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Rotationsdruckund Verlag der Luldaer M- ttendruckerei in Lulda Zernsprecher Rr. 9.

30 28.

Fulda, Freitaq den 5. Februar 1909.

36. Jahrgang.

Zweites Wtcrtt

Kleines Feuilleton

Zum bevorstehenden Besuch König Eduards

Ivird von den Offiziösen mit rosafarbener Tinte so viel geschrieben, daß die Welt zu der Ansicht "kommen muß, Deutschland betrachte den Reise­koffer des Königs von England als den Hort alles Heiles.

Auch die „Nordd. Allg. Ztg." beteiligt sich an der Fabrikation phrasenreicher Begrüßungsar­tikel. Sie vermittelt dem deutschen Publikum eine Mitteilung, die dem Reuterschen Büro in London angeblich zugegangen ist „von einer Seite, die über die in den Höch st en Kreisen Deutschlands gehegten Anschauungen wohl unterrichtet ist." Was ist das nun: englisch» offiziös oder deutsch- offiziös? Durch den Ab­druck an der Spitze des Bülow-Blattes scheint anerkannt zu sein, daß die „Mitteilung" wirklich die Anschauungen der höchsten Kreise Deutschlands wiedergibt. Die Frage nach dem Ursprung ist in diesem Falle sehr wesentlich. Denn der Grund­gedanke ist der: England ist durch die eigen­nützige Politik groß geworden; das englische Bolk kann und darf es den Deutschen nicht übel nehmen, wenn sie auch eigennützige Politik trei­ben! Wenn ein Engländer seinen Landsleu­ten aus diesem Wege politische Toleranz beibrin­gen wollte, so könnte man stillschweigend die Wir­kung abwarten. Aber wenn der Erguß als eine deutsche Stimme beirachtet wird, so werden die Engländer gewiß zu allererst aus ihm das Geständnis herauspicken: Also Deutschland be­treibt zugestandenermaßen eigennützige Po­litik! An diese vermeintliche Erkenntnis wird sich dann die Nutzanwendung schließen: Demgemäß muß England möglichst stramm auf dem Posten fein zur Abwehr des deutschen Eigennutzes.

Richtig ist ja, daß jeder Staat Jnleressenpoli- tik treibt, d. h, die Wahrung seiner eigenen Interessen als Ziel im Auge behält. Es bandelt 'sich dabei um berechtigten Egoismus, der in den Grenzen der Vernunft und der Moral bleiben soll. Wenn man aber von „Eigennutz" spricht, so denkt nian an eine Selbstsucht ohne die ge- \ hörige Rücksicht auf die Rechte der anderen. In ! England ist ja leider weithin schon die Ansicht der- ! breitet, daß Deutschland durch seine „eigennützige" Politik England schädige und bedrohe. Man sollte doch vorsichtig alles vermeiden, was zur Verstär­kung dieses Vorurteils dienen könnte.

Wenn die Offiziösen durchaus etwas tun wol­len, um eine gute Stinnnung für die bevorstehen­den höfischen Höflichkeiten zu schaffen, so sollten sie lieber die Ankündigung einer weiteren Ver­stärkung der englischen Nordseeflotte vor der Küste Deutschlands widerlegen. Die beunruhi­gende Nachricht ist freilich noch nicht bestätigt worden, aber wir haben auch bisher nichts gefun­den, was wie eine Ableugnung dieser Absicht der Londoner Admiralität gedeutet werden könnte.

König Eduard wird in Deutschland höflich und friedlich empfangen werden. Daß man ihm mit enthusiastischer Begeisterung entgegensähe, glaubt er selbst nicht, aber darauf darf er sich verlassen, daß das deutsche Volk in seiner Gesamtheit ihm entgegentritt mit der ernsten, auf voller Kennt­nis der Verhältnisse begründeten Ueberzeugung, daß zwischen Deutschland und England ein Krieg ein Verbrechen fein würde, ein Verbrechen, an das man in Deutschland nicht denkt. Wenn man auf englischer Seite diese Ansicht teilt, und ent­schlossen ist, danach zu handeln, dann ist zu hof­fen, daß man doch noch aus der Zeit der ewigen Mißverständnisse und Mißdeutungen heraus zu einem Verhältnis kominen wird, von dem sich

— Menfchenschädcl aus der Eiszeit wurden in der Osnethöhle im Schwäbischen Ries bei Nörd­lingen ausgegraben. Die Schädel enthielten zahl­reiche Schmuckbeigaben von durchbohrten Hirsch­zähnen und zu Tausenden zählenden Schnecken. Alle Schädel, die vorwiegend Frauen und Kindern angehören, waren dem Westen zugekehrt, anschei­nend lag also bereits ein religiöser Brauch vor. Die in unmittelbarer Nähe gefundenen verkohlten iKnochenreslc und Holzkohlen machen es wahr­scheinlich, daß der Rumpf nach Ablösung des Ko- pfes verbrannt wurde. Die hier erkennbare Be­stattungsart ist ein spätpaläolithjscher Brauch; die '. ^euersteinwaffen, Schmuckbeigaben

bre begleitend^ Tierwelt weisen auf den Aus- >gang der alteren Steinzeit und an das Ende der i^^0"6eneu geologischen Aera des Diluviums , «rn^^er^ wurden die Schädelbestattungen .noch von weitern vier altstcinzeitlichen Schichten /mit den Werkstätten und Herdstellen des eiszeib / lichen Menschen und einer diluvialen Tierwelt tote Mammut, Höhlenlöwe, Höhlenbär, Hyäne ! zahlreichen zerschlagenen Wildpferdknochen u a. m' Erst oberhalb der Bestattungen folgten die Kul- ^tureinschlüsse der jüngeren Steinzeit und der Me- tallzeil in ungestörten Lagerstätten. Aus diesem Kunde liegen so zahlreiche fossile Menschenreste fvor, daß man sich daraus wichtige Aufschlüsse (über die Urbevölkerung Deutsch­lands versprechen darf. Die Ausgrabungen itourden unter Leitung des Prähistorikers und .Geologen Dr. R. R. Schmidt in Tübingen aus- «eführt.

— Das nennt sich auch ein Vergnügen! In aSerILi wimmelt es zur Zeit von öffentlichen Fällen, die etwas außerordentliches darstellen fol- Jen* ab?r ein Vergnügen ist etwas anderes, we-

schließlich sagen läßt, es entspreche den wahren Interessen der beiden beteiligten Mächte.

Deutsches Reich.

** Ueber das Waffentragen bei öffentlichen Aufzügen hat der Minister des Innern be­stimmt ;

Die polizeiliche Genehmigung von Auf­zügen der Schühengilden, Umzügen von Stu­denten usw„ bei denen das Tragen von Waffen (Ge­wehren, Nappierend üblich ist, wird ohne weiteres zu­gleich als die behördliche Ermächtigung zum Erscheinen mit Waffen der fraglichen Art im Sinne des § 11 des Reichsvereinsgesetzes anzusehen fein.

— Trotha gegen Dernburg. In dem Vor­trag, den Staatssekretär Dernburg kürzlich im Reichstag über Südwestasrika gehalten hat, sprach er u. a. auch über die Bevölkerungs­abnahme, die der Krieg verursacht hat und be­zeichnete diese Bevölkerungsabnahme als die böfe Folge einer der Eigenart des Landes vielfach nicht angepaßt gewesenen Kriegführung. General- leutnant von Trotha fühlt sich durch diese Bemerkung schwer getroffen und vermutlich sollte er in der Tat getroffen werden. Denn feine Strategie gipfelte bekanntlich in der Vorschrift, nichts zu schonen, sondern alles niederzuschießen was vonMännern oder Weibern denTruppen vor die Flinte käme. Herr von Trotha sucht nun diese Strategie zu rechtfertigen. In einem von den ,B. N. N/ veröffentlichten Artikel sagt er u. a.:

„Die Generationen, welche gegen uns die Waffen getragen und unsere Farmer ermordet und unsere Ver­wundeten geschändet halten, der sogenannte Orlog, mußte bis zum letzten Gewehr verfolgt werden. Die Zurückweisung der Weiber von den Wasserstellen der Ka'ahari wurde mir persönlich sehr schwer. Wenn ich die nur kleinen vorhandenen Wasser- piützen den Weibern zugänglich machte, so gewärtigte ich, in Afrika eine Beresina zu erleben. Auch ich hätte gern von dem großen Viehbestand der Herero etwas erhalten, aber die Viehkatastrophe konnte kein Mensch abwenden, und sie wurde zum elementare» Ereignis. Allerdings stand ich nicht aus dem Standpunkt jenes Herrn der Regierung, der mir in das Gesicht sagte, hundert Kühe wiegen einen gefallenen preußischen Offizier auf. Wo die Brutalität liegt, ob bei ihm oder bei mir, stelle ich zur Erwägung."

Hätte jener Negierungsbeamte die allerliebste Gleichung ICO Kühe — 1 toten Offizier wirklich aufgestellt, so wäre gar kein Zweifel darüber, wer den Rekord der Brutalität gehalten hat. Einstweilen aber möchten wir doch daran zweifeln, daß man Herrn v. Trotha das gesagt hat, ivas er gehört oder verstanden zu haben glaubt. Eine amtliche ^Klarstellung darüber wird wohl bald erfolgen. Im übrigen wird das schonungslose Vorgehen des Herrn von Trotha auch nach dieser Erlkärung keine andere Beurteilung als vorher finden.

Ausland.

* Im türkischen Parlament wurde nach mehr­tägigen Erörterungen über das mazedonische Bandenwesen eine Tagesordnung angenom­men, in der die Regierung aufgefordert wird, strenge Maßregeln zur Unterdrückung des Ban­denwesens zu ergreifen und einen Gesetzentwurf zur Lösung der Kirchenfrage auszuarbeiten.

Aus Rirche und Zchule.

— DerFranziskanerorden feiert am 24. Fe­bruar d. I. den 700. Jahrestag seines Bestehens. Es war am 24. Februar 1209. als der hl. Franzis­kus von Assisi den Entschluß faßte, in vollster Ar- nigstens in vielen Fällen. Man höre nur, was ein Leser der Verl. Morgenpost als Stoßseufzer unterbreitet: „Ich habe, als Betriebs-Direktor ein anständiges Einkommen, das mir fchon gestat­ten würde, meine Frau einmal zu einer ferneren Festlichkeit zu führen. Aber ich habe beinahe das Gefühl, daß man unsercinen da nicht gern sieht, daß man in erster Linie auf Millionäre oder De­fraudanten rechnet. Tenrr warum wird der Be­such ordentlichen Leuten so schwer, ja fast unmög­lich gemacht? Ueber unbeschränkte Fonds ver­fügen schließlich die wenigsten. Mit der ohnehin nicht billigen Eintrittskarte ist's nicht abgemacht, die Preise sind bedeutend erhöht. Man kann nicht einmal wagen, an solchem Abend gewöhnlichen Mosel- oder Rotwein zu trinken. Ter Ballgast soll durchaus gezwungen werden, Champagner zu trinken, und zwar noch zu besonders erhöhten Preisen. Alles Genießbare, Speisen, Zigarren ist fast unerschwinglich an solchen Abenden. Wir hatten vorher in Wien gelebt. Wie angenehm be­rührt es einen, daß man dort auf den allervor­nehmsten Bällen, die Prinzen und Prinzessinnen besuchen, trinken darf, was man will, sodaß die feinsten und wohlhabendsten Ballgäste beim ge­mütlichen Glase Bier sitzen. Da hat man doch die Ueberzeugung, daß der Ball des Amüsements der Gäste wegen veranstaltet wird, während man in Berlin immer glaubt, der Gast sei nur als zah­lendes Wesen zugelassen. Darum geht es aus den meisten Berliner Bällen so langweilig zu, weil man das Gefühl nicht los wird, daß man nicht selbst geladen ist, sondern nur das Portemon­naie."

— Bettachtung. „Hat ein Leutnant Vermögen, so kann er heiraten; hat seine Braut Vermögen, so darf er heiraten; hat er aber Schulden, so muß er heiraten!" .

— Modern. .Nun sind wir schon sechs Jahre verlobt, Fritz!" — Na ja, wir brauchen ja dann nicht so lange verheiratet zu bleiben!"

mut dem Heilande nachzufolgen, nicht sich selber zu leben, sondern anderen zu nützen, die ganze Welt für Christus und seine Kirche zu erobern. Vom Portiunkulakirchlein in Assisi aus sandte er seine Jünger in alle Welt und machte sich auch selber auf, um die Lehren des Evangeliums zu verkünden. Und von Franziskus Zeit an bis auf den heutigen Tag ist der seraphische Orden seinem Berufe treu geblieben; der Franziskanerorden ist ein Missionsorden in des Wortes wahrstem Sinne gewesen und geblieben. Ueber die reiche Missions­tätigkeit des Franziskanerordens gibt der Jah­resbericht des Franziskaner-Mifsionsvereins, der jetzt gerade für das Jahr 1908 erschienen ist, er­schöpfend Aufschluß. Eine schöne Entwicklung hat u. a. die deutsche Franziskanermission von Nord- Schontung in China genommen. Die Zahl der Katholiken ist aus 25 349 gestiegen. Dort wirken, feit das Vikariat der Sorge der deutschen Fran­ziskaner von der sächsischen Provinz anvertraut ist, 29 europäische Missionare, 19 chinesische Prie­ster und 4 Laienbrüder für 681 Christengemeinden mit 267 Kirchen und Kapellen. Tie Zahl der Knaben- und Mädchenschulen beträgt in diesem Missionsgebiete 138.

* Rom, 3. Febr. 1909. Kardinal Cretoni ist heute nachniittag gestorben. Er war Kardinal seit 1896.

Ch. Die Vogelsberger Kreisbahn

Seit Jahren ist man bemüht, den Kreis Fulda, der in seiner ganzen Länge von der Frankfurt- Bebraer Eistnbahn durchschnitten wird, von der sich nach Nerdwesten ziehend, die Fulda-Gießener Eisenbahn abzweigt, durch Nebenbahnen zu erschließen. Dies ist auch für den östlichen Teil, vermittelst der beiden Rbönbahnen Fulda-Gers­feld und Fulda-Tann erreicht worden, wenn auch gerade in der Rhön noch manche Wünsche ihrer Erfüllung harren. Der westliche Teil des Kreises dagegen blieb bis jetzt von jedem Verkehr abgeschnitten.. Die oberhessifche Bahn führt nach Nordwesten und berührt außer bett Dörfern Bim­bach und Großenlüder nur noch Bad Salzschlirf.

Im Westen von Fulda liegen gewaltige Flä­chen mit schönen Waldungen bestanden und bin- ler diesen Wäldern wohnt ein intelligentes, spon­tanes und arbeitsames Völkchen, das bett nicht allzu ergiebigen Boden mit allen Mitteln der modernen Landwirtschaft bebaut. Leider finden nicht olle Arbeitskräfte in der Landwirtschaft ge­nügende Beschäftigung, fo daß viele erwachsene männliche Familienglieder gezwungen sind, all­jährlich vom Frühjahr bis zum Spätherbst in dem rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk ihr Brot zu verdienen. Alle kehren aber früher ober später ganz in die Heimat zurück und alle sind bestrebt, ihre in der Fremde gemachten Ersparnisse in Grund und Boden anzulegen. Dieser löblichen Gepflogenheit ist es auch zuzuschreiben, daß die Bodenpreise verhältnismäßig hoch sind, und daß es möglich ivar, die Grundstücke der vor einigen Jahren parzellierten Domäne Blankenau in we­nigen Tagen zu guten Preisen an den Manu zu bringen. Die Tortseingesessenen sahen sich ge­zwungen, um ihr Verlangen nach Grundbesitz zu befriedigen, außerhalb ihrer Dorsgemarkungen sich anzukaufen, und Grundstücke in den benach­barten großherzoglich hessischen Gemeinden zu er­werben. So wenig erfreulich int Interesse der Familien das periodische Arbeitsuchen in Rhein­land und Westfalen auch fein muß. so hat es doch viel Gelb in die Dörfer gebracht und die Leute mit bett Errungenschaften und den Fortschritten anderer Landstriche vertraut gemacht.

Daß eine so strebsame Bevölkerung den briii- genden Wunsch haben muß, ihre vom großen Ver­kehre abgeschlossene Heimat durch eine Eisenbahn milder Außenwelt in rege Verbindnng z u bringen, liegt aus der Hand. Sie em­pfindet es leit Jahren als eine Zurücksetzung, daß der östliche Teil des Kreises längst auf Staats- und Kreiskoften durch zwei Eisenhahnen erschlos­sen worden ist, während sie seit langer Zeit ver­gebens auf die Erfüllung ihrer berechtigten Wün­sche harrt. In richtiger Erkenntnis dieser Sach­lage hat der Kreistag des Kreises Fulda beschlos­sen, den Kreis aus Grund des Kleinbahngesetzes durch Eisenbahnen zu erschließen und mit dem Bau von Kleinbahnen im westlichen Teile des Kreises zu beginnen. Zu dem Zwecke wurde eine Siebeiterkommissiott gewählt, die mit den Vorarbeiten betraut wurde und den Auftrag er­hielt, dem Kreistage geeignete Vorschläge zu machen.

Man ging zunächst daran, zu versuchen, ob es möglich wäre, eine Eisenbahn von Fulda über Johannesbeig-Giesel nach Hosenfeld-Hauswurz mit Abzweigung nach Hainzell-Blankenau zu bauen. Trotz der bedeutenden Steigungen, die bas Gelände am Abhänge des Himmelsberges bin bedingt, wäre die Linie technisch ausführhar gewesen, allein die Kosten der Bahn waren so groß, daß an eine auch nur ganz geringe Ren­tabilität nicht zu denken ist, zumal auf der gro­ßen Strecke zwisck^en Istergiesel und Hosenfeld sich nur Wald und das einzige Dorf Giefel be­findet; zudem legten die Bewohner der Stadl naheliegenden Orte wie Zirkenbach, Harmerz zc. sehr wenig Wert auf die Eifenbahnverbindung. Tie Lage der Stationen wäre für fast sämtliche Ortschaften jenseits des Waldes recht ungünstig geworden. Hierauf versuchte man mit einer Schmalspurbahn, dieselbe Linie zu entwerfen und auch gleichzeitig von Fulda über Horas, Gläser­zell Kämmerzell, Lüdermünd, Lülterz, Großenlü- der Hainzell, Hofenfeld, Hauswurz, eine geeig­nete Linie zu finden. Allein auch dieses Projekt erwies sich unausführbar. Gegen die Schmal­spurbahnen sprach sich ein Mitglied der Siebener- Kommission prinzipiell entschieden ablehnend aus und wies an der Hand der erbärmlidten Verhält.

niste verschiedener Schmalspurbahnen nach, daß es vollständig unwirtschaftlich sei, in unseren 23er- hältniffen von der Normalspur abzugehen, zumal man von der Vogelsberger Bahn mit der Zeit einen nicht unerheblichen Wagenladungsverkehr in Werksteinen und in Basalt erwartet. Die ein­gezogenen Erkundigungen gaben den Einwürfen recht, so daß man von dem Bau von Schmalspur­bahnen vollstättdig abkam.

Tie Wünsche der Stadl Fulda bei diesen Bahn­projekten gingen dahin, die Linie nach dem Vo­gelsberg so zu gestalten, daß sie in Fulda ihren Ausgang nehme und auch wieder einlaufe. Es wurde daher versucht, eine Linie zu entwerfen, die die oberhessifche Bahn benützt bis etwa aus die Höhe von Oberbimbach, und von da ab Gro­ßenlüder südlich berührend in das Tal der Lüder einbiegt, und den Weg einzuschlagen, den von Großenlüder ab alle früheren Projekte verfolgten. Allein auch dies erwies sich als untunlich, weil dadurch die Baulänge der Bahn um 3% Kilo­meter vergrößert würde, ohne der Linie dafür die entsprechend größere Benützung zu bringen.

So ist denn das jetzt vorliegende Pro- j c k t des Kgl. Eisenbahnbau- und Betriebsinspek- lors Micke! zu Stande gekommen, das eine nor- malspurige nebenbahnähnliche Kleinbahn vor­sieht. Dieselbe beginnt am Bahnhofe Gr o ß en- luder der Oberhessischen Bahn, umzieht das Dorf Großenlüder, mit einer Haltestelle am ande­ren Ende des Dorfes, Großenlüder-West, verfolg! von da ab den Lauf der Lüder nur den Stationen ober Haltestellen Uffhausen, Kleinlüder, biegt dann in das Schwarzbachlal ein mit der Station Hain zell-Blankenau, folgt von da ab dem Jossabach und berührt die Ortschaften Gersrod, Schletzenhausen, Hosenfeld, Pfaffenrod, Poppenrod, Brand los, wo sie die Wasserscheide übersteigt, um in Haus­wurz zu endigen. Der Bahnhof in Hauswurz ist so nngelegt. daß eine Fortsetzung der Li­nie durch das Kemmtal über Rommerz nach Neu­hof au die Frankfurt-Bebraer Bahn einerseits, und über Freiensteinau nach Bermuthshain Sta­tion der Eisenbahn Lauterbach-Stockheim später möglich fein wird. , !

Durch dieses Projekt werden nicht nur die ge­nannten Dörfer im Kreise Fulda an das allge­meine Eisenbahnnetz angeschlossen, sondern es> bringt auch die Bevölkerung der volkreichen be­nachbarten großherzoglich-hessischen Ortschaften toieber in nabe Beziehungen mit ihrem natürlichen Absatz- und Bezugsgebiel der Stabt Fulda, wo­hin dieselben von allersher .gradierten,, und nur in der letzten Zeit durch die Schwierigkeit der Verbindung etwas abgelenkt worden waren. Die Heranziehung des Verkehrs nach Fulda, wird noch inebr gefördert werden, wenn erst die Linie N e u-h Hof, Hauswurz, Freiensteinau, Ber­muthshain gebaut sein wird. Der ganze Be­zirk westlich der Kreisgrenze bildet das natürliche Hinterland von Fulda. Es ist dabei ganz uner­heblich, ob man, um nach Fulda zu kommen,, in Ncnhof ober Großenlüder umsteigen muß. Viel­leicht gelingt es auch, die staatliche Eisenbahnver- wallung zur Ucbernabme des Betriebes zu be­wegen und dann von Fulda ab Züge über Gro­ßenlüder nach Hauswurz und zurück laufen zu lassen, wie jetzt schon solche Züge von Fulda über Lauterbach nach Stockheim gehen. , ,

Die Bauwürdigkeit und Rentab111 - töt der geplanten Eisenbahn erscheint genügend gesichert. Die Verkehrsnachweise auf Grund deren die Berechnungen angestellt wurden, sind sehr vorsichtig aufgestellt, und die angenommene Hobe des zu erwartenden Personenverkehrs beruht aus Ersah cnngssätzen. Es sind Bedenken laut geworden, ob die Bewohner von Hauswurz und der in der Nähe liegenden Ortschaften Wendenau, Reichlos. Gunzenau usw. Wohl die Eisenbahn be- nützen würden, um nach Fulda zu kommen, also mit der Eisenbahn nach dem ca. 21 Kilometer ent­fernten Großenlüder fahren und dort auf die oberhesiische Bahn übergehen würden, oder ob sie es nicht vorziehen würden, den nur halb so langen Landweg, ca. 12 Kilometer, über Rommerz nach Neuhof einzuschlagen und von da mit der Frank- furt-Bebraer Bahn nach Fulda zu fahren. Dabei sei festaestcllt, daß die Entfernungen von Neuhof nach Fulda und von Großenlüder nach Fulda bei­nahe ganz gleich sind. Die erstere betragt 13,4, die letztere 13,5 Kilometer. Wären diese Bedenken gerechtfertigt, so wäre die Berechnung der Ren­tabilität aus dem Personenverkehr vollständig um richtig. Eine Umfrage Hal nun ergeben daß diese Befürchtungen nicht gerechtfertigt sind. Bei entern Tarifsätze von 3,2 Pfennige für das Personem filcmeter wird die Fahrt von Hauswurz nach Großenlüder ungefähr 70 Mennige kosten. Tw Dauer der Fahrt wird etwa 114 Stunde betrw neu während ein Fußmarsch von Hauswurz nach Neuhof ohne Aufenthalt in Rommerz mindestens 2 Stunden dauert. Die Kosten eines Pferdefuhr- Werks von Hauswurz nach Neuhof sind aber sehl viel größer, da bei sofortiger Rückfahrt mindestens ein halber Tag gebraucht wird, tn den meisten Fällen ober ein ganzer Tag darauf geht, weil die Rückkehr der Insassen von Fulda abgewartet «er­ben muß, und auch die Kosten des Emstellens und der Zehrung des Fuhrmannes zu berücksich­tigen sind. Was für den Personenverkehr maß- gebend ist, trifft in erhöhtem Maße bet dem Güterverkehr zu. Bei entern Frachtsätze von 3,8 Pfennige für das Tonnenkilometer koste! eine Tonne — 20 Zentner von Großenlüder nach Hauswurz rund 80 Pfennige. Dafür kann aber niemand per Achse 20 Zentner von Neuhof nach Hauswurz fahren. Die ganze jetzige nicht unvs Itächfliche Viehausfuhr vom Vogelsberg nach Schlüchtern wird für die Folge über Großenlü. der-Fulda sich vollziehen, denn der Waggon Vie? kostet bis Großenlüder nur 20 Jt und für ein einzelnes Stück Großvieh wird 1.50 <41 berechnet