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Huldaer W Zeitung

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monotsbcuagc: „Fuldaer Geschichtsblätter"

}.wÄSJL w-chenbeilas-: „Illustrierte Sonntagszeitung"

Anzeigen: Vie ei» spaltige petitzeile oder deren Saum ZS pfg. LeNamendiepetitzeil« 25 Pfg., bei wieder» Holungen wird entspk.

Labalt gewährt.

Notation,druck»«. Verlag der Fuldaer 2Ö» tiendruckerei in Fulda

Fernsprecher Nr.».

JW 293.

Er stes WlcrtL.

Deutsches Reich.

* Berlin, 18. Dez. 1908. Der Kaiser war am Donnerstag abend beim Offizierkorps des Garde du Korps-Regiments in Potsdam zum Diner.

* Die Nachrichten über eine bevorstehende Ver­lobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem König Manuel von Portugal beruhen, wie jetzt auch die .Nordd. Allg. Ztg/ offiziös erklärt, auf »freier Erfindung".

* Die ,Kreuzzeitung' hat ihren Frieden mit dem Fürsten Bülow gemacht. In einer Erklärung „in eigener Sache" fetzt sie sich mit den „Verdächtigungen" auseinander, die sie mit einer „angeblichen Hofkamarilla" in Verbindung bringen wollen. Die ,Kreuzzeitung' will zwar „die Fahne deS Monarchismus nicht in die lasche stecken", aber sie fährt fort:

.Unsere eigene Stellurg zu dem durch den Ent- schlut unteresKaisers glücklich beendetenKonflikt haben wir auch btnfichllich der Erwartungen für die Zukunft offen ausgesprochen und unteren Leser» brauchen wir nicht erst zu sagen, dab die ,Kreuize«tung' nicht von heute über sechs Wochen ihren Standpunke wechselt. Wir wissen aber auch, daß unsere Haltung auch bei dem R ei chskan zl er als treuem Monarchisten volles Verständnis findet. Bei einer gestrigen Unterredung mit dem Leiter unteres Blattes hat Fürst Bülow es weit von sich gewiesen, in unserem Eintreten für den Kaiser eine politisch gegen ihn gerichtete Epitze zu finden, und er hat unS ermächtigt, hiervon Mitteilung zu machen."

Man darf hieraus schließen, daß auch die Stellung der Fürsten Bülow dem Kaiser gegen­über wieder gesichert ist, worauf ja schon dar Zurückpfeifen der gegen die „Kamarilla" kämpfenden Offiziösen zu deuten schien.

0. AuS den Beschlüssen der Lehrerbesol- dungskommission stellen wir im nachstehenden »die wichtigsten zusammen:

Das Diersteinkommen der an einer öffentlichen Volksschule end ultig angestellten Lehrer und Lehrer­innen besteht ersten, in einer festen, ihrem Betrage nach in einet bestimmten Geldsumme zu berechnenden Besoldung (Grundgehalt), zweitens in Alterszulagen, Drittens in freier Dienstwohnung oder entsprechender Mietsentschädtgung.

Das Grundgehalt beträgt für die Lehrerstelle 1400 M., für die Lehrerinnenstelle 1200 M. jährlich. Die Leiter von Schulen mit sech4 oder mehr anftei« aenden Klassen erhallen eine pensionsfähiae Amtszu­lage von mindestens 700 M. jährlich, andere Schul­leiter und solche Lehrer an Volksschulen mit drei oder mehr Lehrkräften, denen Leitungsbefugnisse übertragen find, eine pensionsfähige Amtszulage von minde­stens 200 M. jährlich. Sonstige erste und alleinstehende Lehrer erhalten, wenn sie als solche eine zehnjährige ununterbrochene Dienstzeit zurückgelegt h"ben, eine pen- ficnssähige Amtszulage von 100 M. jährlich. Schul­verbände, in denen die am 1. Januar 1909 in Geltung gewesene Besoldungsordnung für die Lehrer an Grund­gehalt und Alterszulagen ein Endgehalt von 2800 M. jädrlich oder mehr vorsieht, können die Gewährung pensionsfäbiger Ortszulagen an ihre sämtlichen Volksschullehrpersonen oder einzelne der in dieiem Gesetz bezeichneten Kategorien be chließen. Durch die Ortszulage darf das bisherige v.ndgehalt, abgesehen von der Amtszulage für die Lehrerstelle, um höchstens 900 M., jedoch nicht über 4200 M. hinaus, für die Lehrerinnenstelle um höchstens 500 M., jedoch nicht über 2950 M. hinaus, gesteigert werden. Schulver­bände, die dergestalt in der Umgebung von kreisfreien Städten liegen, daß sie mit ihnen eine wirtschaftliche Einheit bilden, können ihren Volksschullehrpersonen pensionstähige Ortszulagen insoweit bewilligen, als diese Städte hierzu befugt sind, sofern auf ihren An­trag der Provinzialrat nach Anhörung der Schulauf- sichlsbehörde das Borliegen der gedachten Boraus-

Fulda, Samstasi

setzungen festgestellt hat. Die Beschlüsse der Schulver­bände bedürfen der Genehmigung der Schulaufsichts­behörde. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn und soweit eine Erhöhung des Diensteinkommens nicht durch die besonderen Verhältnisse des SchulverbandeS geboten ist. Die Besoldung der einstweilig angestellten Lehrer und Lehrerinnen, Sowie der Lehrer, die noch nicht vier Jahre im öffentlichen Schuldienste gestanden haben, beträgt ein Fünftel weniger, alS das Grundgehalt der betreffenden Schulstellen.

Die Alterszulagen betragen für Lehrer zweimal 200, zweimal 250, fünfmal 200 M., für Lehrerinnen dreimal 100, fünfmal 150, einmal 200 M. Für die Mielsents ckädigung ist bestimmt, daß dieMietS. entschädigung für Lehrer in Ortschaften der Ortsklasse A nicht weniger als 800 M., B nicht weniger als 650 Mark, C nicht weniger als 540 M, D nicht weniger als 450 M., E nicht weniger als 330 M. betragen soll, für Lehrerinnen dementsprechend bei A 540, bei B 480, bei C 400, bei D 320 und bei E 250 M.

)( Tie Anfiedlnngskommission für die gemischt- svrachigen Landesteile im Osten hat soeben eine i iteressante Ergänzung erfahren, die auf einen sehr scharfen Widerspruch der interessierten Kreise gegen die unangenehme Beeinflussung des Grundstück­marktes durch die Ansiedlungskommission hindeutet. Es sind nämlich als verschiedene Vertreter von Landwirtschaftskamm ern,darunter auch der Kammerherr v. Oldenburg-Januschau in die An- siedlunaskommiision berufen worden.

)( An das türkische Parlament sandte namens des deutschen Reichstages der Präsident Graf Stolberg aus Anlaß seiner Eröffnung ein Glückwunschtelegramm. In voller Würdigung der historischen Bedeutung, die die erste Session des Parlaments für die Geschicke des ottomani- schen Reiches haben werde, gäbe der deutsche Reichstag seinen aufrichtigen Sympathieen für die Vertreter des ottomanischen Volkes und zu­gleich der sicheren Erwartung Ausdruck, daß die Arbeit des Parlaments von reichem Segen be­gleitet sein werde.

v Der Optimismus der Herrn Dernburg. Herr Dernburg bat eine üppige Phantasie; wo andere nichts finden, sieht er Palmenwälder; wo Sand liegt, hebt er gleich 100 Edelsteine von der Erde auf, und nur so im Spazierengehen. Die Diamantensunde in Lüderitzbucht sind denn doch nicht von der Bedeutung, die er ihnen im Reichstage beigemeffen bat; denn selbst die „Franks. Ztg." muß schreiben:

„BiS vor kurzem betrug die Ausbeute nur 40—50 Karat in der Woche. Man kann die Diamanten auch nicht so einfach im Spazierengehen aujlesen, sondern braucht, obgleich die Förderung relativ febr leicht ist, dazu Arbeiter aus dem Kapland, die mit 3—4 Pfund pro Monat nebst Verköstigung zu entlohnen sind, allo im Vergleich zur Leistung eine recht große Ausgabe. Bei allen Aufwendungen besteht naiürlich die Hoffnung auf eine Steigerung" der Förderung. Das ist aber eben der schwierige Punkt, weil hierfür feste Anhalts­punkte völlig fehlen. Man weiß nicht, wie sich das Diamantenvorkommen dort Überhaupt erklärt, und muß damit rechnen, daß es sich auf die oberen Sand­schichten beschränkt, in welchem Falle der Vorrat bald erschöpft sein würbe. Jedenfalls wäre eS voreilig und leichtfertig, nach den bisherigen Ergebnissen schon siukunflsrechnungen mit imogären Ziffern zu machen. Das würbe nur zu ungesunden Spekulationen führen, bei denen die Leute ihr (Selb verlieren müssen."

Herr Dernburg aber sprach schon von 5000 Karat in der Woche, also 100 mal mehr, als man jetzt findet. Wir standen immer den Zahlen DernburgS mit Mißtrauen gegenüber, müssen eS aber jetzt erst recht tun.

△ Die wirtschaftliche Lage. Die Verkehrs­einnahmen der deutschen Eisenbahnen im November sind, während gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres aus dem Personenverkehr um 2,24 Proz. gestiegen, aus dem Güterverkehr aber um 7,684 Proz. gefallen. — Aus diesen Zahlen kann man erkennen, daß das wirtschaft-

den 19. Dezember 1908.

liche Leben nach wie vor z n r ü ck g e h t; aus dem Steigen des Personenverkehrs aber ergibt sich weiter, daß trotzdem ein schärferer Unterneh- mungs'.ist wieder Platz gegriffen hat, der ener­gisch gegen die schlechte wirtschaftliche Lage anzu­kämpfen entschlossen ist.

(*) Die stürmischen Szenen in der Rixdorfer Stadtverordnetensitzung. Zu erregten Szenen kam es, wie schon kurz gemeldet, am Donnerstag in der Sitzung der Rixdorfer Stadtverordneten- Versammlung. Ten Anlaß gab ein bürgerlicher Antrag, die Bildung der Wählerabteilungen für vic Stadtverordnetenwahlen so zu ändern, daß als Abschluß für die dritte Abteilung nicht mehr der einfache, sondern der l^fache Durchschnittssteuer- satz maßgebend sein soll. Dadurch würde die Zahl der Wähler in der dritten Abteilung zu Gunsten der zweiten und ersten sehr vermehrt werden. Bisher war die untere Grenze für die Berechtigung der Wahl in der zweiten Klasse ein Steuerbetrug von 78 M. Bei Verwirklichung des gestellten Antrages würde sich die Grenze auf 120 M verschieben. Ter Antrag wurde begreif­licherweise von den Sozialdemokraten, die über 18 Sitze gegenüber 40 bürgerlichen verfügen, aufs heftigste bekämpft. Sie suchten die Abstimmung durch eine Obstruktion und durch eine Straßen­kundgebung zu verhindern. Infolgedessen hatten sich abends Taufende von Menschen eingefunden, die das Rathaus belagerten. Alles drängte un­gestüm nach den Galerien des Sitzungssaales, die wegen Ueberfüllung bereits um 5 Uhr geschloffen werden mußten. Einem großen Haufen von 600 Mann gelang es plötzlich, den Magiftratsdiener beiseite zu schieben und auf die Tribüne zu ge­langen. Um die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, wurde dann die Polizei geholt, die nach großer Mühe das Rathaus säuberte. Im Saal selbst hielt ein Sozialdemokrat zunächst eine Dauerrede von 2% Stunden. Als die bürger­lichen Parteien Schluß beantragten, begannen die sozialdemokratischen Stadtverordneten ein wü- stes Trampeln und Schreien; die Genossen auf der Tribüne ließen Pfuirufe ertönen, die So­zialdemokraten im Saal schrien die Bürgerlichen an: „Ihr habt die Polizei herbestellt", während die Bürgerlichen riefen:. „Und ihr habt eure Ge­nossen, die Arbeiterbataillone, herbestelltI" Nach Beilegung dieser aufgeregten Zwiesprache nahm wiederum ein Sozialdemokrat zu einer weitern Dauerrede das Wort. Nach ihm sprach ein drit­ter Sozialist bis nach Mitternacht. Kurz nach 1 Uhr trat eine allgemeine Ermüdung ein und man schritt zur Abstimmung, die die Annahme des bürgerlichen Antrages mit 40 gegen 18 Stim­men der Sozialdemokraten ergab. Vor dem Ge­bäude harrten sowohl die Kundgeber wie ein gro­ßes Polizeiaufgebot aus. Ernstere Ruhestörun­gen sind anscheinend nicht vorgekommen.

<? Einer Irreführung, der zahlreiche Zei­tungen zum Opfer gefallen sind, hat sich kürzlich die liberale „Allgemeine Deussche Lehrerzeitung" schuldig gemacht. Sie hatte den Brief eines braunschweigischen Lehrers an seinen vorgesetzten Pastor nebst dessen Antwort gebracht. An einem freien Schulnachmittage wollte danach der Leh­rer pürschen gehen; aber die Antwort des Pastors auf die von ihm als Ortsschulinspektor einyi- holende Erlaubnis lautete ablehnend und war sehr von oben herab gehalten. In Braunschweig regten sich aber alsbald starke Zweifel an der Echtheit der Briefe, und eine Nachforschung er­gab denn auch, daß die ganze Erzählung erdich­tet ist. Angeblich hat der Verfasser das braun­schweigische Jagdgesetz geißeln wollen. „Das ist nur eine klägliche Ausrede und rechtfertigt die Irreführung der gesamten Presse nicht im ge­ringsten," meint die „Freis. Ztg.". Viel schärfer äußert sich die „Kreuzztg.", indem sie schreibt:

35. Jahrqansi.

„Man ersteht auS diesem Vorgang wieder einmal, wie stark der Haß gegen die Geistlichen al8 Schul au ssichtsbeamte in den bet ,91. D. Lstg/ nahestehenden Kreisen ist, so daß sie selbst vor der Wahl derartiger Mittel zu agitatorischen Zwecken nicht zurückschrecken. Die Ausrede der ,D. A. Lztg.', daß sie mit den Briefen das braunschweigische Jagdgesetz habe geißeln wollen, ist ein ganz aussichtsloser Enlschuidic gungsversuch, denn au- den Briesen geht das nicht hervor."

(*) Koblenz, 18. Dez. 1908. Bei der Land« taflsersatzwahl im Wittlich-Bernkastel wählten sämtliche 231 anwesende Wahlmänner den Zentrumskandidaten Bankdirektor Belt in« Bern kastel.

# Darmstadt, 18. Dez. 1908. Die Zweit« Kammer hat heute an die Regierung das ein­stimmige Ersuchen um Vorlage eines neuen Wahlgesetzes auf der Grundlage deS direkten Wahlrechts gerichtet. Abg. v. Brentano (Ztr.) trat mit seinen Freunden einmütig für da­direkte Wahlrecht ein und erwartete, daß di« Regierung alsbald dem Hause eine Vorlage unterbreiten wird. Er könne nicht glauben, daß Die Standesherren durch ihren Widerstand di« Versassungskonflikte in Hessen in Permanenz er­klären wollen. Erfreulich sei, daß nunmehr di« ganze Volksvertretung Heffens einmütig für da­direkte Wahlrecht einlrete. Die Kammer vertagt« sich sodann auf Anfang Januar. — Die Zen­trumsfraktion hat durch den Abg. Nebel einen Antrag eingebracht, der die Einführung des Proportionalwahlsystems für die Wahlen^ zur Gemeinde, Kreis und Provinz verlangt. Der denKammern zugegangene Staatsvoranschlag weist eine Mindereinnahme auS Eisenbahnen für 1909 von 2 050000 Mark sowie weiteren j Rückgang der Einnahmen an direkten Steuern und Stempelabgaben aus, sodaß eine nicht unbe- nächtliche Entnahme aus dem Ausgleichsfonds; notwendig ist. Die Regierung rechnet mit ber Notwendigkeit der demnächstigen Erhöhung, der direkten Steuern, will aber vorerst bi«. Entscheidung bes Reichstags über bie Finanz« reform abwarten, weil davon auch das Ver«, häitnis der Einzelstaaten zum Reich für bie Zu­kunft abhängt.

' Stuttgart, 18. Dez. 1908. . Wie verlautet, wird auch der neue württembergische Etat ange­sichts der ungünstigen Finanzlage eine Steuer­erhöhung von 10—20 Prozent bringen.

* Karlsruhe, 18. Dez. 1908. In Wiesloch hat sich Geistlicher Rat Wacker, der bekannte Führer des badischen Zentrums, über die p oli- tische Lage ausgesprochen und damit den Wahlkampf eröffnet. Diese Rede ist unstrei­tig eine der bedeutungsvollsten in der ganzen politischen Tätigkeit dieses energischen Poli­tikers, des Schöpfers der badischen Zentrums­partei. Bisher war man es in Baden gar nicht anders gewohnt, als die Regierung neben »der mitten unter der Partei der Natio­nalliberalen zu suchen und der neue liberale Parteichef Obkircher hat in seiner jüngsten Rede der Regierung einen unzweideutigen Wink ge­geben, sich derjenigen Partei anzuneymen, welche die Wähler gegen die „Verhetzer der Regierung" schützen wolle. Geistl. Rat Wacker hat nun in Wiesloch der Regierung öffentlich vorgerechnet, was sie über den Parteien, und was sie an ihrem altgewohnten Platze neben den Libe­ro l e n zu erwarten hat. Ein Sieg des Libera­lismus mit der Regierung hätte zur unabweis- lichen Folge: die Austeilung des Siegespreises mit der Sozialdemokratie, weil ohne diese ein Sieg der Liberalen unmöglich fei. Maßlose Be­gehrlichkeit der Sozialdemokratie unb Obkircher-

AurückgekeHrl.

Erzählung von Melati von Java. Nebersetzt von Dr. I. B. Fuß.

g6j (Nachdruck verboten.)

„Wir müssen ihn aus den Händen dieser Abenteuerinnen retten; denn dort findet er nie­mals sein Glück. Ich kenne sie noch besser als er."

„O Wybol" und Ursula erhob begeistert ihre Hände zu ihm, „denkst Du das auch? Wie froh bin ich deshalb I Ja, wir müssen Papa aus den Händen der Wylandts retten; Du kommst gerade zur rechten Zeit; aber wie sollen wir es machen?"

„lieber taffe das mir! Ich sage Dir im voraus, Du darfst mich nichts fragen, aber Du mußt alles tun, was ich sage. Begreifst Du?"

„Ja gewiß, und Tu hast mir alles verziehen?"

„Vergessen kann ich es nicht, aber verziehen Ist es schon fange!"

„Gibst Du mir noch einmal die Hand daraus? Wie danke ich Gott, daß Tu als ein so tüchtiger Mann zurückgekehrt bist! Ein tüchtiger Künst­ler, und ich glaube, auch ein braver Mensch. Ach, wie viel Angst habe ich um Dich gelitten, wenn ich auch mit niemand darüber sprach, aber das Ivar gerade das Aergste. Wie beneidete ich die gute Lucia, die in Ruhe an Dich denken konnte!"

„Gehe nun. Ich sehe meine Arbeiter kommen. Was würden sie denken, wenn sie Fräulein van Hogenvoorde so vertraulich mit ihrem Herrn sprechen sähen? Sage mir nur, wo ist Lucia?"

„Lucia ist ein wenig erkältet. Sie muß das Zimmer hüten."

„Du kennst unsere Absprache. Kein Wort zu ihr zu sagen."

„Nein, gewiß nicht! Verlangst Du noch etwas anderes von nur?"

„Vorläufig nein, nichts! Oder eS müßte denn fein, daß Du von jetzt an Dich ernstlich mit der Laushaltung beschäftigst und all Deine törichten Liebhaberen fahren läßt. Dein Veloz iped

bringst Du auf den Speicher und Deinen Doktor­hut kannst Du an den Nagel hängen und Deine Künstlerträume in die Luft fliegen lassen. Sorge dafür, daß Du eine tüchtige, geschickte Hausfrau wirst, so daß Papa, wenn feine Heirat nicht zu­stande kommt, in dieser Hinsicht wenigstens keinen Grund zu klagen hat."

„Sehr gerne, Wybo, sehr gerne! O, wenn ich unter dieser Bedingung keine Stiefmutter wie Gertrud bekäme — tote gerne würde ich mich bann ganz der Haushaltung toibmenl Wenn ich nur kann."

„Du kannst, was Du willst. Denke daran, daß Du es tust aus Selbstaufopferung, au? Pflichtgefühl und auch zur Buße. Wenn Dn besser begriffen hättest, was Du tun mußtest, bann würbe es nicht fo weit gekommen sein."

„Ich werde tun, was ich kann, Wybo!"

Niemand würde in diesem demütigen Mäd­chen das eingebildete Wesen von früher erkannt haben; sie holte ein Briefchen auS der Tasche und sagte bann:

„Wybo I Ich wollte mit Dir sprechen — unb begann über allerlei törichte Tinge — aber eigentlich hatte ich etwas viel Wichtigeres auf dem Herzen."

Sie gab ihm das Briefchen.

„Ein Hundertguldenschein? Was bedeutet das?"

„Ach Wybo! Ich hatte gehört, was Lucia Dir auf getragen hatte über das Grab Mamas, und nun fühlte ich mein Gewissen so unruhig werden. Ich warf mir vor, daß ich meine gute Mutter so leicht vergessen hatte, aber — siehst Du! Das war auch alles bie Folge ber anderen Geschichte! Ich schämte mich so vor Mama ... ich ... ich wagte nicht, an sie zu denken — ich fühlte, baß sie es mir vorwerfen würde, daß ich ihren Sohn . .

Tränen verhinderten sie, weiter zu sprechen.

„Und nun wolltest Du mir das bringen?" „Ich wollte auch meinen Anteil an dem Grab­mal bezahlen und Dir das — deutlich machen —

aber es war so schwer, darüber zu beginnen, und darum ersann ich allerlei Torheiten, aber doch — hätte ich es nicht getan, bann würdest Du mich nicht wieder „falsche Katze" genannt haben unb ich hätte Dich nicht erkannt."

Er gab ihr das Geld zurück.

„Tu begreifst doch, Sula, daß ich das Geld meiner Schwestern nicht nötig habe und daß das Grabmal dach gemacht wird. Dir will ich es wohl sagen: Ich bin ein reicher Mann. Ich verdiene so viel Gelb, wie ich will. Der Name Verbini ist in Italien, dem Lande der Bildhauerei, mit Ruhm bekannt. Ich kann es ruhig sagen, denn es ist die Wahrheit. Heute nod) beginne ich mit dem Grabmal, das mein schönstes Werk werden wird. Willst Tu das Lucich sagen?"

„Ja", und sie eilte hinweg, denn bie Arbeiter waren schon sehr nahe.

Sie ging die Treppe hinaus, in Lucias Sim- bet, und fanb bie Blinde in ihrem Sessel sitzen, mit einem Tuche um den Kopf. Sie sah bleich unb matt aus.

„Bist Du es. Viktorine?" fragte sie, denn gegen ihre Gewohnheit hatte Ursula die Türe vorsichtig und leise geöffnet, tote Viktorine es immer zu tun pflegte.

„Nein, Lucia, ich bin es: Sula. Wie geht es Dir?"

„Ich habe ein wenig Fieber, mein Kopf sAnerzt mich sehr."

„Möchtest Du nicht lieber zu Bette gehen?" „Ja, ganz gerne, aber . . ."

„Die Mägde bekümmern sich nicht um Dich. Ich glaube nicht, daß Du irgendwo besser sein wirst, als unter der Decke. Darf ich Dir helfen? Ich bin wohl noch etwas ungeschickt, ober ich werde doch tun, was ich kann."

Lucia traute ihren Ohren nicht; konnte das Ursula fein, die so herzlich und freundlich mit ihr sprach und ihr so gerne helfen zu wollen schien?

„Sehr gerne, liebe Sula!" antwortete sie und dachte bei sich:

: „Sollten sie vielleicht meinen, daß ich sehr

krank sei, und ist darum Sula so außerordentlich freundlich gegen mich?"

Sie ließ sich helfen und zu Bett bringen; Ursula fragte, ob sie warmen Tee wünschte unb einen heißen Krug. Lucia bankte, aber an dem Tone merkte Ursula wohl, daß sie es nur tat, um ihr keine Last zu verursachen, unb sie beschloß also, dafür zu sorgen. Inzwischen küßte sie sie herzlich und sagte:

„Ich soll Dich grüßen von Herrn Derdini, und er läßt Dir sagen, daß er heute noch mit Deiner Bestellung beginnt und daß es fein schönstes Werk werden soll."

Ihr Gesicht wurde wieder von jenem schönen inneren Glanze bestrahlt, der um so geheimnis­voller war, weil er sich nicht in ihren Augen widerspiegeln konnte.

„Hat er das gesagt? O, wie glücklich bin ich! Wenn . . . wenn . . . es vielleicht nicht gut mit mir abläuft,bann ist wenigstens dafür gesorgt."

Ursula lachte herzlich — Lucia wußte nicht, was sie hörte, ihre Schwester konnte spöttisch ober aufgeregt lachen, aber ein so herzliches und auf­richtiges Lachen hatte sie in ben letzten Jahren nicht mehr von ihr gehört.

„-Unsinn! Das ist gerabe etwas für Dich, bei jeder Erkältung an Schwindsucht unb bei jebem Fieberchen an Typhus zu denken! 9lein! davon kann keine Rede sein. Du wirst sehen, wie glück­liche Tage unser noch warten. Ich habe eine Ahnung davon."

- „Ursula, was ist mit Dir? Du scheinst so glücklich und — so gut?"

„Ja, ich weiß nicht, ob ich glücklrch brn, weil ich mich gut fühle, oder ob ich mich gut fühle, weil ich so glücklich bin. Soll ich Dir noch etwa- erzählen? Ich habe Verdini hundert Gulden ge­geben als meinen Anteil an dem Werk. Ich bin doch auch Mamas Tochter, so gut wie Dul"

Große Tränen rollten über LuciaS Wangen, sie streckte die Arme nach ihrer Schwester aus, und beide Mädchen umarmten einander lang uai innig, wie noch nie zuvor. , (Forts, folgt.)