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M 290.

Fulda, Mittwoch den 16. Dezember 1908.

35. Jahrgang.

Zweites Wt'cltt

deutsches Reich.

△ Deutschland und die Türkei. Der Sieg deS JungtürkentumS war für Deutschland ein harter Schlag. Wir hatten bei unseren Freund- schastSbeteuerungen gegenüber der Türkei immer die alte Adresse des Sultans gewählt, und hatten trotz unserer vortrefflichen Vertretung in Konstan­tinopel nicht- davon gemerkt, daß das türkische Volk gewillt war, das von Abdul Hamid beliebte Regiment eines Tages abzuschütteln. Dahingegen halten sich die Engländer kräftig an die Jung- türken herangemacht; sie waren offenbar über die BolkSstimmuna in der Türkei besser unterrichtet. Seit dem Umschwung der Dinge in der Türkei hatten sich die Verhältnisse dort recht zu unseren Ungunsten verschoben. Nun scheint man sowohl in der Türkei als auch in Deutschland eingesehen zu haben, daß eine „Revision" dieser neuen Be­ziehungen angebracht erscheine. So konnte es kommen, daß man in Konstantinopel anscheinend die Anbahnung eines freundschaftlichen Verhält- niffes für gut hielt. Ein in Konstantinopel um­gehendes Gerücht besagt, daß der in der Türkei allgemein gefeierte bekannte Freiheitsheld Major Enver-Bei, der als daS geistige Haupt der Jungtürken im Sommer von Saloniki aus das Signal zur Abschüttelung des alten Regimentes gegeben hatte, unmittelbar nach der bevorstehen­den Eröffnung des Parlamentes in besonderer Mission nach Berlin kommen werde. Auf eine Anfrage bei der Berliner türkischen Botschaft wird einem Berliner Blatte bestätigt, daß Enver-Bei demnächst dort eintreffen wird, und zwar soll er slS Militär-Attachs der Berliner Botschaft bei­gegeben werden.

0 Der Jubel der Hakatisten über den Ausfall der Ersatzwahl in M e s e r r tz - B o m st ist über­aus laut. Man merkt jetzt erst aus ihren Zei­tungen, wie groß die Angst war, daß der Wahl­kreis den „Nationalen" durch die Lappen gaben würde. Einige Blätter gestehen schon ein, daß bei intensiver Arbeit des Zentrums in drei Jahren die Sache ganz anders gehen könne. Die nationalliberalen Blätter suchen indeffen aus dem Wahlresultat herauszulesen, daß der>. Zentrums­ritt nach dem Osten vergeblich sein wird. Diese Blätter vergessen vollständig, daß das Zentrum in der Provinz Posen gar keine Organisation hat, während für die Konservativen der ganze Bemn- tenapparat in ausgedehntester Weise arbeitete. Für uns brachte die Wohl jedenfalls den Vorteil, daß wir unsere Gegner kennen gelernt haben. Der „Verein deutscher Katholiken" hat die Maske gelüftet und ist offen in das Lager der Zentrums- gegner abmarschiert; bisher behaupteten diese Leute stets, daß sie nur Gegner der Polen seien; sie gaben sich auch hin und wieder als „Zentimm" aus und verursachten damit viel Verwirrung. Katholiken, die selten in die Kirche gehen, in pro­testantischer Ehe leben usw. traten hier als Wort­führer der deutschen Katholiken auf. Was im Westen und Süden sich liberal nennt, trat im Osten als Zentrum auf, um durch die falsche Flagge die Massen irrezuführen. Katholiken nen­nen sie sich und arbeiten doch gegen die Interessen des Katholizismus; denn sie unterstützen die Ost­markenpolitik, die durchaus katholikenfeindlich ist. Mit einem Aufwand von 643 Mill., die Zinken nicht eingerechnet, sind in 20 Jahren von 13 617 Ansiedlern nur 537 katholi fche Familien und 13 030 protestantische mit etwa 100 000

Köpfen angesiedelt worden, während dar Verhält­nis der Katholiken im Reiche und in Preußen zu den Protestanten 1 :2 ist, ist es bei den Ansiedlern 1 ;24, d. h. 96 Proz. aller Ansiedler sind pro- testantisch. Mit dem AnsiedlungSfonds sind 35 Kirchen, 23 Bethäuser, 87 Pfarrgehöfte, 270 Schulgehöfte, 300 Gemeindehäuser, 11360 Bau­erngehöfte, 295 Ackerbaugehöfte erbaut worden. Selbswerständlich ist auch etwas für die Katholi­ken gebaut worden, aber herzlich wenig. Es ist daher nicht wunderbar, wenn die K a t h o li k e n in den Gebieten, in denen die Ansiedelungskom­mission arbeitet, ganz gewaltig z ur ü ck ge­drängt worden sind. Es waren in diesen Ge- bieten im Jahre 1885 Katholiken 26 682, Prote­stanten 4062; 1905 Katholiken 7832, Protestanten 37 017. Die Ostmark ist bisher von dem Zentrum etwas vernachlässigt worden; man muß daher die­sen Sproß besonders pflegen. Es ist eine der ersten und wichtigsten Aufgaben des Landesaus­schusses der Zentrumspartei, daß er hier mit der Arbeit einsetzt und für jeden Kreis seine 93er- trauensmänner gewinnt, ferner tut hier bitter not ein Zentrumsblatt; zwischen Berlin, Breslau und Danzig erscheint nicht ein einziges Zentrums- blatt und doch wohnen hier ungefähr 500 000 deutsche Katholiken und Tausende von treuen Zen- ttumSwählern. Das kann und muß anders wer- den. Wir lassen nicht nach, bis in der Ostmark das Zentrum ebenso fest im Sattel sitzt wie in anderen deutschen Gegenden.

)( Entschiedene Ablehnung findet die Novelle zur Zivilprozeßordnung mit ihrer beab- jfchtigten Erhöhung der Zuständigkeit der Amts­gerichte beim Deutschen Anwaltsverein. Wie auf den vorangegangenen Anwaltstagen be­schloß am Sonntag eine Vertrauensmännerver­sammlung des genannten Vereins, die Novelle abzulehnen. Man will eine umfassende Agitation gegen die Vorlage bei den Reichstagsmitgliedern noch in letzter Stunde ins Werk setzen.

# Karlsruhe, 15. Dez. 1908. Die Kandidaten­frage für die Unglückswahl in Lörrach-Land hat den badischen Block bekanntlich ausein­andergebracht. Der neue nationalliberale Par­teiführer Obkircher weigerte sich, den Freisinnigen gegenüber die oft gegebene Zusicherung auf Ueber- lasiung dieses Wahlbezirks, den er selbst vertreten hat und wieder erobern will, zu erfüllen. Die Verhandlungen waren bereits vollständig abge­brochen. Nunmehr hat der geschäftsführende Aus- schuß der Freisinnigen Volkspartei sich zu einem Entgegenkommen verstanden, er beschloß, die Ver­handlungen mit den Nationalliberalen wegen einer Erneuerung des Blockabkommens wieder aufzunehmen und den Vorschlag der Demokraten anzunehmen, wonach beide Parteien die gleiche Zahl Vertrauensmänner aus dem Wahlbezirk Lörrach-Land zur Lösung der Kandidatenftage in diesem Bezirk besttmmen sollen.

Ausland.

* Da8 Standrecht in Prag und das Farben' tragen wurden am Montag abend aufgehoben-

* Der Militarismus in den Bereinigten Staaten. Um eine Ausführung der vom Präsi­denten Roosevelt kürzlich geäußerten Gedanken onzubahnen, hat Hüll, der Präsident der Kom­mission deS Repräsentantenhauses für militärische Angelegenheiten,, eine Gesetzesvorlage eingebracht, )ie eine Frei willig en-Armee für Zeiten )er Gefahr vorsieht. Dem Gesetzentwurf zufolge ollen erforderlichenfalls zwei Millionen Mann aufgebracht werden.

Am Kirche und Schule.

= Passau, 14. Dez. 1908. Der hl. Vater Hai den Siföof von Passau, Frhrn. v. Ow-Felldorf, zum päpstlichen Thronassistenten ernannt. — Die Thronassistenten bilden ein eigenes Kollegium, das bei den großen kirchlichen Funktionen in Rom den Bortritt vor den übrigen Erzbischöfen und Bischö- fen hat, und auch sonst verschiedene Ehrenrechte genießt. Es besteht zurzett aus etwa 130 Mit­gliedern.

Aus dem Nachbargebiet.

* Schlitz, 15. Dez. 1908. Wie dem,Sauter« bacher Anzeiger^ geschrieben wird, ist dem seit- herigen Pächter der im Gräflichen Schloßgarten gelegenen sogenannten Hallenmühle das Pacht­verhältnis auf den 1. Dezember l9 9 gekündigt, da die Standesherrfchast die Hallenmühle zur Errichtung eines Elektrizitätswerkes für das Schloß und den Oekonomiebetrieb ver- roenben will. Dem für Schlitz geplanten städti­schen Elektrizitätswerke geht dadurch em bedeu­tender Abnehmer verloren, trotzdem dürfte, wenn nicht ganz besondere Schwierigkeiten sich noch anderweitig ergeben sollten, die Erbauung der städtischen elektrischen Anlage doch gesichert sein, da nach den angestellten Verbrauchserhebungen die bereits eingegangenen und noch zu erwar- lenden Anmeldungen die Rentabilität des Werkes sichern. Die Standesherrfchast bat übrigens schon vor Jahren die ihr gehörige Schneidemühle der Gemeinde Schlitz für einen sehr annehmbaren Preis zu der projektierten städtischen elektrischen Zentrale zur Verfügung gestellt, die Gemeinde hat jedoch noch keine Entschließung getroffen, da man zunächst die Fertigstellung deS Projektes abwarten muß.

* Frankfurt a. M., 15. Dez. 1908. An der inneren Ausstattung der städtischen F e st h a l l e, die im Juni n. I. für das Kaiserpreis- Wettsingen benutzt werden soll, wird überall emsig gearbeitet. Das Innere der Festhalle fafct, den Blättern zufolge, 11600 Sitzplätze. Dazu kommen 2860 Plätze für die Sänger und Musiker, die auf einem Niesenpodium gegenüber dem Kai­serpavillon untergebracht werden sollen.

Saatenstand im Reg. - Bez. Kassel.

Nach den Schätzungen der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrates vom 1. Dezem­ber ist der Stand der Saaten in den einzelnen Kreisen des Regierungs-Bezirkes Kassel folgender:

Kreis Schlüchtern. Kartoffeln wie Rüben haben nur auf den wenigen größeren Gütern des Kreises gelitten. Bei Weizen 25 Prozent, bei Roggen 15 Prozent nicht bestellt. Wintersaaten schlecht.

Kreis Fulda. Erfrorene Kartoffeln 10Pro­zent, erfrorene Rüben 35 Prozent. Bei Weizen sind 15, bei Roggen 5 Prozent nicht bestellt. Der Stand der Wintersaaten ist schlecht. Was ganz rüh gesäet ist und sich gut bestellt hat, steht gut, dies ist aber wenig. Weizen, der am 23. Sep­tember gesäet ist, fängt eben an, zu keimen, wie überhaupt 25 Prozent Weizen noch aufgehen müssen.

Landkreis Kassel. Erfrorene Kattoffeln keine, erfrorene Rüben 5 Prozent. Bei Weizen sind 10 Prozent nicht, Roggen ganz bestellt. Roggen­saaten lückig.

Kreis Rotenburg. Erfrorene Kattoffeln keine, erfrorene Rüben 20 Prozent. Bei Weizen

5 Prozent, bei Roggen 2 Prozent nicht bestell Weizen vielfach noch nicht aufgegangen.

Kreis Schmalkalden. Erfrorene Karlos fein wenig, erfrorene Rüben 50 Prozent. B< Roggen 10 Prozent nicht bestellt. Stand da Wintersaaten sehr mittelmäßig. Klee hat durü scharfe Kahlfröste sehr gelitten.

Kreis Rinteln. Erfrorene Kartoffeln kein« erfrorene Rüben 4 Prozent. Der frühe Frost ho die schwachen Pflanzen weiter beschädigt.

Kreis Kirchhain. Rüben 15—20 Prozent beeinträchtigt. Bei Weizen 5 Prozent nicht be­stellt; Roggen ganz bestellt. Stand der Winter­saaten dünn und lückenhaft.

Kreis Hünfeld. Kartoffeln sowie Rüben waren im hiesigen Kreis vor dem Frost bis auf ganz geringe Mengen einge.rntet. Die Winter­saaten dürsten wohl bis auf einen geringen Teil Weizen alle bestellt sein. Im allgemeinen ist em sehr mangelhafter Aufgang. "Der früh in Schwarzbrache bestellte Roggen auf tiefgründigeren Böden zeigt einen leidlich guten Stand. Weizen­felder, welche einigermaßen gleichmäßig ausge­laufen sind, sind nur ganz einzelne zu sehen, in­dessen dürfte bei der anhaltenden jetzigen gelinden Witterung ein Aufgehen bald zu erwarten sein.

Kreis Gersfeld. ErfroreneKattoffeln keine, erfrorene Rüben 8 Proz. Alles bestellt. Winter­saaten noch ziemlich schwach, haben aber durch den letzten Regen ein schönes Grün erhalten. DaS Spätgesäle ist noch kaum sichtbar.

Kreis Ziegenhain. Kartoffel und Rüben nicht erfroren. Stand der Wintersaaten nach dem Regenwetter ganz bedeutend gebessert.

Kreis Hofgeismar. Erftorene Kattoffeln 5 - 10 Proz., erfrorene Rüben 30 Proz. Stand der bestellten Saaten durchgängig gut.

KreiS Frankenberg. Erfrorene Kartoffeln 10 Proz., erfrorene Runkelrüben 30 Proz. Bei Weizen 10 Proz. nicht bestellt. Die Felder machen einen befriedigenden Eindruck.

KreiS Hers seid. Kartoffeln und Rübe« sind nicht erfroren. Alles bestellt. Wintersaaten schlecht fottgekommen.

Kreis Hanau. Erfrorene Rüben 30 Proz. Stand zum Teil sehr schlecht; sowohl bei Roggen als auch Weizen.

Kreis Gelnhausen. Ersrorne Rüben fünf Prozent. Stand der Wintersaaten schlecht. Roggen vereinzelt aufgegangen, dünn. Weizen noch keiner aufgegangen.

Kreis Fritzlar. Bei Roggen find 30 Proz. nicht bestellt. Weizen wird fortwährend noch bestellt.

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Kleines Feuilleton

; — Wiutkrkatarrhe. Z viele die fttsche Luft gar si

Jur Winterszeit fürchten

viele die fttsche Luft gar sehr. Mit Unrecht, denn nicht berjenige holt sich leicht einen Winterkatarrh, der den Unbilden der Witterung trotzt, sondern der, der sich in wärmende Hüllen vermummt und der jeden frischen Luftzug fürchtet. Wer sich gegen die frische Lust abschließt, der macht den Körper zu Katarrhen viel leichter geneigt als der, der sich den Wind um die Ohren blasen läßt. Ein Katarrh besteht in einer Entzündung der Schleimhäute, die eine vermehrt« Feuchtigkeitsabsonderung zur Folge hat. Die Katarrhe werden vielfach durch unsere

schichtchen, worin ein jüngst verstorbener, bekann- ter Brüsseler Rechtsanwalt eine Rolle spielt. Die­ser hatte eben sein letztes Examen, das ihm den Zugang zu den Schranken öffnete, glücklich bestan- den, und man feierte dieses Ereignis in lustiger Gesellschaft. Der Champagner floß in Strömen, und die Stimmung war äußerst angeregt. Plötz­lich hörte man in dem Stimmengewirr Bruchstücke einer Unterhaltung, die in einem Nebengemach zwischen einer Dame und cineut Herrn stattfand. Die beiden nahmen zärtlichen Abschied von ein­ander, und die Dame versprach dem Herrn unter einer bestimmten Chiffre postlagernd zu schreiben. Als der neugebackene Rechtsanwalt das hörte, durchzuckte ein teuflischer Gedanke sein Gehirn. Er sagte zu seinen Zechgenossen: „Kinder, dem Seladon wollen wir einmal einen Streich spie­len." Gesagt, getan! Er setzte sich nieder und schrieb an einen der größten Bankiers Brüssels einen Brief, worin er das Verlangen stellte, die­ser solle eine große Summe unter der von der Dame angegebenen Chiffre postlagernd hinter­legen, widrigenfalls er ihn durch bloßstellende Enthüllungen unmöglich machen würde. Der Bankier übergab das Schreiben der Staatsanwalt­schaft, und als der zärtliche Liebhaber in der Er­wartung, einen Gruß von seiner Geliebten vorzu­finden, sich am Postschalter einfand, wurde er kurzer Hand verhaftet. Man führte ihn vor den Untersuchungsrichter, der ihm in kategorischem Tone befahl: „Schreiben Sie!" „Schreiben Sie", wiederholte der Richter, und das unschuldige Opfer gehorchte und schrieb, was man ihm dik- tierte: den Erpressungsbrief, den der junge Rechtsanwalt geschrieben hatte. Der Richter nahm das neue Schriftstück an sich, und ein Lächeln des Triumphes verklärte dabei seine Zuge. Sodann ließ er einen Schrift-Sachverständigen holen, der mit wichtiger Amtsmiene die beiden Handschriften verglich und dann fein Urteil in die Worte zusam- menfaßte: „Kein Zweifel, es ist eine und dieselbe Handschrift." Hierauf eröffnete der Richter dem ahnungslosen Opfer, daß es sich „hinreichend ver­

dächtig gemacht" habe, der Verfasser eines Erpres- sungsbrrefes zu sein. Der Angeschuldigte erhob lebhaften Widerspruch unb beteuerte seine Un­schuld. Es half ihm nichts, er wurde abgeführt und harrte der Aburteilung. Da erfuhr ein Jour- nalist von der Sache und erzählte sie in launiger Ausschmückung seinen Lesern, unter denen sich auch unser Spaßvogel befand, der seinen sehr schlechten Scherz vielleicht schon vergessen hatte. Als er erfuhr, was er angerichtet hatte, eilte er sofort zu dem Richter und klärte ihn über den Zu- sammenhang auf. Dieser wollte anfangs den Worten des unerwarteten Zeugen keinen Glauben beimessen, mußte sich schließlich aber doch über­zeugen lassen, daß es nicht immer ratsam ist, das Gutachten eines Schriftexperten als einen unum­stößlichen Beweis anzufehen.

— Die Verbreitung der Sprachen. Unter den für den Weltverkehr in Betracht kommenden Sprachen steht nach den Berechnungen von Dr. Winterstein, die im Promethus wiedergegeben sind, das Englische an erster Stelle; denn es wird von 200 Millionen Menschen gesprochen. Es folgt mit großem Abstande, das Deutsche, das von 187 Millionen als Muttersprache gesprochen wird, während das Einflußgebiet der deutschen Sprache sich über 100 Millionen Menschen erstreckt. Im einzelnen sprechen Deutsch als Muttersprache: im Deutschen Reiche 58 Millionen, in Oesterreich 10 Millionen, in Ungarn und in der Schweiz je 2,2 Millionen, in Luxemburg 0,2 Millionen, in Ruß­land einschließlich Finnland 2 und im übrigen Europa noch 1,8 Millionen Menschen. Dazu kom- men noch 12 Millionen in Amerika und 0,5 Mil­lionen in den drei Kontinenten Asien, Afrika und Australien. Es handelt sich hierbei natürlich um Hochdeutsch; die niederdeutsche, d. h. die flämische und holländische, Sprache umfaßt nur 9 Millionen Menschen, davon 5 Millionen in Holland, 8,5 Mil­lionen in Belgien und 0,5 Millionen in Indien, Südamerika und Südafrika. An dritter Stelle steht das Französische mit 47 Millionen. Spanisch sprechen 45 und Portugiesisch 22 Millionen. Da-

unzweckmäßige Kleidung hervorgerufen. Die hohen Kragen aus steifer Leinwand hindern die Aus- ftrablung der Haut und lassen auch eine Stoffaus­scheidung nicht zu. Daher muß die innere Haut, die Schleimhäute, diese Aufgabe übernehmen. Die Schleimhautzellen produzieren in übermäßiger Weise, und die Neigung zu Katarrhen ist da. Der be­kannteste Winterkatarrh ist neben dem Schnupfen ”?e Influenza. Früher sprach man von Grippe, die Neuzeit hat einen lateinischen Namen für bester gehalten. Es ist eine heimtückische Krankheit, die man nicht unterschätzen darf, und die beionders auf das Herz ungünstig einwirkt. Oft stellen sich in einzelnen Gegenden ganze Influenza-Epidemien ein, die man mcht leicht nehmen darf. Bei Katarrhen ist oft eine Luftveränderung von wunderbarer Wirkung. Die reine, klare Winterlust ist sehr ge- sund, bewnders in den Berggegenden.

— Der Schriftsachverständige. Es ist eine be­kannte Erfahrung, daß die Gutachten der Schrift- sachverständigen nicht immer unbedingt zuverläs­sig find. Schon häufig ist auf Grund eines ber- arttgen Gutachtens in Strafprozessen ein Urteil juftanbe gekommen, das hintennach wieder um- gestoßen werden mußte, weil es sich herausstellte, daß der Schriftkundige sich getäuscht hatte. Zu tiefem Kapitel erzählt die „Etoile Belge" ein Se­

mit sind die Sprachen, die in großem Maßstabe dem Weltverkehr dienen, die eigentlichen Ver­kehrssprachen, erschöpft. Die chinesische Sprache kann trotz ihrer 400 Millionen Anhänger ebenso­wenig als Verkehrssprache gelten wie das Rus­sische, das von hundert Millionen gesprochen wird. Weitere 100 Millionen sprechen Hindustanisch, 55 Millionen Arabisch und 46 Millionen Japanisch. Die italienische Sprache zählt 38 und die türkische 33 Millionen Anhänger.

— Der „flüssige Spiegel". Der Newyorker Asttonom Wood hat ein Fernrohr fonftruiert, bei dem der Reflektor aus flüssigem Quecksilber be- steht. „La Nature" ist in der Sage, nähere An­gaben über dieses merkwürdige Instrument zu umchen. Es war die Absicht Professors Woods, die Ouecksilberoberfläche so umzuformen, daß sie einen stark vergrößernden Spiegel bildet, der an Stelle des metallischen Spiegels der üblichen Re­flektoren beten soll. Seine Lösung dieses Pro­blems ist wirklich geistreich zu nennen :er gießt das Quecksilber in eine Schale, die durch einen Motor in schnelle Drehung versetzt wird; das Quecksilber, dessen Oberfläche anfangs konvex ist, bildet all­mählich unter dem Einfluß der Zentrifugalkraft eine Höhlung und nimmt bei genügend schneller Umdrehung die Form eines sogen. Rotations- paraboloids an, das viel genauer ist, als dec ge­schickteste Arbeiter es auS Metall in mühsamer, jahrelanger Arbeit hätte Herstellen können. Dies ist das Prinzip des flüssigen Spiegels." Was die Woodsche Erfindung als besonders wertvoll erscheinen läßt, sind die geringen Kosten für den Reflektor. Der Woodsche Reflektor von 50 Zen- timetern Durchmesser kostet nämlich nicht nrehr als 600 Mark, während ein gleich großer Re­flektor der üblichen Systeme weit über 2 0 0 0 0 Mark kosten würde.

— Summarisch. .... Wie, Ihr Herr Ge­mahl ist gestorben ?* — „Vor einem Jahre; feit acht Tagen bin ich von neuem verheiratet!" — „Was Sie sagen — mein innigstes Beileid und die herz­lichste Gratulation!"