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uldaer W Zeitung

MonatrbeUage: „Zuldaer Eeschichtsblätter"

ÄÄi«. wachenbcilage: „rllustrierte Zonntagszeitung

Fulda, Tonnerstog den 10. Dezember 1908.

M 285

verantto. «edatteurr Carl Schütter

Erscheint täglich mtt Ausnahme der $o,m» und Feiertage Viertel- iShrlich«eve;«gspreis ohne Sringerlohn und Bestellgeld in Fulda so- wit auswärts 1.50 KIL

Anzeigen: Vie ein» fpoltige PrtitzeUe oder deren Raum 15 Pf-. SeNamrndlepetitzeilo 25 pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationsdruckund Verlag der Fuldaer Ak» «endruSerei in Fulda Fernsprecher Rr. y.

35. Jahrganq.

Zweites Mtcrtt.

x Steuern auf Zeit.

In der Budgetkommission des Abgeordneten­hauses ist es zu lebhaften Auseinandersetzungen über die Frage gekommen, ob der Landtag befugt sei, gewisse Einnahmen auS der Einkommensteuer nur auf Zeiten zu bewilligen. Schließlich wurden die von der Regierung verlangten Zuschläge zur Einkommensteuer, wie am Samstag mit geteilt, nur auf zwei Jahre bewilligt, aber schon von 3000 Mk. Einkommen ab.

Für die Bewilligung der Deckung nicht sür alle Zukunst, sondern nur auf Zeit wurden gute Gründe angeführt: man wisse noch gar nicht, wie sich die Finanzreform im Reiche ge­stalten werde, namentlich ob nicht am Ende doch den Einzelstaaten durch den Erlaß der noch geschuldeten Matrikularbeiträge ein Geschenk zu­fallen werde; ferner seien die künftigen Erträge der Eisenbahnen, Bergwerke usw. nicht zu über­sehen. Angesichts der Möglichkeit, daß in den kommenden Jahren der Bedarf sich wieder ver­mindere, empfehle eS sich, freie Hand für eine Beschränkung der jetzt zu bewilligenden Lasten zu wahren. Aber was sagte die Regierung dazu? Sie machte kurzen Prozeß und gab statt langer Gegenaründe die kurze und kräftige Er­klärung ab: Wenn nicht die Deckungsmittel vor­behaltslos auf die Dauer bewilligt werden, so läßt das Staatsministerium gemäß seinem förm­lichen Beschlusie die ganze Besoldungsauf- besserung unbedingt fallen! Ein Ulti­matum in der schärfsten Form! Die Interessen der Beamtenschaft werden aufs Spiel gesetzt. Die Regierung rechnet darauf, daß der Landtag nicht so viel Mut und Kraft hat, wie sie selbst, und lief er dauernd bewilligt, ehe er die Beamten um ihre Ausbesserung bringt. Auf diese Weise setzt die Regierung es durch, daß die Unabänder­lichkeit der einmal bewilligten Einnahmen auch nicht das kleinste Löchlein bekommt. Die preu­ßische Regierung erachtet das parlamentarische Recht der Einnahmenbewilligung durchaus nicht für so minderwertig, wie die Reichsregierung es angeblich tut, — aber nur so lange, als es gilt, der Volksvertretung ein bestehendes Recht abzuschmeicheln. Wenn es dem Reichstage ein­siele, irgend eine bestehende Dauer-Einnahme neuerdings von seiner periodischen Neubewilligung abhängig zu machen, so würde vom Bundesrat ebenso entschieden gegen die „Erweiterung der Parlamentsrechte aus Kosten der Krone" Einspruch erhoben werden, wie es jetzt in Preußen geschieht. Nichts aufgeben, aber möglichst viel dazu nehmen — das ist die Taktik der regierenden Bureaukratie gegenüber der Volksvertretung.

Der Negierungsvertreter bestritt überhaupt in der Kommission der Volksvertretung das Recht zu befristeten Bewilligungen; sie seien der Verfassung unbekannt. Das ist grundfalsch. Artikel 99 der Verfasiung sagt ausdrücklich: „Alle Einnahmen und Ausgaben des Staates müssen sür jedes Jahr im voraus veranschlagt und auf den Staatsdaushaltsetat gebracht werden. Letzterer wird jährlich durch ein Gesetz festgestellt." Alle Einnahmen müssen auf den Etat gebracht werden, das besagt sür den unbefangenen Be­urteiler, sie müssen vom Landtag bewilligt werden. Daß der Landtag daran nichts ändern dürfe, ist nirgends gesagt.

Kleines Feuilleton.

— Wissenschaftliche Rechtfertigung eines alten «clksgtnubens. In verschiedenen Teilen von Europa besteht unter dem Volk der Brauch, in einem Krankenzimmer Zucker zu verbrennen. Tie Aerzte haben über den Aberglauben läck)e'nd die Achseln gezuckt, aber nichts dagegen unternom­men, weil er ihnen als eine unschädliche Selbst­täuschung erschien, die weder Nutzen noch Schaden stiften konnte. Jetzt zeigt es sich, daß in diesem Fall die Aerzte die Ungebildeten gewesen sind, während das einfache ungelehrte Volk das Rechte getroffen hat. Professor Trilbert vom Pasteur- Institut in Paris hat nämlich nachgewiesen, daß bei der Verbrennung von Zucker eine Verbindung von Azetylenwasserstoff und Ameisensäure ent- steht, die eines der kräftigsten, keimtötenden Gase bildet. Der Forscher verbrannte 5 Gramm Zucker unter einer Glasglocke, die einen Rauminhalt von etwa 2y2 Liter bot. Nachdem die entstandenen Dämpfe sich abgekühlt hatten, wurden Bazillen des Typhus, der Tuberkulose, der Cholera, der Pocken usw. in offenen Glasröhren unter die Glocke gebracht, und binnen einer halben Stunde waren sie sämtlich abgetötet. Man kann die Wir­kung der bei der Verbrennung von Zucker ent­stehenden Gase auch noch durch einen anderen hübschen Versuch erkennen. Wenn ein Stück i Zucker in einem geschlossenen Gefäß verbrannt wird, das heftig riechendes verfaultes Fleisch ober den für die Nase vielleicht noch entsetzlicheren Inhalt verfaulter Eier enthält, so versckMindet der unerträgliche Geruch sofort. Vielleicht beruht auf einer zufälligen Erkenntnis einer derartigen Tatsache jener Volksglaube, dessen Entstehung -Nlchzuweisen jetzt ein besonderes Interesse bieten würde.

। — Gesetzliche Grausamkeiten gab eS in frühe­re: Zeit die schwere Menge. Man erfand im

Die „Voss. Zig.", die diese Frage an der Hand der Verfassung einer längeren Erörterung unterzieht, kommt zu demselben Schluß und meint noch: Aber, selbst wenn es richtig wäre, daß das Abgeordnetenhaus immer nur Steuern auf die Dauer und nicht auf eine be­stimmte Zeit bewilligen dürfte, so würde daraus nur folgen, daß damit aufgeräumt werden muß. Es geht nicht an, der Vertretung eines mündigen Volkes für alle Zeit das Einnahmebewilli­gungsrecht vorzuenthalten. Dieser Zopf müßte endlich wie so mancher andere abgeschnitten werden. Das heißt, wenn das Abgeordnetenhaus bestimmte Einnahmen aus der Einkommensteuer nur auf zwei Jahre bewilligt, so hat sich die Staatsregierung dem zu fügen. Wenn nicht, so erhält sie Überhaupt keine Mehrein­nahmen. Und bann, will sie dann das Abae- ordnetenhaus auflöfen? Sie könnte dabei Er­fahrungen machen, die ihr nichts weniger als erwünscht wären.

deutsches Reich.

* Tie Portofreiheit der Fürsten. Zu diesem jüngst im Reichs!age aufs Tapet gebrachten Thema macht der Abg. Dr. Struve einige ini.restante Detailmitteilungen. Er schreibt:

„Mir fallen die Vorgänge aus dem neunten schles- wig-holsteinischen Wahlkreiie ein, die ich während der letzten Wahl näher kennen lernte. Der Großherzog von Oldenburg hat in Ostholitein eine Anzahl von Güter, die, nebenbei bemerkt, gemäß den modernen Anschauungen dieses Regenten sich in mancher Hinsicht vorteilhaft von den Nachbargebieten abheben. Von den großherzoglichen Meiereien gehen täglich ungezählte Butterpakete ins Land. Die werden mit der Post versandt. Das geschieht im Interesse der großherzog- lichen Vermögensverwaltung, also gebührenfrei. Wenn Hirsche und Rehböcke äbgcschosien werden sollen, wenn e.n Tag dem edlen Waidwerk gewidmet wird: alle Einladungen können portofrei versandt werden; das Abschießen ist ja im Interesse der groß­herzoglichen Bermögensverwaliung. Nun sind die Hirsche geschossen. Bei dem großen Wildreichlum in stattlicher Anzahl. Nun sollen sie veriandt werden, entweder aus den Hamburger Markt oder an die Hof­haltung nach Oldenburg oder sonst wohin. Jeder andere Jäger würde seibstveiständlich zur Versendung die Eisenbahn benutzen. Aber die Post inacht es ja gebührenfrei! Es sind ja großherzogliche Böcke, die werden frei befördert: großherzogliche An­gelegenheit. Cs ist ziemlich erheblich, >vas so ein Bock per Post lostet. Nehmen wir ein Stück Wild zu 50 Kilogramm von Lensahn nach Oldenburg, so würde das 3. Zone (50-s-45><20-s-15) 9,65 Mark ausmachen.-

Dr. Struve meint, daß für das ganze deutsche Reich hier eine erhebliche Summe der Postkasfe verloren geht. Hier könnte Sydow sparen, ohne den Betrieb einzuschränken.

volkswirlschaMches und 5ozia!e§.

Z\ Tie Statistik der jugendlichen Arbeiter itub der Frauen in Fabriken ist gegenwärtig, wo der Reichstag sich soeben eingehend mit der Regelung der Arbeitszeit usw., der Frauen und der sugend- lichcn Arbeiter befaßt hat, von größerem Inter­esse. In dem soeben herausgekommenen Viertel­jahreshefte zur Statistik des deutschen Reiches werden darüber Mitteilungen gemacht, die erken­nen lassen, daß in Zeiten der Krise lehr stark die Neigung besteht, die billigen Arbeitskräfte der Fraueit und der jugendlichen Arbeiter vermehrt einzustellen. In 89 211 Fabriken wurden 449 236 jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren beschäftigt. Im Vergleiche zum Vorjahre hat sich die Zahl der jugendlichen Arbeiter um 24 735 erhöht, von der Zunahme entfallen 1067 auf männliche und

Mittelalter sogar neue Verbrechen, von denen das Heidentum nichts gewußt hatte. So insbesondere die Felonie, das heißt jedes Vergehen gegen die feudale Rechts- und Gesellschaftsordnung, zedeAch- tungsverletzung des Vasallen gegen den Lehns­herrn, jede Verkürzung seiner Einkünfte, jede Verfehlung gegen den Eid der Treue. Diese Uebertretungeir wurden mit der durch Grausam­keiten verschärften Todesstrafe belegt. Kaum weniger hart waren die auf Jagdvergehen ge­setzten Strafen. Noch unter der Königin Eliia- beth stand in England auf das Ausneymeu eines Falkennestes der Tod. Wilhelm der Eroberer ließ jedem, der einen Hirsch oder eine Hin de in des Königs Forsten erlegt hatte, beide Augen aus. stechen. In Frankreich wurden Falschmünzer lebendig in Wasser oder Sei gekocht. Fluchen wurde in den meisten Ländern mit dem Tode be­straft. Noch 1683 verfügte ein Gesetz des Königs Christian V. von Dänemark, daß ein Flucher ent­hauptet werde, nachdem der Henker ihm die Zunge ausgeschnitten habe.

— Die taufenden Jakobiner! Das ist das neueste von den Blockbrüdern Frankreichs. In einer Ge­meinde südlich von Pans, wo der sozialistische Ab­geordnete Coutant den Bürgermeister-Sestel innehat, ist man, um der Kirche „Konkurrenz- zu machen, zur Ziviltaufe üdergegangen. Es soll den Henn Bürgermeister tief gekränkt haben, daß in seinem Amtskreise trotz der Trennung von Kirche und Staat ein neues Gotteshaus gebaut und eingeweiht werden konnte. Um dem »Götzendienst-, wie er sagt, nach besten Kräften zu Leibe zu rücken, hat Monsieur Coutant der Bevölkerung seines Orte- durch Mauer­anschlag kund und zu wissen getan, der Gemeinde­rat halte sich je am ersten Sonntage deS Monates von 10—IS Uhr vormittag- zur Feier der Ziviltaufe zu ihrer Verfügung. Welche Zeremonien die Jako- dmer bei ihrer Ziviltaufe anzuwrnden gedenken, ist leider nicht gesagt.

1140 auk weibliche Kinder, sowie 17 006 auf männ­liche und 5522 auf weibliche jugendliche flirt eiter zwischen 14 und 16 Jahren. Die Beschäftigung von über 16 Jahre alten Fabrikarbeiterinnen hat ebenfalls eine Zunahme erfahren. In 85143 Fabriken wurden 1 145 535 Arbeiterinnen gezählt, von welchen 449 436 16 bis 21 Jahre und 696 099 mehr als 21 Jahre alt waren. Gegen das Vor­jahr hat die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen um 49 636 zugenommen.

Aus dem Nachbargebiet.

* Vacha, 8. Dez. 1?08. Wegen Falsch­spielens wurden gestern einige Kroaten ver­haftet und dem Amtsgerichtsgesängnis zugejührt.

A' Frankfurt, 8. Dez. 1908. lieber die Aus­gestaltung der nunmehr auf 130 Klaffen an« gewachsenen obligatorischen Fortbildungs- jchule entspann sich in der heutigen Stadt­verordnetensitzung eine lange Debatte. Zur Enllastung des Rektors Dr. Neuschäfer beantragte der Magistrat schon int vorigen Jahre die An­stellung eines weiteren Rektors. Damals wurde die Vorlage abgelehnt, und auch heute wurde sie lebhaft bekämpft, weil ein Teil der Versammlung eine Dezentrali'ation der Verwaltung wünschte. Schließlich wurde die Vorlage in namentlicher Abstimmung mit 33 gegen 16 Stimmen an» genommen.

* Gießen, 9. Dez. 1908. Die vor kurzem crlaf« feite Bestimmung, daß bei dem hiesigen Regiment nur noch Mediziner und Pharmazeuten am 1. April als Einjahrig-Freiwillige eintreten könn­ten, ist laut „Gieß. Änz." auf die Vorstellung des Rektorats der Landes-Universität und der Stadt­verwaltung hin wieder aufgehoben worden. Es können also in Zukunft alle Studierenden der Universität ihren Militärdienst am 1. April beginnen.

* Friedberg, 9. Dez. 1908. Auf der Straße zwischen Burg-Gräfenrode und Albenstadt wurde der Zimmermann Joseph Kuhn von Sberwöll- stadt von vier Männern, die aus einem daherkom­menden Wagen absprangen, überfallen und durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt.

* Kassel, 9. Dez. 1908. Nachdem der hiesige Männergesangverein „Liederverein" vor längerer Zeit beschlossen hatte, sich am Sängerwettstreit in Frankfurt zu be- teil gen, ist dieser Beschluß in der letzten Monats- versainmlnng wieder umgestoßen worden. Es wird sich kein Kasseler Gesangverein am Sänger­wettstreit beteiligen.

* Erfurt, 9. Dez. 1908. Hier wurde an der Fischersand-Langebrücke ein dreijähriges Mädchen von einem Motorwagen der elektrischen Straßen­bahn überfahren und schwer verletzt.

* Biebrich, 8. Dez. 1908. Hier stahl ein 19 Jahre alter Mensch aus dem Bette seiner krank dariiiederliegeuden Mutter deren Pension int Be­trage von 70 Mark, um das Geld auf dem „An- drcasmarkt" in Wiesbaden zu verjubeln. Er : wurde verhaftet.

* Limburg, 9. Dez. 1908. Im Saufe des ver­gangenen Monats sind nach und nach die der hiesigen Station von der Eifenbahndirektion Frankfurt überwieseuen vier Triebwagen, zwei elektrische Motorwagen und zwei Tamps- wageii, hier cingetrossen. Die mit diesen Wagen auf der Lahnbahn, den zwei Taunusstrecken und den Leiden Westerwaldbahnen unternommenen Probefahrten find im allgemeinen zur Zu­friedenheit ausgefallen. Die definitive Abnahme und Einstellung in den Fahrplan ist in allernäch­ster Zeit zu erwarten.

vermischtes.

* 54 Schafe von zwei Hunden zerrissen. Eine böse Uebcrraschung ersuyr ein Schäfer in Alsterdorf bei Hamburg, als er morgens feine Herde aufsuchte, die über Nacht in einer eingehegten Koppel im Freien geblieben war. Unter den 300 Schafen hatten die beiden Bernhardinerhuude des Bleichers Fromhagen, die ausgebrochen und in die Schafherde eingebrungen waren, ein entsetzliches Blutbai) an» gerichtet. 54 Schafe lagen zerrissen und tot am Boden. Der Schäfer traf die beiden Hunde noch bei der blutigen Arbeit an und benachrichtigte ihren Herrn, der sie wegführte. Sechs Schafe waren in ihrer Angst in die Alster gesprungen und ertrunken. Der angerichtete Schaden stellt sich auf annähernd 2000 Mk.

— Achtzig Vereine! Ein hübsches Beispiel über- triebencr Vereinsmeierei, das einen wunderbaren Beleg zu der Richtigkeit des Wortes bildet, wo­nach überall, wo drei Deutsche beisammen sind, auch sofort ein Verein da ist, gibt der etwa 15 000 Einwohner zählende Harzort Thale. In ihm be­standen bislang nicht weniger als SO Vereine! Das wäre also, Weib und Kind mitgerechnet, ein Verein auf nicht ganz 200 Einwohner! Nun das neue Vercinsgesetz in Kraft getreten ist, hat sich die Polizei veranlaßt gesehen, verschiedene Ver­eine aufzuheben. Dabei fand sich u. a. der ulkige Fall, daß einer der „Vereine" aus Vater, Sohn und Hausknecht bestand, was indes nicht hinderte, daß dieser „Verein" jährl. eine Reihe von Festivi­täten veranstaltete. Zu diesen Festlichkeiten aber führten die Vereinsmitglieder, Vater, Sohn und Hausknecht, eine Menge Gäste ein, die durch Fest­beitrag und Tanzgeld wacker zu der Deckung der Unkosten mithalfen.

* Die Flucht vor de» Kirchensteuer«. In Ber­lin ist die evangelische Kirchensteuer auf 20 Proz. der Staats-Einkommensteuer erhöht worden, und seitdem haben die Austritte aus der Landeskirche eine unglaubliche Höbe erreicht. In den letzten

Wochen sind an einem einzigen Tage fast 400 Austritts-Erklärungen bei den zuständigen Be­hörden abgegeben. Die Meldungen sind derma­ßen stark, daß die Beamten für die Annahme der Erklärungen haben vermehrt werden müssen. Na­türlich wird der Kirchensteuersatz noch mehr em­por schnellen, wenn so viele Austritte erfolgen; außerdem trägt auch der starke Fortzug von rei­chen Leuten aus Berlin in dessen Vororte dazu bei, die Steuerquote zu erhöhen.

* Gastfreundschaft. Die „Tägl. Rundschau" veröffentlicht den Prospekt eines Berliner Insti­tuts „Gastfreundschaft", welches für Bälle und Gesellschaften bei Herrenmangel „hochgebildete Herren der besten Gesellschaft" empfiehlt, unter denen sich in der Ueberzahl Akademiker, Reserve­offiziere. Baumeister, elegante Kaufleute befinden. Die Aushilfe geschieht diesmal in diskretester Weise, der pekuniäre Teil wird nur mit der Re­präsentantin des Instituts erledigt. Die Höhe des Honorars richtet sich nach den besonderen Wünschen. Ja, womit die Leute in einer Welt­stadt nicht alles ihr tägliches Brod verdienen.

* Wegen eines Mädchens gerieten in Soest zwei Bur scheu, Heß und König, in Streit;, Heß zog ein Messer und stach den König dreimal in die Brust. König nahm einen Dolch und schlitzte dem Heß den Bauch auf. Heß starb bald, König ist tödlich verletzt.

* 18 Millionen Erbschaftssteuer. Daß jeman­des Erben 18 Millionen Mark Erbschaftssteuer zahlen müssen, soll in England, das ebenso wie Frankreich eine äußerst hohe Erbschaftssteuer er­hebt, wirklich vorgekommen sein. In England fängt die Steuer mit 10 Prozent an und steigt daun stark. Der Erblasser war der südafrikanische Diamant-Gruben-Besttzer Barnato.

Literarischer.

Jahrbuch des Charitasverbandes für das Geschäfts­jahr 1908/09. Zweiter Jahrgang. Heraus­gegeben vom Vorstand des Charitasverbandes § für das katholische Deutschland. Mit 26 Illustrationen. Freiburg i. Br., Charitas« verband. 1908. 124 Seiten, gr. 8. Preis 1 Mark. i

Der vorliegende zweite Jahrgang des Jahr­buchs gibt Zeugnis von der rührigen und segens­reichen Arbeit des Verbandes, und ein jeder, der in Vereinen, Organisationen ober privatim sozial und charitativ tätig ist, sollte bas neue Jahrbuch des Charitasverbcmbes sich anschaffen, um über die Fort­schritte der charitativen Bewegung einen zuver« läfftgen Ratgeber zu Haden.

Knrhejsischer Kalender 1909 mit 13 Kunstblättern in Sleinzeichnung, von Hans Meyer-Kassel, Prinzcnstr. 10. Selbstverlag. Preis 2,50 Mk. Der Kalender enthalt diesmal die Blätter: Schwälmer Bauer, Schloß-Ruine Friedewald del .Hersseld, Ruine Normannstein und Werratal, Pflügender Bauer im Fuldatal bei Malsfeld, Schwälmer Sämann (Willingshausen), Ruine Wallenstein, Kreuzburg an der Werra, Landleute auf dem Felde bei Rauschenberg, Schloß Schweins­berg, Schafhirte an der Ruine Brandenburg bei Herleshaujeii, Mühle unterhalb der Amöneburg, Diemellandschast bei Warburg, Bergamt und HoheS GraS(b.Wühelmshöhe). Der Kalender erfreut diesmal durch die figürliche Darstellungen, die bas Land- schastsbild beleben. Die Zeichnungen sind gut er­faßt und drängen dem Beschauer die gewollte Stimmung glücklich auf.

,9iolur und Kultur'. Monatl. 2 Hefte ä. 32 S. Reich iQuilr. Viertelst 2 Mark. 6. Jahrg. H. 5. München, Viktorlastr. 4. * )

Dr. Lübeck: Das Bannen der Geister. — Prof. Dr. Heß: Moderne Tiesbohrungen mit 8 instruktiven Zeichnungen und Abbildungen. — Brem: Die ehemalige Verbreitung des Maulbeer­baumes und der Seidenzucht in Bayern. — Geh. Rat Dr. Petri: Die Mikroskope des Deskartes mit 5 Abbildungen. — Seminar - Direktor Dür­rn ayr: Wanderungen in der Dauphine und Hoch- Savoyen. — Prof. Dr. Dahme: Der Mensch als Herr der Tierwelt. — Heier: Photographie in natürlichen Farben. — Dr. Lang: Die amerika­nischen Universitäten. — Prof. Dr. Weiler: Ge* dächtnis-Uebungen, Experimentier- und Beobachtungs- Ecke, Auskunfts-Ecke, Bücherschau und Neuerschei­nungen. Zum bevorstehenden Quartalswechsel empfeh­len wir wiederum die vorzüglichen Blätter eindring­lich und raten unseren Lesern, wenigstens ein Probe­heft einzufordern.

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