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ul-aer W Zeitung

Monatrbeüage: „8uldaer SeschichtrblAter"

Fulda, DonnersLaa den 1. Oktober 1908.'

35. Jahrqanq.

M 226.

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Verantw. Rrdatteurr

Sari schütte;

q Die internationale Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterfchutz

hat gestern ihre Tagung in Luzern beendet. Tie Beratungen dieser Vereinigung trugen einen wesentlich anderen Charakter als die gewöhnlicher Kongresse. Unter den Teilneh­mern ist eine ungewöhnlich große Zahl von Vertretern großer Regierungen zu finden; man hat gewissermaßen ein internationales Par­lament vor sich, in dem sich die Regierungen der Großstaaten über die auf sozialem Gebiete zu treffenden Maßnahmen einigen, um so die ®dja- digung der Industrie des einen Landes mit weit­gehenden sozialpolitischen Maßnahmen gegen­über anderen Ländern ohne sozialpolitische Lasten möglichst zu vermeiden.

Schon das, was man bisher erreicht hat, zeigt, daß ein derartiges internationales Zusammen­gehen möglich ist. Tie Luzerner Tagung wird in der Nähe von Zürich abgehalten, wo vor einem Jahrzehnt der erste internationale Ar­beiterschutzkongreß stattfand. Auf jenem Kon­gresse _ft>ar man sich einig, daß gemeinsame in­ternationale Arbeiterschutzmaßnahmen sehr schwer durchzufllhren fein würden, weil die verschiedenen Länder auf verschiedenen Kulturstufen und außer­dem auf verschiedenen Stufen internationaler und gewerblicher Entwickelung stehen. Trotzdem hat sich eine Einigung auf dem Gebiete der Ver­wendung weißen Phosphors erzielen lassen, es ist auch gelungen, in der Frage der Nachtarbeit der Frau erhebliche Fortschritte zu erzielen.

In diesem Jahre beschäftigte die Vereinigung sich mit der Arbeit der Jugendlichen, mit der, Heimarbeit, mit dem Maximalar­beit st ag, der Frage der Verwendung ge­werblicher Gifte und der sozialen Versicherung ausländischer Arbeiter. Das alles sind Gebiete, deren Lösung auf nationaler Grund­lage sehr erschwert wird durch die internationale Konkurrenz der einzelnen Produkte. Am harm­losesten liegen die Dinge noch bei der Verwendung gewerblicher Gifte. Auch ein« Einigung über die Rechte ausländischer Arbeiter gehört nicht zu den Unmöglichkeiten. Man wird freilich zugeben müssen, daß eine Regelung auf diesem Gebiete nur jenen Ländern zugute kommt, die eine grö­ßere Zahl Arbeiter an das Ausland abgeben. Aber die Kulturstaaten, z. B. Deutschland, haben sich auch bisher nicht gesträubt, den ausländischen Arbeitern in gewissem Umfange die Vorteile ihrer sozialen Versickerung zugute kommen zu las- seist Schwieriger ist schon die Regelung des Maximalarbeitstages. An dieser Frage hat man schon auf der letzten Tagung der internationalen Vereinigung eifrig gearbeitet. Man hat leider den Eindruck gewinnen müssen, daß die Schwie­rigkeit, hier zu einer Einigung zu kommen, in Deutschland einen Einfluß zu Ungunsten sozialen Fortschritts ausgeübt hat. Schon seit 7 oder 8 Jahren könnte in Deutschland der Zehnstunden­tag für Frauen als spruchreif erscheinen. Trotz­dem kommt er nicht. Einen Hemmschuh bilden offenbar die Zustände in wirtschaftlich rückstän­digen Ländern, wo eine 12stündige Arbeitszeit für die große Masse der Arbeiter die Regel bildet. Mnf diesem Clebiete wird man nur schrittweise iveiterkommeir. Die Erziehung wird sehr lang- sani vor sich gehen, sicher aber ist, daß sie nicht ganz erfolglos sein kann, sobald die Vertreter der Kulturländer mit den Vertretern der wirtschaft­lich rückständigen Ländern in den Kommissionen der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Ar ieiterschuh zusammensitzen und dort mit ihnen di: Vor- und Nachteile besprechen. Aehnlich lie­gen die Dinge auf dem Gebiete der Kinderarbeit und der Heimarbeit.

Don schnellen Erfolgen der gegenwärtigen Lu­zerner Tagung, von direkten Ergebnissen ihrer Beratungen wird man nicht sprechen können. Aber wenn im Laufe des Jahres einmal in die­sem, dann in jenem Parlamente Vorlagen über internationale Vereinbarungen auf sozialem Ge­biete auftauchen, dann wird man darin eine Frucht dex, jetzigen Beratungen zu sehen haben.

Deutscher Reich.

---- Tie Kaisermanöver 1909 werden be­kanntlich in Württemberg abgehalten werden. Wie jetzt mitgeteilt wird, werden sie sich zwischen dem württembergischen und dem badischen Armeekorps abspielen. Die schwäbische Presse weiß bei dieser Gelegenheit zu berichten, daß der Kaiser alsdann die Gelegenheit wahrzunehmen beabsichtige, die Stammburg Hohenzollern zu be- suchen.

e. Die Budgetkommission des Reichstages hält am 3. November ihre 1. Sitzung ab; sie befaßt sich rnrt der Veteranenbeihilfe. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Antrag Erz- berger, der allen Veteranen, die weniger wie 900 Mark Einkommen haben, die Beihilfe von 120 Mark geben will.

* Tie Reichspost' und Telegraphen > Ver­waltung wird im Laufe dieses Jahres voraus- sichtlich ein höchst ungünstiges finanzielles Ergeb­nis haben. Wenn die Ausgaben, die im vorigen Etatsjahre den Anschlag um fast UV, Millionen überschritten, in einem ähnlichen Verhältnis weiter wachsen, so wird die Reichspost der ,Voss. Ztg/ zufolge einen Ausfall von 35—40 Mill. Mark gegenüber dem Etat-Anschlag crieiden, sodaß der reine Ueberfchuß von 100 Millionen Mark, mit dem der Etat rechnet, sich sehr wesentlich herab- mindern wird.

.** Umgestaltung der Schankkonzession. Die Reichsregierung bereitet in aller Stille durch eine neue Getverbecrdnungsnovelle einen durch­greifenden Kampf gegen den Alkohol vor. Diese Gewerbeordnungsnovelle, die wahr­scheinlich noch im Winter im Reichstage vorge­legt werden wird, sieht in Bezug auf das Schankgewerbe vor allem folgende Abänderungen vor: Auch an Orten von über 15 000 Einwoh­nern soll die obligatorische Prüfung der Bedürf- nisfrage, die bisher nur durch Ortsstatut ge­regelt wurde, erfolgen. Dem Animirkneipenun- wesen soll dadurch ein Ende bereitet werden, daß in gewifie Schankkonzessionen das Verbot einge­flochten werden soll, Kellnerinnen zu beschäftigen. Tie bauliche Ausstattung der Lokalitäten soll nach allgemeinen, volkshygienischen Normen ge­regelt werden, damit sich zu den Schädigungen des Trunkes nicht noch die üblen Folgen schiech- ter Ventilation und dergleichen gesellen. Dazu kommt, noch, daß der Flaschenbierhandol der Konzession unterstellt werden soll.

GO Eine Kommission für die innere Mission in den deutschen Schutzgebieten ist kürzlich von dem Zentralausschuß für die Innere ' Mission der deutschen evangelischen Kirche gebildet worden. Die Kommission sieht sich vor einer Reihe ernster und bedeutsamer Aufgaben gestellt:

„®ett «ranken und Gebrechlichen soll geholfen, gegen Laster, namentlich auch gegen die Verheerung deS Alkohols soll der Kampf ausgenommen und den oft weit auseinander wohnenden Christen soll, so weil es möglich ist, durch Schriftenverbreitung der Trost deS Wortes Gottes gebracht werden Besemders aber must sich die christliche Fürsorge auf gebrecht,ch», unglück­liche Kinder in Südweitasrika erstrecken, vor allem auf solche Mischlingskinder, die der sittlichen und körper­

lichen Verwahrlosung rreisgegeben sind und die somit später leicht eine ernste Gefahr für die Wohlfahrt deS Schutzgebietes bilden können."

WaS geschieht nach dieser Richtung von katho­lischer Seite? Wir muffen unsere Aufmerksamkeit noch viel mchr auf die Kolonien richten; wir dürfen unS aus ihnen nicht verdrängen lasten. Schon heute zeigt es sich, daß die Katholiken etwas ins Hintertreffen geraten sind.

== Wie der Liberalismus in der Kommunal- Verwaltung die Parität verletzt, dafür bietet die jüngste Stadtverordnetenversammlung in B o ch u m einen kaffen Beweis. Mehreren Blättern wird darüber berichtet:

Im Bochum befinden sich die Katholiken in der Ueberzahl. Trotzdem mar der Maaistrat bisher zusammengesetzt auS 12 evangelischen und 7 katholischen Mitgliedern. Den zwei kaiholtlchcn besoldeten Stadl- löten stehen fünf evangelische besoldete Mitglieder gegenüber. Die ersten drei Magistratsstellen: Ober­bürgermeister, Bürgermeister und Stadtbaurat, find mit Protestanten besetzt. Für den durch den Tod aus- geschiedenen unbeioldeien katholischen Stadtradt Kom­merzienrat Grimberg war ein Nachfolger zu wählen. Ferner stand die Wiederwahl der unbesoldeten Sladt- läte Komniersienrat Korte, Sani'.ätsrot Dr. Goerdl und Justizrat Hünnebeck an. Letzterer ist der Vorsitzende der nationalliberalen Parte». Der Verwaltungsaus­schuß beantragte seine Wiederwahl, für welch« sich auch die dem Zentrum ang.chörenden Stadtverordneten erklärten. SW an hätte ntrt erwarten müssen, daß die liberale Mehrheit sich sär die Wahl eines Katbolrken tüt den verstorbenen katholischen Stadlrat Grimberg auesprechen werde. Es wurde aber lrberalerseits der protestantische Kaufmann Bosch vorgeschlagen. Der Zentrums-Stadtverordnete Löchtermann wies auf das unparitätisch« Verhältnis im Magrstrat hin. Die liberale Mehrheit werde wohl wieder mit der Ausrede der Tüchtigkeit kommen. Dian gebe vor, den Tüchtigsten zu wählen, aber nur keinen Katholiken. In loyaler Weise habe die Zentrumspartei der Wahl bi8 national« liberalen Parteichefs in den Magistrat zugestrmml. 'Sie glaube nun ebenfalls berechtigt zu lein, ihren Pari eich-f, Justizrat Diekamp, für die Migisiratswahl in Vor­schlag zu bringen. Der Berwaltungsaueschuß gehe darauf hinaus, die Katholiken aus der Verwaltung zu entfernen. Billige die liberale Mehrheit dieses Be­streben, so habe sie die Folgen zu tragen. Er bitte den katholischen VoUsteil nicht noch mehr herauezufordern. Stadtverordneter Arbeiter-Sekreiär Gilsing ersuchte die liberale Mehrheit um Angabe von Gründen für ihr neuerliches Vorgehen gegen die katholische Minder­heit im Kollegium. Er roatf den Liberalen brüske Ver­letzung der Parität vor und wies auf ihr ebenso ver­letzendes Verhallen bei der Wahl der Schuldeputalion hin. Die katholische Bevölkerung werde die, es Vor­gehen als einen Faustichlag ins Gesicht betrachten. iLachen bei den Liberalen.) „Lachen Sie nur," fuhr Herr Gilsing fort, „Sie katholische Bevölkerung wird Ihr Verhalten nicht verstehen, mit dieser auch viele loyale evangelische Milbürger nicht. Die Vorgänge bei der Wahl der Schuldeputation haben tiefe Erbitterung in der katholischen Bürgerschaft hervorglrufen, diese wird sich wiederholen, wenn Sie der gerechten Forderung der Katholiten nicht entsprechen, lieben Sie Toleranz wenigstens in der minimalen Weise, rote es bisher ge­schehen." Es schien, als wollten sich die Liberalen den wuchtigen AuSsührungen der Zei trums - Stadtverord­neten gegenüber in Schweigen hüllen. Schließlich aber erhob sich ihr Führer, Jufiizrat Dr. Mummenhoff. Natürlich erklärte er, die liberale Mehrheit sehe nicht auf die Konfession, sie breche temeswegs den Frieden. Die folgenden Ausführungen "des Redners behandelten den wahren Grund des Borgehens der Ltberalen: Rache ür den ungünstigen Ausfall der Reichstags- und Landtagswahl seilens der nationalliberalen Partei. Bei der Reichstagsroahl habe die Dtekampsche Richtung über die des Löchtermann gesiegt. — Es erfolgte nun die Wiederwahl der Stadträte Goerdt, Korte und Hünne­beck mit 37 bezw. 34 Stimmen. Für di« Wiederwahl des nationalliberalen Partei-Ehefs Hünnebeck war auch die übergroße Mehrheit der Zentrnms-Stadtverordneten eingetreten. Die liberale Mehrheit entgalt diel es Ein­treten bei der Ersatzwahl für den verstorbenen katholi- chen Siadtrat Grimberg mit der Wahl des protestan­tischen Kaufmanns Bosch, der 21 Stimmen erhielt. Aus

Diekamp vereinigten sich 12 Stimme« des Zentrum» und der gemäßigten Liberale«.

Die Protestanten in Borbeck mögen auS dem Vorgehen ihrer GesinnungSgenoffen in Bochum wieder sehen, wie unüberlegt eS war, kürzlich bi« Protest-Berfammlung wegen des katholischen Feld- meffer- anzuberaumen. Bochum ist aber längst nicht daS einzige liberale „Nest der Intoleranz" innerhalb der Kommunal-Berwaltung.

(*) In Deutsch - Südwestafrika scheint da» Diamantenfieber bereits eine bedenklich« Höhe erreicht zu haben. Auf die Meldungen hin, daß bei Lüderitzbucht Diamanten gefunden fdn sollen, wird jetzt die Gründung einer großen deutschen Gesellschaft zur Ausbeutung dieser Fund« betrieben. DaS Kolonialamt hat daS betreffend« Gebiet für Schürfarbeiten inzwischen gesperrt.

** Darmstadt, 30. Sept. 1908. Heute früh starb hier der greife Geheime Justizrat Dr. Oi a n n, ein bekannter nat.onalliberaler Politiker. Er ge­hörte dem Reichstag und dem heffischen Landtag an, hatte sich aber schon vor einer Reih« von Jahren aus dem aktiven politischen Sehen zurückgezogen. Seine politische Erbschaft in Hessen hat sein Sohn übernommen.

cf München, 30. Sept. 1908. König Al- fonS von Spanien traf heute von München kommend in Landau (Pfalz) zur Besichtigung des ihm verliehenen 5. Feldartillerie-RegimentS ein. Bei gutem Welter fand eine Parade statt. Nachher reiste der König wieder nach München zurück. Die Königin von Spanien war unter­dessen in Tegernsee, wo sie mit der Herzogin Witwe von Koburg, der Kronprinzessin von Rumänien und der Großfürstin und Großfürsten Cyrill zusammentraf.

*** Ein deutscher Hochfchullehrertag, auf dem die führenden Geister der Wiffenschaft sehr zahlreich vertreten waren, hat Anfang dieser Woche in Jena getagt. Wie das zu erwarten war, hat man auch eine Attacke gegen di« theologischen Fakultäten geritten. E- gehött nicht viel Tapferkeit dazu, die theologischen Professoren und die Kirche, der sie dienen, an­zugreifen. Darum taten die Vertreter der „freien Wissenschaft" sich auch gar keinen Zwang an.

Eine entsprechende Resolution wurde ganz in dem Gedankengange, der bi« Spektakekmacher gegen die katholische Kirche auszeichnet, begründet. Ter Referent verwies auf die Fälle Schröer, Günther, Wahrmund und Schnitzer und wollt« damit beweisen, baß von einer bestimmten Seite di« Freiheit ber Forschung und Lehre angegriffen werb«. Die Reben ließen eS auch an Kraftworten gegen die Professoren nicht fehlen, welche di« Autorität der göttlichen Offenbarung aner­kennen.

Etwa- mehr Tapferkeit (aber auch kein« große Portion) gehört zum Kampfe gegen di« StaatSgewalt, die sich bekanntlich einen kräftigen Einfluß auf die Hochschulen und ein« Abwehr „staalsgesährlicher" Lehrer nicht nehmen läßt. Aber als einige folgerichtig denkende und handelnde Mitglieder des Hochschullehrertages gegen die staatliche Einschränkung der wissen« fchastlichen Freiheit ebenso zu Felde ziehen wollten, wie gegen die kirchliche Kontrolle der theologischen Lehre, da konzentrierte sich die groß« Mehrheit der FrecheitShelden vorsichtig rück­wärts. DaS „heiß Eyftn" mochte man nicht anfaffen. Die Sache müsse erst gründlich vor-

Kyrnilr, 6er Kosak.

Von Marcel Etienne.

20] (Nachdruck verboten.)

So war es gekommen, baß Skandyba, der Fremde, vier ober fünf Jahre vor ber Vermäh­lung des Starosten bie Verwaltung ber beträcht­lichen Güter übernommen hatte. Und seither lit­ten die Leibeigenen bes Herrn Hieronymus, bie schon früher elend und mißhandelt genug gewesen waren, noch grausamer, beklagten sie sich noch schmerzlicher über ihr Los! Es gab keine Bos­heiten, die er sie nicht erdulden, keine schlechte Be­handlung, die er ihnen nicht angebeihen ließ! Un- aufhöclich, — unerbittlich wurden sie in das Joch härtester Arbeit gespannt! Immerfort mußten die großen Grundstücke des Herrn gepflügt, ge- säet, gemäht werben: bie Wälder ausgeschlagen, das Holz zugerichiet, die Herden zur Weiden ge­führt, das Jungvieh gepflegt werden! — Im Sammer wurden auf gewaltigen Wagen, im Win- ter auf riesigen Schlitten zahllose Säcke mit Ge­treide, mächtige Ballen von Wolle und Daunen, Eichenblöcke und Stämme von Tannen bis zum Dnjepr geführt, von wo sie nach Odessa verladen wurden, und so ging es fort, Jahr aus, Jahr ein, ohne Rast und Ruh, — immer den harten Herrn bereichernd, — für ihn den Schweiß und die Kraft des Lebens hergebend! — Dabei war es rhnen strenge verboten, Fuchs und Marder, Wolf und Hasen zu röten, die ihnen das armselige Ge- slugel aus dem Hühnerhofe stahlen ober die Ge- rnufe ihrer kleinen traurigen Gärtchen abfraßen. T)enn bte ^agd war — das wußte Skandyba nur V* emes der größten Vergnügen feines Ern! Nckht einmal bie Frucht ihres Blutes und ihres Fleisches: ihre Kinder, waren das un- antastbare Eigentum des Beklagenswerten- denn kaum hatte ber Herr Intendant irgendwo ein AhasteS uiid hübsches Mädchen erspäht, einen Grammen und schönen Burschen, ko ließ ec so­

gleich feine Befehle ergehen: der junge Mensch wurde entweder in die Reihen der Dienerschaft des Twors eingereiht, um unter ihnen zum ver­derblichen Müßiggänger zu werden oder in den Soldatenrock gesteckt, um auf fremder Erde zu dienen und zu sterben. Das Mädchen wurde aus dem Elternhaufe genommen, um in der Küche, in der Wäschekammer oder zu allen möglichen harten Arbeitetl verwendet zu werden und außer- bem, was bas Schlimmste von allem war, — wil­lenlos beit Launen und Wünschen des Wüstlings Skandyba preisgegeben zu fein.

Trotz alledem hüteten sich die Unglücklichen wohl, allzu laut zu klagen, oder zu revoltieren. Wozu waren denn die großen Peitschen da oder wenn es sein mußte, die Knute, wenn nickst dazu, jeden Widerstand zu beugen, den Willen der Starrköpfigen und Willensstärksten zu brechen? Der Herr Intendant hatte niemals gewußt, was Mitleid heißt, und trenn es sich um bie Interessen seines Herrn handelte — eigentlich waren es bie feinigen — so scherte er sich den Teufel um die Gerechtigkeit. So hatten denn bie Leibenden und Seufzenden nichts Besseres zu erwarten, — trotz ihres Hasses und ihrer heimlichen Empörung blieb ihnen nichts anderes übrig, als uachzuge- .ben, — sich schweigend zu fügen! Und fo lebten und starben denn die Leibeigenen von Koszowata, mitleidlos unter eine eiserne Faust gebeugt! Die Güter aber waren freilich in ausgeAeichnetem Zustande, die Einnahme bedeutend, die Ernten großartig. Auch Herr Skandyba seinerseits führte bas Leben eines Pascha unb bereicherte sich von Tag zu Tag. Der Starost aber rieb sich, erstaunt über solche Erfolge, deren Ursache er nickst nach­forschte, vergnügt die Hände und sagte oftmals:

,Hch habe wahrhaftig eine Perle von einem Jutciibaiiteit gefunden! Niemals noch war ich so gut bedient. Wenn bas fo fortgeht, werbe ich binnen kurzem ber reichste Abelige der Ukraine sein! Zu all diesem Glück habe ich noch einen Sohn, der meinen Namen fortpflanzen wirb, ein junges Weib, das ebenso schön als gut ist, —

wahrhaftig, ich habe allen Grund zufrieden zu sein! Und es war ein gütiges Geschick, bas mir biefen Skandyba in den Weg geführt hat. Für alle Schätze der Welt möchte ich den braven Bur­schen nicht hergeben!"

Dieser brave Skandyba, den wir vor seinem Schreibtisch verließen, während er in den Pa­pieren blätterte und zuweilen ein Glas Brannt­wein leerte, legte eben bie Feber aus der Hand und durchlas ent paar' Seiten, indem er mit be­friedigender Miene die Hände über dem Magen znsammenlegke. Da klopfte es schüchtern an der Türe.

„Herein!" rief der Verwalter, ohne sich um- zuckenden.

Die Türe öffnete sich und ber Besitzer der Schänke erschien auf ber Schwelle.

„Ich bin es, Herr Skandyba! Ich stehe Euch, meinem Gebieter, zu Befehl, tote stets, und warte, was Ihr mir zu sagen habt!"

„Ach, Du bist es, Moszekl — Gut! Nun, er­zähle mir vor allem, was gibt es Neues in Dei­ner Schänke? Diesen Morgen müssen sich inter­essante Tinge dort zugetragen haben!"

„Wie, Herr, Ihr wißt schon? Wahrhaftig, Herr, Ihr seid beinahe allwissend!"

„Mag sein, Freund Moszekl Das tut aber nichts, erzähle trotzdem."

„So hort also die Geschichte, so wie sie sich zngetragen hat. Heute morgen traten die beiden schönen, jungen Herren, die aus Ktuto-Horby gekommen waren, einen Augenblick in meine Her­berge, um sich zu erwärmen."

"Ja, Stanislaus Bychowski — der Bruder der Frau Starostin, und dieser Phadäsus Dlu«ki — ein schöner Junge, meine Treu, — und der ttjr überall nachrennt! Das genügt schon, um den Frieden eines Houses zu stören l Das ist ein Fingerzeig — vielleicht läßt sich damit etwas ma­chen! — Weiter, Moszekl Was haben sie ge­sagt? Und was hast Du getan? Hast Du Dich brav gehalten?"

,,^ch habe selbst die jungen Herren bedient und ihnen alles gebracht, was sie haben wollten, — dabei hörte ich zu, was sie sprachen, so, an< Ihr, Herr, es mir befohlen habt. Ihr hättet fit don ber Gefahr reden hören sollen, in welcher bet Herr Staost und Ihre Gnaden durch die Wölfe geschvebt haben! Die Haare stiegen mir z« Berg, als sie bas Entsetzliche erzählten, das fick hätte ereignen können, wenn dieser Tenfelsketh dieser Tymitr, nicht, bagewesen wäre! ... Sri hörten aber auch nicht mehr auf, von ihm zu sprechen, feine Ergebenheit, seinen Mut und feint Kraft zu rühmen! . . . Das machte mit dal Blut kochen, ich nmtz es gestehen, Herr! Ich kann ihn nun einmal nicht leiben, diesen schönen Dy- mitr, und möchte die Macht haben, ihn zum Teu­fel zu schicken!"

„Und warum magst Du ihn denn nicht? Wei! er nicht trinkt? Weil et niemals auch nur ein« emsige Kopeke in Deinen Krallen gelassen hat, Freund Moszek, — weder für Wisky noch für Kornbrantttoein?"

wenig wohl auch deswegen. . . . Doch hab ich auch noch andere Gründe. Herr, Ihr bpbt ja kerne Ahnung, mit was für Augen diese Hunde von Bauern ihn anstarren, wie sie ihn um­ringen, mit Lob überschütten, wenn sie ihn ir­gendwo zu Gesicht bekommen! Dieser „tapfere Dymitr" da, und diefer „heldenhafte Dymitr" dort, —sie hören garnicht mehr auf! — Von Euch, Herr, sagen sie, meiner Treu, nicht die glei­chen Tinge!"

„Wohl möglich, ich erwarte es auch gar nicht anders", entgegnete Skandyba mit gleichgültiger Miene. „Aber fahre fort, es macht mir immer­hin einen Spaß, zu erfahren, was sie von mir sagen."

„Nun wohl! Da mutz ich vor allem gestehen, daß ihnen dieser ftböne Dymitr die sonderbarsten Ideen in ihre Bauernköpfe setzt! Er hört nicht auf, ihnen zn toieberholen, daß unser Gebieter, der Herr Starost, nichts weiß von den Quäle­reien unb dem Unrecht, da- man ihnen fortwäh-