Einzelbild herunterladen
 

eitung

A«r«!se»: vir ekm

Fulda, Montag den 12. Oktober 1908.

M 235

Kustes Wlcrtt

Die Diplomatie an der Arbeit.

Die Türkei gegen Oesterreich-Ungarn.

stufe von 2500 M. für die älteren Oberleutnants

geschaffen werden.

5>pmitr, der Kosak

29]

Nerlamendkepetttzeütz 25 pfg., bei wieder, hokmigen wkrd entspr, Rabatt gewährt.

Rotatiourdrucknnb Verlag der Fuldaer Ak. tlendruckerei in Lnlda SerusprecherNr.4.

Mmakkllage: „Mdaer GrschschMMer"

Dre Deutsche Regierung hat nunmehr auch end- uch die Sprache gefunden, nachdem die wichtigen Ereignisse auf der Balkanhalbinsel die Ferienstim­mung der leitenden Persönlichkeiten ziemlich unlieb­sam gestört haben. Am Freitag wurde der »Köln. Ztg/ aus Berlin telegraphiert:

wird vielleicht der Schwierigkeit des Eintrittes weniger Bemittelter in das Offizierskorps ent­gegenwirken.

* Im Verfahren gegen Schücking treten Er- scheinungen zu Tage, die nicht gerade auf eine besonders große Zuversicht der Behörden hindeuten. So wird in der liberalen Preffe mitgeteilt, Mit­glieder des Magistrats seien darüber vernommen worden, ob sie jemals gehört hätten, ob Schücking aus Behörden geschimpft habe. Besonders habe m m versucht zu erfahren, welche Stimmung Shücking gegenüber dem Landrat Raffe hege. Jr diesem Sinne habe man die Zeugen gefragt.

Es geht eben auch bei den Sparsamkeits- ansällen im Reich und in Preußen nach dem alten Grundsatz: Richtet euch nach meinen Worten und nicht nach meinen Taten. Aber wir meinen, daß die Parteien ein sehr einfaches Mittel in der Hand haben, die Regierung zur Sparsamkeit zu nötigen. Sie brauchen die von ihnen für überflüssig erachteten Forderungen nur abzulehnen. Hoffentlich machen die Rational- liberalen mit der Verweigerung der Mittel für die neuen Gesandtfchaftshäuser den Anfang.

* DaS neue Postscheckverfahren soll am 1. Januar eröffnet werden. Die Postscheckämter sollen ihre Tätigkeit schon am 1. Dezember auf- Nehmen, anscheinend, um das Publikum entsprechend " 'zubereiten.

mit welcher Miene Schücking über den Landrat spreche, ob sich bei ihm eine besondere Erregung in der Stimme (!) äußere, oder «ob er etwa rot (!) dabei würde. — Mehr kann man allerdings nicht erwarten.

Der russische Minister des Aeußern, Iswolski, ist Freitag abend in London eingetroffen. Am Freitag nachmittag waren der türkische, der öster­reichisch-ungarische und der deutsche Botschafter im Auswärtigen Amt zu London.

Die Botschafter Frankreichs, Englands und Rußlands haben den Befehl erhalten, jeder ein«

Von Marcel Etienne.

(Nachdruck verboten.)

Erscheint täglich mit

der Sonn. /W _

iwdZeiertage.vlertel- M FM JMk, A M ■

jährlich«Vezugrpr«ir ohnevrlngerlohnund W ■ ■ « ■ ML ■ ■

vtstellgeldi» Fulda so. ■ ■ ■ sL ■■ ■ WT

rviemmvSrtsr.SOMk. , _ Wkr

verant«. Redakteur:

i. v.r A. wetzler;

3.%Ä'nIo. wochenbeklag«!„IllustrierteSonntagrzeltung"

Rüstungen.

Die türkische Regierung rüstet weiter. Es wurde eine Mobilmachung von

Laufe des gestrigen und des heutigen Tages mehr­fache Besprechungen mit dem türkischen Bot­schafter, die sich auf die gegenwärtige Lage bezogen. Der Staatssekretär hat, wie wrr hören, die bestimmtesten Versicherungen dahin gegeben, daß der Entschluß der österreichisch-ungarischen Regierung zur Einverleibung Bosniens und ver Herzegowina ohne Anregung von

1 am «m «.mX s. . C* k..

Deutsches Reich.

* Der Kaiser hat seine Reise nach Kabinen aufgegeben, weil dort mehrere Scharlachsalle auf­getreten sind.

— Der Evangelische Bund hat nach seiner Bosniens und der Herzegowina ohne Anregung von "x beutlet Seite gefaßt worden ist, und daß dre deutsche Fügung m BrauNichwelg auch einen Ausflug nach I Regierung von diesem Entschluß nicht früher Kenntnis der Harzburg zur Kanoffa-Säule gemacht. Dort erhalten hat als andere Mächte. Hinsichtlich des hat der Superintendent Wachsmut (Lüneburg) I bulgarischen Borgehens hat der Staatssekretär betont, eine Rede gehalten, welche die kühnsten Leistungen daß man in Berlin den Schritten der dortigen Regie- hor Tnmm« f.ffX tn Nicht nur fremd gewesen, sondern tn pein-

35. Jahrganq.

Die deutsche Regierung hat in Sofia auch keinen veifel darüber gelassen, daß man hier m eine -örterung über die Anerkenming der Unabhängig-

nach Lück zu schicken. Dort kann man ihn, wenn der Herr General es wünscht, zur Vorsicht ganz entkleiden. . . . So, mein Braver, Du kannst also weiter reisen, dagegen habe ich nichts einzu- wenden! Freilich nicht, wohin Du willst! Gib uns jetzt, ohne Dich lange Litten zu lassen. Deine Pistole und Deinen Säbel! Und jetzt vorwärts, nach dem Schloß Seiner Exzellenz! Wenn Du nicht gelogen hast und Du nicht von dem Feinde unseres Herrn als Ueberbringer sträflicher Bot­schaften ausgesandt wurdest, so schwöre ich Dir, daß Dir nichts geschehen wird!"

„Gut, einverstanden! Gehen wir", entgegnete Tymitr. „Nun Väterchen, wenn Du nichts da­gegen hast, so wähle Deine Leute und laß uns eilig aufbrechen. Wenn ich morgen früh das Schloß Sr. Exzellenz verlassen darf — und er wird nicht zögern, mich in Freiheit zu setzen, ich versichere Dich — so kann ich noch rechtzeitig Herrn Treciak die Aufforderung meines Herrn überbringen!"

Diese unerschütterliche Kaltblütigkeit und sorgloie Sicherheit des jungen Mannes beruhig­ten den Alten mehr, als die heiligsten Versiche­rungen und Beteuerungen es hätten tun können. Indem er sich selbst sagte, daß es eigentlich nur sei, um der Form zu genügen, daß er Dymitr so eskortieren lasse, wählte er vier der stärksten und tapfersten Leute seines Trupps und behielt sich selbst die Bewachung der Schänke vor an welcher der andere vermeintliche Bote vorüber- kommen mußte.

So sammelte sich denn vor dem häßlichen Wirtshaus von neuem die kleine Gruppe der Reiter. E,nbls zu den Zähnen bewaffneter Ko- sake nahm die Töte: ein anderer hatte an den Zügel von DymltrS Pferd einen festen, sexualen Lederrremen befestigt und ritt an der rechten Seite des armen Chawat. Der dritte Kosake ritt an Dymrtrs Imker Seite, die geladenen Pistolen im Gürtel, tn der Hand den entblößten Säbel; der vierte ritt hinter den andern und überblickte vorsichtig spähend den dunklen Waldweg.

Angesichts der Erregung in Serbien hat, wie wir hören, die Rerchsregieruna Schritte getan, um in Belgrad zur Mäßigung und zu ruhiger Haltung zu mahnen. Der Staatssekretär v. Schön hatte im

। einigen 10 000 Mann verfügt. Bedeutende Auf. träge von Kriegsmunition sind an englische Fir- I men ergangen unter der Bedingung, daß die Lie­ferung binnen 10 Tagen erfolge. Daraus geht I hervor, daß die Kriegspartei innerhalb des Ka- I bikietts stark an Einfluß gewonnen hat. Außer Bulgarien ist es natürlich Kreta, das man wie» I der zurück haben will. Der türkische Minister des Auswärtigen erklärte, daß nur ein Teil der Be- I völkerung von Kreta der Annexion an Griechen­land günstig geneigt sei. Die Türkei sei aber entschlossen, ihre Rechte selbst mit Waffengewalt zu schützen., Der Minister drückte die Hoffnung aus, die griechische Regierung werde so viel ge­sunde Vernunft besitzen, um sich selbst nicht in Komplikationen zu stürzen. Auch die Engländer I beabsichtigen auf Griechenland einen Druck aus- I zuüben, um die Angliederung Kxetas zu verhin­dern. Dagegen will die englische Regie­rung die Annexion Aegyptens an daS Britenreich bereits in den nächsten Tagen pro­klamieren und muh österreichischem Muster den Türken dafür die Insel Cypern zurückgeben. Da- nach zu urteilen, muß man sich also auf neue Ver­wickelungen gefaßt machen.

Angesichts der immer noch zunehmenden Kriegshetze in Serbien beginnt man auch in der Donau-Monarchie sich zum Kriege zu rüsten. Die serbische Bevölkerung scheint ihre Re­gierung auf alle Fälle zum Kriege treiben zu wollen. Unausgesetzt erhält der König Peter Telegramme, in welchem erzumKriegeauf- g,e fo r d e r t wird. Die Zahl der Freiwilligen, die sich bisher gemeldet haben, übersteigt 10 OÖO. Man verbreitet Gerüchte, daß, wenn Serbien den Krieg erklärt, außer Montenegro auch die Türkei mit den Serben gegen Oesterreich kämpfen wird. Die Mobilisierung nimmt ihren Fortgang. An der Drina sind bereits mehrere Tausend Mann konzentriert. Inzwischen setzt eine Macht nach der andern den starken Kriegsgelüsten Serbiens einen gehörigen Dämpfer auf. Auch Italien winkt jetzt ab. Es ist ein Kurier des Königs Viktor Emanuel aus Rom in Belgrad eingetroffen, der ein Handschreiben des Königs von Italien an den König Peter brachte. In diesem Schreiben wird der König im Interesse der Dynastie und de» Friedens aufgefordert, ruhiges Blut zu bewah­ren. Das Vorgehen Oesterreich-Ungarns in der Annexionsfrage wird jetzt auch von Rußland gebilligt.

,""" vwwi ui viii ycjiuiuuvii öiiwitn er« werben, wohl nicht gerade in der allerbilligsten Gegend, und man wird Anschläge für Bau und Einrichtung gemäß dem Grundsätze „Schmücke dein Heim" machen; das wird wieder nicht gerade das allerdilligste sein, ohne daß übrigens für Nachforderungen eme voll­ständige Sicherheit geboten wirb."

feien, jede Veränderung des Berliner Vertrages vummen vescywssen, I erfordere die Zustimmung aller Signatarmächte. KandidatenDavid I Auch Italien dürfte denselben Schritt tun.

Eine S p i o ns af f ä r e wird aus Lemberg gemeldet. Der ruthenische Bankbeamte Monsch- lowski lieferte bei seiner Verhaftung eine Gene­ralstabskarte von Westgalizien aus, in welcher er eigenhändig alle militärischen Bauten einge­zeichnet hatte, darunter auch die Details, welche von der Militärbehörde auf das Strengste geheim I gehalten werden. Der Verhaftete soll mit dein süsslichen Konsul in Lemberg in Verbindung ge­standen haben. Weitere Verhaftungen stehen noch bevor.

In Serbien

hat sich die Erregung noch nicht gelegt. Die Stra- bendemonstrationen der Jugend dauern in Bel­grad fort. Den hier eintreffenden Skupschtina- Abgeordneten werden stürmische Ovationen berei- tet. Die Mehrzahl der Blätter greift die Re­gierung wegen des unbefriedigenden Inhalts der Protestnote heftig an.

Tie diplomatischen Beziehungen Serbiens mit Montenegro, welche seit oem Bombenprozesse in Cettnie abgebrochen waren, wurden wieder auf- genommen.

®ie serbische Skupschtina ist am Samstag vormittag zusammengetreten.

h , Die „Neue Freie Presse" meldet aus Buda- tr L'-n-®l^ant Donnerstag abgegangene Donau- flottille ist nach Peterwardein bestimmt. Tele- graphische und telephonische Meldungen an Buda-

gegen nichts einzuwenden haben; beim die beffere Cmku/al«““Äx" tW

turen in anderen Wahlkreisen bleiben.

* Der erste Schritt zur Sparsamkeit. Wie 1

bte Faust auf s Auge paßte zu den Verfprechungen I f ta ", v , ■. . ■ , I runa man nur nemu ueiueieii, lonoern in v ein -

einer Rückkehr zur altpreußischen Sparsamkeit die I der Tagung selber tn den Schab I n dj ft e r Weise durch sie überrascht worden ist.

Meldung, daß die preußischen Gesandtschaften stellte. Er bat dort behauplet tm Mittelalter' bei den anderen deutschen Bundesstaaten eigene ^be die Priesterburg jenseitsder Alpen den Häuser erhalten sollen. Solche Gesandtschasts- Zwiespalt m unsere nationale Entwickelung ge- ----------------- -.......................

Häuser bestehen bisher nur in München und tragen. Es sei eine Schmach gewesen, als sich I teit Bulgariens keinesfalls eintreten würde, bevor Karlsruhe; sie sollen auch in Hamburg, Dresden einft das Reich vor der Kirche neigte. Rach nicht die bulgarische Regierung eine befriedigende Stuttgart, Darmstadt und Oldenburg gebaut I Kanossa gehen wir nicht! Ein römisches Reich Lösung der Frage der orientalischen Bahnen ge- werden. Die ,Ratlib. Korresp." schreibt zu diesem deutscher Ration kehrt nimmer wieder. Weltlich lunden habe.

Projekt mit Recht: und frei sei der deutsche Staat, evangelisch, ob-1 dm Mordd. All^ Ztg., das bte.

»Ob es dringlich ist, auf diesem Wege fortzu-1 Sro^eftantm"0™ ächtet über Katholiken und fRÖ(n ^tg, jst Samstag wie folgt erschienen: fahren, erscheint m den Zetten finanziellen Notstandes Protestanten.- - I

nrfrt Grund^nnd Boden in’ben^aenannten^Slädte^r" * Prof- Dr. Schnitzer, an dessen Namen sich Seine Majestät der Kaiser habe bereits während^der wird Gründ end Boden, in, den genannten Städten er-1 im vorigen Jahre die bekannten Kämpfe an der I Kaisermanöver in Elsaß-Lothringen durch den öster-

Münchener Universität knüpften, und der damals reichisch-ungarifchen Thronfolger Fran, Ferdinand eine Studienreise n^ch Japm., China und Indien ReALg^stcht^

I antrat, ist, rote sich die liberale, katholtkenfemd-1 erhallen. Von anderer Seite ist behauptet worden, Presse, die ihm ja immer ein ganz besonderes daß die geplante Annexion Bosniens schon im Mai Wohlwollen gewidmet hat, sich telegraphieren ®e/n.e,r Majestät dem Deutschen Kaiser in Wien mit- Wt, f«ta, Sieber nach M«L X** ISÄÄÄ

- Darmstabt, 9. Oktober 1908. Auf dem SBir fürchten,'baß diese Erklärungen in Kon- Parteitag der Freisinnigen hat sich bekanntlich I stantinopel keine Wirkung mehr üben werden, eme, starke Opposition gegen die Führer des Bei den Jungtürken hat sich die Vorstellung gar Mainzer Freisinns geltend gemacht, weil -u fest eingenistet, baß Deutschland mit die trei- von einem Mainzer Delegierten die unwahre bende Kraft bei den jüngsten Umwälzungen ge- Behauptung ausgestellt worden war, man habe toeien in Mainz dem Zentrum und den Nationallibe­ralen „wohlwollende Neutralität" für die kom- | wende Landtagswahl zugesagt, während bekannt­lich der Freisinn in Hessen sich auf die Seite der Sozialdemokraten gestellt hat. Der Vorstand der Mainzer Freisinnigen hat in den letzten Tagen beschlossen, den Parteimitgliedern Neu­tralität vorzuschlagen. Hierüber beriet gestern । , - . - r „ -- - ■ T

eine außerordentliche Generalversammlung des Q*1, bewselben Tage der Worte die Mrtter- Vereins. Nach heftigen Debatten ward? mit S

einer von nur zwei Stimmen beschlossen, | erfordere die Zustimmung aller ^ignatarmächte.

sur Die sozialdemokratischen .

und Adelung einzutreten. Der Vorstand legte hierauf in der Versammlung fein Amt nieder, wurde aber sofort wiedergewählt mit Ausnahme In einem an die ottomanischen Botschafter ge- zweier Herren, die' die Seele des Widerstandes richteten Protestzirkular, von dem der öster- gegen die in Aussicht genommene Parole waren ^N^ungarischen Botschaft in Konstantinopel und ein Eintreten für die Sozialdemokraten I toe^e“ exrfIartsbte Psocte,

tij" S”™’ “t <,em, ,b!l°nv°« R-I- da"

u- <m gelegten Erwägungen es als Pflicht, zu erklären.

An sich wird man auch da- ^sinnigen Wähler dieser neuen Parole folgen! daß sie sich der Anschauungsweise der öfterrei- - - • ■ • - - * werden; in jedem Fall kann aber der Beschluß I chisch-ungarischen Regierung keineswegs an-

"" *""" " schließe. Das bisher in Bosnien geltende Regime

gründe sich auf die Verträge von 1879, welche in klarer Weise die Art der Okkupation und Verwal- tung durch Oesterreich-Ungarn und die Souve­ränitätsrechte der Türkei festsetzen. Es sei un­möglich, die Bestimmung der erwähnten Verträge ohne die Zustimmung der Türkei als Eigentüme­rin und der Signatarmächte zu verletzen. In­folgedessen halte die Türkei an allen diesen durch Verträge gewährleisteten Rechten fest und lege gegen das Vorgehen Oesterreich-Ungarns, das die erwähnten Verträge nach Belieben verletzen wolle, Protest ein.

Tier ist hitzig, es duldet keinen auf feinem Rücken als feinen Herrn!

So sprechend stieg Dymitr vom Pferd und zog den Zugel durch einen eisernen Ring in der Mauer. Als ob er die Worte seines Herrn 6e- wahrheiten wollte, schüttelte Chawat wütend die Mahne, stampfte den steinigen Boden vor der Schanke daß die Funken stoben und biß zornig in das Zaumzeug, daß weiße Flocken Schaum da­vonflogen.

Der alte Kosake schrie in die niedere Stube der ordinären Schänke hinein:

„Heda, Bramko! Licht!"

Alsbald erschien der Inhaber mit einer Sa- terne tn der Hand und beeilte sich eine Fackel au§ Fichtenholz anzuzunden, die an einem Haken der Mauer befestigt war.

„Und jetzt", fuhr der Watazek fort, „jetzt, Kg- merad, wirst Du durchsucht!" 1 8 0

,®ie Shi toiffft, Väterchen! Man rauft sich nubt, unter Brudern wegen einer solchen Lav- palie! — Doch wirst Du mir hoffentlich fo viel Zeit lassen, um meine Pfeife anzuzünden!"

Der fremde Kosake machte ein Zeichen her Zustimmung. Im nächsten Augenblick saß Dv- mitr auf der plumpen Eichenbank, allem An- scheine noch m vollkommenem Gleichmut, »ufrie- den und glücklich tote ein König, — Qu§ feiner kurzen Pfeife dichte Rauchwolken blasend wäb- rend die andern Kosaken ein paar Schritte von ihm sorgfältig seine schweren Pelzstiesel unter­suchten, die sie ihm ausgezogen hatten seinen Mantel, sogar das Innere seiner roten Mütze und den breiten Gürtel, den er um die Hüften geschlungen hatte. v 'ren

Die Nachsuchungen dauerten nicht lanae und blieben fruchtlos. Der Watacek schien immer be­tretener und verlegener. Endlich schien er m zu entscheiden, hob den, Kopf und sagte, indem er feinen Schnurrbart strich, nachdenklich:

„Ich finde absolut nichts Verdächtiges an die­sem Kameraden! . . . Trotz alledem bin ich nicht beruhigt, daS beste ist, ihn unter sicherer Deckung

* Die Mannschaftslöhnung beim Militär soll, wie jetzt eine Korrespondenz wissen will, im nächsten Jahre um 8 Pfennige pro Tag er» höht werden. — Bekanntlich war es das Zentrum, das gerade in diesem Punke mit aller Energie sich der Interessen des Soldatenstandes angenom­men hat, ohne damit längere Zeit hindurch einen Erfolg zu haben. Dafür hatten bekanntlich die Bestrebungen auf Erhöhung der Osfiziersgehälter einen besseren Erfolg. Jetzt wird sogar auch noch gemeldet, es solle eine 4. Leutnantsgehalts-

*** Die Vorgänge auf -em Balkan.

Indem er so sprach, knöpfte er eilig seine Burka auf und warf sie dem alten Kosaken zu. Dieser richtete auf das schöne und männliche Ge­sicht des jungen Mannes einen forschenden Blick pls ob er in seinem Lächeln, in feinen glänzenden Augen etwas zu entdecken hoffte. Plötzlich, — von einem neuen Gedanken ersaßt, sagte er:

„Vor dem Ofen plaudert sich's leichter; komm doch mit uns in die Schänke!"

Dymitr willigte mit einem kurzen Nicken des Kopses fröhlich ein und folgte ohne Widerstreben seinen unbekannten Gefährten. Man hätte glau­ben können, er geselle sich zu guten Freunden, um mit ihnen ein Glas zu leeren.

„Wir möchten Dir lieber nichts zu leide tun, — sag' uns deshalb die Wahrheit, Bruder", wie­derholte der Alte, sich der Schänke zuwendend. '„Hat der Herr Starost in dieser Nacht keinen Ändern Boten in die Steppe geschickt?"

. „Aber natürlich, — das hättet Ihr mich zu­erst fragen sollen. Bei einfallender Nacht sah ich den großen Semen Karciuk beim Herrn eintreten Unb ihn nach kurzer Zeit mit einem Paket Pa­rieren unter dem Arm wieder verlassen. Und da Er nicht mit uns das Abendessen verzehrt hat, pachte ich, daß er sich auf Befehl unseres Herrn auf den Weg begeben haben müsse!"

„Gut! — Prokop Reszko, nimm die Hälfte der Leute mit Dir und überwache den Weg auf der andern Seite des Waldes .... Das ist aber noch kein Grund, nun Dich frei zu geben, Kamerad! «Steig’ mit uns vom Pferd, da sind wir!" E „Gewiß, — es macht mir ein Vergnügen, mit uch eine Pfeife zu rauchen, Gevattern! Nur >ß niemand meinem Pferd zu nahe kommt, enn er nicht feinen Hals riskieren will! Das

In dieser Ordnung verließen sie die Schänke und sprachen kein Wort. Das edle Tier schien sich m dieser Gesellschaft nicht recht behaglich zu suhlen es hob oft genug ungeduldig den Kopf, stampstc mit den Hufen den gefrorenen Schnee, der unter seinem Stoß in Millionen Diamant­funken zerstäubte. Dymitr schien in bester und sorglosester Laune zu sein und war hauptsächlich rmrauf bedacht, sein Tier zu beruhigen, indem et wm die Stirne streichelte, auf welcher sich in der Mitte em weißer Stern abzeichnete. Dann rauchte

Akwutlich aus seiner kurzen Pfeife, dazwischen mit diesem und jenem bfft seinen Freunden und Brudern, den Kosaken, plaudernd.

Die fünf Pferde hatten die Herberge im Schritt verlassen. Kaum hatten sie das Gehölz erreicht, als Dymitr bat, das Tempo zu be­schleunigen.

„Seht Ihr", sagte er, „wie der Mond dort hinter den Tannen untergcht! Die Nacht schrei- tet Horwatts, was meint Ihr, Kameraden, zu einem luftigen Ritt? Ich möchte so gerne vor Tagesanbruch tn Lück sein! Ihr seid ja wirklich Freunde und Brüder und Ihr könnt Euch wohl denken, -aß es bei’ber Rückkchr Schelte und ^shl'E gibt, toenn ich den Befehl des Herrn nicht vollfuhrt habe!"

„Meinet Treu, Du kannst Dir doch denken, mß wir ,Dir nichts böses antun wollen, Bruder! Wenn wir Herren unseres Willens wären, hätten wir Dich nicht aufgehalten. Was liegt uns daran, was ein braver Junge wie Du nachts in der Steppe zu suchen hat!"

„Gut, Brüder, ich danke Euch! Und jetzt im Trab, ja?"

Die andern erwiderten nur mit einem Zei­chen des Kopfes und spornten sogleich die Pferde.

So hatten sie denn auch in weniger als einer '^lunde den Wald zurückgelegt; eine unbestimmte Helligkeit zeichnete nach und nach die Grenze de» Wildes, die verschiedenen Gebüsche und die weite Ebene ab. Auf -et andern Seite der Steppe fah man bereits weißliche Rauchwolken vqm