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verantw. Redatteurr

i. v.: A. we stier-.

36. Jahrgang.

Fulda, Dienstag den 5. Januar 1909.

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M 3.

Zweites Wtcrtt.

(] Das neue Besoldungs-Gesetz und die Fnldaer Lehrerschaft.

Man schreibt uns: „Verschiedene Tagesblätter (auch das hiesige.Kreisbl/) berichteten in jüngster Zeit über den Effekt der neuen Lehrerbesol« dungs'Vorlage gegenüber den bisherigen Ein« kommens-Verhältniffen der Volksschullehrer. Die meisten diesbezüglichen Artikel klangen aus in der Behauptung: Keine andere Beamten - Kategorie erhält durch die bevorstehende Gehaltsregulierung eine so bedeutende Aufbefferung wie die Lehrer. Diese Behauptung mag wohl sür die in der Leh­rerbesoldung noch sehr rückständigen Gemeinden Ostelbiens zutreffen, sür die westlichen Provin­zen aber ist sie fast durchweg ganz ungenügend, lumal es hier weit mehr als 10,000 Lehrer gibt, die nach Annahme der Regierungs-Vorlage statt einer Ausbefferung eine Verringerung ihres Diensteinkommens zu erwarten hätten. Das ist auch der Grund gewesen, warum im Abgeord­netenhaus« die von der Staatsregierung vorgelegte Lehrerbesoldungs • Ordnung von allen Parteien einmütig als verbefferungsbedürftig bezeichnet wurde. Es darf wohl angenommen werden, daß die verbessernden Kommissions-Beschlüsse der zweiten Lesuüg, da sie im Einverständnis mit der Regierungs-Vertretung erfolgten, im Plenum zur Annahme gelangen werden.

Rach diesen Beschlüssen soll für sämtliche Volks­schullehrer der Monarchie die gleiche Gehaltsord­nung gelten, und zwar sollen in den ersten vier Dienstjahren 1120 Mark, vom 5. bis 7. Dienst­jahre einschließlich einNormal-Grundgehalt von 1400 Mark gezahlt werden. Hierzu treten mit dem Beginn deS 8. Jahres der amtlichen Tätigkeit in dreijährigen Stufen 9 AlterSzu- lagen in der Höhe von 2 mal 200 Mark, 2 mal 250 Mark und 5 mal 200 Mark. Erste und alleinstehende Lehrer an Landschulen, die als solche 40 Jahre tätig waren, erhallen außerdem noch 'eine sogen. Amtszulage von 100 Mark jährlich. Ferner können in Gemeinden, in denen das Höchstgehalt der Lehrer bisher mindestens 2800 Piark betrug, besondere Ortszulagen gewährt /werden. Diese Ortszulagen, deren Bezug von der Erreichung einer bestimmten Dienstzeit ab­hängig gemacht werden kann, dürfen im Maxi­mum für Lehrer nicht über 900 Mark und für Lehrerinnen nicht über 500 Mark betragen.

Abgesehen von der gesetzlich zulässigen Orts­zulage wird die neue Besoldungs-Ordnung nur denjenigen Lehrern in Fulda, die bereits 12 Dienst­jahre haben, eine Ausbefferung von 50 Mk., und denen, die schon 16 Jahre im Dienste sind, eine solche von 100 Mark pro Jahr bringen. Da, wie erwähnt, von einer Aufbesserung alle Lehrer Fuldas ausgeschlossen sind, die noch nicht über 13 Dienstjahre haben, so macht die ganze Er­höhung bei einer 3 ljährigen Dienstzeit im Jahre durchschnitilich 53 Mark aus.

Mährend seither die Lehrer in mittleren Städten — so auch in Fulda — je nach dem Dienstalter einige Hundert Mark mehr bezogen als ihre Kollegen auf dem Lande, so tritt jetzt hier der Fall ein, daß das gesetzlich festgelegte Gehalt der Lehrer in den meisten Landgemeinden unseres Kreises infolge der erwähnten Amtszu­lage im Jahre 100 Mark höher ist, als in der Stadt Fulda.

Noch ungünstiger liegen die Verhällniffe für die Lehrerinnen Fuldas. Da das neue Grundgehalt (1200 Mk.) das seitherige (1150 Mark) übersteigt, so bedeutet die neue Gehalts- ordnung für dieselben in den ersten 7 Dienst­jahren allerdings eine jährliche Erhöhung von 50 Mark. Nun sind aber die seitherigen Alters­zulage ätze höher, als die neuen, und so bringt die neue Gehaltsregelung den Lehrerinnen vom 8. Dienstjahre an eine Verringerung ihres Einkommens. Vom 8. Dienstjahre an bleibt nämlich die neue Gehaltsordnung hinter der jetzt 'geltenden in den dreijährigen Alterszulagestufen

fortschreitend um 20, 90, 160, 180, 200, 22g, 240, 260 Mark, vom 32. Dienstjahre an um 230 Mark pro Jahr zurück.

Da vor dem Inkrafttreten des neuen Besol­dungsgesetzes die endgiltig angestellten Lehrer und Lehrerinnen zur Erklärung darüber auszu­fordern sind, ob sie sich den neuen Bestimmungen unterwerfen wollen oder nicht, werden sich die Fuldaer Lehrerinnen wohl sür Beibehaltung ihrer seitherigen Besoldungsordnung entscheiden müssen, falls ihnen nicht die durch das neue Gesetz ent­stehende Gehaltsdifferenz seitens der Stadt Fulda als Ortszulage gewährt werden sollte.

Wenn allen übrigen mittleren Staatsbeamten durch die neue Besoldungsordnung namhafte Aufbeflerungen zuteil werden, so darf wohl auch die hiesige Lehrerschaft erwarten, daß sie mit einer entsprechenden Erhöhung ihrer Dienstbezüge durch Bewilligung von Ortszulagen bedacht wird. War man seither in den meisten mitt­leren Städten gezwungen, den Lehrern höhere Gehälter zu zahlen, als das noch geltende Be­soldungsgesetz von 1897 vorschreibt, und fühlte man sich sogar genötigt, den Bewerbern um vakante Schulflellen noch Nmzngskosten anzu­bieten; so werden viele städtischen Gemeinden jetzt, da das Einkommen zahlreicher Landlehrer das ihrer Amtsgenossen in der Stadt übersteigen soll, nicht umhin können, unter Berücksichtigung der durch Handel, Verkehr- und Jndustrietätig- keit bedingten Teuerungsverhältniffe besondere Ortszulagen für Lehrer und Lehrerinnen zu ge- währen.

Ausland.

* Ein Geständnis. Der sozialdemokratische Journalist Max Winter war, wie wir der Wiener .Reichspofft entnehmen, kürzlich in Johannes, berg in Ober-Ungarn; was er dort sah und erlebte, schildert er in der Weihnachtsnummer der ,Arbeiterztg/ unter dem Titel „Wer schafft das Geld zutage . . . ." Da lesen wir ein glänzendes Zeugnis dafür, daß die katholische Religion doch nicht die „Todfeindin des Deutsch­tums" ist, wie ansonsten auch die Sozialdemo­kraten in Gegenden, wo solche Lügen ziehen, zu behaupten sich erlauben. Es heißt in dem Auf­satz, in welchem bittere Klage über die gewalt­same Magyarisierung dieses deutschen Ortes Klage geführt wird, wörtlich:

Nur in einem macht die Schulmagyarisierung Halt. Der Religionsunterricht wird deutsch erteilt und auch die Predigten in der Kirche sind deulsch. Die Kirche versteht keinen Spaß. Sie will sich den gläubigen Seelen durch eine unverständliche Sprache nicht entfremden. So wird die Kirche zur Trägerin der nationalen Erhaltung, und da sie das einzige offizielle Deutsche ist, was in diesem Winkel Oberungarns zu finden ist, macht sie auch gute Geschäfte. Me Seelen fliegen ihr zu und die Kathol. Volkspartei bringt ihr politischen Trattätchen und ihre Kalender in jedem Hause an den Mann.

Die gehässigen Bemerkungen, welche in den letzten Sätzen enthalten sind, vermögen die Wahr­heit dieses ehrenden Zeugnisses nicht zu entkräften.

* Die französischen Senatswahlen sind, soweit bis jetzt bekannt ist, zugunsten der Re- gikrungsparteien ausgefallen. Clemenceau wurde mit großer Mehrheit im Departement Var wiedergewählt. Auch die übrigen Ge- wählten dieses Departements sind ministeriell­radikal.

* Rückgang der englischen Staatseinnahmen. Der letzte Quartalsausweis der Staatseinnahmen weist eine Mindereinnahme von 610821 Pfund Sterling auf. Insbesondere zeigt sich ein be­deutender Rückgang der Zolleinnahmen, und zwar um 947 OuO Pfd. St., und der Verbrauchs­steuern um 550000 Pfd. St. Der Ausweis für die neun Monate vom 1. April bis 31. Dezember zeigt eine Mindereinnahme von 5029 503 Pfd. St., an der die Zölle mit 3 061000 Pfd. St. und die Verbrauchssteuern mit 1170000 Pfd. St. beteiligt sind.

Aus dem Nachbargebiet.

* Brückenau, 4. Jan. 1909. Die Besitzer der Heilquellen (Siebenersprudel) in Brückenau wer­den im Frühjahr ein einfaches, hübsches Bade­haus mit 25 bis 30 Kabinen erbauen.

* Wächtersbach, 2. Jan. 1909. Der nachmit- tags kurz nach 5 Uhr von hier in der Richtung nach Birstein abgehende Personenzng, üb er­fuhr am Bahnübergang Hesseldorf-Weilers ein Bierfuhrwerk. Eines der Pferde wurde getötet, das andere verletzt. Der Kutscher rettete sich durch Abspringen vom Fuhrwerk. Der Zug konnte nach geringer Verspätung weiterfahren.

* Frankfurt, 4. Jan. 1909. Die seit 5 Jahren hier bestehenden Engros-Ausverkaufs- t o ge haben hi diesem Jahre, sie dauerten vom 28. bis 31. Dezember, einen großen Erfolg zu ver- zeichnen gehabt. Die beteiligten Geschäfte sind sehr zufrieden, eine Firma hat für über Va Mil­lion Mark Waren verkauft.

* Kassel, 4. Jan. 1909. Der 39 jähr. Hand­werker Wagner aus Rothenditmold versuchte am Samstag abend auf der Haltestelle Harleshausen den Zug zu besteigen, nachdem er sich bereits in Bewegung gefetzt hatte. Infolge der Glätte rutschte er vom Trittbrett ab und kam unter die Räder. Das rechte Bein wurde ihm abgefahren und der Unterschenkel des linken Beines gebrochen. Außerdem trug er Kopf- und Handverletzungen davon. Im Landkrankenhaus wurde ihm das rechte Bein amputiert. — Verliehen wurde dem Oberstaatsanwalt Viebig bei seinem Ueber- tritt in den Ruhestand der Kronenorden 2. Kl. — Ein neues Bergturnfest ist im 7. Deutschen Turnkreis und zwar im Nordhessisch- Waldeckschen Gau erstanden. Die Kasseler Turn­vereine beabsichtigen dieses Turnfest jedes Jahr zu begehen und zwar auf Wilhelmshöhe in der Nähe des Herkules. Für dieses Jahr ist der 22. August bestimmt worden.

♦ Marburg, 4. Jan. 1909. Dem bekannten Marburger Geologen, Professor Dr. Kayser, wurde der Charakter Geh. Reg.-Rat verliehen.

* Moischt bei Marourg, 4. Jan. 1909. D i e alte Linde an der Straße nach Schröck und ihr Sprößliug tverden nun doch stehen bleiben. ,5D’e Straßenverwaltung wollte die Straße an dieser Stelle verbreitern, anderseits sollte der Weg hin­ter der altehrwürdigen Linde, die schon zu Boni- fat'us Zeit existiert haben soll, hergefiihrt wer­den. Ta die Verwaltung mit ihren Forderungen zurücktrat, ist so alten Wiinschen entsprochen wor­den.

* Vom Westerwald, 4. Jan. 1909. Das ehr­würdige Oberhaupt eines Westerwald-Dörfchens lieferte vor kurzem ein drolliges Stückchen un­freiwilligen Humors. Es sollte ein Grundbuch angelegt werden, und das Amtsgericht beauftragte den Bürgermeister, die sechs ältesten Leute des Dorfes namhaft zu machen. Der wackere Manu besann sich nicht lange und schickte die An­frage mit dem Vermerk zurück: „Die sechs älte­sten Leute des Dorfes sind bereits gestorben!"

* Eisenach, 4. Jan. 1909. Die Fahrzeug­fabrik Eisenach hat bei der auch Eisenach be­rührenden Armeeprüfungsfahrt für Lastauto- mobile vorzüglich abgeschnitten. Es verlautet, daß bei der Subventionsfahrt recht gute Ergeb­nisse zutage gekommen sind, und daß die Fahrt die Leistungsfähigkeit der deutschen Automobil­industrie für private und militärische Zwecke glänzend erwiesen hat.

* Darmstadt, 4. Jan. 1909. Im Juni d. I. wird dec Rhein-Main-Gastw'rte-V»rvand sein 25jähriges Jubiläum feiern. Mit der Feier wird unter dem Protektorate des Großherzogs eine Fachgewerbe-Ausstellung für das Hotel- und Wirtschaftswesen im Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe verbunden sein. Gleichzeitig wird auch der 17. Bundestag deutscher G a st- Wirte dahier tagen. ____

vermischtes.

* Der Konkursverwalter der Solinger Bank hat nunmehr gegen die Aufsichtsratsmitglieder bezw. gegen die Erben eines verstorbenen Auf­sichtsratsmitgliedes die Regreßklage beim Land- gericht Elberfeld in Höhe von fünf Millionen er­hoben. Nur gegen ein Aufsichtsratsmitglied, das erst seit dem Frühjahr 1907 seine Aufsichtsrats.

tätigkeit ausgeübt hat, ist der Klageanspruch auf 1200 000 M beschränkt worden.

*Drei Weihnachtsurlauber, ein Matrose, ein Husar und ein Infanterist, überfielen in Alten­bochum bei Bochum die Bergleute Bischoff und Schaub. Bischoff wurde er st o ch e n, Schaub da­gegen lebensgefährlich verletzt. Ein Bruder des erstochenen Bischoff wurde infolge der Aufregung von Herzkrämpfen befallen und schwebt in Ge­fahr, seinen Verstand einzubüßen. Der Husar und der Infanterist wurden verhaftet, der Ma­trose, der in Kiel stationiert ist, entfloh.

*. Tienmerikanische Millionärstochter Gonld hatte sich mit dem französischen Grafen Boni de Caftellane vermählt; doch da sie den Daumen sehr auf den Geldbeutel hielt, dauerte die Liebe nicht lange. Schließlich ging man auseinander, und den Schluß bildete ein großer Prozeß. Der Hauptpunkt war für den Grafen die Ertrazahlung einer standesgemäßen Jahres-Rente von 300 000 Mark, er ist aber damit vom Gericht abgewiesen worden.

Gotterdienstordnung in Mda.

Mittwoch, 6. Januar. (Fest der hl. Dreikönige.)' Dom. *A6, 6 und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, ’/tlO Uhr Kalhedralamt und Predigt, 12 Uhr hl. Messe, Uhr Andacht, 4 Uhr Abendandacht.— Stadtpfarrkirche. */.6 Uhr hl. Messe und Predigt, V«7 und 7 Uhr hl. Mefie, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, */ilO Uhr Amt und Predigt, 3 Uhr Andacht. —; Pfarrkirche zum hl. Geiste. '.7 Uhr Austeilung der hl. Kommunion, 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Nonnenkirche. */.10 Uhr Festgottesdienit für den katholischen Männer­verein M. N. — Frauenberg. Hl. Messen von 5—7 Uhr, 8 Uhr Rosenkranzmesse, 9 Uhr Levitenamt, zugleich feierlicher Militärgottesdienst mit Predigt, nachmittags 2 Uhr Predigt, Andacht und Umgang für die AntoniuS- Bruderschaft. I

Dienstag, 5 Januar. Frauenberg. Nachmittag- */»5 Uhr feiert Vesper mit sakrament. Segen. |

Gottesdienstordnung in Hassel.

Mittwoch, 6. Januar (Hl. Dreikönige).

Kassel-Alt. s.Pfarrkirchezur hl. Elisabeth. (Friedrichstraße 16): 7 Uhr hl. Messe mit Austeilung der hl. Kommunion, 8 Uhr Militärgottesdienst (auch für Zivilpersonen), st,10 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr Schulgottesdienst mit katechet. Ansprache, */«3U. SegenS- Andacht. Au den Wochentagen ’/.8 und */i9 Uhr hl. Messen. Gelegenheit zu beichten vor Sonn- u. Festtagen von nachmittags */i5 Uhr an, an diesen selbst von 6 Uhr morgens an. |

b. Pfarrkirche zur hl. Familie (Kölnisch« Straße 53, nahe beim Hauptbahnhof): Hl. Messen um 7 und *|i9 Uhr, Uhr Hochamt, 11 Uhr hl. Messe mit Predigt, abends 6 Uhr Segen mit Andacht vom Feste der Erscheinung des Herrn. — Gelegenheit >u beichten vor Sonn- und Festtagen nachmittags von 5—7 Uhr, an diesen selbst von 6*, Uhr morgens an. — An den Wochentagen 7*° (u. 81/») Uhr hl. Messe.

Kafiel-Rothenditmold. (Josephskirche, Bellmarsch« Straße 32.) 8 Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt mit Predigt, nachmittags. 2 Uhr Andacht mit Segen.

Kasfel-Bettenhausen. (Stiststraße 27.) V«7 Uhr Frühmesse, 9 Uhr Hochamt und Predigt, nachmittags 2 Uhr Sakramental-Andacht.

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