst übertreten, 750 Jt und die Lehrerinnen 200 Jt für jedes Jahr zahlen, nm die AlterS- zulagen. entsprechend ihrem Dienstalter, zu erholten. Diese Bestimmung bedeutet beinahe den Untergang unserer katholischen Privatschulen und der Waisenschulen der Diaspora. Keine Anstalt, keine Gemeinde wird in der Lage fein, diese hohen Ausgaben für ihre Lehrer und Lehrerinnen befreiten zu können und die Lehrer unb Lehrerinnen werden dies erst recht nicht vermögen Leider sind unsere Wünsche in der Kommission allgemein auf Ablehnung gestoßen. Ich batte zunächst die 'Absicht, heute einen Antrag einzubringen, aber dem steht die Vereinbarung des HauseS entgegen, nach welcher nur Anträge von allen Parteien gemeinschaftlich gestellt werden sollen. Ich würde mit meinem Anträge vielleicht daS Gesetz gefährdet haben und das konnte ich nicht herantroorten. Ich spreche aber mein Bedauern auS, daß der Finanzminister einen Antrag, daß von der Nachzahlung zu der Alterszulagekaffe in besonderen Fällen abgesehen werden kann, enffchieden ablehnte, indem er meinte, durch diesen Antrag könne die Basis der AlterSzulagekaffe we- fentlich erschüttert werden. Die Kommisfioir bat nun weiter einen Antrag angenommen, die Regierung zu ersuchen, in den Etat Mittel einzustellen, aus denen Lehrpersonen, die von Privatschulen in den flff ent» ließen Vokksschuldienst übertreten, Erleichterungen gewährt werden können. ES ist aber zweifelhaft, ob eS dem Kultusminister gelingen wirb, vom Finanzminister solch reichliche Mittel zu erzielen» daß allen Wünschen der Privatschulen hier geholfen werden kann. Für verschiedene Lehrer und Lehrerinnen an Privat- schulen sind Ausnahmen gemacht worden. Der § 33 ergibt, daß als öffentlicher Schuldienst auch die Zeit anzurechnen sei, während der ein Lehrer oder eine Lehrerin an einer Anstalt tätig gewesen ist, die vertragsmäßig die Vorberettungen von Zöglingen für die taarlichen Lehrerbildungsanstalten Übernommen hat, enter bie Zeit, während der eine Lehrer oder eine Lehrerin als Erzieher oder Erzieherin an einer öffentlichen Taubstummen-, Blinden-, Idioten-, Waisen-, Ret- iungs- ober ähnlichen Anstalt oder an gleichartigen privaten Anstalten, die ausschließlich gemeinnützigen Zwecken dienen, tätig gewesen ist, und endlich bie Zett, während der ein Lehrer an einer von einer Svnago- gengemeinde unterhaltenen jüdischen Religionschule beschäftigt gewesen ist. Sind hiernach nicht die jüdischen Religionsschulen gegenüber den atholischen Privatschulen tatsächlich bedeutend b e s- erge stellt? Dte Richtigkeit des Einwandes, daß hier gana_ andere Verhältnisse vorlägen, bestreite ich. In den jüdischen Religionsschulen wird jüdischer Re- ligionSimterricht erteilt, desgleichen aber auch Volkschulunterricht. Tue jüdischen Religionsschulen werden von den jüdischen Shnagogen-Gemeinden unterhalten. In den katholischen Privatschulen wird katholischer Religionsunterricht erteilt, und es werden die 'atboli- chen Privatschulen von den Gemeinden unterhalten. Das dürfte also dasselbe fein. Man sagt nun, es be- tehe ein öffentliches Interesse an der Haltung der israelitischen Religionsschulen zur Unterweisung der israelitischen Schulkinder. Ich frage, hat der Staat kein Interesse daran, datz für die religiöse Untcrroei» ung der katholischen Kinder gesorgt wird? Das dürfte dock' wohl in dem gleichen Matze der Fall fein. Tödlich hat der Regierungsoertreter erklärt, datz die jüdischen Religionsschulen einen Unterricht ersetzten, der in der öffentlichen Volksschule nicht erteilt werde, aber eigentlich erteilt werden sollte . Nun, ich möchte da doch fragen, ob dies nicht auf die katholischen Volksschulen anwendbar ist. Die katholischen Privat- chulen verdanken in erster Reihe dem Bedürfnis nach katholischem Religionsunterricht chr Dasein. Gibt es doch leider eine Anzahl Volksschulen, an denen kein katholischer Lehrer, auch kein Religionslehrer, wirkt, obwohl die Schulen eine ganze Schar katholischer
Schüler zählen. Wir Katholiken stehen auf dem Stand punkt, datz der ganze Unterricht von christlicher Welt anschauung durchweht sein mutz. Leider neigt heub eine kleine Anzahl evangelischer Lehrer ma terialistischen und atheistischen Anschauungen zu, uni wir müssen als Katholiken fordern, datz unfere Kind« im katholischen Sinne erzogen werden. Deshalb müs fen wir katholische Privatschulen gründen. Warum ge währt man den katholischen Privatschulen nicht diese! den Vergünstigungen tote den jüdischen und teilweise auch den evangelischen? Die Regierung läßt obeneii! die nötige Energie in der Umwandlung von katholi scheu Privatschulen in öffentliche Volksschulen oermts fen. (Lebh. Zustimmung im Zentrum.)
Ministerialdirektor Schwartzkopss: Ich bin nicht n der Lage, auf die Frage der Erteilung des Religions Unterrichts an konfessionelle Minderheiten hier einzi« gehen. Zurückweisen aber mutz ich die Behandlung die Unterrichtsverwaltung entwickele nicht die nä‘ig Energie zur Umwandlung katholischer Privatschuler in öffentliche Volksschulen. Die Bezugnahme auf dH jüdischen Religionsschulen ist unrichtig. Die jüdi'chet Gemeinden find gesetzlich verpflichtet, die ReligionS schulen zu unterhalten, und stehen somit diesen Schi» len anders gegenüber als die katholischen Gemeinde» den Privatschulen. Die jüdischen Gemeinden sind tat sächlich Träger der Schulunierhaltungslasten.
Abg. Hoff ffrs. Bgg.): Das lange Zurückbleiben des Lehrrrgehätter auf dem Lande hängt zusammel mit der Zusammensetzung dieses Hauses. (Widerspruch rechts.)
Abg. Cassel (srs. Vp.): Herr Dr. Hahn hat tl seinem Zirkular bie Parteifreunde dringend gebeten, bie Lehrer konservativ zu machen. Ist das kein Zand apsel zu einer Zeit, wo Kompromißverhanblungen in Gange waren0 (Sehr richtig! links.) Wie ist bat Zirkular veröffentlicht worben? Dr. Hahn irrt, wen» er glaubt, daß bas nur auf dem Wege des Diebstahls geschehen fein kann. Es war doch klar, baß das Ziv kular auf die Dauer kein Geheimnis bleiben konnte Warum sollen ein eine Adressaten es nicht ber Einfach- hett halber gleich an einzelne Personen des Lehierstandek roeitnrgegeben haben! (Sehr richtig! links.) Mei« Freund der Abg. Dr. Schepp, hat auch das Zirkulat in bie Hand bekommen, ohne strafbare Handlung. Vielt Emptäng« mögen geglaubt haben, Dr. Hahn eine» Gefallen z« hm, wenn sie ben tiefen Inhalt des Ziv kutars »elterverbreiteten. (Große Heiterkeit links.)
Adg. Flesch tfrs. Vp.) machte darauf aufmerksam, daß nach § 35 des Entwurfs den Lehrern aller öffenb ticken Schulen auch bie Zett angerechnet werden könnte; während deren sie in öffentlichen Taubstummem Idioten- und Rettungsanstalten ufro. ober an solche» Privatanstallen, die ausdrücklich gemeinnützigen Zwecke» dienten, tätig seien.
Abg. Tr. v. Kampe (ntl.): Wenn ich den Abg Tourneau richtig oeritanbe.i habe, hat er ben euange* Irschen Lehrern ben Vorwurf gemacht, daß sii Atheisten seien. Ich bedauere als evangetlscher Christ daß die Ste uerung die evangelischen Lehrer gegen diesen Vorwurf nickt in Schutz genommen hat. Dies Gesetz bringt in erster Linie den Landlehrern Vorteile. Wn kann Dr. Hahn da behaupten, daß wir den Landlehrer Steine statt Brot bieten wollten!
Abg. Tr. Hahn (tont): Ich stelle fest, daß bei ganze Streit hier im Hanse nur ausgebrochen ist durch die Artikel einiger freisinniger Blätter. Im Lauf« dieses Streites bin ich ganz umchuldiger Mann (Heiterkeit) bann Gegenstand des Angriffs geworren. Ja, wenn ich noch das Kompromiß irgendwo in einer Zeitung bemängelt hätte, bann könnte man vielleicht noch sagen, ich hätte nicht loyal gehandelt.
Abg. Tourneau (Ztr.) (persönlich): Herr Dr. Camp« hat sich gegenüber meinen Ausführungen empfindlich gezeigt. Ich bebau«, daß er meine Worte mißver- »landen bat. Es hat mir völlig ferngelegen, bie kom sei flanellen Gegensätze zu vertiefen. Jeder, der mich kennt, wird wiffen baß ich niemals eine Aeußerunz getan habe, welche für eine fion elften verletzend wäre. Ich habe nur von einer kleinen Anzahl von Lehrern ge» Iprochen, meine Bemerkung war also nicht beleidigend ür bie evangelische Lehrerschaft.
Die §§ 25—3ß werden angenommen und ebenft ohne Teb rite die §§ 37 42.
MlUwoch: Lehierbesoloung unb Wahlprüfungen (unter letzteren auch die »ter Berliner sozialdemolrati- chen Mandate).
Sm Banne te Geheimnisses.
■ 28] Aus dem Englischen von K. ».Raesfeld.
Hier war'S, Ivo Werner mit Entzücken seine Zeit verbrachte. Er fand dort Bücher, von,denen er gelesen, und die selbst zu lesen er sich immer gesehnt. Früh am Morgen, wo jeder andere noch schlief, war der fange Student hier tätig und
fleißig, und hier in der Bibliothek von Downham war's, wo er jenes Gedicht: „Der Engel Liebe" begann, das später seinen Namen weit und breit im Lande berühmt machte. —
Werner bat nach kurzem den Earl, ihm irgend eine geregelte feste Tätigkeit oder Beschäftigung zu geben. „Ich bin an derartige beständige Tätigkeit auf der Universität gewöhnt gerotfen," tagte er. „und ich würde mich so viel glücklicher Ilucnn ich etwas Regelmäßiges zu tun hatte.
...^"^ornchmes Nichtstun paßt Ihnen also nicht", lächelte der Earl. „Gut, — ich kann Ihnen eine Beschäftigung anbieten, von der ich glaube daß sie Jbnen gefallen wird. Ich habe seit einiger Zeit schon den Wunsch gehegt, einen Privat-Sek- retär zu haben. Ich werde alt und bequem und brauche jemanden, die sämtlichen, an mich per- fön lief) ein laufenden Briefe zu beantworten, meine Rechnungen durchzusehen, Auszüge für mich zu machen, und was dergleichen mehr ist. Würde Ihnen eine solche Stellung in meinem Hause zusagen?"
„Mehr denn jede anderes versetzte Werner freudig. „Sie machen mich glücklich, Lord Rom- sey."
„Nun gut, Sie können gleich anfangen. Tie Sergiifung beträgt zweihundert Pfund pro Jahr; mW von Ihrer Zeit werde ich bieüeidjt fünf Stun- Den pro Tag beanspruchen."
„Er wird sich tausendmal glücklicher rmd zufriedener fühlen", sagte der edelsinnige Schloß- Herr seiner Gemahlin heimlich, „als es jetzt der
Fall ist. Er ist von hochgemuter, feinfühliger Art unb will uns nicht für Gunstbezeugungen verpflichtet sein, ohne etwas dafür zu leisten."
So war also Werner Jefferies von da an als Lord Romsey's Privat-Sekretär bekannt, und er war vielleicht zu dieser Periode einer der glücklichsten Menschen der Welt. Er stand früh auf beeilte sich mit feiner Arbeit, öffnete nie eins feiner Bücher oder Zeitschriften, bevor er alles erledigt hatte, was der Earl verlangte, und hatte alsdann noch immer einige Stunden für fein eigenes Studium übrig. Nach fünf Uhr stand er Lady Nomfey zu Diensten. Er ging zusammen mit ihr und Balduin spazieren, dann kam das Diner und angenehme Abende im Geseüschasts- Shnnter.--
Eim s Abends sprachen Lord und Lady Nom- fey davon, die ihnen im vergangenen Jahre seitens der übrigen Gutsncuhbarn erwiesene Gast, freundschaft wieder zu vergelten.
„Tie nettsten Nachbarn, die wir haben", sagte die Gräfin, sich an Werner wendend, „find die Waynes von Kenninghall. Kennen Sie vielleicht den Namen?"
Nein, er hatte ihn nie gehört.
„Sie find ja ein solcher Verehrer der Schönheit in jeglicher Gestalt", fuhr sie lächelnd fort- „Sie werden von Lady Wayne entzückt fein. Sie ist, ohne Ausnahme, die lieblichste und anmutigste Frau, die ich je gesehen; nicht wahr, James?"
„Unzweifelhast", stimmte der Earl zu; fix ist nicht nut seht lieblich und liebenswürdig son- dem auch von unwiderstehlich mit sich fortre'ißen- dem, sonnig heiterem Temperament."
„Wir müssen sie sofort bitten", sagte die Gräfin. „Lady Wayne war seht teilnahmsvoll wäh- rend Deiner Krankheit, Balduin; sie schrieb mehrere Male."
„Wie weit ist dies Kenninghall von hier?" tagte Werner.
„Ungefähr vier Stunden", erwiderte Lady Romsey. „Ich weiß nicht. James", wandte sie
sich dann an ihren Gatten, „ob Miß West zurück- gekehrt ist. Hast Du vielleicht davon gehört?"
Balduin fragte dazwischen: „Wo ist Miß West denn gewesen, Mutter?"
Die Gräfin lachte. „Ich bin nicht die einzige törichte und besorgte Mutter auf der Welt. Lady Wayne entfchied sich seiner Zeit nach vielem Beratschlagen und Ucberlegen dafür, ihre Tochter Elfie in ein sehr berühmtes Pariser Pensionat zu schicken; der Gedanke, Elsie allein gehen zu taffen, war ihr jedoch unerträglich. Miß Wett ist also so lange in Paris geblieben, daß sie über Elsie wachen konnte. Jetzt lachst Du, Balduin. Erinnere Dich, daß ich Deinetwegen ebenso besorgt war."
„Elsie war früher bei unseren Kinderspielen gewöhnlich meine kleine Frau", sagte Lord St. Gilbert nachdenklich „Es war ein liebes kleines Mädchen. Wenn sie so geblieben, möchte ich sie wohl tm Ernst zu meiner Frau machen."
„Das können wir uns immer noch genug überlegen“, lächelte die Gräfin. „Wir wollen es allo als abgemacht betrachten, daß die Waynes nädffte Woche bei uns speisen, falls sie nicht anderweitig engagiert sind.“
W-nier, der eine große Vorliebe für alles hatte, was er anregende Worte nannte, wiederholte sich mehr als einmal: „Kenninghall, Ken- ninghalll“
Das Wort gefiel ihm; es hatte etwas Musika- lisckfes, etwas Poetisches für ihn, und einmal sagte er auch leise vor sich hin: „Lady Wayne, von Kenninghall. Ich bin gespannt, wie sie wohl aussieht, da alle ihre Schönheit so sehr loben."
Er sollte bald selber sehen und urteilen. Die Einladung zum Tiner wurde abgeschickt und fand Annahme. In späteren Jahren erinnerte er sich des Tages so sehr gut.
Es war nahezu Ende Juli, und die das Schloß umgebenden Gärten waren wie eine bunte, up- oige, blühende Farbenpracht.
Es waren außerdem einige sonstige Gäste gebeten worden, und vor Sonnenuntergang fuhr
Wagen, auf Wagen vor der Schloßrampe auf. „Die liellichste Frau in England", wiederholte Werner träumerisch, als er dies Schauspiel von einem B-bliothekfenster aus beobachtete. „Ich bin gespannt, wie sie wohl istl" Er war bisher überhaupt noch nicht sehr schönen Frauen begegnet, ausgenommen in Büchern, und war infolgedessen natürlicherweise einigermaßen gespannt darauf, nunmehr eine in Wirklichkeit zu sehen.
Es traf sich, daß der Earl ihn noch einige Minuten lang aufhielt, so daß er, als er sich ins Gesellschaftszimmer begab, die meisten Gäste be- reirs dort Wrfammelt fand.
Lady Romsey kam auf ihn zu.
„Nun, Werner", sagte sie lächelnd, „will ich Sie Lady Wayne vorstellen."
Er folgte der Herrin von Downham, und bann fielen feine entzückten Blicke auf ein Bild, da? ihm nie wieder entschwand.
„Tie lieblichste Frau in England I" — Schö ner, dachte er bei sich, als Venus, die Königin der Schönheit. Er sah eine Dame in anmutiger Haltung auf einem kleinen Sofa sitzen, reich in blauen Sammet gekleidet, der ihre schlanke, ebenmäßige Gestalt auf das Vorteilhafteste zur Geltung brachte und sie in Falten umfloß, deren Wiedergabe einen Bildhauer hätte verzweifeln lassen können. Wolken feinster, weißer Spitze schienen sich auf ihre Arme und den schneeigen Hals niedergelassen zu haben — Wolken, so zart und duftig, daß man hätte glauben können, sie mit einem Hauch hinwegblasen zu können. Was ihn aber anzog und seine Blicke mit magischer ©etoaft fesselte, das war die vollendete schön- beit des wunderbaren Antlitzes und das edle Profil des königlichen Hauptes. Nie, selbst im Traume nicht, hatte er etwas Aehnliches gesehen. Tas üppige, goldigbraune Haar ließ die edle weiße Stirn frei, auf der er eine goldene Krone zu sehen vermeinte. Die dunkelblauen Augen waren strahlend, klar und doch träumerisch — zärtlich, sanft und doch wieder stolz — sie hatten Tiefen, in die niemand hinzihhlttfie. Geheimnisse,