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Erscheint tLglich mit Anrnahm« der So.m» «ndZeiertage. viertel- jährlicher vezugkpreir ohne Sringerlohn und VestrSgeld in Zulda so­wie <mrwSrtrs.SvM.

Vetanti», Redattenr: «sr» Schütter

Maer

z. parzeller in Fulda. Vochenheilage: „Ikustrierte Zonntagrzettung"

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LnzelSt«: Bit et» Haiti,« petitreUe «de» deren loe» 15 Pf-, Lüiamendltpetttreüe 25 Ps-., bei Wied«, holrrn-erl wird enchq.

Labalt gewährt.

Lotationrdrnckun» vertag der Fuldaer Ak- tiendrnckerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

Jß 228.

Fulda, Samstag den 3. Oktober 1908.

35. Jahrgang.

K. Ein feiner Ton. Der liberale.Nord« halbener Grenzbote', daS Organ des katholischen Pfarrer» und liberalen Abg. Grandinger, ist ja durch seinen „feinen" Ton weit und breit be­kannt. Jüngst aber hat daS Blatt nicht nur Bit sozialdemokratischen Blätter, sondern sich selbst weit übertroffen. In einer Polemik gegen bit .Fränkische Presse' zu Kronach, die aus einem sozialdemokratischen Blatte einen Witz gegen den .Nordhalbener' abgedruckt hatte, schrieb sie sol« gende Stilblüten:

.Die schäbige, haarige Teufelsdirne mit ihrem schwarzen Klumpfuß, di» »Fränk. Presse'... Wenn der rote Krautbursche lgemeint tft Herr Heim) von der ,OberfrL»kcschen' in Kumpanei mit der schwarze» Kiomcher Pfannenflickerin Witz« machen will und nichts gescheiteres dabet gebärt» so lasse er dieS ©urenfpieL Ansonsten gibt es Abonnenten« schwund. Sollten di« schwarzroten Preß» Halunke« latsächlich neugierig sein nach unserer Geistesbezugsquelle, so laden wir sie in aller Form em, uns auf den Berg zu steigen, fo um die Kirchweih bet um. Litte der Kronicher KaSvar nicht an akuter GehirnstrohsänlntS nebst unheilbarem Kretinismus . . . Der »Oberfränkischen Volksztg.'» der ja bU Lügen zum rote» Nabel und hinlen heran-« wachsen» geben wir zu bedenken, was überhaupt ein« alS wahr verbürgte Anekdote sein soll. Schließlich gerade soviel wie schweinernes Rindvieh."

Diese „edle" Sprache findet sich wohlgemerkl nicht in einem sozialdemokratischen Blatte, sondern in einem Blatte jener Partei, die bekanntlich be­hauptet, die „Bildung" in Erbpacht genommen zu Haden.

* Königsberg, 2. Okt. 1908. Bei der ReichStagSersatzwahl in Memel-Hey- betrug erhielten Schwabach (natl.) 9723, Butt« gereit (kons.) 2860 und Hofer (Sozd.) 1853 Stimmen. Einige kleine Bezirke fehlen.

Arges Mtcrtt.

i7 Evangelischer Bund und konfessioneller Friede.

Jüngst war e§ ein Hauptwortführer deS Evang. Bundes, der Reichs- und Landtags- abgeordneter Prof. Dr. Hieb er, Vorsitzender des HauptvereinS des „Evang. Bundes" in Württemberg, der in einer Rede auf der Landes- oerfammlung zu Eßlingen den Wunsch nach einem „interkonfessionellen Friedens- kongreß" aussprach. Einer Friedensvereinigung werden wir gern unv willig unsere Hand reichen, mögen die Anregungen kommen von welcher Seite eS auch sei, aber daß der Evang. Bund eS ist, der diese Saite anzuschlagen wagt, hat un§ doch einigermaßen gewundert.

Im Jahre 1906 stand der Katholikentag u Essen ganz besonders unter dem Zeichen *>er Förderung des konfessionellen Friedens. Die Redner hatten so deutlich und wiederholl zum Zusammenschluß aller gläubigen Elemente gegen­über den glaubenslosen Umsturzparteien ermahnt, daß die Presse aller Parteien und Konfessionen diese Friedens, öne nicht überhören konnte und zum größten Teil auch mit anerkennenden Worten begleitete. Nur der „Evang. Bund" und seine Preffe erhob sofort ein gewaltiges Lamento und verwahrte sich gegen einen „Frieden" mit dem — „UltramonlantSmus".

Nun kam vom 7. bis 11. Oktober die Generalversammlung des „Evangelischen Bundes" zu Graudenz. ES fehlte nicht an Versuchen, be- jonderS von Kreisen, die mit d-r Negierung in Berlin Fühlung hatten, den ^Evangelischen Bund" zu veranlassen, feine Polemik gegen die katholische irche wenigstens in mildere Formen zu leiden und die friedliche Kundgebung >es letzten Katholikentages in Essen, die noch in aller Erinnerung war und die auch auf die Regierung Eindruck gemacht hatte, nicht «nb rächt et und nicht unbeantwortet zu laffen. Gleichzeitig wiesen diese Mahner auf die Stelle aus ..er Breslauer Rede des Kaisers hin, worin der „Zusammenschluß aller Konfessionen gegen den Unglauben" als dringend geboten gefordert wurde. Allein die Haupt- 'Wortführer des Zentral Vorstandes in Halle sanden diele Forderung „zu weit gehend" und „schwer erfüllbar", wenn man nicht die Prinzipien des „Evangelischen Bundes" verleugnen und dem „UliramonianiSmuS" einen Triumph verschaffen wolle. Statt also die Friedenshand zu ergreifen, oder wenigstens die Friedensgesinnung an- guer Fennen, erging man sich in Verdäch - tigangen gegen die Ehrlichkeit der Friedens- kundgebung, die nicht aufrichtig gemeint fei und nicht von Herzen komme. Einer der Hauptwort­führer des „Evang. Bundes" meinte sogar: Der Evangel. Bund dürfe nicht in diese Falle gehen, welche die Nomsreunde (gemeint waren gewisse Kreise in Berlin) ihm stellen möchten. Man dürfe nicht nach 20jähriger, angestrengter, erfolgreicher Tätigkeit jetzt vor der römischen Kirche k a p i t u (i e r e n. Die daraufhin abgesaßle Resolution zu der Effener Friedenskundgebung ist ja bekannt. Die Losung der Essener Katho­likentages lautete:

„Zusammenschluß der Gott« und Christus- gläubigen aller Konfessionen zum Kampf wider den Unglauben und Umsturz."

DaS lehnte aber die „Evang. Bundes"-Ver- sammlung mit folgenden Worten schroff ab:

„Diese» Ansinnen weise» wir al» verhängnis­voll für unser Vaterland und unsere evan­gelische Kirche zurück. Wir erachten es vielmehr al» ein« Gennfleu»vflicht, «nserr evangelischen BolkS- genosten, insbesondere die von jener Seite als „gläubig" augefprochenen Kreis« vor einem Eingehen auf da» angegebene Bündnis zu warnen."

Diese in die denkbar schroffste Form gekleidete Absage des »LusammenschlnfleS aller Gott- und Christgläubigen um Kampfe gegen den Un­glauben und Umsturz", war möglich, trotzdem von feiten offizieller Kreise der Re­gierung der Wunsch nach Frieden auS- gesprochen war. DaS besagt wahrhaftig genug für die Friedensabsicht des „Evang. Bundes".

Sieht man sich daraufhin noch die offiziellen Preßorgane bei ».Evang. Bundes" an: die „Wartburg", die „MonatSkorrefpondenz für die Mitglieder der Evang. Bunde»", und vor allen die „Teutsch-evang. Korr ", dann weiß man zur Genüge, daß der Evang. Bund den Frieden unter " feinen Umständen will. Jede Nummer der ,Deutfch-evang. Korr/ ist angefüllt von der ersten bi» zur letzten Zeile mit Hetze gegen Rom. Katholiken, wollte sagen „Ultramontane", Bischöfe usw.» Dinge, die in irgendeinem wellst emben Winkel sich zutrugen, Dinge, die mit dem Pro­testantismus garnichts zu tun haben, werden dort jufammengeiraqen, in der nötigen Weife auf» gebauscht und frisiert, mit den verhetzenden Kraft­ausdrücken versehen und dann in 5< 000 Exemplaren verschickt und ca. 500 liberalen Zeitungen druck- fertig und kostenlos auf den Tisch geworfen.

Greisen wir nur die letzte Nummer der ,D«utsch-Evang«l. Korrrfp.' (105) herauS; sie enthält folgenden Artikel: „Eine Rede Pros Dr. Hiehers." Darin findet sich zum Schluffe folgende Stelle: „Als Protestanten schauen wir mit Stolz und Dankbarkeit auf unser ehrlich weit- licheS neue» Deutsches Reich, dessen Kaiserkrone auch ohne heiliges Salböl aus geweihter Hand wett über die Grenzen des Reiches hinaus glänzt." — „Ultramontane Preußenhetze (eine Verteidigung der v. Lieder'fchen Behauptung vom „protestantischen" Sieg bei Sedan), „England und die römische (soll heißen katholische) Kirche", „Schwedische Gymnastik im Dienste der katholi­schen Kirch«" (der Artikel hält sich darüber auf, daß auf dem eucharistischen Kongresse in London der körperlichen Haltung und Ausbildung der katholischen Meffediener das Wort geredet wurde), „Geistige Wallfahrt nach Lourdes." — Rein katholische Angelegenheiten, die den „Evangel Bund" und den Protestantismus gar nichts an- gehen, werden hier für den Abdruck in liberalen Zeitungen in hetzerischer Weise aufgearbeitet. Leider wird die Korrespondenz auch eistig von ben Blättern benutzt, sodaß die Verhetzung in weite Kreise de» Volkes dringt. Da kann man eS verstehen, wenn wir uns von dem „Evangel. Bunde" keinen „Frieden" versprechen.

Deutsches Reich

D Sparsamkeit im Reichshaushalt. Offiziös ist bekanntlich Sparsamkeit in Aussicht gestellt worden, aber die Urheber der offiziösen Kund­gebung scheinen sich einstweilen bei dem schönen Worte nickt viel Greifbares gedacht zu haben. Wie die ,5t. N.' berichtet, hat jetzt Fürst Bülow sämtlichen preußischen Ministern wie den Staats-

fefretören eine von dem Abg. gretbetrn v. Gamp nach Rücksprache mit den Führern der Block- Parteien auSgeotbeitete Denkschrift „als Material" zugehen laffen. In dem Begleit- schreiben deS Kanzler-, das eingehend« Vorschläge erbittet und eine gemeinsame kommissarische Schlußberatung der verschiedenen Behörden in Aussicht stellt, bezeichnet Fürst Bülow die Bor- schlägt des Freiherrn v. Gamp al« -um Teil recht beachtenswert. Von einer Veränderung der Qualität unserer Derkehrseinrichtui.gen werde allerdings keinesfalls die Red« fein können; immerhin werde zu erwägen fein, inwiefern auch auf dem Gebiete des Verkehrswesens gespart werden könne. Eine wirkliche Befferung fei nur zu erzielen, auf dem Weg ein?r Modernisierung der gesamte» Staatsverwaltung; e» bedürfe einer Dezentralisation und Vereinfachung des gesamten Behördenapparates. Für viele Arbeiten werde z. B. biS jetzt die Zeit höhere: Beamter in Anspruch genommen, für di« Beamte mit geringerer Vorbildung völlig ausreichen. Auch bet der Ausführung öffentlicher Arbeit«, sollen sich Ersparniffe erzielen lasten. — Der Reichskanzler hat schon vor 2 Jahren von der Sparsamkeit — gesprochen; wir wünschen nun bald einmal Tat en zu sehen.

)( Staatssekretär Teruburg bat auf seiner Reise nach Südwestafrika anschemend gesundheit- lief, Schaden erlitten. Er ist feit der vorigen Woche in Baden-Baden. In seinem rechten Arm hat er eine Venenentzündung und außerdem hat er sich eine sehr starke Nervosität zugezogen. In beiden Fällen soll jetzt eine Befferung ein« getreten fehl.

X Eine Steuer auf Steinkohlen wird äugen- blicklich allen Ernstes in der nur»agrarischen Preffe propagiert, mit der Begründung, daß bei der Kohlenförderung und beim Kohlenhandel mit die größten Vermögen in Deutschland erworben worden feien. Vor '«schlagen wird eine Steuer von 50 Pfennig für die Tonne. — Daß im Kohlenbergbau sehr erhebliche Vermögen gewonnen worden sind, ist nicht zu bestreiten, daß die Leute, die diese großen Vermögen gemacht haben und machen, die neue Steuerlast mit der größten Geschwindigkeit auf die Kohlenoerbraucher ab» wätzen würden.

C-l Herr v. Siebert gibt Nnterrichtskurse und zwar für Lehrer. Die Kurie finden in Berlin statt. Etwa 40 Lehrer aus allen Teilen Deurfch- lands nehmen zurzeit an dem ersten Kursus teil; in Kürze folgt ein zweiter Kursus für einen neuen Schub. Urlaub e-halten die Lernbegierigen von ihren vorgesetzten Behörden ohne weitere«; die Anregung aber zur Teilnahme an den Kursen gaben die staatlichen Verwaltungsbehörden! Und das nach den letzten ungesöhnten Beschimpfungen der deutschen Katholiken durch Siebet! 1 Inte­ressant wäre es, zu erfahren, ob auch katholrsche Lehrer genötigt worden sind, zu den Füßen dieses KatholikmhafferS zu sitzen.

— Die deutsche Arbeiterversicherung und Präsident Roosevelt. Der Vorsitzende deS Vor­standes der Landesversicherungsanstalt in Berlin, Dr. Freund, der gegenwärtig aus Anlaß des Internationalen Tuberkulose-Kongresses in Amerika wellt, konnte am Freitag den Präsidenten Roose­velt in einer besonderen Audienz einen Vortrag über bi« deutsche Arbeiterversicherung halten. Ber der Gelegenheit sprach Roosevelt feine Bewrmde- rung über die deutsche Arbeiterversicherung au».

Ausland.

* Heber die ungarische Wahlreform erklärt» Minister Andras sy in einer Versammlung der Koffuthpartei in Bestätigung früherer Nachrichten, daS Wahlrecht werde ein allgemeine«, jedoch nicht gleiches fein, die Abstimmung werd» nicht geheim fein. Bei der Erfüllung gewisser Bedingungen hinsichtlich der Steuerleistung oder des Bildungsgrades wird eine zweite oder dritte Stimme gewährt. Analphabeten erhalten nur ein indirektes Wahlrecht, zehn Analphabeten wählen als Urwähler einen Wahlmann. — WaS bisher über den Entwurf bekannt geworden ist, besagt nur, wer wählen soll und wie hoch di» einzelnen zu berechnen sind. Erst acht bi» zehn Monate später will man di« anderen Gesetzent­würfe veröffentlichen, welch« di« Einteilung bet Wahlkreise und die Bestimmungen über ben Wahlmodns enthalten. Dies« Bestimnntngen sind derart, daß Städte, in denen man mit Hilfe der Beamten und magyarifierten Kaufleut« eine künstliche „patriotische" Mehrheit zustande bringt, doppelt soviel« Abgeordnete wählen, als Landkreise mit der zehnfachen BevölkerungSzahl. Außerdem sollen auf dem Land», wo die Wähler eniweder „klerikal" oder nichhmagyarisch sind, die Kandidaten öffentlich genannt werden. Dies« „Ergänzungsgefetze", welch« bie geringen Zuge­ständnisse deS „Hauptgesetze-" völlig zunichtt machen, will man jetzt noch vor dem Kaiser »er- heimlichen, um zunächst dem letzteren bie Zu­stimmung znrn dem Hauptgesetz erpressen zu können.

Kymitr, der Kosak.

Von Marcel (Etienne.

22] (Nachdruck verboten.)

Indem er so sprach, schenkte Skandyba mit feiner großartigsten Miene, die zugleich würdig, hochmütig und freundlich war, dem Elenden lii- chelnd ein großes Glas Branntwein ein. Der andere nahm es mit einem tiefen Bückling rind trank es in kleinen Zügen aus, während er sich in demütigen Höflichleitsbezeugungen und heißen Dankesworten erschöpfte.

„Alles werde ich tun, was Ihr wollt, Herr! Ihr kennt ja Euren getreuen und ergebenen Sir­ret — auf ihn könnt Ihr stets zählen. . . . Da ich nun aber emmal im Zuge bin, möchte ich Euch noch um etwas befragen. . . . Ihr kennt Wohl Hyrko, ben alten Bauern, der an der Brücke wohnt? Nun Wohl, — letzten Monat hat er nicht ein einziges Mal feinen Frondienst geleistet. — Und er hat so schöne Schafe, die so reickstich Wolle geben. Würdet Ihr mir geftatten, daß ich ihm die Schafe nehmen lasse für die Arbeit, die er unterlasien hat? Hyrko kann wohl gut sagen, daß fein böses Nebel ihn daran gehindert habe, auf ben Feldern zu arbeiten, — daß er nur von dem Ertrage feiner Schafwolle zu leben imstande ist — ich behaupte, und ich bin überzeugt, Herr, daß Ihr mir Recht gebt, — dem Herrn, dem Ge­bieter gehört die Zeit imb die Arbeit des Bau­ern. und wenn er ihm d i e nicht leisten kann, so soll er ihm mit seinem elenden Hab und Gut zahlen I"

widerspreche nicht, Jurek! Nimm Dir, wenn Du willst, die Schafe des Hyrko! Nur er- weise mir dafür einen andern Gefallen. Herr Kostzowacki wird dieser Tage, vielleicht heute noch, den Besuch von sehr vornehmen Gästen empfan­gen- Sie werden sich sicherlich im blauen Salon Persammeln, um ihre heimlichen Angelegenhei­

ten zu bespreche». Halt« Dich also bereit für die­sen Fall, Deine Abrechnungen in dem kleinen Büro zu machen, das an ben blauen Salon stößt. Es befindet sich dort, wie Du jo weißt, eine ver­steckte Türe, hinter der man sehr gut erhorchen kann, was im anstoßenden Saale gesprochen wird. Gib also wohl acht, daß Du die Türe und die Ohren gut öffnest, Jurek! Ich verspreche Dir als Donk für Deine Mitteilungen etwas Solideres und besser Klingendes als alle Schafe des Bauern Hyrko l"

„Ihr könnt ruhig sein, Herrl Ihr werdet nach Wunsch bedient werden!" entgegnet Jurek, indem er fein Versprechen mit einem gemeinen und bö­sen Lächeln Begleitete.

Dann verschwand er, dienernd bis zur Türe und ließ den Verwalter mit feinen Gedanken und schönen Plänen allein zurück.

9. Kapitel.

Kosak undFürsten.

In seine Festgewänder gehüllt, ging der Sta­rost Koszowacki von einem Ende seines Büros zum andern spazieren, indem er feine Gäste er­wartete. Noch nie war es ihm geschehen, seit er den großen und schönen Besitz von Koszowata in- nehatte, den Sohn eines Palatins zu beherbergen. Diese hohe Ehre und unerioartete Gunst schmei­chelte denn auch in ungeheurem Maße seinen Stolz und erfüllten ihn mit hochmütiger Freude. Er hätte am liebsten seinen triumphierenden Ju- bd und seinen Ruhm nicht nur in allen umlie­genden Dwors und Schlössern verkündet, sondern auch ienfeiti des Waldes in allen Dörfern der Uvrgebung. Zuweilen blickte er mit einem Ge­misch von Scham und verächtlichem Mitleid auf die alten SRäbel, lvelche die Hetmans hinter taf­fen hatten, — auf die von Rost zernagten Waffen und Wappen, die durchlöcherten. Lürkenstandar- ten, — auf alle tiefe Erinnerungen an eine heroi­sch und großartige Vergangenheit. Dann schilt- teste er mrßmntig den Kopf und sagte sich: „Wenn

ich es nur gewußt hätte, — bann hätte ich mein Haus nen möblieren, meine Gemächer Herrichten lassen können! Denn hier ist alles verblaßt, ab ge­nügt, verschlissen, alles Großväter Hausrat, — nichts nach der Mode des Tages! Was müssen all diese ärmlichen Altertümer auf einen der glcin- zendsten Herren des Hofes, den Grasen Felix Po- tocki, für einen Eindruck machen t"

Und der Starost, geblendet von Visionen des Reichtums, der Ueppigkeit und Eitelkeit, verstand es nicht, daß sich überall, — zwischen den alten Wappen, von den mächtigen, gebräunten Eichen­simsen, unter den Teppichen, Standarten und ver­blaßten Damaststoffen geheimnisvolle, ftrenge Stimmen erhoben,- die zu ihm Jagten:

„Wenn wir heute nicht mehr am Platze er- scheinen, o ärmlicher Sohn einer stolzen Rasse, so ist es nicht, weil wir zu alt find! Es ist, weil wir zu groß für Euch find! Was seid Ichr denn nach uns, Ihr Kleinen, Armen, Zerbrechlichen? Run herrsH Ihr für eine kurze Spanne Zeit, — aber tote bald werdet auch Ihr vergehen, werdet auch Ihr vergessen sein!"

Da der Star oft keinen Zairberstab zur Verfü­gung hatte, um mit einem Schlage das ganze JntSrieur seines Schlosses umzuwandeln und er die Tinge wohl oder übel so lassen mußte, wie sie waren, so wollte er den Mangel modernen Kom­forts durch einen tun so größer» Aufwand von Höflichkeit und gutem Willen wett machen, be- sondcws aber durch die süße und anmutige Gegen­wart seiner schönen Maryuia-

So hatte er sich Leun, nachdem er alle Gemä­cher des Schlosses bepdjtigt, zu Maryuta begeben; er hielt es für nötig, ihr einen Unterricht in allen Regeln der Höflichkeit zu geben, ihr immer und immer wieder zu sagen, was sie tun und lassen, mit welchen Titeln sie ben Sohn des Wojwoden und die anderen Edeln ansprechen sollte, in deren Mitte sie beim Festmahle sitzen würde. Zu jeder andern Zett hätte die junge Frau dieser kalten zeremoniellen Vorstellung mit einem Gefühl von Lcmaweile und Furcht entgegen gesehen. Nach so

langen Stunden der Todesangst und Verzweif­lung jedoch, die sie vor so kurzer Zeit erst durch­lebt, nach den schrecklichen Gemütsbewegungen, bt< sie in der dersloffenen Nacht erduldet hatte, ver­mochte nichts mehr, sie zu ermutigen ober ihre Laune M trüben, alles schien ihr leicht und an­genehm.

Nachdem Hieronymus das Kapitel der Ett- quette erschöpft zu haben glaubte, wandte er sich her Toilette zu. Er vergaß nicht das kleinste De­tail, da es sich darum handelt, den Sohn des mäch­tigen Wojwoden zu seiern.

„Meine Liebe, — Du wirst das Kleid mit der langen Schleppe tragen; auch vergiß nicht di« Rüschen aus Brüsseler Spitzen und unterlasse eS nicht. Dich pompös frisieren zu lassen. Nicht wie gewöhnlich, da Du Dich begnügst, ein paar Rosen oder em Band in Deine Haare zu schlingen. Schmück« Dich mit Deinem großen Stern und der Sette aus Brillanten, die wie ebensoviel Feuer­funken glänzen und laß Dir in das gepudert» Haar Federn stecken!"

Herr Hieronymus war mit feinen Ratschlägen, denen Rarynia mit aller Aufmerksamkeit zuzuhö- rett schien, noch nicht zu Ende, als ein Lakai er­schien, und die Bitte Skandybas überbrachte, mit seinem Gebieter sprechen zu dürfen, der getreue Verwalter habe ihm wichtiges zu berichte».

„Was gibt's, Skattdyba?" fragte herablassend Herr Koszowacki den Elenden, der ihn in der Ga­lerie erwartete.

„Hier, Herr, übergebe ich Euch eine Botschaft, die ein Kosak eben überbrachte. Ich denke, sie wird drmglich sein, darum glaube ich, feine Mi­nute zögern zu dürfen!" sagte Skandyba unter­würfig.

„DaS ist allerdings eine Neuigkeit!" rief Kos- zowacki, indem er das wappengeschmückte Perga­mentblatt überflog- „Nicht nur Graf Felix Po- tocki, der Sohn unseres großmächtigen Wojwoden, kann jeden Augenblick vor unserer Türe Halt ma- £, auch der Graf Branicki, General der fönigft-

Armee und Kommandant der königlichen