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I-Parzefler ht Fulda.
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35. Jahrgang
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= Raubbau in Kamerun.
Als der deutsch-südwestafrikanische Krieg aus- brach, wurde von einsichtigen Beurteilern der Situation ein großer Teil der Schuld an dem Ausstande jenen Elementen zugeschoben, die als Händler jahrelang die größte Empörung im Lande aufgehäuft hatten.
Stellenweise bestehen die damals gerügten Uebelstände noch fort. Es gibt noch immer Händler in den Kolonien, die eine Behandlung der Eingeborenen wie überhaupt eine Art ihres Betriebes belieben, die direkt gemeingefährlich ist. Man bekommt nicht ost einen Einblick in das Treiben dieser Leute, ihr Tun spielt sich ja weit vom Bereiche jeder Beobachtung ab. 9htr hin unb wieder kommt einmal aus den Kreisen der genaueren Sachkenner heraus ein Urteil in die Oeffentlichkeit, das einen Einblick in das Leben und Treiben der Leute da unten gewährt. Gegenwärtig schildert in einem Kolonialblatte ein gewisser HanS Albrecht die Zustände, die in den Gummibezirken Kameruns bestehen, und die seiner Ansicht nach eines Tages zu einem Zusammenbruche deS ganzen Wirtschaftslebens jener Bezirke führen werden. Er schreibt:
„Wurde em nrueS Eummitand entdeckt, so eilten die Händler der einzelnen Firmen dahin, und in überstürzter Hast begann der Wettbewerb. „Gummi um jeden Preis!" so hieß eben die Losung. Selbst der jüngste Elerc an der Küste prahlte bannt, wieviel Fatz Gummi seine Firma im letzten Monat verschiffte. Werden doch die Angestellten prozentual am Reingewinn beteiligt! .... Manches Kind guter Eltern hat entehrende Strafen erdulden müssen, weil chm bet der Gummijagd, namentlich bei dem damit verbundenen Träger-„Anwerben" die Büchse zur Unzeit los- ging und ein Loch in eine schwarze Haut machte!"
Daß man es in der Haupisache mit Raub- bau zu tun hat, zeigen die folgenden Auslassungen Albrechts:
„Pflanzungen kennt man kaum im Süden! Die paar, bte existieren, find, soweit ich fie kennen gelernt habe -und das sind säst alle autzer denen in Stampe), kläglich« Unternehmen, wo mit geradezu großartiger «nauserei und Mangel an Verständnis zaghafte Versuche mit Gummi gemacht werden. Etwas anderes durfte natürlich überhaupt nicht gebaut werden, weil das zu wenig „bringt"! Beim Verglich nut bet blühende«, regen Plantagenwirtschaft m, Sudser-schütz- gebiet, #>o unter schwierig«re« ArbeiterverhäUnissen gearbeitet wird, wo der Handel selbst in seinen besten Zeiten nicht soviel «ngebracht hat, wie jetzt in den flauen in Südkamerun, überkommt eS einen wie mitleidige Verachtung, wenn man die kleinen Plantagen der großmächttgen Bantangafirmen sieht. Wozu auch Werte schaffen? Die Leute, die ibr Geld m die kauf- mänmschen Üluernehmen gesteckt haben, sind mit dem
investierten Kapital schon längst herauS- gekommen, neben den mächtigen Zinsen, die eS ihnen gebracht hat und auch heute, trotz der schlechteren Zeiten, noch bringt. Nun, einer der Herren hat geäußert, er wolle lieber seine Pflanzungen ein- gehen lassen, ehe er sich mit einem größeren Kapital darin festsetze! Dabei ist das der, deffen erster Beamter in Kamerun vor einigen Jahren einen zehnprozentigen Reingewinn-Anteil von annährend 103000 Mk. hatte! Von den Leuten wird keiner etwas für die Kolonie tun. So sollte die Kolonie auch nichts für fle tun"
Albrecht beschäftigt sich mit der Aussicht, die der Süden Kameruns unter der Wirtschaft der Batangafirmm hat:
„Die herrliche, fruchtbare Sanage-Ebene, die sich nördlich Jaunde eröffnet, liegt heute noch brach. Tausende von Hektaren warten darauf, mit Reis, Mais oder Erdnüssen bebaut zu werden..... Man gebe
den Südfirmen die von ihnen verlangte Bahn! Jedoch nicht eher, bis fie sich verpflichtet haben, als Entgelt dafür Pflanzungen anzulegen. Die Tage d e 8 Handels im Süden sind gezählt; und wenn es eines TageS ganz damit vorbei sein wird, so schließt man einfach die Bude zu, und die alten Ansiedelungen an der Südküste werden öde liegen, wie schon heute die schöne, große Faktorei in Klein-Batanga an der Njong-Mündung, wo der Handel nichts mehr brachte, — zerfallen und ein Tummelplatz für die Ratten! Und dann: gute Nacht, Südkamerun!"
Es scheint danach, daß die Regierung allen Anlaß hat, sich mit den Zuständen in Kamerun recht gründlich zu beschäftigen!
Deutsches Reich.
* Ein nettes Beispiel von sozialdemokratischem Terrorismus wird uns aus der Arbeiterstadt Linden bei Hannover, die bekanntlich bei der letzten Landtagswahl einen „Genoffen" kürte, mitgeteilt. Ein narionalliberaler Wahlmannskandidat, der Inhaber eines Lebensmittelgeschäftes und zugleich Besitzer eines Hauses ist, in dem sich noch zwei andere Geschäfte mit Arbeiierkuud- schaft befinden, sollte veranlaßt werden, seine Wahlmannskandidalur zurückzuziehen. Als die Boykottdrohungen seines eigenen Geschäftes den Rationalliberalen nicht bewegen konnten, von der Kandidatur zurückzutreten, bedachten die braven Genossen die andern beiden Geschäftsinhaber des Hauses mit rücksichtslosem Boykott, wenn sie ihren Hauswirt nicht zum Rücktritt bewegen würden. Als auch dieser Versuch scheiterte, wurde die Drohung ausgeführt. Der eine der beiden Mieter hatte in der Wahlwoche einen Gefamt- umsatz von drei ganzen Heringen, mußte leicht verderbliche Waren an anderen Orten zu Schleuderpreisen absetzen und schließlich sein Geschäft aufgeben. Die anderen zwei Geschäfte haben einen cntsprechenden Rückgang ihres Umsatzes erlitten.
* Karlsruhe, 28. Sept. 1908. Der Führer der badischen Liberalen Dr. Binz will sich vom politischen Leben zurückziehen. Er begründete seinen Entschluß in einem an den zweiten Vorsitzenden der nationalliberalen Partei, den Kulturkämpser und Großblockmann, Landgerichtsdirektor Obkircher, gerichteten Brief, damit, daß er nun ein Vierteljahrhundert lang im politischen Leben stehe und an der Schwelle des 60. Lebens- jahres angelangt sei. Der Brief ist in außerordentlich resigniertem Tone gehalten, und spricht die „Zuversicht* auS, daß sich der Liberalismus trotz alledem wieder erfolgreich in unserem Vaterlande behaupten wird. Dr. Binz ist gesund und rüstig. Wenn er sich zurückzieht in einem Alter, in dem andere Politiker noch ihre größte Tätigkeit entfalten, so müssen es schon ganz be
sondere Gründe fein. Die liberale ,Bad. Landeszeitung' weist auf einige dieser Gründe hin; sie klagt nämlich, daß ein Parteiführer nicht zuletzt aus den eigenen Reihen allen möglichen Vorwürfen ausgesetzt sei und spricht von den Nörglern im eigenen Lager" und den .verschiedenen Strömungen'. Es werden also außer dem Ruhebe- dürfnisfe noch sehr triftige Gründe auf den Entschluß des Dr. Binz eingewirkt haben. Dem Führer konnte es nicht verborgen bleiben, daß die Zersetzung und Zerbröckelung deS Liberalismus unaufhaltsam Fortschritte machte, und es ist leicht begreiflich, daß er einer jüngeren, radikaler (aber kaum glücklicher) eingreifenden Hand Gelegenheit geben will, zu retten, waS noch zu retten ist. Und dann die Strömungen I Die stärkste Strömung unter den Nationalliberalen geht nach links; sehr ausgesprochen nach links. Und der Führer der Massen nach links ist Dr. Obkircher, der mut- maßliche Nachfolger des Dr. Binz. Binz neigte mehr zur alten Schule, was er auch vor kurzem im Landtage dadurch bewiesen hat, daß er n einte, die Nationalliberalen würden bei den bevorstehen- den Landtagswahlen „aus eigener Kraft", also ohne Block und ohne Sozialdemokratie, über das Zentrum Meister. Man hat ihn auSgelacht; jetzt weicht er der Strömung nach lints. — Außer Binz ist noch ein anderer Liberaler „amtsmüde" geworden. Es ist dies der Oberamtsrichter Dr. Koch, der Vorsitzende des Landesverbandes der badischen Jungliberalen. Er hat, weil es ihm nicht gelang, den Anschluß der badischen jungliberalen Verein« in den ReichSverband herbei- zuführen, den Vorsitz niedergelegt. Auch der Vorsitzende deS nationalliberalen Vereins Karlsruhe, OberstaatSrat Rehmann, ist soeben zurück- getreten. Man hat den Eindruck, den Anfang vom Ende vom Zusammenbruch deS badischen Liberalismus zu schauen. Es scheint fast unauS- bleiblich, daß bei den kommenden Wahlen die Macht des Liberalismus, der noch vor zwei Jahrzehnten unumschränkt über Baden herrschte, vollkommen zerschlagen wird. Das Erbe übernimmt die mit ihr verbündete Sozialdemokratie.
Ausland.
* Lord Tweedmouth, der frühere erste Lord der Admiralität in England, hat, wie schon telegraphisch gemeldet, seine Entlassung ge- noinmen. Sein Name war in aller Munde, als vor etwa Jahresfrist Mitteilungen der /Times' über einen Briefwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und dem ersten Lord der britischen Admiralität allgemeine Sensation erregten. Man erinnert sich der aufgeregten Sprache der englischen Preffe und der lebhaften Diskussionen in den englischen Kammern, wo es der ganzen Autorität von Männern wie Gladstone und Rosebery bedurfte, um die erregten Gemüter zu beruhigen.
* Die Krankheit des Königs Karol. Trotz aller offiziösen Abschwächungsverfuche ist der König von Rumänien schwerkrank. Die Aerzte glauben, daß er an einer Neubildung, die in der Gegend des Magenpförtners sitzt, leide. Eine Operation würde, wie einige Aerzte meinen, in diesem Zustande noch Hilfe bringen, allein König Karol sei, da er über die Natur des Nebels nicht unterrichtet sei, nicht zu bestimmen, daß er sich einem Eingriff unterziehe.
Kleines Feuilleton.
— Die Frau in den beste» Jahren. Unter dieser Spitzmarke schreibt die von Adele Schreiber herausgegebene „Franenzeitung": Gewaltig haben sich die Ansichten darüber geändert, wann eine Frau in den besten Jahren sei. Seitdem man mehr und mehr im weiblichen Geschlecht nicht nur Jugendzeit und äußere Lieblichkeit schaßt, seitdem nicht n,ri r Unerfahrenheit und „holde Naivität" da« höchste Jrauenideal dar- stellen, hat die „Jugend" der Frau eine lange Ausdehnung erhalten, man erachtet die reife, lebenskluge, verständnisvolle Frau oft als an- ziehender denn das kindlich unbewußte Mädchen, die Frau, die in Berns und Arbeit chre Stellung zu erringen befähigt ist, wird nicht, zum ^atten Eisen geworfen, wenn sie bis in höhere ^gfjre unvermählt bleibt, auch die Mütter finden einen Wirkungskreis und ein Interessengebiet, das über Haus und Kinderstube hinausgeht. Dadurch bleibett aber auch unsere Frauen und Mädchen tatsächlich jünger: sie bedürfen nicht mehr eines krampfhaften Festhaltens am Schein, sie verbittern nicht mehr als frühzeitig in die Ecke gestellte „Alte Jungfern", sie verblühen nicht mehr als viel zu früh zu Matronen gestempelte Ehefrauen. Man wiro heute vielfach die überraschende Beobachtung machen können, daß namentlich in den Kreisen, wo die Frauen ein reges und auJgefiiP ; auch geistig anregendes Leben führen, viele Frauen einen jüngeren Eindruck mähen als gleichaltrige Mütter, mit 35, 40 Jahren »ehr Jugendlichkeit, Elastizität, Beweglichkeit, (rische besitzen als männliche Altersgenossen; san wird sehen können, daß vielfach selbst die shen, in denen der Mann jünger ist (und diese Ehen mehren sich an Zahl), nicht den Eindruck -iucs Mißverhältnisses Hervorrufen, sondern ein völlig harmonisches Bild ergeben. So hat denn auch die Frau selbst beute einen anderen Begriff
vom Worte „Jugend", eine andere Wertung ihrer Jahre. Interessant ist nach dieser Richtung eine Umfrage, die kürzlich ein schwedisches Frauenblatt veranstaltet hat: die meisten Befragten gaben nicht die Jahre der ersten Jugendblüte, sondern die der Reife, zwischen 30 und 40 als die besten an. Unter den Begründungen seien einige hervorgehoben: „Ich glaube, daß eine Frau ihre besten Jahre zwischen 30 und 40 hat, denn dann hat sie Erfahrungen, und diese machen sie warmherzig, verständnisvoll und teilnehmend." Oder „die schönste Zeit ist die, wo man noch das leichte Herz der Jugend hat, aber schon das volle Ser- ständnis für den Ernst des Lebens".
— Tie Gefährlichkeit der Uobertpistolen. Leider ist im Publikum der Glaube von der Un- gefährlichkeit der Flobertpistolen allgemein verbreitet, sie werden als ein harmloses Kinderspielzeug angesehen und sind als solches weit verbreitet. Wenn man jedoch die Tageszeitungen aufmerksam verfolgt, so ersieht man, daß kaum ein Monat vergeht, wo nicht von mehreren Verletzungen durch diese Waffe berichtet wird. Auch die Annalen der Krankenhäuser bestätigen diese Auffassung. Besonders in den letzten zehn Jahren, seitdem diese Waffen massenhaft zu billigem Preise auf den Markt gebracht wurden, haben auch die dadurch erzeugtenVerletzungen entsprechend zugenommen. Vor allem werden Kinder von diesen Verletzungen betroffen. Durch Schüsse in den Kopf sind öfters schwere Augenleiden oder gar Erblindungen hervorgerufen worden. Oft tour- den die Schüsse im Scherze abgegeben, oft absichtlich in der Meinung, daß sie Verletzungen nicht Hervorrufen können. Meist werden die Schüsse daher aus allernächster Nähe abgegeben, die vielfach losgehen, während sich die Hand des Schützen vor der Mündung der Pistole befindet, oder während irgendwie am Hahn manipuliert wird, sodaß bet Schütze unabsichtlich sich selbst oder andere verletzt. Erst nach und nach ist die Kenntnis von der Gefährlichkeit der Flobertwaffen allgemein zur Anerkennung gekommen. Prof. v. Bergmann
stellte sie bezüglich ihrer Durchschlagskraft den gewöhnlichen kleinkalibrigen Revolvern gleich, die Geschosse bleiben meist im Körper stecken, so ist auch die Gefahr der Wundinfektion besonders groß. Die Unglücksfälle sind umso häufiger, weif der Lauf der Waffen sehr kurz ift Die Patronen der Flobertwaffen sind für gewöhnlich metallene Hülsen, deren Boden mit der Zündmasse belegt und in deren Rand die Kugel eingefügt ist. Die Zündmasse besteht int wesentlichen aus Knall- quecksilber. -r.
— Biologische Eimcißunterscheldung. Aus dem unoeheueren Material, das auf der Versammlung deutscher Naturforscher tmd Aerzte in Köln verarbeitet wird, ist nur sehr weniges geeignet, in der Tagespresse mitgeteilt zu werden, da man durch kurze Auszüge der Gründlichkeit der Arbeit nur Abbruch tun würde. Praktischen Wert hatte ein Vortrag des Dr. Weid an z -Berlin über biologische Eiweißunterscheidung; diese Methode ist sehr geeignet, eine Waffe im Kampf gegen Nahrungsmittelverfälschung zu bieten. Es ist möglich, mit absoluter Sicherheit Menschen- und Tierblut zu unterscheiden. Mit dieser Methode ist es jetzt möglich, bei Wurst, Hackfleisch und Räucherwaren zu ermitteln, ob in ihnen Pferdefleisch vorhanden ist, oder nicht. Bisher war eine derartige Feststellung mittels anderer chemischen Methoden nicht möglich. Durch das Verfahren wird daher eine wesentliche Lücke in der Fleischbeschauung ausgefüllü Seit dem 1. April des Jahres ist sie in den nach den von llhlenbluth und Weidans im kaiserlichen Gesundheitsamt ausgearbeiteten Vorschriften für die Auslandsfleischbeschau gesetzlich vorgeschrieben. Eine weitere praktische Verwendung , hat diese Meih.de zur Unterscheidung der verschiedenen Milcharten. Auch bei Nährpräparaten ist diese Methode anwendbar; e$ genügen ganz kleine Mengen von Untersuchungsmaterial. Noch mit dem millionsten Teil eines Kubikzentimeters Blut kann die Reaktion in dem Serum herbei- geführt werden. Mit dieser Methode kann man
# Schulbauten auf dem Lande — eine Erwiderung.
Die nachstehenden Ausführungen gehen unS vom hiesigen Kgl. Landratsamle zu. Ihr Verfasser ist ein Architekt und Diplom-Ingenieur. Er wendet sich, wie der Leser sehen wird, gegen den von uns aus der Kathol. Schulzeitung übernommenen Artikel: Aus dem Kreise Fulda betr. Schulbauten (vergl. Nr. 212). Die Anfechtbarkeit dieses Artikels war für den Laien aus dem Wortlaut nicht so ohne weiteres erkennbar. Immer- hin ist es nicht schade, daß er geschrieben wurde, da er einem Fachmann Anlaß gegeben hat, vor weiteren Krersen seine Älnsichten über die Sache zu äußern. Wir wirken zu ihrer weiten Verbreitung gerne mit, da auch m diesem Blatte wiederholt der Wiederbelebung heimischer Bauweisen das Wort geredet wurde.
Man erlebt dock) wunderliche Dinge: Jahrelang haben die Besten unseres Volkes, die Wem- gen, die in der Verwirrung unserer Zeit sich ihre gesunden, klaren Augen bewahrt hatten, all ihre Lebensarbeit eingesetzt, durch Wort und Schrift im Vaterland wieder das ästhetische Gewissen zu wecken und die Irrwege zu zeigen, in die unsere Kunst und im besondern unsere Baukunst sich in den letzten Jahrzehnten verloren hatten.
Sie sagten dem Städter ehrlich vor die Stirn, daß es unwürdig und geschmacklos ist, wenn et als Frucht seiner mühsamen Arbeit sein Haus zu einem prunkvollen Palast aufzuputzen sucht, indem er die üppigste Renaissance-Architektur mit tausend Schmuckmoüvchen, alles fein in Stuck, darüber klebt.
Sie haben den Bauern gewarnt, als er schon anfing, sein schlichtes, ehrliches Haus nach dem verlogenem, schwindelhaften Stadthaus zu frisieren, gaben ihm sein Selbstbewußtsein zurück und seine Freude an der gesunden, heimatlichen Bauweise.
Wie Frühling ging es durch's Land, überall entfalten sich schon Blüten in schlichter, bescheidener Schönheit und leuchten im goldenen Morgen einer neuen Zeit, die den Mut hatte, das hm- chernde Unkraut mit kräftigem Fuß zu zertreten.
In Stadt und Land helfen die Gebildeten einander wacker im Kampf mit jener Unkultur, sehen mit Freude Zoll um Zoll die Gesundung in unser Leben und Schaffen Vordringen, und schon klingt in froher Begeisterung ihr Ruf: „Sieg auf der ganzen Linie!"
Ta ist's bitter, wenn plötzlich ein grelles Licht zeigt, wieviel Gerümpel noch in den Winkeln steckt, und wie fern das Ziel noch liegt.
ES hat uns kürzlich jemand — aus dem Kreise Fulda —, in der Kathol. Schulzeitung und in der Fuldaer Zeitung, seine persönlichen Wünsche und Ansichten über neue Schulbauten auf dem Lande mitgeteilt. Wie ein häßlicher Mißklang aus vergangener, totgeglaubter Zeit mutet der Bericht uns an. Einige wesentliche Punkte seien hervorgehoben: Der Verfasser hat sich zunächst verschworen auf den Typ der zweistöckigen Schule; eine Erörterung darüber ist hier überflüssig, denn das Bauprogramm, Lage und Umgebung des Bauplatzes können je nach den Verhältnissen mit gleichem Recht eine ein- oder zweigeschossige Anlage fordern. Schlimmer ist, daß wir mit billenartigen Schulbauten beglückt werden sollen; bewahre uns ein gütiger Himmel davor! Die deutsche Villa mit unzähligen Türmchen, Erkern und sinnlosen Verzierungen ist di« grausamste Gabe, die uns die vergangenen Jahrzehnte beschert haben. Nun gar noch villenartig« Schulen l
Es ist bei solchen Anschauungen nicht zu verwundern, daß eine schlichte, natürliche Erscheinung in der Baukunst unfern Kritikus geradezu beleidigt. So erinnern ihn schöne kräftige Dächer, die dem Haufe erst das rechte Gesicht geben, ohne weiteres an „echte Feldscheunen" I Lustig ist's aber doch, daß der Bericht als Beispiel von
in Mücken, Wanzen, Flöhen und Fliegen die Herkunft des von diesen Tieren gesogenen Blutes nachweisen. Das hat z. B. eine große Bedeutung für die Feststellung der Blutlieferanten der glos- sina palpalis, welche die Schlafkrankheit überträgt. Eine weitere Blutunterscheidungs-Me- thode von Reißer ist zivar ebenfalls fehr genau, aber für die gerichtlickM Praxis wenig brauchbar, ioeil sie sehr umständlich ist.
— Ei» Schrrz Mark Twains. Von Mark Twain erzählt man sich einen recht drolligen Scherz, den der amerikanische Humorist sich aus Kosten des Dr. Doane, des anglikanischen Bischoss von Albanh, erlaubte. „Dr. Doane", sagte Mark Twain, „ich habe mich über Ihre heutige Predigt wie über einen alten Freund gefreut. Zu Hause habe ich ein Buch, in dem jedes Wort daraus zu lesen ist." „Ganz unmöglich", rief Dr. Doane. „Und doch ist es wahr", entgegnete der Humorist. „Dann schicken Sie mir das Buch zu und ich will es glauben", grollte der Prediger. Am nächsten Tage sandte Mark Twain dem Bischof ein Wörterbuch der englischen Sprache.
— Wic man zählt. Der Mensch hat an Händen und Füßen zählen gelernt und deshalb liegen drei Zahlen, 5, 10 und 20, den meisten Zahlensystemen zu Grunde. Zählt man bis zu 5 und fängt dann von neuem an, so hat man das sogenannte Opinärsystem, das auch wir noch an- weuden, wenn wir römische Zahlenzeichen gebrau- chen I bis V und bann wieder VI bis X. Unser Zahlsystem ist das Dezimalsystem, ihm liegt das Rechnen mit beiden Händen zu Grunde. Es isi das verbreitetste, immerhin ist auch das Vigesi- male, dem die 20 zu Grund liegt, häufig, hat sich in vielen Sprachen erhallen und so auch im Französischen, das dieses System von den Kelten erhalten hat. Tie Franzosen sprechen zwar dezi- mal, trotzdem gebrauchen sie die Ausdrücke soixante-dix 60+10, qaalre-vingt viermal zwanzig und quatre-vingt-dix viermal zwanzig und zehn. Ebenso sagt der Däne statt 50 dritthalbmal zwanzig und statt 60 dreimalzwanzig.