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Fulda, Samstaq den 24. Oktober 1908.

35. Jalirqausi.

M 246

Drittes WLcrtt

ventsches Reich

Reklame«- und Anzeigenteil.

Schlachtfelder-, nicht heimgekehr! schmückt das Eiserne Kreuz. Aber e AohöYtforr fptnon nfitnpn tnhtirfipn

(Nachdruck verboten.)

40}

m* — ein heißer rn, mn leise ihre ihr den Anbruch

Volksrvirtschaftttches und 5oziaies.

* WormS, 23. Okt. 1908. Starke Erre­gung herrscht unter den Zigarrenarbeitern des Hessenlandes über die geplante Zigarren- banderolesteuer. Sowohl die freien wie die christlichen Gewerkschaften beraten seit Wo­chen, wie inan am wirksamsten diese neue Tabak-

_ es gibt seit Menschen­gedenken keinen aktiven jüdischen Offizier mehr im preußischen Heer, und seit bald dreißig Jahren wird auch kein Jude mehr Reserveoffizier."

* Köln, 22. Okt. 1908. Wie die „Köln. Volks- zeitung" berichtet, ist der Präsident des hiesigen Oberlandesgerichts, Herr R a t j e n, nach Düssel­dorf versetzt. Zu seinem Nachfolger ist der erste Senatspräsident, Herr Morkramer ernannt worden. Diese Ernennung hat auch ihre paritä­tische Bedeutung insofern nämlich, als setzt ein K a t h o l i k an die Spitze de? Kölner Oberlandes­gerichts getreten ist. Noch vor einigen Wochen konnte in der Presse widerspruchslos festgestellt werden, daß Justizminister v. Beseler in seiner zweijährigen Praxis noch keinen Katholiken zum Senats- oder Landgerichtspräsidenten ernannt habe. Der Minister scheint das Bedürfnis em­pfunden zu haben, den gegen ihn erhobenen Vor­wurf des mangelnden paritätischen Empfindens durch diese Berufung wettzumachen, zumal von einer Besprechung der auffallenden Tatsache bei der Etatsberatung die Rede war. Hoffentlich be­rücksichtigt , die Zentrumsfraktion, daß eine Schwalbe nicht den Sommer macht.

steuer fernhalten könne. An allen Orten werden Protestversammlungcn abgehalten.

Bei der wechselnden Witterung treten bei Säug- Itilgen häufig Verdauungsstörungen auf, welche am stchersten dadurch verhütet und beseitigt werden, daß man an Stelle der bisher gereichten Milch eine etn« wandssreie, leicht verdauliche Nahrung verabreicht. Eine solche ist das seit 40 Jahren altbewährte Nefile'sch« Kindermehl, welches schon in tausenden von Fällen Rettung gebracht hat.

«rscheWtS-ttchmtt Aurnahme der So.m« «nd Feiertage, viertel» jährliche''Ve;ugrpreir ohne »rlngerlohn und Bestellgeld in 8ulda so­wie gLswSrtr (.50 M.

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täglich ein Likörgläschen Tr. Kommet s Haemrtogen unmittelbar vor der Haupt­mahlzeit! Ihr Appetit wird reger, Ihr Nervensystem erstarkt, die Mattigkeit ver- schwindet und körperliches Wohlbefinden stellt sich raschest ein. Verlangen Sie jedoch aus­drücklich das echte „Dr. Hommel's" Hae­matogen untf weisen Sie Nachahmungen zurück!

Dymitr, her Kosak

Von Marcel Etienne.

„Du sollst doch einsehen, Marynia, daß ich mich in meinen Plänen nicht von den Phantasieen eines Zungen Mädchens beirren laste, nun gar einer Leibeigenen, deren Herr und Eigentümer ich bin!

. Martha wird Jurek heiraten, und wenn -es aus keinem anderen Grunde wäre, als um mir -zu gehorchen. DaS ist mein fester und unwider- ruflicher Entschluß, den nichts auf dieser Welt -erschüttern wird."

„Aber sie liebt ihn nicht, Hieronymus, und sie fürchtet sich so sehr vor ihm!"

„Ah, ein schöner Grund! Und Du willst, daß sch mich mit solchen Weiberdummheiten befassen soll? Nun möchte ich einmal an Dich eine Frage stellen: hast <Em mich geliebt, Marynia, als Du mein Weib wurdest? Und hast Du heute, schein- bar wenigstens, nicht liebevolle Worte für mich, Liebkosungen, zärtliches Lächeln und süße Blicke? Eilst Du nicht mit frohem Gesicht und offenen Armen auf mich zu, wenn Du mich wieder- siehst?'

Als der Starost höhnisch diese Worte sprach, 'las wl.ch ein böses Leuchten in seinen Augen so ’Sj Bitterkeit und Ironie in seiner Stimme^daß sich Marynia aufs tiefste erschreckt und getankt, wortlos umkehrte und dem Betschemel zuschntt, um ihr Abendgebet zu sprechen und in der Er- geburig in Gott Trost und Zuflucht zu suchen. Dann verschwand sie hinter den schweren Samt- Vorhängen des Alkovens, in welchem ihr Lasier stand, und bald drangen ihre Atemzüge gleich­en Ä ru^9 wie die eines Kindes ,u den Ohren Hieronymus KoszowackiS.

selbst aber floh der Schlaf. Bald blieb er ^refe Gedanken versunken, mit finsterer SUrne^ *1 Kopf tn beide Hände gestützt, unbeweglich

stehen, — bald durchmaß er mit langen Schritten daS Gemach, indem er die Arme fest über der Brust kreuzte, nur zuweilen mit einer Bewegung der Wut abgerissene Worte hervorstieß, welche die fieberhafte Unruhe eines gequälten Geistes, eines gepeinigten Herzens verrieten.

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist seitdem ver­gangen. Zahlreiche Juden haben für ihr deutsches Vaterland gekämpft und ge­blutet. Ihr mancher ist von den französischen '«-i ,-uE.Tv-— ------ *•"---manchen anderen

Ausland.

. * Neue Uniformen in Oesterreich-Ungarn. Die österreich-ungarischen Fußtruppen erhalten jetzt nach deutschem Muster hechtgraue Unifor­men. Statt -er bisher üblichen schwarzen Kra­watte wird ein in Knoten geschlossenes graltes Halstuch eingeführt. Allmählich soll diese Re­form auch auf die berittenen Truppen ausgedehnt werden. Sämtliches Reitzeug wird künftig in brauner Naturfarbe gehalten sein.

Die „Voss. Ztg." spricht von den zahlreichen Juden, die für ihr Vaterland gekämpft und ge­blutet haben. Im Lande der allgemeinen Wehr­pflichten muß das als eine unbestrittene Tatsache angenommen werden. Ganz dasselbe gilt vom katholischen Dolksteile. Neben dem pflichtmäßi­gen Eintreten für die Ehre des Vaterlandes weiß die Geschichte aber auch von großherzigen frei- willigen Leistungen zu erzählen, insbesondere von der heldenmütigen Aufopferung der k a t h o I i- schenOrdensleutebei der Pflege der Ster- benden und Verwundeten. Mit an erster Stelle stehen dabei die Väter der Gesellschaft Jesu, rocnn die verliehenen Ordensauszeichnungen den Grad- mesier für die bewiesene Tapferkeit abgeben. Einer derselben, Pater Aschenbrenner, ist sogar mit dem Eisernen Kreuz erster KI a s s e bedacht worden, dellen sich längst nicht jeder aktiv beteiligte Gene­ral hat rühmen können. Daß dennoch ganz un­mittelbar nachher das Jesuitenausweisungsgesetz auf Anregung des nachmaligen katholischen Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe erscheinen konnte, sei hier weniger hervorgehoben, als der Umstand, daß 1904, wo die KampfeSftimmung sich einigermaßen gelegt zu haben schien, nach der endlichen Beseitigung des rigorosen § 2 des Gesetzes, der katholikenfeindliche Block- gedanke sein« Auferstehung gefeiert. Noch heute gilt die „Dost. Ztg." als einen der begeistertsten Propheten dieser Politik, welche die Ausschaltung des katholischen Volksteils von den maßgebenden Stellen in der Staatsverwaltung bezw. von den Stühlen der Wissenschaft zum Ziele hat.

Das sind schöne Worte, welche die „Voss. Ztg." Her Vaterlandsliebe der Juden widmet. Wir Haben nichts dagegen, denn dem Verdienste soll -seine Krone ohne Rücksicht auf das Glaubensbe- renntnis zuteil werden. Dasselbe muß für die praktische Durchführung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung verlangt werden. So lange eine politische Vertretung des katholischen Volks- teils im Parlament vorhanden gewesen ist, ebenso lange ist sie auch dafür eingetreten. Niemand hat nachdrücklicher die Emanzipation des Juden­tums reklamiert und alle Versuche einer Rllck- ivärtSrevision der verfassungsrechtlichen Bestim- tnungen bekämpft, als der Zentrumsführer Pet. Reichensperger.____________________________________

Endlich konnte sie ihr übervolles Herz auSschütten und in den Mutterarmen Ruhe und Trost suchen.

Als Frau Bychowski die Enthüllungen ihres KindeS hörte, schüttelte sie Wohl traurig den Kopf, schien jedoch nicht allzu erstaunt darüber.

„Es gibt eben im Leben der Frau Dinge, wel­che Dir, gottlob, noch unbekannt sind, mein Lieb­ling!" antwortete sie sanft. „Ich weiß ja, daß Du Dir nichts Deinem Gatten gegenüber vorzu­werfen hast. Du lebst nur für ihn und für Euer Kindl Aber auch daS genügt nicht immer, damit wir armen Frauen glücklich seien! Es gibt böse Menschen, denen es Freude bereitet, Haß und Zwietracht in eine Ehe zu säen und das Herz des Gatten mit Verdacht und Mißtrauen zu vergif­ten! Und wie viel Unheil und Fluch haben sie damit schon gestiftet! Wie nun aber die Dinge stehen, liebes Kind, nützt Weinen, Klagen und Seufzen nichts, wir müssen überlegen und han­deln!"

Hier hielt Frau Bychowsst) einen Augenblick inne, um nachzudenken und begann dann von neuem, indem sie ihrer Tochter liebkosend über die weißen Wangen strich:

„Vor allem, mein Herz, kein Wort von alledem gegen Deinen Vater! Ich beschwöre Dich darum! Er würde sich nicht nur bitter kränken, sondern auch versuchen, alles aufzuklären, den Urheber dieser Verleumdungen auszuforschen und damit daS Uebel noch zu verschlimmern! Jedenfalls aber wär« ihm die ganze Festesfreud« und Festes- stimmuna verdorben! Was ich jedoch tun will, ist folgendes: Noch heute morgen werde ich Deine Brüd« und PhadäsuS Dluski nach Dolecko hin­überschicken, wo sie den Richter und seine Töchter Alin« und Wanda besuchen sollen. Dort werden sie Unterhaltung und Spaß genug finden und so alle Welt zufrieden sein, vor allem Dein Gatte, dessen Laune sich hoffentlich verbessern wird, wenn er mit unS allein den Ostersonntag feiern kann!"

„Ach ja, teure Mutter, tue, waS Dein Herz und Deine Vernunft Dir eingeben l Hilf mir.

vermischtes.

• Beim Fensterreinigen stürzte in Köln ein Dienstmädchen auS der dritten Etage eines Hau­ses auf di« Straße hinab. Sie starb bald darauf.

* Tie Beamtenbcstechungcn im Saarrevier. In dem Saarbrücker Prozeß wegen der Beamten­bestechungen ist nunmehr mit der Beweisauf­nahme begonnen worden. Es wurde nicht nur der Untersuchungsrichter als Zeuge verhört, son­dern man verlas auch die Aussagen, die die An- geklagten früher als Zeugen in einem Verfahren gegen andere Bergleute gemacht hatten. Mehrere Zeugen bekundeten, daß für einzelne Steiger, z. B. Keßler, Geld gesammelt worden sei. Andere halten mit tfiren Angaben zurück und verweigern direkt jede Auskunft mit der Begründung, sie wollten sich keiner strafbaren Handlung bezich­tigen.,

* Bürgermeister Schücking als Kläger. Der in letzter Zeit so viel genannte Bürgermeister von Husum, Schücking, trat Donnerstag vor dem Amtsgericht Berlin als Privatkläger gegen den Beigeordneten des Barmer Magistrats, Dr. M a r k u l l, auf. Die Schrift des Bürgermei­sters Schücking über die „Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens" war von Dr. Markull im „Preußischen Berwaltungsblatt" einer sehr scharfen Kritik unterzogen worden, und der Pri­vatkläger fand sich dadurch beleidigt, daß gesagt wurde, er habe in seiner Schrift gewisse Aus- fühnmgen wider besseres Wissen gemacht, und daß von „Nichtsnutzigkeiten" gesprochen wurde. Es fanden Vergleichsverhandlungen statt, die schließlich Erfolg hatten. Der Angeklagte er­klärte, daß er durch den Artikel die persönliche Ehrenhastigkeit des Privatklägers nicht habe an­tasten und schmälern wollen, und so weit der Klä­ger in dem Artikel Beleidisiungen feiner Person findet, sie zurücknehme. Dre Privatklage wurde hierauf zurückgezogen.

* Von dem Orkan auf den Philippinen, über den in der ersten Hälfte dieses Monats berichtet wurde, kommen jetzt nähere Meldungen. Danach sind 300 Personen umgekommen und Hunderte von Häusern weggefegt worden. Zu Etparri ret­teten drei Amerikaner unter den denkbar schwie­rigsten Umständen hundertMenschen. Sie gelangten in einem Boot durch hohe Wogen nach einem gefährdeten Doxf und bemerkten, daß sich die Eingeborenen dort an Pfählen festhielten. Die Retter schwammen mit Seilen von Haus zu Haus, indem sie sich den Weg durch die reißenden Fluten bahnen mußten. Es gelang ihnen, alle Dorfbe­wohner bis auf sechs, die fortgeschwemmt wurden, zu retten.

= lieber die Parität im preußischen Staatsleben

Üst schon sehr viel Tinte verschrieben worden. Die Statistik verkündet eine geradezu unerhörte Zu- -rücksetzung des katholischen Volksteils in Gegen­wart und Vergangenheit.

• Alle diese Feststellungen haben auf gegnerischer Seite nichts als eine Flut von spöttischen Bemer­kungen ausgelöst, den Katholiken gehe die erfor­derliche Tüchtigkeit ab, denn nur die Tüchtigkeit sei entscheidend. Sehr gerne wurde gelegentlich ■auf das katholische Ausland hingewiesen, ohne ,natürlich greifbare Belege für das gleiche System chcr Zurücksetzung der Protestanten beibringen zu können. In Frankreich, wo die Protestanten eine ganz verschwindende Minderheit von etwa 2 Pro­zent der Bevölkerung bilden, hat es zu allen Zei­ten protestantische Minister in sehr hervorragen­der Stellung gegeben; es brauchen nur die Na- inren Guigot und Freyrinet genannt zu werden. Jetzt springt uns die „Voss. Ztg." bei, um das fortgeschrittene Oesterreich gegen das zurück- Mbliebene Preußen auszuspielen, allerdings nicht ,‘tm Interesse der Katholiken, sondern der »Juden. Das freisinnige Blatt berichtet:

i „Franz Joseph 1, hat den General Ritter von »Schweitzer zum Feldmarschall-Leutnant mit drm Prädikat Exzellenz ernannt. Der General ist Jude. Mie, etn Jude Feldmarschall-Leutnant? Das ist wohl unmöglich. Der Zweifel ist hierzulande begreiflich. Aber er ist unberechtigt. Der Feldmarschall-Leutnant Schweitzer ist Jude und scheut sich so wenig seinen Glauben zu bekennen, daß er am jüngsten Versöhnungs­fest, angetan mit der Generalsuniform und allen seinen Orden, in der Synagoge seine Andacht verrichtet hat.

So geschehen in der Habsburgischen Monarchie, die man einst als Hort der Reaktion im Gegensatz zu Preußen, dem Lande des Fortschritts, anzüseben ge­wohnt war. In Preußen hat es einmal einen jüdischen Major in der aktiven Armee gegeben. Aber lang, lang ist es her. Als „der König rief und alle, alle kamen", im Jahre 1813, da eilte mit vielen seiner .Glaubensgenossen anch ein junger Mann namens Burg zu den Fahnen. Er wurde Offizier, wurde später Lehrer an der Artillerie- und Ingenieurschule, seine Bücher wurden in allen Artillerieschulen des Staates eingeführt, und als ein jüdischer Portepeefähnrich bei i,ber Beförderung übergangen wurde, verfügte Prinz 'August von Preußen, daß er sofort eingegeben werde, penn es fei die Religion kein Hindernis, „so wie solches ibei dem Leutnant Burg, der auch Jude ist, nicht der Hall war, und es hat sich dieser OMzier so bewährt, paß er keinem seiner christlichen Kameraden nachsteht". Burg wurde schließlich Major.

hab mich lief) und tröste mich! Du allein kannst es!" antwortete die junge Frau, indem sie ihrer Mutter zärtlich die Hand küßte.

Einen Augenblick später durchschritt sie am Arm der Frau Bychowskis den Flur, um sich in den großen Saal zu begeben. Trotzdem die zärt- lichen Worte ihrer Mutter sie etwas beruhigt hatten, zeigte ihr süßes, blasies Gesicht noch deut­lich di« Spuren von Erregung und tiefer Trau­rigkeit.

Plötzlich bemerkte sie Dymitr am Eingang des Hofes stehen. Der junge Mann war von Koszo- wata herbeigeeilt, um dem Starosten eine Bot­schaft zu überbringen. Neben ihm stand fein danipfendes Pferd, mit Schaum bedeckt und unge­duldig in die Zügel beißend. Marynia hob einen Moment di« Blicke, um int Vorllbergehen den Ko­saken und fein Pferd zu betrachten. Dymitr, der sich entblößten Hauptes tief vor ihr verneigt hatte, sich deutlich in ihren sanften Augen die Spuren vergossener Tränen.

„Wie, auch sie leidet?" sagte er sich schmerz­lich. „Sie, die so gut und schön, so sanft und freundlich ist! . . . Wer wagte es wohl, sie un­glücklich zu machen? Wenn ich es doch wüßte! Wenn ich, ein armer und niedriger Diener, we­nigsten- die schöne Herrin an solch einem Misse­täter rächen dürfte!"

Kaum hatte sich Marynia mit ihrer Mutter entfernt, und die beiden Frauen dem Kosaken mit einem gütigen Lächeln seinen Gruß erwidert, als auch schon der Starost herbeieilte, ungeduldig die Nachrichten zu empfangen.

„So kommst Du also von Sunla?" fragte er, nachdem er das Siegel von dem Pergament ge­löst hatte. „Hast Du im Dorf, in der Umgebung des DworS etwas neues erfahren?"

„Man hat mir nichts neues erzählt, Herr! Nur scheint es mir, daß die Dinge nicht zmtt besten stehen."

(Fortsetzuyg folgtj

„Wie sie einander unterstützen und helfen, diese elenden Weiber! Wie kann man sie bekla­gen? Wie kann man ihnen trauen? Wie diese so­gar, die aussieht wie ein Kind und wie ein Engel zu lügen und zu täuschen vermag! Und wir To­ren, die wir unfern Hrauen unser Bestes auver- trauen: unser Haus, — unser Hab und Gut, — die Ehre unseres Namens und unfern Ruhm! Damit sie sich auS alledem ein Spielzeug machen, einen Beweis ihres leichten Sieges über uns! . , Damit sie sich über alles dies lustig machen mit dem „Andern", — dem Bevorzugten! — Aber mit Hieronymus Koszowacki soll niemand zu spielen wagen! Wenn ich kein geliebter Gatte sein kann, so will ich wenigstens ein gefürchteter Herr sein! — Ich werde binnen kurzem alles wissen — und dann, — wenn sie mich wirklich zu be^ trügen wagt — so soll sie meiner heißesten Rache nicht entgehen!"--

Marynia, Me noch nicht eingeschlafen war wie eS ihrem Gatten geschienen, hatte diesen Ausbruch eifersüchtig« Wut mit einem Schauer des Ent­setzens gehört. Zitternd drückte sie ihr bleiches Gesicht in btt Kissen und fragt« sich, ob Hierony­mus Kv-zowacki ein Wahnsinniger oder ein Krank« sei. Dann erhob sie sich, — ein heiße? Gebet der Angst auf den Lippen, um leise ihre Mutt« herbeizurufen und mit ihr den Anbruch des Tages zu «warten.

Al- derselbe nach ein« endtzs scheinenden Nacht endlich kam, rief btt Starost, der sich nicht zu Bette gelegt hatte, feinem Kammerdiener, ließ sich eilig ankleiden, fuchte Skandyba in feinem kleinen Zimmer neben dem Stalle auf und hatte eine lange und angelegentliche Unterredung mit seinem Verwalt«, Marynia hatte ihn mit einem Gefühl bc$ Erleichterung sich entfernen aebört.

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Aus dem Nachbargebiet.

• Hanau, 23. Okt. 1908. Einer der ältesten Bürger unserer Stadt, Steueraufseher Karl Dehnhardt, ist im 94. Lebensjahre gestorben. Ter Verblichene nahm 1849 am badischen Feld- zuge teil und war im Besitze der badischen Kriegs­denkmünze.

* Frankfurt, 23. Okt. 1908. An verschiedenen Stellen der Stadt sind seit einigen Tagen Schutz­leute postiert, die genau die Zahl der Passagiere der Straßenbahn feststellen. Es soll sich bei dieser „Volkszählung" um eine Statisfik handeln, wie viel Personen über die zulässige Zahl hinaus von der Straßenbahn befördert werden. Die gewon­nenen Ziffern sollen als Material dienen für eine schärfere Handhabung der polizeilichen Be­stimmungen über die Mehrbesetzung der Straßenbahnwagen. — Der heute statt- findenden Sitzung des I ug en d ger i cht s H o­fe s wohnten im Auftrage des bayerischen Justiz­ministers Richter aus München, Nürnberg, Würz­burg, Augsburg und Ludwigshafen bei, um nach dem Frankfurter Muster Jugendgerichtshöfe in ihren Heimatorten einzurichten. — Zum Kai­ser g e s au g s w e t t st r e i t, der vom 1. bis 4. Juni n. I. in Frankfurt a. M. stattfindet, wird berichtet: Die Zahl der großen Westdeutschen Ge­sangvereine, die an dem nächstjährigen Kaiserwett- singen nicht teilzunehmen gedenken, mehrt sich. Bisher haben diesbezügliche Beschlußfassun­gen bereits herbeigeführt der Bonner Gesangver­ein, der Hannoversche Männergesangverein und der Essener Männergesangverein. Einzelne grö­ßere Gesangvereine sind noch unschlüssig-, sodaß aller Voraussicht nach eher eine Abnahme als eine Zunahme der an dem nächsfiährigen Wett­streit teilnehmenden Vereine erfolgen wird.

* Offenbach, 23. Okt. 1908. Wegen Wechfel- fälschung wurde der hiesige Viehhändler Mahl, der nicht weniger als 72 gefälschte Wechsel in Umlauf gesetzt hatte, von der Strafkammer in Darmstadt zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.

* Kassel, 23. Okt. 1908. Der Redakteur Hau- s ch i l d t vom sozialdemokratischen Volksblatt wurde wegen Beleidigung des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie zu 500 M Geldbuße verurteilt.

* Göttingen, 23. Okt. 1908. In dem verstor­benen Geheimrat Althoff hat unsere Uni­versität einen warmen Förderer verloren, der auch nach dem Eintritt in den Ruhestand der Georgia Augusta ein lebhaftes Interesse entgegengebracht hat. Noch vor etwa vier Wochen weilte Althoff hier, um das Göttinger-Studienhaus zu besichtigen und die erforderlichen Maßnahmen zur Gründung der Gefevschaft mitzutreffen.

* Mainz, 23. Okt. 1908. Die Aerzte von Ober- und Nieder-Jngelheim haben eine Kranken­schwester boykottiert, weil sie angeblich Kurpfuscherei treibe. Sie wollen die Familien nickt mehr besuchen, in denen die Krankenschwester tätig ist. Diese hat jedoch den Verein für Kran­kenpflege und daS Kreisamt Bingen auf ihr« Seite, die behaupten, sie gebrauche nur Haus­mittel. — Eine le ichtsinnige Wette gin­gen mehrere junge Leute in einem Lokale der Kurfürstenstraße ein. Gegen einige Maß Bier sollte einer eine gefüllte Kohlensäureflasche mit einer Hand langsam hochheben und wieder nieder- lassen. Nach verschiedenen Bemühungen gelang dies dem jungen Schloss« Winter auch. Kurze Zeit daraus klagte er über furchtbare Schmerzen im Unterleib und ließ sich nach Hause führen. Dort stellte der Arzt eine Darmverschlingung fest.