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Monakbeüage: „5llldaer Geschichtsblatter"

Fulda, Mittwoch den 20. JaMar 1909.

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36. Jahrgang

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Deutscher Reichstag

Sitzung vom 19. Januar 1909.

Der Gesetzentwurf betr. den Handelsvertrag mit ßrr Republik Salvador wird ohne Debatte ange­nommen. — Es folgt die Fortsetzung der zweiten Bl ratung des

Wer zuletzt lacht, lacht am besten, nur das eine will ich Dir noch sagen: ich werde auf der Lauer liegen. Falls etwas dabei herauszubekommen ist, so mache ich eine Wette gegen sämtliche Londoner Geheimpolizisten, das, ich es auch herausbekonrme. Ich weiß zu warten — sie nicht."

Und damit rauschte Mrs. Wayne von dan­nen, und mit eineni Seufzer der Erleichterung, daß diese ihm so unbehagliche Unterhaltung vor­bei, nalmi ihr Gemahl seine unterbrochene Zei­tungs-Lektüre wieder aus. —

Während ihre Gäste sich so unterhielten, machte Lady Evelyn Wayne die Runde durch das präch­tige Heim, worin sie jetzt Herrin und Königin lvar. Ihre Ueberraschung und ihr Entzücken kannten keine Grenzen. Die königliche Pracht der Gemächer, mit ihren Kunstschätzen, namentlich den zahlreichen Gemälden, — die große Gemälde- Galerie an und für sich hatte nur wenige ihres Gleichen in England überhaupt — riß sie hin.

Dort ,in langer Reihe, hingen die Porträts der Waynes, Frauen, bekannt wegen ihrer Schön- heit, Männer, bekannter noch durch den Ruhm, der sich an ihren Namen geknöpft. Dort, zuletzt von allen, hing auch das Porträt von Mortimer Lord Wahne. Das hübsche, edle Gesicht blitzte strahlend aus dein breiten, kostbaren Rahmen; daneben war eine freie Stelle. Lord Wayne blickte hin und lächelte.

„Weißt Du, wofür der Platz da noch frei ist?" fragte er

„Nein," versetzte sie.

„Für mein Weib," sagte er, sie an sich drü­ckend. „Weißt Du, Evelyn, vor zwei Jahren kam ich regelmäßig hierher, betrachtete den Fleck und dachte, ab wohl jemals ein liebes Gesicht neben mir hängen wurde, ob ich wohl je ein weibliches Wesen fände, welches ich lieben und heiraten konnte. Ich dachte dann an alle Gesichter, die ich Fannie, und versuchte, mir eins davon hier zwi­schen vorzustellen, aber keins gefiel mir. Ich sah kein Gesicht, das ich lieben konnte, bis ich Deins gesehen."

«rschrdü »glich»« Husnal|me der $«<m* »md Feiertage, viertel- jährlich« verogrpre« ohne vringerloh« und veftellgeldinzulda so­wie atuwarts 1.50 M.

verantw. Redakteur» Carl Schütter

Sie erhob die schönen Augen zu ihm.

„Bin ich Deine erste Liebe, Mortimer?" fragte sie; „hast Du Dich nie um irgend eine andere gekümmert?"

„Nie!" versetzte er. „Meine Ideen darüber sind eigentümlich — vielleicht wirst Du sie für überspannt halten — aber ich glaube nur an eine Liebe, und dos ist die erste. Es gibt keine an­dere, keine wahre und wirkliche; es ist unmöglich. Die erste Liebe absorbiert die ganze Romantik, die Hingabe, das Ideale, sowohl beim Mann, wie bei der Frau. Und deshalb schätze ich Deine Liebe gerade so hoch, Evelyn."

Ihre Wimpern hatten sich langsam wieder ge­senkt und das Lächeln, das ihre Lippen umspielte erstarb ganz langsam.

Er beachtete es nicht, sondern fuhr begeistert fort: „Du hast nie einen anderen geliebt, dir Du mich gesehen. Ich weiß das, mein Liebling i Ich würde Dich nie gebeten haben, wein We-b zu werden; würde Dich nie so verehren, wie ich es jetzt tue, wenn ich nicht die feste Ueüerzeugung hätte. — Nun, denke ich, haben wir alles gesehen, waS sehenswert ist; wir find schon über drei Stunden daran: und doch bist Du rwch nicht ein­mal im westlichen Flügel gewesen; wir müssen das auf morgen verschieben. Du siehst so blaß au?, - Herzlieb — habe ich Dich ermüdet ?"

„Stein," flüsterte die süße Stimme. „Ich bin nicht müde, aber es ist spät; Marian wollte um drei Uhr hier fein."

„Es ist letzt fast drei." sagte Lord Wayne. „Wir wollen auf die Terrasse hinuntergehen, um zu sehen, ob nWs von dem Wagen zu entdecken. Run, lächle, Evelyn, und hab wieder diesen lieb­lichen, rosigen Schimmer. Wo ist er jetzt hin? Ich wünsche, daß Marian sieht, daß ich gut für Dich gesorgt habe."

„Sie wird nicht umhin fonuen, das anzuerken­nen," sagte die junge Frau, mit sehnsüchtigem Ausdruck sich an den starken Arm ihres Gemahls hängend' „Marian wird es gleich sehen, wie gut Tu mit mir gewesen bist." (Forts, folgt.)

gierung unterstützen und fördern muffen. Leider ist es bent Kultusminister noch nicht gelungen, seine angegriffene Gesundheit wieder herzustellen. Der König hat sich nicht entschließen können, daS Rücktritts, gesuch des Ministers anzunehmen. Sollte die Wieder- Herstellung seiner Gesundheit bis zum Krühjahr nicht erfolgt fern, so wird eine Neubesetzung de» Kultus- Ministeriums stattfinden. Was meine Ansicht über die Stellung de» Monarchen betrifft, so habe uh keine Ver- anlaffuilg, meine im Reichstag dargelegte Auffassung und mein Verhalten zu rechtfertige». Ich halte e» für die Pflicht de» Reichskanzler», den Trä- ger der Krone zu decken. Dieser Pflicht habe ich mich niemals entzogen. Ich habe früher tm Reichs­tage erklärt, daß, wenn ich die Verantwortung für Aeutzerrmgen des Monarchen nicht vertreten könne, ich um meine Entlassung bitten würde. Settdem habe ich alles getan, um den Träger der Krone vor Mißdeu­tungen zu schützen. Als der Artikel im „Daily Tele­graph" erschien, habe ich nicht gezögert, die Schuld auf mich zu nehmen. Ich habe dafür Sorge zu tragen, daß nicht ein Zwiespalt entsteht zwischen dem Träger der Krone und dem Bolk. Ich habe dafür zu sorgen, daß die Krone nicht auf» Spiel gesetzt wird. Jeder ehrliche Monarchist muß aner­kennen, daß ich in den schweren Novembertagen als Royalist in llebereinstimmung mit dem Ministe­rium gehandelt habe. In dem Vertrauen zwischen Fürst und Volk beruht unsere Zukunft. Der Vorwurf, daß die Regierung nicht energisch gegen die So­zialdemokratie vorgeht, ist unbegründet. Die Versuche zur Bekämpfung der Sozialdemokratie sind gescheitert an der lweinigkeit der bürgerlichen Par. teien. Ein Vorgehen mit gesetzgeberischen und poli» zeilichen Mitteln ist kein Allheilmittel. Vor allem muß die Regierung in ihrem Kampf gegen die Sozial« demokrati: unterstützt werden. 'Dazu gehört auch, daß die bürgerlichen Parteien Maß halten in der Kritik der Regierung. Jnbezug auf die schuldige Treue und Ehrfurcht gegen den Thron ist in den letz­ten zwei Jahrzehnten furchtbar gesündigt worden. Lei­der ist zu beobachten, daß Genußsucht und Fri­volität besonders in den oberen Ständen zugenom­men haben. Wir wollen beginnen, wieder emfach zu leben, damit die Söhne erhalten, waS die Väter er­worben haben. (Beifall.)

Abg. Herold (Ztr.): Der Reichskanzler hat zu- nächst auf die Sparsamkeit hingewiesen. Wir stimmen mit ihm überein, wenn er sagt, daß die Schlagfertig­keit des Landes nicht in Frage gestellt werden darf. Tas ist der Standpunkt, den die Zentrumspartei seit Jahren mit aller Entschiedenheit vertreten hat. (Beifall im Zentrum.) Der Abg. Wiemer und auch der Reichs, kanzlet find auf den Fall Schücking eingegangen. Ich will zugeben, daß nranche Aeußcrungen der Bro­schüre besser unterblieben wären. Aber ob c5 klug war, ein Disziplinarverfahren einzuleiten, möchte ich bezweifeln. Der Reichskanzler hat gesagt, daß die Beamten die vom Kaiser gebilligte Politik unterstütze» müßten Auffallend ist, daß der Reichskanzler von einer Billigung der Politik durch den Kaiser gespro­chen hat, wir haben es unter allen Umstanden nur zu tun mit der Politik der Staatsregierung und nie­mals mit der Politik Sr. Majestät des Kai» se rs. (Sehr wahr! im Zentrum.) Wenn der Ver­treter der Staatsregierung von einer Politik des Kai­sers spricht, dann können und werden sich solche De« batten wiederholen, wie wir sie im Reichstage gehabt Haden. Tie Verantwortung trägt unter allen Um­ständen — und der Reichskanzler hat das ja auch be­tont — die Regierung. Wenn man daS Ansehen der Krone Hochhalten will, daß sie hocherhaben dasteht, dann darf man nicht von einer Polittk Sr. Majestät de» Kaisers sprechen. (Sehr wahr! im Zentrum.) End­lich hat der Reichskanzler die Parteien aufgerufen zum Kampfe gegen die Sozialdemokra­ten. Dann hätte der Kanzler sich sagen solle», daß es nnklug war, wie die Sozialdemokratie, so die Part ei zubekämpfen, die st etSdas stärk ste Bollwerk war gegen den Umsturz (Stürm. Bravo im Ztr.) und die Mahnung, die er an die Parteien gerichtet hat, sollte der Herr Reichskanzler zunächst an sich sel­ber richten. Uebertriebene Kritik wollen wir nicht an den Handlungen der Regierung üben. Tann möge sie aber auch nicht ihrerseits eine übertriebene Kritik an den Parteien üben, welche nach bestem Wissen und Können für die Interessen de» Vaterland«» eintreten und sich in dieser Beziehung von niemanden, auch nicht von der Staatsregierung, übertreffen lassen. (Leb-

Justizetats.

Abg. Kämpf (fr. Vp.) wünscht eine internationale Verständigung über das Wechselrecht.

Staatssekretär Dr. Nieberding erllätt, eine Ein­ladung zu einer internationalen Konferenz darüber liege vor.

Abg. Jungk (natl) führt aus: Die Tarissvertrags- frage muß auf pttvattechtttcher Grundlage geregelt tu erben. Wir fordern dringend eine Entlastung des Reichsgerichts und wünschen einen ReichsgerlchtShos zur Entscheidung von Kompetenzkonflikte».

Staatssekretär Dr. Rieberdiug erklärt, er werde Vir Regelung der Tarifverträge sei» eifriges Interesse 'zuwenden.

, Abg. Dr. Müller-Meiningen (frs. Vp.) freut sich- daß die erste Mocksrucht, der Gesetzentwurf über d.e Majestätsbeleidigung, einen erhebliche» Rückgang dieser Prozesse im Gefolge gehabt habe. Das Jnftttut der Staatsanwaltschaft bedürfe dringend der Reform. In manche» Eittlichkeitsprozessen seien künstlerisch« Sach­verständige nicht zu entbehren. Möge daS Jahr 1909 cer Wendepunkt fern in der Entwickelung unserer Rechtspflege.

Abg. v. Dzirmbowski-Pomian (Pole) protestiert • dagegen, daß das Reichsjustizamt das Enteignungs- Gesetz zugelassen habe.

... Al»S Dr. Frank (Eoz.) führt Klage über die Klaffen- und erklärt gegenüber der soeben im Abge- Srdnetenhause gehaltenen Rede des Reichskanzlers, Menn der Reichskanzler zu Ausnahmebestimmungen Hegen die Sozialdemokratie bereit sei, nun, die Sozial- Ibemokratie fei bereit zu frischem fröhlichen Kampf«.

. Dr. Fassender sZtr.) gebt auf einige Punkte ‘£eL$hnberfd)u6eä tin- Zu der Tätigkeit der Vereine Müsse em stärkerer Schutz durch dir Gssetzgebunq hrn- » »kommen. Die bestehenden Gesetze genügen nicht, um dte Kinder vor Ausbeutung zu schütze» ober grausame Mißhandlung von Kindern genügend zu bestrafen. Das Strafmaß für wiederholte und gewohnheitsmäßige Mißhandlung müsse erhöht werden. Die Notwendigkeit des Antrages müßte bcfeitigt werden. Mit der Reform ter Strafgesetzgebung auf dem Gebiet des Kinder­schutzes dürfe nicht gewartet werden bkS zur große» Meform des Strafgesetzbuches.

Abg. Werner (Rp.) verlangt ein Dlsziplinarver- jahren gegen den Geheimrat Hamann, gegen den neu- Ji* der Borwurf des Ehebruchs und des Meineids krhoben worden ist.

Abg. Göring (Ztr.j wünscht, daß die Befangenen» j arbeit noch mehr eingeschränkt werde, als bisher.

Staatssekretär Rieberding sagt weitgehende Be- ' rücksichttgung deS Wunsches zu.

Abg. Heckscher (frs. Vgg.) beschäftigt sich eingehend jmtt der Frage der Jugendgerichtshöfe und fordert eine l»enderung des Gesetzes für Abzahlungsgeschäfte.

Abg. Dr. Marcour iZtr.) verlangt die Aeuderung T einer Bestimmung des Urheberrechtes, die zu Slreitig- :feiten zwischen Schriftstellern und Redaktionen Veran- -laffung gegeben hat.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird das Gehalt des Eiaalsjekrelärs bereinigt, ebenso mit einigen von der Kommission beschlossenen Abstrichen der Rest des Etats.

Die Novelle »um Wechselftempelsteuergesetz reiib in zweiter Lesung angenommen. — Endlich rottb der Ge­setzentwurf betr. die Preisnoticrung nach Lebendgewicht in dritter Lesung debatteios nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen.

Mittwoch: Antrag Albrecht (Soz.) betr die Rechtsverhältnisse des Gesindes und der landwirt­schaftlichen At beiter.

Preutzischer Landtag.

Aßgesrdneteahans.

Sitzung vom 19. Januar 1909.

DaS HauS setzte heute die erste Lesung deS

Etat»

fort Zunächst sprach

Abg. Dr. Wiemer (frf. Vp.): Der Etat weist Fehl­beträge auf allen Gebieten. Trotzdem scheint Der Finanzministeretwas Schwarzmalerei getrieben zu Haven, um Stimmung für die »tuen Steuern zu machen. Die Unsicherheit in den Finanzen rührt von den enormen Schwankungen in den Einnahmen der Eisenvichnverwattung her. An der jetzigen schlechten allgemeinen wirtschaftlichen Lage hat die Zollpolitik ihr gut Teil Schuld. Für die RcichSfinanzref orm treten auch wir ein. Wenn die Erklärung des Abg. v. Pappenheim, daß feine Freunde gegen die Nachlaß­steuer seien, auch für die Konservaiiven im Reichstag Geltung haben, so würde dadurch die Aussicht aus ein Zustandekommen der Reichssinanzreform auf ein Minimum reduziert Wir halten die Heranziehung der direkten Steuer» zu den Sofie» des Reiches für durchaus erforderlich. Die Behandlung des Bürgermeisters Schücking durch den Regierungs­präsidenten von Schleswig ist ein unerhörter Eingriff m die staatsbürgerliche Gleichberechtigung, eine Ein­schränkung der Selbstverwaltung. (Stürm. Widerspruch rechts.) Schücking wurde einem Disziplinarverfahren unterworfen, weil er liberale Anschauungen bekundet hatte. (Widerspruch rechts.) Das ist und bleibt Tat­sache, und wer das leugnet, will die Aufmerksamkeit von der Hauptsache abziehen. Die Neujahrs-An­sprache des Kaisers gilt uns nicht als eine politische Willenskundgebung des Monarchen; wir bedauern, daß wir Generale haben, die so wenig verschwiegen sind, daß sie solche Ausführungen des Kaisers veröffentlichen. Auch in Preußen verlangen rett den Ausbau Der kon­stitutionellen Einrichtungen. Wie stehl's mit der Wahl­rechtsreform? l Beifall links, -fischen rechts.>

Ministerpräsident Fürst v. Bülow: Mit der Schaf- fung neuer Einnahmcguellen ist unsere Aufgabe für die Gesundung der finanziellen Verhältnisse nicht er­schöpft; ein Haupterfordernis bleibt dir Rückkehr zur altgewohnten Sparsamkeit. Gewiß, für die Grundlagen unserer Wohlfahrt und Größe, unserer Macht und Sicherheit, für Heer und Flotte ist das Beste gerade gut genug. Wir können und dürfen nicht sparen auf Kosten unserer Schlagfertigkeit und den i Frieden des Landes. Aber auch in der Militär­verwaltung gibt es noch Gelegenheit genug zu sparen. (Sehr richtig!) Die Parlamente tragen auch Schuld an der finanziellen Misere, in die mir hinein geraten sind. (Sehr wahr!) Sie müsse» aufhören, immer auf neue Ausgaben zu drängen, mit um sich bei den Wählern lieb Kind zu machen. Der Herr Abg. von Pappenheim hat gestern sehr nachdrück­lich Stellung genommen gegen die Äachlaßsteuer. Wir haben Steuern nötig, die in erster Linie den Besitz treffen. Wirkönnen in unserer gegen­wärtigen Notlage an der Nachlaßsteuer nicht vor übergehen. Gegen die Reichsver- mogenssteuer erheben sich Bedenken staatsrechtlicher Natur. Eine weitere Erhöhung der Matrikularbei- träge ist ebenfalls äußerst schwierig für Preußen, noch mehr für die kleinen Bundesstaaten. Bei der Nach- laßstcner soll nicht schematisch vorgegangen werden. Den befonberen Verhältnissen soll Rechnung getragen werben. Für die Lanbwirischaft finb besondere Vergünstigungen vorgesehen. lieber das preußische Wahlrecht kann ich gegenwärttg nicht mehr sagen, als in der Thronrede angegeben ist. Dem Fall Schücking kommt eine symtomatische Bedeutung nicht zu. Solange ich Ministerpräsident bin, wird kein liberaler Beamter wegen seiner politischen Gesinnung zur Rechenschaft gezogen werden. Selbstverständlich muß der Beamte denjenigen Takt zeigen, den seine Stcllimg erfordert. Natürlich darf dcr Beamte sich nicht zur Sozialdemokratie bekennen. Ebenso ver­langen wir von einem Beamten, daß er keine gehäs- sige Kriktik an den staatlichen Einrichtungen übt. (Sehr richtig! rechts.) Ich lehne jede Einwirkung auf das Verhältnis zwischen Beamten und Vorgesetzten ab. Das ist Sache des Vorgesetzten. Hier entscheidet allein die Staatsraison. Für die Haltung der Be­amten ist der Erlaß des Fürsten Bismarck noch in Geltung, in dem es heißt, daß sie die Politik der Re­

Roman aus dem Engiifchen von K. v. R a e s s e l d j[U. Fortsetzung.) -------

._®r lah einigermaßen erleichtert aus. „Nichts Schlimmeres, als ein Geheimnis? Nun gut, mLr' bringt Dich auf diese Idee? r. m<^ bei uns, unter den Linden,

als ich Mortimer erzählte, Lady Beverley habe die untrüglich« Warnung gehört. Sie verstand es nicht, und ,ch erzablte ihr den Inhalt der Le­igende."

„Nun?" sagte ihr Mann, als sie eine große Kunstpause machte

„Wenn mir jemand diese Geschichte so ganz unverhofft erzählt hätte, so wäre ich vielleicht etwas ungläubig, etwas beeinflußt, und ganz gewiß fehr interessiert gewesen; ganz sicher aber nicht ängstlich und erschrocken."

„So? Lady Wayne war erschrocken?" fragte er

„Das war sie ganz ohne Frage; ihr Gesicht wurde ganz blaß vor Furcht, und obschon sie sich große Mühe gab, konnte sie ihre Fassung nicht wieder gewinnen. Nun — teilnahmsvoll wie ich mir zu fein schmeichle — stellte ich mir diese Frage: Weshalb sollte Lady Wayne sich fürch­ten? Wenn ihr Leben so klar ist wie ein Bäch­lein int Mitlagssonnenstrahl — wenn sie nichts zu verbergen, nichts zu befürchten hat — warum sollte sic sich fürchten, wenn so etwas erzählt wird?"

„Es kann ganz einfach Nervosität und lieber- reizung gewesen {ein," sagte er nachdenklich.

„Unsinn, Algy. Zch weiß, was Furcht ist, und ick fach es in ihrem Gesichte. Ich irre mich nicht, eS war blasse Furcht, Todesangst, und feine Nervosität oder dergleichen. Ich sage Dir, Lady Wayne hat ein gewisses Etwas in ihrem Leben." i „Gut, zugegÄerr das," sagte er; und was, 'glaubst Du, ist dies gewisse Etwas?"

haste» Bravo! im Zentrum.) WaS bi« Nachlaß, neuer anlaugt, so ist sie «ine starke Zumutung an bi« Bevötterung. Der Herr Finanzminister ist mit aller Ensschiederchest gegen eine duotifierung der Steuer». Ich teile diese Auffassung, wie ich ja schon früher wie» berhoü bargelegt habe. Sie würde zu einer Steigerung der Steuern fuhren und der Minister HAte kein In­teresse mehr daran, sparsam zu fein. Hier sollen nur nun aber eine Quotisierung vornehmen, indem wir nachträglich ei» entstandenes Desiztt durch steuern decken. Der Minister Hai an die Mitglieder diese» Hause», bU gleichzeitig bem Reichstag angehören, de» Appell gerichtet, die neue» Steuer» zu bewilligen und sich einverstanden zu erklären, die gestundeten Matri- kularbeiträge auf das Reich zu übernehmen. Einen Anspruch daraus haben die Einzelstaaten nicht., weil die Maitikulatbeiiräge eben nur gestundet wor­den sind und wenn sich die Emzelstaaten in schwieriger Lage befinden, so ist da» beim Reiche auch der Fall. Der Minister meint, man soll nicht die Freude am Reich verderben. Wenn aber ba$ Reich so große um­fangreiche Steuern bewilligt — und die übernomme­nen Maitikulatbeiitäge muffe» doch durch Steuern ge­deckt werden — so wird dadurch die Freude am Reich eß nicht erhöht- (Sehr richtig! im Zentrum.) Wün- swert ist e» allerdings, die Ausgaben de» Reiche» nach Möglichkeit auch durch eigene Einnahmen zu de­cken, aber wir stehen auf dem Standpunkt, daß, wenn zur Deckung de» Reichsbedatfes direkte Steuern heran- gezogen werden sollen, dieses in bet Form der Ma- ttÜufaruinlcgen geschehe» muß. (Sehr richtig! int Zentrum.) Wir wünschen nicht, baß direkte Einkom­men- ober Vermögenssteuern durch oaS Reich erhoben werben. Die Nachlaßsteuer» sind in ihrer Wir- hing dasselbe, wie die direkten Steuern. (Seht richtig! im Zentrum.) Wir haben uns gegen sie auch ’ auS weiteren prinzipiellen Gründen ausgesprochen, und wenn bet Reichskanzler barauf hingewtesen hat, daß gerade die Nachlaßsteuer zur Durchführung gelangen müsse, so können wir diese seine Auffassung nicht tei­len. (Bravo! im Zentrum.) Der Reichskanzler Hai darauf hinge-mejen, daß er selbst früher gegen Die Nachlaßsteuer gewesen sei, und hat gemeint, die gel­ten hätten sich geändert. Nicht die Zeiten haben sich ge­ändert, sondern die Verso neu. (Seht richttg! im Zentrum.) Die Verhältnisse liegen noch genau so, tote vor einigen Iahten. Wit halten fest an dem» waS wir einmal als richtig erkannt Ha­den, und wechseln unsere Ansicht nicht von einem Tage zum andern, ie nachdem die politische Konstellaiion fich gestal­tet. (Seht richtig! im Zentrum.) WaS den Etat tür 1909 anlangt, jo ist auch dielet außerorbemich in-aim- stig. Unseren staatlichenUnternehmungen verbleibt dieAus- gabt, regulierend in die Verhältnisse ein äugtet fett. In guten Zeilen sollte» sie sparsam fein mit Baute» usre. Die Bedürfnisse der Zukunft kann man vorausfehen und bei Ausbruch der Stift» kann mit der Ausführung dieser Projekte begonnen werben. (Sehr richtig! tm Zentr.) Nun hat der Herr v. Zedlitz voraefchlage», man müsse eine» allgemeinen Durchschallt festsetzen für die Bednrsniffe der Eisenbahnen. DaS klingt so ein­fach, kann aber in der Praxis nicht durchgeführt werden. Man muß sich eben auf die Erfahrungen der letzten Jahre stützen, in den guten Jahren zurück- hatten und tu den schlechten Jahren von den guten zehren. Unsere Einkommensteuer» deweifen, daß unsere Verhältnisse noch gesund sind. Man muß stch aber fragen, ob die Steuern erhöht werden fonn.en, weil die Einkommen schärfer herangezogen worben find. Leider muß sestaestellt werden, daß das Land viel höher eingeschüht wurde, und zwar auf Kosten des eigenen Verzehrs. Das ist grunbfalfth. (Sehr richtig im Zentr.) Ich beklage eS, daß man die Saud- bevölferung unter diesen Ausnahme - Modus stellt. Man unterschätzt die lanbreirtschastlicheu Erzeugnisse und die Bestrebungen zu Gunsten der Entschädigung werden zu schände» gemacht durch derartige Besteue­rungen. Ich möchte daher den Henn Finanzminister bitten, feint Behörden dahin anjuroeifen, daß sie zum Besten des Ganzen von einem solchen Vorgehen ab­stehen. Dann hat der Herr Abg. Wiemer darauf hin- gewiefe», daß unsere Zollpolitik schuld fei an dem wirtschaftlichen Niedergange. Das bringt man immer vor. Aber hätten wir unsere Zölle nicht für Landwirt­schaft und Industrie, so wäre die Krisis noch viel größer. Im übrigen scheinen feine Angriffe bem Herrn Kollegen nicht so ganz von Herzen gekommen zu fein, denn er hat einen so freudigen Blick in die Zukunft geworfen, und wenn man dazu imftande ist.

„Das ist die Frage," versetzte sie mit großer Lebhaftigkeit. „Ein Weib kann hundert Geheim­nisse und darüber in ihrem Leben haben, die nie- mand errät. Sie mag des Geldes willen gehei­ratet und viellei^ all die Zeit einen andern ge­liebt haben, der tot ist; oder, wie ich vorhin sagte, es ist vielleicht ein noch dunkleres Geheimnis — vielleicht eins, was Derne Nachfolge sichert."

„Das sollst Du mir nicht noch einmal sagen!" rief er leise, aber zornig. „Wie Du nur der­gleichen von ihr sagen kannst, das verstehe ich nicht. Sie ist fo jung — ein reines Kind."

„Sic ist vierundzwanzig," erwiderte Mrs. Wayne scharf, „obwohl — das gebe ich zu — sie nicht älter wie achtzehn aussieht."

„Daun mußt Du die Abgeschmacktheit Deinss Verdachts doch einsehen. Vierundzwanzig; sie hat noch keine Zeit zu irgend einem großen Ge­heimnisse gehabt, Bella."

„Du wirst sehen. Noch etwas ist mir ausge­fallen. Sie hat in eine der ältesten Familien Eng­lands geheiratet; hat alles, was ihr Herz nur verlangen kann; ihre Schwester, die einzige Ver­wandte, die sie zu haben scheint, kommt hierher uni) bleibt bei ihnen. Man sollte natürlicher- weise doch annehmen, ihr Herz fließe über von Glück; und doch, gestern Abend, — sie war kaum drei Minuten allein gewesen, und ich ging zu ihr ins Gefellschastsziimner — stand sie in ganz niedergeschlagener Haltung da, und die Augen standen ihr voll Tränen. Wieder fragte ich mich, was wohl der Gegenstand ihrer einsamen Ge­danken gewesen, der ihr Tränen entlockt?"

Da aber lachte Algernon Wayne laut aus.

„Vielleicht war es gerade der Gedanke an ihr Uebermaß von Glück! Du Scharfsinnigste aller Scharfsinnigen! Haft Du denn nie gehört, daß gerade sehr zarte, gefühlvolle, verfeinerte Na­turen —"

„Rede keinen Unsinn, Algy," unterbrach ihn sein Weib ungeduldig. „Ihr Männer besitzt al­les, nur keinen gefunden Menschenverstand. Ich werde fetzt kein Wort mehr darüber verlieren.

MaerM Zeitung

3.Ä«Äa. wochenkilage:„IllustrierteSonntagyeltung"