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Maer W Zeitung

z.pa^ll«"inMda. Wochenbeilage: „illustrierte Somtagrzeitung"

Fulda, Samstag den 16. Januar 1909.

JMS 12.

Zweites Wlcrtt

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36. Jahrgang

△ Neber die Bedeutung von Deutsch-Südweftairik».

Als wir seinerzeit Deutsch-Südwestaslika

kischer Pfund zu zahlen. Brei war das nicht, wenn die Schilderungen Les wirtschaftlichen Wer­tes von Bosnien und der Herzegowina auch nur entfernt richtig find. Aber die türkische Regie- rung schien mit Recht der Ansicht zu sein, daß 2% Millionn immer noch mehr als gar nichts und immer noch besser als ein verlorener Krieg mit einer nachträglichen hohenKriegsentschädigung sei. Trotzdem also die Deutfchenfeinde aller Länder aerade üt den letzten Tagen alle Hebel in Be­wegung setzten, um eine friedliche Verständigung unmöglich zu machen, hat die Türkei sich doch zur Annahme dieses österreichischen Vorschlages ent­schlossen. Nach außen hin wird es freilich so dar* gestellt, als weiche die Türkei damit nur einem Zwange, der sich aus den trostlosen wirtschaft­lichen Verhältnisien Kleinasiens — Hungersnot, Räuberunwesen usw. — ergebe. Es müsse auf jeden Fall Geld beschafft werden. So richtig diese düstere Schilderung der Zustände sein mag, so unrichtig ist es, wnn man darin die einzige Ur- fache dieses Nachgebens sieht. Das kleintürkische Regiment will Äen keinen Krieg, weil es weiß, daß der günstigste Ausgang eines Krieges für die Türkei immer einen großen Verlust bedeuten muß.

Im Vordergründe der internationalen Vor­gänge stand dieses Mal zur Abwechselung wieder einmal Persien. Die Kämpfe dort sind wie­der sehr hartnäckig. Die Gesnmtheit der von dort zusammenlaufenden Nachrichten läßt aber den Schluß zu, daß diese Kämpfe wiederum im In­teresse des Auslandes ausgefochten werden. Der Schah und die Perser schlagen sich, und der Russe macht die Musik dazu. Rußland verfolgt mit unerbittlicher Zähigkeit seinen Plan, der Erobe­rung des gesäurten Nordpersiens weiter. In der Provinz Asherbaidschan ist auf die Weigerung des Schahs hin, die Verfassung wieder Herzustel­ten, eine allgemeine Revolution ausgebrochen, wo­bei einer der kriegerischen Stämme des Landes die Hauptstadt Täbris, die sich noch nicht von den Folgen der Kämpfe vor einem Vierteljahre er­holen konnte, besetzt hat. Jetzt bat der Schah wieder größere Truppeninassen in Bewegung ge­setzt, sodaß die gegenwärtigen Kämpfe eine sehr scharfe Fortsetzung finden müssen. Während man nun im Innern Persiens aufeinanderschlägt, ver­handelt Rußland mit England über die Schritte, die nunmehr zu unternehmen sein würden. Es hat in London angefragt, ob man in eine Be­setzung der Provinz Asherbaidschan durch türkische Truppen eintreten dürfe. England, das natür­lich über seine vermeintlichen Rechte in Persien eifersüchtig wacht, will das nicht zugeben, bevor sich ihm eine Veranlassung bietet, Truppen in die englischen „Interessen-Sphäre" in Persien ein­rücken zu lassen. Jetzt verhandeln beide über ein gemeinschaftliches ober wenigstens ein gleichzei­tiges Dazwischeng reifen. Das wird wohl eines Tages dazu tühr«:, daß der Schah, der die klem- sten Kronrechte so erbittert gegenüber seinem Volke verteidigt, seiner gesinnten Rechte durch Rußland und England braubt werden wird.

warben, da haben die maßoebenden Faktoren sich offenbar von dem Gedanken leiten lassen: alles zu nehmen, was nur irgendwie zu erreichen sei, damit die „Austeilung des Erdballes" für Deutschland nicht zu hüb beendet lei.

gnädig verhüllten, was in diesem irdischen Jam- merkt le den Körper zeitweilig oder dauernd ver­unstaltet. Der Verkehr der Menschen unter ein­ander wäre ein ewiges Aergernis und eine wahre Qual, wenn ich fortwährend alle leiblichen Ge­brechen des Nebenmenschen betrachten und meine eigenen Gebrechen seinem Auge unterbreiten müßte. Grausame Enttäuschung ringsum! Die Wirklichkeit entspricht nicht dem Ideal: wenn wir unserer Umgebung die Kleider abrifien, so würden wir meistens das Gefühl haben, in ein Lazarett geraten zu sein.

Das Gesicht lassen die Kulturvölker unver­hüllt. Das ist wiederum sehr vernünftig. Denn das Gesicht ist der Spiegel der Seele. Wenn ich mich mit einem Menschen unterhalte, so will ich sein AuM sehen und sein Mienenspiel. Darin erkenne ich sein Denken und Fühlen, das hilft zu der Berührung unter den Geistern. Aber wes­halb soll ich die Warzen, Muttermale, Pickeln, Runzeln, Narben und sonstige Mängel an seinem Körper beobachten? Das würde auf unseren Ge­dankenaustausch nur'störend und niederdrückend wirken.

Die Kleidung verhüllt, was fremde Augen nicht zu sehen brauchen. Deshalb darf man die Kleiditng noch nicht als ein Hilfsmittel der Un- Wahrhaftigkeit bezeichnen. Denn wenn ich etwas verschweige, so ist das noch keine Lüge. Es gibt freilich auch lügnerische Toilettenkünste, die in hinterlistiger Weise den Zuschauern Vorzüge vor- spiegeln sollen, die gar nicht da sind. Solche Be­trügereien sind den Koketten und den Stutzern Vorbehalten. Der vernünftige Mensch versö^näht die Maskerade, teils ans Ehrlichkeit und teils aus der Erkenntnis, daß auch die Toilettenlügen nur sehr kurze Beine haben. Er begnügt sich da­mit, seine äußere Erscheinung sauber und mög­lichst nett zu erhalten.

Ja, darf man denn auf das Nette Wert legen? Ist das nicht auch ein Täuschungsversuch? O nein! Wer hat denn ein Anrecht darauf oder wer wünscht es auch nur vernünftiger Weise, daß ich ihm mit ungekämmtem Haar oder in Hemds­ärmeln oder in Filzpantoffeln gegenüber trete? Wenn ich mich bemühe einen anaenebmen Sin*

und mehr Rindern zu halten vermögen, sind keine Auswanderer, sie sind Großunternehmer, Großspekulanten. Daß sich 10000 Leute in dieser Vermögenslage zu einer Auswanderung in eine derart unwirtliche Gegend bereitsinden taffen werden, ist einstweilen noch nicht anzu­nehmen. Sollte eS aber der Fall fein, so würde ihr Wohlergehen sicherlich niemals die un­geheuren Opfer rechtfertigen, die wir für diese Kolonie gebracht haben. _____

frfdfdnt täglich mit Ausnahme der So.m- «nd Feiertage Viertet- jjährtichervezugrpreir ohne vringerlohn und Beftelgeib i** f®1

wit auswärts L5°mt

Derantm. Redakteur: «arl Schütte;

-- Bange machen gilt nicht!

Der preußische Finanzminister hat in seiner Etatsrede im Abgeordnetenhause dieser Tage die Finanzlage Preußens schwarz in schwarz gemalt.

Gewiß, die Zeiteil sind schlecht, sowohl für Preußen als auch für das Reich. Aber die Leiter der Finanzen hüben und drüben haben zurzert eine sehr starke Vorliebe für die allerdunkelsten Farben. Sie sinnen und trachten darnach, mög­lichst viel neue Einnahmen, und zwar un­widerrufliche Einnahmen, von den Parlamenten herauszuschlagen. Also wollen wir uns nicht gleich ins Bockshorn jagen lassens Als preu­ßische Staatsbürger noch weniger, wie als Reichs­bürger; denn der preußische Staat hat einen so kolossalen werbenden Besitz und so ergiebige direkte Steuerquellen, daß er etliche magere Jahre wohl überstehen kann.

Nur um neue Steuern herauszuschlagen sollten unsere Staatsmänner die Schwarz- malerei nicht zu stark übertreiben. Die Gefahr des lieber mut e§ ist heutzutage wirklich nicht so groß, daß auf die Erwerbstätigkeit immer von neuem eine kalte Dusche gerichtet werden müßte. Sorge lieber jeder an seinem Teile dafür, daß wir all­zumal den Kopf oben behalten, bis die Wendung zunr belferen eintritt.

Richtig ist es, wenn die Finanzleiter auf einen Ausgleich zwisck>en den wechselnden Perioden der -eiten und mageren Jahre hinarbeiten wollen. Nur müssen sie dabei auf fiskalische P l u s - m ach e r e i und Erweiterung der Regierungs- niacht verzichten. Wenn der Finanzminister, wie er es getan hat, anerkennt, daß bie Finanz­not größtenteils auf die jeweilige wirtschaft­liche Lage zurückzuführen ist, so brauchte er sich z. B. auch nicht so zu sträuben gegen eine Be­schränkung der neuen Steuereinnahmen auf eine gewisse Zeit. Warum soll das Parlament nicht bei Eintritt einer günstigeren Konjunktur Lüg Bedürfnisfrage noch einmal prüfen?

Frhr v. Rheinbaben hat auch fein Lieblings- thema von den ungedeckten Matrikular» beiträgen wieder behandelt. Die Einzelstaa- len, Preußen voran, sollen durchaus noch viel ärmer und hilfloser fein, als das^ Reich, be?;::t Finanznot uns Staatssekretär Sydow so er­schütternd zu schildern liebt. Frhr. v. Rheinbaben tut jo, als wenn Preußen und verschiedene andere Staaten gradezu dem B a n k e r o t t in die Arme getrieben würden, wenn man von ihnen die ge- stundeten Matrikularbeiträge einfordere. Ab« ob das Reich diese schwebende Last zu allen übrigen noch tragen kann, macht ihm keine Kopf­schmerzen. Alle Klassen und Stände werden in einem fort an die „vairiotische Pflicht" gemahnt, zur Rettung des Reiches opferwillig zu sein; nur die Einzelstaaten sollen dieser Pflicht ent­hoben sein, ja sie sollen noch auf Reichskosten einer alten Schuld sich entledigen dürfen!

In der Praxis läuft diese ganze Unterschei­dung zwischen Reich und Einzelstaaten dar.ruf

Wochen-Nundschau.

[:] Fulda, 15. Januar 1909.

Die bisherigen Parlamentsverhandlungen über die Arbeitslosigkeit, über die Bekämpfung der Unsittlichkeit, über Petitionen bilden nur ein langes Vorspiel zu den kommenden großen Aus­einandersetzungen, für das bevorstehende schwere Ringen um eine Gesundung der Frnanzverhalt- niffe des Reiches sowohl als auch des preußischen Staates. Die Nachklänge der kaiserlichen Neu- jahrskundgebung treten mehr und mehr zurück hinter die Erörterungen, die sich an die Finanz­lage in Reich und Staat knüpfen. Der preußische Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben konnte in ifetner Rede, mit der er am Dienstag im Abge- prdnetenhause den Etat einbrachte, die Situation Mur grau in grau malen. Tie Dinge liegen sehr ernst. Eine Gesundung wird sehr schwere Arbeit smachen. Der Hinweis, mit dem ein guter Ken­ner unserer wirtschaftlichen Verhältnisse auf dem deutschen Handelstage die Debatte über die neuen Steuern einleitete: daß das Reich in der guten Zeit den richtigen Augenblick zur Erhöhung der Steuern verpaßt habe, trifft sehr scharf zu. Heute, wo wir unter den Nachteilen der wirtschaftlichen Krise leiden, gehen die Einnahmen de: großen Betriebsverwaltungen zurück, während die Aus­gaben sich kaum vermindern lasten. Und die Steuererträge sind weniger groß, weil die Steuerkraft durch die vielfache Arbeitslosigkeit, durch den fchlechten Geschäftsgang im gewerblichen Leben stark vermindert wird.

Der englische König wird weiter für fein Volk reifen. Im nächsten Monat wird er Berlin besuchen. Um mit diesem Besuche aber seine französischen und italienischen Freunde nicht zu erzürnen, wird er sich sogleich nachher auf einige Wochen nach Biarritz im südlichen Frank­reich begeben und bann der franz. Regierung in Paris einen Besuch machen. Von da geht er dann nach Neapel, wo er mit dem italienischen Könige zusammentreffen wird.

Während in Oesterreich-Ungarn die inneren Schwierigkeiten anwachsen, gelingt es dem Leiter der Auswärtigen Angelegenheiten, dem Grafen Aehrenthal, eine Schwierigkeit nach der andern zu beseitigen. Die auswärtige Lage hatte lange Zeit hindurch ein sehr bedrohliches Gesicht. Alle Treibundfeinde, besser gesagt viel­leicht : alle Feinde Deutschlands hatten sich zusam- mengetan, um die Türkei derart zu verhetzen, daß sie sich auf ein friedliches Abkommen mit Oesterreich nicht einlasse. Tie jungtürkische Be­wegung, die uns sehr wenig grün , ist, hat ja heute in der Türkei das Heft in Händen, sodaß für Quertreibereien gegen Deutschland und damit gegen Oesterreich der beste Boden gegeben war, trotz aller Sympathiekundgebungen, die man von Teutfthland aus an die Türkei gerichtet hat. Ruß­land in erster Linie, dann ober auch England und Italien hofften, daß es gelingen werde, zur Be­seitigung der Schwierigkeiten eine Balkankonfe­renz zustande zu bringen. Das Ware dann eine herrliche Gelegenheit gewesen, gemeinsam dem deutschen Reiche und feinem Bundesgenossen an der Donau Schwierigkeiten und Ungelegenheiten zu bereiten. Die Treibereien haben jetzt ihre Grundlage verloren. Oesterreich war bereit, an die Türkei als Abfindung für Bosnien und die Herzegowina die Summe von 2% Millionen tür*

druck zu machen, so fördere ich die Behaglichkeit und die Kultur. Der Verkehr der Menschen untereinander wickelt sich dann zu allseitiger Be­friedigung in angenehmeren Formen ab. Der geistige Verkehr wird angeregt; zum wenigsten wird er von Störungen bewahrt. Wenn ich mit einem Menschen rede, der an seiner Kleidung oder an seinen sichtbaren Körperteilen Flecken, Löcher ober sonstige Mängel aufweist, so zieht diese Unordentlichkeit mein Auge und meine Ge­danken auf sich; ich werde abgelenkt und ver­stimmt.

Wie in allen irdischen Dingen, ist der Mittel­weg der beste, und der rechte Anstand und Takt zeigt sich eben darin, daß man in der Toilette die vernünftige Mittellinie zu wahren weiß. Keine Schminke, aber auch kein Schmutzl Keine trüge­rischen Künste, aber auch keine Vernachlässigung! Keine kindische oder hinterlistige Eitelkeit, aber auch fein grobes Natnrburschentuml Keine Ha­scherei nach der neuesten Mode, aber auch keine auffallende Rückständigkeit!

Einen angenehmen Eindruck zu machen, — das ist ein gesundes und zugleich menschenfreund­liches Leitmotiv. Wer einen angenehmen Ein­druck erstrebt, wird sich stets vor dem Auffal­lenden hüten. Das Auffällige kann aber auf doppeltem Wege erzielt werden: erstens durch übermäßige Ziererei und zweitens durch Vernachlässigung der üblichen Pflege des Aeußeren.

Den Frauen sagt man nach, daß sie leicht zum Uebermaß in Modekünsten neigen, während man die Verächter der äußerlichen Erscheinung mehr auf der männlichen Seite sucht. Das stimmt aber nicht immer. Es gibt auch männliche Gecken und weibliche Schlampen. Auf beiden Seiten wird namentlich dadurch gefehlt, daß mau sich auf die Sauberkeit und Nettigkeit erst dann verlegt, wenn man einem größeren Kreise sichtbar wrrd, während man zu Hause, wo einem bloß die An­gehörigen zu Gesicht bekommen, sich allzusehr gehen läßt. Das ist weder schön noch klug, und namentlich muß das weibliche Geschlecht vor die­ser zeitweiligen Mißachtung des Aeußeren ge- morn! werden Die hrauiben nicht im-

Ueber den Wert des großen Landes, das l1/» mal so groß ist, wie das deutsche Reich, wußte man damals so gut wie nichts. Wir haben uns, so hieß es früher wenigstens immer, unsere Kolonien zugelegt, weil wir der Ansicht waren, wir müßten für unseren jährlich auf Vs Millionen sich belaufenden Bevölkerungsüberschuß ein Siedelungsland unter deutscher Flagge haben. Heute ist aber an dem Eingeständnis nicht mehr vorbeizukommen, daß Deutsch-Südwestasrika eine H.imat für deutsche Auswanderer im großen Maßstabe niemals wird bieten können.

Ein Land von dieser ungeheuren Ausdehnung würde, wenn es mit kleinen Siedlern besetzt werden könnte, für den deutschen Bevölkerungs- Überschuß allerdings ein überaus wichtiges Ab- zugSgebiet und für den deutschen Gewerbefleiß ein Verkaussgebiet werden, wie es die Engländer heute z. B. in Kanada, die Franzosen in Algerien und Tunis besitzen. Aus den Erfahrungen, d.e Ansiedler in früheren Jahren in Deutsch-Süd­westafrika gemacht haben, war von berufener Seite wiederholt der Schluß gezogen worden, daß eine derartige Siedelung wenigstens in einem großen Teile des Landes möglich fein werde. Man führte dafür einige gelungene Siedelungs- experimente im Lande der Herero als Beweis an. Später, als wirklich berufene Forscher, die für ein fachmännisches Urteil die nötigen land­wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Kennt­nisse besaßen, erklärten, daß das Land nur für ganz große Viehfarmen siedelungsjähig sei, wurde die Behauptung, die Kleinsiedelung fei möglich, wenigstens für einige kleinere Teile des Landes aufrecht erhalten. Jetzt kommt der Pros. Dr. Karl Dove, der längere Zeit in dem Schutzgebiet studienhalber verbracht hat, mit dem Nachweis, daß diese Hoffnungen durchaus nicht berechtigt sind.

Er verweist darauf, daß die Kapkolonie, deren Flächeninhalt dem bestedelungsfähigen Teile von Deutsch-Südwestafrika entspricht, die zur Hälfte befler bewässert ist, gegenwärtig nur 600000 Weiße beher­bergt, obwohl sie bereits 2Vi Jahrhunderte besiedelt ist. Er verweist weiter darauf, daß davon ein sehr erheblicher Teil nur durch die Goldansbeutungen Süd- airik.s herangezogen worden ist. Bon diesen letzten aber meint er, sie würden sofort das Land wieder ver­lassen, sobald sich in den Diamanten- oder Goldfunden ein merkliches Nachlassen zeige. Er erörtert dann die Möglichkeit der eigentlichen Viehzucht. Seine Schil­derungen auf diesem Gebiete sind recht interessant. Eine Stallzucht, ja, auch nur eine Zucht im Kraal, erscheint ihm unmöglich: „Bei der Art des Graswuchses in Deutsch-Südwestasrika würde ein Farmer für jedes 100 Rinder einige Dutzend (!!) teuer bezahlte Arbeiter rechnen müssen, wollte er daran denken, die Tiere im Kraal oder gar im Stalle zu füttern." Er teilt dann die Aenßerung eines englischen Fachmannes der Schafzucht mit, wonach selbst in den grasreichen Landschaften des Ostens und der Küften- lerraffen im Durcbfchnitt 1 Hektar auf ein Schaf ge­rechnet werden müsse; daß ferner in der Karroo, die starke Aehnlichkeit mit dem Hererolande besitzt, ans jedes Tier eine Fläche von !*/• bis 6 Hektaren entfällt. Er teilt weiter mit, daß die Buren aus ein Rind ein Stück Landes im Umfang von 10 Hektaren rechneten. Und dabei muß der Farmer wegen der Wankelmütigkeit des binnenländischen Klimas noch ein großes Sparseld freilassen, das er während der gün­stigen Jahre für den Fall der Not unberührt erhält.

An eine Abschiebung unseres Bevölkerungs- überfchuffes nach Deutsch-Südwestasrika ist also nicht zu denken. Leute, die eine Farm mit 1000

monatsbenage: „Sulbaet Geschichttblötter"

Unpolitische Zeitlaufe

(::) Berlin, 14. Januar 1909.

(Nachdruck verboten..

Heute möchte ich ein Loblied auf die Klei­dung fingen. Warum denn? Wegen der jüng­sten Verhandlungen im preußischen Abgeordneten­hause. Da wurde festgestellt, daß es in neuerer Zeit eine Menge von Leuten gibt, die durchaus nackt gehen wollen. Sie erklären das für „Schönheit" und „Kultur'. Schade, daß die wil­den Neger im Innern von Afrika keine Zeitun­gen lesen! Sie würden sonst auf dem Umwege über Berlin erfahren, daß sie, die unbekleideten Neger, auf der höcWen Stufe der Kultur und des Kunstgeschmacks stehen. Die jetzt gepredigte SMei- berlofigfeit ist tatsächlich nichts anderes, als ein Rückschritt in jene dunkle „Kultur", die wir noch heute am oberen Kongo oder auf den zer­streuten Inseln im Stillen Ozean bewundern können — wo der Mensch in einer ähnlichen Roh- und Hilflosigkeit dahinlebt, wie das liebe Biet’. Wenn unsere „Modernen" Lust haben, biete zurückgebliebensten Völkerschaften nachzu­äffen. so möchte ich den unmaßgeblichen Vorschlag machen, diese ganze Gesellschaft von Kleiderfein­den auf einige Dampfer zu packen und fie in die abgelegensten Teile der Kolonien zu überführen. Dort könnten sie bann im Verein mit den Nach- kommen der Kannibalen nach Herzenslust den ganzen Tag Luft- und Sonnenbäder nehmen. Hier ju Lande aber sollte man uns verschonen mit einem solchen Unsinn und Unfug, der auf einen Rückfall in die Affenkultur hinausgeht. Längst vor der Verkündigung der christlichen Lehre und Sitte hatten sich die besseren heidni­schen Völkerschaften zu der Bekleidung des Kör­pers emporgerungen. Aus dem einfachen Grun­de, weil die Bekleidung vernünftig ist. Auf die­ser Errungenschaft der gesunden Vernunft bleiben «ffe Leute stehen, denen nicht Phrasendrescherei »der Liederlichkeit den Kopf verdreht haben.

Schönheit? Ach, du lieber Himmel, welch' eine Wnniaffe von Häßlichkeit und Krankheit würde Anler Auae bel-idiaen. wenn nicht bm Kleider

nier „fein" auszusehen, aber sie müssen immer sauber und artig erscheinen, auch wenn nur der Mann, die Kinder und die Geschwister sie zu sehen bekommen. Auch die fleißigste Hausfrau in ihren Arbeitskleidern kann ihre Nettigkert wahren. Sie braucht sich nicht ungewaschen, un­gekämmt, in schmutzigen, zerrissenen oder schlum­pigen Kleidern zu zeigen. Es gibt da einfache Handgriffe und Mittel, um den unangenehmen Eindruck zu verhüten, und davon sollte man Ge­brauch machen. Denn die abstoßende Erscheinung schädigt nur zu leicht den Respekt und die Zu­neigung. Es liegt in der Natur der Dinge, daß die Nachlässigkeit im Aeußeren bei einet Fran sich schwerer rächt, als bei dem Manne. Aber auch der letztere soll sich nicht zu weit gehen las­sen- Der Mann soll ein Muster der zielbewuß­ten Ordnung sein; zu der ordentlichen Lebens­führung gehört es aber auch, daß man immer sauber und zweckmäßig angezogen ist. Auch das Arbeitsgewand muß so sein, bafe man sich vor keinem fremben Auge zu schämen braucht und es kann auch ohne viel Mühe und Kosten so ge­halten werden. .

Im übrigen möchte ich zu der Toilettenfrage noch einige Leitsätze aufstellen: Suche nett zu er­scheinen, aber suche nicht mehr zu scheinen als du bist! Kleide dich nicht unter deinem Stande, aber auch nicht darüber! Macke dich nicht alter als du bist aber laß ab von dem törichten Bemühen, deine reifen Jahre durch Toilettenkünste zu her­bergen! Kleide dich nicht nach den schlechten Vor­bildern anderer Leut«, sondern nach deinen eige­nen Verhältnissen, natürlich unter vernünftiger Rücksicht auf den allgemeinen Brauch. Suche die Nettigkeit nicht in der Kostbarkeit der Stoffe ober dem Glanze des Zierrats, sondern vor allem dar­in, daß bas Kleib bir gut paßt. Ein prunkvolle» Kleibungsstück, bas schlecht sitzt, sieht viel weniger fein aus, als wie ein einfaches Gewands das gut sitzt. Zu einer guten Bekleidung gehört mehr Geschmack und Geschick, als Gelb. Wer mit Ge­schmack und Geschick begabt ist, wird auch niemals vergessen, daß die Kleidung der Jahreszeit ange­paßt sein und den jeweiligen Tesundheitsverhalt- nissen Rechnung tragen muß.