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35. Iahrqanq.'

Fulda. Mittwoch Den 30. Dezember 1908.

JW 360.

Gr Kes TÖlatt.

ter blamieren.

(Nachdnick verboten.)

B3]

lange der Reichskanzler noch tm Amte zu bleiben gedenke. Die Weihnachtstage sind vorüber; der Reichskanzler hat ein Weihnachtsgeschenk nicht

.. Kein Weihnachtsgeschenk für den Reichs­kanzler. Politiiche Äteite, die r»em Fürsten von Bülow sehr nahestehen, hatten vor Weihnachten mit gewichtiger Miene verkündet, daß an den WeihnachtSseiertagen ein ganz besonderer Ver- lrauenSerweiS für den Fürsten Bülow er­folgen werde; man möge erst diese Zeit ab- warten und dann weiter darüber urteilen, wie

Der Block hat schon in den Derfassungsdebatten I Feiertage überhaupt nicht gesehen und ihn seine Unfähigkeit gezeigt; er mag sich nur wer-1 leit längerer Zeit nicht empfangen. LUet vemerrr wird dagegen, daß der neue Chef des otvu« kabinettS, Herr v. Balentrni, bereit- den Titel Exzellenz empfangen hat und daß Exzellenz von Balentini in jeder Woche mehrmals beim Kaiser zum Vortrag erscheint. Welche politische Kom» btnaiionen an diese Vorkommnisse zu knüvsen sind, wollen wir nicht untersuchen; in manchen Kreisen sieht man dem Reujahrsempsang mit Spannung entgegen, denn man weiß, daß bet( Kai er sich von der Generalität an diesem Tag- eingehend Bericht erstatten läßt. ,

* Im preußischen Abgeordnetenhause wird der Etat m dreiem Jahre am 12. Januar vorgelegt werdm. Es ist das die 1. Sitzung nach denFerien. An dem Tage wird dann wahrscheinlich Finanz«, Minister Freiherr v. Rheinbaben seine große

Deutsches Reich-

-4- DaS Zentrum als Aushilfsmädche«.

In den liberalen „Grenzboten" veröffentlicht der künftige Chef der Presse-Abteilung rm Aus­wärtigen Amte, W. v. Massow. einen Aussatz über die Schwierigkeiten der inncrpolrtischen Lage.

Der Artikel enthält eine Drohunganden Freisinn, dem vorgeworfen wird, daß er eine unfruchtbare" Steuerpolitik treibe, „deren Fol­gen leicht in verhängnisvoller Weise auf den Libe­ralismus zurückfallen können." Wenn der Frei­sinn nicht den notwendigen guten Willen betätige, dann müsse er sich darauf gefaßt mad)en. daß Fürst Bülow mit dem Zentrum seinenI Frieden mache und mit einer konservativ-klerika- len Mehrheit regiere. Mit leidenschaftlichen Hin- weifen auf die Verruchtheit des Zentrums ser nichts getan. Das Zentrum habe bei vielen wich­tigen Gesetzen positiv mitgearbeitet, der Regie­rung nicht solche Schwierigkeiten gemacht wie die bürgerliche Linke noch beim Vereinsgesetz; tn den maßgebenden Kreisen des Zentrums sei ne Wut über die Ausschaltung verraucht und herrsche Reue darüber, daß man den demagogischen Ele­menten der Partei ehedem zu weiten Spielraum gelassen hat; das Zentrum strebe zurück in eine einflußreiche, mindestens nicht einflußlose Stel­lung und habe darum eine geschickte Haltung ge­genüber der Krone beobachtet. Es werde mit ge­ringfügigen Zugeständnissen zufrieden sein, wah­rend der Liberalismus ungleich größere Opfer fordere. Als solches eventuelle Zugeständnis an das Zentrum bezeichnet der Artikel die Besetzung des preußischen Kultusministeriums mit einem Manne streng kirchlicher Rich-

** Berlin, 29. Dez. 1908. Der Kaiser hat auS Anlaß der Erdbebenkatastrophe in Süditalien ein herzliche- Beileidstelegramm an König Viktor Emanuel gesandt. — Die Inter« nationale Kriminalist ische Vereini­gung wird in den ersten Tagen de- Januar in Beilin im preußischen Abgeordnetenhaule zur Beratung der neuen Stiasprozeßoidnung zu­sammentreten. — Ein deutf her Richterbund tritt am 1. Januar 1'109 ins Leben. Er be­steht au8 den Richterveleinen in Baden, Baye n, Ellaß-Lolhnngen, Heften und Sachten, mit etwa 3000 Mitgliedern. Er beiweckt die Förderung der Rechtspflege und der Berufsangelegenheiten der deutschen Richter und Staatsanwälte.

Erscheint täglich rtt

Ausnahme der Sa nt' und Feiertage vlertel» sShriiche'Sezugrprel, ohne Srtngerlohn and VesteLgeld in 8ulda so­wie amwärtrl-SdMk.

verantw Hebattemr: «ar« schütter

Wochwrellaee:„IllustrierteSonntagszeitung

AurückgekeHrt.

Erzählung von Melati von Java. Uebersetzt von Dr. I. B. Fuß.

Der Hauptgrund aber, weswegen man in I ben letzten 20 Jahren keine katholischen An­siedler ansetzen konnte, ist nach v. Pelel-Rar- banne die ZentruwSkandivatur de- deutschen Pfarrer« Roenipie- im Kreise Meseritz- Bomst. Herr v. Pelet sagt nämlich, daß an- qosicht» der „politischen Machenschaften deS Zen­trums^ Katholiken in der Ostmark nicht an- gesiedelt werden könnten, und fährt wörtlich fort:

Der wichtigste Schritt dafür war jedenfalls da­von allen nationalen deutschen Blättern jeder Richtung als „schmachvoll" gekennzeichnete Bündnis mit den Polen Seine Erfüllung er,orderte eS naturgemäß, daß die deutschen Katholiken veranlaßt wurden, für den Polen gegen den deutschen Landsmann zu stimmen oder, wie man in gleisnerischer Faückhett so jchSn sagte, .für den deutschen Bruder polnischer Zunge".

Auf die kleine Ungenauigteit, den echt­deutschen Pfarrer Roenspies als Polen zu bezeichnen, kommt es dem Verfasser nicht an. Es intereisiert uns aber, au8 diesem Beispiel die rückwirkende Kraft politischer Ereigmsfe zu er- kennen. Also man konnte in den Jahren 1890 und 1900 keine katholischen Ansiedler anletzen. weil daS Zentrum im Jahre 1908 im Wahl­kreise Meseritz-Bomst einen eigenen deutschen Kandidaten aufaestellt hat. Aber warum haben die Hakatisten uns das nicht vor 2o Jahren schon gleich gesagt?

Zentrum».

Da sieht man wieder, was für schlechte Men­schen diese Zentrumsleute sind. Da tun sie im­mer So, als verträten sie die Rechte der kaihol. Kirche und Bevölkerung, in Wahrheit aber trägt daß Zentrum ganz allein die Schuld, daß im Osten proteitantified wird, eS sieht marmorkalten Herzens zu, wie die Regierung heiße Tränen weint, weil sie in ihrem Bestreben, katholische Ansiedler anzuietzen, auf unüberwindliche Hinder­nisse stößt. Rein Wunder, daß Herr v. Pelet- Skmbonne übet diese antikaiholische Haltung des Zentrums im höchsten Grade entrüstet ist. Wie gut, daß wir doch noch unsere Hakatisten haben, die gegen solche protestantisierenve Gelüste deS Zentrums auftreten!

Rächst dem Zentrum sind nach Herrn v. Pelet b>e polnischen Geistlichen die Bösewichte, die die Ansiedelung von Katholiken unmöglich machen; sie sträuben sich gegen die Anwendung der deutschen Sprache in der Kirche. Run wird zwar im Osten den deutschen Katholiken, wenn sie in bewert batet Zahl vorhanden sind, auch entsprechende Berücksichtigung im Gottesdienste gewährt, aber daS ist noch lange nicht genug. Deutsch ist die SlaatSjprache, darum fort mit allen polnischen Liedern und Gebeten, fort mit polnischen Predigten auS Den polnischen Kirchen. Wenn die große Maste der Polen von deutschen Predigten ulro. nichts versteht, so haben sie das mit sich selbst auszumachen; warum können sie auch nicht Deutschi Rur eine bescheidene Frage: Man hat dort im Osten aus Kolonisten eine Menge rein protestantischer Dörfer gegründet. WeShalb gründet man denn nicht auch einmal katholische Dörfer?! Wenn wirklich die Rede von Parität sein soll, dann sollte man doch wenigstens einen Versuch in dieser Richtung machen. Wenn man daS nicht tut, dann sollte man doch lieber nicht von „Parität" reden.

tung.

In dieser Auslassung liegt eine völlige Ver- kennung der politischen Lage; das

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„Wenn Fräulein Ribert nach Groenezathe gehen will, gebe ich ihr dazu im Namen ihres Onkels die Erlaubnis."

„Ist denn nichts zu machen gegen die Im- pertinenz dieses Mannes?" beulte Frau Wy- lcmdts.

„Still, Mutter stillt Herr Verdini will die Unwissenheit zweier atmen, wehrlosen Frauen, die nichts vom Gesetze kennen, ausnutzen. Vor­läufig können wir uns nickst dagegen widersetzen, da Viktorine in ihrer grenzenlosen Undankbarkeit auch Partei gegen uns ergreift. Aber es gibt glücklicherweise noch Advokaten in Holland, welche die italienischen Jntriguanten zurechtweisen wer­den. In jedem Falle, Herr — Verdini nennen Sie sich, glaube ich — erwarte ich von Ihrer Ehrenhaftigkeit, daß Sie dem Bürgermeister ban Hogenvoorde nicht mitteilen, was hier vor gefal­len, auch nicht Ihr Verhältnis zu Viktorine."

„Darauf können Sie sich verlassen. Und ich bürge auch für Fräulein Ribert, daß sie nicht sagen wird, welches der wahre Grund ihres Weg- bleiben- gewesen ist."

Und sich zu Viktorine wendend, sagte er:

„Ich kann ja auf Ihre Diskretion rechnen?" Diese richtete ihre sprechenden Augen auf ihn und sprach:

„Ich werde alles tun, was Sie sagen. Sie kommen ja von meinem Onkel, dem Bruder mei­ner lieben Mutter."

„Schandei Jemanden, den sie zum erftenmale nennen hört, vertraut sie mehr als uns, die jahrelang für sie forgten, die sie selbst in ihre Familie hatten aufnehmen wollen", zischte ihre Tante.

„Liebe Tantel Ob ich Dir dankbar sein muß, weiß ich noch nicht. In jedem Falle verspreche ich Mr, daß ich alles aufbieten werde, um vor­läufig so dankbar wie möglich zu sein, und die Heirat Gertruds soll nicht durch meine Schuld unmöglich werdv"

Rede halten.

(] Für den Kultusminister Dr. Holle wird? in verschiedenen Zeitungen andauernd nach einem Nachfolger gesucht. Jetzt soll der HandelLministtt Delbrück e» fein, roa« aber ganz unwahrscheinlich klingt. Wie der Berliner Korrespondent de*. .Frankfurter Zeitung« dagegen mit:eilt, gehe e« Herrn Holle langsam besser; sein Urlaub M erneuert und verlängert worden, und dadurch sei die Frage, ob er tm Amte bleibe oder gehe»' noch um einige Zeit hinauSgeschoben worden.

(•) Zur Nachlaßsteuer hoben eine Anzahl von i $rofefforen ter Berliner Universität und Mit­gliedern der Akademie der Wissenschaften an den Rc-ickstag eine Petition gerichtet, worin sie er­suchen, daß Kunstwerke aller Art, Manw, jfripte, Urkunden und seltene Bücher von diel« Steuer freigehalten werden. -

* Der Reichstags - Abgeordnete Held hak I nunmehr sein Mandat niedergelegt.

I y Prinz Bernhard zur Lippe ist bekannsi

XVIL

AI» Viktorine auf Groenezathe ankam, fiel ihr zu ihrem größten Erstaunen Ursula weineild um den HalS. _ ,

„Ach, liebe, liebe Sina!" fchluckyte sie. „Gott fei Tank, daß Du endlich hier bist, denn denk» dir, die Schwester ist heute morgen krank gewor­den und unfere arme Lucia wird immer schwa­cher. Warum kommst Du jetzt erst?"

„Weil ich es jetzt erst erfuhr Wenn Herr Verdini nicht gekommen wäre, um mit zu erzäh­len, daß Lucia den Typhu» hat, bann wüßte ich noch nicht» bavon." 1

„Haben sie Dir denn nicht» erzählt?"

„Halte Dich jetzt nur ruhig, Ursula, ich bin hier, das ist die Hauptsache. Bringe mich schnell zur Kranken. Du begreifst, daß ich von jetzt an hier bleibe!"

Obgleich daS Fieber in diesem Augenblick schr heftig war, erkannte Lucia sofort ihre Freundin, „Gehe nicht weg, gehe nicht weg", bot sie.

„Ach ja", tagte Ursula, „Du kannst si« besser pflegen als ich." , , , „

„Nein", sprach Lucia, die die Worte, so leit« sie auch gesprochen wurden, hörte, „sage das nicht. Sie ist fo lieb gegen mich, die Sulal Wenn ich tot bin, versprichst Du mir dann, Viktorine, daß Du ihre Freundin werden wirst?"

„Ach wer spricht denn von Sterben? Dst wirst sehen, tote schnell Du wieder gesund bist, wenn Du nur wirklich besser werden willst."

Ein fast überirdischer Glanz verbreitete sich über ihr Gesicht und verlieh ihren toten Ange» Licht.

„Glaubst Du denn nicht, daß ich verginge, da» Licht meiner Augen wieder zu erhalten? Der Gedanke ist so herrlich, daß ich sie — wenn Gott mich in seiner Barmherzigkeit aufntmmt — off­nen werde in feinem Paradiese, um dort seine Herrlichkeit zu schauen! O, sehen, sehetil nef sie wie in Ekstase au8.

(Fortsetzung folgt.)

Viktorine dagegen warf die Strümpfe mit einer heftigen Bewegung auf den Tisch und ries heftig aus: . „ ...

„Davon weiß ich ja gar nichtS Ste konneu mir glauben ober nicht, aber man hat mir nutt» davon gesagt. Ich weiß nichts von Lucias Krank- Beit, noch weniger, daß ihr Vater mich hat rufen lassen. Seit einer Woche darf ich daS Haus nicht verlassen. Aber jetzt ist es aus, lange genug hat man mich unterdrückt, nun werde ich meinem eigenen Willen folgen."

Die alte Dame hatte, ein Lineal vom Tische genommen und sprang in ihrer Wut auf ba» Mädckien zu. um es zu schlagen, aber Gertrud warf sich zwischen beide.

„Mutter, beruhige Dich doch! Laß Fremde nicht Zeugen unserer Zwistigkeit sein. Tas Kind ist aufgeregt; sie weiß nicht, was sie sagt, wir werden ihr ein beruhigendes Trankchen geben. Es bleibt mir allein übrig zu fragen, waS der Grund deS uns so angenehmen Besuches des Herrn Verdini ist."

Diese letzten Worte wurden mit beißendem Spotte gesprochen.

/ „Ich wollte Fräulein Ribert sagen, daß der Arzt die Wiederherstellung Lucias größtenteils abhängig gemacht hat von ihrer Geistesruhe. Und diese wird sie nicht zurückbekommen, solange ihre Freundin sie nicht besucht."

I „Törichte Mädchensentimentalitätl" sagte Vertrud.

, „Und ich wollte sie also fragen, wenn sie nicht >U» Mitleid ihre blinde Freundin besuchen will.

Fürsten. \

)( Deutsche Kolonialdiamanten für — Engländer! Die gestrigen offiziösen Beteuerung«« Der Reichsregierung, bei dem Verkaufe Der Dta^ mantenielDer wetDe die ReichSregierunq mit, Sorgfalt „die Interessen des deutschen Reiches vertreten", sind nur eine sehr durchsichtige Mask« für die Talsache, daß ein Teil und anscheinend ver wichtigste, der deutschen Diamantenfelder ix Südwefiasrrkain die Hände von Engländ ery geraten ist, und zwar durch jene deutschen „Patrioten", dir in Deutschsüdwestafrika angeV fieöelt sind. An die Blätter gelangt soeben eines Darstellung der Vorgänge dort, die die an< günstigste Auffassung der Situation bestätigt. Danach hatte 1908 ein Neger Diamanten ge­sunden und einem Bahnmeister gezeigt. Dell Fund sprach sich herum und bald belegten unter [ Führung eine- Bauunternehmer» namens Schuster

den Prinzen bet den Manöoern in der Senns „geschnitten", eS bestehe eine scharfe Differenz zwischen dem Kaiser und der lippischen Famtli^ Jetzt will die.Saalezeitung' rrfahrrn haben, „daß e- sich um eine Herzensangelegenheit de- Prinzen handle, daß eS aber erst einer Scheidung dml geliebten Dame bedurste, bevor darüber etwa« in di« Oeffentlichkeit kam." Inzwischen ist bi« Ehe deS Grasen Bodo Oeynhausen und bei Gräfin Armgard gebotenen Freiin v. Gramm (um diele hanvelt e- sich) auSgefprochen wotbenj Prinz Bernhard ist der Bruder deS regierende»

ob sie bann versuchen wollte, ihre Scheu vor An­steckung um Gotteswillen zu überwinden?

°tch bin nicht bang vor Ansteckung; ich will nichts lieber als Tag und Nacht bei Lucia blei­ben und um Ihnen einen Beweis davon zu geben, werde ich sofort mit Ihnen gehen.

„Das wirst Du nicht tun. Du bleibst hier", rief Frau Wylandts, „ich werde e« Fred telegra- phieren Deinem Vormunde, der Dich uns anver- traut hat, dann kann er Dich mit der Polizei zu- rückholen lassen."

„Frau Wylandts! Ich nehme die junge Dame unter meinen Schutz. .

„ein schöner Schutz — ein Abenteurer, der wer weiß woher kommt. Das geschieht nicht."

Gertrud schwieg; sie war verständiger al» ihre Mutter und sah ein, daß, wenn die Wahr­heit ihrem Bräutigam zu Ohren käme, die Ver­lobung unwiderruflich aufgelöst würde. Ver­gebens suchte sie ihre wütende Mutter durch Zei­chn und ©ebärben zur Ruhe zu bewegen.

„Frau Dylaichts". antwortete Verdini, „ich rate Ihnen in Ihrem Interesse, sich nicht dem Entschluß Diktorinens zu widersetzen. Es ist, wie soeben Fräulein Wylandts mit Recht sagte, besser, daß man solche Dinge nicht öffentlich be­handelt. Vor dem Richter werde ich Ihnen be­weisen, daß ich in der Tat ihr natürlicher Be­schützer bin, dazu gesetzlich ernannt von dem Herrn Valerio Noldani in Rom, ihrem Onkel und ihrem» einzigen Blutsverwandten."

Wie zerschmettert sahen beide Frauen ihn an; er selbst fuhr in derselben Ruhe fori:

„Ihr Widerstreben würde nur meinen Plan beschleunigen; denn nach einigen Tagen müßte ich doch wegen anderer Dinge, tm Interesse mei­ne» Mündel», die Hilfe des Richters anrufen, aber doch erst, nachdem ich mit Herrn van Hogen- beerbe darüber beraten hätte."

Und sich darauf zu dem jungen Mädchen wen­dend, sagte er:

** Germanisier««- ist Protestant!» sterung.

Der Generalleulnant z. D. v. Pelet-Narbonne beschäftigt sich in einem farblosen Berliner Blatte mit der „Ansiedelung katholischer Deutscher in bet Ostmark". Er beteuert aus tiefstem Herzen:

„Die Ansiedlungskommisston hat von vo-überein bei bet Heranziehung von Ansiedlern in die Ostmark eie volle Parität zwischen den «ekennern der ver­schiedenen Glaubenslehren wallen lassen, eine Sehet» düng der beiden Bekennlnifte war aber notwendig, bamit eine einheitliche Gestaltung der Kirchen- und Echulverhältnisse erfolgen konnte."

Wie kann er das nur mit der Tatsache ver­einen, daß Die Ansiedlung-kommission, trotzdem sie „volle Parität" „hat walten lassen", nur 493 katholische Familien, aber mehr al8 zwanzig Mal joviele, nämlich 11 957 protestantische Familien angeftebelt hat?! Herr v. Pelel-Rar- banne weiß un« das ganz genau zu sagen, näm- lieh: DaS Zentrum hält es mit den Polen, statt mit den Hakatisten Arm in Arm zu gehen und für stramme Polengeietze einzutreten. So- bajd eS sich auf die hakatistifche Seit« legte, würde eS anders:

Die Hinderniffe in der religiösen Versorgung der deutjchen Ansiedler katholischen Staubens wurden fallen und damit Die Echw erigkeiien jür die Regierung, solche ferner anzuletzen. Wenn diese Hindernisse bestehen, so ist dies allo jum größten teil Schuld des

S Neber die Aussichten der Reichsfinanz, reform verbreitet sich die „Freis. Zlg." (Dir. 303) in folgender Weise:

„Herr Sydow hatte ohne Zweifel von Anfang an die Absicht, die ftinanzresorm mu Hilfe d er Block - Mehrheit in den Hasen zu steuern, und er dürfte an dieser Absicht nach ro e vor sestbalten. Niemand wird aber prophezeien wollen, welchen Gang die Dinge nehmen werden. Die Glieder der Blockmehrheit Haden >m Hinblick auf di« verschiedenen Eleueigeletzentwürfe ihre sehr verschiedenen Auilaftungen und Wünsche. Kann fein, daß sich Die verlchievensten Mehrheiten zu» jammenfinden, um die einzelnen S'euervorlchlSge zu genehmiaen oder niederzustimmen. Man kennt noch nid)t die Taktik, di« das Zentrum zu beobachten für ersprießlich hallen wird; eS fcheinen jedoch im Zenirums» läget mancherlei Bestrebungen laut zu werden, bie i darauf abzieten, mittels neuer Mehthetts- d i l d u n g e n wieder daS Heft in die Hand zu be­kommen. So weiß man nicht, ob und wetcher Gestalt die Reichsfinanzrejorm aus den parlamentarischen Ber- handlungen herauskommen wird." , A w.o— —Tr- _■ _

DaS ist ja sehr interessant! Also Herr sich neulich au« Dem preußischen MilitärDienfl Sydow wollte von Anfang an Die Sache mu | auSgeichieden. Damals hieß. eS.derKatfer^kabS dem Black machen. Nun wiffen wir aber auf das Bestimmteste, daß Hetr Sydow zu einer Anzahl von Zenlrumsadgeordnelen gesagt bat, daß er sein neues Amt nur unter der Voraus-

I setzung übernommen habe, daß er nicht an Den Block gebunDen sei; er habe auch eine ent- iprechende Zusage vorn Reichskanzler erhallen. Jrn Verfolge Dieter Zusage sind Dann auch ein­zelne Zenlrumsabgeardnete w einer vertraulichen I Besprechung zugezogen worden. Jetzt aber teilt uns Die „Freis. Zig." mit. Daß Die« alles un» wahr sei; Daß Der neue Reichsschatzlekrelär von Antang an Die Absicht gehabt haben soll, die Biockmehrheit zu benützen. Seine VersicheriWen I gegenüber Dem Zentrum würden somit nur Den Zweck gehabt haben, eS zu düpieren und deften Opposilionskrast zu lähmen. Da« Zentrum aber läßt sich nicht düpieren; da muß der Reichs- schatzsekretär früher auf stehen.

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LotatlonrdrvSund vertag der Fuldaer Ab _ .. ttendrockerei in Zuld«

Utonatsbeüage: „SlllbOCt Geschichtsblatter" -«-sprech« «r. 9.