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ÄÄi«- wochmb-llage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

35. Jahrgana

JW 250.

Gastes

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»«jti-e«: Vie et» spaltige petitzeile ober bereu Honet IS Pfz. SeCowewbiepetltjeUe 25 pfg., bet wieder, hoinngen wirb entfpr. Rabatt gewährt.

RotattonrdruSund Verlag der Lvlbaer Lt» tiexbraderei tu Fulda Fernsprecher «r. 9.

Der Verwalter, welcher fie eben wieder mit seiner Gegenwart belästigt hatte und von ihr ver­abschiedet worden war, war noch nicht weit von der Türe ihres Gemaches entfernt, als ein Lakai herbeieilte und seiner Herrin die Ankunft ihrer Brüder Stanislav und Antoni in Begleitung ihres Freundes PhadäsuS Dluski anzeigte.

Dieser unerwartete Besuch erschien der Staro- ftin wie eine liebe Unterbrechung ihrer trostlosen Einsamkeit. Sie befahl dem Lakaien, die jungen Männer sogleich eintreten zu lassen und eilte, ihnen bi» zur Schwelle ihrks Zimmers entgegen. Skandyba war einen Augenblick stehen geblieben, um die Botschaft des Lakaien zu hören. Bei Dluskis Namen überkam ihn «in plötzliches Zit­tern, dann schweiften seine Blicke nach einem Ver­stecke suchend herum. Schließlich schlich er sich geräuschlos in das Vorzimmer der jungen Frau und verbarg sich hinter einem großen Teppich, der al» Portiere biente.

Bald ertönte der Schritt der jungen Männer auf dem Parkett und Skandyba gewahrte aus seinem Schlupfwinkel mit Zähneknirschen, wie Marynia ihnen entgegeneilte und ihre Brüder fröhlich umarmte und küßte. Dann traten alle vier in da» Gemach, und die Türe schloß sich wieder hinter ihnen. Zuerst hörte man nur das verworrene Geräusch von erstaunten Ausrufen, Grüßen und Stuhlrücken. Erst nach ein paar Minuten konnte Skandyba, der sich an der Mauer entlang geschlichen hatte und nun mit vorgebeug­tem Kopf gespannt zuhorchte, deutlich einige Worte und Sätze unterscheiden, die bald mit dem Ausdruck inständiger Bitte, bald in fteberhaster Aufregung gesprochen wurden.

„Du mußt kommen, Marynia! Unser »ater verlangt ei!"

„Und unsere Mutter hat hinzugefügt: Bringt fie mir heim, Kinder!"

„Mein Gatte ist ja abwesend l?

(Fortsetzung folgt.)

Erscheint tRglich *« Aufnahme bet So.m» mb Feiertage, viertel­jährlicher vezngrpreir ohne »ringerlohn und VeßeRgelbinFulbaso. wie auswärts 1.50 Ult

verantw Redakteur: «arl Schütte;

Von Marcel Etienne.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, Donnerstap den 29. Oktober 1908.

keit entfliehen könnte, um an Deinem Herzen Trost und Hilfe zu finden!"

Skandyba fand nicht die gewünschte Anerken­nung für seine offenkundige Sorgfalt, — seine honigsüßen Worte und unterwürfigen Verbeu­gungen: die Starostin verweigerte fast stets, ihn zu empfangen, und wenn fie einmal nicht anders konnte, da Skandyba einen scheinbar triftigen Grund für seinen Besuch ausfindig gemacht hatte, so nahm fie bei feinem Anblick eine so kalte und so stolze Miene, eine so unnahbare und würde­volle Haltung an, daß er bei diesem Empfang seine gewohnte Sicherheit und Unverfrorenheit verlor und stotternd und verlegen das Gespräch aufzunehmen versuchte. Er preßte die Fäuste in­einander, biß sich die Lippen und verließ endlich enttäuscht, empört und beschämt das Gemach, in­dem er wütende Flüche und Drohungen vor sich hin murmelte I

„Ach, wie sie mich als Knecht behandelt, mit einer großen, hcxMüfigen Miene, wie eine Für­stin! — Ach, wenn sie wüßte, waS sie erwartet! Aber ihr Lo» ist gefallen und mein Triumph ge­wiß! Und so bald schon! . . . Noch ein paar Tage! — Ach wie ich siedann unter meine Füße treten, wie ich sie vernichten will, alle, die mich gebemutigt, — und verspottet haben, — sie, die verfluchten Herren, die ich haste und verachte! — Warte nur, Du schöne, kalte Frau, noch ein paar Tage, dann werden die Arme de» verhaßten Skandvba Dich umschlungen halten und Deine Sprödigkeit soll ihm den Triumph noch köstlicher machen!"

Hätte Marynia den funkelnden, haßerfüllten und doch dabei lüsternen Blick gesehen, der diese Worte begleitete, sie hätte sich in heißer Angst gebangt um das Leben ihres Gatten und ihre» geliebten Kindes und um daS, was ihr höher und wertvoller war al» da» Leben, — ihre Frauen­ehre! —

Gegen Abend eine» schönen, klaren IunitageS saß Marynia mit ihrem Sohn auf den Knieen allein am Feustxr.

die Beziehungen der Menschen zu einander, sich mehren und ein immer innigeres Jnemandergreifen der menschlichen Tätigkeit ftotifmbet So mutz zugegeben werden. datz der Landlehrer eine für weitere Teile des Vaterlandes wichtige Tätigkeit hat. Er muß bte zukiinstiaen Soldaten vorbereiten, die künftigen Ar- beitskräfte für die Stadt. Außerdem mutz man sich vergegenwärtigen, datz die Teu erungSVerhält­nisse einen Ausgleich erfahren haben, datz eine be. deutende Annäherung von Stadt und Land stattgefunden hat. Man kann vielleicht sagen, daß auf dem Lande die Lebensmittel so teuer, wenn nicht noch teurer wie in den grötzeren Städten gevwrden find. Da-u kommen für den Landlehrer bte Kosten für Fahrten und für die beschwerliche Ausbildung feiner Kinder. Beim städtischen Lehrer kommt allerdings Sinau die höhere Lebenshaltung. Mit Rücksicht auf all? diese Gründe hat die Vorlage bestimmt, datz alle Lehrer ein einhe. tliche s GeHal t bez.ehen sol- len. n'te Frage ist nun aber bte: Ist die Besoldung, tod--be~bte Vorlage festlegt, den heutigen Lebensver- hältnissen entsprechend, und ferner entsprechend der Vorbereitung der wichtigen gesamten Tätigkeit der Leh­rer? (Sehr wahr! im Ztr.) Meine politischen Freude haben die Vorlage genau und eingehend geprüft, und dabei allerdings die Ueberzeugung gewonnen, daß daS Grundgehalt von 1 8 5 0 A, für Betret und von 1060 A für Lehrerinnen in Ge­meinden bis zu 25 000 Seelen nicht ge­nügt. (Lebh. Beifall im Ztr. und lrnks^ Ich kann mir dorstellen, daß der Minister mit der Gleichstellung da» beste gewollt hat. aber ich gebe wich doch der Hoff­nung hin, daß der Finanzministet für die Lehrer mehr Geld im Beutel hat als 30 Millionen Mark. (Lebh. Beifall im Ztr. und linkSZ Wir haben in der Rhein- Provinz eine ganze Reihe von Gemeinden, tn denen die Lehrer ein Grundgehalt von 1500 * und erne Alterszulage von 200 A beziehen, denen daS also letzt schon angemessen zu sein scheint. Wir machen daS Gesetz zum mindesten für eine Reihe von Jahren. (Sehr richtig.) Die Kommission wird naher prüfen müssen, ob die Höhe der zu gestattenden Ortszulagen weit genug ist, ob der Kreis der höheren Zula­gen weiter gezogen werden muß, und die Orte, die den anderen an Einwohnerzahl zwar nachstehen, mit der Teuerung aber gleich find, nicht auch die höheren Zulagen erhalten sollen. Das System der AlterSzu- lagen wird sorgfältig zu prüfen sein, denn es scheint nicht mehr zu genügen. (Sehr richtig im Mr.) ES wird ernstlich zu erwägen sein, ob man die höheren Sähe nicht allgemein einführen soll. (Beifall un Ztr.l Es hat seine Unzuträglrchkeiten, wenn in einem Schulverbande die bisher angestellten Lehrer, wenn sie bei der alten Besoldungsordnung bleiben wollen, mrt ihrem Gehalt über die Höchstgrenze der Novelle hin- ausgehen, und die neueintretenden Lehrpersonen mit der Höchstgrenze, also dem niedrigeren Gehalt, sich Be­gnügen müssen. (Sehr richtig!) Den Ruf habe ich be­sonders mächtig ertönen hören: „Schafft un» endlich Ruhe in der Volksschule, macht bte Gehalter glei ch." iHött, hört!) Laut und immer lauter mutz an dieser Stelle der Rus ertönen:' Schaffen sie un» endlich Ruhe, machen sie. datz unsere Schule endlich Ruhe bekommt, und macht ganze Arbeit". (Lebh. Bet­fall.) Meine Freunde sind ferner der Ansicht, datz der Lehrerinnenstand den Lehrern an Opfer- freubigfeit nicht nachsteht und die Au»führungen, die ich bezüglich de» Grundgehaltes der Lehrer gemacht habe, können auch für sie gelten. Schon jetzt Betont- men die Lehrerinnen vielfach ein Grundgehalt von 1200 A. Sie müssen so bestellt sein, datz sie sich eine tofiBH&e Hülfe nehmen können, die ihnen den Haus­halt führt. (Beifall im Ztr. und links.) Dann Wer­ben weniger Erkrankungen der Lehrerinnen, vorkom­men, und fie werden nicht so früh arbeitsunfähig wer­den. (Beifall itn Ztr.) Noch eine ganze Reihe von Wünschen und Vorschlägen ist von meinen politischen Freunden erörtert und aus Interessentenkreisen vor­gebracht worden Aber bei der ersten Lesung werden ja mehr die allgemeinen Gesichtspunkte erörtert. Er­wähnen möchte ich noch folgendes: Einer ernsten Prü­fung in der Kommission wird die Frage zu unter­ziehen fein, ob es möglich ist, allgemein,da» volle Gruitdgehalt auch den einstweilig angestell­ten Lehrkräften zu gewähren und die Erreichung des HöchstgebalteS statt mit 31 Dienstjahren schon mit etwa 25 Dien st jähren eintreten zu lassen, da doch nur etwa 13 Prozent das Höchstgehalt erreichen. Die Tätigkeit der Lehrer und Lehrerinnen ist gewach­sen. sie stellt erhöhte Anforderungen an Körper und Geist. Ter Erfolg in der Volksschule hängt haupt­

sächlich von der Person des Lehrer» ab» daS ist bie Meinung aller Pädagogen aller Zeiten. Ich meine, datz wir die Arbeitsfreudigkeit, den Eifer, bte Hingabe an beit Beruf in unseren Lehrpersonen bewahren müs- en. (Beifall.) In unserer Zeit Weitz man recht gut: Wissen ist Macht. Wir müssen also freudig arbeiten an der Volksbildung und Erziehung. Unsere Pflicht ist es, die Lehrer und Lehrerinnen, deren Arbeit von größter Bedeutung für das Volk ist, wirtschaftlich so zu stellen, datz sie ihre schwere Arbeit mit Freudigkest und Hingebung tun können. (Lebh. Beifall.) Es sst eine Forderung der Pädagogen aller Zeiten, datz der Lehrer mit heiterem Gemüt, mit freudigem Herzen vor seine Klemen trete. Nur dem warmen Strahl der Liebe und der Berusssreude erschließen sich die kind­lichen Herzen. Darum soll lähmende Sorge und drückende Not dem Schulhause fern sein. Meine po­litischen Freunde werden gern und nach Kräften bei der Ausgestaltung des vorliegenden Gesetzentwurfes mitioirlen, um den Lehrern und Lehrerinnen der öf­fentlichen Volksschulen ein angemessene» Gehalt zu ichecn. (Beifall.)

Abg. Schiffer (ntl.): Wir halten grundsätzlich eine Gleich st ellung aller Lebrer für geboten. Die Tätigkeit des Le!- rs geschieht in allen Volksschulen im Interesse des Staates. Deshalb muß der Staat alle Lehrer gleichstcllen. Die Forderung der Lehrer, nicht nur untereinander, sondern auch mit den Sekre­tären der Verwallung gleichgestellt zu werden, also ein Anfangsgehalt von 1800 A zu erhalten, scheint uns durchaus berechtigt. Ihre Erfüllung wurde dem Staate eine Mehrausgabe von 70 Millionen Mark auf­erlegen. Wir glauben nicht, datz wir,diese Mrhraus- gäbe dem Staate werden auferlegen können. Deshalb werden wir alle anderen Wege, die zu diesem Stele führen können, einer genauen Prüfung unterziehen. Wir vertreten weder Landlehrer, noch die Stadtlehrer, sondern die gesamte Lehrerschaft. (Beifall rechts, bei den Nationalliberalen und Freisinnigen.) Die Vor- läge beseittgt die Landflucht der Lehrer nicht; die» aber ist eine schwere Gefahr, der vorgebeugt werden muß. Die Vorlage will dem Lehrer in Gemembm mit mehr als 25 000 Seelen erhöhte Bezüge verschaf- fett. Nun, das sind mindestens ein Drittel, wenn nicht zwei Fünftel, aller Lehrer, und das nennt man Gleich- stellung aller Lehrer. Das heißt vielmehr eine Aus- nahmestellung für die Mehrheit der Lehrer schäften. Darauf können wir uns nicht entlassen. Ist die sche- matifche Regelung der Zulage für Lehrer na cf) bet Einwohnerzahl der Gemeinden im Prinzip verfehlt, fo auch in der Methode. Wir müssen die Anf angsge- hättet der Lehrer erhöhen und ihnen die Mög­lichkeit. mit den Sekretären gleichgestellt zu wer­den, nicht beschränken. Nur so erreichen wir bte Bo- benstänbigkeit auch der Lanblehrer.

Ministerialdirektor Schwarzkopf erklärte, bte For- berung, ben Lehrern ein Gehalt von 1800—4900 A zu geben, sei heute ganz undurchführbar. Unter den Lehrern trete ein Teil für ein Einheitsgehalt und völlige Gleichheit ein, ein anderer für völlige Be­wegungsfreiheit. Die Regierungsvorlage, die mit dem Mindestgehalt eine Art Einheitsgehalt bringe, halt« zwischen den beiden Strömungen die rechte Mitte. Da» Ziel, daß die Lehrer mit ben Sekretären bet allge­meinen Verwaltung gleichgestellt werden sollen, ist ver­ständlich. Aber uns fehlen bie Mittel dazu. Bei bet jetzigen Situation muß man mit dem zufrieden fein, was geboten wird. Ich habe zu erklären, daß bie Regierung weitere Mittel, als die in der Vorlage vorgesehenen nicht zur Verfügung hat.

Abg. v. Zedlitz (k.) meinte, bie Regierungsvorlage ziehe bie Mitte zwischen zwei Stühlen, zwischen bie man sich nicht gern setze. Sollte man ihr folgen, so hieße bas nur, auf dem verhängnisvollen Wege von 1897 weitergehen und die Schule auf dem Lande mehr und mehr zu einer Abrichtungsanstalt, anstatt zu einet Erziehungsanstalt zu machen. Noch weniger annehm­bar seien die Schifserschen Vorschläge. Notwendig sei ein EinheitSgebalt, da» aber höher sein müsse als daS Mindestgehalt ber Vorlage.

Abg. Gefiel (ftf. Vp.): Die Regierungsvorlage be­deutet immerhin ernen bedeutenden Fortschritt für viele Lehrer, namentlich auf dem Lande und in den Kleinftädten. In vielen Kommunen wird eine Schlechterftellung der Lehrer erfolgen. Zur Beseitigung deS Lehrermangels genügt nicht eine Ver­mehrung der Seminare, sondern der Mittelstand muß die Gewißheit haben, daß seine Söhne im Lehrerberuf fortkommen. Die Begrenzung der Zulagen der Ge­meinden nach oben ist für meine Partei unannehmbar. Die Lehrer müssen von dem niederen Küsterdienst be»

Tann war der Frühking gekommen mit fer­nem Glanz und seinem strahlenden Lächeln, mit feinen Blüten und der von Wohlgerüchen erfüll­ten Luft. Doch afl die süßen Verheißungen des Frühlings vermochten nicht die dunklen Wolken zu zerstreuen, die sich dichter und dichter über dem Lande der Ukraine zusammenzogen. — das Ge- mitt der Herren und der Sklaven bedruckend und die Seele der Geknechteten mit Haß und Rache­durst erfüllend; unter den Reichen und Glückli­chen aber erweckte sie das Gefühl der Furcht und des Mißtrauens; — $um ersten Mal m chrem Leben fühlten sie sich in ihrer Mackt erschüttert sind in ihrem Stolz und ihrem Glanze bedroht.

So waren denn auch auf vielen Schlössern und DworS die heiligen Festtage der Auferstehung Christi und Pfingsten in Stille, beinahe traurig vorübergegangen, ohne die fröhlichen Zusammen­künfte, Tänze und Festmahle, bie fie sonst stets hüt sich zu bringen pflegten. In Koszowata war jsie Stimmung besonders gedrückt, der Starost ^finsterer denn je, und seine junge Frau, durch feine unnahbare Strenge immer mehr verschüch- iert, ging stets mit traurigen Augen einher, die von durchwachten Nächten und einsamen Tränen erzählten. Die arme Martha war der Derzweif- jung nahe.

Man näherte sich St. Makarius, dem Tage, tvelchen Herr Hieronymus für die Hochzeit von Martha und Jurek bestimmt batte. Das junge Mädchen bot einen bemitleidenswerten Anblick. Ähre Wangen, von wachsbleicher Farbe, waren .immer von Tränen naß; ihre Beinen Hände Menen magerer und durchsichtiger von Tag zu Tag enb vermochten kaum mehr die ßhweren Kxiden- und Samtschleppen, die Gold- und Per-

lenkoviers zu halten, mit denen fie ihre Herrin schmückte. In ihren großen schwarzen Augen war jeder Glanz erloschen, aus denselben sprach nur mehr ein dumpfer, trostloser Schmerz. In ihren langen, dunklen Zöpfen flatterten keine Bänder in fröhlichen Farben um den schlanken Hals und »m die vollen, nackten Arme lagen keine leuchten­den, roten Korallen mehr. Sie hatte noch ein paar Male ihre Herrin gebeten. Herrn Koszowacki für sie um Erbarmen anzuflehen, bie arme Sta­rostin hatte ihr jedoch unter Tränen geantwor­tet:

„Sprich nur nicht von meinem Gatten, Mar­tha! Ich würbe es nimmer wagen, mich nochmals an ihn zu wenben! Er hat meine Bitte so herb zuriickgÄviesen l---Armes Kind, — ich beklag«

Dich! — Die Männer find so grausam! — Mein Gatte mißtraut und verdächtigt mich, auch sagt mir eine Stimme in meinem Herzen, daß er mich nicht mehr liebt!"

Mittlerweile hatte sich Herr Hieronymus auf ein paar Tage nach Human begeben. Als er sich entfernte, hatte er seiner Frau verboten, sich aus dem Hause zu entfernen und Besuche zu empfan­gen, außer ihre Ellern und Brüder, — „wenn sie allein kommen," hatte er finster hinzugefügt.

So verbrachte denn Marynia ihre Tage in tieffter Einsamkeit. Was ihr das Leben noch trauriger und fie selbst noch mutloser mochte, war, daß wohl zehnmal des Tages unter irgend einem Vorwand Skandt^a erschien und vorgelassen zu werden verlangte.

„Was will er nur von mir?" dachte sie. „Ist «r von Hieronymus dazu bestellt, meinen un­schuldigen Blicken, Worten und Handlungen nach­zuspähen? Und wird e» ihm nicht Vergnügen machen, sie alle »u meinem Nachteil zu deuten und in entstellter Weife seinem Herrn zu hinter- bringen? — Bin ich denn nicht schon verlassen und unglücklich genug? Ach Mutter! Teure, liebe Mutter, wenn ich mich wenigstens für einen Tag diesem Leben voll Demütigungen und Traurig­

licker Art, ernt Bald langsame, bald aBer rasche wirt­schaftliche Entwicklung mit dem Emporschnellen der Preise aller SebcnSBebürfnif[c, die hier größere, dort geringere Bereitwilligkeit in den Gemeinden, so barf man sich nicht wundern, daß eine bunte Verschiedenheit und je nach dem auch Unzulänglichkeit in ber Besol­dung von Lehrer und Lehrerin sich zeigt. In em er sorgfällig au8gearbeiteten Petition, welche Lehrer Ottabflieg unb Mitunterzeichner in Uebereinftimmung mit BesckMssen bes katholischen Lehrerverbandes, Pro­vinz Rheinland, im Jahre 1906 hierzu richteten, wird darauf hmqewiesen, baß allein in ber Rheinprovinz 83 verschiebene Gehaltssätze festgestellt würben. Nach bem System beS LehrerbesoldungSge- setze» von 1897 hat bte Unterrichtsverwattung auf bem Verwaltungswege bte einzelnen Gemeinden zur Ge- Währung einer den örtlichen Berhältinn en angemeffe. nett Lehrerbesolbung angehalten. Eine sehr umfang, reiche jedenfalls, wie wir haben beobachten können, un­angenehme Aufgabe sei es, baß fie antreibend, aber Be- sonders wenn sie bremsen wollte. Dte Dearunbintg zu ber Vorltegenben Novelle bemerkt: „Bet ber Aus­führung beabsichtigte bie StaatSregiemng in den Pro­vinzen ober Regierungsbezirken bte Schulverbande nach den Teuerungsverhältnissen zu gruppieren unb für bie einzelnen Gruppen unter Berücksichtigung Ber in ben Paragraphen 2, 6 des Gesetzes vorgesehenen Mm- beftbeträge, da» Diensteinkommen nach bestimmten Sätzen, welche bie Bebeutung von Normalsatzen haben sollten, abzustufen. Der Plan ber StaatSre. gierung ist nur unvollkommen zur Aus­führung gekommen. Die Schulverbände gingen tn zahlreichen Fällen von vornherein über dte auf den provinziellen Konferenzen normierten Satze hinaus, bie Grrtvpeneinteilung würbe nicht innegehalten. Da­durch wurde eine innerlich unberechtigte außerordent­liche Verfchiedenheit des Diensteinkommens herbeige, führt, die sich nicht allein auf das Grundgehalt son- bem auch auf bie Alterszulagen erstreckte , unb fugen wir hinzu, auch im Ruhegehalt unb in ber Reimender, forgung sich fühlbar macht. Die Verfchiedenheit tn ber Besoldung reizte zu Vergleichen. Dabei stellte sich heraus, daß öfters bei gleichen Verhältnissen eine un­gleiche unb bei ungleichen Verhältnissen bte gleiche oder nicht die entsprechende Besoldung festgesetzt Ivar. DaS erzeugte Mißstimmung und in Verbindung mit ber Unzulänglichkeit ber Besoldung baS Abwandern zu ben besser befolbeten Stellen in ben Industriegebieten und ben Städten. Die Städte vor allem übten eine starke Anziehungskraft durch ihre wirklichen unb vermeint­lichen Annehmlichkeiten unb Vorteile, insbesondere durch ihre höheren Bildungsanstalten aus. Die Un­ruhe und ber häufige Lehrerwechsel ist um des Unter­richts unb ber Erziehung willen schon sehr beklagt wor­ben, denn nur wenn bet Lehrer ben Staub der Klasse unb bie individuellen Anlagen unb Neigungen, bie Fa- milienverhältniffe unb bie allgemeinen Zustände in der Gemeinde kennt, kann er wirksam unterrichten und er­ziehen. Zum Erziehen gehört eine längere Zeit steter Hebung, bis das Kind an baS Gute gewöhnt, barm stark geworben ist. (Sehr richtig.) Auch ist Hat, daß, trenn ber Sinn auf bas Wandern in neue Verhaltmpe steht, man den gegenwärtigen weniger Interesse ent* gegenbringt Den vorhin kurz geschilderten, allgemein bekannten Uebelständen. sucht die neue Vorlage abzu- helfen. Sie setzt für alle Orte unter 25 000 Einwoh­ner da» Grundgehalt ber eitbgiliig angestellten Lehrer auf 1350 ,X unb das bet Lehrerinnen auf 1050 A fest unb bestimmt ben Einheitssatz durch Altetszulagen auf 200 A für ben Lehret unb 150 A für bie Lehrerin. Hm ben örtlichen Verhältnissen bet größeren Städte Rechnung zu tragen, ist (in § 2a) bann weiter öcstimmt, datz penfionSfähige Ortszulagen gegeben wer- ben hülfen bis zur Höhe von 200 A für Lehrer, 150 ,A für Lehrerinnen in Orten mit 25 000 Bis 50 000 Ein­wohnern; ton 400 A für Lehret, 200 A für Lehrerin­nen in Orten mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern; von 750 A für Lehrer, 300 A für Lehrerinnen in Ot­ten mit mcljr als 100 000 Einwohnern. Es lätzt sich nicht leugnen, baß bte Voraussetzung einer große- ren Einheitlichkeit in ber Lehrer- unb Leh- retinncnbesolbungsvorlage burchaus Wünschens­wert Wäre. (Sehr richtig im Ztr.) Die Lehrer haben gleiche Vorbereitung mit gleichen Kosten, man kann sprechen von einer Gleichheit im Amte, von einer gleichen erziehlichen Tätigkeit, es werben gleiche An­forderungen gestellt, und Wenn ber Lehret in ber Landschule größere Mühe hat, Weil er viele Kinder unterrichtet, fo hat ber Lehrer im Industriegebiete mit bem häufigeren Wechsel ber Kinder zu tun. ES ist gewiß, daß die Fortschritte de» wirtschaftlichen Lebens,

Maer W Zeitung

Momtrbellage: „«JllliKttt SeschichttblAter"

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 28. Oktober 1908.

DaS Haus beginnt bie Beratung bet Vorlage bett, die Lehrerbesolbung.

Abg. v. Ditfurth (k.): Kein Teil ber Besoldungs- Vorlagen ist in ber Oeffentlichkeit so lebhaft besprochen worben, wie die Vorlage über die Aufbesserung ber Lehretgehälter. Die bisher unzulänglichen Gehälter, Namentlich auf bem Land, haben zu einer Landflucht der Lehrer geführt. Nun soll eine Besserung geschaf­fen werden. Im Verhältnis leistet daS Land viel mehr für bie Schulen, als bte Städte. Allerdings bringen die Städte 142 Millionen Mark für bie Volksschulen auf unb das Sanb nur 82 Millionen Mark, biefe Auf. Wendungen machen aber für bie Städte 75 Prozent unb für das Land 169 Prozent bet Einkommensteuer aus. (Härt, hörtll rechts.) Gleich nach Veröffent- Itdiung bet Vorlage wurde im Berliner Tageblatt ge­schrieben: „Die Vorlage bedeutet baJ Verbot erhöhtet Kulturleistung seitens bet Gemeinde." „Ein traurige» Unikum!" (Lebh. Zustimmung link».) Ich kann keine Kulturleistung darin sehen, batz bie großen Städte ihre finanzielle Uebermacht benutzen, um bem Lande bie notwendigen Lehrkräfte zu entziehen. (Lebh. Zustim­mung rechts.) Die Kulturarbeit sehe ich darin, baß die Bottsschule im ganzen Staate auf bet Höhe ge­halten wird. (Sehr gutl rechts.) Die Volksschule soll nicht allein ben großen Städten bienen, sondern bem ganzen Lande. (Sehr richtig I rechts.) Sie muß so auSgeftaltet werden, daß sie bie an sie gestellten Anfor­derungen erfüllt. Wit haben keine Lust, die^Landlvh- ret zu Lehrern zweiter Klasse zu machen. (Sehr gut! rechts.) Die Einzelheiten werden in bet Kommission ju prüfen sein. Wir werden in ber Kommission mit allem Ernst mitarbeiten, aber immer unser Ziel im Auge behalten, nämlich bie Gleich st eil u n g b e r Lehrer in Stabt unb Laub und gleichmäßige Verteilung ber Schullasten. (Lebh. Beifall rechts.)

ata. Dr. Glattfelter (Ztr.): Die vorliegende Novelle zum LehrerBesoldungSgesetz von 1897 will eine Abände­rung dieses Gesetzes herbeiführen. Das Lehrerbesol- dungsgesetz von 1897 bestimmt für die endgiltig ange» stellten Lehrer unb Lehrerinnen der öffentlichen Volks- schulen ein festes, nach den örtlichen Verhältnissen ange­messene» Diensteinkommen, bestehend in Grundgehalt, Alterszulagen und Wohnung. AIS Mindestsatz für das Grundgehalt ist festgesetzt 900 A für ben Lehrer unb 700 A für bie Lehrerin. Die Altetszulagen in 9 bteijöhtigen steigenden Stufen sollen nach siebenjäh- riger Dienstzeit beginnen unb im Einzelnen mindestens 100 A für den Lehrer und 80 A für die Lehrerin be­tragen. Ais jährliche Leistungen des Staate» sind normiert: 500 A für die Stelle des Alleinstehenden, sowie ersten Lehrer», 300 A für die anderen Lehrer, 160 A für die Lehrerin bis zur Höchstzahl von 25 Schulstellen und für dieselben Schulstellen ein StaatS- zuschnß zu Alterszulagekasse von 337 A für bte Lehr-.r- stelle und 184 A für bie Lehrerinnenstelle. Damit war eine gesetzliche Grundlage für die Lehrerbesoldung gewonnen. Der bewegliche, veränderliche Faktor in dieser Besoldungsordnung waren die „örtlichen Ver- holtniffe". Mit dem Ausdruck „örtliche Verhältnisse" sind nicht nur die Teuerungsverhältnisse ber Bedarfs­artikel, sondern wohl auch oie allgemeinen wirtschaft, lichen und fozialcu Verhältnisse gemeint, Welche bte Lehrer in bet Gemeinde umgeben, mit ihren Anfor­derungen an eine dem Amte entsprechende Lebens­haltung. An diesen beweglichen Faktor knüpfte bte Ausführung des Besoldungsgesetzes an. Bei Zuwen­dung deS Staates an leistungsunfähige Gemeinden warett bie örtlichen Verhältnisse zu btücksichiigen, weil Artikel 25 bet Vctfafsungsntkunbr bestimmt: „Die Mittel zur Errichtung, Erhaltung unb Erweiterung bet öffentlichen Volksschulen werden von den Gemetn- ben und im Falle nachgewiesenen Unvermögens er- gänzungsweise vorn Staate aufgebracht. . . . Der Staat gewährleistet demnach ben Volköschullehretn etn festes, ben totalen Verhältnissen angemessene» Em- lomnien." In bem Begriffe „öttliche Bethaltnisse liegt, baß sie betschiebenartig sein können. Bei bet Bewertung dieser Verschiedenartigkeit und bet Bemes­sung ber ihr entsprechenden Lehrerbesolbung fehlt cm objeflibcr Maßstab, das subjektive Ermessen ber Ge­meindevertretungen hat einen weiten Spielraum. Rechnet man noch dazu mannigfache Um stand e Person- Dymttr, der Kosak.