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Rotationrdruckund Verla, der Fuldaer Ak­tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

JV3 292.

Fulda, Freitag den 18. Dezember 1908.

35. Jahrgang.

wartete der Beamte: »Ich handle ja nur nach der Verfügung",woraus diese — ausgehoben wurde.

* Tarnowitz O.-S., 17. Dez. 1908. Aus Jen- dryssek, Kreis Tarnowitz, wird der „Gazeta Cpolfef >" geschrieben: Auf Bitten des Pfarrer- Rogowski kam zum Muttergottesseste ein gewisser Geistlicher aus Krakau, um dem Pfarrer zu helfen. Im Beichtstuhl war soviel Arbeit, daß ein großer Teil derjenigen, welche beichten woll­ten, ohne gebeichtet zu haben, nach Hause zurück- kehren mußte. Am Festtage erscheint der Amts- diener Sobel und erklärt dem Pfarrer, der ga- lizische Geistliche dürfe nicht weiter kirchlich« Funktionen ausüben, wenn er hierzu keine schrift­liche Ermächtigung besitze. Der Pfarrer erklärte, der Kardinal Kopp gestatte einigen auswärtigen Geistlichen, bei uns in der Seelsorge auszuhelfen. Trotzdem verlangte der Amtsdiener die Vorwei­sung Les schriftlichen Erlaubnisscheins, welchen der Geistliche nicht besaß und nicht zu besitzen nötig hatte. Im Namen des Landrats von Tar­nowitz erklärte da Sobel, daß der Geistliche in der Kirche tätig zu sein aufzuhören und mit dem nächsten Zuge das Land zu verlassen habe, tool er auch getan hatl

Zweites Wtcrtt.

--- Der strategisch-ungünstigste Platz.

Der Reichskanzler hatte in seiner letzten Rede im Reichstage ausgeführt: „Wir stehen in der Mitte von Europa, auf dem strategisch un- günstigsten Platz, der sich aus dec Karte aller fünf Weltteile ausfindig machen läßt. Unsere Rüstungen sind von der Notwendigkeit diktiert, uns nach verschiedenen Fronten verterdigen zu können."

Damit war wirklich nichts neues gesagt; seit einem Menschenalter ist die Möglichkeit eines konzentrischen Angriffes von mehreren Seiten fortwährend besprochen und in die Rechnung ge­stellt worden, sowohl in die politische als in die militärische Rechnung. Auch zur Begründung der Heeresvorlage von 1887 wurde amtlich die gleichzeitige Abwehr gegen Frankreich und Ruß­land als Aufgabe der deutschen Wehrmacht hin- gestellt. Allerdings erklärte damals Fürst Bis- rnarck im Reichstage, er rechne gar nicht mit einem Angriff von Rußland her, sondern habe nur die Gefahr vom Westen (Boulanger) im Auge. Das war aber nur eine diplomatische Ausrede; er war gerade dabei, den Argwohn des ruffifdten Kaisers zu entkräften, den „Draht nach Rußland" zu flicken und das unruhige Frank­reich nach Möglichkeit zu isolieren. Auf die Dauer ist es weder ihm noch seinen Nachfolgern gelungen, die Annäherung Rußlands an Frank­reich aufzuhalten. Schon zu Anfang der neun­ziger Jahre wurde aus der Freundschaft ein regelrechtes Bündnis, und Graf Caprivi mußte gute Miene zu dem bösen Spiel machen, indem er zu Osnabrück erklärte, jetzt sei das Gleichgewicht in Europa wiederhergestellt. Das „Gleichgewicht" bestand darin, daß Deutschland den vereinten Kräften von Frankreich und Rußland das Gegen- gewicht halten mußte, und zwar in der Haupt- fache durch seine übermächtige eigene Armee, da­bei unterstützt von dem zuverlässigen, aber nicht übermäßig starken Oesterreich und nicht gefährdet durch das äußerlich Verbündete Italien, von dem höchstens eine wohlwollende Neutralität zu er­warten war.

Seitdem ist uns das Bewußtsein lebendig ge­blieben, daß Deutschland sich in der Tat auf einem sehr exponierten Platze in der Mitte von Europa befindet. Dieses Bewußtsein konnte natürlich nur verschärft werden, als das sogenannte Gleich­gewicht sich allmählich zu unseren Ungun- ft e n verschob. England trat aus seiner glänzen­den Vereinsamung („splendid Isolation") heraus und schlug sich zu dem uns gegenüberstehenden Zweibunde. England brachte den französisch-rus­sischen Bestrebungen nicht nur den Rückhalt seiner meerbeherrschenden Seemacht, sondern auch eine überraschende Fülle von diplomatischer Rührig­keit und Kunstfertigkeit. Seitdem sind wir uns des Ernstes unserer politischen und strategischen Lage mit peinlicher Deutlichkeit bewußt.

Nun erhebt der frühere Oberst G ä d k e im „Berliner Tageblatt" seine Stimme, um die Dar­legung des Fürsten Bülow zu entkräften und die überragende Ungunst des „strategischen Platzes Deutschlands" zu bestreiten. Herr Gädke meint, jeder Staat habe Grenzen nach verschiedenen Himmelsrichtungen hin und müsse also auf An­griffe von verschiedenen Seiten gefaßt sein. Frei­lich; aber Herr Gädke übersieht, daß nicht alle Grenzen gleichmäßig bedroht sind. Es gibt da geNaltige Unterschiede, von denen wir die drei wichtigsten hervorheben möchten.

Erstens ist eine M e e r e s g r e n z e in der Regel leichter zu schützen, als eine Landesgrenze. Vergleich 1870; die Franzosen konnten trotz 6er 1

Uebermacht ihrer Flotte gegen unsere Küsten nichts rechtes machen. England wehrt sich gegen jede Verbindung mit dem Festlande, auch durch einen engen Tunnel, um nicht den Vorteil seiner Lage mitten im Meere einzubüßen. Deutschland hat aber verhältnismäßig wenig See- und über­wiegend Landgrenzen.

Zweitens macht es einen gewaltigen Unter­schied. ob hinter der zu schützenden Landgrenze eine militärische Großmacht liegt oder ein nicht schlagfertiges Staatsweien minderer Ordnung. Bei einem Konflikt zwischen Deutsch- land und Frankreich würde auch in dem günstig­sten Falle, daß Rußland nicht sofort angriffe, Deutschland zur Sicherung nach Osten viel mehr Kräfte entsenden muffen, als Frankreich gegen die Pyrenäen, hinter denen das schwächliche Spa­nien sitzt.

Drittens steigert sich die Gefährdung der Grenzen nach dem Maße der Feindseligkeit und Angriffslust der dahinter sitzenden Macht. Nun hat Deutschland im Westen das nach Revanche dürstende Frankreich, im Osten das uns herzlich abgeneigte Rußland, während unsere Seefront sowie der gesamte Handel der scharfen Eifersucht Englands ausgesetzt sind.

Unser Glück ist noch, daß Oesterreich treu zu uns hält. Würde Oesterreich zu unseren Gegnern übergehen, so wären wir nicht bloß politisch iso­liert, sondern auch strategisch eingekeilt.

Herr Gädke meint nun schließlich, alles wäre gut, wenn wir uns mit Frankreich versöhn­ten. Jawohl; aber zum Versöhnen gehören zwei. Sollen wir Metz und Straßburg preis­geben und unsere Ostfront gegenüber dem fran­zösischen Macht- und Ruhmhunger entblößen?

Es läßt sich beim besten Willen nicht leugnen: wir müssen die Sorgen und Lasten des strategisch höchst ungünstigen Platzes tragen!

Deutsches Reich.

== Der Feldzugsplan des Kaisers gegen die Buren. Wie aus London gemeldet wird, wird das „Lcrrdon Magazine" in seiner Jaiumrnum- mer einen Artikel des englischen Journalisten White über die Haltung des deutschen Kaisers während des südafrikanischen Krieges und über den Feldzugsplan veröffentlichen, den er seiner Großmutter geschickt hat. White streitet entschie­den die Behauptung des deutschen Reichskanzlers ab, wonach es sich angeblich bei dem Feldzugsplan des Deutschen Kaisers nur um einen Entwurf gehandelt habe. Es habe sich vielmehr um einen förmlichen Feldzugsplan gehandelt, den er, White, selber im Schlosse von Potsdam ge­sehen habe. Auf der Terrasse des Schlosses in Potsdam sprach der Kaiser zu ihm über den Feld- zugsplan. Der Monarch habe sich an den ihn begleitenden Minister gewandt und gefragt, was wohl die Leute in Berlin sagen wür- den, wenn sie das alles wüßten. White meinte, sie würden Se. Majestät vielleicht a b s e tz e n! Worauf der Kaiser erwiderte, es könnte schon sein, daß sie das versuchen würden. (Nach einem anderen Berichte über den Artikel Whites hätte Fürst Bülow die Frage aufgewor­fen, was man dazu in Berlin sagen würde, wenn man davon wüßte, und als dann White gemeint habe, man werde den Kaiser vielleicht entthronen wollen, habe der Kaiser gelacht und gesagt: „Man soll es nur versuchen!")

0 Erhöhung des Kasfeezolles. Da es schon heute feststeht, daß eine Reihe von Steuervorlagen abgelehnt werden wird, so trägt man sich in den Kreisen der ll^gierung und der rechtsstehenden Parteien mit der Absicht einer sehr wesentlichen Erhöhung des Zolles auf Kaffee. Kakao und Tee. Der Kaffee brachte von 1900—1907 insgesamt 64

bis 75 Mill. Mark Zoll ein; man spricht nun von einer Verdoppelung dieses Zolles, sodaß 75 Mill. Mark Mehrertrag entstehen würden. Heute liegt auf dem Kopf der Bevölkerung ein Zoll von 1,21 Mark. Der Kaffeezoll beträgt 47 Proz. des Wer­tes, eine Verdoppelung würde somit dahin füh­ren, daß der Zoll so hoch ist wie der Wert. Wei­ter ist eine Erhöhung des Zolles auf Kakao in Aussicht genommen, da der Kakao nur 7 Mill. «M einbringt, d. h. 10 Proz. des Wertes; bis 1906 war er mit 30 Proz. des Wertes verzollt; geht man zu den alten Zollsätzen zurück, so erhält man eine Mehreinnahme von 15 Mill. «Al. Auch der Teezoll soll erheblich erhöht werden, da er 1906 von 60 Proz. auf 13 Proz. herabgesetzt wor­den ist; der alte Zollsatz würde 4 Mill. «Al mehr einbringen. Diese Aenderung der Zolltarife bringt somit 100 Mill. Mark mehr ein. Ob eine Mehrheit im Reichstage sich hierfür findet, ist zweifelhaft.

— Germanisierung ist Protestantisierunq. Auf einer Versammlung des Evangelischen Bundes in Berlin teilte Prediger Rosenberg auS Kempen mit, daß mit Hilfe deS Evangelischen Bunde- der Verein für Kleinkolonisation im Laufe der letzten 21/* Jahre 1000 protestan­tische Familien in der Provinz Posen an- gesiedelt habe.

+ lieber „Verantwortung in Wehrfragen" leitartikelt Generalmajor Keim im „Tag" (Nr. 386). Er wendet sich gegen die Gewohnheit, die namentlich bei einer bestimmten Kategorie von fliarlamentariern im Schwünge sei, Bedenken oder abweichende Aufafssungen Dritter in militäri­schen Fragen mit dem Bemerken abzutun, ihr Vertrauen zu den verantwortlichen Stellen sei so groß, daß sie alle Kritiken ablehnten. Er sagt:

„Eine solche Haltung ist ebenso bequ-m wie um logisch, weil dann überhaupt jeder Zweifel und jeder Widerspruch überflüssig wäre, an denen die Herren es doch sonst nicht fehlen lassen. Warum aber gerade in militärischen Dmgen, deren ausschlag­gebende Bedeutung gerade tür die ä-her« Politik ooch klar zutage liegt, grundsätzlich das Opfer oeS Jntel- lektes gebracht werden soll, erscheint unverständlich... In anderen Parlamenten kennt man solche Stabili­sierung amtlicher Unfehlbarkeit nicht. Denn schlietzlich hat der gesunde Menschenverstand auch seine Berechtigung, und man sollte ihn nicht mit der Keule der Verantwortung totschlagen wollen.-'

Ganz unsere Ansicht. Das sind genau dieselben Gedanken, mit denen wir unsere abweichende Stellungnahme z. B. am 13. Dezember 1906 begründeten. Was Herrn Keim recht ist ist uns billig. Wie aber war es bei den B l o ck w a h- len! Da schalt uns Herr Keim als „antinatio- nal", weil wir unfern Widerspruch gegen eine Regierungsforderung nicht aufgeben wollten.

* Weil er polnisch gesprochen. Ter Pofloorsteher Herr Piotrowicz in Zydowo, der 25 Jahre treu und gewissenhaft seines Amtes gewaltet hatte, wurde desselben entsetzt, weil er zu dem polnischen Pub­likum polnisch gesprochen habe. Hierzufrischt die,@erm.' eine Reminiszenz aus den 70er Kultur- kampfsjahren auf. In einer deutschen Stadt Ober­schlesiens erhielt ein- subalterner Gerichtsbeamter, der sich mit einem utraquistischen Freunde im Ge- richtsgebäude polnisch unterhalten hatte, auf die Anzeige seiner Kollegen hin von dem damaligen Gerichtsdirektor eine schriftliche Verfügung, sich künftig der polnischen Sprache zu enthalten. Darob große Freude bei den Denunzianten. Sie war aber nur von kurzer Dauer. Denn am folgenden Tage kamen polnische Laudleute au? der Umgegend, die einen Termin hatten, und wollten Ort und Stunde des Termins von dem von dieser Maßregel be­troffenen Beamten erfahren. Dieser jedoch ant­wortete ibnen deutsch, was sie nicht veistanden. Auf eine abermalige Anzeige und Anfrage des Direktors, warum er die Leute nicht polnisch bescheide, ant-

Ausland.

*’* Aus welchem Material das englisch« Heer seine Führer nimmt, kann man aus einem Be­richt über die Kadetten der englische» Armee ersehen, der eben im Parlament ein­gelaufen ist. Es heißt darin, daß die meist« Kandidaten nicht einmal ihre Muttersprache or­dentlich schreiben könnten. Die Handschrift der Offizierskandidaten sei in fast allen Fällen —» geradezu unglaublich schlecht gewesen. In AritH» metik wären alle schwach gewesen. In Geometrie besaßen sie gar keine Kenntnisse. Die geographi­schen Kenntnisse waren gleich Null, noch geringer aber waren die in der französischen Sprache. Von' den Kandidaten konnte keiner ein Wort deutsch und die klassische Ausbildung der jungen Herren war äußerst mangelhaft. Trotzdem wurden bi< 118 Offizierskandidaten aufgenommen, um Offi­ziere der englischen Armee zu werden.

** Heber die Annexion Bosniens ist am Mitt­woch im österreichischen Abgeordnetenhaus« mit großer Lebhaftigkeit debattiert worden. Di« Meinungen platzten oft recht scharf aufeinander. Die Debatte wurde von dem christlich-sozialen Redner, dem Prinzen Lichtenstein, eröffnet# der erklärte, Bosnien und die Herzegowina dürften keiner Reichshälfte zusallen, sondern müßten vielmehr unter dem Szepter der Habs­burger selbständig fein. Er fand großen Beifall bei den Christlich-sozialen und allen Slaven, deren Redner die Durchführung der Annexion der heftigsten Kritik unterzogen. Der tschechisch« Sozialist Nemec wandte sich dabei auch gegen Deutschland, dessen Freundschastsversicherungeu nicht damit übereinstimmten, daß in Oderberg Kruppsche Kanonen in Kohlenwagen und unter Kohlen versteckt mit der Bestimmung nach Serbien durchgefchmuggelt werden sollten. Von einem solchen Vorkommnis ist indessen in Wien nrchts bekannt geworden. Fast alle Redner betonten die Notwendigkeit der Beschickung der Konferenz durch Oesterreich, damit die Kriegs­gefahr mit allen Mitteln beseitigt werde.

** I« der russischen Duma tarn' es am Mittwoch zu heftigen Lärmszenen. Beratungsgegenstand war eine Interpellation wegen der Unterstützung der Opfer des Terrorismus. Die äußerste Linke und die äußerste Rechte standen sich erbittert gegen­über, und wenig fehlte, daß es zwischen den Par­teien zu einer regelrechten Prügelei gekommen wäre.

-t Bücher als Weihnachtsgeschenke.

»Wer zu Weihnachten keine Bücher kauft kauft überhaupt keine". In diesem Satz liegt viel Wahrheit, jeder Buchhändler w-rd eS bestätigen. Leider ist aber der Bücherkauf zu Weihnachten viel­fach nur eine Modesache, während er doch für den gläubigen Katholiken eine Herzenssache sein sollte. „Denn die Bücher sind die Bolks- und Hochschulen der Erwachsenen. Aus, den Büchern kommt des Volkes Tod und Leben, Erniedrigung und Erhöhung, Vergiftung und Gesundung." Darum ist es eine heilige, religiöse und soziale Pflicht eines jeden Katholiken, die gute Literatur zu unterstützen, jene Ltteratur, die Geist von seinem Geiste, vom Geiste der ewigen Wahrheit ist. Da­mit tft keineswegs verlangt, daß wir Katholiken uns ablehnend verhalten sollen gegen alle auf nicht- katholischen Boden erwachsenen Literaturwerke, die im Sinne und Geiste ihrer Schöpfer und nach dem wahren Grundsätze: ,anima naturaliter christiana (die menschliche Seele ist von Natur ans christlich» unieten Idealen nahekommen. Nein, das wahr­haft Schöne, Edle und Gute, das unS die deutsche Literatur, besonders in ihren größten Vertretern bietet, nehmen wir dankbar an. DaS schließt aber nicht ans, daß wir es alS selbstverständliche Pflicht betrachten müffen, vorzugsweise die katbolischeLiteratur zu fördern, und darum die Forderung: Katholiken, legt auf euren Wert,nachtstisch die Werke katholischer Schriftsteller. Bedenkt, wenn Ihr sie nickt kauft, kauft sie niemand.' Die Nichtkatholiken sind weit entfernt von unserer katholischen Toleranz, Weitherzigkeit und Nobleffe, die — leider — mit Hintansetzung des eigenen Vorteils sogar für die Literatur ausgesprochener Gegner Reklame macht, fie kauft und lieft. Bei unserem Gegner heißt es i „Catholica non leguntur“ (Katholische Werke werden nicht gelesen). Der geistreiche Bischof Keppler von Rottenburg hat einmal, als er über

die angebliche Jnforität der Katholiken sprach, u. a. gesagt:

Wir hätten ein Recht, unS darüber zu beklagen, daß auch in der Wett des Geistes und der Bildung Luft und Licht heutzutage nicht mehr gleich verteilt wird, daß man eS vielfach darauf anlegt, uns in Schatten zu stellen und nicht aufkommen zu lassen, daß des filteren die literarischen Erzeugnisse und Arbeiten der Katholiken nicht von einer gerechten, sondern von einer konfessionell schiebenden und voreingenom. menen Kritik gerichtet oder nach dem Grundsatz behandett und totgeschwiegen werden: catholica non leguntur." Ein drastisches Beispiel bringt die soeben erschienene Nr. 2 des .Akademikers^. (Herausgeber Univ.-Prof. Dr. E. Lindt.) Es heißt da: „Zur Orientierung des Akademikers jeder Richtung über die „Voraussetzungslosigkeit" moderner Wissen schäft und insbesondere einer „freisinnigen" protestan­tischen Theologie durfte von allgemeinerem Interesse sein, was uns Herr Universtiätsprofessor Dr. Anton Seitz berichtet. Die Herdersche Verlagsbuchhandlung hat ihn soeben davon benachrichtigt, daß die,Theo- logische Literaturzeitung', das Organ Harnacks, das Rezensionsexemplar des neuesten Werkes unseres Münchener Apologeten „Das Evangelium vom Gottessohn" (das eine gründliche Abinhr der Harnackschen Gefühlstheologie enthält) zurückgeschickt hat „als nicht zur Besprechung geeignet".

Aehnliche Erfahrungen wie Prof. Seitz haben auch schon viele andere Verfechter katholischer Welt­anschauung seitens der .vorauchetzungslosen" Wissen­schaft machen müffen. Noch ein Beweis, mit welcher Geringschätzung man unsere anerkannt hervorragen­den katholischen Dichter und Schriftsteller im gegne- rischen Lager behandelt. „Eduard Engels Geschichte der Literatur", hat über die „katholische Bewegung in der schönen Literatur" ganze 41 Zeilen. Und wie urteilt er über katholische Autoren im einzelnen: „in F. W. Weber (den Dichter von Dreizehnlinden) feiern die Katholiken ihren größten neuzeitlichen VerS- Dichter"; „bet Jesnitenpater Kr eiter gilt in den Kreiiep feiner sott ausschließlich katholischen Leser­

gemeinde auch als Lyriker"; Hansjakob „hat außer manchen eifervollen Kirchenschriften auch eine Reihe geschichtlicher u. a. Romane geschrieben mittel­mäßig an Kunst"; die „besonders in kath. Kreisen als Lyrikerin geschätzte Antonie Jüngst erhebt sich im Liede, zumeist im geistlichen, nicht über den leidlichen Durchschnitt". Von Johannes Janssen wird gesagt: „daß auch ihn sein Zweck (?) geleitet hat schon bei Benutzung der Quellen, ist ausgiebig nachgewiesen worden" und Pastors Geschichte der Päpste ist „ein mit Vorsicht zu gebrauchendes Buch". So geht es weiter und dabei rühmt sich der Verfasser noch in der Vorrede: „Die sorg­fältige Behandlung der katholischen Dichtung der Gegenwart . . . möge beweisen, rote wett der Ver­fasser den Umkreis seines Gegenstandes gezogen hat." So behandeln uns die Gegner; übelnehmen kann man es ihnen, von ihrem Standpunkt aus betrach­tet, nicht, daß sie uns zu verdrängen und herunter« zusetzen suchen, sie handeln da nur konsequent. Aber es treibt einem das Blut zur Stirn, wenn man sieht, wie manche Katholiken im eigenen Lager eifrig die Geschäfte unserer Gegner beiorgen durch falsche Bescheidenheit, übermäßiges Entgegenkommen und Mißkennung deS eigenen Besitzes. Wenn man da den Ruf hört: Tort bei den Richtkalholiken ist die literarische Ueberlegenheit, dort ist die wahre Nationalliteratur, dort müssen rohe uns anschließen ober vielmehr mit eingerollter Fahne um gnädige Aufnahme und Be­achtung bitten! Das haben roir wahrlich nicht nötig. Wir brauchen nur zu erinnern an die deutschen Männer des Mittelalters, an Dante in Italien, Cald-ron in Spanien, an Eichendorff und Annette von Droste, die unter den deutschen Lyrikern in allererster Linie stehen, an Grillparzer und Hebbel. Auch in der neueren Zeit fehlt es nicht an katho- lischen-Autoren, die den Gegnern auf allen Ge- bieten der fchönen Stteratur ebenbürtig an die Seite gestellt werden können. Einige Namen wollen wir nennen und die Leser bitten, von einem oder bem andern ein Werk auf ihren Weihnachts­tisch zu legen, das ihnen zusagt — es können auch mehrere sein — „unsere Autoren verdienen's, unter

Volk verdient's und daS — liebe Christkind ver- dient'sl"

Ansgar Albing, Baumberger, Brakel, Brentano, Cüppers, Dirkink, Droste-Hülshoff, Ed. Eggert, Eichendorff, Eichert, Eschelbach, Fabri de Fabris, Giehrl, Gnauck-Mhne, Gran, Greis, Grimme, Hahn- Hahn, Handel-Mazetti, Hansjakob, Haupt, Helle, Herbert, Hlatly, Höhler, Jüngst, Isabella Kaiser, Paul Keller, Kralik, Kümmel, Lambrecht, Lieber, Macke, Pocci, Redeatis, Ringseis, Schaching, schott, Seeburg, Spillmann, Stifter, Tepe, Trabert, Trautmann, Weder, Wichner, aus dem Ausland noch Sienkiewiez, Jfirgensen, Sheehan, Coloma, Coppse re.

Damit auch der Lokalpatriotismus zu feinem Recht kommt, sei besonders auf den schon in zweiter Auflage erschienenen Roman unserer Fuldaer Schrift­stellerin Josephine Grau „Das Lob deS Kreuzes" hingewiesen, der zur Zeit des hl. R;a- banus Maurus spielt und für jeden Fuldaer von großem Interesse ist. Er wird noch in mancher Fuldaer Familie fremd sein. Wenig bekannt scheinen die Gedichte unseres Fuldaer Landsmanns Adam Trabert zu sein, (Schwerttreder eines Friedsamen; Em Menschenleben und Tröst' Ein­samkeit; 3 Bändchen 2 Mark).

Mögen diese Aussührungen nicht ganz ohne Erfolg sein.

— Eine Insel aus Schwefel. An der Küste von Nen-Seeland, kaum zwei Meilen vom Ufer entfernt, liegt die „Weiße Jnfel", ein gewaltiger Block, der fast ausschließlich aus Schwefel besteht und nur wenig andere mineralische Bestandteile enthält. Die ganze Oberfläche der Insel ist mit Vulkanen bedeckt; in der Mitte liegt ein großer Krater, der eine Fläche von 22 Hektar bedeckt, und ringsherum liegen Hunderte von kleinen Oeff- nungen, aus denen Tag und Nacht.Schwefel­dämpfe emporsteigen. So unwahrscheinlich eS klingt, hat diese unwohnliche Insel doch eine Ein­wohnerschaft von ein paar Dutzend Neuseeländern.