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Fulda, Montan den 8. Februar 1909,

36. Jahrnanq.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 6. Februar 1909.

AuS Anlaß der 200. Sitzung ist der Tisch des Präsidenten mit einem großen Blumenstrauß geschmückt.

Das Haus fetzt bei der Beratung des Etats des ReichSamts des Innern die

sozialpolitische Debatte 'fort

Abg. Bruhn (Reformpartei) spricht unter völliger Tetlnabmlosigkeit des Hauses über Arbeiterkontrolleure, Dastwtrtsverordnung u. a.

Abq. Becker-Arnsberg (ZentrO: Die gestrigen Aus­führungen des Staatssekretärs über das Kranken­kassengesetz haben mich wenig befriedigt, wenigstens insoweit als eine Halbierung der Beiträge und des Stimmrechts in den Krankenkassen geplant wird. Redner begründet die Zentrumsresolution,durchweiche der Reichskanzler ersucht robb, baldtunlichst eine No­velle zum Zolllarifgesetz vorzulegen, wonach den In­habern von reinen Walzwerken, Eisen- und Stahl­gießereien, Martin-Stahlwerken und Puddelwerken bei »er Ausfuhr ihrer Erieuanisse Eintuhrscheine zum zoll­freien Bezüge des Emstandsmaterials für ihre Aus- landSproduktion verliehen werden können. Wir wollen dadurch einen Teil unserer deutschen Eisenindustrie gegenüber der Preispolitik des Stahlwerksverbands mo des Roheisensyndikats Erleichterungen gewähren. Vie Notlage der abhängigen kleinen Werte hat ihren Grund lediglich in der Mißwirtschaft des Stahlwerks- verbands und des Roheisensyndikats. Es handelt sich hier um die Existenz von etwa 95 Werken mit rund 20000 Arbeitern. Da darf man nicht mit verschränkten Armen zusehen. Sollten die von mir vorgeichlagenen Maßnahmen auf die Dauer keine Erleichterung bringen, so werde ich mit weilergehenden Vorschlägen kommen. (Beifall im Zentrum.)

Graf Sanitz itonf.) ist mit den Zielen dieser Reso­lution einverstanden; die Preispolitik des Stahlwerls- verbandes, und das Treiben des Kohlensyndikats schädigten das ganze Land. Unsere Zölle seien zu । niedrig, Walzwerken abzuhelsen.

Abg. Dr. Stresemann (null.) begründet eine national- liberale Resolution, worin die Vorlegung einer Denlschriit über die Lage der reinen Walzwerke, Eisen- nnd Stahlgießereien, Martin-Stahlwerke und Puddel- werke geiordert wird. Der Aufhebung des Roheifen- zolls können meinen politische Freunde nicht zustimmen. Wenn die Witwen- und Waisenversorgung und die Privatdeamienversicherung bald verwiiklicht werden, so darf man sich nicht verhehlen, daß die Lasten für eine Sozialpolitik immer drückender werden.

Abg Zubeil (So).) besprach die Arbeitsverhältnisse im Steinmetzgewerbe. Er erörtert die Handhabung des Bereinsgeietzes im Königreich Sachsen und pole- misterl gegen den Abg. Carstens, der sich im Reichstag als Freunb der Arbeiter ausfpielte und die Leute in seinem Betriebe so behandelte, daß es dort zugehe wie in einem Taubenschlag.

Abg. Carstens (frs. Vp) weist die gegen seinen Betrieb gerichteten Angriffe zurück und spricht sich dann gegen die Konzefsionierung des Flaschenbier- Handels aus, weil von einer solchen Maßnahme eine schwere Schädigung des kleinen und mittleren Kauf- mannsstanoes zu befürchten sei.

Montag: Forlietzung.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 6. Februar 1909.

Die zweite Lesung de?

Justizetats

wird fortgesetzt beim Ti el „Ministergehalt-.

Abg. Gaffel frs. Vp.): tadelt die Bestrebungen aufEin- schränkung der Richlerstellen. Die Aussetzung des Ver­fahrens im Eulenburgprozeß findet s-ine Zustimmung; •t billigt die Ausschließung der Oeffentlichkeit bet unsittlichen Verhandlungen. Er findet, daß die schlechten Re,uiiate bei den juristischen Prüfungen zu denken gäbe.

Abg. Peltasohn (fr. Vgg.) rügt, baß bei der Er­nennung zum Richter noch immer kontestioneüe Rück­sichten und Fragen der Konnexion eine große Rolle spielen.

3m Sonne des Geheimnisses.

.26.] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld-

Während die Männer spornstreichs davoneilten, fuhr er fort, sein Bestes mit Reibungen und allen anderen Mitteln, die ihm nur einfielen, zu ver­suchen, indes ohile sonderlichen Erfolg.

Das Resultat seines freigebigen Versprechens jedoch war, daß beide Arbeiter in ganz unglaublich kurzer Zeit zurückkehrten, — jeder mit einem Arzte.

„Um so besser," sagte Werner erfreut, „jeder von Euch soll fünf Pfund erhalten."

Die beiden Aerzte machten sich ans Werk. ^Retten Sie ihn, wenn eben möglich!" beschwor Werrwr sie eindringlich. „Ez ist der einzige Sohn des Grafen v. Romsey; erst gestern sagte er mir

..Jeinc M^ter lebe nur für ihn und mit ihm l

Es war ein harter Kampf mit dem Tode — nichts, als die kleine, schwache Regung des Her­zens gab ihnen einige Hoffnung. Inzwischen schickte Werner auch Roderick Pidgeon Hülfe, der sie gleichfalls bitter nötig hatte. Ter beim Um- sckilagen von der scharfen Bootkante getroffene Arm war bedenklich geschwollen, man beschaffte einen Wagen und brachte den Verletzten, na<N>em er in der Hütte die notwendigste ärztliche Hülfe erhalten, nach Hause.

Werner blieb bei Lord St. Gilbert zurück. Aber es dauerte lange, ehe der junge Erbe die Augen wieder öffnete oder überhaupt ein Lebens­zeichen von sich gab; und dann erklärten beide Acrzte, es würde eine schwierige Aufgabe sein, wn ganz wieder durchzubringen. Es dauerte

Tage, ehe er aus der Hütte nach der Stadt geschafft werden konnte.

-Rodrick Pidgeon erklärte feierlich, Zeit seines Zv?®1® er keinen nervösen Menschen wieder «rt aufs Wasser nehmen.

Abg. Dr. Mizerski (Pole) klagt, daß die Zuziehung polnischer Dolmetlcher von den Gerichlen nach Mög­lichkeit unterlaßen werde. Eine Polin fei mit 24 Stunden Haft bestraft, well sie nicht deutsch sprechen konnte. Aus ihre Beschwerde habe ihr die höhere Instanz 20 Mark Entschädigung bewilligt. Redner klagt über die Zurücksetzung der polnischen Anwälte bei der Er­nennung zu Notaren. Sell Jahren sei kein polnischer Richter in seiner Heimat ernannt.

Aba. Seiner! (Soz.) führt Klage darüber, daß die Justizverwaltung in Magdeburg den Justiz­palast ganz von Gefangenen bauen läßt und da u Gefangene aus anderen Gefängniffen zufammen- gezogen bat Nachdem der Redner dann verschiedene barte Urteile der Jugendgerichte kritisiert, stellt er die Behauptung auf, daß die deutschen Gerichte zweierlei Behandlung eingeführt haben, für die niederen, die Arbeiterklassen, den groben rabiaten Ton, für die oberen Zehntausend dagegen den feineren Ton. Schulbeispiel hierfür sei der Fall Eulenburg. Diesen Mann habe man mit Herr Angeklagter argereöet, während ein gewöhnlicher Proletarier gewöhnlich nur mit Ange­klagter angefahren werde. Eulenburg ist es gestattet worden, mit den Mitgliedern seiner Familie im Tier- garten spazieren zu geben, während es noch nicht be­kannt mürbe, daß man auch einen Proletarier diese Vergünstigung hätte zuteil werden lassen. Ferner wirst er der Justiz Mangel an sozialem Verständnis vor und bezichtigt unter Bnlührung von Beispielen die Gerichte, daß sie durch Inschutznahme der Streikbrecher die Lewe zur Charakterlosigkeit erziehe. Das Wort Klassenjustiz habe seine volle Berechtigung, denn sie sei das wichtigste Werkzeug der besitzenden Klaffen zur Aufrechterhaltung ihrer Vorrechte.

Justizminister Beseker: Abg. Peltasohn meint, Kon- fessions- und Konnextonssragen sprächen in der Justiz mit Das ist nicht der Fall. Eine Anweisung der Zentralbehörde liegt in dieser Hinsicht nicht vor. Es muß den Oberlandesgerichtspräsidenlen überlasten blei­ben, die Tätigkeit der einzelnen Richter persönlich an Ort und Stelle zu beobachten und dann über Besäist- gung zu urteilen. Gegenüber dem Abg. Mizetsk- weise ich darauf hin, daß jeder, der den Vortell der Anstell- lung im Juftizdienft erlangen will, auch die Pflichten dieses Amtes übernehmen muß. Jeder Pole, der das will, wird ebenso angestellt wie ein anderer Anwärter. Der Minister wandte sich am Schluß schar» gegen den Abg. Lein er t. Dieser habe sich wohl eingehend mit Jurisprudenz beichchtigt, kenn sonst sei es kaum mög­lich, daß er mit so großer „Sachkenntnis" hier auftreten könne. Abg. Leinert habe seine Fragen so »orgetragen, als ob das Abgeordnetenhaus gewissermaßen eine höhere Instanz sei. Das fei aber nicht der Fall und wenn der »Abg. Leinert das absolut wolle, bleibe ihm nichts übrig, als für seine Person eine eigene Instanz u bilden. Darauf ging der Justizminister auf eine vom »Abg. Leinert angezogene Straßendemonstralion in Hannover über, uns meinte, daß derartige Temon- nrationen das unglücklichste sei, was es g- ben tonne, da sich eine Menge unbesonnener Leute von den Rädels­führern ins Schiepptau nehmen ließen und gewöhnlich das Umgekehrte von dem eireichten, was sie be­zweckten. Nicht selten komme es dann auch vor, daß die Verführten sich zu unbesonnenen Taten hinreißen ließen und dafür bestraft würden.

Abg. Stroffer (kons.i: Wir vermissen die vom Reichskanzler und Ministerpräsidenten so sehr em­pfohlene Sparsamkeit in diesem Etat durchaus. Die Dienstwohnungen einer Anzahl höherer Richter sind luxuriöser als die mancher Minister. Solche Woh­nungen zwingen aber zu einer höchst kostspieligen Re­präsentation, die den Beteiligten ganz und gar nicht angenehm ist. Daß, rote der Abg. Leinert behauptet, lediglich die Arbeiter vom Gericht schroff angelassen würden, ist unzutreffend. Bei den Gefangenen mag seitens der Verwaltung schon mal ein Mißgriff vor­kommen, aber das darf man nicht verallgemeinern Man darf doch nicht Übersehen, daß in unseren Ge- sängniflen für die Gefangenen gut gesorgt ist. (Abg. voffmann: Probieren Sie es nur einmal, oann werden Ste schon sehen, wie es dort aussieht.) (Heiterkeit.) Die Sozialdemokratie will immer einteilig Schutz für die Arbeiter, aber von einem Schutz der Arbeitgeber will sie nichts wissen. Diesen gegenüber übt ste stets Ter­rorismus. Ebensowenig will sie von entern Schutz der Arbeitswilligen etwas wiffen. Selbst bann nicht, wenn die Arbeitswilligen halbtot geschienen werden. Kommen aber fettens der Sozialdemokraten Aus­schreitungen vor, dann natürlich hat es sich um Not

14. Kapitel.

Downha m.

Worte können die Aufregung Lady Romsey's nicht beschreiben, als sie von dem Unglück hörte, das ihrem einzigen Sohne widerfahren.

„Ich wußte es — ich hab's immer gewußt, daß ihm in der Ferne etwas zustoßen würde," schluchzte sie gegen ihren Gemahl. „O, James, warum hast Du ihn gehen lassen — hier wäre er sicher gewesen!"

„Liebste Charlotte," versetzte der Graf ruhig, „sein Leben ist mir womöglich teurer als Dir; aber die Romseys müssen Männer sein, wie Du weißt, und Du wirst aus einem Knaben' der stets von der Mutter verhätschelt wird, niemals einen Mann machen."

„Männer hin. Männer her; ich muß jedenfalls sofort hin." verfetzte die Gräfin. „Ich wollte, ich könnte einen Extrazug bekommen."

„Der Expreß wird uns schnell genug hinbrin- gen. Hier, steh' doch, der Rektor schreibt ja, es sei alle Gefahr vorüber."

„O, nur zu denken,"' schrie Mylady wieder und rang die Hände, „daß er in Gefahr geschwebt hat, und ich nichts davon gewußt habe!"

„Ich bin neugierig, wer es Wohl ist, der ihm das Leben gerettet hat?" bemerkte der Graf nm sie etwas abzulenken. „Werner Jefferies, schreibt der Rettor. Ich erinnere mich an keine Jeffe­ries in der Gesellschaft; Du, Charlotte?"

„Ganz gleich, wer und was er ist," erwiderte sie, „er hat meinem Jungen das Leben gerettet und ich will ihn nach Balduin am liebsten auf der Welt haben. Denke nur, was wir ihm fchul- den! Hätte er unfern Knaben nicht gerettet, wo wären wir jetzt?"

„Wenn wir heute noch nach Canßbridge kam- men wollen, Charlotte, fo muffen wir sofort auf- brechen; und wenn wir dort find, so gebe ich Dir carte blanche — Du magst diesem Herrn Jef-

roehr gehandelt. Herr Leinert hat u. a. auch gesagt, daß der Eid von Schutzleuten bei Gericht höher be­wertet werbe, als von Zivilpersonen. In dieser Form ist das nicht richtig. Hätte Herr Leinert gesagt, daß ber Eid einzelner Schutzleute hier unb da höher be­wertet werbe, als ber Eib von Sozialdemokraten, fo würde ich das schon verstehen, denn die soiiat- bemokratische .reffe hat über die Bedeutung de? Eides zuweilen »Aeußerungen getan, bte zum min­desten sehr befremdend waren. (Unruhe bet den So­zialdemokraten.) Man hat da lefen können, daß man über ben Zwirnsfaden eines Eides nicht stolpern soll. «Lebhafte Unruhe bei den Sozialdemokraten: wo hat daS gestanden i?) Das hat in der .Leipziger Volkszei­tung» gestanden. (Erneute Zurute bei den Sozialdemo­kraten : bei welcher Geleaenheil?) Damals, als es sich um den Eid der sozialdemokratischen »Abgeoidnelen hier im Hause handelte. (Aba. Hoffmann: Dann wären wir ja Narren gewesen, wenn wir den Eid geleistet hätten!) Ich danke Jbnen, Herr Hoffmann, für diese Äeußerung. welche beweist, rote Sie den E>b bewerten Langanhultendes, demonstratives Bravo auf der Rechten. »Nach wie vor flehe :<f) auf dem Stand­punkte, daß für Robh itsverdrechen die Prügel­strafe eingeführt werden muß. (»Abg. Hoffmann: Sie sind bann ber erste, ber sie »erbient! Heiterkeit.! Ja England hat die Peitichenstra,e, die in den fünf­ziger Jahren wieder eingesührt wurde, sofort bte Ver­brechen wesentlich verringert.

Persönlich bemer t

Abg. Straffer (kons.1: Wenn der Abg. Hoffmann meint, ich müßte die eiste Prügelstrafe haben, io_ be­kennt er sich also auch als ein Anhänger der Prügel­strafe «Große £>ev erteil).

Abg. Hoffmann (Soj.): So habe ich das nicht ge­meint. Ich dachte, wenn Sie erst einmal eme Tracht Prügel bekommen hätten, dann würden Sie schon ein Gegner der Prügelstrafe werden. (Erneute große Heiterkeit.)

Montag: Lehrer- und P arrerdesoldung.

^Dieelsatz-lothringischeBerfassungs, frage.

Die Anträge des Landesauslchusies für Elsaß- Lothungen, die sich auf die auch in der fehlen Rede des Statthalters Graf Wedel berührte 'Weiterentwickelung der staatsrechtlichen Stellung der Reichlande richten, sind seinerzeit vom Bundesrat einem Ausschüsse zur Beratung über­wiesen worden, Nachdem in jüngster Zeit die Reichsorgane mit der Slatthallerschaft Verhand­lungen gepflogen haben, vei lautet jetzt, daß die Ausichußberatiingen binnen turzem wieder aus­genommen und zum Abschluß gebracht werden lollert. Die von den elsaß-lolhringnchen Landes- bebötben befürwortete Neuregelung der Verfassung sieht vor allem drei Punkte vor:

1) Der Reichstag soll von der Einwirkung aus die innerstaatliche Gefetzgebiing für Elsaß Lothringen ausgeschlossen werden. 2) Eisaß-Lothringen soll in den »Bundesrat drei stimmberechtigte Vertreter ent­senden. 3) Die Gesetzgebung für Eisaß-Lothringen soll zuftance kommen anstatt durch übereinstimmenden Beschluß von Bundesrat und Reichst ig durch die »Be­schlußfassung des Bunvesrats und des Landesausichuffes, uer damit die Stellung eines elsaß-lothrmgischen Land­tages erhalten soll.

Ein Verfassungs-Entwurf auf Grund dieser »Vorschläge wird im »Bundesrats voraussichtlich Annahme finden, wenngleich einzelne Punkte zu lchurfen Kämpfen Anlaß geben können. Vor allem die süddeutschen Siaaien werden Bedenken haben gegen die Steigerung des preußischen Einflusses durch die drei neuen Stimmen des Kaisers. Schwieriger aber dürfte sich der Ver­such gestalten, die Neuregelung im Reichstage durchzufetzen. Denn der Reickslag wird sich der E.nsicht nicht verschließen können, daß die ge­plante Neuregelung den Interessen des Reichs­landes nicht emipricht. Richt die Mitwirkung

feries welche wunderbare Belohnung Du willst gewähren." —

Obgleich Lord St. Gilbert, tote der Rektor ge­schrieben. außer Gefahr war. so sah er doch sehr krank aus; so krank, daß die Gräfin beunruhigt wurde und durchaus darauf bestand, daß er un­verzüglich mit nach Hause genommen werden sollte.

„Du darfst es mit nicht abschlagen," sagte sie zum Grafen. „Wenn meinem Sohne jetzt noch etwas hier zustieße, würde ich nie wieder nach Hause gehen."

Lord Romsey war selbst besorgter, als er ein­gestehen wollte.

„Gut, gut, alles für sein Bestes; Balduin soll selbst entscheiden, was ihm am meisten zusagt."

„Ach, Vater", sagte der junge Erbe, „Tu mußt Werner Jefferies danken, daß ich überhaupt hier bin. Ich bin wirklich mit so knapper Not davon­gekommen, wie nur je einer. Noch eine Minute länger im Wasser, und ich hätte Euch nie wieder gesehen. Er verlor selbst fast das Leben bei dem Versuche, es mir zu retten."

„Es gibt nichts", sagte Lady Romsey ernst und bewegt, „das ich nicht tun möchte, um ihm meine Dankarkeit zu beweisen. Ist er reich, Balduin?"

Lord St. Gilbert lachte.

„Nein, weit davon entfernt; er gewann ein Stipendium, und darum ist er hier. Wie er mir sagt, hat er sein Glück in der Welt selbst zu machen."

„Dann mag er es als gemacht betrachten," sagte Lady Romsey; und bevor sie noch ausge­sprochen, öffnete sich die Tür.

Sie befanden sich in Lord Gilberts Schlaf­zimmer, in dessen Privatwohnung; er hatte das Bett noch nicht verlaffen können.

„Ach," sagte er, „hier kommt er. Mutter, ihm verdanke ich mein Leben."

Lady Romsey wandte sich um und sah ein Ge­sicht und eine Gestalt vor sich, die sie nicht wieder

des Reichstages ist in Elaß - Lothringen so sehr der Stein des Anstoßes als der Einfluß des Bundesrates auf die inneren Verhältnisse des Reichslandes. Der Reichstag wird auch kaum das Bestimmungsrecht über das Reichsland sich entwinden lassen, so lange es dem Bundesräte .bleibt. Eine eindringende Prüfung der Verhält» nisfe läßt in der Tat keinen Zweifel, daß das Heil für Elsaß-Lol bringen nur in der Gewährung der Selbständigkeit bestehen kann, Nur eine solche, allerdings radikale Regelung bringt eine klare und insbesondere auch mit den Prinzipien der Reichs» oeisassung im Einklang befindliche Ent'cheidung. Die obengenannten »Vorschläge würden einen Zu» stand schaffen, der nicht bester, sondern noch schlechter als der jetzige wäre. Solange das elsaß- lothringische Volk nicht über seine Geschicke selb» ständig milbesttmmen darf, wird es nicht gewillt, fein, den Einfluß des Reichstages, der unstreitig eine mildere, sanftere Richtung bedeutet, auszu­schalten.

Deutscher Reich.

** Berlin, 7. Febr. 1909. Dem General- Intendanten v. Hülsen wurde die landesherr» licheGenehmigung erteilt, sich Graf Hülsen-Haeseler zu nennen. — Aus Anlaß des Geburtstages der Mr st in Bülow erschien am Samstag das Kaiser- paar und das Kronprinzenvaar beim Reichs­kanzler. Für die »Veurteilung der politischen Lage iü diese Tatsache nicht ohne Bedeutung.

* Dir Zeutrumsfraktion des Reichstages wird in einer befonberen Fraklwnssitzung am Tienstag die »Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden vor­nehmen.

Zur Hochwasserkatastrophr hat die Zentrums« fratlion des Abgeordnelenhaufes eine Interpellation folgenoen Inhalts eingebracht: »Was gedenkt die Zlaatsregierung für die durch die neueste Hoch- roaffertataftrophe Betroffenen zu tun?"

a Tie Entscheidung über dir Nachlaßsteuer ist in der Kommission noch nicht gefallen. Sie wurde am Samstag vorläufig ausgesetzt. Der württem- bcrgische Finanzminister lehnte die Anträge der Reichspartei auf Veredelung der Matrikularbei- träge und der Freisinnigen auf Einführung der Reichsvermögenssteuer ab. Im übrigen meint er, zu der Auffassung berechtigt zu sein, daß das Zentrum bei der Entscheidung über die Finanz­reform positiv mitarbeiten werde. Von national­liberaler Seite wurde dann der freisinnige An­trag über die Reichsvermögenssteuer eingehend verteidigt. Der Einwand des Zentrums, sie greife in die Selbstbestimmung der Einzelstaaten auf steuerlichem Gebiete ein, sei nicht gerechtfer­tigt, denn das tue auch die Nachlaßsteuer. Für die Sozialdemokratie erklärte ein Redner sich ge­gen alle Luxussteuern, weil sie zu wenig einbräch- ten. Dagegen sprach er sich für eine reine Ver­mögenssteuer aus. Tie Vermögenssteuer wurde dann von konservativer Seite bekänipft. Tie Kon- servariven haben einen Antrag eingebracht, wo­nach die Abstimmung für die Nachlaßsteucr bis zur Gesamtabstimmung über alle Vorlagen zu- ruckgestellt werden soll. Diesem Antrag trat ein Redner des Zentrums entgegen. Er betonte zugleich wenn aus der Ausführung des wiirttem- bergischen Finaiizmiiufiers etwa die Ansicht her­ausgelesen worden solle, das Zentrum vollziehe eine Schwenkung, so sei das doch wohl ein Irr­tum Einstweilen liege eine ausschlaggebende Stellungnahme der Partei noch nicht vor. Wenn man von Schwankungen sprachen wolle, dann brauche man sich nur der scharfen Aeußerungen zu erinnern, die der preußische Finanzminster v.

vergaß — Züge, so schön und so edel, daß sie ihn ganz verdutzt und verwirrt anblickte.

„Werner, komm einmal her," rief St. Gil­bert vom Bette aus. „Ich habe Dir oft von mei­ner Mutter erzählt, wie zärtlich sie mich liebt; sie wünscht Dir zu danken, daß Du mich vom Tode gerettet. Mutter, dies ist Werner Jef­feries."

Lady Romsey streckte beide Hände aus; Trä­nen blinkten ihr in den Augen.

„Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll," sagte sie. „Sn&em Sie meinem Sohne das Leben gerettet, haben Sie es auch mir gerettet. Sie müssen mir vergeben, wenn ich mehr nicht sage, nicht sagen kann."

Und Charlotte, Gräfin Romsey, eine der stol­zesten Damen Englands, schluchzte laut auf.

Werner drückte einen ehrfurchtsvollen Kuß auf ihre Hände.

„Verehrte, teure Lady," sagte er, „Sie be- schämen und überwältigen mich mit solchen Wor­ten. Alles in allem war ich, wie Sie wiffen, doch nur ein Werkzeug in Gottes Hand."

Dann trat der Graf herbei und schüttelte ihm warm die Hand.

„Es geht mir wie Lady Romsey," sagte er. „Meine Gefühle liegen über alle Worte hinaus; aber von jetzt an bis in alle Zukunft dürfen Sie mich betrachten tote Balduin ce tut — als ob Sie mein eigener Sohn wären." —

Der Earl und seine Gemahlin fanden beide wunderbares Gefallen an dem jungen Helden. Lady Romsey sagte sich, sie habe nie ein Gesicht gesehen, worin Schönheit, idealer Sinn, Verstand und Geistesttefe in so vollkommener Weise zu einem harmonischen Ganzen vereinigt gewesen. Auch sein Benehmen entzückte sie; es war fo an­mutig, so ungezwungen und doch feingebildet, so frei von jeder Affektiertheit.

tFortfetzuna folgt.)