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M 4.

Fulda, Donnerstag den 7. Januar 1909.

36. Jahrgang.

Iwertes Wtcltt.

j^Sie internationale Politik im Jahre 1908.

Auch 'm abgelaufenen Jahre, vielleicht noch jchärfer ausgeprägt als früher, war die hohe Po­litik, besonders die europäische Politik beherrscht Don dem Gegensätze Englands zu Deutschland. Fast alle internationalen Er­eignisse lassen sich hierauf zurücksühren. Tas eng- nsche Volk kann es nicht ertragen, daß die Teut- chcu in Industrie und Handel, vor allein im Zeeverkehre, seit zwei bis drei Jahrzehnten sich zelioaltig emporgearveitet haben und den Eng­ländern selbst auf übersecißchem Gebiete einen kmpfindlichen Wettbewerb bereiten, namentlich aber auch, daß sie eine Flotte zu bauen im Be­griffe stehen, die ihren überseeischen Verkehr und ihre Kolonien zu schützen imstande sind. England fürchtet, von seiner bisherigen Höhe hcrabgestürzt zu werden und seinem Nebenbuhler zu unterlie­gen. Zwar stehen die englisch; Handelsflotte und der englische Verkehr weit, '.mit voran und die englische Kriegsflotte ist immer noch; drei- bis viermal fo stark wie die deutsche, die ja auch noch hinter der amerikanischen zurückbleibt Allein trotzdem ist im englischen Volke die Besorgnis nicht auszurotten, daß Deutschland es im Handel und in der Seeherrschaft überholen werde, weil die Fortschritte, die Deutschland auf dem wirt­schaftlichen Gebiete machte, verhältnismäßig weit bedeutender waren als die Englands oder die irgend eines, anderen Volkes. Die Nervosität Englands steigerte sich bis zur Hysterie, die es überall Gespenster sehen läßt, besonders das Ge- spenst einer deutschen Invasion. Noch jüngst malte in einer öffentlichen Rede Lord Roberts, in militärischen Dingen die höchste Autorität in England, die Gefahr an die Wand, Deutschland könne einmal in einer finsteren Nacyt z^>eimal» hunderttausend Mann und noch mehr nach Eng­land werfen, ohne daß die englische Flotte auch nur die deutschen Zurüstungen und die Fahrt der deutschen Transportschiffe merke. Seine Ab­sicht war, seine Landsleute zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht anzuspornen. Uebrigens handelt es sich bei ihm nicht bloß um die wirk­samsten Maßregeln zur Verteidigung Englands gegen einen eindringenden Feind, sondern auch um die Aufstellung einer so starken Landmacht, daß England mit seinem Militär auch 'n bevor­stehende Kämpfe auf dem Festlande erfolgreich eingreifen könne, wie in den ruhmreichen Zeiten der Herzoge von Marlborough und Wellington. Englands Bündnis, das sagt ihm die Presse des befreundeten Frankreichs oft genug, gilt mehr, wenn es nicht bloß durch Schiffe, sondern auch durch Truppen unterstützt wird. Von deutscher Seite wurde die Warnung Lord Roberts als Hirngespinst und die Idee von der heimlichen Uebersetzung einer großen deutschen Armee nach England als ganz undurchführbar bezeichnet. In der Presse und in Versammlungen, im Reichstage und von der höchsten Stelle aus wird mit Nach, druck die sriebliche Gesinnung des deutschen Vol­kes gegen alle Welt und gegen England insbe­sondere betont. Die verschiedenen Besuche, die Zeitungsschreiber, Bürgermeister und andere städtische Beamte sich gegenseitig von Land zu Land machten, um gute Beziehungen von Volk zu Volk zu pflegen, änderten vorläufig in der Ge­sinnung Englands nichts: denn die Zahl derjeni­gen, welche sich aus der Verhetzung des englischen Volkes gegen Deutschland ein Geschäft machen, ist zu groß, sie sind zum Teil auch sehr einfluß­reich. König Eduard VII. war im Sommer des abgelaufenen Jahres beständig auf Reisen

und erhielt ebenso Besuche von den befreundeten Staatsoberhäuptern. Seine „EntentePoli­tik" ging offensichtlich darauf aus, Deutschland zu „isolieren". Der „Reiseonkel" unternahm als politischer Unterhändler die anstrengendsten Rundfahrten, um die Macht seiner Persönlichkeit auf F r a n k re i ch s und Rußlands maß­gebenden Persönlichkeiten wirken zu lasten. Der Erfolg war bekanntlich denn auch der englischer­seits gewünschte. Nicht nur die beiden genannten Mächte zeigten sich den englischen Wünschen ge­neigt, auch die kleineren Staaten Europas ivur- den stark von dem Ententefiebec ergriffen. Dies trifft in erster Linie bei Italien zu, das im Laufe der Zeit eine immer bedenklichere Zuneig­ung zu der französisch-englischen Seite zeigt. Selbst Oesterreich-Ungarn, unser treuester Bun­desgenosse, schien von den russisch-englischen Ein­flüssen nicht ganz unberührt zu bleiben. Da bc- fan1 die politische Lage Europas durch die U m­wälzungen in der Türkei mit einem Schlage ein ganz anderes Gesicht. Abdul Hamid, der vor einem Menschenalter zum Zwecke poli- tischer Quertreiberei eine Verfassung eingeführt, sie aber nach Kaltstellung der damaligen ihm nn- beouemen russischen Einflüsse wieder „suspen­diert" hatte, wurde von der jungtürkischen Be­wegung mit Hilfe des Militärs zur Wiederher­stellung der Verfassung und zur Einberufung eines Parlaments gezwungen. Dadurch wurden England und Rußland mit ihren Reformplänen über das Kantpfgebiet der verschiedenen Nationa­litäten der Türkei, Mazedonien, vorläufig kalt gestellt: denn mit dieser Reform verschivanden die Unruhen mit einem Schlage. England und Rußland mußte diese Pläne also auf eine „bes­sere Zeit" vertagen. Wenn man anch anfangs fürchtete, daß diese Zeit doch noch kommen werde, daß die Türkei aus sich selbst heraus die sicherlich notwendige Gesundung des Reiches nicht zn- stande bringen werde, so kann man nach den letz­ten Ereignissen doch hoffen, daß das türki'che Parlament, das kurz vor Jahresschluss seine Be­ratungen aufnahm. diese Arbeit mit Hilfe eines jungtürkischen Kabinetts leisten wird.

Für die europäischen Großmächte wäre nun die Balkanfrage erledigt gewesen, wenn nicht die große Staatenumwälzung auf dem Bal­kan im Anschluß an die Verleihung der türkischen Verfassung erfolgt wäre, nämlich die Au n e x i o n Bosniens und der H e rz e g o w i n a durch die Wiener Regierung und die gleichzeitige Un­abhängigkeitserklärung Bulga­riens. Dadurch wurde neuer Zündstoff zu in­ternationalen Händeln geboten, und lange Zeit hindurch wollten die Gewitterwolken am politi­schen Horizont nicht weichen, zumal auch die klei­neren Mächte durch die Neugestaltung auf dem Balkan ihre Interessen stark gefährdet sahen. So empörten sich vor allem die Serben und Monte­negriner, da sie ihre grotzserbischen Pläne vereitelt sahen. Griechenland wollte die Gelegenheit be­nutzen, um heimlich Kreta in griechischen Besitz zurückzufiihren, und Italien hinwiederum befürch­tete, daß sein größter Rivale am Adriatischen Meere, Oesterreich, den italienischen Bestrebttw gen in der Westtürkei, in Albanien, ein Ziel setze. Daß dann die Entente-Mächte England, Frankreich und Rußland mehr oder weniger sich hinter diese kleineren Saaten steckten, um sich aus dem allgemeinen Wirrwarr Vorteile zu ver­schaffen, ist leicht verständlich). Die Verhandlun­gen, die den ganzen Sommer und Herbst hindurch von Kabinett zu Kabinett gepflogen wurde», lie­fen schließlich in Erörterungen über die Einbe­rufung einer neuen Balkankonferenz aus. Wenn auch die allgemeine Erregung dabei bedeu­tend nachgelassen hat, so ist es doch noch höchst ungewiß, wann die Konferenz, die die Balkanver- hältnisse neu regeln soll, tagen kann. Es han-

MeineS Fenitteton.

— Die modernen Einbrecher sind nicht so un­kultivierte Leute, wie man sie sich gewöhnlich vor- stellt. Sie sind vielmehr äußerst interessierte Her­ren, die sich stets auf dem Laufenden über alle Schauspiele und Neuigkeiten halten. Im vorigen Jahre stellten mehrere Pariser Kinematographen eine phantastische Szene dar, wie Banditen auf einen fahrenden Zug sprangen, den Zugführer knebelten l,nd den Packwagen ausplü,werten. Bald daraus wurde man durch den Uederfall von Etampcs überrascht. Ganz kürzlich stellte uns ein neuer Film den „Schranktrick" dar. Zivei Jndi- viduen^kommen in eine Wohnung und bringen einen Schrank. Die Herrschaften sind abwesend, der Diener, der nichts weiß, ist höchst verwundert. Während nun die beiden mit ihm verhandeln, kriecht ein dritter Spitzbube aus dem Schrank her­aus und plündert alles Silberzeug. Als er da­mit fertig ist, schleicht er sich in den Schrank zu- rück, die beiden Komplizen nehmen den Schrank wieder auf und ziehen mit ihm davon, sich wegen des Irrtums lebhaft, entschuldigend. , In der vori­gen Woche ist nun dieser „Schranktrick" tatsächlich in die Wirklichkeit übertragen worden. Auch sonst benutzen die modernen Verbrecher jeden Hinweis. In Neuilly drückte eine Zeitung ihr Erstaunen darüber aus, daß eine vermögende alte Dame in einem einsamen Hause ohne jeden Schutz lebe. Kurz darauf suchten Einbrecher das Haus heim, die die alte Frau erwürgten und alle bewegliche Habe davonschleppten.

— Eßregeln. Daß eine große Zahl von chro­nischen Magenleiden von mangelhafter Mundver­dauung, von ungenügendem Kauen und Einspei­cheln der Speisen berrührt, ist wohl jetzt allgemein bekannt und die Bestrebungen nach einer verbes- |jerten Zahnpflege in der Schule und im ganzen

Volke haben davon ihren Ausgang genommen. Nun gibt es aber zahlreiche Menschen, die, trotz­dem sie ein gutes Gebiß besitzen, sich doch keine Zeit nehmen, die Nahrung gehörig zu zerkleinern, die das Essen im Flug herunterwürgen und jede Zeit als verloren betrachten, die sie mit dem Ein- ncbmen der Mahlzeit verbringen müssen: sie denken dabei entweder an zukünftige Geschäfte oder beschäftigen sich während des Eisens mit Lektüre. Itm solche Menschen an ein vernunstge- mäßes Essen zu gewöhnen, hat Dr. Pohl in Ber- lin eine Reihe Regeln aufgestellt, die alle den Zweck haben, diesen Personen das Essen erst wie­der zur Empfindung kommen zu lassen. So wird empfohlen, nicht den nächsten Bissen zu schneiden, sa lange man den vorigen noch kaue oder schlucke. Daun soll man so kauen, daß das Gefühl im Munde oder Geschmack unterscheiden, was fest und weich, was trocken und was feucht, was flüs­sig, salzig, süß oder sauer ist. Man hat viel mehr Wohlgeschmack, Sättigung und Anregung, wenn man alles mit „Verstand", d. h. langsam genießt. Man kaue möglichst so lange, bis keine ungleichen Teile mehr im Bissen sind. Wenn man kann, soll man in Gesellschaft essen. Die heftigsten Esser sind gewöhnlich Alleinesser. Wenn Zeit oder Ruhe in ganz besonderem Maße fehlen, so soll man weniger essen, als man essen will. -r.

— Wartburgfahrten. Professor M e y e n- bergs Wartburgfahrten erfreuen sich bereits einer Aufnahme in weiten gebildeten Kreisen, wie sie nur selten dem Werke eines katholischen Ge- lehrten zuteil wird. Am 9. Dezember begann der Verkauf und schon am 21. gleichen Monats ivar die erste Auflage vergriffen. Der Verlag hatte in der Voraussetzung eines großen Bedarfs vor- gesorgt und gleich eine zweite, durchaus unver­änderte Auflage vorbereitet, deren Verkauf un­mittelbar nach Expedition des letzten Exemplars der ersten Auflage begann.

delt sich hier weniger um Bulgarien, das tatsäch­lich schon längst sich nichts mehr von der türkischen Regierung, der Pforte, sagen ließ, ja selbst den jährlichen Tribut schuldig blieb, als vielmehr um Bosnien und die Herzegowina, das nicht bloß die Türkei, sondern auch Serbien und Montenegro beanspruchen.

Stach jahrzehntelanger Untätigkeit auf dem Balkan hatte sich Oesterreich-Ungarn unter dem energischen Minister des Auswärtigen, Frhrn. v. Aehrenthal, zu einer tatkräftigeren Aktion aufge­rafft: es wollte sich den für seinen Handel not­wendigen Weg nach den ostgriechischen Gewässern nicht mehr länger vorenthalten lassen. Das von Frhrn. v. Aehrenthal ausgearbeitete Sand­schak-Bahnprojekt rief natürlich bei den Ententemächten und noch mehr bei den kleineren Balkanstaaten große Erregung hervor, die nach­her bei der Annexion Bosniens und der Herzego­wina noch ganz bedeutend wuchs. Und doch mußte die Donaumonarchie schon aus ihrem In­teresse heraus so handeln. Man mag daher noch so viel von einem Bruch des Völkerrechts reden, Oestetreich-Uügarn muß die Annexion der ge­nannten Lander aufrecht erhalten, nachdem es sie ein Menschenalter. hindurch mit großen Kosten kultiviert hat. Und es wird das auch tun. zu­mal da es die Sicherheit hat, daß Deutschland ihm jedenfalls zur Seite stehen wird. Die Ent- schädigunasfragc spielt dabei eine ganz neben­sächliche Rolle. Wir Haden anch das feste Ver­trauen zu der in Aussicht genommenen Konferenz, daß sie in dieser Frage zwischen Oesterreich-Un­garn einerseits und der Türkei, Serbien und Montenegro andererseits vermittelnd wirken wird. Ob aber dann der „Wetterwinkel" endlich weniger von Kriegswolken umdräut sein wird? Wir glauben es in Anbetracht der großserbischen Pläne kaum.

Deutsches Reich.

.*. Deutsckie Aerzte in der Ostmark. Die ,Deulsche Zeitung^ klagt darüber, daß in einer Anzahl kleinerer Städte und Ortschaften West- pieußens seit längerer Zeit ein empfindlicher Mangel an Aerzten herrsche uud ladet deutsche Aerzte ein, in der Ostmark sich niederzulassen. Sie unterstützt diese Einladung durch den H n- weis darauf, daß gerade au8 den in der Ostmark praktizierenden deutschen Aerzten, in Anerkennung der unter schwierigen nationalen Verhältnissen ausgeübten Tätigkeit vielfach die Kreisarztstellen in der Ostmark sowohl wie im Reiche besetzt würden. — Daß die preußische Verwallungs- praxis dahin geht, höheren Beamten, wie z. B. auch den Oberlehrern, eine versteckte Ostmarken­zulage in der Form zu gewähren, daß sie die in der Ostmark wirkenden Beamten bei der Be- fördenmg bevorzugt, ist eine bekannte Tatsache. Wenn allerdings im Landtag darüber Klage ge­führt wird, dann schwört die preußsiche Regie­rung Stein und Bein darauf, daß bei der Be­förderung nur die berufliche Tüchtigkeit maß­gebend sei. Wer hat denn nun die.Deutsche Zeitung ermächtigt, deutschen Aerzten, die sich in der Ostmark niederlassen wollen, besonders günstige BesörderungSverhältnisie zu versprechen?

-s- Lehrerschaft und Sozialdemokratie. Die Lehrerschaft der Stadt Bremen hat sich seit langer Zeit den traurigen Ruhm erworben, in radikaler Bekämpfung deS christlichen Glaubens und der christlichen V lkserzrehung unter der liberalen Lehrerschaft Deutschlands an der Spitze zu marschieren. Eine starke Minorität im Bremischen Lehrerverein führt zur Zeit einen heftigen Kampf gegen den (liberalen) Vorstand des Vereins, weil dieser bei den Maßnahmen des Vereins nicht genügend die Forderungen der sozialdemokratischen Partei berücksichtige. Der steten Angriffe satt, veröffentlichte der Vorstand eine Erklärung, daß der Verein die Einseiligkeit vermelden müsse, sich auf eine bestimmte politische Partei zu stützen. Die radikalen Mitglieder deS Vereins veröffentlichten sofort eine Gegenerklärung, in der es heißt:

„Der Bremische Lehrerverrin vertritt die Forde­rungen der Einheitsschule, der Arbeitsschule und der weltlichen Schule. Die Erreichung bietet Ziele hängt aufs innigste zusammen mit der Neugestaltung der ökonomischen, sozialen und politischen Verhältniffe unseres Volkes. Diesen Zusammenhang klar erkannt zu haben, ist das unbestreitbare Verdienst der sozial­demokratischen Partei und es liegt deshalb im In­teresse aller ernsthaften Verfechter dieses dreifachen Zieles, die Bundesgenosfenschaft der Sozial­demokratie anzuerkennen. Wenn der Lehrerverein mit feiner Arbeit nicht in eine Sackgasie geraten will, fo ist unerläßlich, daß er sich die Mitarbeit der Partei zu nutze macht, die feine Ziele am konsequentesten und nachdrücklichsten erstrebt."

Dieses Dokument ist äußerst bezeichnend für den Geist, der den jüngeren radikaleren Teil der liberalm Lehrerschaft beherrscht.

volkswirtschaftliches und Soziales.

Q Die Viehzählung vom 2. Dez. 1907 er­gab nach der amtlichen „Statistischen Korrespon­denz" eine Zunahme der viehhaltenden Haushal­tungen. Sich stark vermehrt haben sich vor allem Maultiere, Maulesel und — Esel. Sehr ungleich liegen die Verhältnisse beim Rindvieh. Während dessen Gesamtzahl seit dem Jahre 1907 um 3,13 vom Hundert gestiegen ist, findet sich eine Zu­nahme von nicht weniger als 16,03 vom Hundert bei dem ein bis noch nicht zwei Jahre alten Jungvieh. Die Schafe haben seit 1906 um ein

Geringes angenommen. Die Schlachtungen an Schweinen haben danach in den letzten drei Jahren um 8,33 Prozent zugenommen, das heißt erheblich weniger als die lebenden Schweine. Die Schlachtung von Rindern ist gegenüber 1904 nur um 5,54 Prozent gestiegen, und die Schlachtung von Schafen hat um 3,97 Prozent abgenommen.

Ans dem Rachbargebiet.

* Hanau, 5. Jan. 1909. Durch Einatmen ausströmenden Gases fanden die Land- messer-Witwe Wallschmidl und Tochter den Tod.

* Melsungen, 4. Jan. 1909. Gegen 6 Uhr brach ein größerer Brand in den vier zusammen- gebaulen Häusern der Tuchmacher Winter und Holzhauer, des Schuhmachers Hartung und der Wwe. Richter aus. Der Brand war anscheinend im Dachraume eines der Häuser entstanden und ergriff rasch das Dachgeschoß aller aller vier Ge­bäude, das völlig zerstört wurde.

* Vom Eichsfelde, 4. Jan. 1909. In Weißenborn (Kr. Worbis) hat heute ein ruisisch-pplnischer Landarbeiter ein sechzehnjähriges Dienstmädchen erschossen und sich dann selbst durch einen Schuß schwer verletzt. Der Täter, der aus verschmähter Liebe gehandelt haben will, wurde verhaftet.

vermischter.

* Ein neues massives Haus für 300 Mark kaufen zu können, dürfte in der heutigen Zeit zu den Unmöglichkeiten gehören, und doch ist diefer Fall vor längerer Zeit in Hörde passiert. Vor dem bärtigen Amtsgericht stand damals Termin zur Zwangsversteigerung eines in der Roonstraße belegenen dreistöckigen Hauies an, das mit zirka 2S0Ö0 Mark bewertet und mit 18 000 Mark von der Sparkasse zu Anröchte-Erwitte an erster Stelle beliehen ist. Der Antrag auf Zwangsver­steigerung war wegen rückständiger Zinszahlung ergangen, und da der Besitzer auch noch die Stra­ßenbaukosten schuldig geblieben, so trat die Stadt­verwaltung diesem Verfahren bei. Als nun ber Termin zur öffentlichen Versteigerung anftanb, war Weber die Sparkasse Anröchte, noch bis Stabt Hörbe vertreten, um bei ber Feststellung des ge­ringsten Gbots ihre Ansprüche geltend zu ma­chen. In bas geringste Gebot kamen daher nur die Gerichtskosten, die mit zirka 300 Mark festge­stellt wurden. Der in dem Termin anwesende Bauunternehmer R., ber auf bem Hause euch noch eine Sicherungshypothek hatte, bot biefen Betrag von 300 .JH als einziger Interessent aus itnb ihm würbe auch ber Zuschlag erteilt. Die mit 18 000 Mark ausgefallene Sparkasse strengte nun Pro­zeß auf Nichtigkeitserklärung bes Verkaufes an, wurde aber abgewiesen, so baß ber Kauf nunmehr zu Recht besteht.

Marktberichte.

* Frankfurt, 4. Jan. 1908. |®etreibemarit.] Der heutige Markt verlief sehr ruhig. Die Mühlen neigten gegenüber ben erhöhten Forberungen für in» länbische Vrotfrüchte Zurückhaltung; trotzbem konnten die Preise eine Kleinigkeit anziehen. Hafer bei weniger starkem Angebot gegen dre Vorwoche unveränbert. Gerste still, ohne nennenswertes Geschäft. Mais ruhig. Mehl lustlos. Auslänbische Vrotfrüchte gegen bte Vor­woche unveränbert. Es notieren jenach Qualität: Warzen, hiesiger unb Wetterauer 21.00 -21.25 Mark, kurhefsischer 21.25-21.50 Mark, norbbeutscher 21.25—21.50 Mk., xuff. 23.50-25.00 M., Web Winter 23.50—24.25 Mk., Kansas 23.50-24.50 Mk., La Plata 24.00—24.75 M., Wumän. 23.75-24.75 Mark, Roggen, hiesiger, 17.20 bis 17.40 Mk., russischer 00.00—00.00 Mk., rumänischer 00.00-00.00 Mk , («erste hieß u. Wetterauer 18.50—19.50 Mark, Pfälzer 18.50 -19.50 M., Rieb 18.50—19.50 M., Hafer, hies. 16.00-17.25 Mk., bayer. 16.00-17.25 Mk., württbg. 00.00-00.00 M., russischer 17 25-18.25 Mk., rumän. 00.00-00.00 Mk., La Plata 17.00—17.75 Mark, Mats (Mixrb) 15.75-16.00 SW, rüst. 00.00 -00.00 M., Donaumais 00.00-00.00 M, La Plata 17.00—17.50 Mk. Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: ruhig. Weizenmehl Nr. 0 30.00—30.25 Mark, Str. 1 28.25-28 75 Mark, Nr. 2 27.50-27.75 M„ Nr. 3 26.50-26 75 Mk, feinere Marken 0.50—1.00 Ü)i. höher. Roggenmehl Nr. 0 25.00-25.50 M, Nr. 1 23.00-23.50 M, Nr. 2 19.00-19.50 SW. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futtermittel: still. Weizenschaleu 9.75-10.00 Mk, Weizenkleie 9.75—10.00 M, Roggenkleie 10.50—11.00 Mark, Futtermehl 13.50—14.00 M, Biertreber, getrocknet, 13.00—13.50 Mark. Alles per 100 Silo netto effektiv loko hier.

Reklamen- und Anzeigenteil.

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