Einzelbild herunterladen
 

MdaerM Zeitung

Monakbellage: „Zuldaer Geschichtrblatter"

V3 243.

Fulda, Mittwoch den 21. Oktober 1908.

35. Jahrqanq.

Vie eis- spÄttgepttitjeilcoder deren Nau« iS pfg. veklmuendtepetitzeUe 25 Pfg., bei wieder- Holungen wird eatspr. Rabatt gewährt.

»otatiourdruckMd Verlag der Lnldaer Af. ttendruSerei in Lnlda ZernsprecherRr.9.

Erscheint tllqlich mit Aurnadm« »er Uä« und Zriertage Viertel­jährliche-ve;ug;preir ohne Bringerlohn und Veßelfleldi«8«ldaf0' »ieanrwärirl-SvMt.

ierantw. Redakteur: Sar»8chiitte;

wochenbenage:„IllustrierteSonntagszeitung"

Iwettes Wlatt.

X Die Darsarrelleufrage bildet vohl den kitzlichsten Punkt der orientalischen Frage, weil die Dardanellen, die Meerenge zwischen dem Aegäischen und dem Marmara- Meere, das Eingangstor vom Mittelländischen Meere nach Konstantinopel bilden.

Die Meerenge hat eine große Rolle in der Geschichte gespielt; sie geht zurück bis in das graue, mehr sagenhafte Altertum. Hier schlug Lerxes im 5. Jahrhundert vor Ehr. seine Brücken und hier setzte 100 Jahre später Alexander von Mazedonien nach Asien über. Bei ihrem Vor­dringen nach Europa 1356 überschritten die Türken die Straße und behaupteten sie seitdem. Wieder­holt ist von russischer und englischer Seile der Versuch gemacht worden, in die Straße einzu- drinaen. Schon der 1809 zwischen England und der Pforte abgeschlossene Friedensvertrag verbot allen nichltürkischen Kriegsschiffen die Einfahrt in die Dardanellen. Der Dard anellen-Vertrag (13. Juli 1841), den die 5 Großmächte mit der Pforte abschlossen und der durch den Pariser Frieden 1856 im wesentlichen bestätigt wurde, setzt fest, daß kein nichttürkisches Kriegsschiff ohne Bewilligung der türkischen Regierung in die Meer­enge einlaufen und sie passieren darf. Auch Han­delsfahrzeugen fremder Stationen ist die Passage der Schmalstelle von Tfchanak-Kalesst bei Rächt untersagt und sie sind zur Vorzeigung der Pässe und zur Zahlung einer Leuchtturm-Gebühr ver­pflichtet. Der Londoner Vertrag (13. März 1871), sowie der Berliner Frieden (13. Juli 1878) be­stätigten das Prinzip der Schließung der Darda­nellen nach Maßgabe des Pariser Friedens. Doch liefen im Februar 1878 englische Kriegsschiffe durch die Dardanellen, um Konstantinopel vor den Russen zu beschützen. 1891 wurde die Dar- daneüen'raqe von neuem aktuell, als zu verschie­denen Malen russische Schiffe mit Soldaten an 8ord von den Türken an der Durchfahrt gehin­ert wurden. Die Türkei schloß darauf ein durch Zirkular - Rote vom 16. September den Groß­mächten mitgeteiltes Abkommen mit Rußland, wonach die die Handelsflagge führenden Schiffe der freiwilligen Flotte Rußlands die Dardanellen frei passieren, und wenn sie Sträflinge oder Sol- baten an Bord haben, der Pforte vorher davon Anzeige machen sollen.

Aus dieser geschichtlichen Darlegung der Ver­hältnisse geht klar hervor, welche Bedeutung die Oeffnung der Dardanellen für Rußland hat und daß sie bei den Besprechungen, die der Minister Iswolski in London gepflogen hat, den Haupte Inhalt gebildet hal. Ihre Aufnahme in das Konferenzprogramm dürfte dem russischen Unter­händler Herzenssache gewesen sein. Daß sie aber aus der Konferenz nicht zur Sprache kommt, falls diese überhaupt stattfindet, ist neuer­dings ziemlich sicher. Gleichwohl war die Her- vorholung des Dardanellenproblems das raffi­nierteste von den vielen kleinen Kunststückchen, mit denen der österreichische Minister v. Aehren- thal seine bosnische Aktion vorbereitete. Das ,Bcrl. Tagebl/ spricht sich darüber wie folgt aus

„In allgemeinen Wendungen, in Worten, die jeder deuten konnte, wie er wollte. Hai Herr v. Aebreuihal de« Diplomaten Rußlands, Italiens und Deutschlands seine Annexionsabsichlen „an gekündigt", nnd in ähnlich allgemeinen Wendungen dürfte er zu Herrn Iswolski von der Dardanellensrage gesprochen und ihm Oester­reichs Zustimmung verheißen haben. Herr v. Aehre.:- thal wußte genau, daß di« Entscheidung in diel«

Kleines Feuilleiou.

— Königin Alexandra veröffentlicht ei» Bil­derbuch. Aus London schreibt man: Die Neuigkeit deS Tages ist, daß die Königin Alexan­dra ein Wcihnachtsbilderbuch veröffent- lichcn wird. Es wird den Titel tragen: „Köni­gin Alexandras Weihnachtsgcschenkbuch", und sein Inhalt wird erklärt durch den Untertitel: „Pho­tographien mit meiner Kamera". Der Breis des Albums wird eine halbe Krone, also etwa 2,GO Mark, betragen und der Reinertrag wohltätigen Zwecken überwiesen werden. Man könnte bcm Buche auch den Titel geben: „Könige und Kö­niginnen daheim"; denn sein Inhalt bildet eine Reihe ausgezeichneter Ausnahmen von fürst­lichen Perscncn in ihrem Privatleben, die der photographiecifrigen Königin von England ge­glückt sind. Tie Modelle der Bilder sind König Eduard, der Prinz und die Prinzessin von Wales nebst ihren Kindern, der Zar und seine Familie, König Haakon von Norwegen nebst Gattin und Sohn, endlich der Vater der Königin, der ver­storbene König Christian, und ihr Bruder, König Georg von Griechenland. Das Nette an dein Al­bum liegt darin, daß die Königin sich fast durch­weg sehr glücklich auf die Wahl des Augenblickes verstanden hat. Daher zeigen die Bilder die fürstlichen Personen, die man in der Regel nur in aller Feierlichkeit und Amtlichkeit wiederge­geben sieht, in der Ungezwungenheit ihres Privat- lebens. Auf einem Bilde z. B. sieht man den König Eduard in schottischer Tracht, wie er auf einer Sleinbrllstung bei einer Jagd einen Augen- blick sich ausruht und sich dabei über eine gute Geschichte amüsiert. Ein Lieblingsobjekt der Kö- ttigin bildete ihr Enkel, Kronprinz Olaf von Nor­wegen. Die norwegische Köniqsfamilie bat ihr

Frage nicht nur von ihm, sondern auch von anderen Mächten abhinge, und nicht in letzter Linie von Eng­land, und umso leichter konnte er seine Zustimmung in Aussicht stellen. Sagte England nein, wies es Herrn Iswolski ab, so gmg die engUich-ruisffche Freundjchaft m die Biüche, und sagte England ja, so erzürnte es seinen neuen Schutzbefohlenen, die jetzt euglanv/reund- llche Türkei. Herr v. Aehremhal rechnete wahrschein­lich, daß England, seiner traditionellen Politik und feiner türkischen Freundschaft treu, schließlich doch wohl nein sagen würde. Dann muß der ganz« Zorn der Ruffen auf England niederhageln, der russische Rivale kam um seinen Erfolg, und Herr v. Aebrenwal erschien diesem gekränkten Rivalen als fein einziger zuverlässiger Anwalt. Diese sehr geschickte Rechnung wurde gestört, weil am Tage nach der Annexion Bosniens in der russischen Preffe ein wahrer Entrüstunpssturm gegen Oesterreich losbrach, ein Entrüstungssturm, den auch der Hinweis auf die versprochene Dardancllen- kompensation keineswegs zu besänftigen vermochte. Diese zum Teil echte und zum Teil auch künstliche Em­pörung der öffentlichen Meinung Rußlands mußte der­en gl i scheu Regierung zugute kommen und ihre Position gegenüber dem russischen Minister des Aeußeren • verstärken. Gleichwohl ist es Har, daß Sir Edward Giey sich in einiger Berlegenheit befand und daß es ihm nicht leicht fallen konnte, Herrn Iswolski zu be­friedigen und doch die peinliche Dardanellenfrage los­zuwerden."

Die Türkei verharrt, wie die Erklärungen des offiziellen jungtürkischen Organs beweisen, in ihrer Abneigung gegen die Freigabe der Dardanellendurchfahrt, und die Anficht der Türkei ist diesmal ausschlaggebend. Gewiß hat, bei dem heutigen Stande der Kriegstechnik, die Dardanellensrage im Grunde viel von ihrer Be­deutung verloren, gewiß genügen einige Unter» seeminen, um die Durchfahrt zu sperren, und gewiß ist daö Durchsahrtsverbot schon hundert­mal verletzt worden, aber die Abschaffung des allen Verbots wäre eine neue Antastung der türkischen Rechte, und es ist hohe Zeit, mit diesen Eingriffen auszuhören. Tie Heiligfeit ge­schloffener Verträge sollte doch besser hochgehalten werden, als es gemeinhin zu geschehen pflegt.

volkswirtschaMches und ZoMes.

* Kölit, 20. Okt. 1908. In der Kölner Stadt- verordnetenversalumlung hat man sich über die Abwehr der Arbeitslosigkeit tm kommen­den Winter lebhaft unterhalten. Der Referent betonte, daß die Stadt wohl verpflichtet sei, Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit zu treffen, daß diese Pflicht aber ihre Grenzen finde in der Leistungsfähigkeit der Gemeinden. Durchgrei­fende Hilfe werde nur eine staatliche Arbeits­losenversicherung bringen können. Tie städtische Arbeitslosenversicherung in Köln hat noch nicht 2000 Mitglieder. Er versprach, daß seitens der Stadt umfassende Maßregeln eingeleitet werden sollten. t

Aus öem Kachdargebret.

* Brrbrr, Kr. Gelnh., 20. Okt. 1908. Die Heilstätte Burgberg wird mit Einschluß aller Gebäude und Liegenschaften von der Firma Krupp käuflich erworben werden. Das Kirchlein der kath. Gemeinde wird auf alle Fälle erhalten bleiben. Die Firma Krupp beabsichtigt, ihre Erze künftig nicht mehr, wie bisher durch die Spessart- bahn, sondern vermittelst einer Drahtseilbahn nach Gelnhausen $it befördern.

* Gelnhausen, 18. Okt. 1908. Infolge eines Unglücksfalles, man sprichst von einer Gesch.itz- explosion, wurde gestern abend der Leutnant im 3. Seebataillon in Wilhelmshaven Herr Fritz v. Kutzleben von hier, schwer vorletzt und ist um Mitternacht verstorben. — Frau Lehrer Kirchner Witwe vermachte letztwillig dem hiesigen städtischen Krankenhause eine Summe von 4000 Mark.

überhaupt zu sehr hübschen und liebenswürdigen Gruppen Gelegenheit gegeben. Auch ihren Enkel, Prinz Edward von Wales, den sic gern „Kkcin- David" nennt, hat die Königin Alercmbra oft und glücklich auf der Platte festgehaltcn. Die Auf- nahmen sind von verschiedener Größe und werden natürlich nach den allerneuesten und besten Ver­fahren wiedergcgoben werden. Größtenteils wer­den sie auf steife, grüne Blätter aufgezogen. Das Format des Buches ist Halbquart: Anfang No- t'embor kommt cs voraussichtlich in den Handel. Zunächst wird eine viertel Million Ercmvlare gedruckt; aber mau hofft und erwartet, baß der Absatz bedeutend größer werden wird und daher erhebliche Summen für wohltätige Zivocke aus dorn Verkaufe des Buches fließen worden. Die Königin inlercfficrt sich für ihr Bilderbuch auf das lebhafteste. Sie hat sich die Proöeabdrücko crgcns nach Kopenhagen bringen lassen und dort bis tief in die Nacht daran gearbeitet, passende Unterschriften zu den Bildern zu finden. Kaum nötig zu sagen, daß Königin Alexandras Weih- nachtsgcschknkbuch" das englische Weih- u a ch t s b u ch des Jahres schlechthin sein wird.

— Bon der Kasfernschlanheit geben die in der Kapstadt erscheinenden „Gold Fild News" folgen- des Beispiel. Ein Einwohner betritt eine Kan­tine, setzt eine grüne Weinflasche auf den Laden­tisch und läßt diese vorn Verkäufer bis zum Rande mit Schnaps füllen. Als Bezahlung logt er mit dummdreister Miene einen Sixpence hin und will sich mit der Flasche entfernen. Der Verkäufer stürzt auf ihn zu und entreißt ihm den Schnaps. Der Kaffer hat nicht genug Geld bei sich, er for­dert feine Flasche und verspricht wiederzukom- men. Seelenvergnügt zieht der Kaffer fort, denn auf ihrem Grunde war ein Schwamm ver­borgen gewesen, der von dem edlen Saft einen gehörigen Teil in sich aufgesogen hatte.

* Höchst, 20. Okt. 1908. Ein Kaufmann pu§ Griesheim, der den Eiscnbahnbcamton bei seinen Fahrten schon lange ausgefallen war, fuhr kürzlich von Nied nach Griesheim und löste sich eine Fahr, karte 4. Kl. Der Stationsvorsteher in Nicd be­obachtete nun, wie der Fahrgast an dem leeren Wagen 4. Klasse vorbeiging und in ein Abteil 3. Kl. einstieg und fette telephonisch die Station Griesheim davon in Kenntnis. Hier wurde dann bei Ankunft dos Zuges festgestellt, daß in den Ab­teilen 4. Kl. genügend Platz war. Wogen Lo- tru'geS touräe der Kaufmann vom hiesigen Schöf- sengorüht mit 20 M bestraft und das alles w c- g c n 5 »j, denn soviel kostet die Fahrkarte 3. Kl. von Nied nach Griesheim mehr als eine solche 4. Klasse.

* Offenbach a. M., 20. Okt. 1908. Dem Pferdehändler Strauß wurden in der vorletzten Nacht zwei Pferde, ein Wagen mit Gummirädern und sieben Pferdegeschirre g e st o h 1 c n. Tie Diobe sollen in Mainz verhaftet worden fein.

* Kcbnrg, 20. Okt. 1908. An der Rat- Haustafel in Koburg werden den dortigen Hausfrauen die Milchhändler mit Namen bekannt- gegeben, die minderwertige Milch als Vollmilch verkauft haben. Vielleicht findet diese Maßregel in anderen Städten Nachahmung.

Reklame«- uud Anzeigenteil.

) 170

) 176

) 180

Weizen (-3 (- 1 (-2 (-5 (- 1

Roggen (-5 (- 1

1 (- 4 (-4

Danzig Berlin £ a rtbitrg Düsseldorf München

202

204

202

210

222

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Dez. 205.00 (— 1.03), Budapest Oktober 203.40 (+ 2.30), Paris Oktober 184.55 (— 2.65', Liverpool Dez. 171.95 (— 160), Chicago Dez. 152.60 (— 8.75, Roggen: Berlin Dez. 176.75 (— 1.50), Hafer: Berlin Dez. 185.25 (— 0.50) Mark per 1000 Kilogramm.

Hafer

) 163

) 175

) 170

) 165 174-

Vermischtes.

* Tollkühne Tat. Ein Raubmörder entsprang aus dem Gefängnis zu Diedenhofon, indem er sich vom Stubonfonslcr eines Aufsehers ans an einer Telegraphenleitung auf die Straße gleiten liefe.

* Eine ungarische Skandalafsairc. In Buda­pest hat eine mysteriöse polizeiliche Untersuchung, welche tagelang die Ocffontlichkcit beschäftigte, eine sensationelle Wendung genommen. Der ge­wesene Staatssekretär im Ministerium deZ In­nern und gegenwärtig zweiter Präsident dos Ver- waltungsgerichtshofes, Enterich von Latkoczy, hat. wie sich herauSstellt, sich für die Vermittlung von Konzessionen bezahlen lassen. So hatte er unter anderen 60,000 Kronen von einem Apo- thekcrprovisor bekommen, um für diesen eine Apothekenkonzession zu erreichen. Er hat die Konzession nicht erwirkt, das Geld jedoch behalten. Er wurde angczeigt und ist nun, um den Kon­sequenzen zu entgehen, geflüchtet.

* Die Durchstechereien im Saargebict. Ein umfangreicher Prozeß, der zweifellos auch ein Nachspiel im Parlament haben dürste, wird vor der Strafkammer des Landgerichts Saar­brücken verhandelt. Eine ganze Anzahl k g l. Steiger der fiskalischen Saargru­ben wird der Bestechung beschuldigt, und zwar in einem Umfange, der in der Geschichte des preu­ßischen Beamtentums einzig dasteht. Es bandelt sich nm Durchstechereien, die auf den Saargruben -wischen Bergleuten und Steigern feit einer langen Reihe von Jahren ausgeübt wurden. Es gelangt zunächst nur ein Teil der Bestechungen zur Verhandlung; bei der großen Zahl der Ange­klagten scheint man grubcnweise Vorgehen zu wollen. Den Anfang macht die G r n b c Reden. Im Januar nächsten Jahres folgt die Grube Göttelborn, die als der Herd der Bestechungen anzusehen ist denn hier soll nicht ein Drittel der Beamten makellos ans der Untersuchung hervor- gcgangen fein. Auch von der Grube Dudweiler und anderen Gruben werden Bestechungen gemel­det, und noch fortgesetzt gehen neue Anzeigen ein. In vielen Kameradschaften wurden im Revier für die Beamten die Schmiergelder gesammelt. Es wurden federn einzelnen Partickameradcil monat­lich bei dec Hauptlöhnunq Beträge bis fünf Mark abgezogen. Jede Partie zählt acht bis zehn Mann, ein Steiger hat etwa 120 bis 150 Mann in seiner Abteilung. Das Geld wurde zum Teil an verabredeten Stellen in der Grube nieder- geleat, wo es der Steiger „zufällig" fand. Die Steiger gewährten den Bergleuten dafür allerlei unerlaubte Vorteile, indem sie bei Nachlässigkei­ten ein Auge Zudrückten, versäumte Schichten zur Löhnung anschrieben usw. Die gesammelten Gel­der kamen nicht immer an die richtige Adresse, da die Sammler einen Teil des Geldes unter­schlugen und fo ihre eigenen Kameraden betrogen. Eine große Anzahl von Bergleuten und Steigern ist bereits wegen Meineides oder Anstiftung zum Meineide zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt worden.

— Auf ber Selundiirbahn. Passagier: „Sie Schaffner, warum fährt denn jetzt der Zug aus einmal so fckniell? — Schaffner: ,,A' leere Wein- flasch'n is 'iwnsg'lvorfen worden, die an' Bauern an den Schädel g'flögen is . . . und da is der jetzt Hinstr uns her!'

— Ueberlliisfiz. „Möchte! Du nicht heule abend dem Vortrag über „Schädlichkeit deS über« mäsiiaen Bicrzenusses' beiwohnen? — „Das ist überflüssig, daS bekomme ich jeden Abend von meiner Frau zu Hören!"

Marktberichte.

♦ Frankfurt 19. Ott. 1908. sGetreidemarkt.) Am drüsigen Wockenmarkt- herrschte für Brotfrnchte staue Tendenz; speziell Wetterauer Weizen und hiesiger Roggen mußten gegen die Vorwoche bedeutend nach, geben. Gerste ist leicht abgefchwächt. Hafer ist stack angebolen, doch im Preis unverändert. Ausländische Brolsiüchte in disponibler Ware knapp und fest. Mebl langfam abbröckelnd; auS zweiter Hand ikt unter Notiz anuikommen. — Notierungen je nach Qualität: Weizen Hefiger u. Wetterauer 19.85 - 20.10 Mark, kurbesiifcher 20.90—2110 Mark, norddeutscher 2090—21.10 Mk ruff 24.00 —25.25 M., Redlvinter 24.00—25.00 Mt' Ranf«8 23.75—24.75 Mk.. La Plata 24.00—25.00 M., iHumnw. 24.25-25.25 Mark, Roggen, hiesiger 1735 Escher 00.00-00M0 Mk , rumänischer

hles. u. SSetterauer 21.00—21.75, Wbet 2100-21.75 M., Ried 21.00—21.75 M., Haler, hiesiger 16.00—17.50 Mk , bayerischer 16.00—17.50 Mk., wurttbg. vOtt-O—00.00 M., russischer OOtO-OOOO Mk.. ^."'4^000-00.00 Mk., La Plata 00.00-00.00 March Wlat« lMixedi 00.00-00.00 SW., raff. 00.00—00.00 M ,

russischer 00.00—fO.OO M., Donaumais 00.00-03.00 M, La Plata 16.75-17.00 M. Alles per 100 Sttlo netto, effektiv loco hier. — Mehl: —. —. Weizenmehl Rr. 0 30 25- 30.50 M., Nr. 1 29 25-29.50 Mark. Rr. 2 28.25-28.bO M., Str. 3 27.75-28.tO Mk., feinere Marken (1.50—1.00 M. höher. Roagenmehl Rr. 0 26.25 -26.75 M., Nr. 1 24.25-24.75 M-, Nr. 2 20.25- 20.50 M. Alles per 100 Kilo in kl. Sack loko hier, siuttermillel: ruhig. Weizenschalen 9.75—10 tO Mk, Weizenkleie 9.75-10.00 M., Roggenkleie Kf.75-H.00 Mark, Futtermehl 13.50—14.00 M., Biertreber, getrock­net, 12.60—13.00 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier.

* Frankfurt n. M„ 19, Okt. 1908. Amtliche No­tierung der Biehmarkt-Preffe. Zum Berkaus standen 456 Ochsen, 52 Bullen, 1058 Kühe und Rinder (Stiere und Färsen), 280 Kälber, 397 Schafe und Hammel und 2041 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: a. vollfleischige, ansgemästete höchsten Schlacht- wertes bis zu 6 Jahren 79—81 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 70—72 M., e. mäßig genäyrle junge, gut genährte ältere 58-62 M., ch gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen j a. vollfleffchige höchsten Schlachtwertes 66—68 Atark, K mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 62—14 M., c. gering genährte 00—00 M Kühe und nnd Jungrinder: a. vollfleffchige, ausgemästete Jungrinder höchsten Schlachlwertes 72—74 Match b. vollfleffchige, ausgemästete Kühe höchsten Schlacht- wertes bis zu 7 Jahren 64 bis 66 Mark, c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelt« jüngere Küße und Jungrinder 52 bis 54 M., ch mäßig genährte Kühe und Jungrinder 00—00 M., e. gering genährte Kühe u. Jungriiider vO—00 M. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Schlachtgewicht: Kälber: a. fetnite Mast« (Bollmast) n. beste Saugkälber (Hannov.) 92—95 Psg., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 80—90 Pig., c. geringe Saugkälber 68-70 Pjg., d. ältere, genug genährte Kälber (Fresser) 00—uO Pjg. Schcffe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmet 78— 00 Pjg., b. ältere Masthämmet 58 -60 Pjg., c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschaje) 00—00 Pfg. Schweine : a, vollfleffchige der ferneren Rassen und deren Kreu­zungen im Alter bi3 zu l*n Jahren 71—73 Pjg., b. fleffchige 79- 00 v,g, c. gering entwickelte, fowie Sauen und Eber 65—68 P,g„ u. auslandffche Schweine (unter Angabe der Herkunft) 00—uu Pjg. Bezahlt wurde jür 1 Pfd. vedeiidgciv.cyl: Ochsen 00—00 Pjg., Kälber: a. 55— 56 zr,g., u. 47 -53 Pjg., Schweine: tu 56'/»-57 Pfg-, b. fleffchige 56 Pfg. Geichältsgang in Horn» vieh langsam, Uederstand unbeoeuten», tn Kleinvieh jchleppeno, Uederstand tn Kälbern keiner, in Schafen und Schweinen unbedeutend. Aus Oesterreich-Ungarn standen 126 Ochfen zum Berkaus.

kurzer Getreide-Wochenbericht

der Preirderichtrftelle der deutschen Landwirtfchaftrratr

vom 15 -19. Oktober 1908.

Mit ber ruhigeren Beurteilung der politischen Lage nahm der Getrcidemarkt zu Beginn der Be- richtswoche eine durchaus malte Haltung an, zu­mal Amerika eine weitere starke Zunahme der 'Weizenbestände und niedrigere Preise meldete, wahrend Rußland gleichzeitig mit billigere» Wei- jenangebofer. herauskam. Außerdem sah man nt der Herabsetzung der argentinischen Forderungen eine Bestätigung der bis dahm günstigen Auf­fassung hinsichtlich der Ernteaussichten dieses Landes. Neben diesen Umständen trug Mangel an neuer Exportgelegenheit dazu bei, die ohnehin schwierige Lage des Warengeschäftes zu verschär­fen. Die Stockung im Ausfuhrgeschält macht 'ich umso empfindlicher bemerkbar, als sich auch das Inland infolge ungünstiger Mehlabsaiwerhält- •iffe zurzeit wenig aufnahmefähig erweist. Wohl bekundet Italien weiter Interesse für deutschen Weizen, aber die Gebote von dort waren meist so niedrig daß trotz der merktichen Ermäßigung der inländischen Forderungen neue Abschlüsse uidjt zu erzielen waren. Noch unvorteilhafter gestattete sich der Absatz im Roggenhandel, für welchen Ar­tikel zur Zeit weder an der Küste noch bei den Miihlen Neigung zur Aufnahme prompter Ware vorhanden war. Auf dem Lieferungsmarkte voll­zogen sich unter dem Einfluß dieser Verhältnisse Preisrückgänge von 2—3 Mark die aber zum grö­ßeren Teile wieder eingeholt wurden als aus Ar­gentinien Nachtfröste gemeldet wurden und die politiichen Nachrichten wieder weniger günstig lauteten. Bor allem aber erweckte der plötzliche Umschlvung zu kalter Witterung Befürchtungen tragen der durch die andauernde Trockenheit ohne« hm schwach entwickelten Saaten. »Hafer ist in­folge der Feldarbeiten immer noch mäßig ange- botcn und der Einkauf durch hohe Wasserfrachten sehr ctfd)toert, zumal die Forderungen ziemlich wft geblieben sind. Dagegen zeigte sich von Rnß- land vermehrtes Angebot, wovon in vereiuzelten riallen Gebrauch gemacht wurde. Wesentlich bil- lrger war zeitweise russisck« Gerste angeboten, doch lauteten die Forderungen zum Schluß wieder hoher. Mais ist bei knappem Material NLch wie vor preishaltend.

Es ftellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kiloar. je nach Quantät, wobei das Mehr (-s-j brzw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist wie folgt:

„Henneberg- Seide66

TM Mk. 1A® akl — schon verzollt I

Verizagea Sie Master I

Nur direkt v, Henneberg» ZttrloM.