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M 244.

Fulda, Donnerstag den 22. Oktober 1908.

35. Jahrqansi.

Zweites Wtcrtt

Aus Kirche und Schule

..Der Staat hat ein Lebensinteresse daran, den

Reklame», nnd Anzeigenteil. <

«rfcQetm faflita» tntt Aurnahme der So m- Und Lriertag«. Viertel­jährlicher Vezugsprelr »hne Sringerlohn und VefteLgeld in Zuida so­wie aurwärtsl-SoMk.

verantw. Redakteur: Sark Schütter

,,Alademia" veranstaltet, in der der bekannte Kunsthistoriker Diego Angeli sprach.

Hier wird offen zugegeben, was Prof. Kahl weise zu verschweigen sich bemühte: Man erklärt sich gegen die Trennung von Staat und Kirche aus Furcht vor der moralischen Macht des Katholizismus und wegen Besorgnis um die Zukunft des heute von der'staatlichen Macht am Leien erhallenen Protestantismus.

= Trennung von Staat und Kirche.

Der neue Rektor der Berliner Universität, Professor Dr. Kahl, har in seiner Antrittsrede die Frage der Trennung von Staat und Kirche behandelt.

* Wiesbaden, 21. Okt. 1908. Zwei Metzger­burschen standen hier vor dem Schöffengericht un­ter der Anklage, ein mangelhaft abgesto- chenes Schwein lebend in den Brüh- kessel geworfen zu haben. Zwar suchte ein als Schutzzeuge geladener Metzger das Verfehlen dec Burschen als entschuldbar hinzustellen, indem er angab, daß es schwer sei, bett Tod eines Schlacht­tieres definitiv festzustellen; doch konnte dieser Einwand durch den als Sachverständigen gelade­nen Tierarzt Meyer wirksam entkräftet werden. Das Gericht erkannte schließlich über den Antrag der Amtsanwaltschaft hinaus auf eine Geldstrafe von je 35 Mark und Tragung der Kosten.

* Mainz, 21. Okt. 1908. Für die im Jahre 1870/71 dahier an Vrwundungen oder Krank- heit verstorbenen Kriegsteilnehmer soll auf dem hiesigen Friedhöfe ein D e n km a I durch bie Stadt Mainz errichtet werden.

* Nassau, 21. Okt. 1908. Im nahen Becheln versetzte in letzter Nacht ein sieb zehn j äh ri- ger Bursche einem erst kürzlich vom Militär entlassenen Bergmann, lveil er sich weigerte, ihm ein Glas Schnaps zu bezahlen, einen Messerstich rns Herz und tötete ihn auf der Stelle. Der Tä- ter ist verhaftet.

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Zu gewaltigen Skandalszencn kam es am Drenstag in der französischen Kammer Als beim Justizbudget dec Deputierte Bietry dem <,ustizminister vorwarf, er mache sich zum Anwalt des Verräters Dreyfus, wandte sich die ganze Linke erregt lärmend gegen Bietry und die Kam- mer verhängte die Zensur über ihn. Trotzdem sprach er weiter und bezeichnete die Mitglieder des Kassationshofes als Fälscher i,nd Vflichtver- gessene. Da springt die ganze Linke auf. Drohende'Rufe werden laut: „Herunter von der Tribüne!" Der Präsident spricht darauf den zeit­weiligen Ausschluß von den Sitzungen aus und »in tnltt jviiyni «.irnnung, । f (die 3jribiine zu verlassen,

dw der katholischen Kirche Deutschlands die volle „„„ sÄ" sich weigert, verlaßt der Präsident fei- ' - - — ... inen Th» Sitzung wwd unterbrochen, die

>- • ----------------1 geräumt und der Redner

durch die Kammerwache mit Gewalt entfernt. Der Redner will sich jetzt „Genugtlinng" verschaffen. Bereits hat er drei Deputierte zum Duell ae- fordert.

hervorgegangen sind, grundsätzlich, unbekümmert um ihre Befähigung, von vornherein zurückweist Das ist verwerflicher Kastengeist.

C) Herford, 20. Okt. 1908. Der christlich, loör« le Parteitag 8ur grQöe bcc

Relchsfrnanzresorm gegen eine Zigarrenbande- rolensteuer ausgesprochen. Auch im übrigen er- wartet die Partei, daß ihre Abgeordneten nach Möglichkeit einer Erweiterung der indirekten Steuern ihre Zustimmung versagen. Weiter sprach sich der Parteitag für Einführung der ge- Heimen und direkten Wahl und Beseitigung des Klassenwahlsystems aus.

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3- Parzelle» in Fulda. Wochenbeklüge: „Ivusmerte Zonntagzzeitung

Ausland.

* Im Heeresausschuß der österreichischeu Dele­gation entrollte der Kriegsminister v. Schön­aich ein kostspieliges Programm, betc. Verbesse­rung der Heereseinrichtungen. Um über die finanziellen Bedenken himvegzuhelfen, erklärte rer Minister, die Auslagen für die Wehrmacht feten nidjU anderes als eine „Versicherungsprä­mie für den Frieden und eine gesicherte Entwicke­lung".

vermischtes.

* Tie neuen Zehnmarkscheine erfahren wegen rhrer schlechten Beschaffenheit vielfach Kritik. Der Vorstand des Deutschen Handelstages führt in einer Eingabe an den Staatssekretär des Reichs­schatzamts aus:

„Die von 51 Handelskammern eingelaufenen Aeuße- rnngen bemängclndie stoffltcheBeschaffenschaft,Größe und Ausstattung dergehnmarkscheine. Rian wünscht allgemein dieBerwendung eines wider,landsfähigeren Papiers. Das jetzt veiwendeke Papier sei zu weich und lappig und zerreiße deshalb leicht. Es sei sehr porös, sauge infolgedessen Flüssigkeiten auf und sei daher in ge­wissem Maße gesundheitsgefährlich, es nehme auch den Schmutz leicht an, werde llebrig und erschwere daS Zählen.

Aus dem Nachbargebiet.

* Hanau, 21. Okt. 1908. Die Hanauer Han­delskammer hatte ein Gesuch an den Reichskanzler gerichtet, in dem der Antrag gestellt wurde, beim Schliff der in Deutfch-Ostafrika gefundenen D i a- m unten auch die deutschen Arbeiter zu berück­sichtigen. Daraufhin hat dec Reichskanzlec die Bestimmung getroffen, daß von jetzt an bei allen in dieses Gebiet fallenden Arbeiten allein die deutsche Industrie Berücksichtigung finden darf. Es werden also von nun an die Diamanten Deutsch-Ostafrikas nicht mehr nach Amsterdam gebracht, sondern in den Diamantschleife- reien in Hanau fertiggestellt werden.

* Frankfurt a. M., 21. Okt. 1908. Der Kauf­mann Aulmann in Rödelheim hat im Jahre 1907 in seiner inzwischen in Konkurs geratenen Fabrik Marmelade hergestellt, die gefälscht war. Eine Probe Zwetschenlatwerge enthielt 30 Milligramm Salicylsäure und 50 bis 55 Proz. Stärkefvruv Wegen Nahrungsmitt lfäIschung wird auf 50Geldstrafe erkannt.

Kassel, 21. Okt. 1908. Ein Bauersmann aus Ihringshausen mußte gestern auf dem Wege aufs Feld mit einem mit zwei Kühen bespanntmt Wagen eine Nebenschranke der Eisenbahn passte- reu, welche er geschlossen vorfand. Er öffnete die Schranke, in demselben Augenblick brau- ste ein Zug heran, der das mitten auf dem Ge- • leise stehende Fuhrwerk zertrümmerte während der Eigentümer mit dem Schrecken da^ vonkam. Trotz des großen Schadens dürfte der Fall für ihn noch ein gerichtliches Nachspiel ha- ben.

* Carlshafeu, 21. Okt. 1908. Zum Kom­mandanten des hiesigen Jnvalidenhauses ist Herr Major a. D. v. Trotha, früher im Husaren. Regiment Nr. 10 zu Aschersleben, ernannt war-

Literarisches.

Grundzüge der Warenkunde für Handelsschulen und verwandte Lehranstalten sowie zum Selbstunterricht. Von Dr. Heinrich Mar- z e II, k. Professor an der städtischen Handels­schule in München. Mit 36 Abbildungen. Preis 2,75 M. Verlag der modernen kauf- manntschen Bibliothek (vorm. Dr. jur L Huberti) G. m. b. H., Leipzig-R., Eilenburg- straße 10/11.

vorliegende Buch dürfte mit seinem rci- dienJJntwIte nicht nur zur Förderung des waren­kundlichen Unterrichtes an Handelsschulen und verwandten Bildungsanstalten beitragen, sondern wird auch dem sei bständigen Kaufmann, Hand- uingsgehtlsen und Gewerbetreibenden in vielen rwllen eine ausreichende Belehrung über die ver- schtedenarttgen Waren bieten.

Uebrigens sind bereits Probedrucke eines neuen Zehnmarkscheines angefertigt worde«, dec schöner sein soll als der jetzige.

* Tie Bezeichnung „Hauptmann von Köpe­nick" eine Beleidigung. Die Strafkammer in Hamburg hat in einer Klagesache gegen den Chauffeur Laakmann von dort entschieden, daß die Bezeichnung „Hauptmann von Köpenick" eine Beleidigung ist. Ein Zollaufseher hatte vor eiiuger Zeit den Kraftwagen Laakmanns ange­halten und die Vorzeigung der Steuerkarte ver­langt. Als dec Chauffeur die Legitimation des Beamten zu sehen wiinfchte, wies dieser auf seine Uniform hin. Dies genügte jedoch dem Chauf- f.mr nicht, und er meinte: „Da kann ja jeder Kopenicker die Karte sehen wollen!" Das Schöf­fengericht, das sich zunächst mit dieser Angelegen- heeit zu beschäftigen hatte, konnte hierin eine Be­leidigung nicht finden und sprach den Beklagten frei .vSit der Berufungsverhandlung verurteilte N^^^,^^"dgericht den Chauffeur Laakmann zu 2o Mark Geldstrafe.

* Eine Aussehen erregende Verhaftung wurde am Dienstag tn Koburg vorgcnommen. Der seit einigen Jahren im Sommer hier lebende Münchener Akadmie- Professor Büttner Pfänner zu Tal Wurde unter dem Verdachte der Verleitung zum Meineide verhaftet und nach München übcrgesührt.

,* 3tim Tode verurteilte das Hagener Schwur» gertcht den Waldarbeiter Franz Hesse, der am 2m November v. I. an der 15jährigcn Buchhalterin Hedwig Hartmann einen Lustmord verübte. Das erste Urteil, vas ebenfalls auf Todesstrafe lautete, war vom Reichsgerichte wegen Ablehnung eines Beweisantrages aufgehoben worden.

* Wege» Beleidigung des Fräul. Olga Molitor war am 16. Mac; d. I. der Redakteur der ,Berl. lUtorgenpo’i zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt worden. Diese Strafe ist nunmehr vom Kager tnt Gnadenwege in eine Geldstrafe von 3000 Mark umgewandelt worden.

’ ^FÄ^r Baumgarten in Graz a. Oder sollte ^nlQ£ semer Pensionierung der Adler der Inhaber i>ey Hohenzollernschen Hausordens her- Wn werden. Ter Orden wurde von dem Lehrer ml Begründung abgelehnt, daß er seine Ef-t nicht mrnder bewerte als Lokomotivführer, Gerichtsvollzieher usw., welchen man den Kronen- orden vierter Klasse verleihe!

s ut* Rosinen haben die Amerikaner im M'r Sie planen bereits eine regelrechte Luft- Ichrffverbindung zwischen einzelnen Or- » aus New-York gemeldet, daß

j'er Luftschiffe? Thomas Balduin mit der Kon­struktion eines Luftbeförderungsdienstes für Per- fönen und Frachten von Boston nach den benach­barten Städten, eventuell nach New-York und Al- bany, geplant ist Zunächst ist der Bau eines Fahrzeugs beabsichtigt, das zwischen Boston und der Station South Franklingham Verkehren soll. Man glaubt, den Dienst im Mai 1909 eröffnen zu können. — Sachte! - "

Ein Bäckerstrrik, der in Rom vor mehreren Tagen ausbrach, hat die recht ungewöhnliche Folge gehabt, daß etn derartiger Ueberfluß an Brot in Nom herrscht, daß ganze Berge davon verschenkt ^.^oen mußten. Die Stadtverwaltung hatte nämlich an die umliegenden Städte die Bitte um Brotsendungen gerichtet: dieser Bitte wurde nun it übermäßiger Weise entsprochen, daher der Ueberfluß.

* Ei» unerhörter Wettersturz wird aus Groß- rare em in Ungarn gemeldet. Das Thermometer tel von 20 auf 0 Grad Reaumur in zwölf Stun­den. Am Montag verwandelte sich der Regen in Schnee, und jetzt liegen alle mit Trauben behan- genen Weingelände unter einer mehrere Zoll hohen Schneedecke bei 1 Grad Kälte.

* Bei dem Wirbelsturm in Tschangtschu (China) sind nach den letzten Meldungen 2700 Menschen umgekommen und 3600 Häuser zer- tort worden.

77 Verlegenheit. Zimmernachbar: „Als Sie letzte -stacht so spät nach Haus kamen, hörte ich die erregte Stimme Ihrer Frau."' — Pantoffelheld: .Ja, meine Frau hat einen sehr unruhigen Schlaf.'

Freiheit bringen würde, könnlen die deutschen Kusckmuertribünen Katholiken wohl zufrieden sein, wenn sie sie auch ' «ufchauertribunen nicht herbeiwünschen, weil sie — nicht für die Kirche aber — für den Staat verhängnisvolle Folgen hätte. Warum Prof. Kahl eine Trennung Richt will, kann man unschwer erkennen, wenn man die Gründe ansieht, die er gegen die Be­seitigung der theologischen Fakultäten ansührt:

und trägt überall das Rüstzeug seiner internationalen politischen Dtganifation mit sich, während der Pro­testantismus, eben weil er auf deutschem Boden für die Freiheit der geistigen Bewegung kämpfte, nicht dazu kam, eine internationale politische Macht zu bilden. . . . . Nun liegt es auf der Han , daß eine allge­meine Trennung von Staat und Kirche auf das kirch­liche Wesen des Protestantismus ganz anders zurückwirken müßte, als auf den Kalholftismus — m Deutschland! Eine Trennung von Staat und Kirche würde auf nichts anderes hinauskvmmen, als auf eine Entfesselung der ultra montanen Kriegsmach t.

. „,r^er Staat bat em Sebensintereffe daran, den B Rom, 19. Okt. 1908. Gestern wurde wie deutschen katholrfchen Klerus tn der nationalen schon kur» aemold-tt di- v

Kulturgemeinschaft der Universitäten erzogen und er- gemeldet, die Fresken, mit denen der

halten zu wissen. Der Staat hat aber weiter ein kürzlich hier verstorbene Gallertedirektor und Maler ScbenMntereffe an der Erhaltung der ihm anvertrauten Ludwig Seitz die Kirche des Heiligtums in Grundkrafte der deutschen Reformation, Loreto geschmückt hatte, in feierlicher Weise der Men, rÄnTÄile? cnan0e“toen 3aful' ^"^"/'^enverwaltung übergeben. Bekannt-

Diese „national-sittliche Pflicht" des deutschen mr" ^iE ^utschen Katholtken die Kosten

‘' Kommission, den Grafen Plettenbera als den

»Seme B.trachtung, mag sie anfangen und enden Vorsitzenden des deiiticken b» sm t

wie sie will, kommt an dem entscheidenden Punkt vor- „ " /‘r J/JL Komitees, den Mark-

bei: Deutschland ist das Land der Reformation, Pauameius sowie viele Fremde. Die

Der Ikatholizismus ist mit dem Schwergewicht der seietItche Ukbe.rgabe an die Kirchenverwaltnng historischen Tradition in die Neuzeit hineingegangen erfolgte durch den Rektor der hiesiaen Rational- »nd trrint nhpr.n hnä i- I stistung der Anima, Dr. Lohninger, der m längerer

Rede Italien als das wahre Land der Kunst sowie den verstorbenen deutschen Künstler feierte. Die eigentliche Festrede hielt der italienische Prälat Poliguami, Generalvikar von Spolelo, der u. o. die deutsche Kunst und die deutschen Künstler in Italien pries. Später wurde eine

* Einen Studenten verurteilte das Schössen- pericht in Münster wegen Diebstahls zu sechs Wo­chen Gefängnis. Er hatte zu wiederholten Ma­len feinem Hauswirte Geld im Gesamtbeträge dorr etwa 600 gestohlen.

* Kirchendiebc treiben in der Gegend von schneidemühl ihr Unwesen. Als dieser Tage der schon bejahrte katholische Pfarrer in Margonin nach Hause zurückkehrte, machte er noch einen Rundgang um die Kirche und bemerkte auf einer Letter einen Mann, der in die Kirche einbrechen wollte. Ter Dieb schoß auf den Geistlichen. Die Kugel verletzte zwei Finger der linken Hand und drang in der Gegend des Unterleibes in die Klci- dung. Die Uhrkette des Pfarrers hielt die Kugel auf. Der Dieb konnte unerkannt flüchten.

* Kurze Freude. Vor drei Jahren gewann der Bauer Johann Kurz im Oberinntal in der Lot­terte 200 000 Kronen. Er besaß damals ein An­wesen, kaufte sich aber mit einem Teil des Ge- wmnstes einen großen Besitz. Nun ists drei Jahre her, seitdem er dort wirtschaftet, der Geldhaufen aber scheint bei Kurz sehr klein geworden zu sein, denn in der vergangenen Woche war im Amts­blatt die Versteigerung seines Anwesens ange­kündigt.

1 Beim Rauchen im Bett schwer verunglückt ist in Berlin der 24 Jahre alte Leutnant Freiherr von Richthofen aus Ohlau. Der Offizier war int Monopol-Hotel eingekehrt und hatte sich zeitig zu Bett gelegt, rauchte aber noch eine Zigarre. Dabei geriet die Bettdecke in Brand und Freiherr von Richthofen verbrannte sich schwer ait der rech­ten Halsseite, an der rechten Hand und Hüfte.

* Erstickt sind tn Helldorf bei Krotoschin drei Kinder bet einem Feuer, das sie selbst durch Spielen mit Streichhölzern verursacht halten.

* Em mteressanter Fall von Ablehnung eines Ordens tumb bpm „Berfl. Tagebl." mitgeteilt.

Soziale Kultur. Der Zeitschrift Arbeiterwohl und bet Christlich-sozialen Blätter neue Folge. — 28. Stabt« gang. Oktober 1908. 64 S. gr. 8°. Erscheint monatlich. Preis vierteljährlich 1.60 Mk.

«^„^toberh-ftes: Hat die sozialdemo- °"b>n d,e Zukunft? Bon Wenzel Franke- mölle, Amsterdam. Seite 677. Neue Bestrebungen im Kampfe gegen die Tuberkulose. Von Dr. med. Christian Faßbender, Ibbenbüren. Seite 602. Rundschau Er- jtebung unb Bildung: Vier Jahre sozialer Arbett unter Akademikern zu Bonn. (Von Ludwig Closter- mann, Bonn). Seite 612. - Die Volksbibliotheken und Lesehallen im Jahre 1907. Seite 617. — Ein Jnbi- Uum der Reclamschen Universal-Bibliothek. (Von Redakteur Herrn. Herz, Bonn). Seite 620. — Das FortbildungSwesen in Ungarn. (Von Luiuv. SchloSz, Rlmaszombat, Ungarn). Seite 621. — Wohnung^ Fortschritte der Wohnungsreform 1906/07.

Dr. »an ben Boom, M.-Gl.) Seite 626. — Berufsorgamsationen: Organisationen der deutschen Privatbeamten. (Von A. Ennesch. Aachtn-Forst). Seite V^T^Dte sozialdemokratischen Gewerkschaften in 1907. Sette 631. — Die Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine (Von Generalsekretär A. Stegerwald, Köln). Seite 633. - Handel und Verkehr- Der Verbandstag deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte. (Bon Dr Qihen Das Wahlrecht, Geschichte und Kritik. — Creasy: The nse and progress of the English Constitution. (Kirsch.

Die Entwicklung der sozialen Frage. Seite 636. — van den Vorght: Finanzwissenschaft, Sammlung Göschen (Beusch). — von Oethalom: Ehre uo^^nschutz. - Butz: Die Bekämpfung des Mädchenhandels im internationalen Rechte (v Over- beck). Sette 637 - Bauer: Die Aufgabe des Gym- nastums Unwersity und das Frauenstudium lHamann). - Martin: Die weiblichen Bildungsbedürfnisse der Gegenwart. (Seite 638). — Heine: Studierende ^»7-- Malvery.V°.n Ma?kte derSeLn- - Ä t l?ci"etn, Kinde? (Liane Becker).

i9O7-nn« wi%' ^?^buch der Naturwissenschaften 1907-1908 (Birkener) S. 639. — »ritz: Erfotae und Ziele der deutschen Bücherhallenbewegung. — Schiffels- ©eitTff ^pk'hlenswerter JugendschAsten. (Herz).'

Pcofeffor Kahl verneint die Notwendiqkeit der Trennung für Deutschland, er hält sie nicht einmal für angebracht. Er äußert sich darüber: »Entstände ein deutscher Trennung-Problem, so gälte es, auch diejenigen Beziehungen in ihrer Gesamt- hett zlt lösen, tu welchen nach dem herrschenden System der Ktrchenhoheit unsere Staaten und Kirchen noch gegenwärtig verbunden sind. Wir sehen uns vor folgende konkrete Entschließungen gestellt: Soll ver- «chtet werden auf gesetzliche und administrative Staatsaufsicht über kirchlichesAemterwesen, Straf, recht- und Zuchtgewalt, Vermögensverwaltung, geistliche Orden, die Ordnung religiöser Kindererziehung, die Voraussetzungen bürgerlich giltigen Konfessionswechsels und Austritt aus der Kirche? Ist die.Anerkennung der Kirchen als öffentlicher Korporationen zurückzu- ztehen, das Kultusbudget zu streichen, die Religion als Privatsache zu behandeln und in allen ihren Einwir­kungen auf das öffentliche Leben zu tilgen: in Sonn-j tag-ruhe, Gewerberecht, Militärkirchenwesen und staat- I^erCrJ.®Zfan9tnenfe<elf0^e? Ist jeder spezifische Strafschutz preiszugeben? Ist der Zusammenhang von Kirche und Schule bis zur Streichung des Religions- unterrrchts zu lösen? Sind die theologischen Fakultäien aufzuheben? Ist die Beseitigung des landesherrlichen Kircheiireglments über die evangelischen Kirchen herbei­zufuhren . Eine Welt von Fragen. Hinter jeder lauern andere. Man gewinne die Freudigkeit, sie aus­nahmslos zu bejahen, dann hat man in Wahrheit Trennung von Staat und Kirche. Will man uur teil­weise bejahe», dann rede man nicht von Trennung."

In der Tat, nur dann würde die Trennung die Freiheit bringen. Mit einer solchen Trennung' I

Deutsches Reich

* Die Gesetzentwürfe, betreffend die Reichs- finnnzrefürm werden dem Reichstag sogleich beim Wiederzusammentritt am 4. November vorgelegt werden. Ter Seniorenkonvent wird am 5. No­vember zusaminentreten, um über die geschäftliche Behandlnug jener Vorlagen zu beraten.

* Tie Vorbildung der Telephoiiistinnen. Die .Post" verleidigt gegen die .Soziale Praxis' die Bestimmung der Hamburger Oberpostdirektion, daß junge Mädchen, die gedient haben oder Fabrikarbeiterinnen waren, von der Anstellung als Telephonistinnen ausgeschlossen seien. Sie sagt:

Diese Bestimmung beruhe auf Erfahrungen, welche die Behörden gemacht hätten. Für den Telephondienst seien gewisse Kenntnisje, verbunden mit einer ganz be­stimmten Stufe gesellschaftlicher Bilduna, unerläßlich Außerdem habe die Behörde auch Rücksicht auf ihre männlichen Beamten zu nehmen, denen sie nicht zu- muien könne, mit Frauen dieser Bildungsstufe amtlich und dienstlich zu verkehren. Wer den Durchs<^>itt unserer Fabrikmädchen aus der Praxis wirklich kenne, werde keinen Augenblick im Zweifel darüber sein, wie wenig gerade sie sich zum Telephondienste eigneten.

Kein vernünftiger Mensch wird verlangen, daß die Postbehörde Telephonistinnen ohne die ttölige Kenntnis und gesellschaftliche Bildung an- stellen solle. Aber nicht zu billigen ist, daß sie Mädchen, die aus der bandarbeitendetr Klaffe

KlldaerW Zeitung

Momrtrbeiiage: „FuldaerGeschichtsblätter"