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35. Jahrgang.
Fuld a, Freitag den 23. Oktober 1908.
JW 245
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Dienstjahren, also in einem Alter von etwa 46
Jahren, gewährt werde.
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ist, aber dieses Mehr würde sich in so bescheidenen Grenzen halten, daß auch der radikalste Gleichstellungsfreund in der Lehrerschaft daran keinen Anstoß nehmen würde."
Zu den dringendsten Wünschen der Lehrer gehört auch eine Herabsetzung der Frist für die Erreichung des Höchstgehaltes. Gegenwär- tig wird es nach 31 Dienstjahren, durchschnittlich also mit 52 Lebensjahren erreicht. Dabei soll es auch in Zukunft bleiben. Nach der amtlichen Statisftk vom Juni 1906 zählten unter 80 544 Lehrern nur 9834, d. h. 13,2 Prozent mehr als 30 Dienstjahre. Nur ein bescheidener Bruchteil I der Lehrer bezieht also das Höchstgehalt; es be- sitzt für diese daher nur mäßige Bedeutung. Kerne Beamtenklasse tritt so spät in den Genuß des größten Einkommens. Sonst geschieht das durchschnittlich mit 45—47 Lebensjahren. In diesem Alter sind di« Ausgaben der Familienvater für ihre Heranwachsenden Kinder am größten. Des- ' halb erscheint es gerechtfertigt, daß auch den Leh-
** Berlin, 22. Okt. 1908. Der sozialdemokratische Antrag auf Haftentlassung des Abg. Liebknecht soll im Abgeordnetenhause am DienStag als erster Gegenstand auf die Tagesordnung gesetzt werden. — Nach Mitteilung der ,Allg. Armee-Korr/ beabsichtigt die deutsche Heeresverwaltung ein freiwilliges Motor- radsahrerkorps für Kriegszwecke zu organi- sieren. Man rechnet für den Mobilmachungssaü auf einige hundert Fahrer. Ferner ist mit der Konstruktion eines neuen Militürlafizuges begonnen worden, besten Leistungsfähigkeit auf
dreißig Tonnen, d. h. auf den Tagesbedarf einer Infanteriedivision gesteigert werden soll.
r Die Festlichkeiten am Berliner Hofe. Das Kaiserpaar feierte gestern den Ge« urtstag der Kaiserin. Am Nachmittag olgte dann die Vermählung bei Prinzen August Wilhelm mit der Prinzessin Alexandra Viktoria von Holstein-Glücksburg. Bei dem Fest« mahl brachte der Kaiser die Gesundheit bei urigen Paares mit einem Trinkspruch aui, worin er u. a. sagte:
X Das LehrerSesol-ungsgesetz.
Die von dem gesamten Beamtenheer mit Spannung erwartete neue Besoldungsordnung, •rie dem Entwürfe des Gesetzes betreffend die Be- «itftellung von Mitteln zu Diensteinkommensver- »esterungen beigefügt ist, bringt für die große jNehrzahl der preußischen Beamten eine Gehalts- rhöhung, die sich allerdings vielfach in bescherde- ,en Grenzen hält, in nicht wenigen Fallen aber tine recht bedeutende Höhe erreicht, wober sich das Sestreben zeigt, Ungleichheiten, die bisher bestan-
Von Marcel Etienne.
(Nachdruck verboten.)
Intoleranz, bte leid« Professorenkreise« he«t< ' die deutschen ‘ t gutes Am
tage muß ich weiter wandern! Am heiligen Oster- tage versammeln sich alle Lirnicki der Ukraine, und an dieser feit langem vorher bestimmten Zusammenkunft darf keiner von uns fehlen!"
„Wenn es so ist, so begreife ich Deine Weigerung! Doch hätte es mich gefreut. Dich hier zu behalten, mein Alter!"
Der Sänger verneigte sich und der Schloßherr kehrte über den Hof ins Dwor zurück, da er sah, daß es mittlerweile zu dunkeln anfing. Im Vestibüle rief er eilig einen seiner Diener.
„Jgnazy", sagter ihm, „siehst Du da den Alten mit dem weihen Bart, dem langen Mantel und der Ziehharmonika? Ich versprach ihm für heute Abend ein gutes Essen und ein warmes Bett. — Setze ihn bei Tisch neben Dich und trachte vor allem, ihn plaudern zu machen. Spare den Wein und den Wisky nicht. . . Ich möchte sehr gern wisten, woher der Mann kommt. — Dann sprach er auch von einer Zusammenkunft aller Lirnicki in Human, auf den Gütern des Herrn Wojwoden! Ich weiß nicht, es ist mir, als ob all diese seltsamen Dinge nichts Gutes bedeuteten! Mein Gott! Verhüte D«, daß es nidft wiederum von neuem Ruinen und Blut, Elend, Jammer und Mord in unferm armen Vaterland« gebe! Ich bin ja nicht stark und mächtig genug, um das Urteil abzuwenden, aber immerhin ist es besser, von vornherein zu wissen, daß . . . Also Jgnazy, Du hast mich verstanden. Nun geh und sieh, daß Du diesem Alten die Zunge lösest!"
„Ich werde mein Bestes tun, Herr!"
Der Schloßherr nickte schweigend mit dem Kopf und begab sich dann in fein Zimmer, wo er sich bi» zum Abendessen einschloß. Der getreue Jgnazy fand den Alten noch in der Mttte des Hofes sichend, und klopfte ihm, ehe er rhn in bte Küche führte, freundlich aus die Schulter und gab ihm die Hand. Dann setzte er ihm em kräftiges Esten vor, und schänkte ihm reichlich Wem und Branntwein in sein Glas. Der Alte ließ sich
Deutsches Reich
□ Die Elektrizitäts- und Gassteuer.
Nach diesem Entwurf wird die Steuer elektrische Kraft und Gas mit 5 Prozent Abgabepreises, jedoch nicht über % -ä für Kilowattstunde bezw. für den Kubikmeter angesetzt. Glühstrümpfe für Gasglühlrcht, bte heute im Kleinverkauf 18—25 kosten, sollen
künftig mit 10 H das Stück versteuert werden, ebenso werde für gewöhnliche Glühbirnen eine Steuer von 10 F das Stück verlangt. Die ständige Steuerkontrolle erstrecke sich nicht nur au die Betriebslager und Geschäftsräume, sondern auch auf die Geschäftsbücher und die Geschäftspapiere. Die Entziehbarkeit dieser Steuer ist natürlich groß, darum hat man geradezu drakonische Strafen vorgesehen. Es kann Strafen bis zu 100 000 <X und außerdem Gefängnis bis zu 2
Der „Vorwärts" veröffentlicht einen Entwurf der Elektrizitäts- und Gassteuer, den thm „günstiger Wind" auf den Redaktronsttsch
ihrem ernsten Gatten entgegeneilte, hätte man sitz viel eher für feine Tochter halten können, bt< ihren Vater zu begrüßen kam.
Dachte Hieronymus in diesem Augenblick das Gleiche? Es mochte wohl sein, da er anstatt ihr beglückt die Arme zu öffnen, als er sie so jung und strahlend vor sich sah, die Augenbraunen zu», sammenzog, die Lippen zusammenpreßte und sogar einen Moment seinen verdüsterten Blick zur Sette wandte. Kein Wort, kein freundliches Lächeln! — Marynia hatte.mit einer Bewegung voll Anmut und Liebreiz das dunkle Köpfchen erhoben und die Arme ausgestreckt, um sie um den Hals ihres Gatten zu legen, dieser aber richtete sich steif zu seiner ganzen imponierenden Große auf, trat einen Schritt zurück und begnügte sich, mit wohlberechneter Kälte eine der kleinen Hände zu ergreifen
Nun zog sich auch Marynia zurück, indem sie bleich und zitternd die Arme sinken liefe! Sie fühlte sich tief verletzt, all ihre Heiterkeit, ihr Frohsinn war im Augenblick dahin, das Leuchten ihrer Augen und das strahlende Lächeln ihrer Lippen erloschen. Was hatte sie denn verbrochen? Sie war sich nicht desSchattens eines Unrechtes bewufet. Sie war in das HauS ihrer Kindheitserinnerungen für einen schönen Festtag zurückgekehrt, hatte sich dort ruhig, fröhlich und glück- sich gefühlt, indem sie ihre alten Eltern mit ßtefxl umgrib, und ihrer Mutter einen Teil ihrer Haus- frauenforgen zu erleichtern suchte! Sie gab der Dienerschaft die notwendigen Anweisungen zur Htbeit, half die Osterbackstube zu überwachen und die Gäste zu empfangen. War das ein Grund, den Ann ihres Gatten zu erwecken?
Der Schloßherr, feine Gattin und bie junge* Heute waren bei dieser stummen Szene gegenwärtig und hatten Mühe, ihren Zorn und ihre En». pörung $u verbergen.
Sttai Souper verlies denn auch wenig animiert: die Heiterkeit, welche einem so schönen und froh«
für tüchtig hielt, so machte er ihm freie Bahn, auch wenn dieser durch katholische Gesinnung bet sein« engeren Berufsgenoffen mißliebig war. Seinem rechtigkeitsgefühl ist es z« danken, daß nach dem brW taten Ausschluß katholischer Dozenten in den Zeiten des
auf dem Gebiete des llniversitätswesens. Red« seinen »ielen positiven Schöpfungen der verschiedenst« Art machte et sich hier besonders verdient durch b« feste Durchführung des Prinzips der intellektuell« Auslese und daS Niederhalten alle- Cliquenwesen». Bon Natur durchaus wohlwollend und Menschenfreund« sich, ließ er im UniversitätSwesen keinerlei persönliche Rücksicht gelten, sondern sorgte ohne alle Seitenblick« dafür, daß nur die Tüchtigsten und Befähigtsten auf die Lehrstühle der Hochschulen berufen wurden. D« brachte ihn natürlich nicht selten in bitteren Konfliw mit den Sonberintercffen und Privatanschauungen einzelner Profesioren, mit dem Seldstbewußtsetn der Fakultäten und der politischen, religiösen und rotneie» schastlichen Exklusivität und Intoleranz, die leibet weiten, namentlich liberalen . ...
eigen ist. Hier ist der Punkt, wo auch di, Katholiken dem verstorbenen Althoff em denken bewahren müssen. Wenn er einen
Fisch und Wcin trefflich schmecken, doch blieben alle Bemühungen Jgnazys, ihn geschwätzig zu machen, umsonst.
15. Kapitel
Um den geweihtenTischversammelt.
Bei Einbruch der Nacht erschienen noch zwei weitere Gäste aus Koszowata: der Starost unterließ es nicht, den Eltern seiner Frau einen Öfter- besuch zu machen und dieses Mal kam er nicht allein, sondern hatte auch seinen Intendanten mit- gebracht.
Die Damen des Hauses waren noch immer mit unermüdlichem Fleiß in der Osterbackstube beschäftigt. So waren es denn die beiden Brüder Bychowski und Phadäsus Dluski. welchen der Starost zuerst begegnete, und sogleich ergoß sich eine tödliche Blässe über seine Züge. Doch verriet er seinen Serger weder durch ein Wort noch durch eine Bewegung, sondern begnügte sich damit, in seiner gewohnten hochmütigen Weise die jungen Männer ohne ein Wort, nur mit einer stummen Neigung des Kopfes, zu begrüßen. Dann begab er sich in den großen Saal, wo die Diener eben die Festtafel herrichteten, um seinen Schwiegervater zu begrüßen. Hinter ihm schlich Skandyba mit demütiger Miene und gekrümmtem Rücken einher und erschöpfte sich in den untertänigsten Komplimenten, was ihn jedoch nicht hinderte, in unbewachten Augenblicken sich vergnügt die Hände die reiben und seine heimtückischen, schielenden Blicke überall achtsam umherschweifen zy lassen.
Er sollte noch einen viel lebhafteren Grund zu boshafter Freude hccken. — Man hatte der Starostin die Ankunft ihres Gatten angezeigt. Marynia eilte sogleich herbei, fröhlich angeregt, ohne Tottette und Schmuck; rosenfarbene Bänder flatterten aus ihrem welligen, schwarzen Haar, an den festen, rosigen Armen, bie bis zum Ellbogen frei waren, klebten noch Spuren feinen Teiges. Als sie so jung, so lächelnd und harmlos
* Zur Frage der Arbeitslosigkeit ist bem Abgeordneienhause folgende, von uns bereits angekündigte, Interpellation Trimborn und Genossen zugegcmgen:
Durch welch« Maßnahmen gedenkt die Königliche SiaaiSregierunz zur Linderung der Arbeitslosigkeit mitzuwirken, welche in einzelnen Orten der Monarchie auf gewerblichem Gebiete erheblich in Erscheinung tritt und sich weiter auszudehnen droht?
* Dem verstorbenen Ministerialdirektor a. D. v. Althoff, dessen Person und Wirken wir schon kurz gewürdigt haben, wirb auch von entschiedenen Gegnern der Tribut der Hochachtung nicht versagt. So schreibt beispielsweise das .Berliner Tageblatt':
Man konnte diesen Mann bekämpfen, der wie ein Diktator dem preußischen Unterrichtswesen seinen Willen auszwingen wollte — aber man konnte dieser ungewöhnlich starken Persönlichkeit, konntediesem Vollmenschen, diesem hochgebildeten und scharfen Geist seinen Respekt nicht versagen. Wer Althoff gekannt hat, mochte mit ihm über alle wesentlichen Fragen des Staatswesens uneinig sein — aber er mußte sich doch immer wieder bestricken laffen von der sprudelnden Fülle dieses Geistes, von der Originalität und der Urwüchsigkeit dieser Erscheinung. Schon das
Jahren wegen Steuerhinterziehung abseben.
Die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu der Veröffentlichung:
„Die abgedruckten Bestimmungen ent prechen dem Entwürfe, wie er vor einigen Wochen dem Bundesrate vorgelegt worden war. Da der Entwurf nicht bloß den beteiligten Dienststellen im Reiche und in den Bundesstaaten, sondern auch verschiedenen sachverständigen Interessenten vertraulich mitgeteilt worden ist, so läßt sich hier noch schwerer als sonst vermuten, ob und wo eine Indiskretion begangen ist. Die Vorlage hat übrigens bei den Beratungen im Bundrsrale, die noch nicht völlig abgeschloffen sind, eine Reihe rott A en de- rungen erfahren, so daß die jetzige Bekanntgabe im .Vorwärts- sich jedenfalls mit der cudgilligen Fassung nicht decken wird."
,en haben, zu ebnen. .
Für einzelne Beamtentlassen aber bringt bte öesoldungsordnung «ine Enttäuschung. Mit we- tig frohen Gesichtern wird das L e h r e r b e s o l- -ungsgesetz von den preußischen Lehrern eria)CTni e9 gerecmTerum, vuD ~v.,-
>rüfet sie haben besonders lange und schmerzlich 5x5 Erreichung des Höchstgehalts nach 25
tuf Verbesserung ihrer Lage warten muffen, von - —■ — -1—- *°
Ären Wünschen werden aber nur einige erfüllt.
Mit dem Anfangsgehalt von 1350 dH dürfte lie Lehrerschaft einverstanden sein, wenn die Sache «sicht ein „Aber" hätte. Das Besoldungsgesetz von 1897 sichert den Lehrern „mindestens" 900 =* Grundgehalt und eine Allerszulage bis zur Höhe I jon ebenfalls 900 M, also zusammen 1800 M mit 31 Dienstjahren erreichbar, zu. Durch spätere | Maßnahmen find diese Sätze auf 1000 bezw. 1100 I Mark Grundgehalt, im Höchstbetrage auf 2180 Mark gesteigert worden. Wenn die neue Vorlage also ein Grundgehalt von 1350 <M. und Alterszu- lagen im Gesamtbetrag« von 1800 dH, mithin ein Höchstgehalt von 3150 M vorsieht, so erscheint dem Fernerstehenden das als eine beträchtliche Aufbesserung. Immerhin aber werden die Lehrer es I bedauern, daß ihre auf der ganzen Linie ausge- fprochene Forderung: Gleichstellung aller Volks- fchullehrer in Stadt und Land im Gehalt mit den Sekretären der allgemeinen Staats-Verwaltung, unerfüllt geblieben ist-, was aber noch mehr Be- denken hervorrust, ist, daß die weit niedrigeren Sätze des Befoldungsgesetzes von 1897 ausdrücklich als „Mindestfätze" bezeichnet waren, die jetzigen Beträge aber Normalsätze sind.
Trotz dieser „Normalsätze" wird die alte wich-1 itge Frage der Gleichstellung zwischen Stadt- und Lairdlehrern in der Vorlage nicht gelöst. Dre Ortszuschläge führen die Ungleichheit wieder ein. Die Grenze von Gemeinden mit 25 000 und 50 000 Einwohnern ist doch sehr willkürlich. Ortschaften mit rteiner Bevölkerungszahl können oftmals «in gerade besonders teures Pflaster , darstellen. Die Ortszitlagen sollen in Orten mit 25- bis 50 000 Einwohnern nicht mehr als 200 M\ tu Orten mit 50000 bis 100 000 Einwohnern nicht mehr als 400 dH; in Orten mit mehr als 100 000 Einwohnern nicht mehr als 750 Mark betragen. Darüber hinauszugehen ist gesetzlich verboten.
„Es ist richtig", bemerkt dazu in einem berliner Blatt Lebrer I. Tews, „dafe gröfeere und mittlere Gemeinden die Gleichmafeigkelt tn der Lehrerbesoldung gestört haben. Es ist auch rich- ligs daß eine gröfeere Gleichmäßigkeit der Lehrer- «inkommen eine Voraussetzung allgemeiner Zufriedenheit in der Lehrerschaft ist, aber unrichtig ist eS, nun Mehrleistungen unmöglich zu machen und dadurch die gesamte Lehrerschaft auf einem unzureichenden Besoldungsniveau zurückhalten zu wollen. Wenn für die große Mehrheit der Lehrerschaft ein der Bedeutung des Lehrerberufes entsprechendes Einkommen gesetzlich sichergestellt würde, wurden zwar auch noch einzelne Gemeinden, die ein besonderes Gewichts darauf legen, ihr Schulwesen zu entwickeln, über dieses Ginkommen um etwas hinausgehen, wie es bet den kommunalen höheren Lehranstalten der Fall
„Und Du hast Dich nicht umgeschaut? Hast in feiner Näh« nicht irgend welche Spuren der Vergangenheit entdeckt, vielleicht irgend ein gefährliches Geheimnis, das Du mir vorenthälst?"
„Absolut nicht, Herr! — Es ist auch gar nicht meine Sache, zu entdecken und zu erraten! Wenn ■man nur für meine alten Geschichten, die ich er- ^ahlt und die schönen „Dumkas", die ich finge, bie Abfälle vom Tische schenkt, nur beim Fort- 'gehen zum Ueberfluß noch meinen Bettelsack lullt ft> brauche ich nichts zu hören lind zu sehen, und vor allem — nichts zu fragen, so wanderte ich schon feit oieleit Jahren durch die Steppe, — «der Felder und durch die Wälder, — von Dorf ! au Dorf und von Dwor zu Dwor und habe es feit langem gelernt, zu schweigen wenn ich muß, und zu sprechen, wenn es das Schicksal will!"
Hier schwieg dec Alte: fein Gesicht drückte Einen so unerschütterlichen Entschlufe aus, daß Herr Bychowski einsah, jedes weitere Fragen sei unnütz!
„So ist's recht, mein Alter!" sagte er, indem er aus bet Tasche seiner Kontusza eine große Börse zog. Er entnahm derselben eine Silber- münze und drückte sie in die Hand des Sängers: „Das ist der Lohn für Deine Botschaft, mein Älter" sagte er. „Willst Du mir jedoch eine Freude machen? Uebermorgen ist Ostern, das .schöne Fest: Geh nicht fort, — bleibe hier! Du sollst für diese beiden Nächte ein köstliches warmes Bett im Heu bekommen und ich selber will darauf achten, daß Du Deinen Teil vom „Geweih- ’ten” erhälst!"
„Ihr seid sehr gütig Herr, und ich danke Euch! Ich werde dankbar heute abend ein warmes Esten )mb Euer gutes Bett im Heu annehmen, morgen
Heuzert Atthoffs, schon dies« gedrungene derbschullrig« bäuerisch« Gestatt mtt dem prachtvollen brestschädltg« Kopf hatte etwa» Erfrischend«». Dieser Kopf mtt de» chrSg vom Kinn abstehenden Carte und dem listigen Lächeln war der Kopf einer alten westfälischen Bauer« oder «in«» lebenShetteren Seebären, und die» Gemisch von biederer Herzlichkeit und Schlanhett drückt« sich auch tn AllhoffS ganzem Wesen au». Wenn er denen, di» et gewinnen wollt«, mit warmer Vertraulichkeit auf die Schulter klopft«, ober wie der zuverlässigste des Freunde di« Hand drückte, so widerstanden ihm di» wenigsten. Aber mehr noch al» dies« Heinen im Grund» etwa» durchsichtigen Künste wirft« der Retz sein« eltene« Intelligenz und seiner kraftstrotzend«» Individualität."
Bledrkb AUtiot?
Althoff war nicht bet unsere im parteipolitischen Sinne be» Wertes, ebensowenig gehörte er dem katholischen Bekenntniffe an, abrt so engherzig sind wir nicht, bem bedeutenden Manne, der mit der Genialität des echten Staatsmannes nicht nur ein Herrschertalent, sonderA auch ein edles, treues, dankbares Herz verband,^ nicht in vollstem Maße gerecht werden sollte«. Leute wie er sind nur zu selten noch auf den. oberen Stufen der preußischen Beamten-Hierarchi» anzutreffen, Leute, die konsequent ihre eigene* Wege gehen und ihre eigene beffere liebere zeugung hochhalten, auch wenn er gefährlich wird. Althoff hat er stets getan und Ehre uns, Anerkennung folgt ihm dafür über da» Gral hinaus. Die .Kölnische Volkszeitung' schreibt von ihm:
Ihr werdet nun Euren Hausstand gründen und das Leben zufammen beginnen. Lrb«n heißt Ar- beiten, Arbeiten heißt Schaffen, Schaffen bedeutet Wirken für andere, für das Vaterland, für daS Boll, Wirken in unserem Haus«. Nach den frohen Stunden der ersten Tage und Monate wird an Euch der Ernst des Lebens herantteten mit seinen Pflichten, den Pflichten, wie sie in tmserem Hause geübt werden. Du, mein Sohn, hast unserem Hause Ehre gemacht mit Deinem Examen, welches Dir zu Deiner Zivcklaufbahn den Weg geöffnet hat, und Du wirst Deiner Frau hilf, reich zur Seite stehen in den Werken der barmherzigen Liebe. Möge für Such auch das Bild maßgebend sein, welches für uns Menschen von oben gezeichnet ist: der Strom, der sich vielfach teilt. Der eme Arm, der be- lastet wird, der die Schiffe trägt dem Meere zu, ein Vorbild dafür, daß einem im Leben von oben Lasten auferlegt werden, die gemeinsam getragen werden sollen, und daß die Kraft zum Tragen aus dem festen Vertrauen auf den dort oben erwächst. Und der andere Arm, der Arbeit verrichtet; auf dieses Bild greifen wir zurück al8 «in Bild dafür, daß wir stetig wirk«» sollen in Werken der Liebe zu den Brüdern und wirken in stetiger Arbeit für das Wohl des großen Ganzen und zur Ehre unseres Hauses."
□ Die preussische Beomtcubesoldungsvorlage soll, wenn es nach dem Beschlüsse des Seniorenkonvents des Abgeordnetenhauses geht, nochvor We i h na cht e n erledigt werden. Da im Aügeord- netenhanse ein recht strenges Regiment herrscht, ist anzunehmen, dafe Herr v. Kröcher dresen Be- fchluß des Seniorenkonvents auch durchsetzen wird. Augenblicklich bearbeiten die Fraktionen die Vor- läge; sie halten sämtlich in diesen Tagen ununter, brachen Sitzungen ab. In der nächsten Woche wird die Sache dann im Plenum zur 1. Beratung gestellt werden. Alsdann wird die ganze Materre an verschiedene Kommissionen gewiesen werden. Es wird angenommen, dafe bie 1. Lesung bte ganze nächste Woche in Anspruch nehmen totrb. Für die Kommissionsarbeiten soll dann eine Pause von zwei Wochen gelaffen werden. Darauf würde die ausschlaggebende 2. Lesung mit der eingehenden Einzelberatung folgen.