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35. Iahrqanq. i

Fulda, Mittwoch den i-3. Dezember 1908,

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I fallen drohen, auskaufen oder dem in Not ge­rat entn Landwirt betipringen müßten. Aus der

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Aus dem Nachbargebiet.

* Alsfeld (Großh. H.sseift, 21. Dez. 1908. M t der Güterschlächterei beschäftigte sich hier vor einigen Tagen eine außerordentliche Ge- neral-Veriammlung des landwirtschaftl. Beurke» Bere ns Alsfeld. Regierungs-Assessor Dr. Usin- ger sprach über das Treiben der Güterschlächterei bewnders in der Provinz Oberhessen und wie man ihm enigegentteten könne. Der Referent empfahl ein Eintreten der Gemeinden, die mit fülle der Spar- und Darlehns-Kassen oder son- ftiger Geidlnstitute, wenn es nicht anders gehe, Güter, die in die Hand von Güterschlächtern zu

Mitte der Versammlung wurde allgemein aner- annt, daß der in Rede stehende Zwischenhandel daS landwirtschaftliche Gelände unverhältnismäßig verteuere: ferner wurde darauf hingewiesm, daß auch gutsituierte Leute auS Gründen verschiedener Art ihre (Silier an die Händler verkaufen. Die Gemeinden seien außerstande, derartige Güter zu erwerben, da es ihnen an billigem Kredit fehle und anderseits die Parzellen - Käufer langfristige Zahlungsziele verlangen. Landwirtschafts-Lehrer Heck-Alsfeld befürwortete, in den größeren Orten des Kreises die Bevölkerung durch Vorträge auf zuklären. Abg. Korell sieht eine der Haupt- Ursachen dafür, daß kapitalkräftige Landwirte ihre Güter aufgeben, darin, daß ihre Söhne keine Bauern mehr werden wollen und statt dessen sich in die Beamten - Lautbahn drängen, während die Töchter lieber einen Beamten als einen Bauern heiraten. Der Landwirtschaft gehe infolge dessen die Intelligenz verloren. Er schlug eine große Genossenschaft vor, die die Güter übernehmen und selbst den Zwischenhandel treiben

ein besonderes Interesse in Anspruch nehmen, weil zum erstenmal die Frauen, im ganzen 400. immatrikuliert worden sind. Von ihnen sind ° in der theologischen, 3 in der juristischen, 87 in der medizinischen und 308 in der philosophischen Fakultät eingeschrieben. Von den 258 preußischen Studentinnen Berlins stammen 9 aus Hessen- Nassau. , ~

— Ansichten eines Postbeamte« über die Frauen. Eine verheiratete Frau ist ein an feine Adreste ge­langter Brief: ein Fräulein ist ein noch unbestellter Brief; eine alte Jungfer ist ein Brief, welcher post- lagernd vergessen ist.

(jung im Gange, wie sie vor Jahr und Tag in Großalmerode in Kurhessen und jetzt in einigen Westerwaldorten sich bemerkbar macht. Em Schuhmacher, ein Schreiner und ein Schneider sind die Leiter und Verbreiter der Bewegung tn der Rastatter Gegend.

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' Folgeu des Kaiser-Interviews? Württem- bergischen Blättern zufolge werden in der Maschinen» Fabrik in Eßlingen eine Reihe von Arbeitern auf den 24. Dezember entlassen, weil em großer Auftrag der holländischen Regierung '60 Lokomotiven) zurückgezogen wurde; des- gleichen sollen in der Fabrik Faber in Kirchheim viele Arbeiter entlasten worden fein, weil sämt­liche Aufträge auS Holland zurückgezogen worden waren. Die Stuttgarter Presse bringt diese Fälle in Zusammenhang mit den Enthüllungen des .Daily Telegraph'.

)( Der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Freiherr v. Rechenberg, wird demnächst aus Deutsch-Ostafrika nach Berlin zurückkehren. ES wird erzählt, er werde dann aus seinem Amte ausscheiden; er stehe nämlich der Besiedelungs- Möglichkeit Ostafrikas durch Europäer ziemlich zweifelnd gegenüber, während das Kolonial-Amt Deutsch-Ostafrika gttn als ein weiß Gott wie geeignetes Besiedelungsland anerkannt sähe.

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♦ Tie lath. Volkspartei in Ungarn erstarkt in einer Weise, daß sie bereits die lebhaftesten Be­fürchtungen der demokratischen „Franks. 8tg." er­regt. Die ungarischen Katholiken, die seit Jahren .Abgesandte zu den deutschen Katholikentagen sen­den und da lernen, sind sehr rührig. Sie haben allmählich die Macht des Freimaurertums so zu- rückgedrängt, daß die „Franks. Zig." meint: „Wenn nicht überhaupt ein Wechsel in unseren politischen Verhältnissen eintritt, wird Ungarn damit rechnen müssen, daß auch hier der Kleri- kalismus zur Herrschaft gelangt." — Fürchter­lich!

** In Persien ist der Kampf zwischm den Revolutionären und der Schahpartei noch lange nicht zu Ende. Nachdem die Regierungstruppen in letzter Zeit mehrere Erfolge über die Gegner eirunom halten, wird jetzt eine schwere Nieder­lage, die sie bei Täbris erhalten haben sollen, gemeldet. Die Verluste, die beide Parteien in der Schlacht bei Täbris erlitten haben, werden .auf 2000 Tote und Verwundete berechnet. Unter den Gefallenen entdeckte man die Leichen von 67 Frauen, die als Manner verkleidet in den Reihen der Ausrührer mitgekämpft halten.

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soll.

* Schlüchtern, 22. Dez. 1908. Die Klein- bahnfrage für den Kreis Schlüchtern wird jetzt eifrig erörtert. Als notwendig wird die Er­bauung einer Kleinbahn Schlüchtern-Sterbsntz bezeichnet, ein Kleinbahnprojekt Ulmbach-Sal- münster^Schlüchtern ist bereits ausgearveitet. ,

* Frankfurt, 22. Dez. 1908. In einer rhetm- schen Volksschule droht, dem „Franks, Volksbl." zutvlge, den Sechsjährigen der Lehrer in mehr scherzhaftem Ton Strafe an und weist dabei auch auf seinen Stock hin, der in der Ecke der Schul­stube steht. Tie Kleinen sind ganz betreten, nur einer streckt den Finger, denn er will etwas sagen. „Nun?" meinte der Lehrer. Der Schüler: „Herr Lehrer loste Se den Stecke weg, jeder Hieb k o st' f ü ns M ar kl"

* HrrSfeld, 22. Nov. 1908. Gestern abend wurde auf dem hiesigen Bahnhof ein Hand- Werksbursche verhaftet, der bet Mecklar einem Manne aus Bebra, unter Bedrohung nut einem Revolver, einen Geldbetrag abge­nötigt hatte. „

* Wölferbütt, 21. Dez. 1908. Erne schreck- liebe Bluttat ist in vergangener Nacht tn ttrrferem sonst so stillen Dörfchen ausgeführt wor­den. Der hiesige Gemeindediener Johannes Eiche wurde von auswärtigen Burschen, denen er, als sie johlend die Dorsstraße durchzogen, Ruhe ge­bot, derartig gestochen, daß er auf dem Wege nach seiner Wohnung starb. Die Täter, zwei Maurer aus Gehaus wurden verhaftet. Ter so iah aus dem Leben Gerissene war allgemein als ein äußerst ruhiger, solider Mann bekannt. Er war verheiratet und Vater von 5 Kindern.

* Bad-Nauheim, 22. Dez. 1908. Durchge- bräunt nach Amerika ist ein Fuhrhalter unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast, nachdem er feine Frau schon vor einiger Zeit vorausge­schickt batte.

♦ Meiningen, 22. Dez. 1908. Das neue H o f- tHeater wird am 15. Oktober 1909 eröffnet werden. Pie Eröffnungsfeier wird in der für untere Theatergeschtchte so bedeutsamen thüringt- schen Residenz wieder alles vereinen, was ie künst­lerisch, dichterisch ober kritisch zur bedeutsamen Meininger Bühne in näherer Beziehung stand.

* Nastätten (Kr. St. Goarshausen) 22. Dez. 1908. Auch hier ist eine religiöse Bewe-

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♦ An Alkoholvergiftung gestorben. In Mann- beim betranken sich am Sonntag zwei 17jähnge Schriftseberlehrlinge derart, daß der eine, Adolf Röder, auf einer Polizeiwache, wohin man ibn gebracht hatte, an Alkoohlvergiftung starb. Ter ändere ist bis zur Stunde noch bewußtlos.

♦ Ter Mord im Eiscnbnhnzuge Koblenz-Tner, dessen Opfer bekanntlich der Kaufmann. Regel geworden ist, dürfte nach dem Geständnis des Mörders Maagh zur Aufrollunq einer weite Kreise berührenden Skandalaffäre führen. Maagh gab an, er habe strafbaren Verkehr mit h o ch g e- stellten Persönlichkeiten in Bonn ge­pflogen. Diese Angaben dürften der Wahrheit entsprechen. Es sollen nach den angestellten Er­mittlungen allererste Kreise aufs schwerste bloßgestellt sein. Es scheint ein gro­ßer Skandal bevorzustehen. Man glaubt aber nicht, daß, wie Maagh behauptet, der ermordete Regel seine Kenntnis hiervon benutzt hat, um Erpressungen an Maagh zu verüben.

♦ Heber ein elektromagnetisches BenediktuS- Kreuz finden sich Inserate in den Blättern. Tas- selbe soll helfen gegen Gicht, Rheumatismus, Hexenschuß, Magenleiden, Nervenschwache. Bleich­sucht, Krampf, Asthma, Unterleibsleiden usw. Das Stück kostet 3.40 Mk. Wer das Benedtktns- Krenz vertreibt, weiß man nicht. Das Inserat ist unterfertigt mit folgender anonymen Adrene: München P. D.. Brunnstraße, Brieffach. Selbst­verständlich hat der Benediktinerorden mit dem auch schon in Münchener Blättern aufgetauchten Inserat nicht das geringste zu tun. Der Name ist gewählt, um diesem Unfug Anziehungskraft zu verleihen. Es wird nicht erst noch des Hinweises darauf bedürfen, um das Publikum davon abzu­halten, sich dieses „Heilmittels" zu bedienen.

** Wie bei Schinderhanncs. Ein Räuberpro- zeß, wie er nicht alle Tage vorkommt, wurde vor dem Schwurgericht des Landgerichts Güstrow in Mecklenburg' verhandelt. Auf der Anklagebank sitzen zehn Personen. Männer und Frauen, die der verwegensten Räubereien beschuldigt werden. Am Abend des 18. Mai d. I. gegen H Uhr traten bei dem bereits schlafenden Rittergutsbesitzer v. Bum zwei Männer ins Schlafzimmer. Sie hiel­ten ihm die Hände fest, steckten ihm einen Knebel in den Mund und festesten ihn an Händen und Füßen. Sie stahlen Schmucksgchen im Werte von - mehreren taufend Mark. 3000 Mark oare? Geld und 17 000 Mark in Wertpapieren. Die Räuber und ihre Helfershelfer wurden sehr bald ver­haftet. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß sie 31t einer zehn Personen starken Bande gihörten, die in allen Dörfern der Umgegend um­fangreiche Einbillchsdiebstähie au5ge>"ägrt und große Wilddiebereien betrieben hatte. Gewis­sermaßen das Haupt dieser Räuberbande mar ein Mann namens Buchholz, der früher tn Berlin Schutzmann gewesen ist. Er wurde zu elf Zähren Zuchthaus, sein Schwager, der Seiler Volkmann, zu dreizehn Jahren Zuchthaus, andere Mitange­klagte zu 8, 3, 2 und 1 Jahr Zuchthaus Verurteilt.

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♦ Frankfurt, 21. De». 1908. |®etretbemarft Der heutige Markt verlief in sehr ruhiger Haltung, bt< bevorstehenden Feiertage werfen ihre Schatten voraus. Wei,en ist wenig offeriert und konnte sich im Greiss aut behaupten. Roggen gegen btt Vorwoche unverändert. In Hafer ist normales Geschäft bei wenig veränderte» Preisen; gute Qna itäten sind gesucht, tvtais ruhtg. Es notierenjenach Oualilätunb Herl« n,U-wetzen.hiesige, und Wetterauer 20.50 20.75 Marl, kurhesstscker 21.00-21.10 Mark, norddeutsch« 21.00—21.10 Mk, ruff 23.50 - 25 00 M., Redw nter 21 50—24.25 Mk., ttansas 23.50- 24 50 Mk., La Plata 24.00-24.75 -wmän. 23.75-24.75 Mark, Roggen, hiesiger. 17.00 bis 17.25 Mk., russischer ( 0.00—00.00 Mk., rumänischer 10.00—00.00 Mk ,'«erste hies. u Wetteraiter 18.50—19 50 Mark, Psälzer 18.50 19.50 M., Ried 18.50—19.50 »L, öater, hies 16.00-17.00 Mk , bayer. 16.00-17.00 Mk, württba. 00.00- 00.00 M., russischer 17 25—18 50 Mk., rumän. 00.00-00.00 Mk., La Plata 17.00-17.75 -Mark. 'Rais t Mixeds 00.00—00.00 M., ruff. 00 00- 00 00 M, Donaumats 00.00 - 00.00 M, La Plata 17.00-17.50 TOL Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl» ruhig. Weizenmehl vir. 0 30 00 — 30.25 Mark, Nr. 1 28 50 -2875 Mark, Nr. 2 27.50-27.75 M» Nr. 3 26.50 - 2675 Mk., feinere Marken 0.50—1.00 >1. höher. Roggenmehl Vir. 0 25 00 -25.50 M., Nr. 1 23 00— 23.50 M , Nr. 2 19.00 -19.10 M. Alles per 100 Milo inklusive Sack loko hier. Futtermtttel: ruhig. Weizeuschalen 9 75-10 00 Mk, Weizenkleie 9.75—10.00

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