Einzelbild herunterladen
 

MaerW Zeitung

Monatsbeilage: „Zuldaer GeschichtsbMer

Fulda, Montag den 14, Dezember 1908.

35. Jahrgang.

M 288.

«rschttnt täglich mit Anrnahme ber So.m- und Feiertage, viertel­jährlich« vezugrpreir ohne vringerlohn und Bestellgeld in Fulda so- tutc auswärts (.50 Itlt

verantw. Redakteur;

Larl Schütter

Knzeigen: vle et«, spaltige Petitzelle odeß deren Saum ZS Pfg. Rellamendiepetttzeile 25 Pfg., bet Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewährt

Rotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- ürndruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

3 parzeller in Fulda. W0d)tttl)dZ(l£61 „Illustrierte Sonntagszeitung"

Zweites Httatt

Kleines Feuilleton

Deutsches Reich.

-tt- Stumme Versammlungen. Den Haka- t ist en geht es gegen den Strich, daß die Ge­richte im Industriegebiet das Unrecht des Spra­chenverbots nicht auch auf die sog. stummen Ver­sa, nmlungen ausgedehnt haben. Die „Deutsche Tagesztg." (Nr. 579) erteilt den Richtern eine ernste Rechtsbelehrung:

„Die Veranstaltung der „stummen" Versammlun­gen widerspricht nicht nur, tote wohl allseitig zugegeben wird, der Absicht des Gesetzes, sondern sie läßt sich auch ohne jeden Zwang unter den § 12 subsumieren; denn nach dem Sprachgebrauche umfaßt daS Wort „verhan­deln" ebenso schriftliche wie mündliche Verhandlungen. Daß das Kammergericht früher, und zumal unter einem anderen GeMe, anders entschieden hat, bietet noch keinen hinreichenden Grund, die entsprechenden Bestimmungen des neuen Gesetzes in genau derselben Weise auSzulegen. DaS neue Gesetz muß nach seinem Svecke und Sinne ausgelegt werden, soweit sein Wort- ut die Auslegung nach dem Sprachgebrauchs gestat­te: dann scheint uns der Streit zu Ungunsten der Polen zu liegen."

Wir möchten die Rechtsgelehrten der „Deutsch. Tagesztg." darauf aufmerksam machen, daß eine alte juristische Auslegungsregel dahin geht: Aus­nahmegesetze seien möglichst eng und in Anleh­nung an den Wortlaut zu interpretieren. Daß darin nur eine Rücksicht auf das Gebot der Ge­rechtigkeit liegt, wird auch den Hakatisten viel­leicht klar werden, wenn sie einmal von ihren Wahnideen sich freimachen können. Vorerst ist allerdings nicht daran zu denken, sondern je grö­ßer der Mißerfolg ihrer Bestrckungen wird, um so wütiger verbeißen sie sich in Torheiten. Das klägliche Fiasko der Antipolenpolitik sehen sie wohl, aber anstatt nun einsichtsvoll von dem ver­kehrten Wege abzugehen, stürmen sie blindlings weiter auf der verderblichen Bahn. Neue Aus­nahmegesetze sind ihr einziger Trost. Die „D. Tagesztg." stellt bereits die Notwendigkeit einer Verschärfung des Veremllgesetzes in Aus­sicht. Eine Ergänzung zum Enteignungsgesetze ist bereits vor längerer Zeit angekündigt worden, nun müssen wir also auch schon auf eine „Ver­besserung" des neuen Vereinsgesetzes uns gefaßt machen. So lange wir eine Pol^npoli- tik haben, wird sie fortgesetzt „verbessert", und das Ergebnis aller „Verbesserungen" sind — Miß­erfolge; gerade das, was verhindert werden soll, wird befördert, nämlich der engere Zusam- menschltrß der polnischen Elemente. Auf der schiefen Ebene gibts keinen Halt. Wir müssen erst ganz bis unten gerutscht sein. Leider wird das Hinaufklettern dann nicht so bequem sein.

X Die Deutsche Bereinigung scheint im Rhein­land nicht mehr das nötige Strohfeuer in Flam­men halten zu können. Man hat daher Westfalen in „Angriff" genommen. In Münster war kürzlich eine Versammlung, in der sich 300 Per­sonen zusammengefunden hatten. Man gewann 100 neue Mitglieder. Bei den vielleicht 20,000 Zentrumsstimmen im Wahlkreise Münster ist das allerdings nur ein mäßiger Erfolg, zumal wenn man berücksichtigt, wie groß der Einfluß ist, der eingesetzt wird für dieses Schoßkind der Regie­rung. Das scheint den Herren auch eingeleuchtet zu haben, denn sie haben schleunigst ihre Tätigkeit aus dem Bereich der katholischen Kreise West­falens in den protestantischen nordöstlichen Teil verlegt. — In H er f o r d, das sie zuerst beglück­ten, schnitten sie aber nicht besser ab, als in Münster.

□ Sympathiekundgebungen für die deutschen Studenten tu Prag finden wie kürzlich in Berlin nun auch au anderen deutschen Universitäten statt.

— Neues vom Planeten Ma''?. Soeben kommt aus Nordamerika von der Lowell-Sternwarle die Nachricht, daß Ausmessungen der neuesten spektro- photographischen Aufnahmen von der Mars-Ober- siäche die Beschaffenheit von Wasserdampf nach­weisen und den Schluß nahelegen, daß die Atmo­sphäre des Mars noch wasserreicher sein muß, als die Lufthülle unserer Erde. Wenn sich diese wich­tige Entdeckung bestätigt, so wären die weißen Po­larkappen, die im Winter der betreffenden Mars­halbkugel amvachsen und im Sommer wieder ab­nehmen, in der Tat riesige Eis- und Schneemaffen, was mau bisher nur vermutet hatte. Hinfällig würde dann aber die Annahme sein, daß die sog. Kanäle künstlich angelegte riesige Wasserleitungen wären. -£s.

— Zehn Gebote für Vogclliebhaber. Unter diesem Titel veröffentlicht das bekannte „Buch f ü r A l l e" folgende beherzigenswerte Mahnung:

1. Schaffe niemals einen Vogel an, ehe dir dich

nicht genau über feine Bedürfnisse unterrichtet

und dich überzeugt hast, daß du sie ihm in natur-

gemäßer Weise erfüllen und ihm so den Verlust seiner Freiheit einigermaßen ersetzen kannst. Halte

nie mehr Vögel, als du bequem zu versorgen im

stände bist. 2. Bedenke, daß ein Vogelkäfig wohl

zu klein, aber nienials zu groß sein kann. Die Sitzstangen halte so weit voneinander entfernt, daß der Vogel, um von einer zur anderen zu ge­gangen, seine Flügel zu Hilfe nehnien und so Lungengymnastik treiben muß, die zur Gesund­erhaltung seines Blutes unbedingt erforderlich ist.

8. Schütze deine Vögel vor unmittelbarer Son­nenhitze, besonders aber vor Zugluft, auch vor rockener Ofenwärme und plötzlichen Temperatur- Schwankungen. Hänge den Käfig in Augenhöhe stuf, damit du ihn stets übersehen kannst 4. iäeußerste Reinlichkeit sei die Grundbedingung

törung der Massen lebt". So dick trägt nicht ein­mal Müller-Meiningen auf. In der Rödelfrage sind verschiedene liberale Blätter mit Herrn Ob- kircher gar nicht einverstanden. Die Entwickelung der Differenz in der Parteipresse kann ganz inter­essant werden. Für die Stellungnahme des Herrn Obkircher scheint etwas Erkenntnis mitzusprechen, daß 1908 doch nicht mehr ganz 1905 ist, und daß es auch für einen nationalliberalen Parteiführer heute eine Stelle gibt, die man in Fragen der Staatsautorität nicht offen vor den Kopf stoßen darf, wenn nicht der ganze nationalliberale Por- zellankasteit in Gefahr kommen soll. Ob Herr Obkircher angesichts des Tobens der radikalen Lehrerschaft und der Opposition im eigenen Lager mit dieser an sich nicht schlecht ausgedachten Stel­lung Glück hat, wird die nächste Zukunft lehren müssen.

Ausland.

* Mit einem Zusammenbruch des Drei­bundes hat man in französischen Kreisen offen gerechnet. Auf Grund der Fortis-Rede in der italienischen Kammer hatte der „Temps" in einer 9tote nicht wörtlich, aber unzweideutig gesagt, daß Italien sich ganz gut vom Dreibund los­lösen könne. Als am nächsten Tage Tittoni seine Rede hielt und eine große Mehrheit für seine Dreibund-Politik erhielt, war der „Temps" ganz entrüstet und gebrauchte das Wort aus „Rigoletto": „O, wie so trügerisch". Er spottet über Tittoni und Giolitti mit einer Bissigkeit in einer Weise, wie man sie bei diesem Blatte noch nie erlebt hat. Ein solcher Spott ist der Groll über gescheiterte Pläne, denn die italienischen Politiker, welche immer zwischen Rom und Paris unterwegs sind — man könnte Namen .nennen — haben solche mit den französischen Politikern geschmiedet gehabt. Die Pläne sind zunächst gescheitert, aber noch nicht aufgegeben.

Dazu kommt ihre Ungeschicklichkeit in praktischen

lehrkolonie Steinmühle gegründet. Sie will

Jungen sich genügend entwickelt haben, um sich

Käfig auch Unterhaltung haben; quäle aber deine Pfleglinge, die sich nicht dazu eignen, nie mit der Erlernung von Kunststücken. Deine Sorgfalt

winkte Herr Obkircher noch einmal zu, sie sollten doch vom Zentrum abrücken, „das von der Be-

eine andere Tonart besänne, und erhoffte von der Warnung des Oberschulrats die Wirkung, daß die Lehrer der Neckarelzer Resolution sich nicht an­schließen und dadurch weitere Maßregelungen überflüssig machen würden. Bezüglich des frei- sinnig-nationalliberalen Streites um Lörrach- Land erklärte Herr Obkircher kurz und bündig, daß die nationalliberale Partei an diesem Wahl-

' Für sie ist von einer gemeinnützigeit Vereini­gung dem Verein Kinderschutz in Frankfurt a. M. Stiftsstraße 30 eine neue Anstalt, eine Arbeits-

Dingen, Mangel an Ausdauer. In keinem Stück sind sie dem Leben und seinen schweren Aufgaben gewachsen.

Solche Kinder reicher Eltern finden Anstalten, in denen sie unter bester erzieherischer Leitung, unter Aussicht unserer ersten Aerzte und Psychiater schließlich doch genügend für ein Leben vorbereitet

Sie enden alle mit der üblichen Entrüstungsreso­lution. Uns will scheinen, daß es besser wäre, sich in die politischen Händel Oesterreichs als Reichs­deutsche nicht zu mischen. Namentlich dürfte es für viele Studenten viel vorteilhafter sein, statt sich mit Politik abzugeben, der Wissenschaft obzu­liegen, weih wenn sie über kurz oder lang — vielleicht als Mediziner — auf ihre Mitmenschen losgelassen werden, diese nicht mit der Politik, wohl aber mit möglichst viel Wissenschaft heilen können.

* Darmstadt, 11. Dez. 1908. lieber die Mischehen im Großherzogtum Hessen hat die offiziöse ,Darmst. Ztg." jüngst auf Grund der Mitteilungen der Standesämter und des Bischöfl. Ordinariates eine Zusammenstellung ver­öffentlicht. Hiernach schlossen im Jahre 1907 25 Prozent der katholischen Männer und 24,1 Prozent der katholischen Frauen eine Mischehe, während diese Prozentsätze im Jahre 1868 nur 17,3 bezw. 16,5 Prozent betragen hatten. Unter den 17 Kreisen des Landes gibt es 8, in denen die von Katholiken eingegangenen Mischehen die rein katholischen Ehen sogar überwiegen, was auch von den Städten Darmstadt, Worms und Offenbach zu sagen ist, während in Mainz letz­tere Ehen noch eine kleine Mehrheit bilden. Die Zusammenstellung des Ordinariates ergibt ferner für die Periode 1888—1907 543 Ueberiritte zur katholischen Kirche gegenüber 353 Austritten. Wenn auch letztere Zahl nach der Ansicht der Zentral­stelle für die Landesstatistik nicht ganz vollstän­dig ist, so haben doch dadurch die bisherigen lediglich aus protestanlischer Quelle stammenden Ziffern, die für den katholischen Bevölkerungs- Anteil überaus ungünstig lauteten, eine namhafte Berichtigung erfahren.

4r Karlsruhe, 11. Dez. 1908. In den badischen Block konunt Bewegung. Landgerichtsdirektor Dr. Obkircher, der vor wenigen Wochen neu gewählte Parteichef dec badischen National­liberalen, hat am letzten Sonntag in Lahr eine Rede gehalten. Das Hauptinteresse in seinen Ausführungen beanspruchen zwei Punkte: der Fall Rödel (vgl. Nr. 285) und L ö r r a ch-Land. Im Fall Rödel, der immer noch die Spalten der liberalen und sozialdemokratischen Blätter füllt,

k. Schwachbefähigte Hindere nach der Schulentlassung.

Wie viel Sorgen bringt die Schulentlassung schon den Eltern, deren Kinder sich normal ent­wickeln, in der Schule gute Fortschritte gemacht

werden sie dir durch Anhänglichkeit, Zutraulichkeit und fleißigen Gesang reichlich vergelten.

— Frommer Wunsch. Man hat lenkbare Luft­schiffe konstruiert. Jetzt haben die italienischen Ingenieure Bellini und Tost eine lenkbare draht­lose Telegraphie erfunden. Der Menschengeist überwindet die größten Schwierigkeiten. Schließ­lich wird man noch lenkbare Ehefrauen erfinden.

— Paffende Bezeichnrmg. Infolge der zu er- wartenden Gas- und ElektrizitätS steuer müssen auch die Glühstrümpfe versteuert werden. Sie kriegen eine Banderole, die GlÜH-Strumpfband heißen w«d.

Handwerk, sei es als Schuhmacher oder Schneider, Korbflechter und demnächst auch als Handweber. Daneben wird ihnen von den Lehrschwestern noch ein Fortbildungsunterricht erteilt, damit sie die Kenntnisse, die sie in der Schule sich mit vieler Mühe erworben haben, auch zu bewahren imstande sind. Der Pensionspreis einschließlich Unterricht beträgt 320 dl im Jahre. Es ist eben mit den ersten Lehrlingen der Anfang gemacht worden. Es bedarf großer Geduld und Ausdauer seitens der Lehrenden, um den Knaben das nötige Ver­ständnis beizubringen.

Das St. Antoniusheim verdient mit Rücksicht auf den ganz hervorragend ejdlen Zweck, den Aermsten der Armen noch ein gewisses Maß von

hat der Redner die Parteipresse in aller Form. .

desavouiert und auch wegen des Erlasses an die, haben und dann Geschick und Gewandtheit in der Kreisschulräte zur Verhinderung weiterer Protest- Erlernung eines Berufes zeigen. Viel sorgenvol- Versammlungen der Lehrer sich rundweg auf die ler sehen Eltern in die Zukunft, deren Kinder in Seite des Obersckmlrates gestellt. Er betonte ganz ‘ der Schule nur mühsam vorankommen. Sie er- richtig, daß es sich hier um eine Frage der Staats- ' reichen bei weitem nicht das Schulziel; trotz vieler autoritüt handle und meinte, es wäre besser für j Mühe bleibt ihre geistige Entwickelung zurück, die Interessen der Lehrer, wenn Rodet sich aus " --

her cheianaslosen Reit nickK fn nut '.wtTtHnrf Einen ähnlichen Zweck verfolgt die seit einigen toerbenbSucte als sonst 9 lieber alle die * 1 * * * * * * 8 fahren in Fulda bestehende Jdiotenanstalt S t. S.? “ ie| EntoniuSbeim für schwachsinnige Kinder

Ä am JääÄÄ.frKWf ! »X SKwÄimta iStita bÄÄS &ÄÄS:' MÄttasÄ«ÄS {S fiÜ m;?! zum Verständnis für dieselbe herangebildet, und

c: ^9^ ! erhalten dann Unterricht in einem leicht faßlichen

für leben verständnisvollen i8oge^t)^l.^er. Achte neben ihren anderen Zielen zunächst die schulent be;om ers auf Sauberkeit der sttzstangen, da sich iQ[fenen Knaben, die aus den obigen Gründen

sollen können, a. „och nicht in eine Lehre treten können, dazu ge-

guhere Ssit, aber nicht üppig, nahrhaft, aber schift machen. Gartenarbeit und Beschäftigung ^Of,e । im Freien dienen dazu, die Zöglinge körperlich

glatt aufzehrt, und richte drch^rn der Zulammem ■ kräftigen und arbeitsgewandter zu machen.

rQfc4 ! ärztliche Hilfe, die gerade diesen Leiden sich ^?bbsbesck)aftenhest des Vogels. Dieser liebt ;n neuerer Zeit zuwendet, wie für eine tüchtige Abwechselrmg im Futter, einförmige ^e;t macht erzieherische Behandlung wird gesorgt. Mit dem ihn verdroßen und gesang^unlustig. 6. Bringe Wachsen der Anstalt wird für verschiedene getoerb- von deinen Spaziergängen allerlei Leckerbissen liche Arbeiten aeiorat werden sodaß diele Anstalt aus der freien Natur mit Dafür ist jeder Bogel j

*X)ro r^r; ra-f.'so=9-e E ur l,n?,tFt= i teile der teueren Einrichtungen bietet, während l$e» 5250(1«. Gib es im ÄOinnter Saeima! tag- ( Verpflegungskosten, wenn möglich nicht mehr

V"Winter überschlagen. 8. Äranfbetten der a[= 50 Mark den Monat betragen sollen. Sobald ^er zu ■ Jungen sich genügend entwickelt haben, um sich draußen halten zu können, werden ihnen durch len. Verdopple deine Sorgfalt zur Maufezeit die Anstalt geeignete Lehrstellen vermittelt.

und glaube nicht etwa, daß der Vogel wahrend

werden, in dem ihre Mittel ihnen alle Wege eb- kreise festhalten müsse; bet der Haltung der Frei- neu. Was' sollen aber Eltern tun, die nicht meh- sinnigen sei es höchst zweifelhaft, ob mit ihnen der ■ rere tausend Mark für eins ihrer Kinder auf- Block zustande kommt. Bekanntlich will der Frei-; wenden können, deren Söhne dem Kampf des sinn seine eigenen Wege gehen, wenn die Ratio- z Lebens gerietet entgegentreten müssen? Der Mei- nallibmialell ihm nicht den „sicheren" Sitz von । fter gibt ihnen ihr Kind als untauglich zurück, zu- Lorrach-Land überlassen, der Herrn Obkircher sel-, hause kann man ihm die mühsame Behandlung, der gehört Daß Herr Obkircher sich wehrt, wenn ; die es braucht, nicht geben; es fehlt wohl auch an man ihm selber den Stuhl vom Tische wegnehmen : der nötigen Erfahrung dafür. Wer selbst auf will, ist, natürlich; weder er noch seine Partei eigenen Füßen steht, der möchte endlich nicht der können einen Platz abtreten, über den fie nicht ein- Wohltätigkeit anheim fallen, oder ihr seine Sin­ntal selber mit Sicherheit verfugen können. Den der überlassen.

Konservativen und dem Bunde der Landwirte

Bildung zu vermitteln, die Beachtung und Unter­stützung aller Menschenfreunde.

Aus dem Nachbargebiet.

* Hanau, 12. Dez. 1908. Der nächst' jährige Militäretat enthält eine Forderung von 300000 Mark für Erwerbung und Einrich­tung von Wasserübungsplätzen und Be­schaffung von Uebungsmaterial für das 1910 nach Hanau zu verlegende Eisenbahn-Regiment. In der Summe sind die Kosten für Erwerb von Grund und Boden in der Größe von 19 Hektar 10 Ar, sowie verbindende Bahnstrecken enthalten.

* Frankfurt, 12. Dez. 1908. Eine aero­nautische Ausstellung wird hier im Jahre 1910 in der Festhalle und auf dem freien Ge­lände am Hohenzollernplatz veranstaltet werden. Zugleich werden damit Versuche im Aufsteigen von freien und Motor-Ballons verbunden fein. Magistrat und Handelskammer von Frankfurt haben schon die einteitenben Schritte unternommen. Ursprünglich war die Ausstellung in München geplant.

* Witzenhausen, 12. Dez. 1908. In dem Konkursverfahren gegen den hiesigen Konsum­verein^. G. m. b. H., fand die erste Gläu­bigerversammlung statt. Forderungen sind in Höhe von 12 000 Mark angemeldet, wovon nur 10000 Mark anerkannt werden. Die Mitglieder­zahl betrug bei der Anmeldung des Konkurses rund 200.

vermischtes.

* Der Mord im Eisenbahnzug Koblenz—Trier. Die Verdachtsmomente gegen den Trierer StadtbaU- techniker Maagh, der dringend verdächtig ist, bett Versicherungsagenten Regel ermordet zu habens verdichkn sich immer mehr. Maagh ist wegen Diebstahl mit 7 Monaten Gefängnis vorbestraft, wovon in Trier bisher nichts bekannt war. Sehr merkwürdig ist auch die Tatsache, daß Regel vöüi der Abfahrt von Koblenz zuerst in ein Abteil drittel? Klasse gestiegen war. Da kam Maagh mit zwei Billetts zwetter Klaffe bis Trier und forderte seinen Freund auf, umzusteigen. Dieser war zwar einiger^ maßen erstaunt, leistete aber der Aufforderung Folge. Nach der Obduktion der Leiche Regels ist Selbstmord ausgeschloffen. Der Revolver, der bei der Leiche gefunden wurde, ist noch zwei Tage vor dem Mord von einem Zeugen bei Maagh gesehen worden.

* 50 Personen ertrunken. Ein großer Sturm hat in den letzten Tagen im Schwarzen Meer gewütet, bei dem zahlreiche Personen ums Leben gekommen sind. Eine türkische Barkaffe kenterte. 50 Personen fanden hierbei den Tod.

* Im Kampfe mit dem Ozean. Die Rettungs­station Saßnitz der Gesellschaft zur Rettung Schiff­brüchiger hat am 14. Dezember von dem gestran­deten Bagger „Löwe" 13 Personen mit dem Ret­tungsapparat gerettet.

Literarischer.

P. Florian Baucke, ein deutscher Missionär, in Paraguay (1749—1768). Nach den Aufzeichnungen Bauckes neu bearbeitet von Augustin Bring­mann 8. J. Mit 25 Bildern und einer Karte. (Misstonsbibliothek.) Freiburg 1908, Herdersche Verlagshandlung. Mr. 1,60; geb. in Leinwand Mk. 2,20.

Zu den meistbewunderten und meistgeschmähten Schöpfungen katholischer Missionäre gehören die von den Jesuiten im Anfänge des 17. Jahrhunderts begründeten sogen. Reduktionen in Paraguay. Ist die Gründung und erste Einrichtung der Reduktionen ganz das Verdienst der spanischen Jesuiten, so ver­danken sie doch ihre herrliche Entfaltung, namentlich in wirtschaftlicher und gewerblicher Hinsicht, in erster Linie dem praktischen Geschick uno unver« droffenen Fleiße der etwa 120 deutschen und nieder­ländischen Missionäre, die während der Glanzperiode von 1700 bis 1767 dort wirkten. Unter diesen deutschen Missionären nimmt P. Florian Baucke einen ehrenvollen Platz ein. Seine fesselnden Auf­zeichnungen schildern anmutig seine Reife nach der Kolonie, sein 18 jähriges Wirken unter den India­nern und endlich seine und der Ordensgenoffen schmähliche Vertreibung durch die Spanier, eine Frucht der nie ruhenden Verleumdungen insbesondere durch die neidischen spanischen Kolonisten. Wir lernen Baucke dabei kennen als den echten Typus eines deuffchen Missionärs: praktffch, erfahren in allen Künsten und Gewerben, ein trefflicher Musiker, voll Humor und von ungewöhnlichem Geschick in der Behandlung der Eingeborenen.

Reklamen- und Anzeigenteil.