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Maer

36. JahrgMsi

Fulda, Donnerstaa den 28. Januar 1909.

M 22.

des Besitzes.

)( Hebet die Beschäftigung von Schul­kindern in gewerblichen und landwirtschaftlichen Betrieben finden gegenwärtig in verschiedenen Kreisen der Monarchie wieder Erhebungen statt. Es handelt sich dabei um Feststellungen, wie die Bestimmungen der KinderschutzgefttzeS

Man sieht aus solchen und ähnlichen Aus- laffungen, daß die Strömungen der letzten Monate noch keineswegs überwunden sind. Wer indeffen dem monarchischen Prinzip aus Ueberzeugunq und um des Gewissens willen anhängt, der läßt sich n-cht durch gelegentliche Schwierigkeiten irremachen in seiner Anhänglichkeit an den Träger der Krone. Und wer in ernster Sachlichkeit, ohne Eigensinn und Eigennutz, den Auseinandersetzungen vor zwei Monaten prüfend und wägend ge- olgt ist, der wird nicht wankend geworden ein in seiner Verehrung für die edle Pers­önlichkeit des regierenden Herrn und in seiner Dankbarkeit für den großen Segen, der in den 2 Jahrzehnten seiner Regierung und der unablässigen Verwertung seiner glänzenden Gabe» und Kräfte zum allgemeinen Wohle hervorgegangen ist. Wohl dem Lande, wo die Krone über den Par­teien steht und die Person des Monarchen dem Staub und Dunst der parteipolitischen Arena entrückt ist! Wir haben es bedauert, wenn zu Anfang der Regierung Wilhelms II., vor 20 Jahren, vorlaute und kurzsichtige Leute von einem „Kartei Ikaiser* sprachen, und die weitere Ent­wickelung in den neunziger Jahren und in den Anfang des Jahrhunderts hinein hat ja tatsäch- lich mit aller Deutlichkeit erwiesen, daß die kraft­volle Persönlichkeit des Kaisers sich nicht in das Prokrustesbett des damaligen Kartellgedankens zwängen ließ. Wir bedauern es, wenn jetzt wieder von einem „Blockkaiser" geiprochen wird. Mag auch die gegenwärtige Politik deS Fürsten Bülow die Genehmigung des Monarchen finden, so gibt dieser Umstand doch keineswegs die Berechtigung, auf den Monarchen selbst die Verantwortlichkeit zu schieben, die nur die Minister zu tragen haben, und die Person des Monarchen gleichsam festzulegen auf ein System, das zeitweilig unter den wechselnden Hilfsmitteln der Politik eine Stelle gefunden hat.

Was Werner sich hauptsächlich nicht erklären konnte war ein gewisses Gefühl des Nicht-an- semem-Platz-Seins, das er in sich selbst mit Be­zug auf sein Leben und seine Umgebung vorkand, ein merkwürdiges, Inhaltes Gefühl, als ob er nicht dazu gehöre. Er besaß eine äußerst zarÄ uick> lebhafte Natur und Sinnesart;, seine Mut­ter und sein Bruder lagen beständig damit in Widerstreit. Sie waren so grundverschieden von ihm, daß das Kind sie nicht bester verstand, als eine Taube die Gepflogenheiten junger und alter Habichte verstehen würde. Was ihnen als großer Spaß und große Ergötzung erschien, war ihm un­erträglich ordinär: was ihnen gefiel, ging tn bet Regel ganz gegen seinen Geschmack. Er liebte Bücher, Musik, Bilder — alles was gut, glanzens und fein war; sie legten auf alles dies keinen sonderlichen Wert. Er hatte bereits große Fort- schritte im Griechischen und Lateinischen gemacht. In allen Unterrichtsfächern, in den klassischen Studien Geschichte. Geographie, Sprachen, er­klärte Dr. Clotb ihn für seinen tüchfigsten Schu­ler. In seinem dreizehnten Jahre wußte ep mehr als dir meisten jungen Leute mit achtzehn.

Die Natur hat wunderliche Launen. Diesem Knaben — dessen Augen nie beim Anblick eines Mutter-Antlitzes freudig geleuchtet, dessen Locken nie von Mutterhand kosend gestreichelt worden, der, obwohl er es nicht wußte, heimatlos, freund- los. namenlos war — hatte sie die reichste und köstlichste aller Gaben verliehen, eine Dichter- scele.

Werner Jefferies war dieses wunderbare Ge­schenk, Genius genannt, geworden, das den, der es besitzt, so gänzlich von der Welt scheidet, daß er nicht mebr dazu zu gehören scheint. Es gab fein Blatt, keine Blume, die nicht ihren besondrrn Reiz und Zauber für ihn gehabt hätte. Der nächtliche Mond, die sttahlende Sonne, die blin­kenden Sterne, die murmelnden Bächlein, der kühle grüne Waldesschatten, der tauige Morgen, das herrliche Abendrot — alles rührte und ergriff ihn, wie es Dichter ergreift und begeistert, er-

ter den rund 30 höheren Stellen nur drei oder vier mit Katholiken besetzt. Im Reichsamt des Innern sind unter 39 Stellen nur fünf mit Ka­tholiken besetzt und das hat seinerzeit schon der „Tägl. Rundschau" genügt, dem Grafen Posa- irowsky den Vorwurf zu machen, er kathottstere fein Amt. Im Reichsschatzamt ist kein einziger Katholik in der Stellung des Vortragenden Rates. Das Reichspostamt hat ein halbes Dutzend leiten- der Stellen und darunter ist nur eine mit einem Katholiken besetzt. Diesen hat man gerade in der letzten Zeit bei jeder Beförderung übergangen. 'Inter sämtlichen 41 Oberpostdirektoren ist em Katholik: 59 Postreferendare hat man angenom­men, aber kein Katholik ist unter ihnen. Im Kriegsministerium sind unter den 100 leitenden Stellen zwei mit Katholiken besetzt. So wie in diesen Aemtern sieht es bei einer ganzen Reihe von anderen aus und nicht besser in den Nach­geordneten Instanzen.

Alle Achtung vor dem, was Fürst Bulow in den 8 Jahren seiner Kanzlerschaft mit seinem „ernstlichen Bemühen", die Katholiken bei der Besetzung höherer Aemter „entsprechend zu berück- sichtigen", bisher zu Wege gebracht hat!

Die „Neister Ztg." hat die Verhältnisse in der Provinz Schlesien, die überwiegend katholisch ist, untersucht und kommt zu folgendem Ergeb­nis:

„Wir sprechen nicht von der Besetzung des Ober« Präsidiums der Provinz Schlesien seit 100 Jahren. Es ist dem Herrn Professor unbekannt, daß die Regierungs» Präsidien der Provinz seit dem Bestehen der setziaen Organisation, d. h. seit 1817, mit Ausnahme des vier- zebntäaigen Regiments des Herrn Reaierungsprästdenien Pohl mit keinem einzigen kalholiichen Remerungs- prändenten besetzt gewesen sind? Schlesien zählt unter fernen fünf Millionen Einwohnern 56 Proz. Katholiken. Die Geiamteinwohnersehaft wird von 63 Landrälen verwaltet. Davon entfallen 23 auf den Regierunqs- beurk Breslau. Kein einziger von ihnen ift katho­lisch. Der Regierungsbezirk Liegnitz zählt 19 Landräle. Kein einziger von ihnen ist katholisch. Der Regie­rungsbezirk Oppeln bat 21 Landräte. Zwei von ihnen sind katholisch. Summa: Schlesien zählt 61 evange- liscke und 2 katholische Landräte. Wie es mit den Regierungsräten in Breslau, Liegnitz und Oppeln ausichaut, das zu untersuchen, wäre ja ebenfalls sehr interessant.

Nicht.Worte, Herr Reichskanzler, Taten!

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Mch-nb-u-e«:Wtittfe Sonntagrzeitung"

Deutsches Reich.

** Berlin, 27. Jan. 1909. Die gesamte Arbeilerveriicherungs-Geietzgebung ein­schließlich der Relikienversorgunq liegt jetzt m einem einheitlichen Werk vor und soll noch vor Ostern veiöstenllicht werden.

□ Der Kaisersgeburtstag wurde am Mittwoch in Berlin wie im Reiche und im Auslände in üb­licher Weise begangen. Morgens 9 Uhr nahm der Kaiser die Glückwünsche der kaiserlichen Familie entgegen, hierauf die Gratulationen des engeren Hofes und anschließend daran die der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und der übrigen anwesenden Fürstlichkeiten. Aus Anlaß seines 50. Geburtstages hat der Kaiser eine große Reihe von Ordensauszeichnungen und andere Gnadenbeweise ausgehen lassen. So erhielt u. a. den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub Minister des Innern v. Moltke, den Kronenorden 1. Klasse der Chef des Militärkabi-

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ö Fürst Bülow und die Parität.

Im Schlesischen Pastoralblatt ist bekanntlich Fürst Bülow herausgestrichen worden, weil er „ernstlich bemüht" sei, „in den ihm unterstellten Ressorts mi: größtem Nachdruck dahin zu wirken, daß bei der Besetzung höherer Aemter/die Katholiken entsprechend »berück­sichtigt würden."

Schön. Sehen wir einmal zu, welchen Erfolg bis jetzt dieses „ernstliche Bemühen" gehabt hat. Nehmen wir zunächst das preußische Staats- ministerrum: In diesem befindet sich auch nicht ein einziger Katholik, selbst im Kulturkampf hielt Fürst Bismarck darauf, daß er in neutralen Aemtern einen Katholiken hatte (im Landwirtschaftsministerium Lucius, , im Eisen- bahnministerinni Maybach). Heute ist auch der letzte Katholik aus dem Ministerium verschwillt- den. Unter allen 11 Oberpräsidenten ist nur einer katholisch. Wie oft schon wechselten un­ter Bülow die Minister und Oberpräsidenten: aber Katholiken sind bisher nicht angekommen. In allen acht Reichsämtern sitzt nur ein Katho­lik: Herr Nieberding im Reichsjustizamt und der war schon in seinem Amte, als Bülow kam. Der katholische Frhr. v. Stengel ist einem gewissen furor geopfert worden: ebenso der den Katholiken wohlwollende Graf Posadowsky. Gehen wir die einzelnen Refforts durch so sieht man erst recht, wie selten dort Katholiken sind. In der dem Reichskanzler selbst unterstellten Reichskanzlei findet sich in allen höheren Stellen auch nicht ci n Katholik. Im Auswärtigen Amte sind un-

Ernst und Konrad Borsig in Tegel bei Berlin auf. Zu Mitgliedern dos Herrenhauses auf Le- denszeit wurden berufen Legationsrat a. D. Graf Hermann v. Arnim-Muskau, Staatsminister Frei- Herr v. Thielmann, Geh. Regierungsrat Dr. v. Böttinger-Elberfeld und Geh. Kommerzienrat Dr. Jng. Karl Delius in Aachen. Den Charakter als Wirkt. Geh. Rat mit dem Prädikat Ercellenz er- hielten Graf Wilhelm von und zu Hoensbroech, Pros. Dr. Adolf Wagner zu Berlin, Geh. Kom­merzienrat Ernst v. Mendelssohn-Bartholdi.

Bon den Festgrüßen, die dem Kaiser aus Anlaß seines Geburtstages gebracht wurden, ist beson- )ers bei in einer Sonderausgabe des Mtlttar- wochenblattes enthaltene Festartikel bemerkens­wert. Es wird darin auf die ernste Zeit, tn der wir leben, hingewiesen und versichert, daß unbe­irrt und in unerschütterlicher Treue die Armee zu ihrem allerhöchsten Kriegsherrn stehe, dem sie heute das Gelübde des Fahneneides erneuere, zu dem sie in vollstem Vertrauen emporschaue.

* Der Kaiser und der Reichskanzler. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet hocherfreut: „Dre Kaiser nahm am Dienstag vormittag einen längeren Vortrag des Reichskanzlers entgegen. Der Reichskanzler wurde heute vom König von Sachsen und vom König von Württem­berg empfangen. Der Großherzog von Baden empfing Dienstag den Reichskanzler in Audienz. Prinz Ludwig von Bayern stattete heute dem Reichskanzler einen Besuch ab."

-5- Der Mehrbedarf für die Besoldungs» reform der Beamten nach den Kommifsions- befchlüssen der verstärkten Budgetkommission des Abgeordnetenhauses beträgt, nach den im Finanz- Ministerium angestellten Berechnungen insgesamt 15500870 Mk. Er verteilt sich wie folgt: Eigentliche Besoldungsreform 11563170 Mark, anderweitige Anrechnung der Diät arbeit für die höheren Beamten 700000 Mk., vermehrte An­rechnung von Militärdienstzeit 3 237 700 Mk.

4- Professor Adolf Harnack, der Theologe, ist unter die Steuerpolitiker gegangen. Er ver­öffentlicht in der ,Deutschen Revue' einen vom Verleger auch an die Zeitungen versandten Ar- titel, worin er ausführt, daß die Nachlaß­steuer vom sozial-ethischen Gesichtspunkte eine besonders empfehlenswerte Steuer fei. Sio erinnere an die besonderen Pfiichten des nicht selbst erworbenen Kapitals und sie bringe an dem richtigen Punkte das hohe Gut, welches dre Gesellschaft an dem Rechtsstaate besitzt, zu« Ausdruck. Die Erben fallen daran erinnert werden, daß sie überhaupt nur erben können, weil sie unter dem Schutze des Rechtsstaates stehen, der den ruhigen und sicheren Uebergang des Vermögens aus einer Hand in die andere allein ermöglicht; sie fällten es daher für billig erachten, daß sich der Staat für diesen Dienst tu angemessener Weise entschädige. — Diese Ge­sichtspunkte bergen gewiß einen wahren Kern in sich, werden aber niemanden über die Unan­nehmlichkeiten der Nachlaßsteuer zu trösten ver­mögen. Wir sind gewiß her Ansicht, daß der Besitz in entsprechendem Maße zu den Reichs­ausgaben beizusteuern habe, wir betrachten aber die Nachlaßsteuer in der vorliegenden Form nicht als den geeigneten Weg für die Heranziehung

18.] AuS dem Englischen von K. v. Raesfeld.

„Ich wüßte nicht, daß der Aelteste überhaupt ein Recht hat", sagte Mrs. Jefferies.

„O, wohl hat er das, gewiß! Die ältesten Söhne von all diesen alten Königen folgten auf aem Throne. Wenn Du stürbest, so gehörte mir alles hier im Hause. Ich müßte von allem das Erste und Beste haben, statt dessen aber ist cs immer Werner; man sollte glauben, Werner wäre ein Edelmann und ich sein Knecht!"

,O Jack, wie unwahr, wie ungerecht", und das 'Mutterherz regte sich bei dieser Klage. „Tu weißt, ich habe Dich am liebsten!"

„Das mußt Du auch. Weißt Du, Dr. Cloth tagte neulich selbst: Merkwürdig, Werner ist so «anz anders wie die anderen Jungens."

-So, daz sagte Dr. Cloth wirklich?" fragte D»rs^ Jefferies und ihr Gesicht wurde rot.

„•vsa, sicher, aber das sagte er leise zu einem andern Lehrer. Walk toeifet Du, in der Spiel- Paule, ich sollre es nicht hören, aber ich hab' es roch wohl gehört, hä?" Und Jack lachte bei der Erinnerung an sein gelungenes Horchen und fuhr und die andern nennen ihn „Gentleman veffetieS", weil er so vornehme Ma- nicrcn hat. Warum bin ich nicht so wie er, Mut­ter?

„Ich weiß es nicht Woft hat jeden anders er­schaffen;^ es toare nicht gut, wenn alle einander gleich waren, Jack.

„Neulich, «IS wir zur Kirche gingen", erzählte tocitct, „begegneten toir Squire Sßt)nQ(irb mit seiner Frau; er blieb stehen und sprach uns an. Tu wirst mal ein tüchtiger Metzger, mein Kleiner, sagte er zu mir, und seine Frau'lachte. Sie klopfte Werner auf den Kopf. „Dieser Kleine bier muß ein Dichter oder Maler sein", sagte sie leise zu ihm. „sieb' ihn nur an!" Nun sieh, Mut- ter. ich glaube nicht, daß es recht ist, den einen Lungen Metzger und den andern Maler zu nen­

nen. Warum sehe ich nicht auch wie ein Maler aus?" , „

„Ich weiß es nicht", versetzte die verwirrte Mutter. „Du fragst mich zu viel, Jack."

„Nicht", fuhr der freimütige Jüngling in fei­nem Gedankengange fort, „daß ich von Dichtern und Malern auch nur etwas mehr halte, wie von Königen; ich würde ihnen allen zusammen die Köpfe abschiagen."

„Jack. Jack, Du mußt nicht so sprechen; Du machst mir sehr viel Verdruß!"

Alsdann beaab Meister Jack sich hinaus, um Werner aufzusuchen, der draußen im Garten saß und las, und um feinem bedrückten Gemüt durch eine Reihe wohlgeziclter Püffe und Knüffe gegen den Jüngeren Lust zu machen.

„Ich schlage mich nicht wieder mit Dir", sagte Werner schließlich, auch in Hitze geratend, „weil ich Mutter versprochen habe, ich wollte es nicht wieder tun; aber wenn Tu mich jetzt nicht gleich ir Ruhe läßt, so gehe ick und verlange mein Ver- sprechen zurück, und dann sollst Du sehen —"

Meister Jack, der borlängft erst in einem brü­derlichen Zweikampf üble Erfahrungen gemacht, hielt es für das Klügste, feine Tätlichkeiten ein­zustellen.

„Ich kriege auch eine neue Weltgeschichte, ge­rade so gut wie Tu, Tu Schwänzler. Tu sollst letzt nicht länger bei allem der Erste sein, Mutter hat's gefagr."

Werner nahm fein Buch und ging schweigend fort. Es war nicht das erste Mal, daß ihm das Herz weh getan über irgend ein unbedachtes Wort bei Mutter, das Jack ihm sorgfältig wieder hin­terbracht. Er machte sich selbst später Vorwürfe darüber, sagte sich, daß seine Mutter immer freundlich und gut gegen ihn sei, und doch hatte er das sichere Gefühl, daß sie Jack vorzog.

Gewiß, er hatte alles, was er verlangte; nie­mals wurde ihm etwas abgeschlagen; aber des Abends hatte er gemerkt, daß, wenn seine Mut- ter sie zu Bett gebracht und sie beide geküßt hatte.

□ Fürst und Volk.

Der Geburtstag deS Kaisers wird alljährlich von der Preffe in Leitartikeln gewürdigt. In dftsem Jahre haben die Artikel einen etwas 'eigenen Ton. Ueberall wird an die Ereignisse erinnert, die sich im Anschluß an die Jnterview- Affaire abfpidle« und das Verhältnis zwischen Fürst und Volk einer prüfenden Erörterung unterzogen. , „ v

Die sozialdemokratische Presse läßt den Geburtstag des Kaisers wie jeden andern Tag vorübergeben. Das eine oder andere Blatt schwinat sich vielleicht gar zu zornigen Angriffen auf. Die übrige Presse der Linken streicht die gloriose Haliung deS Freisinns bei den Vor­gängen im November heraus. In Ermangelung anderer sreihettlicher „Taten" feiert der Freisinn diele Kundgebungen als speziell freisinnige Heldentaten. Die ,Freis. Ztg/, das führende Blatt der linksliberale« FraktionSgemeinschast, wirft sich in die Brust, seht mal, waS wir fertig gebracht haben:

„Ob man maßt nicht das Richtige treffen mag, wenn man sich den«, dem Kaiser muffe damals urige- 'ätzr so -« Mute gewesen fein, als würde mit einem Mal ein Vorbang weggewgen, hinter dem sich bisher Unbekannter und Ungeahntes verborgen hatte? AIS tue sich eine neue Wett vor ihm auf?" Und weiter: „Sailer und Bott sind sich mit allen Ansprachen und allem Hurrageschrei von der andern Seite noch me so nabe gekommen wie in diesen letzten Wochen der Zurückhaltung und des Schweigens von beiden Seiten/

AuS einem ««deren freisinnigen Blatt, dem „Tageblatt", kliugt eS etwas anders:

„Am nächsten liegt uns heute der Wunsch, daß das wechselseitige Vertrauen zwischen Kaiser und Volk, das einet so schweren Probe ausgesetzt war, wieder znrükkkehre. Ohne den festen gegenseitigen Glauben ok Kaisers an daS Volk und des. Volkes zu semem

> sassungsmäßigen Führer verlieren wir ein Element nationaler Kraft, werden wir nicht stark nach innen und nicht kraflvost nach außen sein. Möge das Fest, das der Kaiser Henle feiert, zum Symbol des gelieferten Verständnisses gedeihen."

Das Blatt ist aber wenig von der Erfüllung üeier Hoffnung überzeugt, denn direkt hinter dem Kaijerariikel folgt em Artikel über die „Wünsche des Volkes", der als Motto die Worte Trägers trägt: „Die Kronrechte werden am besten da­durch gesichert, daß man ein zufriedenes Volk schafft und noch unerfüllte Zusagen einlöst." Das klingt wenistens begeisternd.

Die konservative Preffe vergreist sich teilweise arg tut Ton. Der ,Reichsbote^ z. B. vergleicht die Kritik, die am Kaiser geübt wurde mit dem Attentat auf Kaiser Wilhelm I.! Eine ruhigere Auffaffung verrät die »Deutsche Tages­zeitung'. Sie lagt:

„Das, waS im trüben Herbste unsere Herzen niederdrückte, liegt hinter uns und soll hinter uns oleibtn. Der Kaiser hat versprochen, daß er die »er« sasiungsmäßige Verantwortlichkeit wahren werde; und er hat bewiesen, daß er gewillt und entschloffen ist, dieses sein Versprechen zu halten. „Freimütige und ehrerbietige Kritik tut aber der echten, eingewurzelten Königstreu« feinen Abbruch."

Sogar die „Post', das sreikonservative Fraktionsblatt, steht sich unter dem Eindruck der Novembertage veranlaßt, zu sagen:

„ES ist anzunehmen, bei der Kaiser auf das letzte dedeuiungsvolle Jahr mit t efstem Ernst zurückblickt und datz die Wüniche und Hoffnungen, die das Volk ,ur die Zukunft hegt, in ihm den etsrigsten Förderer finöen werden. Irrtümer, die der Tatkraft eines Menschen entspringen, verzeiht man gern, denn der Mann der Tat ift stets geliebt."

netts Generalleutnant Frhr. v. Lyncker. Den Kronencrden 2. Klasse Prinz Wilhelm zu Löwen- stein-Wertheim-Freudenberg. Der erbliche Adel wurde verliehen dem Minister Breitenbach, dem Präsidenten des Reichsmrlitärgerichts, General der Infanterie Linde. Von den übrigen zahl­reichen Personen, die den erblichen Adel noch er­hielten, fallen besonders die Kommerzienräte später noch oft zurückkehrte, sich über Jack beugte und ihn immer wieder küßte.

Wenn Jack sich weh getan, tote zärtlich nahm sie ihn nicht in den Arm, legte feinen Kopf an ihr- Brust und tröstete ihn. Wenn er, Werner, sich weh getan oder Schmerzen hatte, fo war sie gegen ibn fo freundlich und gut wie nur möglich; aber die Berührung war anders, der Kuß war anders. Alles war eine ganz andere Sache. — „Mutter", sagte Jack eines Tages, „haben totr immer in Ferrylüll gewohnt? Harry Smith jagt, wir wären jetzt sechs Jahre hier."

„Er hat Siecht", sagte Mrs. Jefferies ruhtg.

, Sänger find wir noch nicht hier."

„Wo haben wir denn gewohnt, ehe toir hier­hin kamen?"

Sie wollte fchon antworten, als tbr plötzlich ein Gedanke fam,’ der ihr das Wort auf den Lip­pen festbamfte.

„Du bist zu neugierig, Jack. Deine immer- währende Fragerei gefällt mir gar nicht."

„Was schadet das denn? Alle Jungens wißen wo sie gewohnt haben. Warum sollte ich's nicht?" Aber über diesen Punkt waren Kate's Lippen berschlossen, und ibr Sohn hörte trotz vieler Fra­gen nichts, was seine Neugier darüber hätte be­friedigen können.

9. Kapitel.

Eia geheimnisvoller Besuch,

Die Jahre gingen dahin, und die Knaben, noch immer auf der schule, wuchsen schnell heran. Nichts konnte scheinbar einfacher, gewöhnlicher, prosaischer sein, wie ihr ruhig dahin fließendes Leben, und doch barg es für beide gewissermaßen romantische Gesichtspunkte. Was Jack sich hauvt- sächlich nicht erklären konnte, war, warum wohl seine Mutter nie von der Vergangenheit zu plau­dern geneigt schien, warum sie ihm niemals etwas über den Orr. wo sie früher gewohnt hatte, iagie, und warum er in jeder Beziehung seinem schönen und begabten Bruder wohl so unähnlich sei.

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