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M 27.
Fulda, DoMersLag den 4. Februar 1909»
36. Jahrgang.
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v<ui|d?es Reich,
ZS Die Krügerdepesche.
Das neue Kais et-Buch von Adolf Siem findet in der Preffe im allgemeinen keine günstige Aufnahme. Die wichtigste der barm enthaltenen Enthüllungen, die von der Entstehung des Krüger-Telezramms, findet nicht viel Glauben. Die ,Berliner Neuesten Nachrichten' erhalten von einem früheren, damals noch aktiven Diplomaten folgende Darstellung des Sachverhalts:
" .Die ganze Mitteilung Steins zu diese» Frage ist eine Geschichtssälschung schlimmster Art und fie beruht auf völliger Unkenntnis aller Ereignisse, bte dafür in Frage kommen. Das Telegramm ist einmal gar nicht im Auswärtigen Amt, sondern in der Reichskanzlei entstanden. Aber auch dort entstand nicht der Gedanke der Absendung der Depesche; sie entstammt vielmehr der eiaenen Jniti ative des Monarchen, der über die Nachricht von der Abweisung des Einfalles Jamesons aufrichtig erfreut war. Die Redigierung des Telegramms übernahm Lei damalige Kolonialdirektor Kayser, während Herr» v. Marschall- Tätigkeit dabei sich lediglich auf eine Abschwächung feines Inhalts beschränkte."
Richtig ist lediglich, daß der Text der Depesche nicht vom Kaiser hercührte, aber dieser Text wurde ganz nach den Anweisungen des Kaisers abgefaßt. Wenn der Verlauf ein anderer und wenn der Kaiser an der Absendung der Depesche so wenig beteiligt gewesen wäre, hätte man diese versöhnliche Tatsache nicht längst schon bekannt gegeben? Die Regierung hat dieses Telegramm und seine Absendung allerdings als Regierungsakt verantwortlich gedeckt. Es braucht in dieser Hinficht nur an die Erklärung erinnert zu werden, die Fürst Bülow am 12. Dezember 1900 bei der Besprechung über daS Telegramm im Reichstag abgab, und die mit den Worten begann: „Ich denke gar nicht daran, dieses Telegramm zu verleugnen." Aber die Regierung hat eben das Telegramm des Kaisers nur offiziell gedeckt, ganz wie später Fürst Bülow für diese und andere Kundgebungen eintrat. Allerdings war es ein großer Fehler des damaligen Reichskanzlers, Fürsten Hohenlohe gewesen, diese Depesche gegenzuzeichnen.
Verschiedentlich kann man hören, daß die ungerechtfertigten scharfen Angriffe gegen Frhr. v. Marschall jedenfalls nicht dem Fürsten Bülow unliebsam sein, und es wird daran erinnert, daß Herr v. Marschall, jetzt deutscher Botschafter in Ko istantinopel, dessen Warne auf der kleinen Liste der Kanzlerkandidaten stehe, dem Fürsten Bülow gefährlich sei und deshalb unschädlich gemacht werden müsse.
In diesen Tagen tritt Körrig Eduard von England seine Reise nach Berlin an. Da liegt es im Interesse der Reichsregierung, daß alle maßgebenden Persönlichkeiten unterer Politik möglichst englandsreundlich erscheinen. Wird nun der Frhr. v. Marschall als der Urheber dieser Depesche nachgewielen, die damals in England 1 große Erbitterung ausgelöst hat, dann würde, so mag man kalkulieren, seine Ernennung zum Reichskanzler in England direkt als eine Herausforderung Englands aufgefaßt werden muffen. Daß man es mehr mit einem Ueberfall auf Herrn v. Marschall zu tun hat, lehrt auch die Haltung der.Franks. Zkg/, bezw. deren Berliner Vertret«-, des Schriftstellers August Stein. Beide Stein'» sind übrigens nicht miteinander verwandt, und unterhaUen auch wohl kaum regere persönliche Beziehungen. Aber beide fühlen sich als treue
Ausland
— Der österreichische Sprachengesetzentwurf für Böhmen
ist am Mittwoch dem Abgeordnetenhause zu- gegangcn. Der Entwurf trägt dem Zuge nach Verminderung der nationalen Reibungsflächen Rechnung, sieht aber gleichzeitig vor, daß ein feder in feiner Spradje mit allen Behörden mündlich und schriftlich verkehrt, es wird danach in Zukunft in Böhmen 139 einsprachig tschechische, 95 ein spracht a deutsche und 5 zweisprachige Bezirkssprengel geben. Prag gehört zu den zweisprachigen. Die einsprachigen bedienen sich in der Regel ihrer Amtssprache, auch bei öffentlichen Bekanntmachungen. Doch soll auch bei ihnen der Verkehr in der anderen Sprache möglich sein. Die zweisprachigen Behörden verkehren mündlich und schriftlich mit den Parteien in deren Sprache. Eintragungen in die öffentlichen Bücher erfolgen in der Sprache der Eingabe. Ausgenommen sind überall die Angelegenheiten der Armee und der Gendarmerie, die nur in deutscher Sprache behandelt werden.
In der gestrigen Sitzung des ALgeordneten- hanses wurden die Entwürfe bereits vom Ministerpräsidenten besprochen. Während seiner Rede verübten die Tschechisch-Radikalen durch Schrei- e n unaufhörlich Lärm. Abg. Chotz brachte einen Wecker und eine Radfabrglocke mit, die schrille Töne von sich gaben. Tie Abg. Lisy und Kalina pfiffen ununterbrochen. Die Christlich-sozialen nahmen die Rede mit Beifallskundgebungen auf. Der Antrag auf sofortige Eröffnung der Debatte
Schildknappe« des Fürsten Bülow, und so ver- teidiat beim auch August Stein in der,Frank- furter Zeitung, was Adolf Stein in feinet Broschüre behauptet, daß nämlich jenes Telegramm an den Präsidenten Ohm Krüger im wesentlichen auf die Initiative deS Freiherrn von Marschall zurückzuführen sei, und vom Kaiser sogar noch einer Milderung unterworfen morden ist.
** Der Kaiser nahm am Mittwoch abermals die Borträge deS Reichskanzlers, des Staatssekretärs deS Innern, v. Bethmann-Hollweg, und des Ehefs des Zivilkabinetts, v. Balentini, entgegen.
* Die neue Justiz-Novelle hat dieser die Zustimmung des preußischen Staatsmini erhalten. Es darf daher damit gerechnet w^^W daß sich der Reichstag sehr bald mit der Vorlage beschäftigen wird.
— Bon beit Denkschriften der Kolonial- Verwaltung über ine Entwicklung der Schutzgebiete ist nunmehr auch der allgemein orien- tierende Teil erschienen. Er verbreitet sich namentlich über di« Fragen der Verwüstung, der allgemeinen Wirtschaftslage, der Produktion und des Aussuhrhandels, der ÄrbeiterveihSitniffe, über Eisenbahnbau, Geldkreditwesen und Finanzwirt- schast.
a. Der Wohnungsgeldzuschuß. Die Budgetkoni Mission des Abgeordnetenhauses begann am Mittwoch mit der Beratung der Novelle zum Wohnungsgeldzuschuß. Es gelangten mehrere Anträge, die über die Regierungsvorschläge hinaus den Zuschuß erhöhen wollen, zur Beratung. Ein Beschluß wurde noch nicht gefaßt.
X Der alldeutsche Prof. Samassa, der im vorigen Jahre auf der Jagd in Ostafrika einen Schwarzen erschossen hat, wird in der Morddeutschen Allgemeinen Zeitung' verteidigt. Das Bezirksgericht habe eine Untersuchung veranstaltet, aber festgestellt, daß eine strafbare Fahrlässiakeit des Samaffa nicht vorliege. — Samassa hatte einen Schwarzen für Wild gehalten, und ihn niedergeschoffen.
X Der deutsch-liberische Zwischenfall ist erledigt. Wie aus Monrovia gemeldet wird, Hai die Regierung der afrikanischen Neaerrepw lik wegen der Beschießung des Hamburger Dampfers „Marie Woermann" offiziell um Entschuldigung gebeten und zugestchert, durch entsprechende Anweisung des Kommandanten des liberianischen Zollkreuzers „Lark" dafür Sorge tragen zu wollen, daß solche Vorkommnisse in Zukunft vermieden werden.
(*) Der nationalliberale Laudtagsabgeord- nete Jürgensen, Vertreter des Wahlkreises Husum-Eiderstevt, ist im 71. Lebensjahr gestorben.
---- Die „Naktkultur" sollte nach den Absichten der Leute, die aus diesem „Geschäfte" ihren Lebensunterhalt fristen, in geheimen Zirkeln fortgesetzt werden. Man wollte die öffentlichen Vorstellungen, zu denen lüsterne Personen gegen unverschämt hohe Eintrittsgelder Zutritt halten, durch Dorflellnngen in Äereinskreisen ersetzen. Das wird nun wohl nicht gelingen. Rach An- sicht der Behörde handelt es sich um ein gewerbliches Unternehmen Da die Polizeibehörde der zu begründenden Vereinigung den Charakter eines rechtlichen Vererns abspricht, so würde es sich ber den geplanten Vorführungen um öffentliche Schau
stellungen handeln, für weiche die behördliche Genehmigung nachzusuchen ist. Daß diese nicht erteilt wird, ist als sicher anzunehmen.
* Breslau. 1. Februar 1909. Das Lokalkomitee für die diesjährige Katholiken- versammlung hat sich gestern konstitmert. Zum Vorsitzenden wurde Justizrat Dr. Porsch gewählt. Der Magistrat hat daS zum Bau einer Festhalle notwendige Land zur Verfügung gestellt.
c? München, 3. Febr. 1909. Wieder einmal machen Universitätsprofessoren Front gegen den bayerischen K u l t n s m i n i st e r. Sie wollen nicht den Beamten gleichgestellt sein, so- ferne es sich um die Tisziplinarbefugnisse des Ministers handelt. In Münäien hatte der Universi- tbüjsprofessor Güttler seinen Kollegen Schmidt und das der Aufsicht des Kultusministers unterstehende geistliche Seminar Georgianum angegriffen. Der Kultusminister erteilte nun dem Prof. Güttler einen kleinen Rüffel, weil durch deffen Vorgehen das kollegiale Einvernehmen un- ter den Professoren geschädigt werde. Diese „Rase" ließ der Minister durch den Senat der Universität übermitteln. Ter Senat kam diesem Auftrag zwar nach, erlaubte sich aber, an die kultusministerielle Verfügung Bemerkungen zu knüpfen, die den Rüffel absckmmcksten und den Professor Gütt- ker rechtfertigten. Das ist der Kern der Sache. Der Minister ließ sich diesen Eingriff in seine Disziplinargewalt nicht gefallen. Die Professoren reden sich nun dahin hinaus, sie hätten das Schreiben des Ministers als die Aeußerung eines Privatmannes, als eine nicht dienstliche aufgefaßt. Sie suchen nun die Angelegenheit auf einen anderen Boden zu drehen. Sie wollen jetzt nach- tveijen, daß Professor Güttler, da er kein Amtsgeheimnis verletzt und tonst sich nicht unwürdig seines Amtes benommen habe, keine Ursache geboten habe zu einem Disziplinareinschreiten des Ministers. Die Professoren dürsten aber auf Grund des neuen bayerischen Beamtengesetzes, dem auch sie unterstehen, den kürzeren ziehen.
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^3.] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld
Sir Collingbourne sah sehr ungläubig, drenr. ?„Jch hätte es nicht geglaubt, wenn Sie'- nicht gesagt hatten," sagte er bann. „Ich habe nie einen Jungen gesehen, der mich derartig interessiert hätte."
Die Entscheidung fiel erst am folgenden Tage, Nachdem die Aufsätze geprüft und öffentlich vor- 'gelesen waren, wobei dann der von Werner Jefferies in jeder Beziehung als so über den anderen stehend befunden ward, wie der Mond über die Sterne hervorleuchtet
Die Entscheidung ward feierlich von Dr. Cloth Verkünder, und ein schallendes Hurrah erhob sich saus der gesamten Schule. Werner hatte gewonnen, und Werner war bei allen beliebt; die Knaben waren zufrieden, und Dr. Cloth selbst war entzück;.
„Jetzt", sagte Sir Collingbourne würdevoll, frtoerbe ich etwas Ordentliches für diesen Knaben tun. Wußte ich doch, daß er gewinnen würde, schreiben Sie mich auf, Cloth, mit fünfzig Pfund; und nächstes Jahr will ich meine Zeichnung der- koppeln, wenn er sich gut macht".
Was Werner selbst angeht, so kannte fein Ent- Kicken feine Grenzen. Das Los, das er gefürchtet, hxrr jetzt das {einige nicht mehr. Es schien ihm, bie goldenen Dore eines Feenlandes seien ihm geöffnet und er stehe im Begriffe, in all die Pracht hineinzugehen. Dr. Cloth war sehr hoffnungsvoll In Bezug auf seine ferneren Aussichten und sagte ihm Großes voraus.
„Wenn Du Dich für Theologie entscheidest, Wern«," sagte er, ,ch>irst Du einen guten Freund an Sir Collingbourne finden. Er hat zwei Pfründen zu vergeben."
Ab« Wern« sagt« ihm, er hab^keine Neigung jur Theologie.
„Der Traum meines Lebens ist, unter Büchern zu weilen — vielleicht gar selbst welche zu schreiben. Von der Zeit an, wo ich noch Kind war, habe ich an nichts anderes gedacht."
12. Kapitel.
Geschenke von unbekannter Hand.
Das Wochenblättchen von Ferryhiü enthielt in feiner nächsten Nummer eine kurze Notiz über die Prüfung für das Stipendium, teilte mit, daß Werner Jefferies den Preis bekommen, sprach in warmen Ausdrücken von seinen Talenten und beglückwünschte den Stifter des Stipendiums zu der guten Verwendung, die dasselbe aller LSahrschein- lichkeit nach in diesem Falle finden werde.
An einem hellklaren Sommertage war Werner früh aufgestanden; in zwei Tagen bereits sollte er nach dem Dorado seiner Wünsche, zur Universität nach Cambridge, aufbrechen. Er toar über alle Beschreibung glücklich und wunderte sich beim Anbruch dieses neuen, glücklichen Lebens- abschmttes für ihn, tote die Welt nur so schön sein könne. Nie war ihm die Sonne so strahlend er- schiene«; der Gesang der Vögel war voller Musik, die ganze Natur war in ihrer schönsten Stimmung. Und doch kam ihm an diesem Hellen Sommermorgen eine Art von halber nUgewißheit, wie er denn auf der Hochschule wohl sortkmnmen würde.
Während er dies ertoog, rollte ein schwerer Frachtwagen durch die Wallhecken, hielt vor dem Gartentörchen, und der Fuhrnwnu stieg ab. Er nahm mehrere schwere Kisten von dem Wagen, und Werner, dem nichts davon bewußt, daß seine Mutt« irgend welche Frachtgüter zu erwarten haben sollte, glaubte schon, baß irgend ein Mißverständnis vorliege.
„Jst'S hi« recht bet Mrs. JefferieS?" fragte der Fuhrmann, und Werner erwiderte bejahend.
^Damt find diese Kisten hi« alle für sie," sagte ft, Mnd schwer genug fft bet Kram."
Ein flüchtiges Staunen, was wohl die Mutter gekauft haben könne, wovon er nichts wußte; aber dann eilte Werner mit der natürlichen Höflichkeit, die ihn stets auszeichnete, herbei, um dein keuck)en- den Manne zu helfen. Sein eigener Name stand auf den Kisten; sie waren gar nicht für seine Mutter, sondern sämtlich für ihn
Seine Wangen röteten sich, sein Herz schlug schneller. Was tvar darin?
„Mutter," rief er, hineinstürzend, „was bedeu- tet dies? Sieh — „Master Werner JefferieS"; wer hat mir dies geschickt?"
Der Fuhrmann wurde bezahlt und fuhr davon; bann standen Mrs. Jefferies, Jack und Werner in stummem Erstaunen vor den drei großen, schweren Kisten.
„Offen damit," rief Jack; „vom Ansehen kriegen wir nicht heraus, was drin iftl"
Er lief, holte Hammer und Zange und ging ans Werk; noch einige Minuten, und der Teckel der ersten lag auf dem Flur. Sie war von Burns «. Rowlcmd, London, und enthielt einen sehr hüb- scheu Toiletten-Kasten, äußerst geschmackvoll mit jeböH möglichen Gebrarrch-ögegenstand ausgestattet; ein ausgezeichnetes Schreibpult, . ebenfalls elegant und reich ausgestattet, und weitere kleinere Gegenstände zum Gebrauch eines jungen Studierenden. Werner sah ernst und blaß aus.
„Mein Gott, Mutt«," fragte er; „wer hat mir dies gedickt?"
„Wir toerben es schon herausbekommen," v«- setzte fie unb folgte gespannt Jack's Anstrengungen, die zweite Kiste zu öffnen.
Diese Kiste, noch größer, als die erste, war von oben bi- unten mit Büchern gefüllt. Samt- liche alten »nd neueren Klassiker, dabet jedes Hülfsbuch das möglicherweise beim Studium der- fejben von Nutzen sein konnte, alle» war vorhanden. Sie schienen buchstäblich kein Ende nehmen zu wollen; bet Flur, die Tische, die Stühle, alles bedeckte sich im Nu mit Hauken von Buchern.
üb« die Regierungserklärung wurde einstimmig angenommen und die Sitzung behufs Eintragung der Redner in die Rednerliste auf eine halbe Stunde unt«brochen.
Nach der Wiederaufnahme protestierten die Tschec^fchradikalen gegen die sofortige Besprechung und verlangten die Weiterverhandlung der Dringlichkeitsanträge, als der Präsident das ver- wetgerte, erhob sich ein furchtbarer Lärm bei den Tschechischradikalen. Die Tschechlschradi- kalen brachten stählerne Ratschen, Sirenen, Kinderpfeifen und Glocken mit Ter Abgeordnete Lisy blies ein riesiges Rebe l- h o r n. Zwischen Dielohlwek und dem Tschechisch- radikalen Lisy, den er Lausbub nennt, kam eS zum Handgemenge. Die ohrenbetäubende Katzenmusik dauerte von 1 bis 4 Uhr. Auch eine Ziehharmonika wurde zu Hilfe genommen. Einen Riefenspektakel macksten vier Rat s ch e n m a s ch l- nen, welche die Tschechischradikalen eigens in Prag fabrizieren ließen. Diese Instrumente find sogenannte Regenmaschinen- mit denen im Theater das Geräusch prasselnden Regens nachgeahmt wird. Um vier Uhr wurde die Sitzung geschlossen. Es war inzwischen ein Kompromiß mit den Tschechischradikalen geschloffen worden, wonach die Tschechen sich mit der Fortsetzung der Debatte am Donnerstag einverstanden erklärten, gegen di« Zusicherung, daß während dieser Debatte kein Antrag gestellt werden dürfe.
** Der russische Bermittelungsvorschlag m ber türkisch-bulgarischen Streitfrage, wonach Rußland auf einen entsprechenden Teil seiner türkischen Kriegsschuld verzichtet, das r aber der Gläubiger Bulgariens wird, ist offenbar von dem Bestreben eingegeben, den russischen Einfluß in Bulgarien zu stärken. Einstweilen ist allerdings noch nicht zu erkennen, daß man in Sofia al- auch in Konstantinopel geneigt ist, den russischen Vorschlag ohne weiteres anzunehmen. Hüben w.e drüben liegen doch ernstliche Bedenken vor. England und Frankreich find mit dem Plan einverstanden.
** Tas russische Lockspitzel- unb Spionage« system wird durch aufsehenerregende Enthüllungen der letzten Zeit grell beleuchtet. In Paris ent« larvten russische Revolutionäre den im russischen Polizeidienste stehenden Lockspitzel Azew und erwiesen durch eine Reihe von Tatsachen, daß gerade die russische Polizei einen erschreckenden Terrorismus züchtet, diesen durch Staatsmittel unterstützt oder sogar inszenisck, um auf diesem Wege Revolutionäre abzufangen und dem lobe, zu überliefern. Azew trat auf Veranlassung ber Petersburger Polizei in bie Rechen ber Revolutionäre, organisierte selbst Attentate unb üb.r- lieferte bann sämtliche Personen, bie biese auS« führen follte, der Polizet Ms seine Jntriguen offenbar würben, flüchtete et nach Südamerika. Indes gaben diese Enthüllungen Anlaß zu weiteren Uwersuchungen. Die Folge davon ist die Verhaftung von mehreren hochgestellten Persönlichkeiten. So die schon gemeldete Verhaftung deS noch vor kurzem allmächtigen früheren Chefs ber Geheimpolizei, Lopuchin, die in ganz Rußland kolossales Aufsehen erregte. Wenngleich bie inneren Zusammenhänge ber Azew-Lopuchin« schen Macheusch rften noch lange nicht völlig aufgeklärt finb und offenbar noch viele wichtige» Dmge verheimlicht werden, haben die jüngste« Enthüllungen so viele Schurkereien bet schlimmsten Art ans Licht gebracht, baß man selbst in dem moralisch so abgehärteten Rußland bos Gefühl hat, als müsse man etwas zur Beruhigung der öffentlichen Meinung tun. Man spricht von
„Tas ist der schönste Anblick, den ich je gesehen," rief Werner begeistert; doch Jack ließ nur ein verächtliches Lachen hören.
Die dritte Kiste war mit feiner Leinenwäsche und sonstigen Gebrauchsartikeln gefüllt; es fehlte nichts aber auch gar nichts, was nur eine sorgsame Mutter einem auf Jahre von Hause Scheidenden mitgibt.
„Das sieht doch wenigstens nach was aus!" rief Jack. „Sieh, hier ist eine kleine silb«ne Uhr und ein Dutzend seidene Taschentücher; wenn ich, mir schon was wünschen sollte, so mödjte ich das lieber haben, al? alle verrückten Büch«, die jemals gedruckt worden sind."
Auf dem Boden dies«, bet letzten Kiste, lag eine schone, grünseidene Börse. Jack griff gierig danach unb hielt sie empor; fie enthielt zehn Goldstücke und eine weiße Karte.
„Ha, endlichI" rief Wern«; „jetzt werden fort ja «fahren, von wem es kommt!"
Laut las er folgende, in schön«, kuhngeschwun- gen« Handschrift gehaltenen Zeilen:
„Ein Geschenk für Wern« Jefferies von jemand, dem b« Erfolg fein« Prüfung recht wohl gefallen; von jemand, d« — wenn seine Hochschul-Laufbahn ebenso erfolgreich fein sollte — weitere Sendungen machen wird."
„Ich mutz eine gute Fee zur Patin gehabt haben," sagte Wern«.
„Unsinn," rief Jack; „Sir Collingbourne ist'Sl Ich hörte, wie er Dich prahlte, gerade, als ob ftnst niemand vorher auf eine Frage geantwortet hätte."
„Daran habe ich nicht gedacht. Natürlich, eS ist Sir Collingbourne. Ob ich ihm nicht schreibe» mch bauten muß, Mutter?"
. „Rein," erwiderte sie langsam; „ich glaube nicht. Er will es offenbar nicht haben, sonst hätte « diese Sachen nicht ohne Namen geschickt. ES wäre in diesem Fall also nicht angebracht, e- ihm gegenüb« zu erwähnen."
(Fortsetzung folgt.)