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Fuldaer

35. Jahrqcmq.

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Fulda, Freitag den 23. Oktober 1908.

veraittw. Redattenr: Lar» Schütter für die Anzeigen: Z.ParzeKer in Znlda.

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Monatsbellage: „8uldaer GefchichtZblatter «ernsprecher Ur. 9.

Zweites Wtcrtt.

/ Das bischöfliche Priesterseminar zu Fulda seit seiner Wiedereröffnung im Herbste 1886.

Im Anschluß an die Mitteilung in der Huldaer Zeitung' (Nr. 242) über den Beginn des Wintersemesters am hiesigen Priesterseminar dürste es die Leser dieser Zeitung gewiß interes. fieren, über die Geschichte des Fuldaer Priester­seminars seit seiner Wiedereröffnung im Herbste 1886 einiges zu erfahren. Hierbei dürste ein kleiner geschichtlicher Exkurs über die Fuldaer Schule überhaupt nicht unwillkommen sein.

Kein Geringerer als der hl. Bonifatius selber ist es bekanntlich, der sofort bei der Gründung des Klosters Fulda im Jahre 744 den Plan entwarf, das Kloster zu einer Pflanz, stätte von Priestern für ganz Deutschland zu erheben; daher er denn auch Sorge trug, daß das Kloster von der Jurlsdiktion eines einzelnen Bischofes unabhängig gemacht und dem hl. Stuhle unmittelbar untergeben würde. In einem eigenen Schreiben erbat er sich diese Gunst vom Papste Zacharias, und der Papst willfahrte ihm im Jahre 751. Und damit er diese Pflanzstätte des deutschen Klerus auch sür alle Zukunft der Liebe der Deutschen anempfehle, bestimmte er Fulda zu seiner Begräbnisstätte.

Im Anfang nahm die Fuldaer Klosterschule, wegen der Dürftigkeit ihrer Mittel, nur oblati auf, d. h. Knaben, die mit der Neigung, in den Orden zu treten, kamen und im Inneren des Klosters wohnten. Auf Drängen Kaiser Karls des Großen aber erweiterte bereits Abi Baugolf (780—802) die Schule durch Zulassung von Erlernen. Karl des Großen Lehrer Alcuin kam selber nach Fulda im Jahre 794 und nahm den 17;ährigen Rabanus Maurus mit nach Tours, damit er an dieser damals hochberühmten, von Alcuin geleiteten Schule wissenschaftlich fortge. bildet würde und dann nach Fulda zurückkehre, um der Klosterschule als Lehrer und Organisator vorzustehen. WasAlcuin erstrebte,geschah: Rabanus Maurus verstand es als Lehrer und dann als Leiter an der Klosterschule und schließlich als Abt der­maßen, die Klosterschule auf die Höhe wissenschaft­licher Tüchtigkeit zu führen, daß sie schon damals, erst 50 Jahre nach ihrer Gründung, eines euro­päischen Rufes sich erfreute. Seine Sorge für die Klosterbibliothek, fein Verständnis für die Kunst, seine Schriften wirkten bahnbrechend für viele andere Schulen. . Und aus Fuldas Mauern selber ging mehrere Jahrhunderte hindurch eine ganze Anzahl von Gelehrten und Bischöfen uer- schiedener Diözesen hervor. Von Bischöfen fet nur der hl. Godehard von Hildesheim genannt und der hl. Adalbert von Prag.

Im 16. Jahrhundert drohte diese herrliche Kulturstätte gänzlich zu zerfallen; die Benedik- tinermönche waren nicht imstande, dem Unter- gange Einhalt zu gebieten. Da berief der erst 23 jährige Abt Balthasar von Dernbach, dem Fulda so unendlich viel verdankt, die Jesuiten im Jahre 1571 in die Bonifatiusstadt und arüudete ein Jesuitenkolleg in der Absicht, eine ue Schule zu errichten. Das ist der Beginn r zweiten Fuldaer Schule. Erst wurde n Gymnasium in's Leben gerufen; nach fünf

Meines Feuilleton.

— Der Kampf um das Kind. Vor Jahren waren die Eltern eines kleinen Mädchens von Plymouth nach Neu-Seeland ausgewandert. Sie gaben das Kind in die Pflege einer Schwester der Mutter. In der australischen Kolonie gelangten sie zu Wohlstand, und in einem Bries an die Ver- wandte baten die Eltern, das jetzt neun Jahr alte Mädchen ihnen zurückzusenden. Nach vielen Hcrzenskämpsen kam die Tante zu dem Entschluß, daß sie sich von ihrem Liebling, selbst um der Mutter willen, nicht trennen könne. Aus diesen Bescheid machte sich die Mutter auf die Reise, um nach Ueberwindung von 18 000 Kilometern ihre Tochter zu holen. Die liebende Tante wurde je- doch vor der Ankunft der Mutter in England ge- warnt, und als ihre Schwester das Haus tn Ply­mouth erreichte, sand sie, daß ihr Gewalt ent­gegengesetzt wurde. Die Fenster waren verschlos­sen und die Tür verbarrikadiert. Einer Mutter Herz vermag vieles, und gegenüber dieser sonder­baren Verschanzung ging die Mutter zur Politik der Belagerung über. Sie kampierte vor der Tür und richtete auf der Straße, die von dem Hause bis zu der Schule des Mädchens führte, einen regelrechten Wachtdienst ein. Sie traf alle Vorsorge, um bei dec ersten besten Gelegenheit ihr Kind mit Gewalt zu entführen. Eine Woche lang spottete die Tante aller Anstrengungen der Mutter. Schließlich unternahm die verzweifelte Mutter einen lebten Schritt. Die Tante beglei­tete wie gewöhnlich das Kind zur Schule und zu» rüd. Als die kleine Edith" gegen Mittag die Schule verließ, stürzte die Mutter aus dem Hin­terhalt hervor, ergriff das Kind, und ehe die Tante sich von ihrer Ueberraschung erholt hatte, war sie mit ihm in einen bereitstehenden Wagen 'gesprungen, der schleunigst davonrollte. Die Tante aber bildete aus getreuen Nachbarn und

Jahren war es ausgebaut. Im Jahre 1583 fügten die Jesuiten eine Vorbereitungsschule hinzu die 100—150 Schüler zählte, aus denen die Fähigeren sodann in die unterste Gymnasialklasie eintraten — ganz so wie seit einigen Jahren auch jetzt wieder eine „Vorschule" in Fulda be- fleht. Zur gleichen Zeit wurden durch die Fürst- äbte und durch Private nach und nach auch Lehr­stühle für Philosophie und Theologie (Dogmatik, Moral, Kontroverse, Kirchenrecht, Exegese und hebräische Sprache) fundiert. Um namentlich auch dem Adel den Besuch dieser Schule zu er­möglichen und zu erleichtern, gründete Papst Gregor XIII. auf die Bitten des P. Loppers, Rektors des Jesuitenkollegs zu Fulda, im Jahre 1584 das Päpstliche Seminar zu Fulda — nach unseren heutigen Begriffen ein Internat an der philos.-theol. Fakultät — und sicherte ihm jähr- lich 1800 Go'.dskudi für 40 adlige zu und 6(?o Skudi für bürgerliche Studierende. Dieser ganze Apparat — Vorschule, Gymnasium, philosophisch­theologische Lehranstalt u. Priesterseminar in Ver­bindung mit einem Internat, dem sog. Päpstl. Se­minar — stand unter der Leitung der Jesuiten und war mit ihren Lehrkräften versehen. Run lebte der internationale Charakter der alten Klosterschule wieder auf: aus allen Gauen Deutschlands eilten Studenten nach der Fuldastadt, alle Stämme waren hier vertreten, vom Bodensee bis nach Lüttich. Schon in den ersten Jahren zählte das Päpstliche Seminar 130 Alumnen und Kon- viktore», das Gymnasium über 400 Schüler — erst in unseren Tagen haben Priesterseminar und Gymnasium diese Zahlen wieder erreicht. Auch jetzt gingen wieder hervorragende Männer aus Fuldas Schule hervor, wir nennen nur einen, der hundert aufwiegt: Athanasius Kircher.

Aber auch die Benediktiner hatten wieder Kraft gewonnen, auch sie hatten im Lause des 16. Jahrhundertes wieder eine Schule ins Leben gerufen (bezw. die alte gehoben), wiewohl deren Bedeutung derjenigen der alten Benediktiner- schule oder derjenigen der zurzeit blühenden Jesuitenschule nicht mehr nahe zu kommen vermochte. Fürstabt Adolf von Dalberg war es, der beide Schulen vereinigte und sie durch die Fakultäten der Jurisprudenz und Medizin (die er mit weltlichen Dozenten besetzte) zu einer eigentlichen Universität erweiterte. Papst Klemens XII. erließ am 1. Juli 1732 die Stiftungsbulle, Kaiser Karl VI. am 12. März 1733 den Bestätigungsbrief dieser Universität. Das war die Ado l pH in a, die bis zur Säku- tarisation im Jahre 1802 bestand.

Die enge Einheit zwischen Gymnasium und philosophisch-theologischer Lehranstalt wurde nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu vorläufig insofern noch ausrecht erkalten, als das Päpst­liche Seminar ein Bischöfliches Seminar wurde, welches das Gymnasium mit Lehrern zu versehen hatte. Nach und nach jedoch wurde bas Gym­nasium dem Einflüsse des Seminars und des Bischofs ganz entzogen und gegen seinen stistungs- gemäßen Charakter zum Teil mit «katholischen Lehrern besetzt. Das war der Grund, weshalb Bsichof Christoph Florentius Kött im Jahre 1852, gestützt auf die Satzungen des Konzils von Trient, ein eigenes Gymnasium, „Knabenseminar", gründete und es dem Bischöfi. Priesterseminar eingliederte, wie dies früher der Fall gewesen war zwischen Gynmasium und Päpstlichem Seminar. Diese Verbindung dauerte bis Freunden eine kleine Streitmacht und nahm die Verfolgung auf. Die Verfolger erreichten den Bahnhof, ehe der Zug fällig war, und was dann folgte, war ein Kampf zwischen beiden Parteien. Infolge ihrer Uebermacht trug die Tante den Sieg davon, und im Triumph wurde das wei­nende Kind nach Hause zurückgetragcn. Die im Kampf um ihr Kind unterlegene Mutter fuhr enttäuscht nach Loudon, um dort — worauf sie schon früher hätte verfallen können — gesetzliche Schritte zur Wiedererlangung ihrer Tochter ein­zuleiten.

— Eine in Lourdes vollzogene Heilung wird demnächst wegen eines Zivilprozesses die franzö­sischen Gerichte beschäftigen: Ein Bauer, Alfons Alliaume von Falaise, wurde von einem Ochsen durch einen Hornstoß am Unterleib sehr schwer verletzt. Infolge der Wunde, die ein eitriges Geschwür hervorrief, trat eine vollständige Läh­mung des rechten Armes mit der Hand ein. Der Bauer klagte auf Entschädigung und erhielt von dem Besitzer des Ochsen eine Entschädigung von 8000 Franken neben Kurersatz. Die Aerzte kon­statierten aber, daß die Verletzung und ihre Fol­gen überhaupt nicht zu heilen fei. Alliaume siechte langsam dahin. Am 22. August begab sich der Verletzte mit einem Pilgerzug der Normandie nach Lourdes. Wie üblich, stellte ein ärztliches Komitee die schwere Wunde und die Lähmung fest. Als Alliaume aus dem Wasser ging, ver­spürte er, daß die eitrige Wunde sich schloß, und sah auch, wie sie ihr gräßliches Aussehen verlor. Rasd kehrte auch der normale Gebrauch des Ar­mes zurück; die Aerzte konnten feststellen, daß Alliaume innerhalb einer halben Stunde völlig gesund geworden sei. Nun ver- langt der Besitzer des Ochsen Rückgabe der 8000 Franken, so daß ein französischer Gerichtshof Ge­legenheit hat, zum erstenmal ein Wunder legal sestzllstell--

zum Jahre 1874, wo durch den Kultur- kämpf Priesterseminar und Knabenseminar mit einem Schlage geschloffen wurden. Beide, das Knabenseminar in seinen oberen Klaffen und dos Priesterseminar, hatten die gleichen Räume inne, seitdem im Jahre 1803 das Seminar in den säkularisierten Benediktiner-Konvent, in das heutige Priesterseminar übergesiedelt war. Aber der internationale Charakter der Fuldaer Schule schien ein» für allemal entschwunden zu fein, denn das Priesterseminar diente nunmehr nur noch den Theologen der Diözese Fulda.

Merkwürdigerweise war es wiederum ein der Kirche ungünstiges Ereignis, das der Fuldaer Schule die frühere internationale Bedeutung wenigstens in etwa wiedergeben sollte. Wie die Glaubensspaltung der Anlaß zur Gründung der zweiten Schule Fuldas wurde, so hatte der Kultur­kampf die Entstehung der dritten Fuldaer Schule (wenn dieser Ausdruck am Platze ist) im Gefolge. Die Tatsachen sind noch in aller Gedächtnis. Den Bemühungen deS um die Diö­zese Fulda so hochverdienten unvergeßlichen Bischofs Georg Kopp gelang es, noch bevor die meisten anderen preußischen Priesterseminare eröffnet wer­den konnten, das Priesterseminar in Fulda wieder zu eröffnen, dank auch dem anerkennenswerten Entgegenkommen der Regierung. Alsbald eilten aus verschiedenen Diözesen Deutschlands, deren Seminarien noch nicht geöffnet waren, Theologie­studierende nach Fulda: das Schauspiel der ersten und zweiten Fuldaer Schule wiederholte sich im kleinen. In weiser Erkenntnis der Tragweite dieses Umstandes begab sich Bischof Georg Kopp sofort daran, für die neuen Ankömmlinge Raum zu schaffen, und er erhöhte den bis dahin zwei­stöckigen Bau des Priesterseminars über dem ganzen Süd- und Mittelflügel um ein Stockwerk. Aber auch für den inneren Ausbau der neueröff­neten Anstalt war Bischof Georg Kopp hervor­ragend tätig. Unter feiner persönlichen Mitwir­kung und Leitung wurde die neue Anstalt nach Art unserer Universitäten eingerichtet. Man unter­schied die philosophisch-theologische Fakultät und das Priesterseminar; ein Vorlesungsplan für beide wurde ausgearbeitet, der eine ganze Anzahl von Fächern aufwies, die früher nicht vor­getragen worden waren, deren Einbeziehung aber durch den fortgeschrittenen Stand der philo­sophischen und theologischen Wissenschaft gefordert schien. Für die Vervollständigung und Ver­größerung der Seminarbibliothek wurde eine beträchtliche Summe in den jährlichen Etat ein­gestellt, die Anzahl der bei den Professoren zirkulierenden wissenschaftlichen Zeitfchriften wurde fürs allererste schon auf 31 festgesetzt, eine Prüsungsordnung und Statuten für die philosophisch-theologische Fakultät und für das Priesterseminar wurden entworfen, das Prosessorenkollegium wurde neu gebildet. Es letzte sich wie folgt zusammen: Domkap. Prälat Dr. Komp für Pastoral nebst Liturgik, christl. Archäologie, Pädagogik, Katechetik und Liturgik. — Domkapit. Dr. Braun für Kirchenrecht, Ehe- recht und GrschästsstÜ. — Dompräb. u. Geistl. Rat Engel für Kirchen- und Weltgeschichte, Rhe­torik und Homiletik. — Dompräb. Schick für Moral und Kasuistik, Patrologie und Patristik. — Dr. Gutberlet für Dogmatik, Apologetik, Philos.« Theol. Propädeutik. — Subregens Dr. Hiltenbrand für Einleitung in die hl. Schriften, alt- und neutestamentl. Exegese, Psalmenerllärung und Hebräisch. — Dr. Pohle für Philosophie, Geschichte der Philosophie, Naturwissenschaft und Literatur. Im Lause der Jahre hat sich dieser Stand des Professorenkollegiums mannigfach ver­ändert: von den Professoren, die damals am 19. Oktober 1886 in der Hauskapelle des Priester- semuiars nach einem von Herrn Regens Dr. Komp zelebrierten Hochamte De spiritu sancto in Gegenwart aller Alumnen an den Stufen de- Altares die professio fidei ablegten und dem feierlichen Eröfsnungsakt des neuen Priester- seminars in der Aula beiwohnten, leben nur noch zwei: Protonotar Domkapitular Dr. Gutberlet in Fulda und UniversitätSprofeffor Dr. Pohle in Breslau. Letzterer verließ bereits im Sommer 1889 die philosophische Fakultät, um einem Ruse an die neugegründete katholische Universität Washington zu folgen. Seine Fächer übernahm der damalige Stadtkaplan Dr. S ch m i 11, unser jetziger Herr Bischof. Der nächste, der aus dem Lehrkörper schied, war Regens Dr. Komp: er bestieg 1894 den bischöfl. Stuhl zu Fulda; kaum ein Jahr darauf entriß der Tod den Nachfolger Komp's in der Regentie, den Pros. Dr.Hillenbrand, aus feiner Tätigkeit; im Zeitraum von sieben Jahren schieden in der Folge drei weitere Professoren, die an der Wiege des neuen Priesterseminars gestanden hatten, aus dieser Zeitlichkeit: Prälat Schick, Domdechant

Braun, Protonotar und Domdechant Engel. Auch die Leitung der Anstalt hat in den 22 Jahren einen mehrfachen Wechfel erfahren. Auf Regens Dr. Komp folgte im Jahre 1894 Subregens Dr. Hillenbrand, auf diefen im Jahr« 1895 Subregenr Dr. Schmitt und auf diesen im Jahre 1907 SubregenS Dr. Schreiber.

In den 22 Jahren seines Neubestandes ist dem Fuldaer Priesterseminar der mehr allgemein« Charakter geblieben. Die Tbeologiestudierrnden

der Diözese Limburg haben in steigender Zahl das Fuldaer Priesterseminar für ihre philosophi« scheu und theologischen Studien aufgesucht, abel auch Theologen aus Osnabrück und Hildesheim lenken immer wieder ihre Schritte zu der schönen Bonifatiusstadt, und auch die FranziskanerpatreS vom Frauenberg sind der Alma mater Fuldensii nicht ühtreu geworden. Die unten folgend« Statistik der Frequenz wird dies im einzelnen bestätigen. Drei Männer aber glänzen als Or­ganisatoren bezw. als Reorganisatoren in der Geschichte der Fuldaer Schule von 744—1888: St.Bonifatius bezw. Rhabanus MaurnS, Balthasar von Dernbach und Bischof Georg Kopp. Möge es dem Priesterseminar zu Fulda für alle Zukunft beschießen setn, eine geistlich« Bildungsstätte universalerer Art, eine Pflanzstätte nicht bloß des Diözesanklerus, sondern mehr oder minder des deutschen KleruS zu fein, wie es der ursprüngliche und stets festgehaltene Plan deS Apostels der Deutschen, des hl. Bonifatius, wart Nachstehend geben wir eine Frequenz-Ueber- sicht der Anstalt seit ihrer Wiedereröffnung im Herbst 1886. Wir bedienen uns hierbei der Abkürzungen F — Fuldaer Theologen, Fr. = Franziskaner, L — Limburger, O — Osnabrücker, H — Hildesheimer, M — Münsteraner, S = Sachsen (Vikariat Sachsen), B — Breslauer, P =■ Prager, N.-A. — Nordamerika.

1888

23, L 30

24, 8 22, D 2

. 70

1898

1898/99 : 72 Al.

: 83 AI.

1899

1900

1900/01 : 60 A>.

: 64 Al.

1901

. 88

r. so

f. 89

96 f. 98 [. 93 . 78

1 und Fr 30: zus. 104

1904'08 : 76 Al. — F 38, L 34, S 1, H 1, P 1, R.-«

1901/02 : 58 Al 1902 : 66 Al.

1902/03 : 64 Al.

1903 : 72 Al.

1903/04 : 72 Al.

1904 : 74 Al.

1888/89 : 52 Alumnen 1889 : 50 Alumnen

1889/90 : 47 Alumnen 1890 : 53 Alumnen

1899/00 : 78 Al. : 65 Al.

1890/91 : 48 Alumnen --- F 24, L 22, O 2 1891 : 65 Al. --- F 27, L 24, O 14 und Fr 5: zu

1891/92 : 72 Al. --F31,L 24,0 17 und Fr 10: zu . 83 1892 : 69 Al. — F 33, L 27, O 9 und Fr 10: zu . 79

1892/93 : 64 Al. --- ft 29, L 23, O 12 und Fr 7: zus "*

1893 : 83 Al. ---- F 35, L 32,0 16 und Fr 12: zu

1893/9* : 77 Al. -- ft 28, L 33, O 16 und Fr 12: zu

1891 : 84 M. --- ft43,232,08,531 u.Fr 12: zu

1891/95 : 86 Al. -- F 43, L33,0 8, H1, Blu. Fr6: zu 1895 : 81 Al.--F43,L29,08, B. 1 U.Frl2: zu

1895/96 : 73 Al. — ft 39,2 26,0 7, B 1 U. Fr 5: zu 1896 : 83AI.--F42,L31,O9,B 1 u.Fr5: zu

1896/97 : 74 Al. --- ft 42, L 29, O 3 und Fr 6: zu 1897 : 79 Al. --- ft 51, 2 27, O 1 und Fr 13: zu

1897/98 : 66 Al. --- ft 40, 2 24,0 1, M1 U.ftr 9: zu : 72 Al. --- F39,230,02, Ml u.ftrlO: zu F 37, 2 33, D 2 und Fr 8: zu F 38,2 34, O 11 und Fr 24: zus. 107 F 35, 2 38, 0 5 und Fr 17: zus. 95 F28,232,04,Hlu.Fr 16: zus. 81 F 29, 2 29,0 1,H1 u.Fr 8: zus. 68

: 47 Alumnen = ft 20, 2 26, B I ----- F 22, 2 29, H 1

F 23, 2 26, H 1 ft 22, 2 25

F29, 2 29,O l,Hlu.Fr 8: zu ft29,231,0 3,H 1 u. Fr 24: zus. 88 ft 27, 2 29 O 2 und Fr 23: zus. 81 ft 35, 227, 04 und Fr 15: zus. 81 ft 36, 2 27, O 1 und Fr 23: zus. 87 ft 37,2 34, Metz 1 und Fr32: zus. 104 ft 34,2 35,0 3 und Fr 30: zus. IM - F 37, 2 33, S 1, H 1, P 1, N.-A

1886/87 : 28 Alumnen --- ft 16, 2 6, H 6

1887 : 51 Alumnen = ft 19, 2 22, H 10

1887'88 : 39 Alumnen = ft 16, 2 23

1 und Fr 28: zul. 104

1905 : 81 Al. = ft 39, 2 30, H 1, S 1, P 1, O »

und ftr 31: zus. 112

1905/06 : 81 Al. — F 41, 2 31, O 7, H 1, T 1 und ftr 31: zus. 112

Einführung eines neunten Semesters für Fulda, wodurch das Sommerhalbjahr jedesmal um et« Se­mester Fuldaer Theologen stärker wird als das Winter­halbjahr.

1906 : 90 Al. = ft 52, 2 35, o 3 und Fr 13: zus. 103

1906/07 : 74 Al. ---- F 43, 2 30, D 1 und ftr 12: zus. 86 1907 ; 81 Alumnen = ft 51, 2 30 u. ftr 17: zus. 98

1907/08 : 81 Al. -- ft 47, 2 33, o 1 und ftr 17: zus. 98 1908 : 105 Al. — F 60, 2 42,0 3 u. Fr 15: zus. 120

1908/09 : 90 Al. = ft 48, 2 39, O 3 und ftr 15: zus. 105

Deutscher Reich.

— Wie Harun al Raschid pflegt nicht jeder Herrscher sich mit den Verhältniffen seines Lande­vertraut zu machen, aber es hat doch wenigsten- Fürsten gegeben, die unzerschnitten die Zeitungen aller Parteirichtungen gelesen und sich so un- beeinfiußt ihr Urteil gebildet haben. Der Meder« rhein. Volksztg/ wird zu diesem Kapitel auf Oldenburg geschrieben:

»Unser im Jahre 1900 verstorbener Großherzog Peter war bekanntüch ein Landesvater im besten Sinne des Wortes, dem von allen seinen Untertanen ungeteilte Liebe «Mgegengebracht wurde. Erstaunlich war eS, wie dieser edle Fürst über alle Verhältnisse und Personen in seinem Lande unterrichtet war. Woher schöpfte er aber diese Kenninis? Einesteils machte er alljährlich Reisen durch die verschiedenen Kreise seines Landes. Sodann erteilte er wöchentlich Audienzen. Jeder, der ein Anliegen hatte, konnte sich seinem Throne nahen und dasselbe vortragen. Endlich aber informierte sich der Fürst durch die Zeitungen aller Partei­richtungen, die täglich unzerschnitten ihm gebracht werden mußten. Nicht nur las Großherzog Peter liberale und sorlschrittliche Organe, sondern auch das Zentrumsblatt seines Landes, die .Oldenb. Bolksztg/ in Vechta. Ja, er verschmähte auch nicht die Lesung sozialdemokrattscher Organe."

«Parität in Hessen. Durch bie Ernennung des Provinzialdirektors in Mainz, Freiherrn von Gagern, zum hessischen Gesandten in Berlin und die Pensionierung des Provinzialdirektors Grancy in Darmstadt, hat es in der hessischen Verwaltung allerlei Veränderungen gegeben. Auffällig, ober wenn man will, nicht auffällig ist, daß die Ka­tholiken wieder einmal das Nachsehen ha­ben. Unter den 18 Kreisräten des Hessenlande- ist nunmehr kein Katholi k, soweit uns be­kannt. Das ist wohl, um mit der liberalen „Köln. Ztg." $u sprechen, nur Zufall, tote ähnlich iw Preußen?