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ZMaer W Zeitung

36. Jahrgang

Fulda, Samstao den 3». Januar 1909.

M 24.

Arrrttes Wlcrtt

Aur dem Nachbargebiet.

Aus parlamentarischen Kreisen schreibt

tarier».

Gelegenheit, die Volksvertreter zu hören, so ost es

Anzeigen: Die ein­spaltige Petitzeile »de deren Raum 15 pfg Rek'amrndiepetitzeist 25 Pfg., bei wiedev Holungen wird entspr.

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verletze. In das Kapilel .Benetzungen' gehöre auch ein Unfug, der noch nicht bese.tigt worden i't. Rich einer Bestimmung weiden bei Versetzungen von Offi­zieren und Militardeamien die sSmttichen Umzugs- gebührniffe fällig, sobald sich der Versetzte periön- lich an seinem neuen Standort gemeldet habe. Das führe zu Ausnutzungen rote im folgenden Fall: Ein >ehr wohlhabender Militär war von Berlin nach einer kleinen Garnison tm Elsaß verletzt worden. Bon Ber- lrn wollte er sich jedoch nicht trennen. Allo, er ent­schloß sich, den Abschied zu nehmen. Aber warum follle er dem Steuerzahler di« Umzugsgebührniise schenken 'i Flugs begab er sich nach dem neuen Stand­ort. meldete sich hier beim Kommandeur, erschien an­standshalber auf einige Augenblicke im Osfizierkasino und lehrte mit dem Nachlzuge nach Berlin zurück.

Tas mag genügen. Tie angeführten Beispiele zeigen, daß sich im Militäretat mit Leichtigkeit beträchtliche Ersparnisse erzielen lassen, vorausge­setzt, — Laß der gute Wille dazu vorhanden ist.

Sportausrüstung, Hygiene usw. eingeräumt. Ein Hauplkontignent wird natürlich der Motorbau stellen. Zur Füllung der Halle werden dann eventilell Gegenstände aus der Luftschiffahrt ver­wandten Gebieten noch zugelassen. Natürlich wird ein umfangreicher Apparat aufgeboten, um die Ausstellungsbesucher zu unterhalten. Tie Errich­tung eines Maximschen Luft-Karus» s e l s, wie es in England und Amerika einge­führt ist aber bei uns bisher nicht erlaubt war, ist vorgesehen. Dian hofft die Luftbahn des Mar­burger Ingenieurs Leps noch während der Aus­stellung eröffnen zu können, nachdem sich die Be­hörden dafür interessierem Eine Luftschiffgleit­bahn soll den Laien den Genuß des Fliegens mit absoluter Gefahrlosigkeit bieten. Es wird ein Ballonpanorama erstehen und noch andre ähnliche Einrichtungen getroffen, die den Ausstellungs­besuchern zur Unterhaltung dienen. Kinemato- graphislbe Aufnahmen von Ballonreifen und Pro­jektionsvorführungen mit belehrenden Vorträgen werden den Wünschen Wißbegieriger weitergehend Rechnung trägem

* Kassel, 29. Jan. 1909. Das Vermögen der Stadt Kassel wird in dem städtischen VerwaltungSbericht für daS Jahr 1907 auf 65510353,65 M. (im Jahre 1906 dagegen auf 56 841155 Mk.) angegeben. Dem Vermögen stehen 35521503,91 M. (i. V. 31575 961 M.) Schulden gegenüber, und zwar entfallen auf Kassel 32 379 826,13 M. Anleiheschulden, auf WablerShauien 335629,80 M., Kirchditmold 118230 M., Rothenditmold 494 395,92 M. und auf Bettenhausen 128254 M. Darlehen, ferner auf die vier Vororte noch 2065132,06 M. zu­sammengelegte Schulden bei der hiesigen Landes­kreditkasse. Mithin übersteigt daS Vermögen der Schulden der Stadt Kassel noch um 29 988 849,74 Maik.

* Heringen (Werra). 29. Jan. 1909. Im Schacht der Gewerkschaft Heiligenrode ereignete sich über Tag eine Explosion, deren Ursache zurzeit noch nicht bekannt ist. Die Waschkaue ist dabei eingestürzt und der Kamvärter wurde ge­tötet. Zufällig ist es der Jahrestag, an welchem im vorigen Jahre der Bergmann Frank gleichfalls durch Explosion ums Leben kam.

* Jena, 29. Januar 1909. Aus Anlass de. 10" jährigen Wiederkehr deS Geburtstages von Darwin wiid am t2. Februar hier im Volks- Hause eine öffentliche Darwinfeier statt- finden. Tie Festrede hat Dr. Ernst Häckel übernommen. — Der Fälscher der Embryonen» bilder scheint also trotz seiner jüngsten glänzenden Niederlagen noch nach neuen „Lorbeeren" lüstern zu sein.

* Erfurt. 29. Jan. 1909. Der Polizei- serqeant WiOenack, der im Oktober 1908 vom hiesigen Schwurgericht wegen Meineids zu 1 Jahr Zuch'haus verurteilt wurde, ist vom Kaiser ourch Umwandlung der Zuchthausstrafe in eine Gefängnisstrafe von gleicher Dauer begnadigt worden. Die Untersuchungshaft wurde auf die Strase anqerechnet.

* Meiningen, 29. Jan. 1909. Der Herzog von Meiningen hat dem hiesigen Magistrate 1000 Mark zur Beschaffung von Heizmaterial jür Arme überwiegen.

Mon-t-b-llage: „Fuldaer Geschichtrblätter"

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verantw Sedatteurr «<,». schütter

ui Franfjurt, 28. Jan. 1909. In einer V?r- treterverfammlung der vom Verein für Luftschiff­fahrt anfx'raumtei! Versammlung von Interessen­ten der Ausstellung, im Carlton-Hotel, wrack sich der technische Leiter der Ausstellung, Major v. Tschndi, wie folgt aus: Selbst wenn die Aus- stellung nichts vermöchte, als nur ein Bild baren zu geben, wie gcaenwärtig auf dem Gebiete der Lustschii'abrt gearbeitet wird, wieviel unnütze ar­beit geleistet wird, dadurch, daß die einzelnen Konstrukteure nichts von einander wissen und jeder seinen eignen Weg geht, schon dann sei ein großer Zweck erfüllt. Aber nach Sichtung des vorliegend, n Materials müsse gesagt werden, daß die Ausstellung nicht nur zeigen werde, was er­reicht ist. sondern auch was schon in der nächsten Zeit wieder erreicht werden wird. Es sei austal- lend, wieviel Personen sich aktiv an der Zö-de- ruilg der Luftschiffahrt beteiligen. Ten vorliegen­den Anmeldnnoen nach gäbe es allein in Deutsch­land über 36 Konstrukteure von Flugmafchinen. Sicher befänden sich von diesen eine ganze Anzahl auf falschem Fahrwasser. Auch auf dem Gebiet der Motorballonkonstruktion lägen die Verbält-

Veutsches Reich.

Tcr Kaiser im Verkehr mit Parlamen-

worden, daß es ihm weniger darauf ankam, sich von den Parlamentariern überzeugen zu lassen, als vor allem darauf, d i e s e zu überzeugen. Gar mancher Parlamentarier bat schon die Erfahrung im Gespräch mit dem Kaiser gemacht, daß er selbst in einer längeren Unterredung kaum Ge­legenheit finden konnte, seine Ansichten darzu- legen, weil der Monarch das Wort führte. Wir erinnern uns, wie es einmal dem alten K a r - dor ff ging: er wollte mit dem Kaiser über die Kanalvorlage sprechen, kam aber gar nicht zu Worte: der Kaiser sprach % Stunden zu dem alten Parlamentarier über die Vorlage des Kanals und entließ ibn mit dem Rate, daß er nun hoffentlich für den Kanal stimmen werde. Gar mancher Abgeordneter hat es auch erlebt, daß. das Gespräch plötzlich zu Ende war, wenn dem Kaiser eine Ansicht geäußert wurde, die er nicht billiate. Soll nun der Kaiser gezwungen fein, die Mitglieder des Reichstages anzuhören? Wenn dieser Vorschlag die Zustimmung des Kaisers fände, so würde er sich doch kaum einem Zwange fügen, aubören zu müssen, was er aus den steno­graphischen Berichten der Parlamente erfahren kann, wenn er will. Van dem Zentrumsabgeord­neten Tr Lieber wird erzählt, daß er einmal vei einer Festlichkeit vom Kaiser mit den Worten anaeredet worden sei: „Man sieht Sie ja selten", und daß darauf Lieber geantwortet habe: „Das ist nicht meine Schuld, Majestät." Es ist nicht bekannt geworden, daß die offene Konstatierung einer Tatsache dazu beigetragen hat. die'en also vom Kaiser empfundenen Mangel zu beseitigen.

* Ostmärkisches. Wie es mit der vielgerühm- ten Gemeindewablfreiheit in Preußen bestellt ist, beweist ein Fall in L a b a s ch i n , von dem vol- nische Blätter Mitteilung machen. Tart schlossen bei den letzten Wahlen die Juden einen Kompro­miß mit den Polen. Tie Folge davon war, daß in der ersten Klasse ein Pole gewährt wurde. Tie Hakaiisten erbeben Einspruch, und der Krersaus- schuß erklärte die Wahl wegen eines Formfehlers für ungiftig. Tamit war die Gelegenheit aber nicht abgetan. Sogleich nach der Wahl erklärte der Regierungskommissar, daß die Stadt S<ibi- schin wegen ckres unpatriotischen Verhaltens lauae auf die Bewilligung der schon lange in Aussicht gestellten Chaussee werde warten münen. Und w geschah es auch. Bei dem Bau der neuen Chaussee wurde die Stadt Labischiu übergangen. Die Chaussee wurde dafür nach dem Nachbarstädt- chen Zum geleitet. Außerdem wurde dem Juden M>ldman», der für den Polen gestimmt hatte, der Posten eines Eisenbahnspediteurs entzogen, und ein hakatistischer Ersatzmann trat in ferne Rechte. — Wie dem „Tzienn. Bydaoski" gemeldet wird, herrschen in Groß Sonst in Westpr m- ßen eigentümliche Zustande. Tiefe Gemeinde zählt 26 größere und kleinere Bauern, 18 Käth- ner und 40 katholische Einlicmer. Ten Katholiken stehen vier ebaif-elifdie Teutfche gegenüber. Gleichwohl wurde dort eine evangelische Schule gebaut, w-sscke von sage und schreibe, fünf Kin­dern besucht wird. In der ganzen Gemeinde gibt es keinen Polen, der es verdiente, das Amt eines Gemeindevorstehers oder Beisitzers zu bekleiden. Tie Polen welche die Gemeinde wablt. werden nickt bestätigt. So kommt es, daß ein Stellmacher Schulde ist unb daß Beisitzer überhaupt nicht vor­handen sind!

auskommen können und über etnen reichlichen Nachwuchs von jungen Offizieren verfugen, wer- den sicherlich die beiden obigen Regimenter, die beiden reichsten Regimenter, ohne diesen beton­teren Zuschuß leben können.

An den Reisegebührnissen und den Kommandozulagen, namentlich in den höheren Stellungen, könnte beträchtlich gespart werden. Unerfindlich ist es, warum die zum Kriegsmini- sterium kommandierten Offiziere eine besondere Tienstzulage von 900 Mark jährlich erhalten neben allen ihren sonstigen Beziigem Für die an- gestrengte Tätigkeit werden sie schon durch das bevorzugte Avancement, die anregende Beschäf­tigung und den Aufenthalt in Berlin entschädigt. Die Offiziere des Eeneralstabes erhalten keine solche Zulagen, man hat aber nie gehört, daß der Generalstab deshalb Mangel an geeigneten Offi­zieren gehabt hätte. Worin besteht der Unter­schied zwischen diesen beiden Behörden? Dagegen beziehen die im Generalstab kommandierten Offi­ziere der Fußartillerie und der Pioniere wieder besondere Zulagen. Weshalb? — Ties sind nur einige Beispiele, aufs Geratewohl herausgegrif­fen. Sie können mit Leichtigkeit vermehrt wer­den.

Mit den Gefechts- und Schießgel­dern wird in der Truppe oftmals wenig spar­sam umgegangen. Geht das Etatsjahr zu Ende und die überwiesenen Mittel sind noch nicht aufge­braucht, so werden Uebungen angesetzt nur um die Fonds rechtzeitig zu erschöpfen. Dazu sind diese Gelder dock nicht bewilligt. Ersparnisse dür­fen nicht gemacht werden, weil es sich bann ohne weiteres Herausstellen würde, daß die ^Gesechts- und Schießgelder zu hoch bemessen sind. Sie könn­ten aber beträchtlich herabgesetzt werden, nament­lich seitdem die Truppen-Uebungsplätze allgemein eingerichtet sind.

Neu sind 4000 <41 als Zulagen für bie b e rit­te n e n Truppen angesetzt, bei denen Inten- bauturbeamte Reifunterrickt erhalten. Es ist dies doch eigentlich eine wunderbare Sacke, daß für die Benutzung von Dienstpferden, die der Staat von seinem Gelbe kauft und für sein Gelb erhält, noch von Staatswegen eine besondere Vergütung ge­zahlt werden soll. Tie Ration, ist doch sowieso hoch genug bemessen, daß eine besondere Fntterzu- lage für ihre Benutzung nicht erforderlich sein ssollte, und ihre Pflege und Wartung ist ein Teil des Dienstes, für den nicht noch extra bezahlt zu werden brauchte.

Manche der Posten an denen nach unserer An­sicht erhebliche Abstriche gemackt werden könnten, entziehen fick der öffentlichen Besprechung, so die Titel für Festungen, Waffen und Munition, tech­nische Versuche u. bgL Es ist sogar fraalick. ob in den vertraulichen Mitteilungen an die Bnd- getkommifficn genügende und ausführliche Er­läuterungen gegeben werden, obgleich dies wenig­stens dringend zu wünschen wäre. Gerade bei der Höhe der hierfür angeforderten Gelder müßte die größte Vorficht und Sparsamkeit geboten fein.

Ein Fachmann, der Oberstleutnant v. War­tenberg, befaßte sich jünmst in der Breslauer Moraenzeitung mit den möglichen Ersparnissen int Heerwesen. U. a. machte er folgende Vor­schläge:

Eine nach Millionen infjlerbr Ersparnis roüibe erzielt werben, wen» die hoben veranlwoi tuchen Stellen im Heere nur noch mit Generälen besetzt würden, die auf das Bestimmteste erromten lassen, daß sie sie auch aussüllen werden. Fetzt seien diese Steüunacn etgenUtd) nur Durchgangsfialtonen gewesen. Bei jeder neuen Besetzung würden außer der hoben Reise- nnd Umzugsgebübren auch noch die Gebührisisse tüt Olten- tierungsteilen zahlbar, die ihr neuer Inhaber sofort antieien bürte. Biel zu teuer kämen dem SleuercaiUer auch die Gehä'ier der höchsten Stellen tm Heere zu stehen. Noch fchltmmer aber ist daS Mißverhältnis von Leistung und Gegenleistung in den höchsten mi i- täriscken Hosstellungen. Der General-lidj itant des Kaisers set womöglich noch besser als komman­dierender General gestellt. Der Reichstag tolle wenig­stens nachdrück.ich aus einet sta-ken Kürmna ihrer Reiseaebührnisi e der höchsten militärischen Stellen bestehen. Viel würde auch gespart werden, wenn der Planlosigkeit gesteuert würde, mit der das preußische Militär-Kabinett Otfiiere und Gene-Sie aus einer Garnison in die andere

vermischtes.

* Die meisten Esel. Aus Wiesbaden wird dem ,B. geschrieben: Wie neueste Statistik nach­weist, versügt die Stadt Wiesbaden über mehr als achthundert <S|el, die der Tierschutzverem an Stelle der Zughunde als Zugtiere eingesührt hat. Ritt dieser Zahl ist Wiesbaden Vie elselreichfte Stadt in ganz Deutschland geworden, denn leine andere deutsche Stadt besitzt einen fo hohen Prozentsatz an diesen Tieren.

*2« protestantische Stadtfhnode von Berlin hat sich entschlossen, einen Katholiken und einen Juden auf Zahlung der protestantischen Kir­chensteuer zu verklagen. Tie bejben waren irrtümlicherweise zu ben protestantischen Kirchen­steuern veranlagt worben unb hatten in der An­nahme, man werbe nach Aufklärung des Sach­verhaltes sclbstverstänblich von ihnen bie Gelder nicht Haden wollen, keinen Einspruch eingelegt. Rach Ablauf der Einspruchsfrist find sie indes zur Zahlung der Steuer herangezogen worden, sodaß es jetzt zu einem Prozeß kommt.

* Dorum prüfe, wer sich ewig bindet. Ern junger japanischer Edelmann verliebte sich in Lon­don in eine hübsche Witwe und heiratete -re. Darob gewaltiges Hallob zu Hause beim Herrn Papa, denn der junge Ehemann war nut einer kaiserlichen Prinzessin so gut wie versprochen. Aber 'nan gab die Hoffnung noch nicht aur. Wah- renb sie in London blieb, mußte er nach Ostaiien kommen, wo ihm Papa den Standpunkt klar machte, bie Ehe kurzerhand trennen ließ unb ihn feierlid? mit der Prinzessin Verlobte. Ein eng­lisches Sensationsblatt kam dahinter, schlug Lärm, in Japan roarbe man aufmerksam und der Krach war da. Der Mikado erbebte vor Zorn, verbannte den treulosen Ehemann und die beiden hier in betracht kommenden Damen suchen sich nun einen anderen Ehemann und Bräutigam.

* Italien ist sonst das Ziel der Reifenden aller Welt. In diesem Jahre aber kommen aus ganz Italien, auch aus den Städten, die vom Erd­beben völlig verschont geblieben sind, Klagen über den recht spärlichen Fremdenbesuch. Natürlich ist die Furcht vor der Wiederkehr von Erschütterungen wohl mit Schuld, aber es kom­men auch bie knappen Zeiten hinzu, die nicht etwa nur im deutschen Reiche, sondern überall yi finden sind.

X Ersparnisse. ;

Die Budgetkommission des Reichstages ist bei , ihrer Vorberatung des Etats noch nicht zu dem ; entscheidenden Punkte, wo man mit der Sparsam­keit ansetzen kann, gekommen; aber schon zeigt es sich, daß die Absicht, wenigstens ein wenig den Sparsamen zu spielen, auf allen selten ^besteht. Wenn man doch da sparen wollte, wo e» allem , einen guten Erfolg haben kann: bei den großen USoften des Heeresetats! , , :

Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes hat bei der ersten Lesung des Etats mit großer Be­friedigung darauf hingewiesen, daß der diesrah- riqe Militäretat sich verringert habe. Tie Tat­sache selbst ist richtig. Bei näherer Betrachtung verliert sie aber doch erheblich an Wert., Zunachsl sind die fortlaufenden Ausgaben auch in diesem Jahr wieder und zwar für Preußen um rund 5V> Millionen gestiegen. Tas ist also eine er­neute Belastung, mit der für alle Zukunft ge­rechnet werden muß. Dem gegenüber kommt eine Verminderung der einmaligen Ausgaben in Höhe von 30—35 Millionen weniger in Betracht. Letztere verlangen zu ihrer Verzinsung nur etwa li/, Millionen, während der obige Mehrbetrag an laufenden Ausgaben einem Kapital von etwa 130—140 Millionen Mark entspricht.

Außerdem ist zu befürchten, daß es bei ben einmaligen Ausgaben auch heißt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und daß in ^en nächsten Sag­ten nachgeholt wird, was jetzt >u gedrungen auf- gegeben werden mußte. Es wird die Aufgabe unseres Parlamentes sein, da ein wachsames Auge zu haben.

Viel wichtiger wäre es gewesen, wenn die fortlaufenden Ausgaben herabgesetzt wor­den wären. Und in vielen Fällen wäre dies auch möglich gewesen. Ohne in alle Einzelheiten ein- zugehen, mögen nur folgende, besonders aus­fallende Ausgaben erwähnt werden, die wir zum Teil schon früher moniert haben: Wozu bienen die Kommandanten in den offenen Städ­ten? — Sie könnten ohne weiteres fortfallen, ihre Geschäfte, die lediglich in der Regelung des Gar­nison- unb Wochtbienstes bestehen, von bem rang- ältesten Offizier bes Stanbortes mitverseheu wer- ben. Wozu in Berlin ein Gouverneur unb Ober- fommanbicrenber in ben Marken im Range eines Feldmarschalls und daneben noch eht Komman­dant? Daß die Armeeinspekteure, bie im Frie­den gar keine Truppen kommandieren, reine Ruheposten mit hohem Gehalte haben, dürfte all­gemein bekannt fein.

Daß der Gouverneur in Berlin 36000 Mk., der General-Inspekteur der Kavallerie 26000 Mk., der der Fußartillerie 19000 Mk. au Wohnungsgeldentschäbigung erhält, dürfte selbst bei ben Berliner Mietspreisen reichlich hoch be­messen sein. Als Privatleute bürften bie In- Haber dieser Stellen schwerlich so viel Miete aus- geben und bie Repräsentation, bie sie ausüben, ist nicht so groß, daß die Ausgabe solcher Summen gerechtfertigt fein würde.

An der Zahl der Rationen ließe sich bei den höheren Offizieren beträchtlich,sparen, wenig­stens dürften sie nur fo viele Rationen erhalten, als sie wirklich Plerde besitzen, wie es in ben unteren Stellen schon eingesübrt ist. Eine Aus- aabhing in Geld müßte vollständig ausgeschlossen sein. Dielen Generalkommandos sind Selbstfah­rer gestellt. Man hat aber nichts davon gehört, daß dafür Rationen in Fortfall gekommen sind, was doch eine logische Folge sein müßte. Wem der Staat ein Auto hält, der braucht nicht da­neben noch 8 Pferde zu besitzew Welcher komman- dirende General hält sich wohl wirklich 8 Pferde?

An Tage -und Reisegeldern, nament- sich bei den höheren Chargen, könnte erheblich ge­spart werden. So ließen sich noch eine Menge Punkte anführen. Ohne wesentliche Schwierig­keiten würde es möglich sein, den Etat um die 5 Millionen, um die die laufenden Ausgaben ge­stiegen sind, wieder zu verringern und zwar, ohne daß die Kriegstüchtigkeit des Heeres darunter litte.

Eine gänzlich unnötige Einrichtung ist das Lehr-Jnfanterre-Vataillow Es.ist ein Ueberbleibsel aus alter Zeit, das heute seine Daseinsberechtigung verloren hat., Es war ur- sprüng/ch gegründet, damit die Linie eine Ver­tretung in Berlin hätte, wo sonst nur die Garde ihren. Standort hatte. Dieser Grund ist natür­lich offiziell nie zugegeben worden. Dafür wird aber angeführt, das $a;airfon sei erforderlich, um die Gleichmäßigkeit der Ausbildung in der ganzen Armee herbeizuführen und Neuerungen zu pro­bieren. Ersteres ist nicht mehr erforderlich. Tie gleichartigen Reglements und Vorschriften sorgen schon für bie notwendige Uebcreinftimmung, der Paradedrill bat seinen Wert vollkommen verloren.

3Par3ette" tn Suliuu „Illustrierte §onntag;zeitung"

nisse ähnlich, doch seien in Anbetracht der baut erforderlichen großen Barmittel kaum mehr aJ3 ein Dutzend ernst zu nebmenber Konstrukteure in Deutschland. Tie bis jetzt für die Ausstellung gewonnenen vier Motorballons werben nach etn- anber auf steigen. Darunter sei auch der P a r s e- valsche Ballon. Die Beschaffung der not­wendigen Ballonhallen werde keine Schwieriz- keiten bereiten, da sich bereits eine ganze Anzahl Firmen mit der Konstruktion und dem Bau sol­cher .Hallen befassen. Ta die Hallen nickt ständig in Frankfurt bleiben sollen, sondern nach Beendi­gung der Ausstellung abzubrecken sind, um an­derwärts ausgestellt zu werden, so könne von Me- man: Ter kürzlich gemachte Vorschlag, daß der tallkonstrnktionen abgegeben werden. Außer die- ■ rt.u« r-"- üraftifdjeit Vorführungen wird die Anstel­

lung eine ganze Anzahl von Modellen aufftdlen, deren Zahl umfo größer sein wird, weil die Aus­stellung für solche Modelle keine Platzmiete be- rechnet. Um das Gebiet der Luftschisfahrt mog- lichst erschövfend darzustellen, wird in zehn Grup- pen ausgestellt werden. Darunter wird die M i- litärluftfckiffahrt vielleicht den größten Raum einnehmen. Andere Gruppen sind der Optik, der Photographie, besonders der Fern- ' hör hrnfiffnipn SFpIprtrnnhip brr

Für die Schießausbildung im besonderen ist die Sckießschule mit ihren Stammtruppen und den Lehrgängen, für bie Gymnastik bie Militärturn- anftalt vorhanden. Auch die Kavallerie und Ar­tillerie besitzen keine besonderen Lehrkörper für den Ererzierdrill, jene hat nur die Reitschule, diese nut die Schießschulen. Unb Neuerungen in 1 dem Ererzier- unb Gefecktsdienst können ebenso _ . _ . . _.

gut bei jebem anderen Truppenkörper ausoro- ( Kaiser öfters mit den Abgeordneien der ver'ckie- biert werden. In seiner jetzigen Formation ist densten Parteien verkehren möge, scheint kaum >das Lehr-Jnfanterie-Bataillon völlig unnötig, also ausführbar, einmal hat der Kaiser jetzt schon 'fort mit dieser Institution! Gelegenheit, die Volksvertreter zu hören, so oft es

Tas 1 Garderegiment zu Fuß unb das ihm beliebt. In den ersten Jahren seiner Regie- Reaiment Gardedukorps erhalten für die runc- besuchte er sehr häufig die parlamentarischen Offiziere besondere Tisch- und Kleibergelder von Abende beim Reichskanzler, sowohl zu Bismarcks recht beträchtlicher Höhe. Mss welcher Berechtig-1 Zeiten, wie in den ersten Jahren des „neuen 'mg? Warum sollen gerade diele Truppenteile! Kurses". Ter Kaiser nahm dabei Gelegenheit, ^besser gestellt werden als die anderen? Wenn Gesi-räcke mit Parlamentariern zu suchen. $abet ..., - -

xmbere Ossuierkorps ohne diese Zuwendungen ' ist allerdings recht häufig der Eindruck gewonnen. Photographie, der drahtlosen Telegraphie, der