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veraitt». Redakteur;

t. v.: A. wr i ier;

für dte Anzeigen: 2-parzeller in Fulda.

wochmbeiiagr: „Illustrierte Zonntagszeitung"

»niet-««; Vie Am f-altige pelitzeileoder deren Boms kS pfg. Rrklammdiepetitzev» 25 Pf-, bei wieder» hoüwgenwirdentfp- Eoboti gewährt.

LolationrdrnLuutz Verlag der Fuldaer A> SenLruckeret tu Fulda Fernsprecher Ur. 9.

M 241.

Fulda, Montan den 19. Oktober 1908.

35» Jahrgang.

wird. Dieses umfangreiche Werk von 700 Druck- i feiten wird nach Schluß dieser Rede an die Abge­ordneten verteilt. Das Haus dürfte sodann in dieser Woche keine weiteren Sitzun­gen mehr anberaumen. An die dann erfolgen­den Präsidentenwahlen und Mitgliedervereidigun- gen wird sich die erste Lesung der Besoldungsgesetze anschließen, die den größten Teil der nächsten Woche ausfüllen wird.

Die Erhöhung der Beamtendesoldungen geht über eine Mehrausgabe von 60 Millionen weit hinaus. Eine gesunde Finanzpolitik verlangt, daß diese beträchtliche Mehrausgabe durch laufende Einnahmen gedeckt wird. Nur durch eine merk- liche Erhöhung der Einkommensteuer werden die erforderlichen Mehreinnahmen beschafft werden könüen. Was das Volk verlangt, ist, daß ganze Arbeit gemacht wird, sodaß man einmal auf em Jahrzehnt Ruhe hat in diefen Fragen; es heißt nämlich, daß die Neuregelung sich nicht auf alle Beamten erstrecken soll. Noch größere Schwierig­keiten werden sich bei der Aufbesserung der Ge­hälter der Volksschullehrer ergeben. Denn hier wird voraussichtlich der bisherige durch di: Ver- fassungsnrkunde festgelegte Satz, daß das Gehalt nach den örtlichen Verhältnissen zu bemessen ist, durch die Vorschrift ersetzt werden, daß das Nor­malgehalt wie bei der überwiegenden Mehrzahl der unmittelbaren Staatsbeamten gleicher Art, im ganzen Staatsgebiete das nämliche sein soll. Dieser Vorschrift würde zwar ein durchaus gesun­der Gedanke zugrunde liegen. Seine Durchfüh­rung würde aber nach zwei Richtungen Schwie­rigkeiten Hervorrufen. Erstens würde es kaum möglich sein, größeren und wohlhabenden Städ­ten, die vom Staate für das Volksschulwesen keine Bedürfniszuschüsse beanspruchen, jede Erhöhung über den Nornralsatz hinaus zu verbieten und eine solche Erhöhung Würde den Zug nach den Großstädten, den man durch die Gleichheit der Normalsätze beseitigen will, von neuem fördern. Zweitens würde es bei gleicher Bemessung des Normalgehaltes schwer sein, der Volksschule die Eigenschaft einer Gemeindeanstalt Lauernd zu er­halten, vielmehr würden einer Verstaatlichung der Volksschule die Wege geebnet werden. Nun wissen wir zwar, daß eine solche Entwicklung von weiten Kreisen gewünscht, von anderen als unver­meidlich betrachtet wird. Am einfachsten wird sich für den Landtag die Neuregelung der Besol­dungen der Geistlichen gestalten. , Denn hier ha­ben, soweit die evangelischen Geistlichen in Be­tracht kommen, die Generalsynode und die obersten Verwaltungskörperschaften der übrigen preußi­schen Landeskirchen im Vereine mit den obersten kirchenregimentlichen Behörden stets die Haupt­arbeit geleistet. Dem Landtag wird nur noch ob­liegen, die staatlichen Geldmittel bereit zu stellen, die für die Durchführung der von jenen kirchli­chen Organen beschlossenen Gesetze erforderlich sind. Für die katholischen Geistlichen aber muß unter allen Umständen die Gleichste!-' lung im Gehalte angestrebt und erreicht werden; denn sonst kann die preußische Parität sich begra­ben lassen.

Schwere Arbeiten stehen also vor der Türe. Das Zentrum wird dabei tote immer feinen Mann stellen. Aber sorgen wir durch Verbrei­tung der Zentrumspresse auch dafür, daß die Ar­beit unserer Abgeordneten bekannt wird.

Devlsches Reich

V Der Kaiser empfing am Freitag abend eine Reihe diplvmwischer Vertreter, teils in An­tritts- teils in Wschiedsaudiknz. Dem türkischen Botschafter sagte der Kaiser in deutscher Sprocke etwa folgendes:

treue sich, in ihm einen Belarmten wleder- rusehen, begrüße in ihm aber vor allem den Vertreter einer altbefreuribeten Großmacht. Er wäre zu fernem Befremden in letzter Zeit wiederholt der Ansicht de- aeanel, als ob feine Gesinnunge« der Türkei gegenüber sich neuerdings geändert hätten. Gegen derartige UMerstellrmgen lege ernachdrücklich Ver­wahrung ein. Der Bopchafler könne sich für wf- gewissert halten, daß die aufrichtig freundlichen Gesinnungen für die Türkei, die er hege, und denen er bereits in Damaskus Ausdruck gegeben habe, auch jetzt unverändert fest beständen. Als treuer Freund des otlomanischen Volkes und fernes rchabenen Herrschers erneuere er heute gleichzeitig den Wunsch, daß der konstitutionellen Türkei Glück und Segen be;chtedeu fein möge. .

0 Revision des devtsch - österreichischen Bündnisvertrages? Dir Hamburger Rachr/ glauben eine Revision unseres Bündnisvertrages mit Oesterreich-Ungarn anregen zu sollen. In einem Artikel des Bündnisvertrages wird be­stimmt, daß im Falle eines russische« Angriffs auf einen der beiden Kontrahenten der andere verpflichtet sein soll, diesem mit feiner „ge­samten Kriegsmacht" beizustehen. Das Hamburger Blatt führt nun aus, daß Deutsch- land bei dem Eintreten des Mndnisfalles vor­aussichtlich nicht in der Lage sein würde, die Forderung des Vertrages wörtlich zu erfüllen; den« da mit einiger Sicherheit m diesem Falle auf einen Angriff Frankreichs gegen uns ge­rechnet werden muß, so würde das deutsche Reich aenötiat fein, wenigstens den größeren Teil seiner Slreiikräste an der Westgrenze zu verwenden. Auf eine Entlastung Deutschlands durch Italien sei überdies neuerdings nicht mehr zu rechnen. Soweit sind die,Hamb. Nachr/ völlig im Rechte; ihrer Folgerung kann aber die .Deutsche Tages­zeitung" trotzdem nicht beistimmen. Sie führt zur besonderen Begründung derselben an, daß die französische Kriegsgefahr im Falle eines russischen Angriffes auf Oesterreich bei dem Ab­schlüsse des Bündnisses vor 30 Jahren nicht ent­fernt in dem Maße für uns vorhanden gewesen sei, als jetzt. Diese Begründung hält das Blatt für irrig. Einmal sei jedenfalls auch Fürst Bismarck selber stets der oft genug deutlich ausgesprochenen Ansicht oewesen, daß Frankreich bei jeder Verwickelung Deutschlands in einen ernsthaften Krieg bereit sein werde, uns in den Rücken zu fallen. Ferner aber sei in den achtziger Jahren der ziffernmäßige llnterschick) zwischen den Armeen wie der Be­völkerung Deutschlands und Frankreichs erheblich größer als heute gewesen- und überdies gelle die russische Armee für stärker und tüchtiger, als sie sich seither erwiesen hat. Man könnte also eher umgekehrt der Ansicht sein, daß heutzutage ein Krieg Frankreichs und Rußland gegen Deutsch­land und Oesterreich weniger im Bereiche der Möglichkeit liege als früher. Ferner ab soll die Verpflichtung, dem Verbündete« mit der gesamten Kriegsmacht beizustehen, doch wohk nur bedeuten, daß er seine gesamte Kraft im Falle des ange­nommenen Konflikts zn der Abwehr der Gegner bereitstelleu soll. Werden die Gegner um einen neuen Angreifer vermehrt, so sei es doch nur selbstverständlich, daß em angemessener Teil der verfügbaren Truppen nach dieser Seite divergiert wird. Eine andere Handlungsweise würde Oester­reich ganz gewiß von uns weder erwarten noch verlangen. Schließlich werde auch niemand von einer Nation, die selbst in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt wird, fordern, daß sie auch in diesem Falle überhaupt noch militärische Bündnispflicht nach anderer Seite hin erfüllen

):( Der Beginn der Parlaments- arderterr.

Unter Berliner Mitarbeiter schreibt uns: Am kommeudeu Dienstag wird der preußische Landtag eröffnet werden; der Reichstag nimmt an demselben Tage seine Arbeiten wieder auf, wenn auch vorerst nur in der Kommission. Am 4. November wird sich sein Plenum versannnoln; bis dahin wird das Abgeordnetenhaus die erste Lesung der Entwürfe erledigt haben und, bann in Ferien gehen, um den Kommissionen Zeit zur Arbeit zu lassen. Wir stehen also vor dem Beginn einer sehr reichen parlanumtarischen Tagesord­nung.

Der Reichstag wird sich in erster Linie mit der Finanzreform zu beschäftigen haben, einer Aufgabe, die ihm nicht fremd ist, deren Lösung ihm aber bisher trotz mehrfacher Versuche nicht gelungen ist. Der Block sieht sich vor eine schwere Aufgabe gestellt,; denn auf ihn rechnet die Regierung zuerst; ebenso die „Kreuzzeitung", denn sie meint:

„Unsere bürgerliche Demokratie, die bisher in nationalen Fragen saft regelmäßig versagt hat, hat damals bewiesen, daß sie doch fähig ist, Verständnis zu gewinnen für die Pflicht des Reichstages, für die Wahrung des Ansehens der Nation in den fernen Schutzgebieten Opfer zu bringen. Die Erfahrung "bet beiden letzten Jahre hat dann gezeigt, daß hier keine vereinzelte Erscheimmg vorliegt, daß vielmehr unsere bürgerliche Demokratie auch auf anderen Gebieten zur positiven Mitarbeit an unserer Gesetzgebung entschlossen ist. Aeußerungeu hervorragender freisinniger Parla­mentarier und Zeitungen taffen erkennen, daß diese positive Mitarbeit sich auch auf das heiß umstrittene Gebiet der Finanzen erstrecken wirb, und daß man aus dieser Eene geneigt ist, namentlich in Steuersragen alte, liebgewordene Grundsätze uni des Allgemein­wohls willen bis zu einem gewissen Grade preiszugeben. Wir sind keine begeisterten Freunde der Politik, die man feit geraumer Zeit unter Anwendung eines aus Frankreich entlehnten nicht gerade schönen Wortes der Blockpolitik bezeichnet. Aber wir sind nüchtern genug, um anzuerkennen, daß diese Politik im gegenwärtigen Zeitpunkte eine Notwendigkeit ist. Ebenso aber müssen wir anerkennen, daß, wenn die Demokratie die Geneigt­heit zeigt, dieser Politik gewiss« Opfer zu bringen, auch dio konservative Partei stich zn Zugeständnissen wird ber "t finden lasser, müssen."

Sv Wird die Ouvertüre zum große» Werk ge­blasen; es bleibt sehr bezeichnend, daß das kon- fervattve Blatt kein Wort .für das Zentrum sin- bet und alles mit dem Block machen will. Mer­ken hur uns das. Man kann schon heute sagen, daß im kommenden Winter der Block ged ante wie­der stärker Hervortreten wird, als in diesem Som­mer. Das Zentrum wird daher mehr als je die Rechte des Volkes vertreten müssen; denn die Wünsche der Regierung werden schon von genü­gend Parteien propagiert. Neben der Rcichs- finanzreforin sicht die Verbesserung der Bezüge der R e ich s b e a m t e n, die unter keinen Um­ständen mehr hinausgeschoben werden kann. Auch die Gewerbeordnim gsnoveNe muß endlich vcrab- fchiodet wer den; der Zehnsstmdentag für Arbeite­rinnen ist eine soziale Notwendigkeit geworden.. Der Reichstag wird bis hoch in den Sommer hin- «in sitzen; wenn einige Leute annchmen, daß die" «L«c» Steuern schon bis Weihnachten fertig seien,, so ist daran unter keinen Umständen zu denken; sie werden nicht Einmal bis Ostern verabschiedet werden.

Auch der preußische Landtag hat sich mit Finanzfragen zu befaßen; er wird über eine er­giebige Ausbesserung der Besoldung der Beamten, der Valkssthullehrcr und der Geistlichen zu be- fchließen und die erforderlichen Geldmittel be- reit zu stellen haben. Di« „Köln. Ztg." meldet -offiziös, daß der Finanzminister am Dienstag um 2 Uhr dieBefoldungsgesetze dem Ab- OeoodorteMhaufe mitt einer größeren Rede Vorlagen

Dymrlr, der Koscrk.

Bau Marcel Etienne.

(Nachdruck verboten.)

Es war am Eingang des Dorfes in einer der bestgebauten Bauern Hütten. Das große Zimmer rm Innern, das durch einen großen, weißen Ofen behaglich erwärmt und mit Heiligenbildern reich­lich ai^geschmückt war, hatte außer dem massiven Tisch und den Eichenstühlen — als hauptsächlich- ,stes Möbelstück ein sehr niedriges und schmales Seit aus roh gezimmerten Ballen; auf den di­cken Wolfsfeüen, die statt der Decken darüber ge­breitet waren, lag sterbend hingestreckt ein Greis.

Die Züge dieses Mannes, obwohl von Schmer- -en verzerrt, von der Zahl der Jahre gezeichnst, bewahrten dennoch selbst in dieser Stunde die Spuren von Energie, Vornehmheit und Stolz. Man sah es wohl, daß dieser rauhe Steppensohn nichts wußte vom LnruZ und dem verfeinerten Leben der Herren und der Städter, (seine Fuße, die schon btt eisige Kälte des Todes hinankroch, Maren mir mit feiner dicken Burka aus grauer Wolle zugedeckt, fei» fchöuer Kops mit den langen, weiße« Haaren ruhte nicht auf welchen Kiffen, iondem auf dem groben Ledersattel, auf dem er so oftmals auf dem Rücken seines Pferdes in die Schlacht geflogen war, auf dem Kosakensattel, auf dem er aufgewachsen, durch die Welt gewandert, sich tapfer geschlagen hatte und auf dem er nun sterben wollte.

Alle die Gegenstände, die er geliebt und ver- thrt halte, befanden sich im Bereich feiner Hand, schmeichelnd strichen bi« Blicke des Sterben- •en darüber hin. Da war vor allem auf der weißen Mower, — ihm zu Höchsten das glänzende Bild der byzantinischen Madonna von Lowra in Kiew, dos sich in hellen, leuchtenden Farben vom .golden«» Grunde abhob, zwei kleine Wachskerzen »rannten davor in metallenen Leuchtern. Nicht

weit davon der große Kosakensäbel mit blankem Griff, der im Sonnenschein auf so vielen Schlacht­feldern geglänzt, — so viele vom Leid getrennt uni) io viel Blut dergoffen hatte! Gleichfalls an der Wand befestigt, kreuzte sich die lange Meer- schouinpfeife mit dem Säbel, eine Art Trophäe; bald kriegerisch, halb ländlich, gaben diese beiden Gegenstände eine Idee des ganzen Kosakenlebens; Kampf und Träumerei, — Gedanke und Tätig­keit! — Endlich stand auf einem kleinen Tischchen am Fußende des Bettes ein Kruzifix aus Mes­sing und ein kleiner hölzerner Weihwafferkessel, in welchem der Greis oftmals die erstarrenden Finger tauchte.

Das waren die Dinge, die ihm wert waren. Aber auch das lebende Wesen, an dem er mit der ganzen Innigkeit feines Herzens hing, sollte in der Stunde feines Todes nicht fehlen. Die unsicher«, fchon halb verfchleierten Blicke Berezas nahmen nochmals etwas Manz und Feuer an, sobald sie auf dem schöne» Gesichte Tymifts hafteten, der faiwetgsam und traurig an der Seite des Bettes kniete. Nächst Gott und seinem Herrn, seiner steppe und seinem Pferd, war Tymitr das Ein­zige, was. der alte Mann wirklich geliebt hatte' so wollte er chm denn in dieser feierlichen Stunde ferne letzten Abschiedsworte geben.

„Höre mich an", flüsterte er, indem er sich ihm zuneigte, damit keines feiner' bereits mit erster- dender Kraft gesprochenen Worte verloren gehe „Höre mir zu, Dymitrl Die Stunde des Schei­dens ist für muh gekommen! Bald werde ich Dich nicht mehr scheu, mein Sohn, da ich sterben mutz! Gib mal acht auf alles, was ich Dir sagen werde schon versagt mir der Atem und es friert mich — solange meine Gedanken und mein Bewußtsein noch mir gehören, darf ich keinen Augenblick ver­lieren!

„Daß Du nicht mein Sohn bist, Dhmitr das weißt Dul Ich habe Dsth ganz klein, mit Blut bedeckt, in der Steppe gefunden. Du schienst mir schön und lächelnd wie ein kleiner Cherub; ich nahm Dich heimlich an mich — wie einen kostbaren

Schatz! Siehst Du, mein Sohn — ich weiß sehr gut, woher Tu stammst, und es ist mir nicht schwer, Deine Familie zu erraten — doch darf ich es Dir nicht sagen, mein Sohn! Ich habe es meinem Herrn geschworen! Und der Herr Wojwode ist unser Väterchen, unser gutes Väterchen, seinem Willen darf man nicht zuwidechandeln. Was würde es Dir übrigens auch nützen. Deine Her­kunft zu wissen? Heute bist Du nicht mehr, was Du einstmals warst, heute bist Du ein echter, freier Kosake! — Nach meinem Tode gehört Dir mein Pferd, mein Haus und alles, was mein war. — Folge nut meinem Rat, Kind, und forsche nicht, nimm Dir ein gutes und hübsches Weib, diene treu Deinsm Herrn und bestelle Deine Felder! So hast Du alles,_ was Du brauchst Dein Leben lang und wirst einstmals in der Stunde des Todes ruhig schlafen gehen!"

„Vater, guter, treuer Vater Bereza: Verlasse Du mich nicht! Bete zu Gott und zur seligsten Jungfrau, daß Du noch bei mir bleiben darfst! Wem» Du gehst, was bleibt mir dann noch auf diefer Welt?"

„Und doch muß ich scheiden, Kind! Ich $öre eine große Stimme, die mich von da oben ruft! Meine letzte Stunde hat gesclstagen! Ich will es Dir nochmals sagen, daß nach meinem Tode mein Hab und Besitztum Dein Eigen wird: mein schö­nes, braunes Pferd rai± den weiße» Füßen, meine Pfeife und mein Segen, meine große spitzige Lanze und mein Sattel aus Eichscholz, meine sthöne Seidenbörse mit den Grosz*) tmb den blan­ken Talern, mein Haus und meine Felder und mein schönster, roter Gürtel! Ja, alles, Tpmitr, ich brauche nichts mehr! — Nur trage Sorge, daß Dir mich warm kleidest »uib gut bewaffnest, bevor sie mich ins Grab lege». Du wirst mir die warme Äontusza und eine neue Zrrpau anziehen, mir ein fünf Grosz-Stück i« die Hand und mei­nen braven Säbel mir zur Seite fegen, nicht wahr? Damit, und mit bat Abschfedsworten der

*) Kleine Kupfermünze.

solle; Not bricht nicht nur Eisen, sonder« auch das Papier der bestgemeinte« Verträge. — Wir halten es für sehr bedenklich, daß man jetzt solche Frage« auch nur aurührt. Deutsche Bündnistreue erfordert es, daß wir stramm zu Oesterreich hal­ten; so hat man es dem »chriüanlen Sekundan­ten" versprochen, jo hat cs Fürst Bülow »och am 14. November 1906 zugesagt. Man komme nicht mit der Rücksicht auf die Türkei; Oesterreich liegt uns näher, und nachdem wir dort die Reaktion unterstützten, haben wir bei den JungGrken nichts mehr zu verlieren.

= lieber die gegenwärtige auswärtige Lage soll der Reichskanzler Fürst Bülow in der ersten Reichstaqssitznng am 4. November ein Expos« geben, ohne baß sich daran eine wichtige Debatte anknüpfen werde. — An amtlicher Stelle soll die Auffassung betr. die Londoner Programm­vorschläge dahingehen, daß kein Konfereuzprogramm vorliege, sondern nur eine Mitteilung der betr. Mächte an unsere Vertreter. — Wir meinen, auf den Buchstaben der Worte kommt es doch nicht an, sondern einzig und dB ein auf den Sinn, und dieser geht zweifellos dahin, daß England und Rußland die mit geteilten Punkte bei der Konferenz auf die Tagesordnung gesetzt wrssm wollen.

* Der Eröffnung des Landtages werden auf Besch! des Kaisers, die in Berlin «garnffo- nierenden Generale, Admirale, Obersten, Kapitäne zur See und Regiments komm anderrre teil nehmen.

(*) Der König von Griechenland weilt gegenwärtig in der Reichshauptstadt. Er stattete am Samstag dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Schoen einen Besuch ab.

{] Staatssekretär v. Köller hat nunmehr fein Abschiedsgesuch eingereicht. Sein Nachfolger ist Zorn v. Bulach.

— Wie man sparen will. Erne neue* Kaiserjacht soll, wie einBevichterftrstter meldet, in der neuen Aera der Sparsamkeit im nächsten Marine-Etat gefordert werden. Bei den letzten Kaiserreise« soll sich herausgestellt haben, daß die alte „Hoheuzollern" nicht mehr allen Ansprüchen, nanrmtlich auf Schnelligkeit, genüge; die jetzige „Hoheuzollern" ist einem kleinen Kreuzer ähnlich gebaut and wäre im Ernstfälle als Hilfskreuzer verwendet worden. Der Neubau fall mehr Luxus- schiff werden (wir sind, wie gesagt, in der Aera der Sparsamkeit), und bei seinem Bau soll mehr als auf der „Hohenzollern" auf Bequemlichkeit und Komfort Rücksicht g-noimuen werden. Man greift sich an de» Kopf wegen dieser Meldungen und fragt: „Ist das wahr?" Ais man zu An- saug der SOer Jahre die heutige Kaiserjacht for­derte, hatte man nicht de« Mut, sie offen als ein ÄiMschiff zu fordern; man stellte sie als einen „Avffo" für größere Verbände ein. Jetzt aber will man, so scheint es, offen sagen, wozu «vn diese Gelder verwenden will. Sehr nett! Wir wollen sehen, roai Herr Srchow mit feiner „Rück­kehr zur astpreußischen Sparsamkeit" hierzu sagt?

t Es ist auch die höchste Zeit! Das Preffe- dezecual des Auswärtigen Amtes hat schon Viel­fach M Wagen Anlaß gegeben. Gleichzeitig mit der Meldung, daß erhebliche Personalänbetätigen in diesem Dezernat vollzogen roerben, wird in Aussicht gestellt, daß eine völlige Rekonstruktion dieses DezernatrS eintreten werde und man vor allem den amtlichen Betrieb der Auskunftserteilrmg an dir Presse von Grund arrf vmgestalten wolle. Wahrscheinlich werde eine besondere Abteilung

Kameraden und de» letzte» Gebeten des Priesters hab e ich nichts zu fürchten für nie hie Reise in jene andere Welt. Mein Reisepaß wirb als rich tig befunden werden! — Und Gott gebe, mein Sohn, daß dereinst ein braver und tapferer Sehn auch a» Deinem Lager stehen möge, wenn einstens Deine letzte Stunde schlägt! ..."

Bei dieses Worten Berezas vermochte Dyrnitr fernen Schmerz nicht mehr zu bcmciftetn und brach in Tränen ans. Mit einer beredten Lieb­kosung strich der Greis mit den kalten Hände» mühsam über das schwarze Waar des Jungen. Dann nahm er seine letzte Kraft zusammen und begann nach ein paar Augenblicken von neuem:

„Ich habe Dir noch etwas zu geben, Dymftrl — StaS aber gehört nstht mir, hat niemals mir gehört! Ich wollte es Dir erst in meiner letzten Stunde übergeben, und habe Dir deshalb niemals früher davon gesprochen."

Hier unterbrach sich Berez-a, richtete sich mit gewaltiger Kraftanstrengung auf, tastete unter seinen großen Sattel und zog aus demselben nach einige» Augenblicken ent kleines Paketcheir, das in ein feines Tuch von roter Seid« gewickelt war. Mft seinen schon halb erstarrte«, zitternden Fin­gern knüpfte er das Tuch auf und hielt dem jungen Mann ein schönes Emaillebild hin, das auf Goldgrund die Madonna von Szestochowa in blauem Mantel zeigte, bereu süßes, frommes Ant- fitz die Spure» der Tartarenlairzeu austvie?, die einstmals bei einem Ueberfall das Heiligtum ge­schändet hasten.

„Dies trugst Du auf Deiner Brust, als armes kleines Kind", sagte er, „als ich Tick) damals blu­tend in der Steppe anflas. Ich beeilte mich, dies schöne Bild zu verbergen: es ist aus Silber und einige meiner Kameraden hätte» es mir gewiß geraubt . . . Nun, da ich bald hinüber muß, — gebe ich es Dir zurück,mein Sohn. Es wird Dir vielleicht nützen, um einen ober den andern Dei­ner Angehörige« wiederzufinden, — wenn Du üJberbanbt nodi otno fwrftl , , , Z>ck würde es Dir