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Momkrellage: „sutoatt GeschlchtsdMer"
rood)Clttoiage: „Illustrierte Sonntagszeitung
35. Jahrqana
Fulda, Frelta« dm 16. Oktober 1908.
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Zuldaer
verant». Redakteur;
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«qeWIS-ttch«» ruLsahme wr So Kl* Md Ktierla-e. viertel« jährlichem Vezugspreir ohae vringerloh« unb oestellgeldinZuidaso« wie <m$wärts 1.50 mt
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»otatkourdruckrwtz Verla- der Zuldaer Lk» tiendruckerei In Zulda Lernsprecher Nr.4.
Zweites Wtcrtt.
♦♦♦ Des Zentrums Mitarbeit.
Seitdem die ^Regierung einige Zentrumsabge- »rdnete zur informatorischen Besprühung über die Reichsfinanzreform herangezogen hat, ist eigentlich der Block im Kern zerstört, wie der Bolks- Parteiler Benedey kürzlich hervorhob; denn der Block ist gegründet zu dem ausdrücklichen Zwecke, das Zentrum auszuschalten. Beim Vereinsgesetz und Börsengesetz tat er diese Schuldigkeit; nun aber das Blockpärchen 2 Jahre in Saus und Braus gelebt hat, holt man den reichen Onkel Zentrum, damit er die Unkosten bestreiten Helse. Man hat das Zentrum geholt; denn kein Zentrumsobgeordneter hat sich angeboten; sie erschienen nur auf Einladung seitens des Reichsschatzsekretärs; der Reichskanzler war bei diesen Be.- sprechungen nicht zugegen. Aus der Tatsache der Zuziehung des Zentrums wollen nun politische Hellseher schließen, als ob das Zentrum schlankweg die gesamte Reform genehmigen werde; andere hinwieder bemühen sich eifrig, üarzulegen, daß das Zentrum nicht mitmachen könne, denn dec Reichskanzler habe es zu schwer beleidigt. Was ist nun die richtige Antwort auf diese Ausführun- gen?
Man lese nur einmal das treffliche „politische Brevier": Zentrum und neuester Kurs (Verlag der Germania), der hochverdiente Abg. Gröber hat diese Schrift verfaßt; hier finden wir das ganze Abc der Zentrumspolitik; der Verfasser sirlbst sagte über des Zentrums Mitarbeit im Reichstage: Wenn unsere Wege mit denen des Reichskanzlers zusammentreffen, ist es uns angenehm, wenn nicht, werden wir uns zu trösten wis. sen. Dieser Satz gilt ganz besonders für die-bevorstehende Reichsfinanzreform; das Zentrum treibt hierbei Zentrumspolitik und nicht Blockpolitik und nicht Bülowpolitik; es sucht die Zen- trumsgrnndsätze zur Annahme zu bringen; soweit die Regierung es auch will, soweit gerade wir mit dieser Hand in Hand gehen: aber der Negierung zuliebe wird das Zentrum auch nicht eine Hand» vreit von seinen Grundsätzen abgehen; mögen andere Parteien das tun; das Zentrum geht seinen Weg; es hat nicht die Aufgabe, den Block zusammenzuhalten oder auseinanderzuteilen; denn nicht der Block ist uns gefährlich, nur der Blockgeist und dreier ist noch da, wenn der Block selbst auch verschwunden ist. Das Zentrum konnte nur in einem Falle in voller Untätigkeit verharren; wenn nämlich die neuen Steuern allein, von der „nationalen" Mehrheit aufgebracht werden würden; aber das ist nicht der Fall. Es sollen vielmehr alle Deutschen herangezogen werden, auch die Zentrumswählerfchaft und um diese nach Kräften zu schützen, wird das Zentrum Mitarbeiten. So hat eS sich beim Vereinsgesetz und ebenso **eim Börsengetetz verhalten.
Nun meinen Leute, daß der Lohn der Regierung für die Mitarbeit des Zentrums ein sehr hoher sein muffe oder werde. Im Zentrum denkt man mehr an den „Lohn" des 13. Dezember 1906 und vergißt diesen Tag nidjt so bald. Gewiß fordert das Zentrum für die Mitarbeit an dem großen Werke Konzessionen von der Regierung, aber nicht an das Zentrumsprogramm, sondern an das gesamte deutsche Volk; denn dieses muß die Steuern aufbringen. Die erste Konzession der Regierung muß in gesetzlichen Garantien zur Sp arsamkeit liegen; das Volk muß die Ge- währ haben, daß gespprt wird und daß seine Steuergrofchen nur für das absolut Notwendige ausgegeben werden. Mit schönen Worten kann man sich nicht mehr absinden lassen, denn man hat sie schon zu oft gehört, ohne, daß die Tat
folgte. Nun man dem Volke so hohe Lasten auferlegt, muß es auch etwas mehr als bisher bei der Verwendung der Gelder zu sagen haben; cs muß besonders jene, die die Gelder ausgeben, zur Verantwortung ziehen können. Bei den Abgeordneten kann es dies tun, denn da kommt immer nach 5 Jahren die Neuwahl. Anders ist es mit dem 2. Faktor: mit den Ministern. Das Volk zahlt die Steuern, die Fürsten bringen keinen Pfennig Steuern auf; daher müssen die Minister auch dem Volke, d. h. seiner Vertretung, verantwortlich sein. Die Reichsverfassung bestimmt das wohl im allgemeinen; aber die Heu- tige Ministerverantwortlichkeit ist ein Messer ohne Klinge; man kann mit ihr nicht schneiden. Wer ein Freund des Volkes und der Volksvertretung ist, muß daher auch für die S i ch e r u n g der Ministerverantwortlichkeit eintreten, dann hat er wenigstens eine Garantie für Sparsamkeit. Eine zweite liegt darin, daß man die Minister etwas knapp hält und diesen ,wenig Geld zur Verfügung stellt; wenn der Reichstag z. B. 150 Mill. cM. Steuern weniger bewilligt als die Regierung fordert, dann weiß man, daß diese Geldei nicht ausgegeben werden-
Sparsamkeit ist also die erste Voraussetzung für gesunde Reichsfinanzen; ohne diese geht es nicht und sie kommt dem Volke zugute. Wer weiß, wie dieses sich abmühen muß, um die Steuern auszubringen, der wird auf unserer Seite stehen. Wenn die Regierung aber Sparsamkeit will, dann muß sie auf diesem Wege gehen; denn beim vollen Beutel wird nicht gespart; das sagt die Vergangenheit deutlich genug.
Deutsches Reich.
* Der blaue Brief, welcher bekanntlich den Offizieren ihren Abschied bringt, ist in der letzten Zeit eine so häufige Erscheinung geworden, daß darüber ost mit Recht Klage geführt worden ist. Namentlich hat man vielfach Offiziere in den höheren Graden verabschiedet, die recht gerne und recht wohl noch dem Valertande ihre Dienste hätten leisten können und wollen. Dieser Auffassung nähert sich sogar die konservative ,Kreuzzeitung, indem sie schreibt:
„Der Reichstag hätte es längst erkennen und aus- sprechen müssen, daß es doch nicht nötig sei, ein so großes Kapital von anerzogenem Pflichtgefühl, Lebens- erfahrrmg, Menschenkenntnis und Wiffen, wie es in dem verabschiedeten Teile des deutschen OffizierkorpS ausgespeichert ist, brach liegen zu lassen."
Auf diesen Uebelstand und das dadurch bedingte Anwachsen der Pensionslasten ist von den Zentrumsabgeordneten schon oft hingewiesen worden. Dann hieß eS aber immer, man dürfe in den militärischen Dienst nicht hineinrcden, davon verstände man nichts. Daß nun auch konservativ« Kreise zu einer befielen Erkenntnis zu kommen scheinen, ist erfreulich.
* Ein Gegenstück. Pastor Thomaschki hat auf der Bundesversammlung in Braunschweig davon gesprochen, daß irgendwo für zwei Einwohner Katholischen Bekenntnisses eine Kapelle erbaut worden fei. Jeder Katholik und die meisten Protestanten wißen, daß so etwas „nur in Bilderbüchern vorkommt". Der Herr Pastor fei aber auf folMnden, von der „Niederrhein. Volkszrg." mitgeteilten Fall aufmerksam gemacht, der kein Märchen ist: Vor vierzehn Tagen wurde in Weißenhorn-Lüderode (Eichsfeld) mit großer Feier (Generalsuperintendent aus Magdeburg usw.) eine protestantische Kapelle eingeweiht. In den drei Bezirken, die auf dieses Kirchlein angewiesen sein werden, den Dörfern Lüderode und Weißenborn und dem Guis-
Klemes Ferrittetorr
— Der heutige St. Gallustag bedeutet rin allgemeinen Wirtschaftsjahr des Landmannes das Ende der Feldarbeiten. Mit ihm müssen die Arbeiten im Freren im ganzen und großen beendet und der Ernteertrag soll eingebracht sein. Jnter- efiant ist es, wie diesen Gedanken eine ganze Anzahl von Reimsprüchen zum Ausdruck bringt: Nm St. Gall erntet man die Rüben all. Auf St. Gallustag nichts mehr draußen bleiben mag. Auf St. Gallustag muß jeder Apfel in den Sack. Auf St. Gall bleibt die Kuh im Stall. Wenn St. Gallus noch die Butte trägt, für den Wein dann ein schlecht Zeichen schlägt. St. Gallus muß das Kraut herein, sonst schneien Simon und Judas brefa. Daß St. Gallus der allgemeine Termin für den Schluß der landwirtschaftlichen Arbeiten ist, beweist in selten schöner Weise die lieberem- stimmung der aus den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes stammenden Reimsprüche. Wir hören aus denselben den Weinbauer, den Rübenbauer, den Obstzüchter, kurzweg Vertreter 6er, verschiedensten landwirtschaftlichen Haupt- Meige sprechen, sie alle sagen ein und dasselbe, tvas auch der Thüringer kurzweg sagt: „Galles — schäft' heim alles l"
— Fusion, der Erfinder des Unterseebootes. Eöesi wird Fusion als der Begründer ver Dampffchiffahrt gepriesen. Niemand weiß, daß oieser geniale Erfinder auch ein richtiges Unterseeboot konstruiert hat. Nur, weil man ihm von snaßgebende Stelle aus nicht genügend Berstän- viMng entgegeubrachte, wurde seine Erfindung nicht bertoertet. Und doch verwendete er jahre- «uiff viel mehr Fleiß, viel mehr Zeit, viel mehr Persönliche und pekuniäre Opfer auf den Bau ieme§ Unterseebootes, das er „Torpedo" nannte, «uä auf die Ausnutzung der Dampfkraft. Nach »auretongen unermüdlichen Versuchen gelang es
ihm, ein geschlossenes Unterseeboot zu konstruie- ten, das 212 Kubikmeter Inhalt. hatte. Anfangs wurde der in diesem Raum vorhandene Sauerstoff auf die Mannschaft, die ans 4 Personen bestand, und auf 2 kleine Kerzen verteilt, die drei Stunden brennen sollten. Doch wurde die Be- leuchtung sehr bald durch kleine Fenster erzielt, sodaß die Kerzen überflüssig waren. Dieses Unterseeboot war imstande: 1. wie ein gewöhnliches Boot zu fahren; 2. senkrecht zu tauchen und zu steigen; 3. beliebig nach rechts oder links zu steuern; 4. eine durch den Kompaß bestimmte Richtung unter Waffer genau inne zu hasten; 5. das notwendige Luftquantum mit Leichtigkeit ju erneuern, und 6. sogar ein Reserveliiftquantum mttzunehmen. Fusion bewachte seine Erfindung mit Argisaugen. Er hielt sich jahrelang in Frankreich auf und wollte feine Erfindung der französischen Regierung dienstbar machen. Er hatte die genialeinfache Idee, seine Uifterseeboote mit Kanonen anszustatten, und die englische Flotte aus der Welt zu schaffen. Und wenn er auch erreichte, daß Lord Stanhope das Oberhaus vor dem gefährlichen Erfinder warnte, so fand et doch beim ersten Konsul keine Unterstützung. Man bra<Ae ihm großes Mißtrauen entgegen, zumal man die Mannschaft nicht in die Unter- seeboofe hineinbekommen konnte. Napoleon beauftragte Laplace, Monge und den Grafen Vol- ney mit der Prüfung der Erfindung. Es erging Fulton damit nicht bester als damals, als er Napoleon auf die Ausnutzung der Dampfkraft hinwies. Holte Napoleon, sich doch von der französischen Akademie der Wissenschaften die Verfiche- rung, daß die allerdings vorhandene Dampfkraft höchstens ein Kinderspielzeug treiben könnte. Fulton aber setzte seine Untersiebootversuche trotz aller Entmutigungen bis zu seinem int Ja^e 1815 erfolgten Tode fort.
— Afrikanisches Grüßen. Die gesellschaftlichen Gebrauch« der Bewohner des schwarzne Erdteils sind natürlich von unseren ganz verschieden, differieren aber auch untereinander erheblich, wie
bezirk Gerade, finden sich im ganzen 4 (in Worten ,vier") rein evangelische Fami- lien, die zusammen 1 (ein) evangelisches Schulkind stellen; es sind dies die Familien des Apothekers, des Revierförsters, eines Unter» nehnwrs und eines Gärtners. F ü n f o d e r s i e- den evangeliiche Dienstmädchen in Lüderode werden wohl hie Kapelle nicht viel besuchen, sondern bei ihrer alten Gewohnhit bleiben und alle paar Wochen den Ktrchenbesuch verbinden mit dem Besuch ihrer Angehörigen im beniachbarten evange- liichen Heimatdorfe. Einige Männer und Frauen, aber wohl kaum mehr als 10 zusammen, die mit einem katholischen Eheteil in gemischter Ehe leben, durften noch weiter auf die Kapelle angewiesen fein Damit ist aber auch wirklich die Zahl derer erschöpft, auf die der Bauherr der Kapelle rechnen kann: 30 bis 40 ortsanwesende evangelische Christen.
Ausland.
* Dänemark. Bei der am 13. Oktober im früheren Wahlkreise des Ministers Alberti stalt- gefanbenen Folkething-Wahl wurde Redakteur R. Bransagar (radikale Linke) mit 1432 (Stimmen gewählt. Rechtsanwalt Lund (linke Reform« Partei) erhielt 1035 Stimmen. Bei der Folke- thing-Wahl im Jahre 1906 war Albert mit 1419 Stimmen gewählt worden. Bransagar erhielt damals 1330 Stimmen.
* Aus Rußland. In mehreren polnischen Gouvernements wurde der Kriegszustand aufgehoben.
B. Auch die kleine Republik San Marino hat nunmehr ein Gesetz angenommen, durch welches der obligatorische Reliaions- unterricht in den dortigen staatlichen Schulen ab geschafft wird. Es steht nunmehr, wie in Italien, den Familienvätern frei, die Ueberlaffung der betreffenden Schullokale für den privaten Religionsunterricht ihrer Kinder zu verlangen.
volkswirtschaftliches und Soziales.
A Reform der Arbeiterversicherung. Auf dem BerufZgenossenschaftstag in stiel am 16. Juni führte der Herr Staatssekretär des Innern aus, daß sich die Vorarbeiten zur Reform der Arbei- terversicherung noch in den ersten Vorstadien befänden und daß Die beteiligten Kreise gehört werden sollten, sobald „kristallisierte" Pläne Vorlagen. Das scheint jetzt der Fall zu sein, denn wie wir hören, finden im Laufe dieses Monats Konferenzen im Reichsamt des Innern statt mit den Vorständen von Berirfsgerwssenschaften und San- desveisicherungsanstalten. Nach diesen Konferenzen ist zu erwarten, daß der Entwurf alsbald ab- gefchlossen wird. Im allgemeinen Interesse läge es, wenn dann der Entwurf sofort der Oeffentlich- feit unterbreitet würde, denn durch die steten, sich häufig widersprechenden Mitteilungen über die Reform der Arbeiterversicherung hat sich der Beteiligten Streife eine lebhafte Unruhe bemächtigt. Nach offiziösen Auslassungen soll die Nesorm der Arbeiterversicherung mit der Witwen- und Waisenversicherung am 1. Januar 1910 in Kraft treten. Um dies zu ermöglichen, mußten die Entwürfe durch Bundesrat und Reichstag in aller Eile durchgepeitfcht werden. Es ist dann noch sehr fraglich, ob sich in so kurzer Zeit die erfor- derlichen organisatorischen Einrichtungen und Aendernngen werden bewirken lasten. Es sei nur darauf hingewiesen, daß allein gegen 200 Versiche- rungsämter eingerichtet werden sollen. Die an der Arbeiterversicherung beteiligten Kreise haben
das allergrößte Interesse daran, daß die Reform nicht überstürzt wird und die einzelnen Reform, punkte wohl erwogen werden, denn sie sind eltz dis jahrzehntelang unter verfehlten Matznahme» und Einrichtungen zu leiden haben.
13. Charitastag zu Raveuskurg.
Y Ravensburg, 14. OA. 1908.
Um 9 Uhr Begannen heute früh die S e k» tionsberatnngen; in denselben wurde- folgende Fragen behandelt: die öffentliche Armenpflege, die Säuglingspflege uud die Alkohokfrag». Kaum waren diese Beratungen zu Ende, begann sich der Hauptversammlungssaal schon wieder z»l füllen. Der Besuch des Charifastagcs ist uni war bis zur Stunde ein ausgezeichneter. Württemberg, bezw. die Diözese Rottenburg und nicht in letzter Linie die Kongreßstadt selbst kann für sich das Lob hi Anspruch nehmen, daß das regste Interesse den Charitasbestrebungen entgegenge- bracht wird.
Die 2. beraten deEH ar rtaSversa mn> lu n g war der Frage der Armenpflege nnd bet nicht minder wichtigen Alkoholirage gewidmet. Armensekretär W e y d m a n n-2traßburg sprach über das „Z u s a m m e i' w i r k e n der öffentlichen und privaten Armenpflege". Dieses Zusammenwirken ist notwendig sowohl im Interesse der Hilfsbedürftigen als der die Armenpflege ausübenden Organe felber. Ohne dasselbe kann von einer raf ioncMcn Armenpflege, d. h. von der fastematischeu Bekämpfung der Armut und ihrer Ursachen keine Rede fein. Grimd- bedingmig für ein harmonisches Zusammenwirken ferner ist eine konsequent burchgeführt? Arbeitsteilung. Was die öffentliche Armenpflege betrifft, fo hat sie unter allen Itmftäubeu den Hilfsbedürftigen das zuni Sehen Notwendige zn gewähren, wenn es verlangt wird. Vor Eingreifen der öffentlichen Armenvflege hat dit Privatwohltätigkeit eine vorbeugend», später neben derselben eine ergänzende Tätig- feit auszuüben. Die öffentliche Armenpsle« darf freiwillige Gaben der Privalwohltätigker'. nicht in Abzug bringen von ihren Sciftungeii. Die Gewähr für ein geordnetes Znfama-ei - ar bei ten bietet nur eine Organisation btit Privatwohltätigkeit iu Vereinen und Verbänden, die ihrerseits mit der öffentlichen Armenpflege in organisch Verbindung treten Ob diese ’n einer straff organisierten Zentralstelle ober nur in einer losen Konferenz besteht, hält Redner für sachlich bedeutungslos. Aber nur eine organische Privatwohltätigkeit gewährleistet dreftr eine unabhängige, selbständige Stellung neben der öffentlichen Armenpflege. Mit allem Nachdruck empfiehlt der Referent die aktive Mitarbeit der privaten Helfer, besonders der Frauen. (Lebh. Beifall.! Mfgr. Prof. Tr. Waitz-Briren sprach über die Frage: „Ist int Kampf gegen den A l k o h o l i s m ir s k a t b v l i f ch e rs e i t s bereits genug geschehe n?" Nach den verschiedenen Bemühungen in dieser Frage macht sich in der katholischen Autialkohslbewegimg das Bedürfnis nach einem einheitlichen, klaren und bestimmten Vorgehen immer mehr geltend. Die katholische Kirche sollte hierin die führende Stelle entnehmen. Dieses Ziel ist zu erreichen, wenn in alle katholischen Kreise die Kenntnis getragen wird über die Größen des Hebels und das Verderben des Alkoholisnms als eines Volksverder- bens mit unmenschlichem Schaden für Religion und Kultur, über die Ursachen dieses Verderbens und die wirklichen Ziele der Antialkoholbewegung. Diese Bewegung müsse gefördert werden durä vorbeugende Mittel und durch unmittelbare Be< kampfung des Uebels selbst (frühzeitiger Schuf
sich schon an den Begrüßungsformen feststellen läßt. Mitunter muten sie recht herzlich an, z. B. wenn bei einem, übrigens der Menschenfresserei verdächtigen. Stamme der Ankommende sich auf das Snie eines jeden Anwesenden setzt und sich liebkosen läßt. Bei einer anderen Völkerschaft hn Innern nimmt der Ankömmling etwas sand oder Erde in seine rechte Hand, tut davmi ein wenig in die linke, reibt dann mit der geschloffenen linken Hand über den rechten Ellenbogen und bann seine rechte Seite, während die rechte Hand daä gleiche links tut. Dabei werden feststehende Grutzformelti gefangen. Das ist ein bischen umständlich, und der Gebrauch mancher Westafri- kaner, sich als Gruß ins Gesicht zu blasen oder gar ins Gesicht und in die Hände zu spucken, hat wenigstens der. Vorzug der Einfachheit für sich. Bei den Batoko ist die ache wieder etwas komplizierter. „Sie tversen sich auf den Rücken zur Erd« und klopfen sich, während sie hin- und aerrollen, gegen die Außenseite der Schenkel. Bei den Bambara gehört es zum guten Ton, beim Begrüßen fc laut, wie möglich zu schreien und mit 3Tr- nfen und Beinen zu schlenkern. In manchen Gegenden muß man der begrüßten Person den Rücken zukchren, was fedenfalls ausdrücken soll, daß der Grüßende nicht würdig sei, ihr ins Antlitz zu schauen. Arn einfadfacn geht es bei den Kiffcwdschi zu. Tort wählt sich der Kommende einen auffälligen Platz und harrt geduldig, daß er vom Hausherrn begrüßt werd«. Geschieht das, güvöhulich durch die Worte Bok neta (Friede sei mit dir), fo kann die Unterhaltung beginnen. Doch muffen die Worte breimal unter Händeklatschen wiederholt werden.
_ — T« Ava«emntt der Herrscher. Die Be- Äderung des Fürsten Ferdinand zum „Zaren aller Bulgaren", bte er selbst vollzog, legt eine Betrachtung nahe, wieviel andere Herrscher während ihrer Regierungszeit in höhere Würden , avanciert" sind. Die Zahl derer, die von den höchsten Höhen der Menschheit zu noch höheren Gipfeln emvorgestiegen sind, ist jedenfalls keine
geringe. Man findet darunter schlichte Bürger, die einen schweren Kampf und viel harte Lebensarbeit dazu nötig hatten, von einer Sprosse zm anderen emporzusteigen. Das glänzendste Beispiel hierfür ist Napoleon L, der es vom einfachen Bürger Bonaparte zuerst zum Konsul und Diktator Frankreichs und dann zum Kaiser aller Franzosen gebracht hat. Allerdings hat ihm diese Rangerhöhung mehr Mühe und Leistung gekostet, als dem Zaren Ferdinand. Von seinen kriegerischen Heldentaten weiß ja bekanntlich die Wel noch wenig zu melden. Napoleon III. hat and das Avancement vom bürgerlichen Präsidentev der Republik zum Kaiser auszuweisen; aber er hatte es als Prinz schon viel leichter. In ährrli- cher Sage befindet sich König Peter von Serbien, der in Genf das müde Dasein der viel zu vielen Kronprätendenten führte und in Ermangelung einer hefteten Beschäftigung schriftstellerisch tätig war, als ihn der Wille der Verschwörer auf bett Königsthron berief. König Haakon hat auch nicht bavon geträumt, jemals eine Königskroue zu tragen, vor allen Dingen nicht die Krone Norwegens, die rechtmäßig den schwedischen Königen zu- komnst. In jüngster Zeit ist ein Grasengeschl«lit Lu Fürsten avanciert, nämlich das uradlige Geschlecht der Grafen von Biesterfelb, bte jetzt fest auf bem vielumsfrfttenen Throne von Lippe-Det- molb fitzen. Der jetzige König von Rumänien war Leutnant unb Hohenzollernprinz, als er durch Verrnittlmrg Bismarcks am 20. April 1866 zum Fürsten von Rumänien proklamiert wurde. Die- jem Avancement folgte ein noch viel größeres am 26. März 1881, an welchem er durch einstimmigen Beschluß der Volksvertretung zum König von Rumänien gewählt wurde und den Titel „Königliche Hoheit" mit dem bedeutenderen „Majestät" vertauschte.
— Ei« Schwerenöter. Jung« Dame (auf einer Soiree): »Aber, Herr Leutnant, Sie rauchen fo ab« scheulich, daß ich fast ganz in Wolken emgehüllt binl' — Leutnant: »Aber gnädiges Fräulein, Engel müffen doch in Wolken fchroeben!"