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Fulda, Mittwoch den 9. Dezember 1908.

35. Jahrgang.

Zweites Wtcrlt.

a Der konfessionelle Frieden

Der als Parteigänger der Deutschen Ver­einigung bekannte Hammer SenatSprLsident Tchmölder stellt im .Tag' eine Reihe von Kundgebungen aus den Lagern der beiden Kon­fessionen zusammen, in denen die Sehnsucht nach dem konfessionellen Frieden ausgesprochen wird. Er knüpft an die seinerzeit vielbesprochene Fest­rede des ehedem so streitbaren Prof. Tr. Har» nack zum 27. Januar 1907 an, in der dieser forderte, es müsse ein Ende gemacht werden mit dem wechselseitigen Vorwerfen vergangener Sünden, damit mit der Verinnerlichung der Kirchen auch wieder eine Annäherung, ein ge­meinsames Arbeiten beider Konfessionen im gemein­samen Garten Gottes erreicht werbe. Er ver­weist dann auf zahlreiche Friedenskundgebungen der katholischen Preffe und erinnert an ein Wort auf dem Düsseldorfer Katholikentag dieses Jahres: „®ec Tag kann nicht fern sein, wo die große deutsche Nation sich einigt im treuen Dienste Jesu Christi, unseres Herrn. In dieser Zuver­sicht gebe ich die feierliche Erklärung ab: Wir Katholiken bieten euch, unseren christlichen Mit­bürgern, in christlicher Liebe die Friedenshand. Weiset sie nicht ab.*. Er führt auch die freund­liche ^Beurteilung der Katholikentages auf vor» urtellsfreier evangelischer Seite an, den Ruf des noch immer streitbaren Prof. Dr. Hieber nach einem interkonfessionellen Friedenskongreß und die Ablehnung, die die Hetzereien der Braunschweiger Tagung des Evangelischen Bunde- bei einem Teile der Protestanten gefunden haben und kommt zu dem Ergebnis: „Unser Volk sehnt sich nach dem konfessionellen Frieden!"

Man wird bei der Begründung eines soweit reichenden Urteils doch mehr, als es Herr Echmölder getan hat, daS alte Rezept umkehren und die Stimmen zählen, nicht wagen müssen; denn was nützt uns die friedlichere Stimmung von Har nack und Hieber und der wenigen inelstens atttulherischen Anhänger der Christ­lichen Wett', wenn die breite Maste im Prote­stantismus dem Evangelischen Bunde zujubelt? Mit allem Nachdruck ist der Gedanke des ton« sessioneUen Friedens seit Jahren von katholischer Seite gepflegt worden und die Kundgebungen zum Frieden in Düsseldorf haben selbst ein Blatt von der kirchenpolitischen Färbung der liberalen .Kölnische» Zeitung' zu einer für die Katholiken höchst schmeichelhaften Gegenüberstellung des Düsseldorfer Katholikentages und der evangelischen Bunüestagung tu Braunschweig veranlaßt. Das katholische Volk will den Frieden, hat de» Kampf nie gewollt, und die katholische Kirche will den Frieden erst recht, denn sie hat den religiösen Kampf zwischen den Konfessionen nicht nötig, um das religiöse Interesse in den Reihen ihrer Gläubigen wachzuhalten.

Aber " ie steht es auf der Gegenseite? Wir sind nicht in der Lage, den Evangelischen Bund als so harmlos hinzunehmen, wie Herr Schmölder es tut. Er meint, der Bund habe nur 37 000 Mitglieder. Der Bund selber hat ober wiederholt verkündet, daß seine Mitglieder- zahl der des Lolksvereins für das katholische Deutschland nahekomme. Für alle die herzlichen

Meines Feuilleton

— Gclehrteuhumor. Der Humor der Profes­soren trieb in früherer Zeit, die weit mehr,Ori­ginale aufwies, als die Gegenwart, viel reichere Blüten, lieber einen sehr gefunden Humor ver­fügte der Berliner Chirurg Prof, von Barde- leben. In seinem Kolleg erzählt er gern fol­gende Examenfrage eines alten Generalarztes: ,Wos würden Sie tun, wenn Sie auf das Lchlachtfeld gerufen und Ihnen gesagt würde, das Pferd des Majors wäre gestürzt und hätte sich das Schlüsselbein gebrochen?" Der Examinator ha'e alle möglichen Verbände und Heilmittel als unzweckmäßig abgewiesen und nur die Antwort hören wollen: „Ich würde das Pferd für eine hohe Summe an ein großes Museum verkaufen, dei-.n sonst gibt es — keine Pferde mit Schlüssel- beincnl" — Der Meteorolog und Physiker Prof. Dove fragte einmal bei der Prüfung einen Kan» didaten, weshalb sich die Erde drehe. Der Exami- nandus antwortete, er habe es früher genau ge­wußt, könne sich aber leider im Augenblick nicht daraus besinnen. „Schade, schade", bemerkte der Professor, „das ist nun der einzige Mensch, der es einmal gewußt hat, und der hat es leider verges­sen." — Der Chemiker Prof. Eilhard Mitscherlich prüfte einmal einen Mediziner, dem er eine recht leickste Frage vorlegen wollte: er fragte ihn nach der Herstellung der Schwefelsäure. Der Jünger Aeskulops besann sich einen Augenblick und er­widerte dann mit Bestimmtheit: „Man nimmt ©djtoefel und gießt Essig darüber!" Prof. Dtit- fcherlich sah den jungen Menschen einen Augen­blick ganz erftaimt an wegen der verblüffenden Einfachheit dieser Herstellungsweise und sagte bann: „Wissen Sie, junger Freund, es wäre ent- lchieden vorteilhafter, Sie gäben das Studium der Medizin auf und errichteten eine Schwefel- jäure-Sabrif nach Ihrem neuen Verfahren I" — Din anderer Mediziner wurde einmal gefragt.

Friedenskundgebungen von katholifcher Seite hat der Bund nur Spott und Hohn und Ver­dächtigungen zur Antwort gehabt. Und die breite Masse jubelt ihm dabei stürmisch zu. Die Zeitungsberichte über di« Bundesver­sammlung beweisen e8 immer wieder. In der evangelischen Bevölkerung herrscht, gepflegt durch einfach polizeiwidrig unsinnige Darstel­lungen katholischer Dinge in evangelischen Lehrbüchern, eine Ansicht von der katholischen Küche, ihrem Wesen und ihrer Lehren, die zum Lachen reizen müßte, wäre ihre Wirkung nicht so unsäglich traurig.

Wie sehr diese aus einer ganz falschen An­sicht entsprungene Abneigung gegenüber dem Ka­tholizismus, vielsach sehr stark zum Haß aus­gewachsen, im protestantischen Volke verbreitet ist, das schildert uns in der Zeitschrift ,Der Morgen', eine in dieser Beziehung gewiß unverdächtige Persönlichkeit, der wegen seiner schroffen Ab­neigung gegenüber der katholischen Kirche be­kannte ehemalige katholische Geistliche und jetzige liberale Schriftsteller Karl Jentsch. Er bespricht die konfessionellen Beziehungen vom politischen Standpunkt aus, sucht die Ursachen des Bülow- schen Bruches mit dem Zentrum und schreibt dann:

„Dumm genug wurde die alte Maschinerie ge­handhabt. Durch zwei unbedeutende — noch nicht ein­mal definitive Abstriche am Kolonialetat gab Bülow vor, zu der Behauptung berechtigt zu sein, es handle sich darum, „ob wir unsere koloniale, ob wir unsere gesamte nationale Stellung behaupten wollten, oder nicht." Aberfürunser protestantisches Volk war der plumpe Kunstgriff ganz gut berechnet. Statt über die Komödie zu lachen und zugleich es sich ernst­lich zu verbitten, daß der deutsche Reichstag vor dem Auslande antinationaler Gesinnung bezichtigt werde (was viel schlimmer war als alle Indiskretionen des Kaisers), schoß man patriotische Purzelbäume vor Freude darüber, daß es nun wieder mal gegen die Schwarzen gehe."

Dies« Darstellung trifft den Nagel auf den Kopf. Wir leben weiter in der Hoffnung, daß der konfessionelle Friede kommen werde und werden unsererseits alles tun, um ihn zu fördern. Aber man wird von uns nicht verübeln büteen. wenn wir die ungünstigen Erscheinungen im anderen Lager nicht übersehen und uns keine Illusionen machen.

Deutscher Keich.

** Kaiser oder Kaisertum? Unter diesem Titel veröffentlicht die „Rhein. Wests. Ztg.", das Organ der rheinisch-westfälischen Großindustrie, einen Leitartikel, der sich mit den Verfassungs­debatten im Reichstag beschäftigt und noch ein­mal die ganze Frage des persönlichen Regiments aufrollt. In der Charakteristik Wilhelms II. heißt eß:

„Die Begabung Wilhelms II. ist aus seinen Hand­lungen und Reden nach 20 Jahren wohl erkennbar. Er ist breit, aber oberflächlich begabt, er beschäftigt sich mit vielen Dingen, Politik, Heer und Flotte, mit Sprachen und Literatur, mit Ausgrabungen »n > Alter­tumsforschungen, er predigt, lomponiert und malt. An solcher Vielseitigkeit würden selbst Göthe und Michel Angelo scheitern. Es fehlt Wilhelm II. an liefe des Geistes, die Fähigkeit logisch zu denken und scharf zu verbinden. Zweitens ist ihm ein eigenartiger Standort des geistigen Schauens eigen; er sieht wie Friedrich Wilhelm IV. alles wie ans einer schiefgeftellten und verdrehten Stainern. . . . WaS ihm fehlt, ist der nüchterne, klare, hausbackene Verstand, der ohne weiteres und mstinttiv zwischen allem Nebenbeiwerk Phrasen und Verzierungen den Kern der Sache logisch

was er bet einer bestimmten Krankheit einem ein­jährigen Kinde verordnen würde. „Krotonöl", lautete die Antwort. Krotonöl ist eines der schärfsten Abführmittel, das selbst bei Erwachsenen nur in ganz kleinen Dosen gegeben wird. Der Professor schüttelte daher bedenklich den Kopf, fragte aber dennoch: „Wieviel würden Sie davon verordnen?" — „Zwanzig Tropfen", war dieAnt- wort. „So, so, nur zwanzig Tropfen?" — „Nun, unter Umständen auch wohl einen Teelöffel voll." — „Hm, hm, wenn aber das nicht wirkt?" — „Dann würde ich einen Eßlöffel voll geben." — „Und was würde das bewirken?" — „Durchfall, Herr Professor." — „Hat schon gewirkt, Herr Kandidat," war die Antwort des Professors, der dem Kandidaten Gelegenheit gab, ein Jahr über die Wirkung des Krotonöls nachzudenken.

— Eisenbeton und Zement spielen bekanntlich in dec neuzeitlichen Bautechnik eine immer noch wachsende Rolle. Ihre Neuheit birgt aber onch mancherlei Gefahren in sich, denn es fehlen auf vielen Gebieten noch die genügenden Erfahrun­gen. So hat man die Beobachtung machen muf­fen, daß Eisenbeton im Seewasser durch elettrolytische Vorgänge langsam zerstört wird, und jetzt werden verschiedene Fälle bekannt, in denen Moorboden den scheinbar unzerstörba­ren harten Beton in eine weiche breiige Masse verwandelt hat. Genaue Untersuchungen haben verschiedene Ursachen ergeben. In einem Falle in Osnabrück wurde, wie dos „Zentralblatt der Bauverwaltung" mitteili, im Moorboden enthal­tener Schwefelkies als der Uebeltäter befunden, wogegen nur Asphaltierung sämtlicher mit dem Boden in Berührung kommender Betonteile siÄitzt. In einem andern Falle in Frankfurt a. M. war höchstwahrscheinlich Kohlensäure schuld, die sich im Moorboden bildete. Hieraus geht her­vor, daß bei Gründungen mit Eisenbeton oder reinem Beton eine genaue chemische Untersuchung deS Bodens und GrundwafferS sehr ratsam ist.

— Der Apfel al» Mittel gegen Trunksucht und übermäßige» Rauchen. Der englische Pro-

Wahl mit größtem Druck auf die abhängigen Ar- i beiter und nicht minder auf die Geschäftswelt cingewirkt, aber die Erbitterung über das liberale Regiment, welches namentlich in den letzten Jah-

entzogen. Beileibe nicht wegen ihrer Abstim- mungl Die Arbeiter hatten der Zentrumspartei zwei Arbeiterkandidaten präsentiert, welche beide als Stadtverordnete einstimmig gewählt wurden. Einer dieser zu Stadtverordneten gewählten Ar» sich dermaßen zu entrüsten. Haben sie und ihre Kündigung seitens der „liberalen" Firma in Händen I Er war über zehn Jahre bei der Firma beschäftigt und bekam ein glänzendes Zeugnis. Ein anderer Fabrikweber, der über zehn Jahre bei einer anderen „liberalen" Firma beschäftigt und Mitglied des Ortskomitees der Zentrums­partei ist, wurde nach der Wahl entlassen, weil er plötzlich „schlechte Ware" geliefert haben soll. Der Arbeiter erbot sich, das „schlechte" Stück zu übernehmen, wenn man ihn tn Arbeit belasse. Vergeblich I

* Los von Rom und Los von Oesterreich ist dasselbe. Darüber herrscht in allen Kreisen ehr» lidjer Politiker kein Zweifel. Die „Alldeutschen aus der Ostmark" machten wie alljährlich, so auch Heuer wieder ihre Wallfahrt unter ührung Schö- nerers und Maliks nach Friedrichsruh zum Grabe Bismarcks und hielten eine Bismarckge­denkfeier in Hamburg ab. Bei dieser Gelegen­heit betraten nun die „Hamburger Nachrichten" vom 23. November die wahren Absichten der LoS vom Rom-Bewegung. Es heißt da:

„Die Sehnsucht der österreichyche» Alldeutschen ist die Bereinigung mit dem Deutschen Reiche — in schwarz-gelbem Same eine hochverräterische Sehnsucht. Aber man muß die unglaublichen Zustände in dem dortigen Nalionalitätenkampse kennen, dann mag man diesen „Hochverrat" verstehen. Freilich, darüber find sich auch die Alldeutschen klar, daß Bismarck seinerzeit di« Deutsch-Oesterreicher nicht mir „überschlucken" konnte. Denn (wie am Samstag Dr. Oedt aus Salz­burg richtig darlegte) damit hätte er uns zehn Millio­nen Römlmge mehr ins Land gezogen. Erst muß die Zeit reif sein; und darum haben die Alldeutschen di« Los von Rom-Bewegung entsacht und wollen so ein völliges Kontingent schaffen, daS dem Deutschen Reiche willlommen sein kann."

— Die Pöbcl-Exzesse in Prag versetzen unsere, Sie möchten am

Ausland.

** In Belgien stand in diesen Tagen die M i* litörfrage zur parlamentarischen Beratung. Nach dem Gang der Verhandlungen glaubten die vereinigten liberal-sozialistischen Gegner des kon­servativen Ministeriums diese Frage zum Sturze der Negierung benutzen zu können, denn es schien ihnen nicht zweifelhaft, daß ein Teil der katholi­schen Rechten unter Anführung des Abg. Beer- naert mit ihnen für die sofortige Einführung der allgemeinen Dienstpflicht stimmen und so die kon­servative Mehrheit zur Minderheit machen werde. In diesem Falle hätte, da der Ministerpräsident Schollaert erklärt hatte, nur mit der Rechten re­gieren zu wollen, das Ministerium zurüütreten müssen. Aber es kam anders. Zum Schluß der sechstägigen Debatte führte Abg. Beernaert aus, daß man vorerst an einen Krieg nicht zu denken brauche, der Friedensgedanke mache täglich Fort­schritte. Deshalb werde er nicht für die Reso­lution Janson-Neujean, die das Prinzip der all­gemeinen Wehrpflicht proklamiert, stimmen, son­dern ihr eine einfache Tagesordnung gegenüber­stellen. Schließlich wurde die einfache Tagesord­nung Beernaert mit 78 gegen 70 Stimmen ange»

„Deutsche vor die Front! Flammenve Zornesröt» treiben wohl jedem deutschen Manne die letzten Nach­richten aus Prag ins Antlitz! Das verkommens Tschechengesindel zeigt den Völker Europas wahrlich, was der Sklave unter Kultur und Gesittung versteht. Brüder unseres Stammes, ja auch Söhne unsere» engeren Vaterlandes wurden und werde» noch in ge­meinster Weise mißhanoelt, ohne daß ein starker Arm sür Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung Sorg« trägt. Deutschlands Musensöhne rafften sich auf, um, soweit es in ihren Kräften liegt, de» bedrängten Volks­genossen zu Helsen. Sollte «S damit genug sein?! Nein, nimmermehr!! Das ganze deutsche Volk muß energisch gegen diese jeder Gesittung hohnsprechenden ttampfesweise der Tschechen protestieren, muß seine Stimme erheben und es nach Wien hinüberdonnern, daß das deutsche Bolk nicht gewillt ist, so etwas länger

zu dulden."

Wir verurteilen die Ausschreitungen der Tsche­chen auf das entschiedenste und billigen die Ver­kündigung des Standrechts durchaus. Die All­deutschen aber haben verzweifelt wenig Ursache, sich dermaßen zu entrüsten. Haben sie und ihre Organe auch nur ein Wort des Tadels gefunden, als die studentischen Raufbolde in Wien, Graz, Prag, Innsbruck ihre ka­tholischen Kommilitonen in ungeheurer Ueber- zahl überfielen, ihnen Mützen und Bänder abris­sen, die Kleider zerriffen, sie blutig schlugen, und nicht bloß ihren deutschen Kommilttonen, sondern auch Damen tätlich insultierten? Haben sie da­gegen protestiert, als Sozialdemokraten und „Deutsch-völkische" im trauten Verein deutsche Mitbürger an der Ausübung des Berfammlungs- rechteS mit Gewalt hinderten, wir erinnern nur an den deutsch-böhmischen Katholikentag in Rumburg. Behandelten diese alldeutschen Raufbolde ihre deutschen Mitbürger nicht ebenso brutal, wie es jetzt der tschechische Pöbel mit den Deutschen tut? Die Alldeutschen haben es den Tschechen ja vorgemacht.

reu mit der beabsichtigten Verschlechterung des Wahlrechts (Einführung des anderthalbfachen Durchschnitts), fast völliger Verdrängung der Zenlrumsstadtverordneten aus allen maßgeben­den Verwaltungskommissionen, Bildung einer zu zwei Dritteln liberalen Schuldeputation usw. operiert hatte, führte den Sieg des Zentrums her­bei. Jetzt, nach der Wahl, gehen einzelne liberale Herren dazu über, Burger, Angestellte und Ar­beiter dafür zu strafen, daß sie nach ihrer Ueberzeugung für das Zentrum eingetreten sind. Einem Zentrumswähler, welcher die Agentur einer Feuerversicherung besitzt, wurde seitens eines liberalen Großkanfmanns die 200 000 dft betragende Versicherung seines Eigentums zu Januar gekündigt. Beileibe nicht, weil der be­treffende Agent Zentrum gewählt hat! Mehreren Geschäftsleuten, die für das Zentrum gestimmt haben, hat derselbe liberale Herr seine Kundschaft sessor Stinson weist neuerdings darauf hin, daß der tägliche Genuß einiger Aepfel, welche Frucht ja als Hausdoktor hinreichend bekannt sei, nicht nur physisch, sondern auch psychisch heilsame Wir­kungen ausübe. Wer viel und regelmäßig Aepfel ißt, der wird seine Gemütsstimmung verbessern und alle unbehaglichen Stimmungen los werden — das ist das Resultat hundertfacher Beobach­tungen, die der berühmte Arzt in seiner Praxis gemacht hat. Er hat aber auch festgestellt, daß reichlicher Apfelgenuß als treffliches Mittel gegen die Trunksucht und gegen zu starkes Rauchen istl Bringt man mit diesen schlimmen Neigungen be­haftete Leute, die, wie jeder selbst beobachtet ha­ben wird, im allgemeinen jedem Obstgemiß abge­neigt zu sein pflegen, nur erst dahin, daß sie zum Frühstück, vor und nach dem Mittagessen, nach dem Abendessen usw. einen Apfel verspeisen, so hat man schon fast gewonenes Spiel. In dieser Beziehung soll der Apfel geradezu Wunder wir­ken. Die Leute fühlen bald selbst ein gewisses frisches Empfinden, sie lassen vom Trinken und; Rauchen mehr und mehr ab, um sich den Ge- ■ schmack und die psychische Wirkung des Apfels । nicht zu verderben. Beachte man also diesen Hin-; weis. Es wäre wahrscheinlich ein Segen, wenn

* durch den Genuß von Aepfeln die sinnlose und zwecklose Leidenschaft des übermäßigen Trinkens und Rauchens eingeschränkt werden könnte.

— Die rauchigste Stadt der Welt. Ter schlim­me Ruf Chicagos als der rauchigsten Stadt der Welt ist jetzt durch wissenschaftliche Untersu­chungen bestätigt worden. Experimente haben er­geben, daß die Lust 300 Fuß oberhalb der Ge­schäftsgegend in einem Umkreis von einem Acre (— 40 Ar) im Jahre nicht weniger als 7038 Pfund Schmutz enthält. In der Höhe von 35 Fuß betrugen die Ablagerungen sogar 6000 Kilo tm Jahre. „Es ist unzweifelhaft, daß ein Kubik- fuß Lust über dem Zentrum von Chicago dreimal soviel Schmutz enthält, als ein Kubikfuß Luft über London", heißt es in dem amtlichen Berichte.

begreift und danach handelt. Schließlich scheint er von englisch-welfischer Seite da» Bewußtsein Georgs m. (von England) und Georg» V. (von Hannover) geerbt zu haben, da» sich mit dem 20. Jahrhundert nicht ver­trägt."

So sprechen heute die Leute, die den Vater- landssinn gepachtet haben.

0 Die Ersatzwahl in Meseritz - Bomst gibt der „Krzztg." Tag für Tag Veranlassung, gegen das Zentrum anzurennen, als ob eS sich durch die Aufstellung eines eigenen Kandidaten eines groben Verstoßes gegen die Gebote nationaler Gesinnung schuldig mache. Obwohl es gilt, nicht etwa einen Polen, fondern einen Zentrums­mann durchzubringen, einen Mann, an dessen deutscher Gesinnung in keiner Weise zu zweifeln ist, wird der Anschein erweckt, als ob es sich bei der Wahl in erster Linie um eine Unter­stützung der Polen handle. Inzwischen haben nun die „Deutschen Katholiken", wie vor­auszusehen war, in einem Wahlaufruf sich offen für die Konservativen ausgesprochen. In dem Wahlaufruf heißt es u. a.:

„Zeigen wir uns bei der Wahl als selbständige, treue deulsche Männer, lasten wir unS nicht durch Vorspiegelungen falscher Tatsachen von anderer Seite ins Schlepptau nehmen, um unfern Gegnern mittelbar Dienste zu leisten, unterstützen wir nicht die Wahl eines Mannes, von dem wir von vornherein wiffeu, daß er nicht unsere Interessen vertreten wird, sondern die der Polen, die ihm deshalb auch nur ihre Stimmen geben, fondern wählen wir eine Persönlichkeit, welche uns sichere Garantien für eine gerechte und erfolgreiche Vertreiung unserer Wünsche und Anliegen bittet. Er­füllen wir damit zugleich unsere Pflichten als Staats­bürger hier im Osten, dann wird uns deutschen Katho­liken auch das gegeben, was uns zusteht."

Das Zentrum soll also ein Gegner der deutschen Katholiken fein! Was doch im Wahl­kampf nicht alles ge—sagt wird. Die Aus­sichten des Zentrums sind trotz dieser Stellung­nahme der „Vereine Deutscher Katholiken" nicht schlecht. Plan rechnet damit, daß die Auf­rüttelung der Wähler, die jetzt durch Zentrums» abgeordnele geschieht, von Erfolg sein muß. In dieser Woche sind sechs Zentrumsabgeordnete tm Kreise tätig.

Diese Auslassungen sind nichts Neues mehr. Allein sie bekunden mit aller Offenheit, baß die Deutschen Oesterreichs erst „völkisch" d. i. pro-, testantisch gemacht werden müssen, um sie dem Deutschen Reiche zuführen zu können. Denn eine jetzige Verschmelzung würde 10 Millionen „Röm-/, (’) Einen neuen Fall von Terrorismus des lmge" ins Land bringen und Katholizismus und, rheinischen Rathaus-Liberalismus be- Zentrum waren Trumpf. Derartige Ausführung richtet die „Köln. Volksztg." (Nr. 1037) aus sen^ußman^üchmerken.

Dülken. Dort haben die letzten Stadtratswah- • •_ ■ - . ■ • .

-len zum ersten Mate eine Zentrumsmehrheit im i 'a>Or;x ‘

Stadtparlamente geschaffen. Die liberale Par- j Iie^,enz M ba§ Deutsche Reich mit ferner Krt^s-, tei setzt sich in der Hauptsache zusammen aus den! macht den Stammesbrüdern zu Hrlfe erle. Em Fabrikantenkreisen. Es wurde vor und bei der be]onber§ wilder Mann erläßt in der 89.^ Wahl mit aröktem Druck auf die abbänaiaen Ar- Btfl- einen Aufruf, der folgendermaßen beginnt.'