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Erscheint tigltchmU Aurnahm« ter $o;m« Mitt Feiert«-« Viertel« iShrliche^Se;»grp^r- »hne Sringerioh« und VestrLgeld i« Fulda so» tsie auswärts 1.56 Btt.*

Verautro. Redaktrmr

Cari Schütter für die Anzeige»:

3- Parzelwr t» Fulda.

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/Mwjeigen: vie et», fpaltige Petitzeile» ;r deren Raum ZS P g. Nellammdrr-elltzrte 23 Pfg.» br» Wieder» Holungen wird entfpr. Babctt gewährt.

AotationsdruSund Verlag der Fuldaer ?'k> Sendruckerei in Fulda Fernsprecher Le. 9.

M 24.

Fulda, Samstaa den 3f). Januar 1909.

36. Jahrganst.

Irrstes Klutt.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 29. Januar 1909.

Da? Haus verhandelt über die Interpellation Hompesch (Ztr.) betreffend die

schwarze« Listen.

Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Abg. GieSberts (Ztr.): Die Beschwerten über »ie schwarzen Listen «nd die SrbeitS perren ziehen sich wie ein roter Faden durch die Debatte« Vieles Hauses. In den schwarzen Listen werden diesenigen Arbeiter auigeführt. Die sich zum Sprachrohr der Wünsche igret Kollegen gemacht und sich dadurch den Zorn der Ar- deitgeder zugezogen haben. Die schwarzen Listen werden noch verstärkt durch die zentralrfierten ArbeitS- uachwetse. Denen uaiürtich die schwarze« Listen der Arbeitgeber zur Berfügun, stehen, insolgedeflen die mißliebigen Arbeiter keine Arbeit mehr finden. Dieses Verfahren verstößt gegen daS Koalitionsrecht der Ar­beiter, bedeutet aber auch eine Umgehung deS § 113 Der Gewerbeordnung, in welchem den Arbeitgebern verboten wtrd, de« Zeugnis Der Arbeiter einen Ver­wert anjuiügen, durch welchen diese tu ihrem Fort­kommen gehindert werden. Die Arbeitgebernachweise Mit ihren schwarzen Listen beoeuien eine schwere Be- nacht.il iguug und Beichrünkung der Freizügigkeit der Arbeuer. Die Arbensiperre, die besonders gegen Berg­leute und Blerallarbelter angewenoet wuD, ist Die Boykottierung vo« Arbeitern als Strafe dafür, daß sie ihre Ardeüsneüe gewechsetr Haden. Die Ardeitgeder be loupten, sie wollten mit diesem Eperrsystem dem regellosen Arbeuerwechfrl und dem Kontrallbruch Vorbeugen. Einem regelloseii Arbeilerwrchsel stehen auch die Arbeiter nicht sympathisch gegenüber, aber daß solche Elemente, die es mit ihren Pstichten nicht genan nehmen, nt solchen Massen vorhanden sind, wie die Bergwerksbeützer es behaupten, bezweifle und be­streite ich. In Zeiten von Arbeitermangel veranlassen sogar Zechenoestyer Arbeiter a-.derer Zechen durch höhere Versprechungen zum Kontraktbruch. Auch die übermäßige« Versprechungen, Die mau Den Arbeitern macht, um sie aus dem Osten in die Kohlenreviere zu locken, tragen viel zu de« Kontraktbrüchen bei. Die Arveusiperre bedeutet eine Strafe, Die weit größer ist, als Diejenigen Strafen, die im Strafgeietz- buch sür weit größere Vergehen sestgesetzt sind. Die pegenwärtige Gesetzgebung reicht nicht aus, um dem Arbeiter die ihm gewährten Rechte zu garantieun. Es muß geietzlich untersagt sein, Arbeiter zu boytot- tieren. Wenn unsere Bergwerkbesitzer dir neue Zett besser v ent und en. Dann hätten sie sich zu Tarifverträgen bereit erklärt, daß hecht, nicht zu einer speziellen, wohl aber zu einer generelle« Regelung des Ärbeitsverhält- nifses mit Den Organisationen. Recht ichlecht behandelt «an auch Die Beamten. Aus Dem Bunde der technisch-industriellen Beamten will man sie heraus Haden. 500 Mark Belohnung sollen sie erhalten, wenn sie Dem Bund den Rücke» kehren. Das ist eine nichtsnutzige Handlungsweise. In Oberschlesien ut bei Gnefches Erben jetzt eben eine solche Verfolgungspt axis im Gange. Auch dem Steigerverband will man an- Leben. Jedes Eyrgemhl erfltktt man ht bett Beamten, und Dana verlangt mau «och pflichttreue. Der llatups gegen Die Beaturenverdänoe wird aber sicherlich ebenso ersvlgios verkamen, rote der gegen die Gewrrkschaiten. Die Unternehmer sollten die Dinge nicht aus d.e Spitze treiben; sie tollten sich hüten, chre gut geschulten Be­amten und Arbeiter noch »veiler zu erbittern. (Lebh. Beifall. >

Sraatsselretär v. Bethmann-HoLweg: Die Recht­sprechung steht augemein aus dem Siaridpunlt, daß die rtu.specc.iug weder zivil- noch slrasrechtlia, verboten ist. Ter rcnsicht des VotreduerS, da« das Sperr.ysteiu einen Verstoß gegen ß 113 Der GewerbeoiDuuug ut sich schüeße, tarnt ich nicht betlreten, denn eS handelt sich bei den sogen, schwarzen Listen um Schrislsiücke, Die neben Den Zeugnissen hetgehen, alt» von dem Verbot des § 113 mcht betrösten werden tonnen. Anders liegt die Frage, ob Die AnwenDuug DeS SperrsyaemS in» tinietncn Fal-e Den Taibepano eines Bergeoens, etwa der Belew.gung. Darrtest, oder ob sie als Ver,toß gegen die guten Stn.n einen Scya»ener-tzan Spruch gewährt. Bei.es ist mög ich, ändert aber nicht» an Dem Gruno- satz. Daß Das Sperisystem an sich zulässig ist. Tas

System ist eine Folge wirtschasisicher und sozialer Zu­stände, indem mau dadurch einem übermäßige« Beleg- schaftswechsel und dem Kontraktbruch vorbeugen oder Die Zugehörigkeit ju bestimmten Organisationen be­kämpfen will. Greift hier der Gesetzgeber ein, so muß er parttätisch Vorgehen, b. h. er mutz sich gegen jeden Verruf wenden, von welcher Seite er auch kommen mag. Die Frage, ob daS gemeine Recht, unter dem das Koatitkonsrecht steht, vertagt hat und ob deshalb em Spezialgeietz nötig ist, muß ich verneinen. Das hohe Maß dow Erbitterung über die Handhabung des Sperrsystems wrrd hervorgerusen dadurch, daß jetzt vielfach untergeordnete Beamte rein schematisch darüber befinden, wer auf die schwarze Lifte ge.etzt werden soll, und dann die Heimlichkeit deS ganzen Verfahrens, d« es dem Arbeiter unmöglich macht, an unparteiischer Stelle sein Recht zu suchen. Die schwar­zen Listen werben wohl zum guten Teil verschwinden, wenn auf beiden Seiten anerkannt sein wird, daß man sich gegenseitig vernändigen muß.

Aus Antrag des «bg. Spohn <Ztr.) findet eine Besprechung der Interpellation statt.

Abg. Stresemann («all.): Di« Aibeitgeber müssen die Möglichkeit haben, dem Kontraktbruch der Arbeiter entgrgenzutreten. Die schwarien Listen müssen geheim gehalten werden, weil sie sonst ihren Zweck wcht ganz erfüllen wstroen. Allerdings können die schwarzen Listen in ihrer heutigen Gestaltung nicht aufiecht- erhallen bleiben, da dies eine schwere Gefährdung des sozialen Friedens bedeuten würde.

Abg. Dr. Wagner (t.): Auch wir bedauern, daß die wirtschaftlichen Kämpfe seitens llnternehmeitum und Arbeiterichast zur Anwendung von Mitteln ge- sührt Hoden, die die beftebend« Kluft zu erweilein ge­eignet sind. An einem Ausbau DeS Koalitionsrechis wollen wir gern Mitarbeiten, aber tS darf nicht ein Ausnahmegesetz gegen Die Arbeitgeber werden.

Abg. Sachse (Soz): Das Hindernis, daß kein« Derständigulig zwischen Unternehmertum und Aibestern erzielt werden tonn, bildet Die Hariheizigkeit der Ar­beitgeber. Die schwarzen Liften verstauen uiibediiigt gegen die guten Sitten. In vielen Fällen ist Die Aus­nahme eines Arbeiters in Di« schwarzen L'ften ans einen unversöhnlichen Racheakt eines Zechendeamten zucückzuführen. Auf einzelnen namentlich sächsischen Zechen sind Aibeiler gemaßregelt worden, weil sie sich bet be« Kruntenkaffenwablen als Verirrter aufstellen ließen. Dort werde« die Arbeiter auch qe wuugen, der Zechenverwaltung genehmeG meindevertreter zu wählen.

Abg 6. Dirkfen (8{p.): Die Sperr« gegen Arbeiter, die vertragsmäßig kündigen, verurteile ich auch. Ader gegen Arbeiter, die unter Kontraktbruch die Arbeit verlassen haben, kann nicht fchcirf genug vorgeganae« werben. Von em em chitcrnrösen Vorgehen des Zecben- verbandes kann lerne Rede fern. Ich bin überzeugt, daß Die Grubenbesitzer gern zu einer Verstäub,gung die ßinb bieten ro toer, wenn Die maßlo;en Hetzereien Der Sozialdemokrati« anjhören.

Samstag: Fortsetzung; vorher Rechnungsfachen.

Preußischer Landtag.

Abgcordnelesthaits.

Sitzung vom 29. Januar 190®.

DaS Hans beschäftigte sich heute weiter mit der zweiten Beratung Der

Besoldungsvortogen.

Es wird zunächst übcrKIasse 6: Torf- und Wicscn- meister, Strommetjtcr usw. abgestimmt. Tie Sätze der Kommissioit wurden einstimmig angenommen.

Ebenso angenommen wurde eine R e so lu si en der Kommission: Tie Staatsregierung zu ersuchen, baldigst eine Neuregelung Der Besoldungsverhältnijsc der Jupiztoitzlcigehilfcu dvrzutiehmen.

Es wurde bann in die Besprechung der Gehalls- '5he der Besoldungsklajsen 12 b i S 22 (S u b- alternbeancte) eingetreten. Nach den Vorschlä­gen der Kommission sollen erholten: Klaffe 12: Zoll- ajsiftenten, Bctriebssekreiäre, technische Burcauassisten- ten und Bahnmeister, Eisenbahnasjisrenicn einschließ- tich Bahnhofsverwaltcr und StaterialDerronlter, Gc- cicylSsch reibe rgchilfen und «sfistenten bei den Land- uub Amtsgerichten, Ec eicht soollzteher, Boltzeigefang- nisvoisteher nfw. IWO bis 3300 Jl; Klasse 13: Polt- zcilelegraphenaffistenien in Berlin usw. 1800 bis 33W ■ t-. .................

Mark; Klaffe 14: Werkmeister bei Maschtnendaujchu- Icn usw. 2100 bis 3300 Jl; Klaffe 15: Hauptzollamls- ajsistenteu und Zollcinnehmer erster Klaffe, Eichmeister. Rechnungsführer und Sekretäre bet der Justizverwal­tung 1800 bis 3600 Jl, Klage 16: etaismähig ange­stellte technische und Elementarlchrer forote tzolkSschul- lehrer in Orten mit nicht mehr als 25 000 Zivilein­wohnern 1800 bis 42000 <M\ Präparandenlehrer 1800 bis 4000Jl; Klasse 17: Bahnhofsvorsteher, Gütervor­steher, Kassenvorsteher, Bahnmeister erster Klaffe, Werkmeister bei bet Eisenbahnve cwaltung 2000 bis 4000 Jl; Klaffe 18: Einfahrer bei den Cbetbeto» ämtern usw. 1800 bis 4200 Jt; Klaffe 19: Zollsekretäre und Oberzoü einnehm er 2000 bis 4000 «X; Klaffe 20: Gericht lKchreiber, Polizeisekretäre in den Provinzen, Rafzärzte bet der Gestüteverwaltung 1800 bis 4500 Jl; Klaffe 21: Lehrer bei den LaugewcrkSschulen, Zeichen­lehrer für höhere Unterrichtsanstolten, Regie rungS- sekretäre, Betriebskontrolleure, Oberbahnhossvorfteher, nichtlechnische Eisenvahnsekretäre. Materialicnverwal» ter, Sekretäre bei den Oberpräsidenlcn und Slcgierun- gen, Gerichtsschrciber bei den Lberlandesgerichten, Bnreaubeamte beim Stotisiischen Landesamt. Genera 1- lomniiifioiisfefreiäre, Sekretäre bei ben Vrooinziatichnl- kollegien, technische Ciscnbahnsckretäre, Regieriingssekre- täte usw. 2100 bis 4500 <JK; Klaffe 22: Kassierer bei den Eisendahnhauptkassen, Lbcrbuchholler und Kassie- rer bei bett RegierungShaupttoffen, Polizei lerttnaws nnb Kriminalkouimissare in Berlin, Grenzkommtssare, Rendanten bei den Hanptgestuten 3000 btS 4500 Jl.

Abg. Schmedding (Ztr.): Die Beamten der zweiten Gruppe spielen tm Behvcbeuocganisaius eine große Rolle. Taö gilt namentlich von bett Sekretären und Assistenten. Ramcntlich der letztecen Bcauitenilasie hätten wir gern weitere Gehaltsaufbesserungen zuteil werden lassen. Tie Einrangierung mit den Lehrern hat uns 'n Der Kommission große Schwierigkeiten ge» macht. Manche Lehrer. Die zu kurz gekommen sind, wie die Zeichenlehrer, Turnlehrer, müssen sich trösten Damit, daß andere geistige Arbeiter, nauientlidj in technischen Beins en, auch feine höheren Gehälter er­halten. Lebhaft bedauern wir, daß der Antrag yattin auf völlige Gleichstellung der Gcrichtssekretäre mit den Verwaltangssekretären im Bnfangsgehalt nodi nicht durchgeführt in. Rach Lage der Sache bleibt uns aber nichts anderes übrig, als diese Wünsche zu Gunsten des Kompromisses zurüctzusteUen. sLcbh. Beif. i. Ztr.)

Abg Frhr. v.Maltzohn (k.j: Wir müssen uns hier k.irz fassen, um nicht neue Beunruhigung durch unsere Reden in die Beamtenschaft zu tragen.

Abg. Dr. Schrorder-Kassel (nfl.): Auch wir haben bei diesen Beamieukategoricn leider eine große An­zahl ernstlicher Wünsche guriuffteHen müssen, um das Kompiomih zustande zu bringen.

Abg. 9'croulb ifkrs.): Um das Zustandekommen des Kon'prolnijses zu ermöglichen, verzichteten wir auf eine Reihe von Wünschen. Tie Gerichtssekretäre stehen den Verwaliungssekretären zwar im Gehalt nicht gleich, kommen aber drei Jahre früher zur Änsievutig. Be­züglich des Mittelschulwesens empfehlen wir die Reso­lution Der Kommission.

Abg. Peltasobn (fr. Vg.): Wir halten eine Gleich- kellung der Eitenbahnaffisteuten mit dem Poslasjistenten owie der Gerichts- und LerwallungSietretare für wünschenswert.

Abg. Ströbel (Soz.): Wir bebauern, daß bas Kom­promiß aut Kosten der Untcrbeamten und Äffistrnten zustande gekommen ist.

Hierauf wurde Die Debatte geschlossen. Angenom­men wurden folgende Komprornitzanträge: 1 Klaffe 32a tGeyalt von 1U5O—3300) werden die Lehrer bei Den Fortbildungsschulen in Klasse 15a (Ge­halt 1800—3600) versetzt; 2. das End gehalt Der Ober- lchrerinnen bei den Lehrerinnenseminaren wird von 4iM*0 auf 4200 M erhöht; 3. die Hälfte der Reel>nungs- revisoren bei bet Ansiedlttngskoinm tffion erhält eine nichlpeuswnsfähige Stellenzulage von 300 ; 4. In

Klaffe 12a (Büroaffisteuten. Betliebsjekreiäie, Geiichis- vaklziehcr usw.) wird das Höclistaehalt von 3300 nach 21 Jahren erreicht. 300 Jl pcustonssähige Zulage für die vor dem 1. Siptil 1003 tu die Justiz übcrnannneucn Assistenten werben gestrichen; 5. Äauglcünjpcftor<n beim Landgericht erhalten nur 1800—4000 Jl; außer­dem 500 <X nicht pensionsfühige Stellenzulage. — Angenommen wird auct) die Resolution der Komniffsion, welche die Regclnn« des Aiittelschulwesens verlangt.

Es werden dann die B e s o l d u n g s l l a s s e n 23 bis 37 besprochen. ES sollen erholten: Klaffe 24: Ka- iafterkonlioileure. Oberzollkontrollcnre. Polizeiinspcl- toten usw. 2700—4800 <Ä; Klaffe 25: Bürobeamte

Ji» tee RS tzkUeiNliiD.

20.i AuS dem Euguschen von St. v. Rae.sf e lb‘

10. Kapitel.

leie Unterrcduug.

©3 war neun durch, als Marian West in den fcnaicit Weg einbog, der zum WallHecken-Häus- ck>en führte. Sw hatte sich sehr einfach gekleidet, ganz ui:d gar nicht wie sonst, und dicht vcrschlei- ett, sodaß sie nicht erkannt werden konnte, außer­dem die Norficht gebraucht, dis zum Einbruch der Tunkeliw-.t zu warten, sodaß ein ihr zukällig Be­gegnender sie überhaupt nicht erkennen konnte. Es gab ferne nur mögliche Vorsichtsmaßregel, die sie nicht nugeniindt hätte.

f Lbee ersten Worte an Kate Jefferies waren:

„Lind Sie ganz allein? Sind die Knaben fort?"

„Es ist nremanö hier", versetzte Kate; „und niemand kann herein. Ich habe die Tür ver­riegelt."

„Td3 ist gut', sagte Marian. ..und nun möchte ich Sie der Vorsicht halber ersuchen, alles Zere- ntonieff und jede Höflichkeit bei Seite zu legen und mich immer ohne Namensnennung auzuipre- tbeii; man kann nie vorsichtig genug sein; cs könnte jemand vorbei oder an die Tür kommen, während irir hier sprechen, und mein Name ist wohlbekannt."

„?>ch will daran denken", sagte Kate Jefferies. , Marian West nahm einen Stuhl und setzte sich Mrs. Jefferies gegenüber, sie knöpfte ihren Man­tel los und band ihre Hutbänder auf, schlug aber den Schleier nicht in die Höhe.

"Nun also", begann sie, „von diesem Jungen. Ihr Brief bat mir gefallen. Es freut mich, so gute Slachrichten von ihm zu hören."

..Es ist einer der nettsten Jungen, die ich je gesehen" sagte Kote, „sehr hübsch und wirklich sehr anstellig. Ich fürchte, er hat einen zu anschlä-

gigen Kopf. Sie werden nie einen Kaufmann oder so was aus ihm machen, er schreibt Ge­dichte"

„Schreibt Gedichte!" wiederholte Miß West, „beste Fraul"

„Ja, und Dr. Cloth sagt, er wäre ein Genie", fuhr Kate fort, augenscheinlich sehr unsicher, wie diese Mitteilung wohl aufgenommen werden würde.

„Immer schlimmer", sagte Marian.

„Ich möchie so sehr gern, daß Sie ihn einmal sähen; er sieht aus wie ein junger Prinz."

Aber Marian's Gesicht bedeckte sich unter dem Schleier mit S<bamröte.

„Ich bebe ihn seit dem Tage, wo ich ihn Ihnen in den Arm legte, nicht wieder gesehen", jagte sie daun nach einer Pause naü)denklich.

„Nein, der arme, kleine, nette Kerl!"

„Aber", unterbrach Marian, „er ist doch glück­lich und zufrieden, nicht wahr? Sie find gut gegen ihn, des bin ich jidjer; und er weiß doch nichts, argwöhnt nichts."

„Nein", mar die ernste Entgegnung. „Er itcnnr mich Mutter. Ich bin sehr sreundlich und gut mit ihm; aber jedermann fann sehen, daß es keiner von uns ist, und obgleich er Lei uns groß gezogen ist. so glaube üh doch nicht, daß das Kind sich zu Hause fühlt."

„Aber, er hat doch nie etwas anderes gekannt? Er hat kein anderes Leben, keine andere Umgeb­ung gcfanul?" sagte Marian eifrig.

„Nein, Madame; aber der Geschmack ist ver­schieden, und feiner ist offenbar mit ihm auf die Wett gekommen."

„Sie meinen also, fein feines Wesen sei ange­boren", sagte Miß West; und Kate erwiderte liebenswürdig läck-elud:

„Ja, ja, das ist genau das, was ich sagen wollte, aber ich konnte das nicht so bringen."

„Sie haben sorgfältig Wort gehalten unb' Abbotsvifie nicht wieder envähnt, seit Sie dort abreiften?"

„Kein Mal mehr", versetzte sie.

Dann saß Marian West eine Zeit lang grü­belnd und nait-dcnklich da.

,Kate Jefferies", sagte sie endlich, „die Zeit ist gekouimen, wo ich Ihnen niehr vertrauen muß, als ich einst tun zu muffen glaubte. Ich weiß nicht, was Sie von mir denken werden, wenn Si« alles erfahren; das aber ist gewiß, ich habe in bester Absicht gehandelt."

Sie seuizte tief und sah ins verglimmende Küchenseuer; vielleicht drückte sie die Last des so lange Jahre gehüteten Goheiinniffes.

„Von meiner Schwester will ich nicht sprechen", jagte sie dann. „Sie nannten fie Mrs. Folks- worth. Sie können sie noch so neuueu. wenn Sie wollen. Ihr Getzeimins gehört ihr allein. Ich war ihr Nächstes und Liebstes auf der Welt, und doch habe ich cs nie erfahren. Ich kann es Ihnen also nicht sagen; ich weiß nicht, mit wem sie oer- beiratet war, nicht, warum alles ein solches Ge­heimnis bleiben mußte; altes, was ich weiß, ist, was vorfiel/'

Und wieder saß Miß West einige Augenblicke schweigsam da und beobachtete die glimmenden Junten.

„Wie Sie wissen", begann sie wieder, „war meine Schwester damals gefährlich krank, fo baß wir nicht mehr für ihr Leben hofften; ihre fire Idee war, daß ihr Kind tot sei. hatte sie es doch nie gefehen, gehört, oder es fidj verstellen können. Sie war so krank, daß ich fürchtete, diesen Ein- druck zu zerstören; wirklich, ich fürchtete, ihr zu sagen, das Kind lebe, so sehr war ihr ganzes Gemüt von der Tal sack)« seines Todes erfüllt und durchdrungen. Ich weiß", fuhr Miß West schneller fort, „daß Sic mich tadeln werden, aber es geschah, um sie zu retten, und ich tat's — Gott weiß es — in bester Absicht. Die Wahrl-eit ist also, meine Schwester weiß nicht, daß ihr Sohn lebt — und sie darf es mich nie erfahren; Sie hören das, Kate? Es wäre sicherer Tod für sie, und vielleicht für niehr als für sie allein."

Kate Jefferies' behäbiges Geficht war blaß^ geworden.

beim Statistischen ItanbeSamt, Amtsanwälte usw. 2700 bi» 5100 <ift; Klaffe 26: Oberzollrevijoven usw. 3000 bis 5400 M; Klaffe 27: Polizeihauptleut« usw. 4200 biS 5400 Klasse 28: Potizciräte, Oberlehrer bei Den Seminaren usw. 3000—6000 <jt; Klaffe 30: Laub- «nhneifter usw. 4800—6000 <M; Klaff« 31: Departe- irnmtstierärzte 4200—6300 Jl- Kliffe 32: Geheime LLpebierenbe Sekretäre usw. 3000—6600 Klaffe

33: Vorstänbe bet Verkehrsinspektoren usw. 3600 bis 6600 Jl; Klaffe 35: Rechnungsbirektoren »sw. 4200 bis 6600 Klaffe 36: PolizeimajorS 5400—6600 Jl.

Die Gehaltssätze werben nach unwesetitlicher De­batte angenommen mit dem Kompromißantrag, durch welchen insbesondere die Polizeiinspektoreu bei ben Polizeivecwaltungen in der Provinz eine Aufbesserung erfahren. Eine Resolution beit. Aufbesserung der Äffi- stenten bei bat wiffenschaftlichcu Instituten wird an­genommen.

Es folgte di« Erörteruuz der Gehaltssätze der Hrup pe 4. Sie umfaßt Die Besolbungsklasfen <#x—53. (Höhere Beamte.) Es werden nach Den Stommtisions- b«fchlüff->n gefordert: Klaffe 38: Oberlehrer, Bibliothekare K. s. ro. 2700 - 7200 Mk.; Klaffe 39: Cberföpter, Bau- unb Beiriebsinipeltoren, Gewerbeinfpettoren, Staats­anwälte, Land- und Amtsrichter, 6pe.gallumnivfi.ae, Kreisschulirupektoren, tollbeiolDete Kreisärzte 3000—7200 Mk.; Klasse 40: Vorstände bet Betriebs-, Maichii-en» und 9Bertftäiteninfpettionen usw. 360-7200 WIL; Klaffe 41: Oberreg terungsräle, Regierungsräte, Seminar» direkioren mm. 4200 7200 Mk.; Klasse 42: *£rretteten an Realschulen uiro. 4800—7200 Mk.; Klnffe 43: Gymnasialoiceuoten usw. Ö400—7290 Mr.; Ktofl« 44: Ooerlanbesgerichtsräte usw, 61.00—7200 Mk : Klasse 45: Provinztalichulraie 5<00—7500Btt.; K.aife 46: Poii,ei- präftbenten 60;0—8000 Mk,; Klane 50: Vortragende Räte, OberpräüDialrä'e, Senatspräsidenten, Oberoer- watlungsge' ichtsräte, Oberftantsan välte usw. 7000 biS 11500 Mk.; Klaffe 51: Ministerialdirektoren um». 14000- 17000 Mark Die Klaffe 52 regelt Die Gehälter Der Beamten, Die nicht nach Dien,lat.etsstusen auf« steigen: Professoren, Direktoriaiasästenten, Äuitoben uiw. Klaffe 53 enthält Ecnzelgehälter für zahlreiche Beam:eukategoiien aller Klassen.

Abg. Dr. Schroeder-Kaffel (ntlib.) rechtfertigt das so stark angefochtene Kompromiß über di« Besoldung Oct höheren Beamten,

Aog. Graf v. b. Grocüer (tons.f: Die an dem Kompromiß mterejfierten Beamten werden naturgemäß lagen: Schön ist anders! Aber es ijt immer noch besser; fie erhalten etwas als nichts.

Abg. Schmidt-Atardiirg <Zlr.): Born Etandpmikt der Richter m oa-> Kompromiß aufs tiefste zu beklagen. (Abg. v. Pappenhecm: Ist das eine Kompromißrede V) Run, wenn wir auch durch bas Kompromiß gehindert weiden, Anträge zu stellen, so weroen wir roch Darüber reden und dai über klagen Dürfen. (Lehr richtig! i Z.) Das gebietet mir meine Sire als Volksvertreter! Me Richter sind grimmig enttäuichl, und dieser Entwurf, der den Frieden bringen sollte, wird diese Wirkung nicht habe«. Die Gleichsten u:>g der Richter mit Den Regierung-räten ist nicht erreicht, und das war doch gewiß eine be|d;eiDene Foideiung. Auch Die höhere« y.uioeatmen, be|onoer» Du Bauiuspekcoren, kommen bet Diesem Entwurf zu kurz. An Dem Kompromiß ist vornehmlich bte Stute schulD. (Lech. Beif. i. Ztr ).

Abg. Peltosoh« (fr. Agg.) fordert eine Reo.ston des Beamtenrea,!-,

Avg. Eickhoff (fr. Bp.) sprach seine lebhafte Genug­tuung über uie endliche (gleichitellung der Oberlehrer mit Den Richtern tm GnDgehalt aus.

Abg. Dr. Äeil (utL): Der Kompromißeorichlag fonn Die Richter nicht DefiieDigen, Demi Das Prinzip der GleichfteUuiig der Richter mii Den VerwaUungs- btarnten ist Dadurch wieder Durchbrochen.

Die Gruppe 4 wirb hieraus angenommen mit einem Kompto-vtßantrag, wonach das Durchschnitls- gehaU Der nicht voll be|etilen Kreisärzi« von 3300 auf 3UU0 btlavgeiuyt u>uu. X,iu btoauiaug )ou jeüod) m einer Rejototion auigeforotit werden. Die Neuregelung ihrer Pensions oeihällniffe vorzunehmen. Ferner rourte btt Resolution der Kvu,Mission ueti. Anrechnung Der LiäiärDienstzelt Der höheren Beamten unD bett. Rege­lung Des gesamten Btanuenrechts angenommen.

Damtl ist Die TagesorDnung enchöpft.

amstag :___3totrag auf HufttnUas utig des Abg. Ltebknecht, ~ — --■—«r

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,^d> darf Ihne« sagen", fuhr Miß West fort,’ ..daß sie jcBt eine große Dame ist, daß sie einen Gemahl hat, der sie liebt, und Kinder, auf die jede Mutter stolz wäre. Wenn sie dies jemals erführe, Kate, sie würde verrückt, oder stürbe. Wir haben ihr Geheimnis nun diese langen Jahre her bewahrt — wir müssen es ferner bewahren."

„Armer, lieber kleiner Werner", sagte Kate, mit Tranen ir den Augen.

»Aber er ist doch glücklich und zufrieden", uuwrbrach Maria» schnell, „er hat alles, was er braucht, und ick werde natürlich für ihn sorgen, besser, wie selbst seine Mutter es könnte."

„Eine Mutter in der Welt und am Leben ha­ben, und es nicht zu wissen, sie nie zu sehen, sie nie sprechen zu hören, scheint mir doch sehr hart."

„Er wird sie nicht vermissen, weil er sie nie gekannt hat", versetzte sie. „Es soll ihm an nichts fehlen. Ich will ihn in den Stand setzen, jedem Berufe, den er erwählt, zu folgen; er soll uie in Verlegenheit kommen, und wenn er etwas älter ist, will ich einige Staats-Papiere, die ich habe, zu Gclde machen, und ihm durch meinen Rechts- beistand, dem ich vertrauen kann, eine jährliche Rente von dreiyundert Ptund auswerfen, so daß er sorgenfrei leben kann."

„Ich sche nicht ein, wie das alles noch gehen soll", sagte Kate nachdenklich.

„Wir müssen uns in dieser Beziehung ein wenig auf das Kapitel der Zufälle verlafsen", vcnlfetzte Miß West. „Ich glaube. Sie meinen, die Leute würden neugierig werden, da sie glau­ben, es sei Ihr eigener Sohn, und würden sich verwundern und darüber aufhalten, wie Sie dies und das für ihn leisten könnten?"

,^Ia. das meine ich; sie sprshen schon jetzt darüber, daß ich ihn auf Dr. Cloth's Schule schicke. Mein eigener Sohn ist auch erfl neugierig; er verwundert sich oft, warum Werner das und das bekommt, und er nicht."

Miß West sah ungeduldig auf;

^Fortsetzung folatjj