35. Jahrqanq
w den 14. Dezember 1908.
M 297.
Gr-stes Mbcrtt
auch ein Gesetz über die zwangsweise Krankenversicherung der landwirtichaftl. Arbeiter und Dienstboten Platz finden Man hofft dadurch die ländliche Armenpflege zu ent-
Wegen des hl. Weihnachtsfestes wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Montag ausgegeben.
^)( DaS neue Gesetz über de« unlauteren Bett- Bcluvrb, das zurzeit dem Bundesrate zur Beratung vorliegt, will u. a. die Nachschübe bet Ausverkäufen verbieten und die Ausverkäufe nur dann gestatten, wenn Todesfall, Umzug, oder eine ähnlick>e entscheidende Uniwälzung nn Geschäftsbetriebe eine derartige Matzregel rechtfertigt. Ter ausverkaufende Kaufmann muß eine Liste der auszuverkaufenden Waren der Polizei zur Verfügung stellen, und sich deren Kon- trollrecht, ohne Widerspruch gefallen lassen. Dre Polizei ist befugt, nicht statthafte Ausoerkaufe einfach zu verbieten. Die übrigen Neuerungen des Gesetzes befassen sich mit den Bestrmmungen über unlautere Anpreisungen. Der Re- klanieschwindel soll zunächst mit Geld, und dann mit Freiheitsstrafen geahndet werden. Dazu tritt die Publikation des Urteils in der Tagespreise und in Fachzeitschriften. — Natürlich muß der Reichstag dafür Sorge tragen, daß diese an sich segensreichen Maßnahmen nicht zu einer Duelle von Schikanen für den zu schützenden Stand der mittleren und kleinen Gewerbetreibenden werden.
t Eine naive Zumutung stellt die ,LW. Korr/ an daS Zentrum. Sie schreibt im Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkampf in Älzey-
Menscbheitsidealsl
Und es jagt der Mensch diesem Ideale nach; ver eine vermeint im Reichtum und Wohlsein es zu finden, der andexe sucht den inneren Frieden, die Befriedigung all' seines Sehnens bei den Menschen. Die Fürsten und Lenker der Völker- geschichte verkünden gern und überall das gute Einvernehmen der Staaten und die Sicherung des Friedens; aber wie der innere Friede nicht einkehrt im Menschenherzen mit Reichtum und irdischem Glück, so zeigen die stets sich mehrenden Armeen und Millionen verschlingenden Kriegsflotten, daß der Völkerfriede nicht auf harmonischem Denken und gegenseitiger Achtung be- ruht und für immer gefestigt ist, sondern auf dem Unvermögen des Einen, den Andern mit Gewalt zu bezwingen. Wie fern ist doch die Menschheit dem Friedensidealel
So lange des Menschen Verlangen nur im Irdischen die Befriedigung sucht, sei es,unter irgend welcher Form, tritt die Begehrlichkeit, die Suite nach Steigerung des Besitzes, der Egoismus. immer klarer hervor und läßt das begehrende Herz nie zur Ruhe kommen, da Friede nur dort ist, wo das Bewußtsein des vollen Besitzes ein weiteres Begebren unmöglich nmckt und den harmonischen Einklang des Innern herbeiführt. Egoismus aber ist Neid auf den Andern, darum der Tod der Liede und des Gemeinsinnes. Darin liegt der Grund unserer modernen Erscheinungen int Völkerleben, des Parteihasses und der allgemeinen Unzufriedenheit.
Würde man im praktischen Leben sich stets daran erinnern, daß derjenige, nach dem wir unseren Christennamen tragen, durch feine Armut bei der Geburt und durch den Grmid- charakter all seines Tun? — „Ich fnche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat" (Joh. 5, 30) — über den Egois-
j- Das Friedenssest.
Weihnachten l . . . Tannenduft und Lichterschein erfüllen das Menschenherz mit weihevollem Friedenszauber. Fröhliche Kinderftimmen unter dem strahlenden Weihnachtsbanm und glückliches Lächeln der Eltern; Tein altes Mütterchen, das in einsamer Stube sitzt vor „ihrem" „kleinen duftenden Tannenbäumchen und müde lächelnd ihrer Lieben gedenkt, die einst den flimmernden Baum umjubelt; brausender Orgelschall und weihevolles Singen irn hellerstrahlenden Kirchlein vor der Krippe des lächelnden Christkindleins — ein Bild harmonischer Innigkeit und stillen Friedens, dessen Zauberkraft auch die kälteste und nüchternste Menschenseele überwältigtI Die geheimnisvolle Sebnsucht nach dem Frieden ist's, die uns das Weihnachtsbild so lieb und teuer macht, dieses nie ruhende Verlangen nach dem Frieden, das unserem Herzen angeboren, diesem Frieden, dem wir nachjagen, solange das Herz pocht, und den wir doch erst in seiner ganzen Fülle erfassen, wenn das ruhelose Herz zu schlagen aufgehört..
Hat das Singen der Dichter die Liebe als die allgewaltige Triebkraft des Menschenherzens gepriesen, so zeigt doch des Lebens Wirklichkeit dem, der fhit offenen Augen im Menschenleben zu lesen weiß, daß das gcbeirnnisvolle Verlangen nach dem Friedensideale der tiefere Grundton alles menschlichen Sinnens und Trachtens ist. Frieden im eigenen Herzen, Frieden im Zusammensein der Menschen ... die Erfüllung des
Erschebit lä-Nch mit Aurnahm« der Soun« ««ö Feiertage viertel» jährliche* Bezugspreis ohne »ringerlohn und Bestellgeld in Fulda ;o- wie auswärts 1.50 Mk.
Verant« «edakteurr «ar« schütte;
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Ausland. -
* Oesterreich und die Türkei. Den gestrige« Meldungen gegenüber teilt un4 ba« ,R. Telegr.-Korresp -Bureau' in Wien mit, daß pii, österreichisch-ungarische Regierung sich aus eine Erörterung türkischer Ansprüche auf Geld ent.
totfe- die eingebildete Ursula fe demütig und gefühlvM vor sich 8« sehen, war ihm ganz unge-
fällt dir doch heute morgen ein?
Haltung des Zentrums von symplomalilcher Bedeutung lein. Der Wahlkreis ift zu etwa 43 d. H. katdol''ch, das Zentrum verfügt hier über «ne fett «eKNofl«« Anhängerlchaft. Es bleibt abzuwarten, ob die Pari« das Spiel von 1907 erneuern oder ob Ne nach dem Wort handeln wird, das neulich die .Köln. Bollszig gesprochen hat, da» der Linksliberalismus und das Zentrum manche Berührungspunkte häuen.
Hat die ,Lib. Korr/ ganz vergessen, mit welcher gehässigen Erbitterung vor wenigen Wochen die hessischen Freisinnigen im Bunde mit den Sozialdemotralen das Zentrum bekämpft haben? Und setzt soll daS Zentrum gut genug fein, dem Frelsinn einen billigen Steg yi geschissen? sstein, für fo gutmütig-dumm braucht man das Zentrum denn doch nicht zu kalten. Der Blocksreisinn verdient wahrlich keine Unterstützung.
)( Tie großen Bergarbeiterorganisationen Deutschlands weiden demnächst zu einem großen Bergarbeiterkonareß zusammenlrelen, um fid) mil der 'durch die furchtbare Katastrophe au, Radbod neuerdings aktuell gewordenen Forderung eines Reichs Berggesetzes zu befassen, nachdem die Regie:UN t und namentlich die Konservativen und Nationalliberalen diesen vollauf berechtigten Wünschen der Arbeiter schroff ablehnend gegenüber getreten sind.
dn ÜnleStän Morens. Außerdem beswnt die Bande wohl hauptsächlich Mmcenga-Le^ ten. die beim Transport von Warmbad zum Eisenbahnbau bei Gründornhrll früher entlauf^ waren. Drei Farmer sind g e s arl le
tet wurden von den Hottentotten verschieden«, Jagdbücksen und zwei Pistolen; fünf Pferde und einige» Kleinvieh wurden nach der Grenze abgetrieben. Ferner wurde am 18. Dezember die Pferdewache der 6. Gebirgsbatteme bet Herda mm am Ostabhang der großen Karrasberge durch Hottentotten angegriffen, wobei wet Mann len. Sieben Pferde, neun Maultiere, drei Och- fen Durften oetoubt. @tn qih Ä). Scsctnbcr friU auf den Viehposten Fonteinkluft sbei Ukamas) der sechsten Gebirgsbatterie durch ^"^zehn bis ackst ezhn Hottentotten ausgefuhrter Überfall wurde von der Besatzung ohne Verluste abgewresen Di« Hottentotten wurden schwer verwundet. Ob d« genannten Ueberfälle W . ein und derselben Bande herrühren, ist bis letzt Nicht festgestellt« Die Schutztruppe hat sofort die Verfolgung der Räuberbanden aufgenommen.
doch ist es vielleicht bester so, nun werden we- nigstens nicht noch mehr Men,chen unglücklich ge- nto Unb was willst du nun tun, Gertrud?"
„Ja, das weiß ich noch nicht. Vielleicht alles Hermann erzählen; dann habe, ich wenigstens durch dieses Kmd feine Erniedrigung zu furch- texu”
„Laß uns ruhig zu Bett gehen; wtr können au der Sache doch nichts andern. Vielleicht bringt die Nacht Rat!"
* Berlin, 23. Dez. 1908. Ter Provinzial- Schulrat Dr. Norrenberg in Münster- ist zum 1. Januar als Vortragender Rat tn das Kultusministerium berufen worden. — Neunzehn türkische Cf fistete treten tm Januar zu ihrer Ausbildung in die deutsche Armee ein. — Die Jankschen Wandgemälde im Reichstag, die in der letzten Zeit Gegen- stand lebhafter Erörterungen waren, sollen bereits -----------------
in den nächsten Tagen aus dem Sitzungssaale des ■ ^njjnl)en beschuldigt halfen. Reichstages entfernt werden. . -- -• ---
* In den neuen Versicherungsgesctzen soll, wie
XV.
Am folgenden Morgen, während Berdini an der Arbeit war, kam Ursula traurig zu ihm und erzählte, daß Lucia eine sehr unruhige Rackst verbracht hätte und sehr fieberte, so daß rhr Da- ter es für nötig hatte, ben Arzt kommen zu lassen.
„Sie ist ko Heb und dankbar für das wenige, das' ich für sie tue, aber dennoch vermißt sie sehr ihre Freundin. Papa sagt, ihre Kusine habe wichtige Gründe, sie nicht hierher kommen zu *°fien „Welche Gründe das find, die Gertrud in ihrer hohen Weisheit da haben kann, begreife ich nicht, aber ich finde es doch sehr Hartl"
„Ich wollte, daß ich fie besuchen dürfte, dre armes>eute nacht phantasierte fie mitunter und dann rief sie immer wieder: „Wybo, ach Wybo! Ich werde es niemanden sagen, aber komme nur MH-üdl Ich bin dir nicht böse, armer Jimgel Glaube mit doch! Ich erzöge es niemanden, aber . .« Ich begreife nicht, was fie meinen kann,
-Ä, antwortete er dumpf, mit «6<,ÄXn <MW: -W» Ursula, wie dieser
ferner Rügen verloren hat — vemi fie ist M nicht blind geboren." _ , .
„Durch eine •#!*«, glaube 8*
haben."
tzeld einen starken Druck auf ihn aukgeüdt habe. Weiter kam auch der Fall Flockemann zut Sprache. Held halte tm Jahre 1901 von F'ocke« mann ein Pferd für 1300 Mk. gekauft, eS aber zurückqegeben, weil eS ihm nicht paßte. Hell» hat bann dafür ein anderes erhalten, daS aber rach feiner Angabe nur 300 Mark wert war. Im nässten Jahre brauchte Flockmann Geld zum Pjerdekauf in England. Held erklärte sich bereit, 4000 Mark herzugeben. Er erschien bann kurz vor der Abreise Fl. bei bieiem, gab ihm 30' 0 Mark und legte ihm einen Wechsel übet 4000 Mark vor, den Fl. in seiner Zwangslay« unterschrieb. — Am Mittwoch wurde das Urteil gesprochen. Langwort und Dr. Krüger wurden wegen öffentlicher und privater Beleidigung Held» zu je 200 Mk. Geldstrafe verurteilt. In der Widerklage wurde Held wegen Beleidigung btt erwähnten Angeklagten ebenfalls zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. In der Begründung wurb« ausgeführt: In dem Wechlelverlehr mit Ter> linden liege eine täuschende Handlung "vu Held vor, eS fehle a.er die betrügerische Absicht. Eine Erpressung gegen Flemming liege nn straf, reck» liehen Smne nicht vor, wenn auch Held emd starke Pression auf Flemming «uSgeübt habe. Gegen Pommer habe sich dagegen Held des Er» press unqsversuchS zweisello« schuldig gemacht. Das Gericht stellte fest, daß Die Angeklagten sich für berechtigt halten konnten, gegen Held vorzu. gehen, daß sie aber teilweife über das zulässig« Maß hma.'sqeganaen feien.
’ « Neue Angriffe der Hottentotten., U<£eto«
ist febr brav von dir, das gestehe ich, und wen« hi immer so bleibst, fetten Hmten metnetroegeR deine Nerven immer überreizt fern Nun laß einmal hsrem, »a» H du trnr ix sagen?" Fortsetzung folgt)
Bingen:
Die Freisinnigen dürfen diesmal mit guten Er- Wartungen in btt Wahlkampagne emlreten, wenn auch natürlich ein ernster und nachdrücklicher Kumpf ihnen nicht erspart bleiben wird. Insbesondere wird d e
„Ich höre, Papa", sagte Ursula, vielleicht froh, ihr Bekenntnis wieder einen Äugenblick aufschte-
„Gestern abend bin ich mit — mit Fräulein Wvlandts aus dem Kirchhof gtttxsen «d . . .
Er suchte etwas zwischen seinen Papieren, seiner Tochter gegenüber schämte er sich bekennen, daß er jahrelang das Grab ferner Frau vergessen zu haben schien. .
„Das Grab bedarf einer sofortigen Verschönerung. Wir trafen dort Verdini. der nur tagte, daß meine Töchter ihm die Anfertigung eines neuen Grabmals aufgetragen hätten, vist das wahr?"
„Ja, Papa, — aber eigentlich hat Lucia da» getan. Ick habe später gesagt, daß auch ich meinen Anteil dazu beitragen wollte."
„So und ich habe ihm mitgeterlt, daß er diese Bestellung von setzt an als durch mich gegeben anfeben müsse. Also die Sache ist abgemacht. Run, was hast du mir zu sagen?"
„Papa," begann Ursula in großtt Verlegenheit, „ich muß dir etwa» sagen, was vor vielen Jahren geschehen ist. Es hat mir stets auf bem Herzen gelegen, aber ich habe es dir nimnalz zu faaen gewagt, weil du fo strenge bist. Ä^tzt konnte ich <4 nicht länger ausbalten, da so wichtige^Sr-^ eignisse bevorftehen, deine Heirat und vielleicht auch Lucias Krankheit."
Sie konnte fast nicht mehr sprechen vor Ruh-
ArrrückgekeHrl.
Erzählung neu Melati von Java. Uebersetzi von Dr. I. B. Fuß.
^0] (Nachdruck verboten.)
„Ach Gott! Daß ick) in meinem Atter noch so viel ßummer erleben mußt Ich glaubte, nun endlich ein ruhiges Leben zu bekommen und in Ruhe mein .Haupt niederlegM zu können. Nun beginnt das Elend von neuem. Womit habe ich das verdient?"
So klagte und jammerte die unverständige alte Frau, ohne einzusehen, daß sie es l-auptsächlich war die all dieses Elend über sich selbst und ihre Kinder gebracht hatte durch ihre Affenliebe und unehrlich Handlungsweise.
„Es ist jetzt keine Zeit zum Klagen und Heu- len, Mama," sagte Gertrud rauh; „das hattest du eher bedenken müssen, in welch ein Wespennest du dich setztest. Nun müssen wir die folgen deiner Schuld tragen, denn daß es dein Werk ist, kannst du nicht leugnen." ,
„Aber ich tat es aus Liebe zu meinen Ämtern."
„Die Kinder sind zugrunde gerichtet werden durch die gewissenlose Schwäche ihrer Eltern; besser wäre cs, wenn du uns in Armut und Entbehrung erzogen hättest, als in gestohlenem Reichtum Dann hätten wir ehrlich unser Brot verdienen können und unser Charakter wäre nicht so tief gefunken."
„Ach Gertruds Wie hart bist dul" Harnte Frau Wylandts, „du hast gar lein Gefühl. Du hast gerade so viel Mitleid mit deiner Mutter wie mit deinem Bruder. Und doch tat ich alle» deinetwegen I Wer hätte denken können, daß es fo kommen würde?"
„Daß e» so kommen würde, hatte ich lange «fürchtet, aber ich glaubte nicht, daß die Bombe jetzt schon platzen würde. Dieser elende Italiener jft an allem schuld davon bin ick überzeugt Und
ns Der Fall des nationalliberalen RrichS- taqSabqeordncten Held beschäftigte w diesen Tagen in der B er uf ung s in st a nz das Laavgencht Han- nover. Held halle fünf Bewohner von Hannover, barunler ben Revaktem ber weist,chen Zeilschrch, -------------
.DaS Recht', Langwort verklagt, weil fie fern erwähnten Zwischenfall in Deutsch-
Geschästsgebahren sehr scharf angegriffen ihn s Südwestafrika und weitere Angriffe der Hot» unlauierer Machenschaften.in«be?ondereunlauterer iteutotten wird amtlich gemeldet:
GeschSitsverbinbllnoen mit bem bekannten Schwind-. Dezember überraschten. 32 ubergetretene Houen- ler iminuu. hatten. AlS bet den s totten bei Springputz eine ^agdge,ell ck)aft wel^
ei.« StaHner «fntan .habe. w.°. | '8n(„„„„ „nb «W« | ÄiÄ
Diese ließen aber nidjt loder, und . ^urbf bie ^arm Fettkluft von 20—30 bewaff-
ver'prach Held für ben Fall, baß man ihm tue | berittenen Hottentotten überfallen«
Richtigkeit vieler Behauplungen Nachweise, füt! ^ü!,rung ^tte wahrscheinlich Abraham Rolf, bte welfische Partrikaffe bie Summe von 1000,.... m?nr»nnn8 Autzerdem bestand
Mark. Als barauf ber Welfe Dr. Krüger diese 1 li 00 Dkark einklagen wollte, sah sich Helb enb- ( lieb gezwungen, zur Klage zu schreiten. Die Beklagten erhoben Widerklage. Da« Ergebnis einer sehr umfangreichen Beweisaufnahme war, daß bie von Held Angeklagten frcigelprochen dagegen Helb in ber Widerklage zu 300 Mark Gelbstrase verurteilt wurde. Trotz dieses ver- nichlerben Ergebnisses hielt Helb an seinem nationalliberalen Reichstagsmandat fest, schieb aber aus Anregung seiner Partei hin aus brr Partei auS. Er begründete sein Festhallen an bem Mandat bamit, daß her Prozeß im Wiederauf- nahmeversahrm seine Unschuld bat tun werde.— In ber neuen Verhandlung wußte ber Abg. Helb zugeben, baß seine Geschästsverbinbungen mit Terlinden keineswegs einwandfrei waren. Es wurden ihm vom Vorsitzenden und mehreren Zeugen hohe Fälschungen in seinen Büchern vor- geworfen und bis Beseitigung von Kaffa» und Geheimbüchern. Auch bie Geschäftsverbinbung zwischen bem Abg. Held und ben Kohlenhändlern Pommer unb Flemming scheinen nicht ben Prinzipien eines ehrlichen KausmannSstanbes entsprochen zu haben. DaS Vorgtticht hat hier etne Erpteffung beziehungsweise einen Erpreffungs- versuch für erwiesen gehalten. Flemming bestätigte in ber neuen Berhanblung unter seinem Eise, baß
Die d* fpeM-eprtttzellrod« betew Baum 15 Pf«. Eeficmtitbiepttttielle 25 Pfg., bei wieder» holun-e« wird evtspr. Rabatt geioLhrt.
Rotatiousdruckunb vertag der Lnldaer 2U» tttxirudtret in Luid«
monatsieiiagt: „Julbaer Seschlchtsblatter" »'«-
„Und zwar durch meine Schuld, wenn auch nur indirekt und unabsichtlich."
„Davon habe ich niemals etwas gehört.
„Niemand weiß es auch als sie, Mama und ich Nachdem ich es Mama bekannt hatte, hat sie Lucia und mir das Versprechen abgenommen, e« niemandem, selbst dem Vater nicht, zu sagen. Ich hatte den Gaskrahn in dem kleinen Studierzrin- mer offen gelassen, aus Schelmerei, nur, bannt alles nach Gas riechen sollte. Ich wollte thn nach einer Weile wieder schließen; aber tote es bei Kindern geht, ich vergaß es, ging iptelen und so wurde es abend. Lucia kam mit einem X.ut)t herein, das Gas explodierte, sie wurde am Gesicht verwundet und, was ärger war, an ben äugen. Sie war damals kaum sechs Jahre alt.
„Unb du sieben! Du wußtest noch nicht, waL du tatestl"
„Nein, nein! Ich hab^ es auf meinem Gewissen und es quält mich noch immer. Wir haben einander nicht gut behandelt, Ursula! Tu mich nicht und ich Lucia nicht. Wenn wir letzt nur Zeit haben, es an einander gutzumachen."
„Turf ich es Papa denn'erzählen, Wybo, unb bann auch alles bekennen?"
„Du darfst wohl erzöhlen, was an jenem Mittage geschehen ist, aber sonst nichts."
„Nicht, dckß du hitt bist?"
„Rein, da« verbiete ich btt. Du weißt, was du mir gestern versprochen hast und daraus redjue ich."
„Nun, e« wird mir schwer fallen, zu schweigen, aber ich ten fest entschlossen, dir zu gehor- chen."
Sie verließ das Atelier unybetrat das Ron- tor ihres Baiers, der vor feinem Schreibtische M,
„Papak" besann sie mit sanft« Stimme.
„Oh bist du e«, Ursula? Warte einen Augenblick, Kind! Wolltest be mich vielleicht sprechen? Neu, da» ist gxt, ich hatte dir auch ein «»rt »* fasen."
mus das Todesurteil gefällt und dem menschlichen Sehnen statt des vergänglichen, rrdischen Glücks ein h ö h e r e s I d e a l zum Zweck gefetzt hat fo würde die Liebe zu diesem Lebenszweck tn der' Selbstbeschränkung den Weg zum reckten Frieden zeigen. Damit aber geht Hand in Hand die Achtung vor dem Wog! des Andern, das Verständnis für die Interessen der Gesamt- heit und das gegenseitige Zusammenwirken nicht aus Zwang, sondern aus Liebe. Mürbe die Liebe und gegenseitige Achtung das öffentliche Leben beherrschen, es würde fern Jnteressenkampf und Klassenhader die Menschheit spalten,,und mit i>ei# Dabinschwinden der Selbstsucht, die fick weder dem fremden Willen, noch dem Gesamtzweck ohne Gewalt unterwirft, würde auch das Fncdens- ideal seiner Verwirklichung entgegengehen.
Fröhliche Weihnachten! rufen die Glocken ins Land hinein. Auch wir wünschen unserem Heimatlande wie der ganzen Christen» heit ein fröhliches Christfest. Möge aber der Weihnachtsgedanke auch den tieferen sinn, der in ihm liegt, den Hinweis auf das wahre Friede N s i d e a b, das nur durch Selbstbeschrankung erreicht wird, der tief aufgeregten Menschheit klar enthüllen und sie auch zum wahren Frieden führen. ____
Deutscher Reich