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Fulda, Samstag den 9. Januar 1909.
36. Jahrgang.
Drittes WLcrtt.
= Die Nadel.
Die Statistiker haben ausgerechnet, daß auf der ganzen Welt täglich 150 Millionen Steck, und Nähnadeln gebraucht werden — eine der- bläffende Menge! Diese Menge mutz um so der- bluffender erscheinen, wenn man bedenkt, datz in diesem Saite der Verbrauch wohl mit einem Äer- Iteren oder Zerbrechen gleichbedeutend ist, denn auf eine andere Weise endet ja in der Regel die Nadel nicht. Man kann also annehmen, datz auf Erder» täglich 150 Millionen Nadeln verschwinden, die durch eine in gleicher Höhe sich haltende Fabrikation ersetzt werden müssen.
Angesichts dieser Masse der täglich fabrizierten Nadeln und des Umstandes, datz sie sich in jedem Hause in so zahlreichen Exemplaren finden, »nutz es nun gewitz eigentümlich berühren, datz gerade über ihre Herstellung in weitern greifen so wenig bekannt ist. Auch mit dem geschichtlichen Werdegang der Nadel hat man sich merk- würdigerweise wenig beschäftigt. Und doch wäre gerade sie deshalb interessant, weil sie uns den Fortschritt vom Primitiven zum Vollendeten, und dann den Uebergang einer Hausindustrie in eine Großindustrie in besonders charakteristischer Weise vor Augen führen würde.
Die Nadel dürfte so alt sein wie der Mensch elbst, denn schon an den ältesten Stätten mensch- icher Tätigkeit, in Höhlen und Pfahlbauten, sin- >en wir unter den wenigen Werkzeugen, deren ich der Mensch bediente, stets die Nadel. Sie toar restlich noch sehr roh ausgeführt, soweit man bei hr überhaupt von einer „Ausführung" reden kann. Meist bestand sie aus einer Fischgräte oder aus einem spitze»» Knochen, die durch Schleifen auf einen Felsen noch weiter zugespitzt waren. Eine Oese fehlt, und man darf deshalb wohl an- nehmen, daß diese Art von Nadeln mehr als Ahle oder als Pfriemen gedient haben, dem» als Gerät zum Nähen. Ihr Gebrauch wird darauf beschränkt geblieben fein, daß man in die Felle, die man zusammenfügen wollte, Löcher hiireinbohrte, durch die dann Haut- oder Lederstreifen gezogen wurden, die mehrere derartiger Felle 31t einem einzigen größeren vereinigten, gufamnicn mit dem Stein, der als Waffe und als Beil diente, dürfte die Nadel wohl daS älteste Gerät der Menschheit darstellen. In dem Maße, wie die Kultur fortschreitet, vervollkommnen sich sowohl die Nadeln wie ihr Gebrauch. Homer singt von den Stickereien, die Penelope, die Gemahlin des Odysseus herstellte. Wir müssen annehmen, daß hiermit wirklich Stickereien, die mit einer Nadel ausgeführt wurden, und nicht etwa Webereien gemeint sind. Auf den ältesten Gewcbeu. die aus ägyptischen Königsgräbern oder aus den Mooren der niederdeutschen Ebene stammen, finden wir Stickereien, die zweifellos mit der Nadel ansge- führt wurden. Die Nadeln, die hierbei Vertven- dung fanden, untren aus Bronze, und erst später kamen eiserne auf. Die Form der Nadeln war schon bei den alten Griechen und Römern dieselbe wie heute, so datz sich in bezug auf ihr Aussehen nichts verändert hat. Man hatte damals, wie die Ausgrabungen in Pompeji erweisen, sogar schon Sicherheitsnadeln, die genau so gebogen waren, wie die, die auch wir benutzen.
Ebenso dürfte auch die Industrie, die diese Nadeln schuf, damals schon genau derselben Art gewesen sein, wie sie es fast bis in die neueste Zeit geblieben ist, nämlich eilte Hausindustrie. Don Beginn der UmnxinMung in eine Großindustrie mutz man in das Jahr 1856 verlegen, wo durch die Firma H. I. Neuß in Aachen die ersten Spitzenschleifmaschinen aufgestellt wurden. Von da an ging es mit der Hausindustrie rasch abwärts, denn die Spiyenschleifmaschineu leisteten etwa das sechsfache, tvas ein tüchtiger Arbeiter gu leisten vermochte. Ein solcher konnte in zehn Stunden etwa 25 000 Nadeln spitz zuschleifen, während die Maschine damals schon in der gleichen Zeit 150 000 Nadeln mit Spitzen versah. Von der Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts an gibt es feine Nadelfabrikation als Hausindustrie, die sich jedoch in der Hauptsache r»»mer noch dort befindet, wo einst die Hcius- »ndustrie ansässig war. in Deutschland in erster
Je fachen, in Schwabach, in Iserlohn, in rl" und in Altona. Außer in Deutsch-
larid weinen Nadeln in bedeutender Menge nur noch in England fabriziert, so daß diese beiden Lander den Weltmarkt vollkommen beherrschen
Der Werdegang der Nadel ist interessant muß doch trotz aller Maschinen und vervollkommneten technischen Einrichtungen jede Nadel etwa 60 bis 70mal angefaßt werden, ehe sie die Fabrik verlassen kann. Damals, als die Nadelfabrikation noch Hausindustrie war, wurden die Drähte den Arbeitern in die Häuser geliefert, und in den genannten Gegenden faßen fast in jedem Hause Brauen und Kinder, die die Drähte zerkleinerten, Huspitzten und lochten. Heutzutage geht die Sache rascher. Tie Drähte werden seitens der Fabrik schon auf Rollen gewickelt bezogen. Die Rollen fommen auf Gestelle und werden von ihnei» abgehaspelt. Hierbei laufen sie durch die Schneide- »wschine, die acht Drähte zugleich auseinander- lchnewet und die abgeschnittenen Stücke, die sogenannten „Schäfte", zwischen zwei parallel gehenden Blechwänden anhäuft. In zehn Stunden liefert eine derartige Maschine 500 000
Schäfte, und da aus jedem Schaft zwei Nadeln hergestellt werden, so liefert sie also in der genannten Zeit das Rohmaterial zu einer Million ^°<Die‘ Schäfte, die sich beim Zuschneiden etwa verbogen haben, müssen nun gerade gerichtet oder „gestreckt" werden, was man dadurch erreicht, daß man 20000 bis 30 000 (je nach der Dicke) zwischen zwei Ringe legt, so datz ein rundes, zylindrisches Paket entsteht. Dieses kommt in einen Glühofen und wird darin bis zur Hellrotglut erhitzt. Ist die Rolle heiß genug und damit der Stahl weich geworden, so wird sie aus dem Ofen genommen und auf eine Platte hin- und hergewalzt, wodurch sich die Schäfte strecken und ganz gerade werden. Sie werden dann, um sie zu härten, irr ein Oelbad geworfen, und nun kommen sie in die bereits erwähnte Spitzenschleifmaschine, die jeden Schaft an beiden Enden zuspitzt und außerdem in der Mitte noch eine Stelle blank schleift. Das Schleifen der Nadelspitzen ist eine zwar hübsch anzusehende, aber für den Arbeiter ungesunde Operation, bereit gesundheitliche Nachteile jetzt allerdings durch gewerbepolizeiliche Vorschriften bedeutend vermindert sind. Vom Schleifstein der Spitzenschleifmaschine sprüht ein lebhafter Funkenregen weg, und in großen Fabriken, wo viele derartige Maschinen nebeneinander stehen, sah es früher ans, als ob darin ein Feuerwerk abgebrannt wrrrde. Der Saal war erfüllt von sprühenden und glühenden Sternchen, die vom Schleifstein abgeschleudert wurden. Der Arbeiter, der den aus scharfkantigen Stahlteilchen bestehenden Schleifstaub einatmete, war natürlich übel daran. Jetzt werden die Funken in einem über dem Schleifstein befindlichen Rohre aufgefangen und mittelst eines Ventilators abgesangt. Nach dem Schleifen werden die Schafte in der Mitte durchschnitten, so daß also ans jedem einzelnen Stabe zwei Nadeln entstehen. Sollen Nähnadeln hergestellt werden, so wird vorher an der in Mitte abgeschliffenen Stelle noch ein Loch, das Oehr, eingestanzt. Die Stecknadel wird mit einem Kopf versehen, der entweder aus Messingdraht oder aus sehr weichem Eisendraht besteht. Beide werden in einer besonderen Maschine auf das abgeschnittene Ende der Nadel aufgepreßt. Diese Maschine, die nur von einem einzigen Arbeitet bedient wird, vermag etwa 600 000 Stecknadelköpfe pro Tag hcrznstcllei».
Bei der Nühnadelfabrikation auftretende Fehler waren die Veranlassung zur Eritstehnng der Stecknadeln mit Glasköpfen. Um» Jahr 1830, als das Einstanzen der Oesen noch in sehr primitiver Weise rind mit der Hand erfolgen müßte, war es nicht gerade selten, daß die Oese an die unrechte Stelle zu sitzen kam oder daß die Nadel ganz ausschlitzte. Derartige mißglückte Näh- und Stopfnadeln waren natürlich vollkoimuen unbrauchbar und mußten als Ausschuß weggeworfen werden. Ihre Zahl war eine so beträchtliche, daß sie einen empfindlichen Verlust bedeutete. Da kam der bereits erwähnte Fabrikant H. I. Neuß in Aachen auf die Idee, an solchen Nadeln oben ein Glasköpfchen anzuschmelzen, das die febler- hafte Stelle bedeckte und durch das aus der verunglückten Näh- oder Stopfnadel eine Stecknadel wurde. Durch diesen einfachen, eigentlich naheliegenden Gedanken war nickt nur ein bei der Herstellung der Nadel sich ergebender Uebelftanb ans der Welt geschafft, sondern es war auch der Industrie selbst ein neuer Anstoß gegeben, da.sich die Stecknadeln mit Glasköpfen rasch einer großen Beliebtheit erfreuten und in beträchtlichen Mengen bestellt wurden. Heutzutage befindet sich bei jeder Nadelfabrik, die Stecknadeln mit Glasköpfen liefert, eine kleine Glasfabrik, in der dünne Glasstäbe hergestellt werden. Diese iver- den mittels einer Lötrohrflamme an einen» Ende so weit erhitzt, daß sie weich werden und dann drückt eine Arbeiterin Nadel um Nadel in die weiche Glasmasse. Hierbei bleibt etwas Glas am Ende der Nadel haften, das die Arbeiterin durch rasches und geschicktes Drehen zu einem runden Köpfchen formt. In derselben, allerdings etwas mühseligen und zeitraubenden Weise werden auch Nabeln mit größeren Glasköpfen, also Hutnadeln und dergleichen, hergestellt. bei denen der Kopf, solange das Glas noch heiß und warm ist, durch Pressen mit besonderen Zangen die gewünschte Form erhält.
Nach den vorstehend beschriebenen Manipulationen ist die Nadel eigentlich fertig, doch schließen sich nun noch eine ganze Anzahl weiterer an, die dazu dienen, sie in versandfähigen Zustand zu bringen. Zunächst müssen die Nadeln gezählt merben, was angesichts ihrer Menge natürlich nur mit Hilfe von Maschinen geschehen kann. Diese Maschinen sinb so ausgestaltet, daß sie die Nadeln zugleich in Päckchen von je 50 Stück zusammen- packen. Die Päckchen werden jedoch noch einmal -auseinandergenommen und je 25 Nadeln in ein kleines Couvert aus schwarzem Papier gesteckt. Dann erfolgt das Verpacken mehrerer derartiger Briefchen in größere Couverts und endlich das der Couverts in Kartons. Ist die Nadel so weit fertig, so kann sie hinausgehen in die Welt, um dort ihren Zweck zu erfüllen, der darin besteht, daß sie nach meist nur kurzem Gebrauche — verloren wird.
Wo die etwa 150 Millionen Nadeln, die die Menschheit täglich verliert, eigentlich hin kommen — wer vermöchte das zu sagen?
Die ztnnst ves Heizens.
Es ist den wenigsten Hausfrauen bekannt, daß das Heizen eine Kunst ist, und zwar handelt es sich bei ihr einmal um den Ofen selbst, dann ober um das Heizmaterial und schließlich darum, wie man dieses zu behandeln versteht.
Bei den Stubenöfen, wie wir sie als unsere besten Freunde im Winter noch in den meisten Wohnungen haben, lassen sich drei Hauptteile
unterscheiden, nämlich der Herd ober Feuerraum, der Heizraum und der Rauchfang. Herd oder Feuerraum nennt man jenen Teil des Ofens, in dem das Feuer gemacht wird und die Verbrennung des Brennstoffes, also die Wärmeerzeugung vor sich geht. In ihm befindet sich der Rost. Der Rost gestattet den Zutritt der Lust, hat aber außerdem noch den Zweck, die Asche in bett Afchenraun» fallen zu lassen. — Der Heiz- raum ist der Ort, wo die Wärme ihre Wirkung ansübt. Bei den Stubenöfen bilden ihn die Ofenwände und das vorhandene Ofen- oder Rauchrohr, denn sie werden durch die im Herde erzeugte Wärme erhitzt. Das Rohr hat den Zweck, die im Ofen bei der Verbrennung erzeugten Produkte in den Schornstein zu führen. Da die heißen Gase bei beut Durchgänge das Rauchrohr erwärmen, so trägt bieses zur Erwärmung der Wohnzimmer um so mehr bei, je länger es ist. In dem Rauchrohr befindet sich gewöhnlich auch die so verwerfliche Ofenklappe oder der Schieber. — Der Schornstein (Rauchfang, Esse) bat nicht allein die Aufgabe, als Kanal zun» Abführen der Verbrennungsprodukte aus dem Ofen in die freie Lust zu dienen, sondern auch, der zur Verbrennung des Brennmaterials nötigen Luftmenge den Zutritt zu vermitteln. Wenn sich nämlich die Luft im Ofen und im Schornstein erwärmt, so wird sie leichter, zieht nach oben aus dem Schornstein und gibt dadurch Veranlassung, daß die kalte schwere Äußenlust durch die Aschen- össnung ober die Ofentüre in den Ofen nach- strönttz, sich ebenfalls erwärmt und durch den Schornstein entweicht. So entsteht der „Zug" des Ofens, dessen Notwendigkeit zur Unterhaltung des Feuers jedem bekannt ist. Natürlich ist die Wärme, die zur Hervorbringung des Luftzuges dient, für die Zimmerheizung verloren, aber doch bei jedem Ofen nötig. Damit sich der heißen Essenluft keine kalte Autzenluft. beimengt, wo- durch der Zug schwächer werden würde, sollte jedes Rauchrohr so beschaffen sein, daß es nur die aus dein Ofen konimende Luft abführt. Das tun die sogenannten russischen Kamine, die eng gleich- weit direkt vom Ofen aus bis über das Dach des Hauses emporgeführt werden.
Ist der Ofen durch die Berührung seiner Wände mit den heißen Verbrennungsprodukten, die mit der ihres Sauerstoffes beraubten Luft gemengt sind, warm geworden, so überträgt er die Wärme an die Zimmerluft. Im Zimmer wird die den Ofen zunächst umgebende Luftschicht von bei» heißen Ofenwänden erwärmt und steigt, weil sie dadurch leichter wird, nach auswärts, wo sie sich unter der Zimmerdecke ausbreitet. Das gleiche Schicksal erfährt nun die zun» heißen Ofen strömende kältere Luftschicht. Wenn sie an der Zimmerdecke ankommt, drückt sie die bereits kühler gewordene erstere Schicht nach abwärts gegen den Fußboden, und so kommt es denn, daß durch das Vordrängen der einen Luftschicht durch die andere schließlich die ganze Suftmenge eines Zimmers erwärmt wird. Haben wir also an »und für sich innerhalb des geheizten Wohn Emmers eine dem Auge nicht erkennbare ununterbrochene Luftströmung, so wird diese um so stärker, wenn auch kalte Aiißenluft einstromt.
Bei eisernen Oefen macht sich besonders die durch Ausstrahlung erzeugte Wärme bemerkbar. Für unser Gefühl ist sie nicht besonders angenehm, denn wir wissen alle, wie unerträglich der Aufenthalt in der Nähe eines starkgeheizteu eisernen Ofens ist, fo daß man sich vor ihm mit einem Ofenschirm schützen muß. — Damit ist schon das Urteil über eiserne Oefen gesprochen. Da das Eisen als guter Leiter die Wärme rasch auf- nimmt und ebenso rasch wieder abgibt, so werde»» die Stube»» zwar schnell warm, kühlen sich aber auch rasch wieder ab, wenn das Feuer im Ofen ausgegangen ist. Außerdem trägt der eiferne Ofen durch Verbrennen der Staubteilchen zur Verunreinigung der Lust bei. Vorzuziehen ist der Tonosen, der alle diese Schattenseiten nicht hat.
Was soll ein guter Stubenofen leisten? Er soll Brennstoff ersparen, keine gesundheitsschädlichen Stoffe an die Zimmerluft abgeben, die entwickelte Wärme fo weit ausnehmen, daß nur jener Teil, welcher zur Hervorbringung des Zuges nötig ist, in den Ranchfcing entweicht, und die Wohnstube gleichinäßig warm halten. Ist der Ofen so eingerichtet, daß er auch gleichzeitig eine Ventilation des Zimmers herbeiführt, so ist es um fo besser.
Die erste Bedingung ist die, daß die Verbrennung in vollkommener Weise erfolgt, denn nur bann, wenn der Kohlenstoff des Brennmaterials zu Kohlensäure verbrennt, bildet sich am meisten Wärme, die bei rationeller Ausnutzung eine große Ersparnis an Brennstoff möglich macht. Leider findet in unseren Stubenöfen eine solche vollkommene Verbrennung gewöhnlich nicht statt, weshalb man eine große Menge Brennstoff verbraucht, ehe die Stube warm wird. Hier kommen wir wieder zur wichtigen Rolle des Rostes, denn er ist es, welcher gestattet, daß der in einem geheizten Ofen herrschende Luftzug bei geöffnetem Aschen fall und geschlossener Heizöffnung die brennenden Körper durchströmt. Es ist daher »mbedingt nötig, daß schon beim Unheizen der Rost vollständig tauber ist, aber auch, daß weder das Brennmaterial noch die Asche seine leeren Zwischenräume verlegt, da sonst der Luftzutritt gehemmt und die Verb ennung unvollkommen oder unmöglich wird. Außerordentlich wichtig ist das Anheizen selbst. Es geschieht an» besten so, daß man mäßig lange, gespaltene Holzstückchen in Scheiterhaufen aufbaut und die zu verbrennende Kohle darauf packt. Dadurch findet ein lebhaftes Verbrennen des Heizstoffes im Ofen statt, der Ofen raucht nicht, und das Brennmaterial wird ganz ausgenutzt, so daß in der Asche Reste davon nicht mehr zu finden sind.
(?) Fragen, die immer falsch beant» wartet werden.
Ganz leichte Fragen werden oft falsch beand toortet, weil die Fragestellung irreführend ge wählt ist. Klassisch ist für dieses Gebiet die be> rühmte Schnecke, die sehr oft bei Gesellschaftsspielen auftaucht. Es handelt sich darum, wie lange sie braucht, um eine zehn Meter hohe Wand zu erklettern, wenn sie täglich 3 Meter aufwärts und dann wieder zwei abwärts klettert. Wer nicht sehr aufmerksam ist, wird sofort zehn Tags angeben, anstatt acht, wie es richtig ist. Selbst Mathematiker beantworten die Frage, wieviel zehnzisfrige Zahlen es gibt, falsch und geben ein-f Zahl an, bis aus lauter Neunen besieht, anstat 9 000 000 000. — Eine andere Rechenaufgabe, d» bei genügender Aufmerksamkeit leicht ist, wirs regelmäßig falsch beantwortet. Zwischen ds, Stationen Newhork und San Franzisko — dis ses Beispiel führt das „Strand Magazine" an - verkehrt täglich ein Zug in jeder Richtung, bet sieben Tage unterwegs ist. Gefragt wird, wie viel entgegenkommenden Zügen der Reisende be gegnet, wenn die Abfahrt an beiden Orten zu gleich stattfindet. Die richtige Antwort, die nuti unter hundert Fällen einmal erhält, ist 13, denh der Zug, der beim Einfahren am Ziel abfährt ist nicht mitzuzählen. — Ein Problem, befiel Lösung logische Schwierigkeiten bereitet, ist bat von dem Posten, der an feinem Wege nur bei borbeilaffen durfte, der die Wahrheit sagte, während er den Lügner toten mußte. An diesem kan eines Tages ein Witzbold vorbei, der auf die An> frage des Postens antwortete: er würde jetzt gv tötet werden. Es ist in der Tat nicht einzusehen wie der Posten in diesem Falle handeln sollte. — Ans die Klärung verwickelter Jamilienverhält nisse kommt es bei folgendem englischen Scher? an: Jemand beutete auf ein Bild und fagtej „Brüder und Schwestern habe ich nicht, aber be? Vater dieses Mannes ist meines Vaters Sohn Natürlich handelt es sich, was allerdings nicht ganz leicht herauszubringen ist, um das Bill seines Sohnes. — Durch unnötige Zutaten kam eine an sich leichte Aufgabe ebenfalls bedeuten! erschwert toerben. Das zeigt folgendes Beispiel? Jemand kauft bei einem Schuhmacher ein Paa« Stiefel für 8 Mark und gibt dafür ein Zwanzig- markstück in Zahlung. Der Schuhmacher niuj beim Nachbarn wechseln und gibt bann dem Käufer 12 Mark. Nach einiger Zeit stellt sich heraus daß das Geldstück falsch ist; der Nachbar läßt fick von dem Schuhmacher den Schaden ersetzen, »»n! es fragt sich, wieviel dieser verloren hat. Bei del Beantwortung kann man den Nachbarn ganz au# dem Spiel lassen. Der Schuhmacher hat natürlich nur die Stiefel, die unbezahlt geblieben sind und das, was er dem Käufer herausgegeben hat eingebüßt. — Wegen der eigenartigen Wahl dex Zahlenangaben wird folgende Frage regelmäßig falsch gelöst: Wie lauge braucht ein 100 Mete» langer Eisenbahnzug, um über eine 10 Mete» lange Brücke zu fahren, toenti er in der Sekund» 10 Meter zurücklegt? Die Antwort ist nicht 10, sondern 11 Sekunden.
Allerlei.
— Das Bauchrede»» als Retter iu der Not Der ausgezeichnete Anatom Professor Buxthorr in Cambridge saß int Jahre 1862 eines Abendi noch spät ganz allein in seiner Wohnung am Schreibtische, als plötzlich ein fremder, verkommen aussehender Mensch in das Studierzimmer trat und zu dem Gelehrten sagte: „Wir fiiib allein. Machen Sie keine Umstände. Geben Sie mir das Geld, das Sie in jener Schublade haben — oder ..." Dabei machte der Eindringling eine sprechende Geberde mit der Rechten die gleichzeitig ein Messer aus der Tasche zog. Der in dieser Weise überfallene Professor sah sturnm den Fremden und die Klinge an; darauf beugte er sich über den Schreibtisch, als wolle er das Geld aus der -Schublade nehmen, wo es sich , in der Tat befand. Ter Spitzbube trat dicht an ihn heran und zückte seine Waffe, um dem Gelehrten zuvorzukommen falls dieser etrva eine Waffe statt des Mammons hervorlangen sollte. Plötzlich fahrt der Eindringling zusammen. Aus dem Nebenzimmer, dessen Türe halb offen steht, hört er eine dumpfe Stimme: „Fürchte nichts, ich komme dir zu Hilfe!" Dies vernehmen und sich schleunigst aus dem Staube macken war für den Liebenswürdigen eins. Burthorn versuchte zwar, feine Flucht zu verhindern, doch es gelang ihm nicht. Nachdem er dann die Türe sorgfältig abgeschlossen hatte, um nicht etwa noch mehr ungebetene Gäste zu empfangen, setzte er sich ganz kaltblütig wieder an seinen Schreibtisch. Als der Professor am nächsten Tage diesen Vorfall einem Freunde berichtete, war natürlich dessen erste Frage, wer denn nun sein Retter im Nebenzimmer gewesen sei. „Mein verstorbener Vater", gab Burthorn mit trockenem Lächeln zur Antwort. „Wie, Ihr verstorbener Vater?" — „Nun, ja, er hat mir immer gesagt: Junge, lerne jede Fertigkeit, die du dir aneignen kannst, denn du weißt nicht, wann und wie sie dir von nutzen fein kann, und wäre es selbst das Bauchreden. Und so habe ich denn wirklich in meiner Jugend das Bauchreden gelernt, das mit diele Nackt einen so großen Dienst erwiesen hat!"
— Einseitige Besichtigung. „Alle Wetter, das ist aber eine Sehenswürdigkeit, da? neue Restaurant — „Nicht wahr? Haben Sie die prachtvollen Wand- und Deckengemälde bewundert und bas geschnitzte Büffet und die vergoldeten Stühle . . .?" — „Olein, fo weit sind wir noch nicht gekommen — heute haben wir vorerst 'mal das Bier probiert!"
— Der Backfisch. Gutsbesitzers-Töchterlein: „Auch ein Teil unserer Felder hatte das Glück, von den manöverierenden Regimentern zerstampft au werden."