e:id)etat täglich mtt N«nah«r »er Sonx» «ildZeiertage. Viertel- jährlich«'Hezngrpreis ohne vrlngerlshn und r-ßellgeldin§nldafo- isie auswärts 1.50 Ulf.
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wochendriieg«: „Illustrierte SonntagsjAtmg"
Tamierstae Tr» 8. Oktober
votatlonrdruSnud Verlag der Lvldaer Ak»
MenakshGage: „Zuldaer Geschichtrblätter" Fernsprecher Nr. 9.
Jivertes Ttilatt.
X Krieg oder Friede» ?
Es riecht iiach Krieg. Wer tömfte es den Lücken verargen, trenn sie nach solchen Herausforderungen zum Schwerte griffen? Erst beschlagnahmt Bulgarieu die O r i c n t b a h n e n in Oltrnnrelien, die von Rechtswegen der Türkei gehören, und dann erklärt Bulgarien sich mit Einschluß van Lflrumelien für ein unabhängiges Königreich, obschon nach dem Berliner Vertrage das alte Bulgarien ein Basallen st aat und das seit 1885 annektierte Ostrumelien eine t ü r- kische Provinz mit einem christlichcn G e n e r al a o uv e r n e u r ist!
Durch die UnabhängrgkeitSerklärung wird freilich an dem tatsächlich bestehenden Zustande nichts geändert. Aber dieser Alt, auf den Fürst Ferdinand seit Jahrzehnten hingearbeitet hat, setzt doch die Geduld der Türkei auf eine scharfe Probe, und zwar gerade in einem Augenblick, wo durch die Umwälzung in Konstantinopel das türkische Selhstbewußtscin besonders gesteigert ist. Warum hat Bulgarien nicht schon unter dem alten verrotteten Regiment den längst geplanten Schritt getan? Und. wenn die Zeit der alten Sultanswirtschast verpaßt war, warum hat man dann der Unabhängigkeitserklärung die aufreizende Vergewaltigung der Bahnen voranSgehen lassen? Ueber den Erwerb der Bahnen für Len Staat hätte sich sa nach der förmlichen Feststellung der Selbstherrlichkeit ebenso gut oder noch besser verhandeln lassen.
Die Tüiken hatten darauf gerechnet, daß ihrem Staatswesen nach dem inneren Umschwünge eine Art Schonzeit bewilligt werde. Auch int übrigen Europa hatte man die Anläudigung, daß die Angelcgenheik der mazedonischen Reformen vorläufig vertaat werde, als eine Gewähr für das vorläufige ruhige Abwarten seitens aller Interessenten ansgesaßt. Aber diese Erwartung wird nun gründlich enttäuscht. Jetzt wird doch der Komplex der- gefährlichen orientalischen Fragen angesckmitten. Zit dem bulgarischen Hecht im Karpfenteich gesellt sich anfcheiuend eine überraschende Unternehmungslust des sonst so phlcg- matifcheu Oesterreich. Kaiser Franz Joseph hat den Mächten Handschreiben überreichen^ lassen, die eine Erklärung wegen der künftigen Stellung von Bosnien und der Herzegowina enthalten. Es ist ja richtig, daß der Berliner Vertrag von 1879, der nur die Okkupation dieser Länder vorsteht, den tatsächlichen Verhältnissen und der Politischen Notwendigkeit nicht mehr entspricht, ebenso wie der tatsächlichen Selbständigkeit Bulgariens. Es ist auch richtig, daß seit dein konstitutionellen Umschwung in der Türkei deut österreichischen BesÜ'stande erhöhte Schwierigkeiten entstehen durch die juugtürkische Agitation und die großserbischen Umtriebe. Begreiflich ist ferner der-Wunsch, daß die staatsrechtlichen Verhältnisse von Bosnien und der Herzegowina erst in aller Form geregelt sein mochten, ehe Oesterreich diesen Ländern ein Parlament oder wenigstens eine Autonomie bewilligt. Aber das erklärt noch nicht recht die Hast,, mit der Oesterreich- Ungarn fetzt vorgeht, ohne die Gleichzeitigkeit und Gleichartigkeit seines Schrittes mit der bulgarischen Maßnahme zu fcheuen.
Es gibt noch dunkle Punkte in der Vorgeschichte dieser kritischen Ereignisse. Was ihre voraussichtlichen Folgen angeht, so ist die erste Frage: ob die Türkei los schlag en wird? Das wäre ein V e r h a n g n t s für den europä- i f d) c n Frieden. Würden die Bulgaren siegen und Mozcdonien besetzeit oder gar bis Saloniki und Konstantinopel Vordringen, so hätten wir I
! auf dem Balkan oen grimmigsten Nationalitäten- kampf und zugleich würde ein Sltn gen der Großmächte um die wertvollen Neste der europäischen Türkei entstehen. Würden die Türken siegen, so müßten sie die Unterordnung Bulgariens und also die Nnckgängigma- chung der Errungenschaften von 1879 verlangen, was das christliche Abendland ihnen nicht gestatten darf. Im Falle eines bulgarisch-türkischen Krieges würde also Oesterreich zu einem ähnlichen Eingreifen gezwungen fein, wie bei dem bulga- risch-ferbifchen Kriege, als Fürst Alexander zu sehr siegte. Aber wenn Oesterreich eingreift, werden dann Rußland und England müßig bleiben?
Heute wird Rußland an , die Berliner Signatarmächte die offizielle Einladung zur Teilnahme an einem neuen, in Petersburg abzuhaltenden B a l ka n k o n g r e ß ergehen lassen. E n g- l an d, Frankreich und Rußland haben vertraulich im voraus zugestimmt. Rußland wird sich bis nach Beendigung des Kongresses weigern, die am Balkan vollzogenen Verletzungen des Berliner Vertrages anzuerkennen.
Bei der innigen Verbindung, in der De utsch- lan d zu seinem Bundesgenossen Oesterreich steht, wird unsere Diplomatie der Wiener Staatskunst s nach Möglichkeit helfen. Unfere Regierung nimmt > zu der jähen Wendung dec Lage auf dem Balkan iit der neuesten halbamtlichen Auslassung der „Köln. Zeitung" wie folgt Stellung:
„Wer ttanv und Leute der Türker nicht nur in Konstcnumope!, sondern mich in den Provinzen kennt, der weih, doß die bulgmisch-umzedoirische Frage weit tiefer die Gemüter des Mosteins erregt, als das Schicksal des weit entlegenen Bosnien und der.Herzegowina, * die tatjät lid) doch schon zu der Donaumonarchie gehören. Auch Oesterreich-Ungarn wicht vöikerrechttich Abmachmigeu, wenn es jetzt die Obcrlwbe k des Sultans wegwischt, und es wird seine Sache sein, weNot- wendigkeit seines Schrittes darzutun, der von vielen Seiten deftigste An risse erfährt. Eine Störung des europäischen Gleichgewichts enthält er nicht, da er ; nur t «sächlich bestehende Zustände in eine andere i staatsrechtliche Form bringen will. Aber internationale Verträge werden dadurch einseitig oiifgehoden. Deutichiand hat keine unmittelbaren Fnteressen an dem Bestehen oder Fortfällen dieser Beziehungen. Es mutz Seine Aufgabe darin sehen, dahin beizutragen, daß der Weltfriede nicht crschütt crt wird, und wird ; dies tun, indem es seinen Genossen im Drei- Zbund nach Kräften unterstützt, um alle Ber- f Wickelungen zu vermeiden.
Das Vorgehen Bulgariens bedeutet unzweifelhaft eine vollkommene Umwerfuvg der bestehenden staats- * rechtlichen Lage, und wenn auch prattisch die Bedeutung dieser Aenderung nicht übertrieben groß sein mag, so iit sie für die Türkei nicht weniger verletzend und peinlich. Die Unabhäng:gkcitsc klärung iit ein Fort- schreitcn auf der Bahn eigenmächtiger Gewalttätigkeit, das vielfach um so unangenehmer empfunden wird, als es eine Bedrohung des Friedens bedeuten Tann."
Wieweit und in welcher Form sich Deutschland einmischen darf, ist bei der gegenwärtigen unklaren Lage nicht zu sagen. Das beste wäre es, wenn es Deutschland und den anderen Frie- densmächtcn gelänge, die T ü r k e i zu g e d u l d i- g e r Zurückhaltung zu bewegen. In der offiziösen Erklärung der Regierung in der „Köln. Ztg." heißt es daun weiter:
„Wie die Mächte sich zur Frage eines Kongreßes stellen würden, ist heute bei der überraschend schnellen Entw'cketling der Dinge nicht zu übersehen. Wir möchten aber glauben, daß die große Mehrheit der Mächte, roemt nicht alle, bereit sein werden, sich jedem Vorschläge anzuschließen, der geeignet iit, kriegerische Verwickelungen z i verhindern öder anszuschalten. Daß Deutschland nach dieser Richtung hm alles in feinen Kräften stehende tun wird, i>t selbstverständlich."
Mau ersieht aus der gewundenen Sprache dieses Absatzes, daß die deutsche Regierung dem Kongreßgedanken einstweilen abwartend gegen- übersteht, wenn sie ihm auch formell zustimmt.
Deutsches Reich
* Keine Marinevorlagk. Die Meldung des .Berliner Tageblattes4, das Reichsmarineamt bereite eine Vorlage vor, in der 2Oo neue Millionen für Schiffstanlen gefordert werden, beruhen, wie verschiedenen Blattern von angeblich unterrichteter Sette bertchiet wird, auf purer Erfindung
* Das neue Weingefctz, Im Reichsamt des Innern sind zurzeit Verhandlungen zwischen drn Kommissaren der beteiligten Rcichsämler und der preußischen Ministerien über das neue Wein- geietz im Gange. Gelegentlich dieser Verhano- langen wird auch die Frage der neuen Wein- steuern erörtert werden. Fn einer in Kreuznach abgehobenen Bersammlang von etwa 2<>0Wein- hauinterefjenleit erklärte der Vizepräsident des Reichstages, Abg. Paasche, bau na«4' seiner Meinung sich keine Rerchstagsmehrhert für die 'Weinsteuer finden werde.
R Darmfradk, 6. Okt. 1508. Je näher der Termin der Lanbtagswahlen rückt, um so gehässiger wird der Kamps, den die S o z r a l- demokratie gegen die vereinigten bürgerlichen Parteien führt. Besonders in Mainz nnd Olfenbach, wo die Sozialdemokratie nm einen langjährigen Besitzstand kämpft, ist ihr jedes Mittel recht, um Zentrum und Nationalliberale rns Unrecht zn setzen. Die Ausstelluirg bei Kaiwida- tnr des ZentrumsftihrerSDr. Schmitt in Mainz wurde zunächst von der sozialistischen Presse und der mit ihr eug verbündeten „Franks. Z t g." als eine verwerfliche Dupierung der Urwähler bezeichnet, weil man dem Zentrum die Absicht unterschob, nach der Wahlmännerwahl an Stelle des für Mainz-Land noch auf drei Jahre gewählten Herrn Dr. Schmitt in letzter Stunde den Wahlmännern eilten „Strohmann" in Vorschlag zu bringen. Als dies entschieden dementiert wurde, glaubte mau daun mindestens eine Täuschung der Urwähler darin finden zu sollen, daß Herr Dr. Schmitt nach seiner Wahl in Mainz auf das Mandat im Landkreis zu Gunsten desjenigen der Stadt Mainz verzichten will. Die „Franks. Ztg." schwang sich sogar zu der ulkigen Bemerkung auf, Tr. Schmitt könne sich einen „Wanderabgeordneten" nennen. Dabei veraaß das genannte Blatt, daß sein Schützling Dr. David, von dem es kürzlich behauptete, er habe mehr Wissen in seinem Kopf als manche Fraktionen, schlechthin als Hessischer Abgeordneter wohl nicht mehr gelten kann, da ihn der Wandertrieb von Hessen nach Preußen geführt hat. Dr. David hat vor einem Jahr nämlich fett*. Domizil nach einer Berliner Vorstadt bericht. Allerdings war er so klug, noch ein zweites Domizil in Hessen anzumelden, um auf diese Weise die Beibehaltung seines Land- tagsmandats zu ermögliche». Da aber sein ständiger Wohnort in Preußen ist, so dürste auf ihn die Bezeichnung als Wanderabgeordneter" weit mehr zutreffen. Um die so sehr gefürchtete Kan- didatnr Schmitt herabzuwürdigen, richtete vor einigen Tagen das Mainzer Sozialistenorgan gegen den verdienten Zentrumsfllhrer den leichtätigen Vorwurf, er habe f. Zt. als Reichstagsabgeordneter durch ständige Abwesenheit von Berlin seine Pflicht versäumt. Mit diesem haltlosen Vorwurf kam das rote Orgau aber unter die Räder; die Zentrnmspresse konnte nicht nur ziffernmäßig feststellen, daß Herr Dr. Schmitt bei allen entscheidenden Abstimmungen im Reichstag anwesend war, sondern es wurde vielmehr auf Grund der amtlichen Protokolle des Landtags ftst- gestellt, daß Herr Tr. David Monate lang und bei den wichtigsten Verhandlungen des hessischen Landtags durch Abwesenheit geglänzt hat. Ne-
△ Die Nrose^fire eiuft ?m5> fetzt
wichtige chemische Entdeckungen: Willis fand den
rungen des Harns wicht entgangen. Er lehrte, ,<pQrn3U(fer, Brander entdeckte' de» Phosphor,
foweit es der damalige Stand der Wissenschaft
machen. Jetzt zweifelt wohl niemand mehr daran.
über unfern Gegenstand im ganzen Altertum und
Wie außerordentlich interessant die Harrr-
an den
Rouelle der Jüngere 1773 den Harnstoff und die Hippurfäure, Contugno fand 1770 das Eiweiß.
Urchümation (abnormer Farbstoff) durch mehr oder weniger rosenrot gefärbten
er! rubte, seine Schüler die semiotische und auch die prognostische Bedeutung der Harriverändcr-
opparats. So willkürlich auch die Erklärungen der Erscheinungen sein mögen, s.ine Beobachtungen sind zumeist richtig und seine später durch Galei: schärfer ausgebildeten Lehren galten Jahr-
Teil der Semiotik immer mehr und mehr verfiel und schließlich nur noch von Charlatanen ausgebeutet wurde, die die Harndeutungen als Deck- nmntel ihrer eigenen Unwissenheit benutzten. Erst nachdem die Chemie und ihre Untersuchungs- methoden eine gewisse Entwicklung erfuhren, - konnte ein wirklicher Fortschritt in der Uroscopie , erwartet werden. Mit Lorenzo Bellini beginnt dieser entschiedene Fortschritt. Nun folgten rasch
daß dieselbe in der Diagnostik der Krankheiten von sehr wesentlichem Nutzen ist, ja daß sie in gewissen Fällen sogar allein Aufschluß über die Natur, den Stand und die Heftigkeit der Erkrankung geben kann. Es wäre zwar ein arger Irrtum, wenn man glauben wollte, man könne nun alles Mögliche aus dem Harn deuten, aber ebenso ungerechtfertigt ist es, die Harnunter-
Uroscopie ist die Kunst, aus dem Harn Kranker das Wesen der Erkrankung zu erkennen. Das Streben, aus dem Harn Krankheiten zu deuten, reicht in die ältesten Perioden der wissenschaftlichen Medizin hinauf. Hippokrates, dem berühmtesten Arzte der Griechen, der 454—373 vor Christus lebte, waren bei seinen scharten objektiven Beobachtungen der Kranken die Verände-
Der gegebene Harn sei bräunlich rot, sedimen- tiert, von verringertem spezif. Gewicht und saurer Reaktion. — Bei näherer Untersuchung ergibt sich, daß der Harnstoff stark vermindert und au dessen Stelle Leucin und Tyrosin getreten sind, welche unter dem Mikroskop als schart kon- touriert e mehtz., oder minder gefärbte Kugeln refp. als schöne/wachsglänzende, ährenförmig gereihte Krystallnadelu erscheine». Es ergibt sich ferner, daß Gallenfarbstoff reichlich vorhanden ist, durch die Proben charakteristische Reaktion gebend. Chloride sind verschwunden, was ein böses Omen ist. Eiweiß in reichlicher Menge vorhanden (empfindlichste Probe die Gallipe'sche mit Pikrinsäure). Ter Niederschlag zeigt bei weiterer mikros- kopifihc.r Prüfung (200—300fache Lineacvergröße- ntng) eine große Menge von Epithelialschläuchen und Faserstoffzylindern nebst Nierenepithel (tonische und runde Zellen) sowie einzelne Blutkörperchen. Mit absoluter Bestimmtheit können wir jetzt sagen, daß der Harn von einemPatientcn herrührt, der art einer selten vorkommenden Krankheit, an akuter gelber Leberschrumpfung, einer. Form der Leberentzündung, leidet. ($§■ fei mir gestattet, noch einige sehr schöne chemische Vorgänge bei der Harnprüfung hier arrzufiihren: ich nenne nur die prächtigen mikrochemischen Krystallisationen unter dem Deckglas des Mikroskops: die Bildung der Haeminkrystalle zur Nachweisung des Blutfarbstoffs — Teichmann'sche Haennnprobe. bei welcher sich aus den mit Kalilauge präzipitierten blutfarbstoffhaltigcn Erdphosphaten durch Einwirkung von Essigsäure auf dem Objektträger die schönen Haeminkrystalle (Tetraeder, 4- oder 6sei- tige Tafeln) dem Auge dar stellen; oder die Entstehung der schönen rhombischen und hexagonalen Tafeln von salpetersaurem Harnstoffe auf dem Objektträger' dann die fchönen Krgstallformen von bei Blajenkatarrh vorkommenden Tripelphosphat (Sargdeckel), die die Höbe der Fiebergrade durch Nachweis des Gehalts des Harns
gen pno zument ruyug uno Mne ipa-ir vuuuj ungm 6er Professoren Hoffmann in Graz und
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• r .. .. .. -,r. ., ,, 1798 brachfe'ttLrnickschane diesen Befund mit der
ungen und ww. auf dre außereu lgewchafteu । Wassersucht in Verbindung, bis 1807 Bright den bee.?oirn§ I)ln: auf öie. .enge, garbc,Sihrhctt auf । ßu^ammen^Qng her Nierenkrankheiten mit der die ftchtoaren Verschreüeiihetteii der Niedersastage s)[|£)Umiiierie nachwies. Auf den gegenwärtigen und bezog dmclbc» au, Er». itiuw t?arn= Standpunkt wurde die Uroscopie gber eist durch
Mittelalter ist jedoch unstreitig ein gewisser Johannes, genannt Actuarius, der im 13. Jahrhundert als Uroscop am byzantinischen Hose lebte. Die eignen Erfahrungen mit den Beobachtungen der Hyppokratisch-Galenischen Schule vereinend, handelt er in den sieben Büchern seines Werks „peri otirßn" die physiologischen und pathologischen Veränderungen des Harns bis in kleine ---------------«—- • - „
Einzelheiten ab. Dabei zeichnete er sich durch eine fuchungen überhaupt vernachlastigeu zu^ wollen, streng gegliederte lichtvolle Darstellung aus. Diese E2L___ß____*__4 **~
Leistung, in der so ziemlich alles erschöpft war, Untersuchungen in chemischer und mikroskopischer was bei den damaligen Hilfsmitteln geleistet Beziehung aber sind, möge eine kurze Darstellung werden konnte, blieb ’n vereinzelt, daß dieser I des Ganges einer Harnanalyse selbst andeuten.
die Arbeiten zweier Franzosen Reyer und Bec- queril und in neuester Zeit durch die Untersuch-
ben diesen persönlichen Aurempelungen versuchen die Sozialdemokraten bei den Wählern immer noch mit den albernsten Vorwürfen in der Frage dec Wahlrechtsreform Stimmung gegen die bürgerlichen Parteien zu machen. In einer Ver- fammlulw in Offenbach erging sich Tr. Tavid ebenso wie sein Genosse Ulrich in maßlosen Verdächtigungen ter gegnerischen Parteien. Herr David hatte dabei noch die Geschmacklosigkeit, die vor einigen Jahren erfolgte Verurteilung eines hessischen Geistlichen dem Zentrum an die Rock- schösle zu hängen; den Bauernbündlern hielt er in jener Versammlung die Verurteilung yre5 Führers Hischel entgegen. Wo im politischen Kampfe mit solchen Waffen gekämpft wird. Muß eine Vergiftung des öffentlichen Lebens ein treten. Die Frage, wer die hohen Ministerialbeaniten waren, die nach der Versicherung des Hern Pfarrers Korell Herrn David int Kampfe gegen Agrarier und Klerikale als nnentbehrlich bezeichnet haben sollen, hat die Regierung bis zur Stunde noch nicht beantwortet. Inzwischen hat Herr Pfarrer Korell durch eine Milderung seines Ausspruchs iu der Presse bereits den Rückzug angetreten; er will diese Aeußerungen nunmehr nur bom Höreufagen wissen. Im Wahlkreise Mo mbach- Jngclheim heben die Nationalliberalen n*nt- mehr beschlossen, für den Zentrumskandid.aten Dr. Frenay einzutreten; damit sind die Aussichten für den Sieg des Zenrtum in diesem zum Teil industriellen Kreis? gestiegen. In Ofsenbach-Land hat das Zentrum mit den übrigen bürgerlichen Parteien sich bereinigt, nm der Sozialdemokratie den früheren langjährigen Zentrumssitz zu cnirei- beit; der Wahlkampf ist schon stark entbrannt und stehen sich die beiden Laaer in fast gleicher Stärke gegenüber. Der Krach im Offenbacher sozialifti- sckten Konsumverein, der vor kürzet» erfolgt ist, bat die Aussichten eines Sieges der cLozialdemolraten in Offenbach-Stadl und Land wefenttich h.'rabge- fetzt und darf iu den beiden Kreisen mit dem Siege eines ZerttrumsmanneZ und eines Liberalen gerechnet werden. Tie Hoffnung der Sozialdemokraten, daß in Offenbach der Parole des frei finnige» Parteitags folgend ein Teil der bürgerliche» Wähler dem genicinsanten Kampf gegen die Sozialdemokratie abseits stehen werde, erfüllt sich nicht; in einer imposanten Wählerversamm- lung haben üch vor einigen Tagen alle bürgerlichen Parteien zum gemeinsamen Vorgehen geeinigt. Im Wahlkreise Dieburg hat da? Zentrum den Rechtsanwall Lüft aufgestellt; im Wahlkreise Waldmtchelbach steht die Aufstellung eines Landwirts in den nächsten Tagen bevor. Die Regierung und ihre amtlichen Oraane haben sich, wenn man von der bisher unverbürgt gebliebenen Mit- teilung dos Herrn Pfarrers Korell absieht, seither im Wahlkampfe unpateiisch gehalten; an dieser Hattung wird wohl auch nicht in der Folge eine Aenderung einlreten.
* Die Aufstellung von BebaurrugH- vläneu.
(Rede des Herrn Sladliandmesfecs Groll-Herssels auf dem Hessischen Städtelag zu Wan'ried.)
(Forttetzung.)
Unterteilung: Plätze, Nebenstraßen. Hand in Hand mit Festlegung der einzelnen Viertel und der weiteren Unterteilung des Erweilcrungsge- bietes geht auch die Auswahl der Plätze für öffcnt. liche Gebäude, Schule» und Kirchen, für allgemein nützliche Anlagen, wie Schlacht- und Vichhof, Gas- und Wasserwerk, auch müssen genügend freie Plätze als Schmuckplätze, als Erholungsstätten, Spielplätze und Ruhepuntte für den Verkehr fcstgclcgt werden. Diese Plätze sollen aber nicht zu regelmäßig und geometrisch angeordnet sein, ein. freier Platz soll eine geschlossene Form haben, mau soll Von ihm aus nicht in endlose und langweilige Straßen blicken, sondern man soll sich auf ihm wohl fühlen. Hierzu sind ursprüngliche, weni-
Bleiuicberschlag (sehr empfindlich sogar bei Schu- psenfieber—38 C) erkennbar machen- Dann die Bestimmung des Harnindican's (normal Harnfarbstoff) durch Salzsäure (bei Magen- und Darmkrebs > blauviolette Färbung. Kurz gesagt: der pathologische Harn ist für Chemiker und Mikroskopier eipe feljr interessante Flüssigkeit und für Acrzte ein wertvolles Hilfsmittel bei Erkennung der krankhaften Veränderungen im menschlichen Organismus.
-- Eine zweckmäßige Vercinsgründung toiri aus einem Städtchen des Sauerlandes berichtet. Um hinter den oft überflüssigen Vereinsgrün- dungeu der Alten nicht zurückzustchen, gründeten die Jungen einer Schulklasse einen Verein, der es sich zur Aufgabe stellte, der Klatschsucht der Schüler Einhalt zu tun. Man gab dem neuen Verein den schönen Nanien „Z u s a m m e n h a l f e v e r- eiit" und stellte Statuten auf mit dem einzige» Paragraphen: „Der Zweck unferes Vereins ist, dem Lehrer von »ns gegenseitig nichts anzubringen." Leider hatte der Verein keinen langen Bestand, da der Lehrer den Jungen bald einen Strich durch die Rechnung machte.
— Gesunde Gegend- In dem 470 Einwohner zählenden Flecken Arnis (Schleswig-Holstein) sind 10 Prozent der Bewohner über 70 Jabre, darunter 10 Personen 80—90 Jahre alt., Im kleinen Rockstcdt (Thüringen) wurden in 12 Jahre» fünf goldene Hochzeiten gefeiert.
— Kindermund. Emilie: Richt wahr, Papa, die Frau ist die bessere Hälfte des Mannes? — Papa: So sagt man! — Emilie: Also, wenn ein Mann zweimal heiratet, dann ist überhaupt nichts mehr von ihm übrig?"
— Kindermund. Mutter: „Karl, haft Du den ganzen Kuchen aufgegeffen, ohne an deine Schwster zu denken?" Karlchen: „O nein, ich habe fortwährend an sie gedacht! Ich hatte immer Augst, sie würde kommen, ehe ich ihn aufgegeffen hatte.4'