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JV3 277.

u!d 6 , Tienstttfl den L Dezember 1908.

35. Zaßrqana«

Kvstes Matt

** Berlin, 1. Dezember 1908. Der Prinz Dr. Wilhelm August, der soeben von seiner Hochzeitsreise nach Potsdam zurückgekehrt ist, vird dort den praktischen Dienst der Regierung studieren und zunächst an der dortigen Regierung arbeilen.

c. Tie Kommission für die Neichsfinanzresorm hat sich am Montag abend im Reichstag konstituiert. Boni Zentrum gehören ihr an die Abg. Gröber, terolb, Klose, Müller-Fulda, Pichler, Dr. Spahn peck. Zehnter. Vorläufig werden in den Verhand- lmigen die allgemein finanztechnischen Fragen zur Beratung stehen. Sobald die eiuzelnen Steuer- enlwürfe zur Beratung gelangen, werden durch Aus- wechslung diejenigen Abgeordneten in die Kommission ?gewählt werden, die sür die verschiedenen Materien achver ständig sind.

'( Sprachenparagraph und Gewerkschaften Bekanntlich hatte der freisinnige Abg. Gothein während einer Radbov-Debatle darauf hin- gemiesen, daß die polenfeindliche Anwen­dung des Sprachenparagraphen des neuen Vereinsgefehes gegen die Gewerkschaften in direktem Widerspruche stehe zu den Zusiche­rungen des Staatssekretärs beiBeratung des Vereinsgesetzes. Während damals die Frei- stnnigen die Auffassung erhalten haben wollen, die Regierung denke nicht an eine Ehikane, be­hauptet heute die ,Nordd. Allg. Ztg/ mit kaltem Lächeln: „Die Verbündeten Regierungen haben niemals einen Zweifel darüber gelaffen, daß die durch den § 12 dargeboiene Waste der Abwehr der deutschfeindlichen Bestrebungen nicht nur im Osten, sondern auch im Westen dienen solle." Die Freisinnigen werden sehr wohl durchschaut haben, daß die Erklärungen des Staatssekretärs durchaus ungenügend waren, aber sie taten, als merkten sie nichts; sie trieften von Bewilligungs­lust. Jetzt, wo sie nichts mehr machen können, wird Lärm erhoben.

p. Das Sedanbild im Reichstagssitzungs- s'aal. Während der Sommerserien sind im Sitzungssaals des deutschen Reichstages drei Gemälde angel rächt worden. Das mittlere und größte der drei Bilder, das sich hinter dem Präsidcutentische erhebt, stellt Sedan dar. Die im Reichstage anwesenden Pariser Journalisten berichteten die Sache an ihre Blätter, die im allgemeinen ob dieser geschichtlichen Reminiszenz wenig erbaut waren. Den Blättern wird nun aus Berlin gemeldet, daß die Entsernung des Sedangemäldes aus dem Sitzungssaale des Reichstages beschloffen worden sei. Die Nachricht entspricht in dieser Form nicht den Tatsachen. Es ist allerdings von verschiedenen Abgeordneten ein dahingehender Wunsch geäußert worden, allein die dafür zuständige Stelle, die Aus­schmückungskommission des Reichstages, hat sich mit dieser Angelegenheit bisher noch nicht befaßt. Der Wunsch der Abgeordneten richtet sich übrigens nicht nur auf Entsernung des SedanbildeS, son­dern auf die Entfernung edler drei Wandbilder,

deutsches Reich.

= Die Ministerverantwortlichkrit.

In der Frage, ob und wie die Regierung bei der Beratung der Ministerverantivortllchkeits- anträge am Mittwoch im Reichstag vertreten sein wird, besteht nach wie vor bei allen Parteien deS Reichstages völlige Ungewißheit.

Die ,Kreuzztg/ malt eine Krisis und einen Kon­flikt an die Wand. Sie klagt, daß der Kanzler den Freisinniges Konzessionen über Konzessionen mache. Es werde sich bei der Beratung der Verfastungs- anträge für ihn Gelegenheit bieten, ein ernstes Wort mit den Freisinnigen zu sprechen, und hoffentlich mache er davon den zeitgemäßen Gebrauch. Weiter weist daS Blatt darauf hin,

daß es leicht eine Präsidentenkrise im Hause geben kann, wenn sozialdemokratische Redner versuchen sollten, die Person des Kaisers in die Debatte z« ziehen und daran vom Präsidenten gehindert werden. Nach dreimaligem Ordnungsruf würde der Präsident dann die Frage an das Haus richten, ob dieses den Redner noch weiter hören will. Schlössen sich dann die Frei­sinnigen nicht den Konservativen an, so wäre die Sprengung des Blockes herbeigeführt und der Rücktritt des Fürsten Bülow sei unvermeidlich.

In dasselbe Horn stößt die nationalliberale ,Rö In. Ztg/ Sie führt genau denselben Gedanken wie das konservative Blatt aus und zittert vor einer Präsidentenkrisis und dem Auseinanderbrechen des Blocks:

Wenn der Block vergangen sei und Herr Spahn als Präsident unter dem Sedanbilde thront, dann werde das deutsche Bolk, seit zwei Jahren erst vom Zentrumsdrucke befreit, nach den Schuldigen fragen, und das schönste papierne MinisterverautwortlichkeUs- gesetz und die beste Abänderung der Geschäftsordnung werde das Schnldkonto nicht begleichen. Dann werden die Schuldigen hören müssen, daß eine kühne Politik des Reichskanzlers es vermocht hat, dem Liberalismus Macht zu geben, daß aber die Freisinnigen diese Macht nicht sesthalten konnten.

Herr Spahn als Präsident — das wäre aller­dings gräßlich! Vermutlich werden diese Moral­predigten von links und rechts ausreichend ein­schüchternd auf die Freisinnigen wirken. Bestehen sie am Mittwoch die Blockprobe, so hofft die ,Kreuzzeilung', daß sie sich auch bei der Reichs« finanzretorm „positiv betätigen" werden. Wer im Block bienen will, darf eben nicht immer bloß das kaudinische Joch ausstellen, er muß auch selbst hindurch.

da sie mit ihnen aus künstlerischen Gründen nicht einverstanden sind. — Wie uns dazu noch gemeldet wird, wird demnächst eine Sitzung ab­gehalten, um sich mit den Bildern zu beschäftigen. Es ist nicht ausze chlosten, daß die Bilder eine Ablehnung oder Abänderung erfahren, da sie zu ihrem Nachteil ganz anders ausaeführt sind als die ursprünglichen Skizzen. Zudem wird von vielen Abgeordneten beanstandet, daß die französische Trikolore im Staub liegt, weil das das Empfinden der Franzosen verletze. Bis jetzt sind die Gemälde noch nicht vom Reichslag übernommen worden.

(*) Ein teueres Kaiser-Interview Ein demokratisches Berliner Montagsblatt schreibt:

„Zwei Wochen sind verstrichen, seitdem wir mit­teilen konnte», daß das Auswärtige Amt für die Unter­drückung des Hale-Jnterviews 200000 Mark gezahlt habe. Unsere Nachricht ist in einen sehr großen Teit der Preffe des In- und Auslandes übergegangen. Rur die sonst so ableugnungsfrohe Llorddeulsche Allgemeine Zeitung^ hat sich aus geschwiegen. Ein sehr be­redtes Schweigen!"

Uebermäßig billig ist der „deutschfreundliche Ausländer', dem allerhöchste Unterredungen ge­stattet wurden, bei feinen „Geschäften" danach gerade nicht.

D Wie bei uns gespart wird. Bor einiger Zeit ging eine Mitteilung durch die Preffe, wo­nach der Oberkandesgerichtspräsident von Düs sel- darf, feine Stellung aufgegeben und seine Ver­setzung erbeten hat, weil das neue Wohnungs- gebäude des dortigen Oberlandesgerichts- präf ident en so luxuriös gebaut ist, daß die Führung eines „anständigen" Haushaltes darin mehr als das Gehalt des OberlandesgerichtS- präsidenten verschlucken würde. Jetzt wird ein ähnlicher Fall aus Danzig berichtet. Dort haben ein paar geheime Oberbauräte aus dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten dem Re- gierungspräsidenleu eine Dienstwohnung gebaut, ähnlich der in Düffeldorf. Der Regierungs­präsident bezieht 12 000 Mark Gehalt und 'es wird nachgerechnet, daß die Unterhaltung des für eine derartige Wohnung notwendigen Ge­sindes allein schon die Hälfte deS Gehalts des Regierungspräsidenten verschlucken würde. — Das Wohnungsgeld des Regierungspräsidenten stellt sich auf 1800 Mark. Das Gebäude kostet dem Staat mindestens das zehnfache an Unter- Haltungs- und Verzinsungskosten!-Heber diese Art „altpreußischer Sparsamkeit' wird man sich im Landtag wohl noch unt-rhalten.

Eine polnische Versicherungsgesellschaft „Pcttiya" ist in Polen gegründet worden. Ihre Gründung erfolgte auf Anregung des Prälaten Wawczynrak, des Führers des polnischen Gr- nossenfchastswesens. Sie wird mit einem Kapital von 2 Millionen Mark in Form einer Aktien­gesellschaft gegründet werden, das eventuell auf 6 Millionen Mark erhöht werden soll. Diese Versicherungsgesellschaft, zunächst als Feuerver- sicherungsgesellfchaft (Real- und Mobiliarver- sichcrung) gegründet, wird allmählich sämtliche Zweige des Versicherungswesens aufnehmen: Lebens- und Unfallversicherung, Versicherung gegen Hagel und Transportschäden, Glasver- sicherung usw. Beherrschten bisher die deutschen Bersicheruugsgesellfchasten daS gesamte Ver- stcheruvgsgefchäft im Osten, so entsteht ihnen in dem neuen polnischen Versicherungsunternehmen die gefährlichste Konkurrenz. Darob große- Ge­zeter bei den Hakalisten. Wenn man der Sache etwas näher auf den Grund geht, findet man, daß die Frage der Gründung dieser Lebensver­sicherung für die Hakatisten in diesem Falle mehr eine Geld- denn eine „nationale" Frage ist. Der Allarmruf in der hakatifiischen Preffe ist nämlich von der Zeitschrift für Versicherungswesen aus­gegangen. Es handelt sich also lediglich darum, daß die deutschen Gesellschaften die Konkurrenz der Polen fürchten, deshalb wird die polnische Versicherung als ein staatsgefährliches Unter­nehmen hingestellt. Das Geld der Polen möchte man wohl haben, aber vor einer Gleichstellung dieses atmen Volkes will man nichts wissen. Das ist echt liberal und echt hakatistisch!

* Der Verband mittlerer Post- und Tele­graphenbeamten hat für den 3. Dezember in Berlin einen außerordentlichen Berbandstag zwecks Stellungnahme zur Besolvungsvorlage der Reichsbeamten einberufen. Im Anschluß an den Berbandstag wird eine große Versammlung der Perbandsmitglieder stattfinden, zu der alle Reichs- tagSabgeorvneten der bürgerlichen Portern ein« geladen worden sind.

r. Bon der Bürokratie erzählt oas ,Berl. Tagebl/ ein neues Stücklein:

Den Vereinen der alten sch'e?wig-holsieinischen Kriegsveteranen vom Jahre 1848/&1 ging kürzlich eine Beifügung zu, wonach st» die erhaltene Genehmigung zur Führung ihrer Fahnen nachweisen sollen. 60 Jahre nach der Erhebung der Herzogtümer wird den jetzt 80 bis 90 Jahre alten Männern, die in patrio­tischer Begeiftenmg damals znr Befreiung Schle wiq- Holsteins zu den Waffen gegriffen, plötzlich zugemutet, fein säuberlich sich darüber auszuweisen, ob sie wohl auch die den Behörden nötig erscheinende Berechtigung zur Führung ihrer Fahnen in den schleswig-holsteinischen Farbe» hübsch schwor auf weiß erhalten haben. Na­türlich ist ein solcher Nachweis nicht zu erbringen, well eben bei Anschaffung der Fahnen in den Farben, unter denen st« gekämpft und geblutet, von denen Beteranen di, Emholimg einer solchen Genehmigung vo» niemand »erlangt worden ist. Seit Jahrzehnten find sie Mobeeeftanbet und in Ehre» geführt worden, den arößte» r«tl der Bereinsmitalieder deckt bereits

der grüne Rasen, und nur klein ist das Häuflein der alten Herren, die heute sich noch um die alten Banner fdinten können. Jetzt mit einmal erinnert man sich am grünen Tisch mit Schrecke», daß nach Schema F. zur Führung dieser Fahne mich eine Genehmigung er­forderlich sei.

Man kann es dem ,Berliner Tagebl/ nicht verdenken, wenn es verlangt, daß endlich in unsere Verwaltung ein ernster und ernst zu nehmender Geist einzieht.

* Altenbeken, 30. Nov. 1908. Gestern fand hier der Zentrumsparteitag sür den Regiemngs- bezirk Minden unter dem Voisih desAbg. Herotd statt. Domprediger Druffel-Münster sprach über Politik und Religion, P>vf. Dr. Weskamp- Dorsten über die Bedeutung des Zentrums sür das öffentliche Leben.

* Meiningen, 30. N«v. 1908. Das Meininger Staatsmimsterir.m bat die Einführung des staats­bürgerlichen Unterrichts an den höher» Schulen angeordnet.

Ausland.

** Die .Norddeutsche Allg. Ztg/ und Lord Roberts. Die Norddeutsche widmet in ihrer letzten Wochenrundschau der mehrerwähnten Rede Lord Roberts einige Zeilen und erklärt, nachdem sie das unsinnige Geschwätz von einer liebet» flügelung des englischen Fkottenbaues zurück­gewiesen :

Besondere Ueberraschung hat in Deutschland die Behauptung Lord Roberts hervorgerufen, es könnte aus Deutschland ein Laudungskorns von 200000 Mann nach England gebracht werden. Wae glauben versichern zu lönnen, daß es in ganz Deutschland keine sür militärische Dinge kompetente Persönlichkeit gibt, die die Ausführung eines derartigen Abenteuers für mög­lich hielte. Das Gespenst emeS derartigen Einbruchs geht seit Jahren jenseüs des Aermelkanats um und hat nicht wenig dazu beigetragen, in England politisch un­erfreuliche Stimmung pr wecken.

Das halbamtliche Bialt erklärt eS für be- bäuerlich, daß ein Mann von der Bedeutung des hervorragenden britischen Heerführers zur Unterstützung seines Verlangens, England mit einem starken Heere auszuftatten, Eventualftäten herangezogen hat, die nicht nur polüifch, sondern auch militärtechnisch unausführbar sind.

* Ter englische Kriegsminister Haldane hat sich in einer Rede zu Cambridge gegen Lord Roberts' Ausführungen im Oberhause über die Möglichkeit eines kriegerischen Einfalls gewendet. Er sagte, die Möglichkeit einer Invasion fei auf das eingehendste geprüft worden, und zwar nicht nur von der Regierung allein, sondern zusammen mit Armee- und Marineojfizieren. Man habe mit Genugtuung festgestellt, daß eine derartige Expedition unm ö glich ohne rechtzeitige Kenntnis der englischen Regierung ins Werk gesetzt werden könne, solange England die Seeherrschast be- Haupte. Man möge sich hüten, die Verteidigungs­kraft des Langes bis zu einem Grade auszu­dehnen, der über das Notwendige hinausginge nnd die Erhaltung einer starken Flotte gefährden könne.

* China will, gleich den Kukturnationen, nicht länger ohne Verfassung sein. Vorder­hand ist ein diesbezüglicher Entwurf veröffent­licht worden. Nach demselben erklärt der je­weilige Monarch Stieg und Frieden; ohne seine Genehmigung ist kein Gesetz giktig. Im äußersten Notfall kann er die Rechte des Volkes be­schränken. Das Parlainent zerfällt in zwei Kammern. Es kann nur beraten, aber keine Gesetze machen. Das Wahlrecht vertieren Leute mit schlechtem Betragen, eigennützige und ge­walttätige Menschen, Bankerotteure, Leute, die nicht lesen und nicht schreiben können und solche von zweifelhaftcr Abstammung. Die Wahlen zu den Parlamenten finden erst 1916 statt.

* Tie Revolution auf Haiti hat weitere Fort­schritte gemacht. Der aufständige General Simon hat den Regierungstruppen unter dem Kriegs­minister Celestrn Ciriaque in vierstündiger Schlacht eine schwere Niederlage beigebracht. Ci- riaque verlor alle Geschütze sowie 300 Tote und Verwundete und flüchtete ind as deutsche Konsulat zu Miragoane.

volkswirtschaftliches und Soziales.

* Dritter sozialer Kursus für Handwerker. Schon zweimal, 1906 und 1907, hat der Volks­verein sür dos katholische Deutschland so-iale Kurse sür Handwerker an feiner Zentralstelle in M.-Gladbach abgehalten. Während der erste Kursus nur acht Tage umfaßte, erstreckte sich der zweite auf 14 Tage. Es hat fich aber gezeigt, daß es für den Handwerker mit großen Schwierig­keiten verbunden ist, sich auf 14 Tage von feinem Geschäft sreizumachen. Deshalb soll der dritte Kutfus auf acht Tage beschränkt werden, und zwar soll er stattsinden in der Zeit vom 7. bis 13. Februar 1909 im Dortragssoale des Volks- vereinshauies zu M.-Gladbach. lieber die Not­wendigkeit dieser Kurse für das Handwerk kaum ein Zweifel mehr bestehen. Fehlt es doch an geeigneten Männern, die in der Handwerker- dewegung eine leitende Stelle einzunehmen be­fähigt sind. Aufgabe der sozialen Kurse ist es, solche Führer für die Handwerkerbewegung heran- zuziehen. Bei dem großen Umfange der in Be­tracht kommenden Handwerkersragen ist es ganz unmöglich, in so gedrängter Zeit die einzelnen Details zu behandeln. ES muß vor allem darauf ankommen, das allgemeine Verständnis für

wirtschaftliche speziell sür Handwerkerfragen zv wecken und den Gesichtskreis deS Handwerkers zu er­weitern. Eingehend werden behandelt werden bie wichtigsten Erscheinungen der Gesetzgeburig und der Selbsthilfe, Gewerbeföroerung durch Staat und Gemeinde, Berufs- und soziale Bildung. Das Studium von Detaiksragen wird dann den Kurfurslellnehmer um so leichter werden. Für einen nutzbringenden Besuch des Kursus empfiehlt sich, daß dir Kursusteilnehmer sich schon vorher mit dem Inhalt der sozialen Tagess ragen des Volksoereius: „Handwerkerfragen" und „Hand­werkerinnungen vertraut machen.

Entsprechend dieser Anlage des Kursus sind als Teilnehmer vor allem jene Handwerker ein» geladen, die schm selbständig zu werden beab­sichtigen und gewillt find, in der Standesbe- wegung der -Handwerker an leitender Stelle mit» zuwirken. Gebühren für die Teilnahme an dem Kurfusrverbennicht erhoben. Den Hondwer kerkorpo- tationen (Gesellen-, Meister», Handwerkervereinen, Innungen utw.) ist jedoch dringend zu empfehlen, für die Auslagen und den Ausfall an Verdienst tüchtigen, strebsamen und gemeinnützig denkenden Handwerkern Ersatz zu bieten, um diesen so dir Teilnahme an bem Kursus zu ermöglichen bezw. zu erleichtern.

Anmeldungen find möglichst bald, fpäiefietiS bis zum 15. Januar 1909 an die Zentralstelle des Volksverein- in M. Glabbach zu richten, di« zu alle« wetteren Auskünfte« gerne bereit ist.

Aus Kirche und Schule.

* Die Erkrankung des Papstes.

Die ,Köln. Volksztg/ meldet vom 30. Nov.: Rach der Angabe von verschiedenen Prälaten der nächsten Umgebung des Papstes hustet der Heilige Vater unter Begleitung leichter Fieber erschemun- gen. Angesichts des Alters des Papstes haben die Aercke Besorgnis vor Komplikationen, welche bis jetzt Mcklicherweife nicht eingetreten sind. Vorderhand wurde Bettruhe verordnet. Heute hat der Papst einige Stunden geschlafen und fühlt dadurch etwas Erleichterung.

Ein neueres Telegramm meldet:

* Rom, 30. Nov. 1908. Gestern und heute empfing der Papst, bet leicht erkältet ist, ben Besuch seiner Aerzte. Der Gesundhettszustand bietet zu Besorgnissen keinen Anlaß.

Stadtverordneten-versammlung.

** Fulda, 1. Dezember 1908.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung nahmen 21 Mitglieder deS Kollegiums, HerrSchlachthosdirektor Dr. Lem gen und Herr Stadtprobator Wohlgemuth keil. Der Magistrat war durch Herrn Stadtbaurat Schirmeyer vertreten. Den Vorsitz führte der Stadtverordneten - Vorsteher, Herr Justizrat Gegenbaur.

1) Beschaffung des Kommentars Dr. An­toni zur Städteordnung für die Mitglieder der Stadtverordneten-Bersammlung. Die Ver­sammlung bewilligte hierfür 148.70 Mk.

2) Rechnungsprüfungen. Der Zuwachs der städtischen Sparkasse betrug im Jahre 1906 3697323 $IL, im Jahre 1907 2 064545 Mk.; zurückgezogen wurden in 1906 1 411886 Mk., in 1907 2217645 Mk. Der Ausfall beträgt 1907, die Zinsen eingerechnet, 138 786 Mk., die Gesamteiunahme beträgt 6 384669 M., die Ge­samtausgabe 6 334694 Mk., der Kaffenbestand 50475 Mk., der Gewinn 34524 Mk., die lleber- zahlung 6273 Mk. — Dir Einnahmen des Wasserwerkes betragen 264109 Mk., die Ausgaben 252 4*0 M., der Bestand ist 11 628 Mark, der Reingewinn 13 486 Mk. — Das Vermögen der Generalarmenkasse, das jetzt 429 618 Mk. beträgt, hat sich um .381000 Mk. vermehrt; die Ausgaben betrugen 43 598 Mk.; 331 Partien würben unterstützt. — In der Schlachthofrechnung beträgt die Gesamt­einnahme in den 14 Monaten seit Eröffnung 83817 Mk., die Gesamtausgabe 75 883 Mk., verbleibt ein Kaffenbestand von 7934 Mk. Ta der Kassenbestand im vorigen Jahre 12 677 M. betrug, ergibt sich eine Ueberzahlung von rund 4 00 M., sie ist in der Hauptsache verursacht durch eine Mehrausgabe von 3600 Mk. für Kohlen, durch geringeren Erlös aus Eis und größeren Waffer- verbrauch. Die Rechnungen wurden seflgestellt und Entlastung erteilt. — Bei der Erörterung der Rechnung des Wasserwerks teilte Herr Bau­tat Schirm eyer auf Anfrage mit, daß der m der Frankfurter Straße eingebaute Wassermesser, abgesehen von unbedeutenden Schwankungen, regelmäßig denselben Wafferdurchlaus von 1900 Kubikmetern angezeigt habe, der am Sammelschacht in die Leitung einströmt. Die Quellen haben auch in der Trockenpetiode die Rohrleitung stets vollständig gefüllt und es blieb immer noch ein lleberschuß vorhanden. Am wenigsten wurde die Psaffenquelle durch die Trockenheit beeinflußt. Bei der Rechnung des SchlachthofeS bemängelte Herr Sunkel das Defizit von 4000 Mk. Der geringere Erlös aus der Eisabgab« sei erklärlich, wett die Metzger fast alle Kühlzellen haben und infolge deffen daheim weniger Eis brauchen.