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MaerW Zeitung

Z-Pa^Serln^lda. Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

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Erscheint täglich Mit Rnrnal!«« der So.», «ad Keirrtage. viertel- Ehrlicher vezngrpreir ohne vringerlohn und veftellgeld in Zulda so­wie amwärtsl-SV Ml.

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»atationrdruSund Verlag der Luldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Frrusprecher Rr. 9.

M 291.

Fulda, Donnerstag den 17. Dezember 1908.

35. Jahrgang.

Zweites HZtcrtt.

Deutsches Reich.

* Ueber die politischeJntrigue, die Köniu Eduard gegen Deutschland gesponnen haben soll, wird der,Voss. Zlg/ aus Wien folgendes gemeldet:

Niemals ist Deutschland ein offizieller Vorschlag unterbreitet worden, den planmäßigen Ausbau seiner Flotte zu v er zögern oder einzustellen, wohl aber hat König Eduard in dieser Richtung bei seiner Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm auf Schloß Kron­berg einen Tastversuch in dieser Richtung ge­macht und später in Ischl — ebenfalls vergeblich — den Kaiser Franz Joseph zu einer Vermittelung ?u bestimmen versucht, damit Deutschland den Ausbau einer Flotte gleichzeitig mit England einstelle. König Eduard machte diesen Vorschlag, nach dem ihm anläß­lich deS Besuches des französischen Präsidenten in Lon­don von französischer Seite bedeutet worden war, Frankreich könne seine Entente mit England nur dann in die vom König Eduard gewünschte Allianz umwan- deln, wenn England eine Armee von mindestens 80ii,000 Mann für kontinentale Zwecke aufstelle. König Eduard pflichtete diesem Gedanken bei, itietz aber mit seinen Armeeplänen auf den Widerspruch seines liberalen Kabinetts, das die Schaffung einer großen Armee bei Aufrechterhaltung des Zweimächtestandards im englischen Flottenbauprogramm für die nächsten Jahre als undurchführbar erklärte. Daraufhin machte König Eduard den Versuch, Deutschland zur Einstel­lung seines Flottenbaues zu bewegen, um seinen Ar­meeplänen durch Ueberlistung der maßgebenden Per­sönlichkeiten des Deutschen Reiches näher zu kommen.

Manches von diesen Mitteilungen ist nicht neu, ob aber das 9teue wahr ist, möchten wir noch bezweifeln. DaS Auswärtige Amt wird nicht umhin können, hierzu Stellung zu nehmen.

* Zur Konkurrenzklausel wird der „Nat.-Ztg." von zuverlässiger Seite mitgeteilt, daß in dieser Neichstagssession eine Entscheidung der Reichs- reglcrung über die Gestaltung der Klausel nicht mehr zu erwarten sei. Erst nach Beratung der Reichsfinanzreform und des Etats werde das Reichsjustizamt der Frage der Konkurrcnzklausel wieder näher treten.

- * Lebensversicherung - Gesellschaften und Aerzte. Seit langem schon besteht ein Kampf zwischen den Lebensversicherungs - Gesellschaften unv den Aerzten. Neuerdings hatten sich die Versicherungs - Gesellschaften bereit erklärt, eine Erhöhung der Sätze für VersicherungS-Atteste um 5°/o zuzugestehen, wollten aber auf Maßregelun­gen von Vertrauens - Aerzten wegen des jetzigen Streites nur insoweit verzichten, als „dem in einzelnen Fällen keine besonderen Verhältmsse ent­gegenstehen". Darauf gingen die Aerzteverbände nicht ein; sie haben jetzt beschloflen, jede ärztliche Tätigkeit für die Gesellschaften einzustellen und selbst Slerde-Atteste für Versicherte zu verweigern.

— Eine neue Marinesiagge wird demnächst zur Einführung gelangen. Sie ist dem Chef des Admiralstabes der Marine verliehen worden. Die neue Flagge ist die Admiralsflagge mit einem weißen Kreis nnd schwarzumrändertem Felde mit ausrecht stehendem Schwert.

** Die neuen Prüfungsordnungen für Lehrerinnen. Für die von Ostern 1909 ab ein« tretenden Seminaristinnen in Preußen ist der vierjährige Lehrgang allgemein und ohne Ausnahme vorgeschrieben. Jedoch können die in den beiden letzten Jahren auf- genommenen Seminaristinnen auf Wunsch schon vier Jahre in der Anstalt verbleiben.

Ausland.

*, Die parlamentarische Krisis in Oesterei-H ist durch die bereits gemeldete, mit großer Mehr- heit erfolgte Annahme des Budgetprovisoriums beschworen. Bemerkenswert ist, daß die Mehr­heit erst zustande gekommen ist durch die Haltung der Sozialdemokratie, die für das Bud- getprovisorium gestimmt hat. — Auf dem Nürn­berger Parteitag ist bekanntlich ausgemacht wor- den, daß eine solche Handlung eine schwere Sünde gegen eine Grundregel des Sozialismus sei, aber in Wien „pfeift" man auf den Rrrradikalismus. Was kümmert sie es, daß der deutsche Parteitag den Bayern, Schwaben, Badensern zum Verbrechen anrechnete, daß sie das Staatsbudget genehmigt hatten? Sie erklär.n sich sür das österreichische Budget mitsamt der Zivilliste und den Forde­rungen sür Heer und Flotte. Herr Bebel und seine Freunde werden außer sich sein. Die Wiener „Genossen" wollen nicht den Staat „um- stürzen", wie Bebel als fein Ziel bezeichnete; sie wollen vielmehr angesichts der auswärtigen Ge­fahren die Monarchie stützen und stärken. Ein starkes Oesterreich werde den Gelüsten verschiedener Diplomaten weniger ausgesetzt sein als ein schwaches, zur Stärke in der Politik aber gehöre außer Bajonetten und Kanonen auch die Ordnung im Innern. So sagte der sozialdemokratische Wortführer Dr. Adler. Die Genossen an der Donau sind gewiß, daß sie mit ihrer Haltung dem Frieden und der Freiheit besser dienen als die Bebel und Kautsky mit den Predigten von Zu- sammmenbruch, Revolution und Zukunsisstaat.

* Aehrenthals Stellung erschüttert? In Wien gehen andauernd Gerüchte um, daß die Stellung Aehrenthals erschüttert sei. Der Minister soll, wie es heißt, nach Erledigung der bosnischen Angelegenheit unter allen Umständen zurücktreten, auch wenn es ihm gelingt, aller Schwierigkeiten Herr zu werden. Als viel wahrscheinlicher wird es angesehen, daß er die Verlegenheiten, in die er geraten ist, nicht bezwingen dürste, und daß bald ein anderer Mann auf der Bildfläche ro.ro erscheinen müssen, der berufen ist, den verfahrenen Karren wieder in das richtige Geleise zu bringen.

** Das türkische Volk besitzt also jetzt tatsäch­lich eine parlamentarische Vertretung. Das P a r- l a m e nt wird in einigen Tagen inGegenwart des Sultans eröffnet. Aus Anlaß dieses sicherlich wichtigen Ereignisses druckte das Postministerium 4 15 3 000 Gedenkmarken von 10 Zara an bis zu 2 Ziastern mit der Inschrift: „Verfassungsanden­ken". Hoffentlich dauert das türkische Parlament aber etwas länger als das persische. — Am Dienstag versammelten sich zum ersten Male etwa 140 Abgeordnete int Klub der Abgeordneten. Man diskutierte über die Eidesleistung des Sultans. Die Mehrheit trat dafür ein, daß der Sultan den Zierlichen Eid nochmals vor versammeltem Par­lament schwören müsse. Die Minderheit hielt da- gegen den von Abdul Hamid bereits geleisteten Eid für genügend. Es kam zu äußerst erregten, teilweise zu tumultuarischen Szenen, die die Ab- timmung verhinderten.

* Serbische Kronprinzenscherze. Der serbische Thronfolger Prinz Georg macht wiederum in gewohnter unliebsamer Weise von sich reden. Die Belgrader Blättern erzählen von ihm, den ie mit Hinblick auf das Preßgesetz als „einen jungen Herrn" bezeichnen, daß er nach einer in lustiger Olfiziers- und Damengesellschast durch- ubelten Nacht mit seiner Tafelrunde auf die

Straße eilte und sich mit ihnen damit vergnügte, in den Straßen zahlreiche Revolverschüsse abzufeuern, die infolge der allgemeinen Ner- vosität gewaltigen Schrecken verursachten. — Nach dem »Daily Expreß" soll der Kronprinz im Offizier- .asino in Belgrad neuerd ngs eine Rede gehalten haben, die mit den Worten schloß: „Das Einzige, waS sür mich Giltigkeit hat, sind die Gefühle und der Enthusiasmus des serbischen Volkes, und ich werde nötigenfalls gegen meinen eigenen Vater, den König, kämpfen.

* Nach Sibirien verbannt. Die in letzter Zeit in Sosnoroice und Umgegend wegen angeb- sicher politischer Umtriebe verhafteten Personen sind fast durchweg auf die Dauer von zwei Jahren nach Sibirien verschickt worden.

* Eine große Verschwörung in Bengalen. Tie Nachrichten aus Indien lassen die dortige Lage täglich schlimmer erscheinen. Es unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß die indische Regierung neuerdings einer Verschwörung in Bengalen auf die Spur gekommen ist, die ausgezeichnet or­ganisiert war und z. B. besondere Propaganda-, Finanz-, Militär- und Nachrichten-Abteilungen besaß. Es werden viele Verhaftungen vorgenom­men.

Volkswirtschaftliches und Soziales.

(*) Der Rückgang der Bergarbeiterlöhne Nach der im .Reichsanzeiger' vetöffentltchten Uebersicht über die in den Hauplbergbaubezirken Preußens im 3. Quartal er. verdienten Berg- arbeiterlöhne ist der Rückgang im rheinisch-west- fälischen Revier sehr beträchtlich. Ganz beson­ders haben die Erwerbsverhältniste im rechts­rheinischen Erzbergbau gelitten, wo der Lohn gegen das Vorjahr um 12—17% zurückgegangen ist. Dies ist umso bedeutsamer, als die in den Zeiten des guten Erwerbes gestiegenen Lebens- mittelpreise bisher einen Rückgang nur in ver­schwindendem Maße zeigen. — Die Braun­schweiger Kohlenbergwerke setzten ab 1. Januar die Löhne um 10 % herab.

Aus dem Nachbargebiet.

* Vacha, 15. Dez. 1908. Eine Probe darauf, ob unser Bür germeister, dessen Amts­zeit in drei Jahren abläuft, auf eine Wieder- wähl rechnen darf, wurde gestern in Form einer Gemeindewahl gemacht. Von 997 stimmberechtigten Bürgern stimmten 793 mit ja, 47 Stimmzettel enthielten das Sprichwort: „Kommt Zeit, kommt Rat." — Einer Der Häftlinge, welche vor einigen Tagen aus dem Arbeitshaus in Eisenach ent­wichen sind, ist in einer Wirtschaft in Stadt­lengsfeld verhaftet worden. Es ist der 35 Jahre alte Max Hetschel aus Mittweida.

* Vom Vogelsberg, 16. Dez. 190-ü Reges Leben erwartet man in diesem Winter im Vogelsberg. In Gießen hat sich ein Schneeschuh, klub gebildet, welcher in den Weihnachtsferien einen mehrtägigen Ski-Kursus am Hoherodskop, abhalten will. Das Klubhaus auf dem Hoh'erovs- kopf bleibt den ganzen Winter über geöffnet.

* Brückenau, 13. Dez. 1908. Die Probe­fahrt auf der neuen Lokalbahn Brückenau- Wildflecken und damit dielandespolizeiliche Abnahme der Strecke hat gestern stattgefunden. Dem Ansuchen der Siadt um Ueberlassung zweier Extrazüge für die Bewohner Brückenaus und der beteiligten Ortschasten für Freitag den 18.

Dezember, den Tag vor der offiziellen Eröffnung, wurde entsprochen.

* Hersfeld, 16. Tez. 1908. Der Kreistag be­schloß heute den Bau der Bahn Hersfeld—« Reimboldshausen durch den Kreis.

* Schlüchtern, 15. Dez.- 19U8. titm Ein­bruch wurde vergangene Nacht auf dem hiesigen Bahnhofe, in dem Stations ge bä ude und in dem Güterfchuppen verübt. Während die Diebe in dem ersteren dem Bahnhofrestaurateur über 100 Mark in Geld stahlen, stöberten sie in der Güterabfertigung Kisten und Kasten durch und machten sich daran den Kassenschrank zu erbrechen was ihnen aber nicht gelang. Die Diebe ent­kamen, jedoch ist man ihnen auf der Spur.

• Witzenhausen, 16. Dez. 1908. Bis gestern waren auf der hiesigen Bürgermeisterei 23 Fälle von Diphteritis angemeldet. Es steht in Aussicht, daß sowohl die Volksschule wie auch die Lateinschule geschlossen werden.

* Bergen (Kreis Hanau), 14. Dez. 1908. In einer Schöffengerichtssitzung lehnte der Schneider­meister Ullrich aus Fechenheim den Vorsitzenden des Schöffengerichts, Amtsgerichtsrat Dr. Hetd- mann-Bergen, wegen Befangenheit ab. Ullrich, der sich wegen Unterschlagung zu verant­worten hatte, begründete seinen Antrag danrit, daß ihn der Vorsitzende in einer früheren Ver­handlung als „verkommenen Menschen" hinge­stellt habe. Auch sei er in jener Sitzung mit 4 Monaten Gefängnis bedacht worden, während die Berufungsinstanz diese Strafe auf 1 Monat her­abgesetzt habe. Tas Gericht gab dem Anträge des Angeklagten statt.

* Melsungen, 16. Dez. 1908. Die hiesige kgl. Spezialkommission wird am 1. Januar n. I. vollständig aufgelöst werden. Die^Be­amten, soweit sie nicht schon im Laufe des Som­mers und Herbstes von hier versetzt wurden, ver­lassen unsere Stadt mit diesem Tage.

* Treysa, 15. Dez. 1908. Eine Frage, welche die hiesige Stadtvcrtretung und auch die Bürger­schaft in der letzten Zeit vielfach beschäftigte, näm­lich die Errichtung einer höheren Schule, hat in der dieswöchentlichen Stadtver­ordnetensitzung ihre Erledigung gefunden. Die­selbe wird mit dem Beginn des neuen Schuljahres eröffnet werden; sie nimmt Knaben und Mädchen^ auf, erstere für die Sexta und Quinta eines Gym­nasiums oder der Oberrealschule, letztere für höhere Töchterschulen vorbereitend. Allmählich soll die Anstall bis zur Untersekunda ausgebaut werden.

* Aschaffenburg, 16. Dez. 1908. Wegen her Diphlene und Scharlachepidemie wurden heute auch die Realschule und das Gym­nasium geschlossen.

* Eisenach, 15. Dez. 1908. Ein 3y2 Jahre altes Pflegkind, das bei einer am Wolfgang hier wohnenden Familie untergebracht war, wurde am Freitag dort tot aufgefunden. Die Leiche des Kindes befand sich in einem Zustande, der aller Beschreibung spottet. Am Körper, ins­besondere am Kopfe, fand man Spuren, die auf arge Mißhandlung des Kindes hindeuten und die vermuten ließen, daß der Tod desselben dadurch verursacht sei. Es wurde deshalb die gerichtliche Leichensektion am Sonnabend borgenommen. Das Resultat derselben dürfte ein strafrechtliches Ber­ühren gegen die Pflegeelfern fein.

* Mainz, 16. Dez. 1908. Nach dem soeben er- chienenen Rechenschaftsbericht der städtischen Verwaltung über das Rechnungsjahr 1907/08 betrugen die Einnahmen der Betriebsrechnung 8,758,792 M, die Ausgaben 8,470,184 =tt. Mit­hin verblieb ein Ueberschuß von 288,608 jl.

Kleines Feuilleton.

tt Ein Mittelglied zwischen Mensch und Asse?

Allemal wenn bei Ausgrabungen ein uralter Men­schenschädel gesunden wird, dann sind auch flugs die belehrten da mit der Behauptung, endlich sei das bis- Her noch unentdeckte Mittelglied zwischen Mensch und Asse gesunden. So auch jetzt wieder, wo man bei Ehapelle-aux-Saints (im franz. Departement Eorreze) einen vorgeschichtlichen Schädel samt den dazu gehö­rigen oberen und unteren Gliedmaßen gefunden hat. Bei Direktor des naturhistorischen Museums in Paris, Perrier, legte thn dieser Tage der Akademie der Wis­senschaften vor und er wußte ganz genau, daß diese Knochen die Reste eines prähistorischen, ein Mittelglied -wischen dem Menschen der Gegenwart und dem Affen bildenden Wesens sind. Jedenfalls sei das Skelett weit älter als der im Jahre 1856 im Neandertal (bei Düffeldorf) gefundene Schädel. Kein Geringerer als Rudolf Virchow hat aber den Neantertalschädel als eine Mißbildung bezeichnet, die mit dem Affenschadel nichts gemein hat.

Dem eben gefundenen Schädel wird von Perrier ein fabelhaftes Alter zugeschricben. Aus Feuerstein- splittern, die man in tertiären Schichten Frankreichs gefunden hat, zog man die Folgerung, daß der Mensch in einer früheren Entwicklungsperiode schon am Ende der Tertiärperiode, die das Diluvium (die Periode der Eiszcitcil) an Alter weit übertrifft, in der Gegend des heutigen Frankreich gelebt haben müsse. Professor Per­rier glaubt diesen Tertiärmenschen nun gefunden zu haben und er schätzt seinAlter auf etwa 170,000 Jahre ! Das ist aber noch gar nicht hoch genug ge­schätzt. Seit dem Ende der Tertiärzeit ist nach den Untersuchungen Penks wohl eine halbe Million Jahre vergangen. Der Schädel muß sich deshalb, wenn er aus der Tertiärzeit stammen sollte, ganz merk­würdig gut konserviert haben.

— Ctdjälein und Eselein sind nach unteren Begrif­fen untrennbar mit der Darstellung der Geburt Christi verbunden. Wie aber kommen sie da hinein? Die Ktxrngelien wissen nichts von ihnen. Bei den ältesten

künstlerischen Darstellungen der heiligen Szene aber, wie man sie auf Katakombenmalereien und auf Sar­kophagen gefunden hat, finden sich Oechsloui und Ese­lein regelmäßig. Ihre Anwesenheit läßt in unseren Augen die Szene traulicher erscheinen. Aber Haden die Künstler deswegen die Tiere hinzugefügl? Ursprüng­lich siird sie Symbole; der Ochse — nach Gregor von Nhisa — das vom Gesetz gefesselte Judentum, oer Esel ■— nach dem hl. Ambrosius — das Heidentum, das die Last der Abgötterei trägt. Schon der erste, der Oechs- lein und Eselein erwähnt, deutet sie als Symbole. In seiner 13. Homilie zieht er eine Stelle des Propheten Jcsaias an. „Ter Ochse erkennt seinen Herrn, und der Esel die Krippe des Hirten, aber Israel hat mich nicht erkannt, und mein Volk mtzh nicht verstanden." Wenn nun Ochs uird Esel Zeugen der Geburt Jesu sind, so huldigen Judentum und Heidentum dem neu entstan­denen Christentum. Im sechsten Jahrhundert finden wir den symbolischen Vorgang als Wirklichkeit erzähll: ein Matheusevangclium läßt Occhslein und Esclcin wirklich bei der Geburt Christi anwesend fein. „Am dritten Tag nach der Geburt des Heilandes," so heißt es dort, „verließ die hl. Maria die Höhle und begab sich in den Stall, und dort legte sie ihr Kindlein in die Krippe, und Ochse und Esel beteten es an. So wurde erfüllt, was der Prophet Jsaias gesagt hat . . . ." Franziskus von Assisi ließ zuerst im Jahre 1223 bei einer Darstellung der Weihnachtsgeschichte ein lebendes Bild und ein lebendes Eselein mitwirken. So verbrei­tete sich diese cmuiutige Darstellungsform immer wei­ter. und heute ist sie jedem vertraut. k.

— Tob eines Helden von Rezonville. In Paris ist dieser Tage Abbe Foretier gestorben, der 37 Jahre lang die Sträflinge von Surette pastorierte. Von ihm wird eine Heldentat erzählt, die er in der Schlacht von Rozonville vollbrachte. In der Kirche von Rozonville waren während der Beschießung des Dorfes durch die Deutschen frarizöfische Verwundete untergebracht. Die Granaten trafen auch den Kirchturm und gefährdeten das Leben der Verwundeten. Da sich niemand dazu herbeilassen wollte, die Fahne des Roten Kreuzes auf der Spitze des Kirchturms anzubringen, entschied sich schließlich Abbö Foretier, selbst diese gefährliche Arbeft

zu verrichten. Er kletterte mit einer Fahne am Turme empor und als er sie zu entfalten im Begriffe war, setzte eine Granate das Tuch in Brand. Man band unten eine neue Fahne an einen Strick, mittels dessen er dieselbe zu sich hinauizog, während links und rechts die Geschosse an seinem Ohre vorbeipfisfen. Es schlug auch eine weitere Granate in den Turm ein, bis je- doch eine dritte kam, hatte der wackere Priester die Fahr e auf der Spitze des Turmes gehißt und die Be­schießung hörte aus. So hatte der Feldgeistliche über 100 in der Kirche liegende Verwundete vor weiteren Gesahren bewahrt. p.

— Tie Einwirkungen des Lichtes auf das Bier. Cs ist die Entdeckung gemacht worden, daß das Bier, besonders das dunkle, durch die Einwirkung des künst­lichen Lichtes in seiner Güte und feinem Geschmack ungünstig beeinflußt wird. Es sind Versuche gemacht worden, die Wirkung der Lichtstrahlen durch blaue oder grüne Färbung der Gläser zu beseitigen, jedoch ohne Erfolg. Nur schwarze Gläser oder solche von tiefem, undurchdringlichem Braun sind geeignet, die ungün­stige Wirkung der Strahlen aufzuheben. p.

„ — Durch eine Ringelnatter gerächt. Die fran­zösischen Gerichte werden sich demnächst mit einer ebenso außerordentlichen wie seltsamen Affäre zu be­fassen haben, infolge deren ein junger Mann in einem kleinen Dorfe des Kreises Jaujac beinahe um den Ver­stand gekommen wäre. Der junge Mann war in eine Dorfschöne, seine Nachbarin, sterblich verliebt. Sie der- kehrten mehr als zwei Jahre miteinander und die Hochzeit war bereit? beschloflen. Im Augenblicke je- doch, wo der Heiratskandidat „Ja" sagen sollte, reute ihn dre ganze Geschichte plötzlich, er brach seine ganzen Schwüre und blieb gegen die flehentlichen Bitten der unglücklichen Braut vollständig kalt. Um das Maß deS Unglücks voll zu machen, brach er auch jedweden Ver­kehr mit der Braut und deren Eltern ab. Die Braut mar der Verzweiflung nahe, und ließ kein Mittel un­versucht, um den Geliebten wieder umzustimmen. Sie griff zu Einschüchterungen und Drohungen, jedoch ver­gebens. Ihre Briefe blieben ohne Antwort. Darauf erzählte sie ihr Mißgeschick ihrem Onkel, sowie ihren beiden Brüdern und bat dieselben, für sie zu mitte«.

Diese verfielen auf einen teuflischen Plan. Sie lockten den jungen Mann aus seiner Wohnung und begaben sich dann, nachdem sie eine Ringelnatter in sein Bett gesetzt hatten, mit dem jungen Mann ins Wirtshaus, wo sie ihm ununterbrochen zutranken, bis derselbe das Gleichgewicht verloren hatte und seiner Sinne nicht mehr mächtig war. Gegen Mitternacht erhob man sich und jeder suchte feine Penaten auf. Der junge Mann entkleidete sich und hob die Bettdecke empor, um sich zur Ruhe zu legen. Im gleichen Moment richtete sich die unter der Docke ruhende Ringelnatter empor und sprang dein jungen Manne an die Brust. Man kann sich den Schrecken desselben denken» der, nur mit dem Hemd angetan, in rasendem Lauf aus dem Hause stürzte und unter wildem Heulen über die Felder rannte. Der iunge Mann wurde später von Land- louten aufgenommen und verpflegt; fein Verstand hatte unter dem Schrecken jedoch derart gelitten, daß er in eine Klinik gebracht werden mußte, wo es langer Zeit bedurfte, bis der Verstand einigermaßen wieder­kehrte. Er hat nun gegen die Vorüber des nieder­trächtigen Streiches Klage erhoben, über deren Aus­gang man gespannt ist, da keiner der Beteiligten die Ringelnatter ins Bett gelegt haben will.

Tas farbige Bild. Es mag wohl mit der Psycho­logie dos Menschen zusammenhängen, daß er fein Heim farbig auszuschmücken strebt. Ich möchte das den deko­rativen Zug nennen. Und so lange eine Kunst bestand, bat sich auch neben ihr ein Handwerk etabliert, das ihre Werke nachbildeie, und was der Geist des Künst­lers ersann, in vielfachen Reproduktionen an die Min­derbemittelten verteilte. Die Kunst ist stehen geblie­ben, von Santi bis zu Adolf Menzel ist sie dieselbe wunderbare Wiedergabe des Lebens durch ein künst­lerisch empfindendes Temperament geblieben. Aber das Handwerk, die Woge der Vervielfältigungen, sind andre geworden. Mit dem feinen Spürsinn, der un­serer Technik eigen ist, hat man die farbigen Probleme studiert, und die Photographie, die eine mechanifche Kopie der raffiniertesten Details ermöglicht, ist der Reproduktion eine machtvolle Helferin geworden. Sie hat im farbigen Lichtdruck einen Triumph allerersten SRaegcS gefeiert, und so konnte die Vereinigung dec Kunstfreunde in Berlin, Markgraflsestr. 57,