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JV3 248.
Fuld a, Dienstaq den 27. Oktober 1908.
35. Jahrqarw.
Zweites Wtcrtt.
ö Die Geselllchaftsfteuer.
Ter preußische Finanzminister ist nicht nur ein sehr geschickter Finanztechniker, sondern auch ein recht „gerissener Diplomat".
Der Reichsvermögenssteuer sucht er entgegen- zvarbeiten durch die Erhöhung der preußischen Ergänzungssteuer, die Reichsstempelabgabe auf Zinsscheine, die in parlamentarischen Kreisen lebhaft erwogen wird, sucht er zu ersticken durch seine Gcfellschaftssteuer.
Die Frage, ob diese Steuer durch einen Einzelstaat oder nicht besser durch das Reich eingeführt wird, braucht aber noch keineswegs als erledigt betrachtet zu werden. Ein bekannter Berliner Finanzschriftsteller führt , gegen die Gesellschasts- fteuer bereits an: „Da die stärkere Belastung der Aktiengesellschaften zunächst nur in Preußen eingeführt werden wird, so werden manche Gesell- sthaften ihren Sitz nach einem anderen Bundesstaat verlegen. Vielleicht auch die Hauptniederlassung, so daß nicht nur der Staat, sondern auch der Geschäftsmann geschädigt wird. Man denke an die verschiedenen Großbanken, Darmstädter, Dresdner Bank, die zwar in Preußen ihr Hauptgeschäft haben, als nichtpreußische Aktiengesellschaften jedoch ihre Steuern anderswo bezahlen. Eine Anzahl von Hypothekenbanken hat sich außer- preußische Domizile gesucht, um leichtere Geschäftsbedingungen zu finden, und erzielt trotzdem die Haupteinnahme in Preußen. Bei dieser Art der „L a n d f l u ch t" ist nur der Fiskus benachteiligt, chährend das wirtschaftliche Leben in i>em gemiedenen Bundesstaat nicht betroffen wird, weil die Gesellschaften zwar ihre Steuern jenseits der Greirze entrichten, ihr Hauptgeschäft jedoch innerhalb der schwarzweisen Pfähle abwickeln. Nun geht das jedoch nicht immer so. Es kann Vorkommen, daß ein Unternehmen mit Sack und Pack auswandert und seinen gesamten Betrieb anderswohin verlegt. Das haben z. B. verschiedene bayerische Aktienmühlen getan, die von Bayern nach Baden gingen, um den hohen bayerischen Umsatzsteuern zu entgehen. Es ist zu bedenken, ob die starke Mehrbelastung der Aktiengesellschaften, die jetzt in Preußen geplant ist, nicht zu ähnlichen Auswanderungen von industriellen und anderen Unternehmen führen wird. Dann würde die Rechnung des F i - nanzminlsters mit ihren 44 Millionen ein Loch b e kommen. Die anderen Bundesstaaten aber wären über den Zuwachs an Steuerzahlern gewiß nicht böse."
Man wird diesen Bedenken nicht jede Tragkraft absprechen können; sie fallen fort, wenn das Reich eine solche Steuer einführt. Sie müßte dann allerdings nicht in Form einer Ertragssteuer erhoben werden, sondern als eine Stempel- rbgabe auf die Dividendenscheine.
Für Preußen bliebe zu überlegen, wie cs den chn entfallenden Gewinn einbringen will. Zu der Finanzkunst des Herrn v. Rheinbaben darf mar schon das Vertrauen haben, daß er einen gan g baren Weg finden wird.
leber die einschneidende Wirkung der geplanten Gesellschaftssteuer macht ein bekam ter Finanzpolitiker des Zentrums in der „Kö.n. Vztg." einige bemerkenswerte Mitteilungen. Aus einer Tabelle, die er aufstellt, ergibt sich, daß diejenigen Aktiengesellschaften, die mit dem verhältnismäßig geringen Nutzen von 4 Prozent Dividende arbeiten, fast das zehnfache der bisherigen Staatseinkommensteuer zahlen; die höher rentierenden das vier-, drei- bis zweifache, und auch für die Gesellschaften mit einer Rentabilität von 1—3y2 Proz., welche bisher von der Staatseinkommensteuer frei waren, kommen
Kleines Feuilleton.
, — Wo es wirklich kalt ist. Wenn im Oktober das Quecksilber im Thermometer unter den Nullpunkt sinkt, klagen mir schon über „bittere Kälte". Was aber würden wir wohl sagen, wenn wir in einer Gegend lebten, wo es wirklich kalt ist, so kalt, daß selbst im geheizten Raum die Temperatur nicht über Null steigt? Dr. Moß, der in den siebziger Jahren an der englischen Polarexpedstion teilge- nommen hatte, erzählt von der seltsamen Wirkung, die die Kälte damals hervorbrachte. Das Thermometer stand auf 40 Grad Celsius unter Null. Dr. Moß zündete ein Wachslicht an, aber es war so kalt, daß die Kerze nicht richtig brannte. Der brenn enbe Docht konnte nur das Wachs in seiner unmittelbaren Nähe zum Schmelzen bringen; so fraß sich die Flamme durch das Licht hindurch, wobei außen herum ein durchsichtiger dünner Wachsmantel stehen blieb, besten Wandungen an wenigen Stellen auch wegschmolzen; sodaß die Flamme zuletzt wie in einem Zylinder aus Milchglas zu brennen schien und nur spärliches Licht spendete.
f.
Ausgrabungen in Abydos. Ausgrabungen in Abydos in Unter-Aegypten haben in letzter Zeit, wie uns geschrieben wird, zu bedeutsamen Ent- bedungen geführt. Die Hauptentdeckung ist die eines Grabes aus der Hyksos-Periodd d. i. ungefähr aus der Zeit 2000 v. Chr. Der Fund ist um so wichtiger, als et bet erste feiner «tt ist. Das Grab enthielt eine Anzahl feinet fhSren - ausgesprochenem nichtägypttschem Charakter. Diese Tonarbesten sind schwarz, schön staslert, so dünn wie Porzellan und ähneln den Hera nuten, die man in Syrien und Kleinasien ge- funden hat. Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Entdeckung ist ungemein groß. Sie führt nämlich darauf, daß das bisher in so geheimnisvolles Dunkel gehüllte Volk der Hyksos
(bei einem Grundkapital von 10 000 000 'M) Steuern von 2000 M bis zu 14 000 M in Betracht.
Der Steuersatz für hochrentierende Werke stellt sich an Staatseinkommensteuer (Gesellschaftssteuer) bis zu 74/io Proz., an Gemeindesteuer bei 100 Proz. Zuschlag auf 5 Proz., zusammen 124/10 Proz.; werden jedoch, wie es hier und da vorkommt, 300 Proz. Gemeindesteuer erhoben, so stellt sich die letztere auf 15 Proz. des Gewinnes, und zusammen mit der Staatssteuer auf 22V, 0 Proz , wozu dann noch die Einkommensteuer des einzelnen Aktionärs oder Gewerken mit bis zu 4 Proz. Staats- und bis zu 12 Proz. Gemeindesteuer kommen können, so daß sich insgesamt aut das nämliche Einkommen eine Steuer bis zu rund 35 Proz. ergeben kann.
Um einige Beispiele aus der Praxis anzu- fnhren, hätte die Aktiengesellschaft Krupp mit, einem Kapital von 180 Millionen, bei 6 Prozent Dividende, heute 180 000 M Staatseinkommensteuer, künftig 540 000 M Staatsgesellschaftssteuer zu zahlen, bei 7 Prozent Dividende heute 252 000 M, künftig 655 000 M. Tie Deutsche Bank (Berlin) bei einem Kapital von 200 Millionen, bei 12 Prozent Dividende, heute 680 000 M Staatseinkommensteuer, künftig 1488 000 M Staatsgesellschastssteuer. Die Kommunaleinkommensteuer, Gewerbesteuer, Gebäudesteuer usw. bleiben natürlich außerdem noch bestehen.
Voraussichtlich, so schließt der Verfasser, wird diese hohe Belastung einen Wen depunt.t in der Geschichte der deutschen Aktiengesellschaften bilden, die Verhältnisse werden dazu drängen, an Stelle einer Erhöhung des Gesellschaftskapitals die Ausgabe von Obligationen zu begünstigen, weil diese einer solchen besonderen Steuer nicht unterworfen sind und nur einmal von ihren Besitzern die Staatseinkommensteuer bezw. Kommunalsteuer erhoben werden kann.
Deutsches Reich.
Evangelischer Bund und Deutsche Bereinigung. Die „Deutsche Vereinigung", die Vereinigung der Zentrumstöter im Rheinland, hat eS mit dem Evangelischen Bunde gründlich verdorben. Bekanntlich hatte das Organ der Vereinigung, die ,Teutsche Wachts einen Vergleich zwischen der Katholikenversammlung in Düffeldorf und der Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Braunschweig gezogen, der sehr zu ungunsten des Bundes ausgefallen war. Das hat den Evangelischen Bund gewaltig in Zorn versetzt und in der neuesten Nummer seiner ,Deulsch-Evangel. Korr/ zerschneidet er ein- für allemal das Tischtuch zwischen sich und der „Deutschen Vereinigung":
„Mit einem ganz nach dem verbrauchten Schema der Zentrmnspreffe gearbeiteten Urteil in der Macht" — so schreibt er —, dessen geistige Verwandtschaft mit dem auf demselben beweislos absprechenden Ton gestimmten Artikel der Köln. Ztg.' über Braunschweig auffällig stark ist, schafft sie dankenswerte Klarheit über das, was sich der wachsame und e d r - bewußte Protestantismus von dieser Vereinigung meist katholischer Männer zu versehen hat."
Als Widerlegung des Vorwurfes, er habe keine positive Arbeit für die evangelische Kirche geleistet, weiß dann die ,D.-E. K/"weiter nichts anzufügen, als: v
„Jedermann weiß, daß auf dem Gebiete der Vertretung protestantischer Interessen Arbeitsteilung herrscht, daß neben dem Evangelischen Bunde der Gustav Adolf-Verein, Innere und Aeußere Mission und viele andere, kleine und große Organisationen re. re. evangelische, ausbauende und positive Arbeit leisten."
wahrscheinlich der hethitischen Rasse zuzuschreiben ist, deren Reich sich zu einer Zeit vom Euphrat bis zum ägäischen Meer erstreckt hat und deren Hauptstadt noch heute durch die Schult- Hügel von Baghaz-Keui bezeichnet wird. k.
— Die Millionäre der Bereinigten Staaten. In den Vereinigten Staaten leben zur Zeit genau 3828 Millionäre, wie eine New-Iorker Zeitung abgezählt ; im ganzen beträgt das Vermögen dieser 3828 Millionäre 16 Milliarden Dollar, eine Summe, die ungefähr ein Fünftel des amerikanischen Nationalvermögens beträgt. Die Millionäre sind in den Vereinigten Staaten ziemlich dicht gesät, denn ans je 20000 Einwohner kommt schon einer. Vor acht Jahren gab cs in bett Vereinigten Staaten nur 6 Millionäre, ttnb von biefen besaßen nur zwei, nämlich Jacob Astor in New-Iork ttnb Stephan Girard in Philadelphia, jeder 3 Millionen Dollar, während heute 4 Millionen Dollar der Durchschnitt ist. Man sieht hieraus auch, daß die jetzigen Millionäre ihren Reichtum sich selbst erarbeitet haben muffen, und das stimmt auch, denn tatsächlich verdanken 88 Proz. unter ihnen ihr Vermögen ihrer eigenen Tatkraft, während nur 12 Proz. bett ererbten Besitz weiter ausgebaut haben. f.
— Die Sonne und kas Eis. Der „Voff. Ztg." wird geschrieben: Jüngst war der König Friedrich August von Sachsen wieder zur Jagd in Tarvis. Er wohnt da bescheiden im Hause der Forstver- waltung und speist ebenso bescheiden aus der Küche des nahen Gasthauses Gelbfus. Neulich war nun das Eis dort ausgegangen und der Franzt mußte fifac des Königs Bedürfnis auf einer Karre neues heranholen. Aber, o Graus, er ließ es auf dem Hofe mitten in bet grellen Sonne stehen; und als nun Frau Kathi entsetzt fragte: .Aber, Franzl, warum läßt du denn das Eis in der stärksten Sonnenhitze stehen?' erhielt sie zur Antwort: „I bitt', gnä Frau, das Eis woar so naß, do hob's in die Sunn' g'stellt, bis es trucken wett'
Mit anderen Worten: Der Eoangel. Bund hat beider „Arbeitsteilung" den Kampf gegen Rom auf sich genommen, das ist sein Feld und feine Aufgabe. Positive Arbeit zu leisten, ist gar nicht feine Sache: ich will blos kämpfen. Das stellt seine Friedensworte in das rechte Licht. Des weiteren wirst die ,D.-E. K.' der „Deutschen Vereinigung" vor, sich von der Zen- trumspreffe die „ultramontane Brille" geliehen zu haben und meint:
„Die Knochen sich von der „Deutschen Vereinigung" erweichen zu lassen und einen Maulkorb vorzunehmen . . . lediglich wegen der schönen Augen der „Deutschen Vereinigung" — das lehnt der Evangelische Bund ab.“ „Seine Existenz ist denn doch ein ganz anderer Faktor zur Herstellung des Gleichgewichts und des Friedens (!?) unter den Konfessionen, als ein Verband, der erst noch zeigen soll, ob sich zu seinen Offizieren auch Truppen gesellen."
Aus diesem kleinen Krach ersieht man: Mit dem Evangelischen Bunde wird niemand, der ehrlich und aufrichtig den Frieden will, auf die Dauer paktieren können.
Ausland.
* Die englischen Frauenrechtlerinnen hatten, worüber wir seinerzeit berichteten, tumultuarische Kundgebungen vor dem englischen Parlament veranstaltet. Nachdem bereits vorher Verhandlungen gegen Frauenrechtlerinnen stattgefun- den hatten, hatten sich am Samstag abermals drei Londoner Damen wegen dieser Vorgänge zu verantworten. Der Polizeirichter Bennet, dem bei dem Verfahren eine autokratische, berufungslose Entscheidung zusteht, behandelte die angeklagten Damen mit ausgesuchter Strenge. Eine der Angeklagten, Miß Pankhurst, die den Beinamen „Portia" trägt, hielt eine leidenschaftliche Verteidigungsrede. Sie erklärte, die Regierung und der Polizeirichter hätten ihre Verurteilung schon vor der Verhandlung festgesetzt. Sie hätten sich beschworen, sie durch einen technischen Kniff der Verhandlung vor einer Jury zu berauben, da jede Jury sie sreigesprochen haben würde. Der Richter, dec so pflichtvergessen sei, verdiene mit Hunden aus der zivilisierten Gesellschaft gehetzt zu roerben. Die Rednerin brach mehrere Male in heftiges Schluchzen aus. Der Richter verkündete das Urteil dahin, daß die Angeklagten Kautionen im Betrage von je viertausend Mark sür ihr Wohloerhalten innerhalb der nächsten zwölf Monate beizr bringen hätten, widrigenfalls sie Gefängnis erhalten müßten. Mrs. Pankhurst erklärte, sie würden ins Gefängnis gehen. Daraufhin brachen die Zuhörerinnen in tosenden Beifall aus.
Aus Kirche und Schule.
* Rom, 25. Okt. 1908. Heute mittag fand die feierliche Audienz der beiden Kölner Pilgerzüge in der Sala Regia statt. Kardinal Fischer verlas eine lange Ansprache. Der Papst antwortete eingehend, lebhaft und frisch und erteilte zum Schluß den Segen. Die Pilger sangen ein deutsches Tedmm.
Ans dem Nachbargediet.
* Hünfeld, 23. Okt. 1908. Gestern abend v e r- unglllckte dahier beim Weidenschneiden der 64jährige Valentin Keller von Hünfeld. Vermutlich wollte K. gerade sein kleines Quantum Weiden, tveldjc er zum Korbmachen verwenden wollte, auknehmen und ist dabei in die Hann gestürzt und ertrunken.
* Frankfurt, 24. Okt. 1908. Das Dienstmädchen Anna Marg. Ruppert aus Altengronau hat in einem Alimentenprozeß eine wider besseres Wissen falsche Bekundung gemacht. Das Schwurgericht verurteilte sie wegen Meineids zu einem Jahr Zuchthaus. Die Geschworenen unter- zeichneten ein Gnadengesuch, da die Angeklagte etwas beschränkt erscheint. — Zwischen Frankfurt und Köln, Frankfurt und Berlin, Frankfurt und Hannover laufen in den Eilgüterzügen seit einigen Tagen versuchsweise mit Damvfhei- znng versehene Güterwagen, die frostempfindliche Eilgüter wie Wein ec. befördern. Auch in anderen Tirektionsbezirken Verkehren diese Wagen; sie sollen bis März nächsten Jahres kursieren.
* Wolfsangel, 23. Okt. 1908. Ein Raubanfall wurde heute nachmittag in einem Bäckerladen begangen. Ein Landstreicher, der die Frau eines Bäckers allein im Laden vorfand, sprang auf sie zu, würgte sie und versuchte sich der Ladenkafse zu bemächtigen. Die Frau konnte jedoch noch einige Hülserufe ausstoßen, worauf der Bäckermeister mit zwei handfesten Gesellen herbeieilte. Der freche Monfch erhielt eine tüchtige Tracht Prügel und wurde dann der Polizei übergeben.
* Kirchhain, 2E. Okt. 1908. Der Geflügelzucht v e r e in für den Kreis Kirchhain veranstaltet vom 7. bis 9. November in der schönen städtischen Festhalle feine erste große allgemeine Ausstellung.
* Eisenach, 24. Okt. 1908. Die hier tagende Vereinigung der Hoteliers und Restaurateure deutscher Bade -und Kurorte beschloß, eine Eingabe an den Bundesrat, Reichstag und Reichskanzler zu richten, wonach eine Aenderung der Ge. Werbeordnung dahin gewünscht wird, daß unter die nach 8 33 konzesfionspflichtige n
Gewerbe auch die Privatbetriebe, Sanatorien und sog. Wohlstätigkeitsanstal» t e n, denen die Merkmale des Erwerbes gegeben sind, in allen ihren Erscheinungen fallen. — Der Schulvorstand beschloß in seiner gestrigen Sitzung nach längerer Debatte die Anstellung von Schul- ä r 31 e n. Die Summe von 1520 M dafür soll auf dem Schuletat eingestellt werden. — Das Anniatal und die Drachenschlucht werden nach einer Bekanntmachung der hiesigen Forst- Verwaltung ivegen Reparaturarbeiten an dem Gangbelage und wegen Holzfällung bis auf weiteres gesperrt.
vermischter.
* Bon der Münchener Ausstellung. In den Restaurants der Ausstellung Münchens 1908 sind große Diebstähle ausgeführt worden. Silberne Löffel, Gabeln. Messer, Tischdecken, Weingläser usw. sind in großen Mengen verschwunden. 11. a. wurde eine Frau verhaftet, die den „besseren Ständen" angehört. Der Hauptrestau- rcteur Feilbach muß allein etwa 12 000 M dem Wirtschaftsausschuß Ersatz leisten.
* Ein Schnellzug im Laub. Daß Eisenbahnzuge im Schnee stecken bleiben, oder daß ihnen Hochwasser unüberwindliche Hindernisse bieten, ist nichts neues; daß aber auch das Blätterlaub einen Zug zum Stehen bringen kann, ist zum mindesten originell. Durch Laubverwehungen wurde, dieser Tage der mittags von Berlin nach Görlitz ab- gelassene Schnellzug auf der Strecke zwischen Kottbus und Weihwasser abgehalten, wodurch, er eine Verspätung von über einer Stunde erlitt. Das von den Bäumen abfallende Laub war vom Winde auf den Bahnkörper getrieben worden und hatte sich dort in großen Mengen zwischen, den Schienen angesammelt, sodaß durch das eigenartige Hindernis ein bedenkliches Rutschen der Wagen Derm-sacht wurde. Es mußte daher Sand auf die Schienen gestreut werden, ehe der Schnellzug seine Fahrt fortsetzen konnte.
* Durch einen Polizeihund gestellt würbe der mutmaßliche Mörder eines Hänblers, ben man in einer ber letzten Nächte vor einer Gastwirtschaft in Fischbeck erschlagen auffanb. Um die Spur des Täters zu verfolgen, war ber Polizeiosfiziant Nerenz in Bergedorf veranlaßt worben, mit feinem Polizeihunde „Hilda" bie Morbstelle gründlich abzusuchen. Neben bcm Erschlagenen lag ein Stein, ber mit Blut bespritzt war; mit biefem hat der Mörder offenbar das Verbrechen vollsührt. Kaum hatte der Polizeibeamte dem Hunde Wrtterung mit dem Stein gegeben, als das Tier mit großem Eifer feinen Weg nahm, und etwa eine Stunde von bei Morbstelle entfernt Über eine Gartenpforte sprang, in ein Haus einbrang und bellend vor ber Tür eines Zimmers stehen blieb. In biefem Augenblick betrat ber Arbeiter Hölscher vom Hofe ans bas Haus. Der Hunb stürzte sich sofort auf ihn unb war nicht zu bewegen, ihn wieber loszulassen. In ber Tat konnte alsbald festgestellt werben, baß Hölscher in jener Nacht mit dem Erschlagenen als letzter zu- sammengewesen war. Der Verdächtige wurde dem Gerichtsgefängnis zugeführt.
* Tie deutsche Schiffbauindustrie hat einen fetten Auftrag erhalten. Der Vertrag der russischen Regierung mit einer Firma in Glasgow über die Lieferung von fünf Kriegsschiffen, jedes mit einem Raumgehalt von 800 Tons und in einem Werte von ungefähr 400 000 Pfund Sterling (— 8 Millionen Mark), ist, obwohl er schon so gut wie abgeschlossen war, gescheitert und der Auftrag der Schichauwerft in Danzig übertragen worden, weil die russilche Regierung darauf bestanden hatte, daß bis 1911 keine Zahlung geleistet werden sollte.
* Im Sauerlande hat es am Samstag tüchtig geschneit. Eine mehrere Zoll hohe Schneedecke bedeckte die Erbe.
* Die Kwilecki-Asfiire beschäftigt noch immer bte Gerichte, obwohl bie Gräfin Kwilecki im Jahre ‘ 1903 burch das Berliner Schwurgericht von der \ Anklage ber Kinderunterschiebung freigesprochen ; worben ist. Die Bahnwärtersfrau Meyer-Parcza hat bekanntlich einen Zivilprozeß angestrengt, in welchem sie von bet Gräfin bte Herausgabe des jungen Grafen fordert, weil er ihr Kind sei. Dieser Prozeß schwebt nunmehr seit 1903. Das Landgericht Posen hatte bie Entscheidung von einem Eide ber Gräfin abhängig gemacht. Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt, und so gelangte bie Sache vor bie zweite Instanz, das Oberlandes- gericht Posen. Hier haben bereits mehrere Termine ftattgefunben.. So wurde auch am Samstag wieder einmal verhandelt. Das Gericht beschloß, weitere Beweise zu erheben, und beraumte ben neuen Termin in drei Wochen an.
— Triftiger Grund. In einer Berliner Schule. Lehrer: „Warum kommst Du so spät? Es ist ja schon eine halbe Stunde über bie Zeit!' — Schüler: „Mein Vater brauchte mir jerabe notwendig." — Lehrer: „Wozu?' — Schuler: „Um mir zu verhauen !'
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Hohenlohe
Hafermehl
Ist die einzig richtige Kindernehrung, wo Muttermilch fehlt. Es verbotet Erbrechen and Durchfall und hat sich bei englischer
Krankheit vorzüglich bewihrt.
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