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«scheint tSglich mit Ausnahmr Set $o.rt!= ««bFeiertogt Dkrftb jährliche ^ernzrpresz ohne «rinscrlsh« und vestrllgrld in Fulda ss- wrausivärtrl 5081t

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woch-nbciiae-- ..Ivuttrierte Sonntagsjcitung"

Zeitung

Mnaisb-Nage: „Sulbaer Geschichtsblätter"

leieltte: Ne d» fpdtige petttzeüe oder deren Baue 15 Pfg. Reklamen diepetitzeil« 25 Pfg., bei Wied«» Holungen wird rntspr. Rabatt gemährt.

Sstationrdruckund V«lagd« Fulda« Rk» ttendnttkerei in Fulda Ferusprrch«Rr.9.

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Fulda, Dienstafl deu 17. November lO08.

35. Jahrqailq.

^wertes Mlcrlt.

X Zur Reichsfiuanzresorm.

Tem Reichstag sind jetzt die ersten zwei Bände der ini Reichsschatzamt zusammengestellten Mate­rialiensammlung zur Begründung der Reichs- finanzresürmvorlage zugegangen. Band I behan­delt die historische Entwicklung und. den gegen­wärtigen Ausbau des deutschen Fmanzwcsens auf 840 Seiten, Band II die Finanzen der wich­tigsten fremden Länder. Dieser Band umfaßt 450 Seiten. Mit der Veröffentlichung dieses um­fangreichen Materials soll ermöglicht werden, eine breiteste Unterlage für die in den nächsten Mona­ten zu erwartende finanzpolitische Diskussion zu geben. Tie weiteren zwei Bände über die Ent­wicklung des Wohlstandes in Deutschland sowie über die Zusammenhänge zwischen dem öffentli­chen Schuldenwescn und dem Kapitalmarkt wer­den dem Reichstag im Laufe der nächsten Woche noch zugehen. Die verspätete Veröffentli­chung der Denkschrift entschuldigt das Reichs- fchatzamt nach der „Voss. Ztg." damit, daß cs der Reicksdruckerci aus technischen Gründen nicht eher möglich sei, den Druck zu vollenden. Tas hätte man doch aber auch vorher wissen können. So beginnt nun am Donnerstag die 1. Lesung der Finanzvorlagen, ohne daß es den Abgeordneten möglich gewesen wäre, die wichtigen Denkschrif­ten durchzuarbeiten.

Ter Erfinder des Gasglühlichtcs Dr. Karl Freiherr Auer von Welsbach hat der Redaktion des Fackblattes „Metallindustriclle Rundschau" aus Wunsch seine Ansicht über die geplante Gas- gl ü h ll r u m p f st e u e r dahin ausgesprochen, er halte c:ne Besteuerung der Gasglühlichtindustrie für höchst bedenklich, denn das Gasglühlicht fei heutzutage kein Luxuslicht mehr, sondern vorwie­gend das Licht kleinerer Arbeits- und Betriebs­stätten, das Licht des Minderbemittelten, wirt­schaftlich Schwächeren und als solches für diesen ein unentbehrlicher Konsumartikel. Daß die viel­fach auf den Export angewiesene Gasglühlicht- tzndiistrie Deutschlands durch eine Glühlichtsteuer großen Schaden erleiden werde, liege auf der Hand.

In der Brauereiindustrie macht sich allenthal­ben eine lebhafte Bewegung gegen die von der Negierung in Aussicht genommene neue B rau­st e u c r bemerkbar. Neben den Unternehmern machen jetzt auch die Arbeiter mobil. Der Vor­stand des Zentralverbandes deutscher Braucrei- arbeiter veranstaltet in allen größeren Städten Deutschlands Protestversammlungen gegen die Regierungsvorlage.

Nach der dem Reichstage zugegangenen Sy- dowschen Tabak st euervorlage soll die Höbe der Tabakverbrauchsteuer betragen: für je 1000 Zigarren im Werte bis zu 4 das Stück 4 «4t, von über 4 bis 7 3 <4t, von über 7

bis 13 4» 16 «4t, von über 13 I bis 25 I 32 «4t, von über 25 I bis 50 „8 64 «4t, von über 50 I 96 «4t. In der Begründung wird gesagt, der Ab­satz von Zigarren von über 15 <3 das Stück be­trage einviertel Prozent vom Gesamtumsatz; für das Ergebnis der Steuer ist es also ganz bedeu­tungslos, wie hoch man die Zigarren über 15 belastet. Ter Massenkonfum muß dem Reiche die gewünschte Mehreinnahme von 77 Mill «11 bringen und dieser beträgt nach der Vorlage für alle Zigarren bis zum Kleinverkaufspreise von 7 das Stück 92Prozent des Gesamtkonsums. Die Belastung soll nach Prozenten berechnet bei diesen Sorten 10—14 Prozent betragen. Auf dem Papiere stimmt die Rechnung — in Wirk­lichkeit wird sie eine ganz andere sein. Nehmen

wir zunächst einmal die Vierpfennig-Zigarren. Der Händler, der seinen Kunden ein einigerma­ßen brauchbares Fabrikat bieten will, zahlt dafür 30 «4t pro Mille. Rechnet man nun lediglich die reine Steuer, ohne Spesen und Verzinsung des angewandten größeren Kapitals für den Fabri­kanten, so kostet die bisherige 30 ^-Zigarre plus 4 «4t Steuer, 34 «4t. Der Händler kann sie nicht mehr für 4 verkaufen, fonbern muß im Detail 5 .z dafür haben. Für die Fünfpfennig-Zigarre beträgt die Steuer ober 8 «4t, die 30 „^-Zigarre wird also um 8 «4t versteuert und ist deshalb schon nicht mal mehr als Fünf-Pfennig-Zigarre zu betonieren, denn für die 5 Pfenmg-Zigarr-m zahlte ber Händler bisher nur 35—36 «4t. Die bisherige Vier-Pfennig-Zigarre kann also nicht mal verkauft werden, oder das Fabrikat muß verschlechtert werdens Da kann man es wobl ver­stehen, wenn unbefangene Kenner des Tabakge­werbes sich dahin äußern, daß durch ein derarti­ges Gesetz der Tabakkonsum einen enormen Rück­gang, namentlich in Zigarren erfabren^müsie und die Entlassung von mindestens 40—50 000 Ar­beitern unausbleiblich lei. Die Interessenten ta­deln an dem Entwürfe insbesondere auch, daß er den wenigen Großbetrieben der Fabrikation und des Detailhandels weniger Eintrag,mn, da­gegen die Existenz der mittleren und kleinen Ge­schäfte vollständig untergraben würde.

Deutsches Reich.

* Katholischer Lehrerverband und Besol­dungsvorlage. Gleich dem Preußischen (freien) Lehrerverein hielt auch die preußische Abteilung des Katholischen Lehrerveibandes, der über 17 000 katholische Lehrer Preußens angehören, in den letzten Tagen in Berlin eine Delegierten« Versammlung ab, um zu dem Entwurf zur Ab­änderung des Lehrerbesoldungsgesetzes Stellung zu nehmen. Vertreter hatten entsandt die Ver­eine Brandenburg-Pommern, Ermland, Fulda, Hildesheim, korben, Osnabrück, Rheinland, Sachsen, Schlesien, Westfalen, Westpreußen und Wiesbaden. In neunstündiger Verhandlung kam man zur Annahme folgender Sätze:

Die in Berlin versammelten Vertreter der katho­lischen Lehrervereine Preußens verkennen nicht, daß nach dem Entwürfe zur Abänderung des Lehrerbefol- dungsgesetzeS viele gering befotbete Lehrer eine wesent­liche Erhöhung ihres Einkommens erhalten sollen. Zugleich aber stellen sie mit Bedauern fest, daß Tauiende von Lehrern leine Aufbesserung er­fahren, vielmehr sich nur dadurch gegen eine Herab­setzung ihres Einkommens schützen können, daß sie sich der Gehaltsordnung des neuen Geietzes nicht unter­werfen. Tie Vertreter bestreiten enlfchieden, daß die vorgeschlagenen Lehrergehäiter a) dem Grundsatz Rech­nung tragen, das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen müsie der Vorbildung und fokalen Stel- lung der Lehrer, sowie der Wichtigkeit und Schwierig­keit des Lehrerberufes entsprechen; b) daß sie aus­reichen, den Beterligten die Führung eines angemessenen Lebensunterhaltes zu ermöglichen; c) daß sie die ge­steigerten Teuerungrverhättnisie berücksichtigen; d) daß sie b llige Rücksicht nehmen auf tue Gehatteverhältniffe der unmittelbaren und mittelbaren Staatsbeamten. Wir erbitten eine wesentliche Erhöhung des Grundgehaltes über die Bestimmungen der Vorlage hinaus. Die Gewährung von Ortszutagen muß allen Gemeinden gestattet sein. Die Ortszu­lagen dürfen in ihrer Höhe nicht beschränkt werden, bis die Gleichstellung mit den Sekretären der allgemeinen Staatsverwaltung erreicht ist. Dte Be­messung der Zulagen darf nicht mechanisch nach der Ei wobnei zahl. sondern muß nach Maßgabe der wirt- schastlichen Verhältmsse für zusammenhängende Ver­kehrsbezirke gleichmäßig stattfinden. Dte ersten und alleinstehenden Lehrer sollen eine Funktionszulage er­halten. Solange das Grundgehalt der Sekretäre der allgemeinen Staatsverwaltung nicht erreicht ist, soll

dem Lehrer in den ersten vier Jahren das volle Grund­gehalt gewährt werden. Das Einkommen aus dem Kirchendienst darf nicht in das Lehrergehatt emaerechnet werden. Wir erwarten eine wesentliche Verbesierung der Alters,ulaqen durch Erhöhung der bett. Bezüge, durch zweckmäßige Abstufung der einzelnen Bezüge und durch Abkürzung der Wartezeit des Höchstgehaltes auf weniger als 31 Jahre. Die Dienstzeit an Privat- schulen, welche nach dem Lehrplan der öffentlichen Volksschulen imierrichten, ist anzurechnen ohne Ver­bindlichkeit des betr. Lehrers an die Alter-,ulagekasse Als Mietentschädigung werden a em angemessenes Wohnungsgeld gewährt, das als ausreichende Ent­schädigung für die betr. Wohnung angesehen werden kann; b) die Festsetzung soll nur durch Anhörung der Lehrer geschehen; c) unverheirateten Lehrern soll das Wohnungsaeld nicht gekürzt werden. Die im Gesetz­entwurf geforderte Annahme-Erklärung soll widerruflich sein. Sämtliche Dienstsahre sollen bet Bemessung des Alters,ulaaenalters angerechnet werden. Wir wünschen eine gesetzliche Regelung ber Gehaltsverhältnisse der Mittelschullehrer. Es ist unter lebhafter Wun'ch, daß man den vor dem 1. April IW pensionierten Lehrern die Wohltaten des neuen Gesetzes zuteil werden lasse.

* Heber „die Hofjagdreviere' und den finanziellen Effekt, den sie auf das wirtschaftliche Ergebnis unserer Forstverwaltung ausüben, gehen dem Berl. Tagebl. einige mtereffante Mitteilungen zu. Es bandelt sich um das ostpreußische Hofjagdrevl«, die Oberförsterei Rom int en. Während die übrigen Oberförstereien des Regierungsbezirks Gumbinnen nach den amtlichen statistischen Nachweisungen im letzten Rechnungsiahre einen Reingewinn von 13 Mk. 81 Pfg. pro Hektar gehabt haben, schließt die ge­nannte Oberförsterei mit einem Defizit von 14 Mark 31 Pfg. pro Hektar ab. Die demnach sich ergebende Differenz von 28 Mk. 12 Pfg. pro Hektar ergibt auf die Gesamtfläche der Oberförsterei berechnet, die stattliche Summe von mehr als 160000 Mk. Tas ist aber, wohlgemerkt, nur der lechnertKhe Bar­verlust. Dazu kommen noch die ungezählten und umäblbaten Werte, die verloren gehen durch die ausschließlich auf den Zagdzweck zugespitzte Wirt­schaftsform. Man darf ohne weiteres annehmen, daß bei den anderen Hofjagdrevieren die Dinge nicht anders liegen. Und doch würden allein die 160000 Mk., die in dieser einen Obersörsterei Rammten verloren aehen, genügen, um den jahrzehntelangen Jammer der unteren Forst beamten der Monarchie aus der Welt zu schaffen.

* Bochum, 15. Nav. 1908. Zu den hiesigen Stadtverordnetenwahlen erläßt das Pres­byterium der evangelischen Kirchengemeine Bochum folgende Erklärung:

„Mit großem Bedauern haben wir erfahren, daß bei den jüngsten Stabtverordnetenwablen evange­lische Männer, auch solche, die zu Hütern und För­derern evangeliich-vrotestaniifchen Bewußtseins berufen wären, den Kandidaten des Zentrums ihre Stimmen gegeben haben. Die liesaehenbe Entrüstung, die unserer Gemeinde dieserhalb sich bemächtigt bat, verstehen und teilen wir durchaus, da wir roifien, daß das Zentrum eine ausgesprochen konfessionell-katholische Partei ist und nut der Kirche ber Reformation niemals einen bauernden Frieden schließen wird. Wir bilten unsere Gemeindeglieder ernstlich unb dringend, bei aller Frei­heit der Betätigung ihrer politischen Anschauung doch allzeit deffen ein gedenk zu bleiben, waS sie unserer evangelischen Kirche danken und schuldig sind."

Jede Bemelkung zu dieser Kundgebung würde beten Eindruck abschwächen. Die Erklärung ist ein sprechendes Beiipiel, auf welcher Seite Religion und Politik vermengt wird.

* Kaiserslautern, 15. Nov. 1908. Bei der heutigen Lanblagsersatzwahl siegte der Sozialist Joh. Hofs mari n mit großer Mehrheit über den Kandidaten der vereinigten liberalen Parteien. Das Zentrum halte strengste Wahlenthaltung gefordert.

Ausland.

* Tast und die katholische Kirche. Die Stel­lung des neuen Präsidenten von Amerika, Tast, zur katholischen Kirche beleuchten wohl am besten die Worte, die er in seiner Rede am 21. April b. I. im Carnegie - Saale zu New-York sprach: „Ich muß gestehen, baß ich früher mit Vorur­teilen gegen bie auswärtigen (katholischen) Mis­sionen erfüllt war. Nachdem ich aber im fernen Osten war (auf den Philippinen) unb das Zwili- saiionswerk, das die Miisionen dort ausüben, gesehen habe, bin ich anderer Meinung geworben. Niemanb kann bie Bewegung ber mobetnen Zivi­lisation vom unparteiischen Gesichtspunkte aus studieren, ohne zugleich zu bemerken, baß bie Hoffnung einer mobernen Zivilisation aus dem Christentums begründet ist. . ." Hierauf lobte er die katholischen Missionen, die bereits seit 1575 auf den Philippinen tätig seien, und hob hervor, daß die katholischen Missionäre die Einwohner nicht nur zu idealen Christen herangebildet, son­dern auch in den Künsten und Gewerben des Friedens unterwiesen hätten. Tast beschloß seine damalige Rede mit der Erklärung, die Regierung müsie die katholische Kirche in ihrer hervorragend zivilisatorischen Arbeit auf den Philippinen unter- stützen. — Wir hoffen, daß die Taten des neuen Präsidenten feinen früheren Worten entsprechen.

Aus Kirche und Schule.

* Stuttgart, 14. Nov. 1908. Der König hat an Den Papst Pius X. zum 50jährigen Priesterjudiläum ein Glückwunschschreiben ge- richtet, da- dem Papst bei der offiziellen Feier durch den preußischen Gesandten überreicht wer­den wird.

Aus dem Nachbargebiet.

f:] Hilders, 15.Nov. 1908. Die diesjährigen großen Hervstübungen deS Feuerwehr- Bezirkes HilderS, an denen sich die Wehren von hi« mit 180, von Simmershausen mit 96, von Wickers mit 34 und von Batten mit 25 Mann beteiligten, sanden gestern unter dem Oberkom­mando deS Kieisbrandmeisters Möller da! ter statt. Unter dem klingenden Spiele der Feuer­wehr-Kapelle rückten die sämtlichen Mannschaften im geordneten Zuge nach der Auerwiese ab. Hier wurden Schulübungen mit Geräten und Marsch- Übungen mit und ohne Geräte in reicher Ab­wechselung vorgenommen. Plötzlich ertönte das Feuersignal und nach Verlauf von nicht ganz 3 Minuten waren bereits 4 Hydranten und 5 Spritzen in voller Tätigkeit, um den markier­ten Brand, d« in dem Hause deS Henn Posthal- kers Kreuzer ausgebrochen war unb sich schnell üd« die Nebengebäude erstreckt hatte, auf seinen Herd zu beschränken. Sämtliche Uebungen wür­ben mit großer Akkuratesse ausgeführt und legten Zeugnis davon ab, daß sich die Feuerwehrmann- schasten ihrer Pflichten im Ernstfälle voll und ganz bewußt find. Mit einem schneidigen Marsche durch die Hauptstraße bei Orte- erhielten bie Uebungen ihren Abschluß.

* Orb, 15. Nov. 1908. Die hiesige Bäcker- itnb Müllerzunft feiert um Weihnachten das Fest ihres 250jährigen Bestehens.

♦ Wiesbaden, 13. Nov. 1908. In dem, Büfett de» Kasino- wurde ein Mann, in tiefem

Z-ymttr, der Kosak.

Don Marcel Etienne.

60} ('Nachdruck verboten.)

Durch die kleine Türe, die von der Sakristei zum Altäre führte, war der alte Herr Bychowski, feine Sohne und seine in Tränen aufgelöste Gat­tin in die Kirche eingedrungen. Bei ihrem An­blick stieß Marynia einen Schrei der Erlösung aus, erhob sich und eilte mit dem Kinde auf den Armen auf die Eltern zu und brach zu Füßen ihrer Mutter ohnmächtig zusammen. — Ter Scküoßhcrr von Kruto Hoiby aber streckte seinem Jugendfreunde beide Arme entgegen; die Freude schien ihn verwandelt, um viele Jahre verjüngt in buben. Furchtlos schritt er auf ihn zu

.Mein armer Apostol! Mein geliebter Freund, Wie viele Jahre habe ich Dich beweint! Und wie finde ich Dich wiederl"

Ter Andere, der sonst so unerbittliche, kalte und stolze Watazek, War beim Laut dieser Stim- N'.e bald rot, bald blaß geworden. Dann brach ein erst kaum merklicher, bann immer wärmer und leuchtender werdender Strahl aus feinen dü- ftern Augen, und fast ohne es zu wollen, streckte er zitternd seine Arme aus und öffnete die Lip­pen — vermochte jedoch kein Wort zu sprechen. Dann begann er unter Tränen zu lächeln. Ter schreckliche Haß, ber seit so vielen Jahren sein Herz vergiftet hatte, war mit einem Male ge­schwunden. Er dachte nur mehr an die gemein­sam verlebte schöne und sorglose Zeit, — an die Tage der Freundschaft und Jugend; er fah sich wieder jung, vertraunesvoll,, geliebt — er sand einen Freund wieder I — Die Kosaken und die Männer des Torfes drängten sich hinter ihm, aufs höchste überrascht und warteten gespannt, was er wohl sagen würde:

„Stefan, mein alter Stefan! Ich bin zu- friehen. — weil ich Dich wieder habe und befon- d.xs, — weil Tu mir nicht zürnst, — Weil Du 1U mir kommst unb mir vergibst!"

Tas war die Antwort des Watazeks, das übrige, ein paar bewegte Worte, verlor sich ;n einem Schluchzen. Und die beiden alten Freunde, die so viele Jahre eine hatzvolle Feindschaft ge- trennt hatte, lagen sich weinend in den Armen. -- Die Kosaken, die über den unbegreiflichen An­blick ihres weinenden Watazeks sprachlos waren, näherten sich nicht. Ihre Wut und ihr Blutdurst begannen sich abzukühlen und die Rührung, die tiefe Ergriffenheit der beiden Greise verfehlten nicht, eine gewiffe Wirkung auf sie auszuüben, um so mehr, als sie ganz unerwartet gekommen war.

Endlich mochte sich Apoftol Czorba vom Arm seines Freundes los, strich sich mit zitternder Hand über die Augen unb sagte:

„Ich habe so viel gelitten, siehst Du, Stefan! Das ist mein einziges Anrecht an Deine Ver­zeihung! Ich habe Deinen Schwiegersohn ge­tötet, jetzt erst sehe ich das. mein Freund! Doch bist Tu, Gott sei dafür gelobt und gepriesen, noch zur rechten Zeit gekommen, um wenigstens Deine Tochter zu retten! Ich mutzte nicht, datz Deine kleine Marynia die Gatftn dieses Verbuchten war. Sonst wäre ich wohl der erste gewesen, sie zu verteidigen und zu retten. Das Geschick hat sie Tir erhalten, sie wirb an Deiner Seite neu auf- blühen und wieder lächeln lernen 1 Ich aber, ich Unglückseliger l Wenn ich in meine Wüste Steppe zurückkehre, so werde ich dort bis an mein Ende hone Liebe, ohne Familie, trostlos, einfam unb unglücklich sein.

Da legte sich eine Hand beinahe schmeichelnd auf bie Schulter be8 Watazeks, ein tiefer, güti­ger Blick senkte sich mit beinahe väterlicher Auto­rität in jenen finstern, als ob er aus diesen dü­ste rn Sternen einen Stwhl des Glücke» hervor- zaubern wollte.

Während apoftol Czorba sprach, war auch Pa­ter Marek vom Altar herabgefttegen. Sein schö­nes Apostelgesicht strahlte in Wundersamem Lichte! Im Vorbeigehen faßte er Dymitrs Hand, welche

die Axt auf die Steinftietzen hatte fallen lassen. Tann stellte er ihn dem Watazek vor, indem er auf den Greis seine Augen mit einem rührenden Ausdruck heftete, mit der heiligen Freude eines Menfchen, welcher weiß, daß es für höchsten Schmerz den süßesten Trost zu geben hat.

,.Jhr werdet nicht allein in Eure einfame Steppe ziehen, Apostol!" sagte er. „Ihr glaubtet alles verloren zu haben, Ihr habt Euch getäuscht!" Hier, dieser Sohn ist Euch geblieben. Tymitt, diesen tapferen, prächtigen Jungen hat Euch Gott erhalten!"

Bei diefen Worten des Priesters erbleichte Chorda, preßte die Hände an die Schläfen und fant in sich zusammen, als wie vom Blitze getrof- sen. Tann, als er wieder Herr seiner Sinne war, warf er sich in die Arme des alten Priesters.

„Oy," riet er mit Tränen erstickter Summe, „täuscht Ihr mich auch nicht? Ist es denn wahr. Was Ihr mir lagt? Ja, — ja, ich erinnere mich, — ich erkenne Euch wieder! Ihr wart immer ein gerechter unb heiliger Mann, Ihr könnt mich nicht belügen! — Dieser prachtvolle, schöne Bursche hier, das ist mein Sohn? So haben sie mir alio doch nickst alle getötet, die Verfluchten? So ha­ben sie mir doch nicht nur Ruinen und Gebeine in der Steppe gelassen?"

„5m Augenblick des Ueberfalles befand sich das kleinste der Kinder nicht im Schlöffe," er­zählte nun Pater Marek. „Er war in einem Weinberg der Umgebung, auf dem Arm fein« Amme. Dort streifte ihn ein Pfeil am Arme, der­selbe, welcher das arme Weib tötete. Dort wurde es auch von einem gerechten und einfachen Manne aufgelcfen, der nicht unschuldiges Blut an den Händen haben wollte, besonders nicht das d« Sckiwachen und Kleinen!--Meter brave Be-

reza, — den Tu, Tymitt, lange Zeit für Deinen Vater hieltest, den Du liebtest unb achtest. — hatte das Kind nach Human gebracht — dem Wojwo- den Potocki, der durch die Erzählung der Kosaken sogleich in unttüglicher Weise über die Abstam­mung des kleinen Knaben aufgeklärt war, ebenso

sehr durch die Kleider und Schnucksachen, die der Kleine an sich trug!"

„Nun, und dann?" murmelte Czorba, dessen Hand zitterte, indem er sie noch bem vor Aufre­gung und Rührung sprachlofen jungen Mann entgegenstreckte, der feine Tramm nicht einmal zu verbergen suchte.

„Ja dann! — So muß ich es Euch denn ge- stehen, daß der Wojwode, trotz feiner furchtbarer* Rache Euch noch immer !o sehr Hatzte, daß er dem Kinde nicht den Rang und den Besitz seines Va­ters gönnen wollte. Er nahm Bereza einen feier­lichen Eid ab, — liefe ihn in dessen Hütte und von ihm als einfachen Kofakon erziehen. .— Jetzt ist Bereza tot — ich ahnte feit langem die ganze traurige Geschichte, die mir Bereza auf dem Totenbette, als ich ihn fragte, nicht mehr abzu- leugnen Wagte. Er bat mich sogar, Dymitr zu helfen, feine Eltern Wiederzufinden!"

„So wäre es denn wirklich wahr? Ich werde nicht einfam und verbissen meine alten Tage be­schließen? Ich bin glücklich! — Aber bist Du denn auch Wirklich mein Sohn?" wandte er sich Plötzlich in angstvollem Zweifel gegen Tymitt, um in deffen leuchtendem Blick, in toinen schönen Zügen die Spuren des edlen Blutes sowie die süßen Erinnerungen der Vergangenheit, die flüch­tigen Visionen der Kindheit Wiederzufindeu!

„O Herr! Wollte Gott, daß ich Euer Sohn feil Ihr seid fo groß, so stolz und tapfer! Und Ihr liebt mich! 9hin soll ich plötzlich einen Vater haben, nun soll ich, da ich mein Leben lang ein Sklave, ein Diener, ein Leibeigener war, mit einem Male frei, frei und adelig sein! Der gute Pater Marek spricht die Wahrheit, ich kann es bekräftigenI Auf feinem Totenbett hat mir Bereza vieles erzählt, was sich mit der Erzäh­lung dieses würdigen Priesters deckt I Das ist aber noch nicht alles. Um meine Angehörigen leichter wiederzufinden, gab er mir, bevor er die Augen schloß, dies Bildnis der Madonna. Ich trug es am Halse, als er mich in der Stoppe auf­las. Erkennt Ihr es, Herr!" (Schluß folgt.)