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Z.parMer in Fulda. wocheMllage: „IKustrierte Sonntagrzeitung"

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M 247. Fulda, Montag den 26. Oktober 1908. 35. Jahrgang.

Deutsches Reich.

** Berlin, 25. Okt. 1908. Der deutsche Kaiser wird am 7. November nach Donaueschingen zur Fuchsjagd kommen.

D Der russische Minister des Auswärtigen Iswolski, der seit Freitag in Berlin weilt, hatte am Samstag mit dem Staatssekretär des Aus­wärtigen v. Schoen und mit dem Reichskanzler Fürsten v. Bülow längere Unterredungen, die sich naturgemäß in der Hauptsache um die Balkanwirren drehten. Ferner konferierte Iswolski mit den Botschaftern Frankreichs und Oesterreich-UngarnS, dem gegenwärtig in Berlin weilenden serbischen Minister des Aeußeren und dem rumänischen Gesandten. Ueber den Verlauf der Verhandlungen hat man bis jetzt noch nichts erfahren. Sonntag vormittag leistete der Minister einer Einladung des Kaisers zum Frühstück Folge, während abends ein Diner beim Reichs­kanzler stattfand.

(*) Der Beratungsplan für die heute im Abgeorduetenhause stattfindende 1. Lesung der Beamten- und Steuervorlagen ist folgender: Zuerst gelangt zur Beratung die Be­soldungsordnung, zu zweit das Lehrerbesoldungs- gesetz, alsdann die Pfarrerbesoldungsgesetze, schließ­lich die Steuervorlagen und zum Schlüsse das Mantelgesetz. Ueber den Wohnungsgeldzuschuß darf nicht gesprochen werden, da der betreffende Entwurf dem Landtage erst später zugehen soll.

* Die Zentrumsfraktion des Abgeordneten­hauses hat ihre Vorbesprechungen über die neuen Besoldungs- und Steuervorlagen zum Abschluß gebracht. Für letztere ist der Abg. Herold als Fraktionsredner bestimmt, lieber das Lehrerbesoldungsgesetz wird als zweiter Redner des Zentrums der Abg. Rekior Zieschä sprechen.

* Reichstags-Abgeordneter Dr. Marcour in Koblenz vollendete am Samstag sein 60. Lebens­jahr. Er vertritt den Wahlkreis Cleve-Geldern.

G Die preußische Gehaltsvorlage für die katholischen Pfarrer ist zugleich ein neues Aus­nahmegesetz gegen die Polen. Bekannt­lich soll der katholische Klerus der Diözesen Posen-Gnesen und Kulm von der Ausbesse- rung ausgeschlossen fein; der Minister erhält vielmehr einen Dispositionsfonds, aus dem er einzelnen Geistlichen Aufbefferungen geben kann. Die Gehaltsvorlagen gehen von dem Gedanken aus, daß mit den bisherigen Gehältern nicht auszukommen ist; den katholischen Pfarrer im Osten aber will man durch Hunger zwingen, der Regierung zur Verfügung zu sein. Wer dann als eine Art neuer „Staatspsarrer" sich fügt, der erhält die Aufbesserung, der andere nicht. So wird dieser Fonds zu einem Korrup­tionsfonds. Die Sache wird aber noch schlimmer, wenn man sich folgendes vor Augen hält: für alle B-amte in der Ostmark wird über das gewöhnliche Gehalt hinaus noch eine beson­dere Zulage gezahlt; die katholischen Geistlichen allein erhalten sie nicht, man hält sie sogar noch unter dem sonst üblichen Gehalt. Alles das in einem Staate, der gerecht sein will und den Wahl­spruch hat: „Jedem das Seine".

* Bor einer Wahlrechtsänderung in Preußen haben die Konservativen eine solche Angst, daß sie schon in hohem Grade nervös werden, sobald sie auch nur das Wort „Wahlreform" hören. Schon die ganz unbestimmte Ankündigung

der Thronrede hat sie auf die Schanzen gerufen. In gesperrtem Druck veröffentlicht die ,Kreuzztg/ eine parteioffiziöse Erklärung der Fons. Korresp/, in der in schwulstigen Worten und Wendungen das bestehende Dreiklassenwahlrecht verteidigt und jede Abänderung verworfen wird. Zum Lobe des Dreiklassenwahlrechts, das Fürst Bismarck, der doch auch ein preußischer Konser­vativer war, schon vor vierzig Jahren als das elendeste aller Wahlgesetze bezeichnet hat, wird darin gesagt:

„DaS preußische Wahlrecht ist ein Hort der b e' sitzenden Arbeit, aufgebaut auf dem Maße der Pflicht, zu den Staatslasten bcizutragen. Freilich der Herrschaft der Massen ist es nicht günstig. Jedenfalls hat daS preußische Abgeordnetenhaus sich in seinen positiven Leistungen zum Wohle des Staates und zur Vertretung des preußischen Volkes seit langer Zeit so völlig auf der Höh e seiner Ausgabe gezeigt, daß Aenderungen in seiner Zusammensetzung diesen Erfolg nur gefährden, nicht aber fördern könnten."

Der Begriff der „besitzenden Arbeit" ist originell. Auch die Behauptung, daß sich das preußische Abgeordnetenhaus „völlig auf der Höhe seiner Aufgabe" gezeigt habe, wirkt über- rafchend. Zum Schluß kommt die ,Kons. Korresp/ mit einer versteckten Drohung gegen den König, der ja in der Thronrede die Wahlresorm ver­treten hat. Sie schreibt:

„Das Eine allerdings wird als ein — wohl nicht gewolltes, aber, wie die Erfahrung lehrt, leicht mögliches, vielleicht sogar wahrscheinliches Ergebnis solcher mo­derner Entwicklungsphasen zu befürchten stehen, daß zugleich die Machtstellung der Krone, die mit der Geschichte und den Geschicken Preußens unauflöslich verbunden erschien, eine Schwächung und Trü­bung erfahren könnte, die nicht zum Heil des Landes dient."

■ Man sieht aus solchen Kundgebungen jeden­falls, daß die Konservativen auf das Dreiklassen­wahlrecht nicht gutwillig verzichten wollen.

* Die Reform der Arbeitervcrsicherung. Am Freitag haben im Reichsamt des Innern die angesagten Konferenzen mit den Ver­tretern der Jnteressentengruppen über die Reform der Arbeiterversicherung begonnen. Zu sämt­lichen Verhandlungen sind die Vertreter der Ar- beilgeber und der Arbeiter in gleicher Zahl ein­geladen; es kommen alle in den Arbeiterkreisen vertretenen Richtungen zum Wort. Die ersten Beratungen galten hauptsächlich der Reform der Krankenversicherung. Hier wird es sich insbesondere darum handeln, wie bei einer Aenderung des Krankenversicherungsgesetzes die äußere unb innere Organisation der Krayken- kassen zu gestalten und wie das Verfahren und der Jnstanzenzug in Streitsachen der Kranken­versicherung neu zu regeln sind.

X Ter Entwurf eines neuen Weingesetzes ist dem Reichstag zugegangen. Die Vorlage ge­stattet, wie schon kürzlich bekannt geworden ist, Wein aus Erzeugnissen .verschiedener Herkunst oder Jahre herzustellen (Verschnitt). Dessertweine (Süd-Süßweine) darf jedoch zum Verschneiden von Weinen anderer Art nicht verwendet werden. Reu sind die Vorschriften über die Verzuckerung des Wernes: Bei ungenügendes Reise der Trau­ben darf dem Traubenmost oder dem Weine bei Herstellung von Rotwein auch der vollen Trauben­maische, soviel Zucker oder Znckerwasser zugesetzt werden, als es ersorderlich ist, um Wein zu er­zielen, der nach feinem Gehalt an Alkohol und Säure dem aus Trauben gleicher Art und Her­kunft in Jahren der Reife ohne Zusatz erzielten Weine entspricht. Ter Zusatz an Zuckerwaffer

darf jedoch in keinem Falle mehr als ein Fünfte; des in bte Mischung gelangenden Mostes oder Weines betragen.. Den Produzenten wird genaueste Buchführung über ihre Weinbereitung vorgeschrie­ben, der Polizei und den amtlichen Sach­verständigen soll weitgehendes Kontrollrecht eingeräumt werden. Der Rest des Gesetzes sind, wie üblich — Strafen, dis in sechs zum Teil recht ausgedehnten Paragraphen angedroht werden.

)( Von einer Duell-Angelegenheit Zeppelin- Groß gingen in den letzten Tagen Gerüchte um. Major Groß, der Vertreter beS unstarren Systems in der Lufschiffahrt, der bisher unter den lenk- baren Luftschiffen mit feiner 13 Stundenfahrt den Rekord gehalten hat, soll sich eines Tages dahin ausgesprochen haben; das Zeppelin'sche System sei eine Erfindung des österreichischen Motorlust­schiff - Ingenieurs Schwarz. Schwarz hat den Gedanken der Aluminiumhülle vertreten und fein Luftschiff, das wegen seines frühzeitigen Todes nicht weiter vervollkommnet werden konnte, zeigt bereits die Form, die heute bei den lenkbaren Luftschiffen zur Regel geworden ist. Zeppelin soll sich durch diese Behauptung beleidigt gefühlt haben. Die Sache ist inzwischen erledigt worden; bas, was dem Handel zugrunde lag, soll sich als ein Mißverständnis herausgestellt haben. Rach einer anderen Meldung soll der Kaiser durch seine Vermittelung das Duell verhindert haben. Die ,Franks. Zig? meint sehr richtig, die Unsinnigkeit des Duellgedankens hätte nicht wirkungsvoller nachgewiesen werden können, als durch ein Duell des Grafen Zeppelin. Wenn ein Mann von 70 Jahren, unmittelbar nachdem ihm die Nation eine wahrhaft beispiellose Sym­pathiekundgebung gewidmet hat, sich mit einem Rivalen wegen irgend einer beleidigenden Aeuße- rung Herumschösse, so wäre das ein Vorgang, dem der unbefangene Zuschauer nur mit vollendeter Verständnislosigkeit folgen könnte. Und wir sind sicher: der Unwille über bte Institution des Duells und namentlich über ihre Auswüchse hätte einen ungeheuren Anstoß erfahren, wenn in einem solchen Zweikampf etwa der Graf Zeppelin ge­fallen wäre.

— Ter Flottenverein will seine nächste Tagung nicht, wie ursprünglich festgesetzt war, in Nürnberg, sondern in Kiel abhalten. Die Keim-freundliche „Rheinisch-Westfälische Ztg." ist hierüber entzückt, ba sie es als einen Erfolg ber radikalen Richtung ansieht. Bekanntlich hatten der Provinzialverband ber Rheinprovinz unb einige Landesverbände erklärt, sie würden die nächste Hauptversammlung in Nürnberg nicht besuchen, wenn die bayerischen Führer nicht vor­her zurückgetreten wären. Nunmehr will, wie das genannte Blatt es barstellt, das Präsidium, da die Bayern an ihren bisherigen Führern festhalten, wenigstens die Hauptversammlung nicht in einer bayerischen Stadt tagen lassen. Aber werden die Delegierten des Bayerischen Flottenverbanbes nunmehr statt nach Nürnberg nach Kiel gehen?

* Neber ein seltsames Vorkommnis auf einer unserer militärischen Hochschulen berichtet die Misst. Pol. Korresp/ Danach hat bei einem „Berliner Institute technischer 8tt" (gemeint ist wahrscheinlich die Militärtechnische Akademie) einer ber als Hospitanten zugekassenen auslän- bisch en Offiziere ein wichtigesmilitärisches Geheimnis, über bas ein Militärlehrer unb Stabsoffizier unter befonberem Hinweis auf die

notwendige Geheimhaltung doziert haste, an eint fremde Macht verkauft, „die Deutschlands starker Gegner zu Lande ist." Es soll sich um den Angehörigen eines mittleren Balkanstaates gehandelt haben, der ertappt und alsbald unauf­fällig von der Anstalt entfernt worden ist, deren Lehr-Gastsreiheit er in solch unwürdiger Weist mißbraucht hatte. Von einer gerichtlichen Ver­folgung des Offiziers wurde abgesehen. Man begnügte sich damtt, den Täter als „lästigen Ausländer" abzuschieben.

--- Meiningen, 24. Okt. 1908. Im Herzog­tum Sachsen-Meiningen ist ein gemeinsames Vorgehen aller Städte gegen die Gas- unb Elektrizitätssteuer geplant.

----- München, 23. Okt. 1908. Der Abg. Dr. Schävier hat in einer Versammlung auf bem Kobel bei Augsburg gesprochen unb babei nach einem Bericht ber .Augsburger Postzeitung' folgende bemerkenswerten Ausführungen gemacht:

„Ich erinnere daran, daß man versucht, die höchste Autorität der Kirche gegen unI auszuspielen. Wenn in letzter Zeit an die Ent­sendung des Freiherru v. Schorlemer als Ge­sandten des Kaisers zur Gratulation beim hl. Vater gewisse Hoffnungen geknüpft wurden in der Richtung einer Einwirkung auf daS Zentrum, so glaube ich nicht, daß Frhr. v. Schorlemer so taktlos ist, tnti seiner Mission einen solchen politischen Nebenzweck zu verbinden. Aber selbst, wenn eS versucht werden sollte, würde er jedenfalls dieselbe Antwort erhalten, die ein anderer erhalten, der vor nicht langer Zeit ebenfalls in Rom gewesen ist. Näheres ist authentisch zu erfahren beim Fürsten Reichskanzler."

Huslanö.

Die Lage auf dem Balkan.

Es läßt sich zurzeit noch nicht genau fest­stellen, in welcher Weise die englische Politik auf die Verhandlungen der Pforte mit Bulgarien und Oesterreich-Ungarn eingewirkt hat und ob bie Verhandlungen abgebrochen sind ober nur eine Unterbrechung eingetreten ist, die durch Nachgeben von beiden «Seiten überwunden werden könnte. Die Meldungen über den Hergang mit über den Stand der Dinge widersprechen sich, und man muß eine Klärung abwarten.

Der Berliner Mitarbeiter ber „Franks. Ztg.", besten gute Beziehungen zum Auswärtigen Amt bekannt sind, schreibt: Ganz so einfach, wie eS nach ben Mitteilungen mancher Blätter scheinen könnte, läßt sich bie Wenbung nicht beurteilen, denn es ist durchaus nicht klar, ob der behauptete Druck Englands auf bie Türkei unb bie Aussicht auf finanzielle politische Unterstützung der jungen Türkei die Einstellung der Ver­handlungen mit Oesterreich-Ungarn herbeigeführt unb die Lösung durch eine Konferenz ber Pforte näher gelegt hat, oder ob nicht diese Wendung dadurch herbeigeführt worden ist, daß man in Konstantinopel bie Bedingungen Oesterreich-Un­garns, namentlich bie schriftlich feierliche An­erkennung der Annexion Bosniens als zu hart empfunden hat. In einem und dem anderen Falle aber ergibt ffich, baß die Verhandlungen zwischen Wien und Konstantinopel nicht definitiv als gescheitert angesehen zu werden brauchen. Sie können bald wieder ausgenommen werden. Vor­läufig aber ist bie Lage und auch die Konferenz- frage etwas weniger klar als sie vorher schien.

Meldungen Pariser Blätter, die von Kriegs- Hetzereien des deutschen Botschafters in Konstanti­nopel sprachen, sind bereits als böswillige 23er-

Apnrilr, der Koscrk

41]

Von Marcel Etienne.

Machdruck verboten.)

kein Aufruhr in der Luft liegt. Ein paar Unzu­friedene, weilche von Euer Gnaden ckne Ver­minderung des Frondienstes und der Abgaben erpressen wollen, werden diesen Dymitr bezahlt haben, damit er Euch einen Schrecken einjagt I"

„Nein, Skandyba, — so stehen die Dinge nicht! Versuche nicht, mich von einer Treulosigkeit Tymitrs zu überzeugen, das würde Dir niemals gelingen! Er ist ein erprobter Mann und treuer Diener. Ich verdanke ihm viel und weiß, daß ich mich unter allen Umständen auf ihn verlassen kann!"

Der Starost hatte mit gefährlich ablehnender Miene gesprochen, so daß es dem schlauen Skan­dyba geraten schien, etwas einzulenken.

„Aber Herr! wenn es nicht Versuche der Un­zufriedenen sind, — vielleicht handelt es sich nur um kleine Frauen-Verschwörungen! — Könnte die Frau Starostin sich nicht der Anhänglichkeit Marthas für ihre Zwecke bedienen? Ist Martha nicht beinahe ihre Freundin geworden? Wäre es so unmöglich, daß Martha dem Dymitr süße Worte sagt und ihn zu überzeugen sucht? Wenn Ihr diesen Berichten Glauben schenkt, Aufrichr und Verrat um Euch wittert, so werdet Ihr keine Zeit mehr haben auf die Dinge zu achten, die im Hause geschehen, — da Eure ganze Aufmerksam­keit und Wachsamkeit nach auswärts gerichtet sein müssen! — Und — wenn im Hause das Auge des Herrn fehlt — so ... .

„Genug!" rief Herr Hieronymus erbleichend. „Ich sage nicht, daß Du recht hast, Skandyba — aber in jedem Fall fehlt es mir jetzt an Zeit und Lust, mich um die Dinge zu bekümmern, die außer meinem Hause Vorgehen, — ich betraue Dich mit dieser Aussicht, — Wachsamkeit ist vielleicht von Nöten in den Zeiten, in welchen wir leben! Ich aber", fügte er leiser und ingrimmig hinzu, „ich will vor allem über die Ehre meines Hauses wachen, — und wehe demjenigen, der sie mir zu bedrohen wagte!"

Skandyba schlug die Augen nieder, um das Leuchten des Triumphes darüber zu verbergen.

klagen; von der Unzufriedenheit zur Rache aber ist nur mehr ein Schritt!"

„Sieh, sieh! Du scheinst mir plötzlich für einen Kosaken ziemlich aufgeklärt zu fein 1 — Hat man Dich in Human, im Schlosse des Palatins, so schöne Weisheit gelehrt? . . . Nun, jetzt führe Dein Pferd in den Stall, — ich werde wahrend der Festtage keine Botschaft zu senden haben. Doch wirst Du, um mir stets zur Disposition zu stehen, hier bleiben!"

Dymitr entfernte sich mit einer tiefen Ver­beugung, indem er seinen schönen „Chawat" am Zügel führte. Nun näherte sich Skandyba, zuckte die Achseln und lächelte.

„Hast Du gehört, was dieser Bursche mir eben erzählt hat?" fragte ihn der Starost so­gleich. 1 1

•pföbabe es gehört, Herr! Doch ein Tor, der an wlche Nichtigkeiten auch nur einen Gedanken

Tsiese dummen Bauern jammern und klagen ja immer, wenn sie unter sich find (5s fcarf jedoch nur der Herr auf der Bildfläche erscheinen, und sogleich beugen sich alle Nacken entblößen sich alle Häupter ... Hat man jemals schon Est daß ein Leibeigener in Gegenwart seines Gebieters auch nur bte Stimme gescknmiae denn die Hand erhob? Nun gar, wenn LLL guS*“ bes Mächtigen

»Du hast ganz recht, Skandyba", unterbrach ihn Herr Hieronymus. Trotz alledem möchte ich der Sache aus den Grund gehen. Ich glaubte selbst schon mal Zeichen der Unzufriedenheit, der Auf- lehnung bemerkt zu haben, — doch schienen mir solche Möglichkeiten zu unwahrscheinlich, als da» sie mich hätten beunruhigen können.--Nrm

aber — sofort nach unserer Ankunft in Koszowata erkundige Dich, unteriuche, frage die Leute aus, versäume nichts, was Dich auf bestimmte Spuren führen könnte!"

„Herr, Ihr könnt wie stets überzeugt sein, daß ich alles tun werde, um Euren Wunsch zu er­füllen. Doch bin ich, wie gesagt, überzeugt, daß

„Warum? Wieso das? Sprich deutlicher!" „Nun wohl, Herr! Ueberall beklagen sich die armen Leute! Sie sagen, sie haben zu viel zu erbaten für den Herrn, zu viel zu leiden um seinetwillen! Sie finden, es sei nicht gerecht, daß ihr Leben nur Arbeit, Schmerz und Mühe, — has der Herren nur Reichtum und Genuß fei! Iginige der Bauern wollen sich nicht weiter unter ihr ljartes Joch beugen, — andere — deren Herz prll Hoß und Bitterkeit ist, sprechen sogar davon, Rache nehmen zu wollen!"

„ „Wirklich? .. . Was das für sonderbare Ideen sind! Man kann ja freilich nicht wissen, was in diesen Bauerndummköpfen voogehtl — Aber fplich offen, Dymitr, in Koszowata, in meinem Dorfe hört man doch nicht solche Torheiten?"

„Im Gegenteil, Herr! In Koszowata wie anderwärts trägt man das schwere Joch, klagt und leidet man!

„Ich möchte wohl die Namen dieser Spitzbuben kennen, die es mögen, sich zu beklagen. . . . 23er- TBirg mir nichts, Dymilr! Sprich offen, — Dein "guter Wille ,Tem Esser sollen belohnt werden!"

Dymitr, richtete sich stolz auf und trat dann einen Schritt aurua, afs^ob er von vorn herein 'solchen Judaswhn für Spwnendienste ablehnen wollte. Tann sagte er fest und ruhig:

„Ich könnte Euch die^ezüglich nichts sagen, Herr, selbst wenn ich wollte! Die Leute wissen, shaß ich Eurem ergeben bin, darum hüten sie sich in memer Gegenwart aufrührerische Reden yu führen! . . AVer^es liegt etwas in der

daß es ihm von neuem gelungen war. Gift und ' Mißtrauen in die Seele seines Herrn zu träufeln.

„Ihr mögt Euch ganz auf mich verlassen!" sagte er unterwürfig. „Ich werde nichts versäu­men, um den elenden Aufwieglern auf die Spur zu kommen und Euch, Herr, Sorge und Unruhen fern zu halten!"

Dann küßte er Herrn Hieronymus demütig und respektvoll die Hand unb entfernte sich, nach­dem er am andern Ende des Hofes die junge Starostin mit ihrer Mutter hatte kommen sehen.---

Endlich waren die Vorbereitungen in der Küche vollendet, alle „Babas", „Mazurkis", ,^Ja- jccnikis" waren gebacken und prang tim mit ihren goldbraunen Krusten auf den verschiedenen Tel­lern und Platten, nun sollten nur noch die Tische für das Festmahl gerichtet und geschniückt werden. Ddarynia benutzte einen freien Augenblick, um zu ihrem kleinen Sias zu eilen, den sie notgedrungen in den letzten zwei Tagen etwas vernachlässigt hatte.

Doch traf sie den kleinen Liebling, noch ehe sie sein Zunmer betrat.

Martha hatte ihn in dpr Abwesenheit der Amme in den großen Saal geführt, Ido sich ge­wöhnlich die Dienerschaft aufhielt, der aber jetzt wegen der Vorbereitungen zum Feste vollkom­men leer war. Doch waren Sias unb Martha nicht allein, wie die Starosttn zu ihrem Erstau­nen bemerke, als sie die Schwelle überschritt.

Es war Dymitr, der sich, als er seinen Herrn verlassen hatte, in den großen Saal begab, um dort ein wenig auszuruhen. Kaum hatte ihn Stas, der ihn schon kannte, erblickt, als er ihm fröhlich lachend beide Aermchen entgegenstreckte. Es schien dem Kinde Freude zu machen, dies braune, männliche Antlitz zu sehen, das in seiner Gegenwart allen Stolz und alle Härte verlor und von einem zärtlichen, scheuen unb guten Lächeln erhellt wurde.

(Fortsetzung folgt.)