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i»odi«beka$t: „rllustriette Sonntagrzeitung

35. ^alirqaiiq.

Fulda, Dieustaa den L9. Dezember 1908.

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Zweites Wtcrtt

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Anzeigen: Vie «hu ^pattigepetttzeileoder deren Baum 15 Pfg. Neklamendre-etitzeile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Botationrdruckun» Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in julda Fernsprecher Rr. 9.

«rscheint täglich mit Aurnahme der So.m« «nd Feiertage viertel» iährliche^vezugrPreir ohne vrinaerlohn und VesteLgeld in Fulda so­wie anrwSrtrl-SvMt.

Verantw. Bedatteurr «ar- schütter

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wissen."

Bekanntlich erhebt man in liberalen Kreisen den Borwurf „klerikaler Weisungen* gf»en den Thronfolger. Um so mehr ist die obige Charakter­schilderung in einem ausgesprochen antiklerikalen Blatte bemerkenswert.

* Ter Deutschenhaß der Tschechen macht selbst vor den Gräbern nicht Halt. Die preußische Heeresverwaltung hatte nach dem Kriege imJahre 1866 für die in Trebnitz in Böhmen oerstorbe- nen Soldaten einen Obelisk errichtet, der die Namen der fürs Vaterland Gestorbenen und den preußischen Adler zeigte. 40 Jahre stand dreies Denkmal, da gefiel es den Tfchechen nicht mehr, und sie zerstörten es in ihrem Hatz. Dre Deut- scheu von Trebnitz ließen es wiederherstellen. doch war es andern Tags wieder in Trümmer ge­schlagen. Jetzt kam die Statthalterei für die Ko­sten auf und liefe es genau wie früher von neuem

vottswittschastiicher und Soziales.

* Wie man im „freiest" Amerika den Boykott bestraft. Wegen Mißachtung einer gerichtlichen Enttcheibupg in einem Prozesse, den eine Indu­strie. Gesell, chast angestrengt hatte, wurden Gom- pers, der Präsident des amerikanischen Arbeiter- bundes, zu t Jahr Gefängnis,, der Vize- Präsident Mitchell zu 9 Monaien und der Sekre- lär Morrison zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Prozeß war veranlaßt worden durch die Auf­nahme der Gesellschaft in die von der Arbeiter- bundes-Zeitung veröffentlichte schwarze Liste und durch den infolge dessen ein getretenen Boykott der von der Gesellschaft erzeugten Herde undOefen.

recht gefallen. z_ ,

Der altbekannte Einsiedler-Kalender (Verlag von Benziger u. Co. Einfiedeln, Preis 40 L) steht schon im 69. Jahrgang. Zeitgemäße Ab­handlungen, gelungene Erzählungen, Hans Guck- inslands Glossen zu Politik und Zeitgeschichte empfehlen ihn bestens.

Der Emmanuel-Kalender (herausgegeben von den Vätern vom Allerheiligsten Sakramente in Bozen. Verlag postlagernd Lindau in Bayern, Preis 45 L), ist in diesem Jahre textlich und illustrativ reicher geworden. Der „Emmanuel- Kalender" will nicht bloß ein „Zeitweiser" sein, er will vor allem ein Jahrbuch eucharistischen Lebens dar stellen. Daneben schreitet eine stattliche Reihe euchar. Erzählungen einher. .

Kühlen'- Abreiß-Kalender für die katholische Familie. (Verlag von B. Kühlen in M.Gladbach, Preis 5 0^) ist mit dem in prachtvollem Farben- und Golddruck mit Reliefprägung ausgeführten Bilde hl. Anna mit dem Kinde Maria nach dem Original von C. Jele geschmückt. Das Kalen­darium ist in Schwarz und Rot gedruckt, die Texte des Blockes tragen den Bedürfnissen des kattwlischen Publikums volle Rechnung.

Kühlen's Wand- rind Block-Kalender für da» katholische HauS (derselbe Verlag, Preis 60 •£) vereinigt auf geschmackvolle Weise die Vorteile des Abreißkalenders mit der Ueberstchtlichkeit des Wandkalenders. Die Rückwand enthält eine prächtige Darstellung „Das segnende Jesuskind" i nach Motiven von Joseph von Führich

meinberat von------ .

preußische Wappenvogel Aergerms errege

höheren Blödsinns. . , ,

* Die Stadt Leipzig wird eine beträchtliche Gebietserweiterung erfahren. Die Einverleibung der Vororte Möckern, Stünz, Stötteritz, Probst- heida, Dösen und Dölitz wird am 1. Januar 1910 erfolgen. Leipzig, das jetzt bereits über eine halbe Million Einwohner zählt, gewinnt dadurch noch 100 000 Einwohner.

* Korruption in den Vereinigten Staaten. Nach einer Meldung ans Pittsburg sind im Zu­sammenhang mit der BestechungSangeli> g e n h e i t, derentwegen sieben Stadtrate und zwei Bankiers verhaftet wurden, sechs andere

Rus zur Selbst- und Mithilfe auch den letzten An- Hänger unserer Sache eindringlich und zwingend an seine vornehmsten Verpflichtungen erinnern — zum Wohle und zur Stärkung unserer geizi­gen Wehrkraft.

Wcber'S Juristen-Kalender für 1909 als Ab­reißkalender eingerichtet. Bearbeitet ton Rechts­anwalt Dr. Arthur Kallmann. Mit Abbil­dungen. Preis in eleganter Ausführung 2,50 Erich Weber, Verlag, Berlin W 35. Potsdamer Str. Nr. 1906.

Der geschätzte Kalender erfreut sich, tote bte von Jahr zu Jahr verstärkte Auflage beweist, in allen Juriftenkreisen großer Beliebtheit. Die Fachpresse spricht sich einstimmig in sehr lobender Weise über den Wert des Kalenders aus und stellt ihn als eigenartige und nützliche, eine Lücke in der juristischen Literatur ausfullende Neuer­scheinung dar. Ter vorliegende vierte Jahrgang hat eine vollständige Neubearbeitung erfahren. Die gut ausgewählten Texte bestehen überwiegend in Ausarbeitungen und Zusammenstellungen auS dem geltenden Reichsrecht. Biographische, hte- ratur- und kulturgeschichtliche Skizzen, Rechts- sprichwörter und Aussprüche über Recht und Ju­risten wurden eingeflochten. Unter den Gedenk­tagen sind auch die Daten der wichtigsten Gesetze und Verträge der Reichs- und der Bundesstaaten, in kleinerem Umfange auch des Auslandes ver­zeichnet. Schließlich vermögen zahlreiche Abbil- düngen Rechtsgelehrter sowie von bemerkenswer- ten Justizgebäuden und Bilder aus der deutschen Rechtsgeschichte das Interesse der Leser auch nach dieser Seite hin zu befriedigen. Der Kalender eignet sich in feiner vornehmen und gediegenen Ausstattung auch besonders als Festgabe. Er wird jedem Juristen ein treuer Freund und steter Begleiter fein. *

beim Abschluß von städtischen Verträgen erhalten haben. Nur sechs Mitglieder des Kollegiums foU len unbescholten sein.

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Neue Kalender.

Zum vierundzwanzigsten Male erscheint der Fuldarr Bvnifatius-Knlender. Er ist wrederum vortrefflich ausgestattet mit unterhaltendem und belehrendem Text, sowie reichlichem, edlen Bilder- schmuck. Ein prächtiges Farbendruckbild eines mo­dernen Meisters: Told, Der hl. Äntonius a l s F ü r b i t t e r, gereicht dem Kalender zu be- fonderer Zierde. Ganz vortrefflich ist bte Jah­res-Rundschau, die in einfachen, aber schärfest Strichen ein übersichtliches klares Bild von der Weltlage entwirft. Sie ist allein mit 17 Illu­strationen geschmückt. Die üblichen Betgaben; Wandkalender, Markwerzeichnisse und JBtlber- Rätfel fehlen natürlich nicht. Da der Kalender die Fuldaer Verhältnisse besonders berucfftaingt, z. B. durch die Gottesdienstordnung in den Gna­denorten des Fuldaer Landes, ist er für die Ka­tholiken in unserer Diözese eigentlich unentbehr­lich. Der billige Preis (35 4) kann der Ver­breitung des Kalenders nur förderlich fein.

Ter neue Jahrgang des „Rheinischen Volks- kalenderS" (Verlag von Joh. Falk III. Söhne ttt Mainz. Preis 25 M verdient für Inhalt und Ausstattung volles Lob. Er wird den Leser«

vermischtes.

» 80 000 Mark Nachsteuer sind vom Magistrat der Stadt C ö t h e n in Anhalt gegen die lachen­den Erben eines dortigen Bürgers, her über sein Einkommen bei Lebzeiten unrichtige Angaben i gemacht hatte, beantragt. Den Erben ist das Lachen darob etwas vergangen.

* Beim „Judianerspirlen" in Potsdam schick­ten die „Häuptlinge" einen kleinen Jungen in die Höhle eines Sandberges. Mit einenimale gab der Sand nach und die ganze „Indianer- truppe" lief davon. Der arme Junge ward er­stickt herausgezogett.

* Elektrischen Betrieb plant die Regierung für die Mofeltalbahn Trier—Bernkastel und die Hoch- Waldbahn Trier—Tückismühle. Statt der bis­herigen geringen Anzahl von Personenzügen sol­len zahlreiche Einzelwagen laufen.

* Ärokodilsträneu weinte in der Strafkammer zu Schweidnitz ein wegen Doppelehe angeklagter Arbeiter, der schluchzend versicherte, er würde sich nie noch einmal verheiratet haben, _ wenn ihn feine erste Frau besser behandelt hätte. _ Diese Rührsamkeitsszene machte auf den Präsidenten aber gar keinen Eindruck, er las vielmehr einen soeben eingegangenen Brief vor, worin sich auch noch eine dritte Frau des Angeklagten meldete. Taraufhin gab es denn ein Jahr Zuchthaus und zwei Jahre Ehrverlust, und der also Verdammte liefe seine Tränen versiegen, weil er merkte, dafe sie ihm nichts helfen würden.

* Vereinsmeierei. In Straubing hat sich ein Verein unter dem Namen Stopsler-Klub gebildet. Er bat gedruckte Statuten, in denen als Zweck des Vereins gesellige Unterhaltung angeführt ist. Als Aufnahmegebühr sind 50 Pfennige und als wöchentlicher Beitrag 20 Pfennige (macht tm Jahre 10,40 zu zahlen. Als Vereinszeichen ist ein Korkstöpsel eingeführt, der jederzeit mit­zuführen ist: er muß frei in der Tasche getragen

* Unsere geistige Wehrkrast.

Im Mittelpunkte der Kultur-Jntereffen aller modernen Völker steht und wirkt dis Presse. Sie wurde zur alles umspannenden, alles iiberflü- gelnben Großmacht, ehe die Menschheit sich dessen versah. Vergeblich warfen sich despotische Knech­tung und die Trümmer zusammenbrechender Sei­ten ihr in den Weg. Vor einem Jahrhunderte bereits taxierte der Schlachtenkaifex Napoleon den Eiuflufe zweier feindlicher Zeitungen auf den Wert einer einwandfreien Kerntruppe von Hun­derttausend Bajonetten. Heute aber bringt das gedruckte Wort im unaufhaltsamen Siegesläufe vor bis in die entlegensten Menschensiedlungen als Schrittmacher, Herold und Bannerträger aller Fortschritte. Die Preffe entscheidet über Fortschritt ober Rückschritt, über den Sieg des Guten und Idealen oder über den Triumph des Bösen und Verhängnisoollen. Ter Kampf der Geister, der Kampf von Weltanschauung gegen Weltanschauung bedient sich vorwiegend nur mehr der Tagespresse, deren Wort am besten in die Massen bringt. Die politischen Parteien, bie so- zialpolitischen Intereisen-Gruppen, die wirt'chast- lichkn Sonderbestreoui'.gsn und nicht zuletzt die religiösen Grundsätze fiuLen in ihr den lauten Widerhall.

«liefe hohe Bedeutung der Prefie wirft die Frage in den Vordergrund . „Einr uni schlechte iu-fje." Was die ei.12 verteidigt, greift die an- berc cn und zwischen beiden tobt in unteren Ta- g?3 nut fortschreitender Erbitterung ein Ringen auf k«.(en und Tod. Wer sich zu der von der Krippe zu Bethlehem ausgehenden Lehre bekennt, und ihr mit Gleichgesinnten zum Siege verhelfen will, hat das größte Interesse an dem unerschüt­terlichen Bestände aller Blätter, die diesen Zweck an erster Stelle verfolgen und bas Programm des Christentums als heilige Parole auf ihr Banner geschrieben. Für das katholische Volk eine katho­lische Presse, und für alle Katholiken, die sich politisch zum Zentrum beken- neu, ein charakterfestes, wachsames Zentrumsblatt. Das ist der erste Weck- ruf, den unsere - führenden Männer, unsere geist­lichen Hirten immer wieder von neuem und ein­dringlich im Streit der Zeit erklingen lassen.

Pius X. hat vor kurzem noch feierlich er- klärt:

schlechte Presse ist der Triumphwagen des Bösen; sie verbreitet die kolossalsten Irrtümer, eine furchtbare Korruption von verpesteten Büchern, Schriften und Zeitungen; sie stecken die Geister und Herzen an und zerstören alle Begriffe deS göttlichen und mensch­lichen Rechtes."

Leider treffen diese herrlichen Worte nur zu sehr da? Wahre. Es gab eine Zeit, in der na- mentliaptoir unsere Pflichten gegenüber unseren Blättern aufs sträflichste vernachlässigten, und auch heute noch sieht mancher nicht ein, wie not­wendig uns gerade eine starke, zielbewutzte und überzeugungstreue Presse ist. Ein Mann, der es sein will im vollsten Sinne des Wortes, und der als einsichtiger Denker sein politisches Ideal

Aus dem Nnchbarqebiet.

* Aus der Wetterau, 27. Dez. 1908. Ein Wetteraner E lek t r iz i t ät s wer k ist im Ent- stehen begriffen. Als Zentrale soll bte staatliche Br aimkohlen-Brikettsabrik benutzt werden. Man gedenkt die Orte Södel, Melbach, Wölfersheim, Rockenberg mit Zuchthaus Marienschloß und even- tuell noch die Orte Beienheim, Dorheim usw. an- ziisckiließen. Melbach hat allein schon 700 Flam- men und 37 Pferdekräfte gezeichnet. Oberin- genienr Schüler-Darmstadt weilte dieser Tage in Sachen des Projekts hier.

* Wiesbaden, 28. Dez. 1908. Demnächst geht eine bekannte hiesige Persönlichkeit, die von der ersten Frau geschieden war, eine zweit e E h e mit der ersten Frau ein. Mit Recht be­merkt hierzu die „Rhein. Volksztg.": Es wird doch manchmal allzu leicht mit dem Wort genom­men: Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiben! .

* Limburg, 24. Dez. 1908. Als Zeichen der Zeit verdient notiert zu werden, dafe am verflossenen Sonntag, an welchem Tage die Post während des ganzen Tages für die Paketannahme geöffnet war, rund 300 Pakete weniger auf- geliefert worden sind, als am nämlichen Tage M ^yimburg, 23. Dez. 1908. Wegen Tot­schlags wurde von der hiesigen Strafkammer ein kaum 18 jähr. Arbeiter aus Elz zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Er erschlug am 18. Ott. auf der Straße zu Elz in der Dunkelheit einen 50 jähriger Arbeiter, den er für einen jungen Burschen hielt, mit dem er Streit gehabt hatte.

Deutsches Reich.

)( Mit welch' schweren Sorgen die Heeres­verwaltung sich abplaaen muß, ergibt sich au§ einer Abänderung der Vorschritten für die Be­kleidung der Offiziere beim Besuche von Festlichkeiten, die kürzlich dahin erfolgt fein soll: Bei Kirchen- oder Denkmals-Einweihungen, sowie Fahnenweihen, denen ein Mitglied des regieren- Den Hauses beiwohnt, ist Parade-Anzug vorge- chrieben, bei sonstigen Festlichkeiten, sowie bei der Geburtstagsfeier deS Kaisers ober des San- desherrn ist Gefellschasts-Anzug, bei anderen Per- anstaltungen „kleiner Dienstanzug" anzulegen. — Wenn immer wieder solche neuen Vorschriften er­lassen werden, entsteht sicher eines Tages die Ge­fahr, daß andere wichtige Befehle, wie der be­kannte „Hurrah - Erlaß" und die Anweisungen über die verschiedenen Begrüßungen der diversen Slandesarien im Gedächtnisse nicht mehr Platz haben. Das kann dann ein schöner Wirrwar werden.

O Die Katholiken als Kamarilla. Nun hat man es endlich entdeckt: Katholiken bilden die Kamarilla. Die „Rhein.-Westsäl. Zeitung« schreibt:

„Es gibt tatsächlich einflußreiche Persönlichkeiten, die mit eiserner Konsequenz das Bestreben verfolgen, den Monarchen einem Programm geneigt zu machen, als dessen erster Punkt die Amtsniederlegung des Reichskanzlers Fürsten Bülow betrachtet werden kann. Als Vertreter dieser Aussasfungen, die übrigens mit aller Dffenbett und Ueberzeugung sich geltend machen, werden Militärs genannt, und bemerkenswert ist es, das ein Tert der Bülow-Gegner sich zum Katholi­zismus bekennt."

Das ist noch gnädig; denn hier sind bte Katholiken nur ein Teil der Kamarilla; die „Münch. Reuest. Nachr." gehen schon weiter und sehen im Zentrum die Kamarilla, weil de Zentrumspresse sich nicht dazu verstehen kann, den Fürsten Bülow über den Schellenkönig zu loben. Die „Voss. Ztg." teilt diele Auffassung. Heute soll eben alles Kamarilla sein, was nicht auf der Seile des Reichskanzlers steht. Em sehr bequemes Versahren.

» „Römische Propaganda". Wir lesen t.i der .Deutschen Tageszeitung":

Im Jahre 1907 sind 1'04 Austritte aus der Landeskirche und 1206 llebertritte zur «»anqelischen Landeskirche zu verzeichnen gewesen. Die meisten 8ab­getretenen wandten sich den Sekten zu. Was den katholischen Konsefsionswechsel anlanot, so find 47 Per- f onen aus her evangelischen Landeskirche xur römisch- katholischen übergetretcn, dagegen erfolgten985Ueb er. tritt« aus der römisch-katholischen Kirche zur evan­gelischen Kirche. Die Zahlen bedürfen keines Kom­mentars.

Das meinen wir allerdings auch. Trotzdem aber wird man fortfahren, namentlich in Sachsen, über die „römische Gefahr", „römische Propa­ganda", „Vordringen des RomanismuS" usw. zu zetern. _____________

int Zentrum verlor, t sieht, aber kein Zen- trunisblatl lieft und unterstützt — er steht ba wie ein Soldat ohne Wehr und SB af­fen. Die gegnerische Presse geht langsam aber sicher vor. Tropfenweise verabreicht sie bas Gift bes Zweifels, der Nörgelsucht, der inneren Ver­flachung, ein Gift, dem schon bie gesündesten Sei­ftet allmählich erliegen mußten. Sie waren am Ende ohnmächtig gegenüber dem Chaos wider­streitender Empfindungen, und der kriechende Mauerfraß hatte Schritt für Schritt bie angeblich unzerstörbaren Säulen innerlicher Kraft und Stärke unterhöhlt.

Nicht bem ehrgeizigen Nörgler, nur dem hel­fenden Mitkämpfer steht das Recht zu, Kritik zu üben an dein Blatte, bas für ihn und seine Sache in die Schranken tritt, im dichtesten Kugelregen fechten muß. Jeder Fortschritt der Zeitung kommt immer dem Leser, den gemeinsamen Idea­len zugute. Gerade wir deutschen Katholiken stehen in religiöser wie Partei- und sozialpoliti­scher Hinsicht ringsum von rastlos tätigen Fein­den umgeben auf einem schwierigen, gefährdeten, aber auch ehrenvollen Posten. Da ist Not am Mann und die fortgesetzte Aufklärungsarbeit mehr beim je am Platze. Die besten Absichten, der stärkste Wille, die ehrlichste Begeisterung — alles ist umsonst ohne die wuchtige, unschätzbare Waffe, die eine von einer einigen und geschlos­senen Masse getragene, unterstützte und fleifeig gelesene Presse bildet.

Not lehrt beten, Not lehrt praktische Arbeit, und so möge zu Beginn eines neuen Jahres, am Ende eines lehrreichen Quartals der mahnende

Hul-aer W Zeitung

monatrbellage: „Zuldaer Geschichtsblätter"

Ausland.

*♦ Heber den österreichischen Thronfolger liefe sich bie .Frankfurter Zeitung' dieser Tage auS Wien schreiben:

„Kaum eine Tennispartie kann anderwärts ein Kronvrinz spielen, ohne daß von ihm ein halbes Dutzend Momentphotographien ausgenommen »nd über die Art, wie er die Beine fetzt und seinen Ball schlagt, lange Artikel geschrieben werden. Bei uns iit das anders. Wiewohl der Erzherzog-Thronsolger feit der Erkrankung des Kaisers tm vorigen Iahte an allen lltegierungsgeschästen bestimmten Anteil hat, hört man in Oesterreich nur selten von ihin mehr, als die Hos- berichte verraten. Er ist wie der Schatten an der Wand: man weiß, daß er da ist, daß er da sein muß. aber man spricht nicht von ihm. Daß es so ist, ist dem bod) en treidelten Taktgefühl des Thronfolgers zuzu- schreiben. Er hat nie vergessen, daß er der unwill­kommene Neffe ist, dessen Tun und Lassen tausend Augen beobachten, über den lausend Zungen ber-chten und der daher immer in Gefahr ist, mißgünstigst be­urteilt zu werden. Mehr als zehn Jahre lang hat der Erzherzog der Entwickelung der Dinge als stiller Be­obachter zugesehen. Keine kleine Aufgabe für einen Mann, in dessen Wesen ein kraftvoller Tät'gkettsdrang den Grundzug bildet. Franz Ferdinand erhebt gewiß keinen Anspruch darauf, ein genialer Mensch genannt zu werden. Das ist er auch nicht. Aber jedenfalls ist er ein überaus klarer Geist, der gewohnt ist, selb- ständig zu denken und zu urteilen. Ihm wird gewiß niemals eine Hofkamarilla, sie mag beschaffen sein, wie immer, ein x für ein ü vormachen können. Aus dieser Selbständigkeit de» Denkens entspringt eine andere, für den künftigen Siegenten eures großen Reiches sehr wertvolle Gabe, die nämlich, für jeden Platz den richtigen Mann zu finden. Der Erzherzog beobachtet in aller Sülle die Tätigkeit aller bedeuten- ten Persönlichkeiten. Er weiß, was sie geleistet haben und schließt daraus auf das, was sie noch zu lettlen läbia sind. So kommt es, daß er immer „für jedes Amt einen Kandidaten in der Tasche hat", wie man bei Los hämisch sagt. Irgendwelche andere als rem sachliche Gründe kommen bet feinen Velsetzungsvor- fdi lägen niemals in Betracht. In der Politik bat er sich nur ein Ziel gesteckt, und jeder, der: ihm, hilft, es zu erreichen, ist ihm willkommen. Dieses Ziel 'ft.,Er­haltung der Großmachtstellung des Reiches. Es ist bekannt, daß der Erzherzog die Armee fuhren wurde, wenn da, Reich, wie es vor kurzem fast schien, in einen Krieg verwickelt werden sollte. Da iit es nun kennzeichnend, daß trotz aller Eifersüchteleien unterder hohen Generalität der Erzherzog in der ganzen Armee als der berufenste Führer be-eichnet wird. Im ganzen Generalstab ist kaum ein Offizier, »er nicht — wenn auch manchmal widerstrebend — bestätigte, daß Erz­

herzog Fran,Ferdinand alleEigenichasten eines modernen Heerführers besitzt, vor allem Kaltblütigkeit, Umsicht und rasche Enlschlußfähigkett. Bon Paraden und fonfligem Gamaschendienst will et dagegen nichts

werben, barf nicht angehängt, nicht tm Geldbeutel aufbcwahrt werben und auch nicht aus ber Hand gegeben werden. Tie Mitglieder dieses Vereins sind verpflichtet, auf den Anruf: „Wia fan ma?" das Vereinszeichen vorzuzeigen. Wird ein Mit­glied ohne Vereinsreichen betroffen, mufe es 5 Pfg. Strafe zahlen und führt das Mitglied daS Zeichen beim Eintritt in das Vereinslokal nicht bei sich, muffen 20 Pfg. erlegt werden. — Diese Vereinsgründung gehört auch in das Gebiet des