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Stoman auS dem Englischen von K. v. Raesfeld.
[7. Fortsetzung.) — _
W _e/,n ^rrlicher Juni-Abend, an dem unsere Erzählung beginnt. Die Flagge weht von Kennlnghall s Turm denn Lord Wayne und seine l""^,^attin werden erwartet. Ein wundervol- l" Abeud' Ter Himmel ist voller rosig leuchten- m nns^r01«'en,"tra^Ien waren lange mcht so warm und hell gewesen — sie fielen auf den ruhigen tiefen see, wo bte Wasser-Lilien schliefen, bis die Oberfläche wie SmeUene! G°ld «Slänrte. sie sielen auf°di§ Springbrunnen, die ihre funkelnden »°ch in di- Me SH.it WtenberTn" send Blumen, die die Düfte fast or;™ ’ hauchten: aur die großartigen Gärten und Plätze auf den smaragdgrünen, sammetweichen Raken-' auf die mächtigen alten Zedern, die wie stets a,,k der Wacht stehende Riesen erschienen, auf die Maa- uolia-Bäume. deren große, weiße Blumen die Luft mit reichem und fast übersüßem Duft schwän. gerten, sie sielen endlich auf das mächtige alte Herrenhaus Kenninghall selbst. Es war eins der stolzesten, großartigsten Schlosser, die Cngkand nur aufzuweisen batte. Ein Stirn für Könige oder Fürsten, mächtig, großartig und doch schön und reizvoll -- alt, doch in nichts des modernen Lurus ermangelnd. Es bildete einen Vorwurf, eines Malers und Dichters würdig, mit seinen epheuberankten hohen Türmen und zierlichen Türmchen, seinen tiesnischigen, wundervoll geschwungenen gothischen Fenstern, seinem fürstlichen Portik ^ mit den schlanken. Schulen ans reinstem Marmor. Roch jetzt schien der Nimbus Fl* ‘ darüber zu schweben, war es
doch zu einer erbaut worden, wo man die Baukunst als eine unsterbliche, hehre Kunst br- KK' J?nb nicht lediglich als einen Kontrakt jttnttDen Baumeister und Ziegellieferanten.
M 11.
Fulda, Freitaq den 15. Januar 1909.
36. Jahrqanq.
Grrftes Wlcltt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 14. Januar 1909.
Der Reichstag befaßte sich heute zunächst noch mit dem Gesetzentwurf über die Einwirkung der Armen- unterstützung auf öffentliche Rechte.
Adg. Brühne (Soz.): Die Vorlage enthält noch so diele Mängel, daß wir ihr nicht ohne weiteres zustimmen können. Leider ist zu befürchten, daß dieses Gesetz auch mit unserer gewohnten Engherzigkeit gehandhabt wird. Redner beantragt die Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 13 Mitgliedern.
Aba. Raab (wirtsch. Lgg.): Tie einfachste und beste Losung wäre, wenn bestimmt würde, daß der Genuß von Armenunterstützung überhaupt nicht den Verlust politischer Rechte zur Folge hat.
Abg. Dove (frf. Vga.) legt den größten Wert darauf, daß der fetzige Rechtszustand auch für das Landesrecht geändert wird.
Abg. Brandys (Pole) begrüßt den Entwurf, hätte es aber lieber aefehen, wenn der Gefetzentwurf statt einer negativen Fassung eine positivere erhalten, hätte.
Die Vorlage gebt gemäß dem Antrag Brühne (Soz.) an eine Kommission von 18 Mitgliedern.
i ES begann nunmehr die Beratung des Gesetzentwurfes über die
Preisfestsetzung beim Markhandel mit Schlachtvieh. Rach der Vorlage sollen die Landes-Zentralbehörden befugt fein, für den Markthandel mit Schlachtvieh zum Zwecke der Feststellung von Preis und Gewicht der Tiere nach Lebendgewicht Vorschriften zu erlassen, und entsprechende Einrichtungen anzuordnen.
Em sozialdemokratischer Antrag verlangt eine Preisfestsetzung nach Schlacht- und Lebendgewicht. Die »re,finnigen beantragten, daß die Festsetzung nach Schlachtgewicht nicht verfolgt werden dürfe. Diese Anträge werden begründet durch die Abgg. Fischbeck (fr. Bp.) und Scheidemann 'Soz. >. Mittlerweile ging ein Antrag des Adg. Dr. Rösicke (B. d. L.) ein, der verlangte, baß Vorschriften, welche die Festsetzung nach Schlachtgewicht verbieten, nicht erlassen werden dürfen, sofern die Feststellung auf tatsächlicher Unterlage und nicht auf Schätzung beruht.
Abg. Rösicke befürwortete seinen Anlrag.
Abg. Gerfteuberger (Ztr.) trat für den Antrag ebenfalls em, indem er bemerkte^ es komme nur einmal auf den Versuch an, und es handle sich nicht um eine zwangsweise allgemeine Einführung, Er erkenne vollkommen an, daß die Notierungen nach Lebendgewicht nicht dazu angetan sind, dem Publikum einen Begriff vom wirttichen Preise des Fleisches beizubringen. Hier muß eben in der Richtung ausklärend gewirkt werden, daß das Publikum den Unterschied zwischen Schlacht- und Lebendgewicht zu berechnen lernt.
Stach kurzen Bemerkungen d«S Staatssekretärs o. Bethmanu-Hollweg, der Abgg. Kobelt (fraktionslos', Vogt (wirtsch. Bg.> und Hilpert (dayr. Bbd ) wurde der Antrag des Bundes der Laudwitie angenommen und mit diesem Antrag das ganze Gesetz. — Es folgen
Petitionen.
Zunächst wird die vorgestern abgebrochene Debatte über die Petitionen aus Zuziehung von «rbeiterkontrol- leuren im Baugewerbe sortgeseh!.
Abg. «ömelburg (Soz.), der Vorsitzende des soztal- demokratischen Maurerverbandes wandte sich gegen Angriffe der Konservativen auf die Arbeiterschaft.
Abg. Irl (Zeutr.) bekämpfte entschieden den Antrag der Konservativen, zur Tagesordnung überzugehen und betonte, der Reichstag habe sich bereits früher für die Kontrolleure ausgesprochen.
Abg. Wieland (Vp., teilte mit, daß die Bankon- trolle in Württemberg feine erhebliche Klagen verursacht habe.
Abg. Burckhardt (christl.-soz. in der wirtsch. Bgg.) hoffte, daß die Regierung trotz der ablehnenden Haltung ihre» Vertreters dem Wunsche enlgegeiikoinmen werde.
Abg. Pnuli-Potsdam (fonf.) empfiehlt den konservativen Antrag, die Petition durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen.
Der konservative Antrag wird abgelehnt, und die Petition entsprechend dem Kommiffionsantrag zur Berücksichtigung überwiesen.
Freitag: Arbeitskammergesetzentwurf.
△ Sie Reform rmferer Diplomatie.
Seit die Folgen der englischen Einkreisungspolitik sich für uns so unangenehm zur Geltung bringen, haben wir gelernt, uns mefjr als bisher um die deutsche Vertretung im Aus- lande zu bekümmern.
Mit der Entwickelung der wirtschaftlichen Interessen der Völker sind wir in den letzten Jahrzehnten, vielleicfo erst im letzten Jahrzehnt, in eine Weltwirtscha ft eingetreten, die die Grenzen der Länder zwar kennt, und respektieren muh, die sie aber mit einer früher nie gekannten, früher unmöglichen Regelmäßigkeit überschreitet. Die großen Staaten beziehen heute aus anderen Län- Sern weit mehr Produkte der Landwirtschaft, der Industrie und der handwerksmäßigen Kunstfer- tigkeit als früher in den einzelnen Ländern selber überhaupt produziert wurde. Große Bruch- teile der heimischen Industrie, der heimischen Landwirtschaft sind mit ihrem Wohl und Wehe gänzlich vom Auslande abhängig. Gelingt es einer Industrie nicht, sich im Auslande ein Absatzgebiet zu schaffen, dann wird sie nicht blühen können, sofern sie nicht lediglich Spezialartikel für den inländischen Gebrauch produziert. Und die Landivirtjchaft, trotzdem gerade aus ihren Kreisen so laut der Ruf nach hohen Zöllen erschallt, würde z. B. in Bezug auf ihre Zucker- Produktion bireft kalt gestellt fein, wenn sie nicht den gewaltigen englischen Zuckermarkt hätte, der % der deutschen Zuckerausfuhr aufnimmt. Auf der anderen Seite bestehen im Auslande dieselben Interessen.
Mit der Entwickelung dieser großen Interessen hat man es in den modernen Kulturstaaten allmählich gelernt, die bisherige diplomatische Vertretung zu reformieren und den modernen Verhältnissen, den Bedürfnissen des Großhandels, anzupassen . Man hat eben eingesehen, daß eine wirklich erfolgreiche Pflege der internationalen, wirtschaftlichen Beziehungen nur möglich ist, wenn die Verhältnisse der einzelnen Länder möglichst gründlich studiert und beurteilt wuden, wenn die Vertreter im Auslande bei wichtigen wirtschaftlichen Vorgängen mit Geschick und Sachkenntnis eingreifen oder die heimische Regierung zu entsprechendem Eingreifen beraulassen können. Früher war in den meisten Kulturländern die Diplomatie ein Erb- oacht-Gebiet des Adels. Das ist in den meisten anderen Ländern in den letzten Jahren mit großer Schnelligkeit anders geworden. Die Erschei- nuug, daß man die Vertreter int Auslande lediglich aus einer bestimmten Bevölkerungs-grnpps herausnahm, hat ehedem, wo der Bildungsstand i)e§ Volkes noch geringer war, wo weniger die Macht der Persönlichkeit, als der Glanz des Be- itzes und des Herkommens eine Rolle spielte, vielleicht eine gewisse Berechtigung gehabt. Seit aber die modernen Kulturvölker fast durchtveg allgemeine Volksschulbildung haben und dazu ein aus- aozeichnetes, weitesten Kreisen zugängliches Su- lem von höheren und höchsten Bildungsanstalten, eit die Bildung nicht mehr ein Vorrecht des Be- itzenden, und die Sicherheit des Uvteils im öffent- lickien Angelegenheiten nicht mehr auf enge Kreise beschränkt ist, mußte die alte Gewohnheit allmäh- ich zu einem Kreissckjaden werden. Es ist ja doch klar, daß der Ade! int Verhältnis zu seiner Zahl nickt mehr bedeutende Leute hervorüringt. als das Bürgertum. Es gibt sogar Leute, die der Auffassung huldigen, der Mangel der Zufuhr fri- chen Blutes besonders im bohen Adel lasse den iftozentsatz hervorragend befähigter Leute aus dem hohen Adel geringer sein, als bei den übrigen Ständen. Selbst wenn das nicht der Fall ist. ist und bleibt es Tatsache, daß auch in den übrigen Ständen hervorragend befähigte Leute vorhan
den sind, und daß diese gerade für den diplomatischen Dienst eine bessere Befähigung mitbringen, als die Sprößlinge des Adels, weil sie vielfach in einer Umgebung aufgewachsen find, die mit den im Auslande zu vertretenden Interessen in engster Beziehugn steht.
Diese Erwägung, vielfach allerdings auch die Erkenntnis, daß auch das Bürgertum geradesogut ein Recht auf die hohen Stellen im öffentlichen Leben hat, hat dazu geführt, daß in den anderen großen Kulturstaaten auch dem Bürger tu m in der diplomatischen Vertretung ein entsprechender Platz eingeräumt worden ist. Nur in Deutschland ist es b e i m A l t e n geblieben. Neulich ging eine Zusammenstellung durch die Blätter, wonach von den 100 höchsten Posten der deutschen Diplomatie 96 in den Händen von Adligen sind. Daß das ein Zustand ist, der lediglich durch die Bevorzugung des Adels entstehen konnte, lieg auf der Hand.
Die vielfachen Erörterungen auf diesem Gebiete haben neuerdings auch die Presse der Rechtsparteien gezwungen, sich mit der Sache zu be- fassen, und zuzugeben, daß man mit einer Reform in dieser Hinsicht sicher keinen Fehlgriff tue. So erörtert soeben in der freikonservaiioen „Post" ein anscheinend mit den Verhältnissen genauer vertrauter Fachmann die gegenwärtige Situation. Daß der Adel nicht die einzige Quelle für die Rekrutierung befähigter Botschafter zc. ist, das zeigt nach ihm ein flüchtiger Blick auf die Republiken Frankreich, Vereinigte Staaten von Amerika und die Schweiz'
„Die einfache Uebci legmtg, daß die Staatshäupter Frankreichs und der Union das gante Volk zur Auswahl haben, wäbrend die Staaten mit rein ober faN ausschließlich aristokratischer Vertretung auf eine »et- hältnisrnäßig erschreckend geringe Zahl geeigneter Vertreter angewiesen sind, zeigt mit überwältigender Klarheit, daß wir im Nachteil sind. . . . Oder zweifelt man, daß wir in den weitesten Volkskreisen an Geist, Charakter und Bildung einem Hill ober Cambon ebenbürtige Männer haben, welche die Politik des Kaisers g'änzend und ruhmvoll vertreten könnten? Welcher Deutsche wagt eine solche Bankrott-Erklärung?"
In.Deutschland fleht die Regierung freilich nach wie vor auf dem Standpunkte einer solchen Bankervlierklärung. Wenn nämlich ein bürgerlicher Diplomat im Auslande für Deutschlands Interessen wirklich Gutes leistet, dann wird er schleunigst geadelt. Man scheint zu glauben, daß der Mann dadurch etnxiS Besseres würde, und daß die hervorragenden Fähigkeiten, die er gezeigt hat. für einen Bürgerlichen zu gut seien.
Deutscher Reich
** Berlin, 14. Jan. 1909. Nach einer Blät- wrmeldung wird zu Frühjahr eine Verstärkung der Marinegarnisoneu an der Elbe- und Weser- mündnng beabsichtigt, um diese» durch erhöhte Mannschaftsbestände einen ausgiebigen Schutz zu geben. Die Marineforts an den deutsche» Fluß- inündunge» solle» Wetter ausgebaut werden. — Die diesjährigen Kaisermanöver inden bekanntlich in dem hochkultivierten Land- trich am unteren Neckar statt. Um der dort sehr pät fallenden Ernte wegen kostspielige Flurschäden nach Möglichkeit zu vermeiden, sollen die Feld- übnngen erst in der zweiten Septernberwoche beginnen. — Der deutsche Botschafter in London Graf Wolf-Metternich hat dem Vizekanzler dec Universität Orford das Porträt Kaiser W il h e l in s von Professor Adolf Schwarz überreicht. — Der Kaiser wird am Montag, den 18. Januar, Wie üblich die kapitalfähigen Ritter des Ordens vom schwarzen Adlet zur Aufuahme einiger Mitglieder im königlichen Schlosse versammeln.
* Ein erdichtetes Kaiserwort. Die ,flöht Ztg/ läßt sich aus Berlin offiziös telegraphieren, daß die angeblichen Aeußerungen bei der Jubi- läumsfeier des Kaiser Franz-Regimentes: „Es können, was der Allmächtige verhüten möge, noch schwere Zeiten kommen", nicht gefallen seien.
* König Eduard wird seine Reise nach Berlin, wie jetzt amtlich bekanntgegeben wird, nicht am 7„ sondern am 8. Februar antreten. Die ,MorningPosft, ein Blatt, daS mit der englischen Regierung gute Beziehungen unterhält, schreibt: „Der König ist bei seinem Besuche in Deutschland unzweifelhaft von dem Wunsche beseelt, die gegenseitigen Beziehungen zu verbessern und alle X$e« legenheiien zu Reibungen und Mißverständnissen zu beseitigen. Sein Volk steht in dieser Beziehung sicherlich auf seiner Seite."
& Tie Budgctkommission des Reichstages Hal am Donnerstag den Etat des Reichsamtl des In nein beraten. Auch hierbei wurden bei den Besoldungstiteln die Zulagen und Remunera. Honen beanstandet. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß kein Beamter durch Bezüge aus Nebengeschäften bevorzugt werde und daß die persönlichen Zulagen abgeschafst würden. Beim Etat des Dienstgebäudes für dieses Reichsami wurden auf Anregung Erzbergers von den 24 000 Mark des Voranschlags 4000 Mark gestrichen, deS weiteren 4000 «Al von dem Ansatz für Jnventa- rienstücke in der Dienstwohnung des Staatssekretärs. Der wettertelegraphische Dienst Kostet 480000 Mark. Abg. Erzberger meinte, auch da lasse sich sparen. Der Staatssekretär verwies aber darauf daß die landwirtschaftlichen Vertretungen sogai noch einen Ausbau verlangten. Bei diesem Etal wurde festgestellt, daß die Rinderpest, die gegenwärtig in Rußland herrscht, zur Abwehr in Deutschland an Gendarmerie-Kosten Vs Millionen fordere.
Die verstärtte Justizkommission deS Abgeordnetenhauses verhandelt gegenwärtig über den ihr überwiesenen Gesetzentwurf betr. die Haftung des Staates für Versehe» der Beamten. Die Debatte über die grundlegenden Bestimmungen, die die Haftung des Staates, der Kommunalverbände, der Schulverbände und gleicher Verbände regeln, ergab, daß eine Einigkeit nur bezüglich der Haftung der Staatsbeamten erzielt wurde. Im übrigen gingen die Meinungen auseinander.
a Die Finanz- und Steuerkomuiissio» des Reichstags führte am Donnerstag die B e d a r fs- r e ch n u n g zu Ende, indem noch die Etats der Marine, der Post- und Telegraphen- und der Kolonialverwaltung erörtert wurden. So wie bei den anderen Etats wurde auch bei diesen feinet« ei Aenderung an der Bedarfsrechnung vorgenommen, sondern diese als zutreffend anerkannt.
s. Die Weinkommission des Reichstages trat am Donnerstag den Regierungsvorschlägen betr. >ie Behandlung des Auslandsweines bei und be- chloß u. a., daß Trinkbranntwein, der neben einer Mindestmenge von 10 Proz. des Alkoholgehalts an Weindestillat Alkohol anderer Art enthält, als Kognakverschnitt bezeichnet werde» darf. Kognak und Kognakverschnitte müssen mindestens 38 Prozent Alkohol haben.
(*) Der Zenttalverdand der Gemeindebeanitea Preußens hält am kommende» Sonntag in Berlin eine außerordentliche Hauptversammlung und einen preußischen ©emembebeamlentag ab. Auf der TageSordnunn sieben bauvt'äcküich Besolbnnqsfraoen.
)( Die Münchener PeterSprozesse, die letzten, die von den vielen Beleidigungsprozessen des Dr.
Reifende und Touristen kommen aus allen Teilen Englands, um Kenmnghall zu sehen, und kehren voll Begeisterung für die Vergangenheit und mit leichter Verachtung für die unkiinstle- rische, Geld zufammcnscharrende ©cqcntoart wieder heim. Man hat heutzutage keine Zeit mehr für solch: Gebäude wie Keuiünghall, die mit ihren wunderbaren Verhältnissen, ihrer reichen und doch geschmackvoll emfachen Linienführung mit ihrer vollendeten Symmetrie bei aller Größe des Ganzen immer wieder das Auge aufs neue fesseln und entzücken.
Das Gerücht will wissen, daß Lord Wahne beinahe ein kleines Vermögen darauf verwendet habe, Kenninghall für fein schönes junaez Weib wieder vollständig in Stand sehen und aus- schmücken zu lassen: das Gerücht sagt aber auch, daß nichts zu schön sein könne für Mylady Wayne' deren ruhige, königliche Schönheit unübertroffen
Auf dem smaragdgrünen Sammetrasen ist eine kleine Gruppe versammelt — Algernon Wayne und seine Gattin Isabel, Lady Beverley, eine alte Dame und entfernte Verwandte der Waynes, und Se. Ehrwürden Mr. Sheldon, Vikar von Kenningsthorpe — alle auf Lord Wayne's Einladung zum Empfang der Braut erschienen. Lord Wayne hatte selbst an Mrs. Wayne geschrie- und sfe um die besondere Liebenswürdigkeit .?Be Vorbereitungen zum Empfang Lady fort fei» M überwachen. „Ich weiß, Kenninghall mich Aussehen", schrieb er, „und freue
ftinpn Sins J>enn möchte, daß es einen giin- ' °uf sie macht." '
^-s-n Jfebel ihrem Manne vor-
gelesm, nicht ohn« hämische Glossen. K-nn1nnfoill'ibr"ni^i "jemand" fein, wenn
Kenninghall ihr Nicht imponiert", hatte sie gefügt tftr Rasen faßen, kam
ihr derfelbe Gedanke.
Lady Beverley fah auf und rinas umher »Zweifellos, es ist em allerliebfter Ort: ich fage
immer, es ist der schönste Ort und Aufenthalt in ganz England. Wie tvarm und geschützt dieser Rasen doch ist! Ich hatte nicht erwartet, das Gras heute so gänzlich trocken zu finden."
„Warum nicht?" fragte Mr. Wayne, mit einem halben Lächeln: „die Zeitungen fangen schon an, von öffentlichen Gebeten um Regen zu reden.'
Lady Beverley sah ihn mit verblüffter Miene an.
„Wie? Mein Gott. Mr. Wayne, Sie müssen doch diese Nacht den Regen gehört haben: ich bin von dem Tröpfeln auf der Terrasse ein paar Mal aufgewacht. Ich war dem Himmel ordentlich dankbar, als ich es hörte."
Algernon Wayne und seine Gattin sahen sich etwas betroffen an.
„Sie hörten, daß Regentropfen auf die Terrasse fielen, Lady Beverley, diese Nacht?" fragte Isabel Wayne.
„Gewiß und jedermann sonst doch wohl auch", war die prompte Antwort.
„Ihre Zimmer gehen doch auf die sogenannte Mylady's Terrasse?" fragte Mr. Wayne, und wieder blickten Mann und Frau sich dabei an.
„Sie erinnern sich wohl nicht der Familiensage von Kenninghall", fuhr Isabel in sanftestem Tone fort, „daß, bevor die Familie von irgend einem großen Unheil betroffen wird, ein Fami« lien-Angehöriger das Klatschen von Regentropfen auf der Terrasse hört? Kein Unglück fort sich je den Waynes genaht ohne diese Warnung."
Lady Beverley sah sehr bestürzt drein.
„Meine liebe Isabel, Sie wollten doch nicht von Unglück reden gerade heute, wo Mylord seine junge Gattin heimbringt."
Isabel zuckte vielsagend die Achseln.
„Ich bin nicht verantwortlich für die Fami- liensagen", versetzte sie, „und kann auch mcht umhin, daran zu glauben. Es ist wirklich fatal, daß Sie von allen Nächten im Jatir gerade diese Nacht das Trövfelu gehört haben."
2. Kapitel.
Die flüsternde« Linden.
Was flüsterten und wisperten sie, die alten Bäume? Seit vielen Generationen waren sie Kenntnghall's Stolz und Ruhm. Niemand konnte ihr Alter: wie Riesenwächter standen sie da, die ein verzaubertes Schloß bewachen.
Verweile etwas v unter dem weitreichenden Schatte» alter Bäume, Wandrer, an einem Sommertage, wo die sanfte Brise weht, und Du wirst eine Musik hören, die Dir das Herz höher schlagen läßt. Zmveilen sind die hohen Wipfel alle zusammen geneigt und es flüstert darin mit traurigem zauberischen Gesäusel, als ob sie eine schreckliche Kunde bringen wollten von heimlicher Mordtat im Walde, und als ob sie neugierig feien, wann die Mensckien es entdecken würden. Sie scheinen Geheimnisse zu künden, — Geheimnisse, menschlichen Ohren nicht verständlich — Geheimnisse, ihnen vom Winde auf raschem Flügel zugetragen, und nur von den stillen, träumerischen wachsamen Bäumen gehütet und gekündet. Eins war den blühenden Linden Kenninghmll'S eigen: sie hatten einander von Liebe und Hoffnung, Kummer und Tod, von Trennung, Freuds und Verzweiflung geflüstert, aber nie hatten die Tjriinen Blätter die Worte Schmach und Schande gemurmelt. Sie hatten goldlockige Krieger beobachtet, wie sie hinauszogen in den sichern Tod, der in der Schlacht draußen auf sie wartete: sie hatte» schöne Jnngsrauen ihr Heim verlassen sehen, um in der Ferne das Los des Soldaten oder Seemanns zu teilen; tief hatten sie ihre langen Zweige gesenkt, als der Leichnam eines jungen Mädchens in langem Trauerzuge aus ihrer Mitte hinweggetragen wurde; doch nie hatten sie einander von Unehre zu flüstern brauchen.
Unshre und Kenninghall — was hatten diese beiden mit einander gemein? Wer nannte sie überhaupt zusammen? —
(Fortsetzung folgt.)