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M 225.
Fulda, Mittwoch den 30. September 1908.
35. Jahrgang.
Erstes Matt
der Wahlrechtsfrage gebilligt. Es war das Re
is Gegen die Biersteuer hat der kürzlich in
Kyrniir, öer Koscrst
19]
Für den Fall der Annahme der Steuer soll nach diesem Beschlüsse eine außerordcniiiche Generalversammlung nach Hamburg einberufen werden, in der darüber beschloffen werden soll, wie man die Steuer auf die Abnehmer abwälzen könne. Die Herren sind offenbar überzeugt, daß sie gegenüber der Steuer nichts mehr werden machen können.
der Förderung des KriegerveretnSwefens. Den Anschluß der Kriegervereine an den Deutschen Kriegerbund anlangend, so hat derselbe, rote auch der Beitritt von Offizieren zu den Vereinen, in fast allen Korpsbezirken erheblich zugenommen und wird der günstige Einfluß, welchen einerseits diese Unterstellung der Vereine unter eine geeignete Kontrollstelle, an-
Nachlaß bei Eltern und Eheleuten. Heule sand eine geschloffene Delegiertenversammlung in Cochem statt.
J? Die attsgequetschte Zitrone.
Der Herr Neichsschatzsekretär hat in seinem bekannten Artikel zur Reichsfinanzreform davon gesprochen, daß doch keine Partei, die schließlich — unter Zurückstellung alter Programmpunkte und nicht ohire Widerspruch ihrer Wähler — zum Zustandekommen der „Reform" mitgewirkt haben wird, sich nachher wird wegwerfen lassen wollen „wie eine ausgequetschte Zitrone." Und dann ist Herr Sydow so entzückend naiv, hinzuzufügen, diese Besorgnis (als ausgequetschte Zitrone weggeworfen zu werden) brauche aber niemand zu hegen. Denn Hilfe in schweren Zeiten habe noch immer zu Dank Verpflichteti
Dankbarkeit ist eine schätzenswerte Tugend, aber man sucht sie nicht in der politischen Welt und man darf sich dort auch nicht auf sie verlassen, denn nicht um Dank zu ernten, soll eine Partei im politischen Leben mitarbeiten, sondern lediglich um das Wohl des Vaterlandes zu fördern.
Dankbarkeit? Ach, wenn eine Partei, die wie das Zentrum sich um das Vaterland reichlich verdient gemacht hat, noch wenigstens mit Höflichkeit behandelt worden wäre. In dem berühmten Silvesterbrief kam noch das Bewußtsein zum Ausdruck, daß Fürst Bülow dem Zentrum für die langjährige Unterstützung seiner Politik eigentlich Dank schuldig sei. Aber im Januar, dem Wahl- monat, machten ihm seine liberalen Freunde klar, daß er sich rückhaltlos und rücksichtslos Dom Zen- tum lossagcn und dem Antizentrumsblock verschreiben müsse. Das tat er mit der ihm eigenen Gewandtheit und darauf wußte General Keim I mit Hilfe des furor protestanticus eine knappe I Mehrheit zustande zu bringen. Die „Zitrone" wurde beiseite geworfen. Das Gleichnis paßt gut; nur ist zu bemerken, daß die Zitrone sich noch keineswegs ausgequetscht vorkommt.
R. Darmstadt, 29. Sept. 1908. Der Wormser Parteitag der Freisinnigen Hessens hat die Stellungnahme der Landtagsfraktion in
fultat vorauszufehen, nachdem die parlamentarischen Führer im Interesse der Sicherung ihrer Mandate und in der Hoffnung der Erweiterung ihres Besitzstandes ihr Schicksal mit dem der Sozialdemokraten verkettet haben. Natürlich fehlte es in der Wormser Versammlung nicht an dem albernen Vorwurf des „Volksverrats", den angeblich die übrigen bürgerlichen Parteien dem-
□ Gegen die Cholera hat die preußische Regierung nunmehr neue Maßnahmen eingeleitet. Nach amtlicher Mitteilung fand am letzten Montag im preußischen Kultusministerium eine Be- ratung statt, in welcher Uebereinstimmung dar- über lwstand, daß die Cholera in Rußland in letzter Zeit trotz ihrer räumlichen Ausbreitung zu einem verhältnismäßigen Stillstand gekommen zu sein und auch in Petersburg den Höhepunkt
Von Marcel Etienne.
(Nachdruck verboten.)
I von oben, Politik in die Vereine hineingetragen werden. So bedauerlich sei er, daß ein Teil der Vereine sich genötigt gesehen habe, aus dem Bunde auSzulreten, so müffe man diesen Vereinen doch durchaus recht geben. Eine Rückkehr könne nur dann erfolgen, wenn den Vereinen die Erklärung gegeben würde, daß man unrecht gehandelt habe. Eindringlich wieS der Redner schließlich die Bewohner von Stadt und Land darauf hin, daß in ihre Hand die Ausführung des Schulgesetzes gelegt sei, daß alle für die | Erhaltung der christlichen Volksschule tätig sein können, indem sie sorgen, daß nur Männer ihrer Ueberzeugung bei Gemeinde- und Kreistagswahlen die Stimmen erhalten. Diese Notwendigkeit ergebe sich auS den mancherlei Anzeichen dafür, daß versucht werde, dem Volksschulunierhaltungsgesetze eine Auslegung zu geben, wie sie den Liberalen paffe. Abgeordneier Bell beschäftigte sich mit der Äeußerung des Generals von Siebert, die Schlacht bei Sedan bedeute den Sieg des Protestantismus über den Ultramontanismus. Er protestiere gegen diese unerhörte Beschimpfung, die der General Siebert 20 Millionen Katholiken zugefüzt habe. Diese verwahrten sich dagegen, wenn Leute wie Siebert, Eulenburg und Keim von einem prote-
ve«tsche§ Reich.
* Keine Veredelung der Matrikularbeitrnge' Beim Beginn der Vorarbeiten für die Reichs- finanzresorm war vielfach die Rede von dem Plane, die Matrikularbeiträge zu „veredeln", d. h. sie nicht mehr oder nicht ausschließlich nach der Kopfzahl, sondern auch nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der einzelnen Staaten zu bemessen. Wie nunmehr glaubwürdig versichert wird, ist der Plan bei mehreren Bundesregierungen auf Widerstand gestoßen und dann nicht werter verfolgt worden.
I * Erhöhung der Vermögenssteuer in Preußen. | Möglichst unauffällig werden jetzt auch die Besitzer der großen Vermögen in Preußen darauf vorbereitet, daß beiderbevorstehendenBeamtengehaltserhöhung auch die Vermögenssteuer herangezogen werde. Offenbar aber befürchtet man Widerstand, und daher, wird jetzt gesagt, es sei noch „zweifelhaft", ob diese Erhöhung der Vermögenssteuer „eine dauernde" sein werde; vielleicht werde die Erhöhung der Erträge der Betriebsverwaltungen i es eines Tages ermöglichen, diese Steuer wieder fallen zu lassen. — Wir glauben das nicht, haben aber nichts dagegen, wenn die glücklichen Besitzer der großen Vermögt» sich damit über die Steuer- erhöhung Hinwegtrösten.
danken, daß Tu ihm die Mutter gerettet hastl Und später wird er es nie vergessen, das schwöre ich Dir! Da hast Du ihn. komm Dymitr, umarme mein Kind!"
Bei diesen Worten zitterte der Kosak am ganzen Körper; doch trat er sogleich näher, beugte sein Knie, streckte seine von der Steppenlust gebräunten Arme ans und nahm das lächelnde Kind. Dann -rückte er ihm einen langen Kuß auf die Stirne, einen kürzeren, flüchtigen auf die rosige Kinderwange. Seufzend gab er das Kind zur Mutter zurück und blickte die junge Frau mit einem traurigen beredten Blick an, in dem eine heimliche Träne glänzte.
„Nmr, Dymitr, was bedeutet das?" fragte sie gleichfalls bewegt. „Was ist es für ein Kummer' der Dich drückt? Vielleicht könnte Dir der Herr Starost helfen . . ."
„© nein, Herrin! Beunruhigt Euch nicht um meinetwillen! — Ich bin traurig, weil ich einsam bin!"
„Wie, hast Du keine Eltern, keine Brüder und Schwestern, die Dich lieb haben?"
„Nein, Herrin, ich bin Waise! — Man fand mich -• tote man mir sagte — als kleines hüls- loses Kind in der Steppe!" 0 T
»Oh dann verstehe ich, armer Twmitr!
sehe wohl,daß Du Dich einsam fühlst, — mein Dymitr, dagegen gibt es ein Mittel: Du sollst Dich verheiraten!" 11
Auf diese wohlwollenden Worte der Starostin antwortete der junge Mann nicht; er wandte nur langsam den Kopf weg, während Martha die ein immer wachsenderes Interesse an dieser Konver- sation zu nehmen schien, näher trat und mit leuchtenden Augen und sichtbarer Rührung jedem Worte zuhörte, das von den Lippen ihrer Herrin fiel.
„Darf ich mich nun entfernen?" sagte Dymitr nach einem Augenblick des Stillschweigens, „gabt Ihr keine Befehle für mich, Herrin? Seine Gna- den, der.Herr Starost, hat mir Botschaften für die Nachbarschaft mitgegeben!"
zurechnen, dann werde mit einer Energie, Wucht, Kraft und Umsicht in den Kampf getreten wie nie zuvor. Den gegnerischen Herrschaften wolle man zeigen, wie weit sie bei der Wahl mit dem Block (amen. Zweifellos fei das Ze; tvmn auch mehr als sonst den Angriffen ausgesetzt. In Erscheinung träte die deutsche Vereinigung, d^e sich höchst einflußreicher Protektion erfreue. Ge- rade in den, dem Zentrum bisher sicheren Wahlkreisen wolle diese Organisation den Kampf vor- suchen. Der Abgeordnete Marx besprach die Notwendigkeit des Zentrums und'kam auch aus die Kriegervereinsbewegung zu fpredjen.
stantischen Kaiserreiche sprächen. Diese Leute । k fz- “ . ■. ■ । feien nicht berujen, über Vaterlandsliebe Auf-
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gehoben. DaS Kriegsministerinm ersucht daher ganz Professors v. Savlgny, rn dem dreser sagte, es ergebens!, den Beitritt von Offizieren des Beurlaubten-! sei die schwerste Gefährdung des konfessionellen irandes usw. sowie besonders deren tätige Beteiligung Friedens durch den Bestand der Zenlrumspartei an dem Berem-leben nach rote vor fördern zu wollen, I
es läßt sich erwarten, daß die Offiziere, je bekannter I J0,*® gegeben, b.Hand,lte der Redner aus- und vertrauter sie mit den übrigen BereinSmitgliedern suhrltch. Er muffe Professor v. Savlgny d'.e werden, um so leichter in die BereinSvorstände kommen I Berechtigung abspcechen,dieTätigkeit der Zentrums- eÄ. ”-a8a "flentlich dazu betragen würde, das Partei zu kritisieren. Frhr. v. W o l f f - M e 11 e r- Krtegerveretnswesen tn richtige Bahnen zu lenken bezw. °
! in solchen zu erhalten. I^ich machte ein paar kurze Äussuyrungen zum
Schon die Geheimhaltung dieser Verfügung Weingesetzentwurf. Er erklärte, für die am besagt genug. Selbstverständlich existiert gar keine 12. Juli in Trier einstimmig gefaßten Beschlüsse „Verpflichtung" der Offiziere des Beurlaubtenstandes I eintreten zu wollen. Für eine Weinsteuer fei er zur Beteiligung an der Förderung des Krieger- ebensowenig zu haben wie für die Steuer aus veremsroesens. Jeder amtliche Zwang in dieser • —■ — - - - -
| Hinsicht ist ungesetzlich. Zweifellos wird die Mili- ! tärverwaltung sich vor dem Reichstage wegen dieses sonderbaren Eingriffs in die staatsbürgerlichen Rechte der Reserveoffiziere zu verantworten haben.
* Bernkastel, 28. Sept. Hier sand gestern der Zentrumsparteitag für die Regierungsbezirke Koblenz und Trier statt. Der Abgeordnete Trimborn, der die Verhandlungen leitete, gab der Meinung Ausdruck, daß eine unerwartete Auflösung des Reichstags unwahrscheinlich sei, da der gegenwärlige Reichstag gewissen Leuten viel zu gut gefalle. Dennoch müsse man jederzeit gerüstet fein, denn die Wahlen im Jahre 1911 würden eine kolossale Bedeutung haben. Dann sei der Moment gekommen, mit dem Block ob«
„Nein, mein guter Dymitr, — ich habe keine Befehle für Dich, nur Dir meinen Dank und meinen Segen zu wiederholen. Und außerdem wollte ich Dir noch sagen, daß solche Treue und Anhänglichkeit unvergeßlich sind! Ich werde immer daran denken, hörst Du, immer! Ich verspreche es Dir!"
„Wie gütig Ihr seid, Heroin!" antwortete leise Dymitr, indem er sich bis zur Erde verneigte, um den Saum des Samtgewandes, unter dem der schmale Fuß der Starostin sichtbar wurde, an seine Lippen zu drücken.
Dann wandte er sich um, hob die Portiere und verließ das Gemach, während Marynia mit dem Kinde spielte, das mit fröhlichem Kreischen seine dicken Händchen ausstreckte, um die Medaille zu erreichen, die an einer goldenen Kette vom Halse seiner Mutter herabhing. Martha aber hatte sich, bleich und schweigsam, zum Fenster zurückgezogen, preßte nachdenklich die Stirne an die kalten Scheiben und sah mit träumerischen, traurigen Blicken über die beschneiten Felder hin!
Ihre selige Heiterkeit war mit einem Male verschwunden.-------
8. Kapitel.
Drei Ehrenmänner,
Fast zur gleichen Zeit saß in seinem Arbeitszimmer im entferntesten und Verwahrlosesten Flü- gel des Schlosses der Verwalter Skandyba zugleich intimer Berater, Geschäftsträger und rechte Hand des Starosten, an feinem Schreibtisch vor einem Stoß Papiere; zu seiner Rechten stand eine Flasche Branntwein, ein Becher und ein
nut <abtt!E; zu seiner Linken lagen eine derbe Jagdpeitsche und ein paar Pistolen.
Ter Herr Verwalter mußte seinem vierzigsten ^ahr ziemlich nahe sein. Nichts in seinem Aeußern war dazu angetan, Sympathie oder Respekt einzu- iioßen. vsnt Gegenteil: Mutter Natur hatte ihn lehr snefmütterlich behandelt, indem sie alle Züge seines Wesens mit unverkennbarer Deutlichkeit
l opfermutige Mitarbeit; es verdankte die Erfolge I aber keineswegs der Dankbarkeit. Es war eben I nicht möglich, die „Zitrone" toegzuwerfen.
Unbekümmert, darum ob es Dankbarkeit findet oder nicht, wird das Zentrum auch jetzt nach seiner „Ausschaltung" wacker und arbeitsam auf dem Posten bleiben, auf den eS von seinen nicht ausschaltbaren Wählern berufen ist. Es wird auch bei der Finanzreform seine Pflicht tun. Aber es wird sich nicht vor- und aufdrän- gen, sich nicht „ausquetschen" lassen. Zwischen einer gewissenhaften Mitarbeit und einer Auf-
l opferung gibt es einen großen Avischenraum.
Was hätten wir zu erwarten, wenn unsere Partei so gutmütig wäre, bei diesem Anlaß sich „ausouetschen" zu lassen? Bei den nächsten Reichstagstoahlen gäbe es doch einen allgemeinen Ansturm gegen das Zentrum, und die „Dankbarkeit" würde uns durchaus nicht davor schützen, daß von ben Blockleuten und von der Regierung I die Mißstimmung über die Steuererhöhungen I gegen das Zentrum ausgenutzt würden.
Mögen andere Parteien sich „ausquetschen" I lassen, sie haben nicht zu befürchten, in die Ecke geworfen und förmlich und feierlich ausgeschaltet zu werden.
nächst bei, der Wahlrechtsreform begehen wollen. Genau wie seit Wochen in völliger Verdrehung der Wahrheit die sozialdemokratische Presse und die mit ihr verbündete „Franks. Ztg." ihren Lesern erzählen, wurde auch in Worms die univahre Behauptung anfaestellt, mit den Glässing'schen Vermittelungsvol schlägen werde das Budgetrecht der Zweiten Kammer beeinträchtigt oder gar auf- gehoben. Man muß wirklich die Dreistigkeit bewundern, mit der mgn unausgesetzt mit solch' unwahren Behauptungen zu operieren sucht. Pfarrer Korell, der in Hessen anscheinend die Rolle seines Kollegen Naumann spielen will, erging sich in temperamentvollen Klagen über das
Di- Dinge bfirlten nicht so weit,-gehen wie Ins, m a°'s « °k,tS'-ft!“!t-!
l).r. W d-rse -nie- keinen IInModen, »uch nicht । Wfe L- ewU ta St*
in fein Gesicht geschrieben hatte: alle die Spu- reu der Leidenschaften und Laster, denen er sich in wilder Zügellosigkeit hingegeben hatte. Da gnb es keine Täuschung alles war zu klar und offenkundig! Skandyba hatte die höckerige Nase unid die zusammeugezogenen Augenbrauen des Hochmütigen, die mageren, kralligen Finger des Geizigen, die breiten, sinnlichen Lippen des Wüst- llngs, die ausweichenden, spähenden Augen des Verräters, den gekrümmten Rücken des Höflings das zweideutige und heuchlerische Lächeln bes Lugners! Fügt man zu diesem nicht sehr schmei- ^lhaften aber getreuen Abbild eine vom allzu- relchlichen Whiskigenuß kupferige, mit Finnen und Pickeln bedeckte Haut und einen beinahe voll- kommen kahlen Schädel, so hat man eine genaue Vorstellung von dem Aussehen und Wesen des Herrn skandyba, Herrn Koszowackis getreuem Verwalter.
rr ernannte in ihm ohne allzuviel Scharf- r rein. • bald den Spitzbuben, der nicht im Lande lelvit in einem der armen Dörfer der Ukraine ge- ooren worden war. Alles an ihm verriet die fremde Herkunft, er hatte etwas vom Germanen, £ » .pikste sich statt der derben Offenherzigkeit des letztem nur die hinterlistige Schlauheit des Orientalen in seinem Gesichte aus.
Er war auch tatsächlich eine Art Mestize. Weit von der Ukraine, tn einer kleinen, baltischen Stadt zur Welt gekommen, aus einer kleinen Haiidels- fainilie stammend, der letzte Sohn von unehrenhaften Eltern, denen ihre Familie viel zu zahlreich schien und toeldje sie deshalb mehr mit Prügeln als mit Brot fütterten, hatte er sich von der Wiege an elend gefühlt, war er vor der Zeit alt und verbittert geworden. Er hatte keine Jugend gehabt. All die mit ingrimmigem Schweigen ge- Rildeten Demütigungen, die erlittenen Qualen die unterdrückten hoffnungslosen Wünsche hatten schon in dem Jüngling einen bösen, ungesunden Mtoff erzeugt, der sich im reifenden Mann in bitterste Galle verwandelte.
Dymitr begann zu zittern und erhob zum erstenmal, seit er die Schwelle überschritten hatte, die Augen zu seiner jungen Herrin. Eine lebhafte Röte flog über sein Gesicht und bedeckte noch die weiße Stirne, seine Lippen bebten leise. Er schien das junge Weib, das lächelnd und ruhig vor ihm saß, für eine Sekunde lang mit seinem Blick zu umhüllen, in welchem eine Flamme loderte. Dann senkte er von neuem das Haupt, kreuzte die Arme über der Brust und sagte:
„Ich habe um nichts zu bitten, Herrin! Ich habe nur meine Pflicht getan und erfüllte Pflicht verdient keine Belohming! Ta ich meinen Mantel und meine Kappe hinwarf, damit sie dieselben Kreißen, war e§ mir so leicht, mich zu retten.
wäre doch feige und strafbar gewesen, hätte ich nsich in der Stunde der Gefahr nicht gerührt!" „Wie Dymitr? Du willst keine Belohnung?" .. "Herrin, Ihr habt , mir schon eine gegeben, die schönste, die >chr nur gewähren konntet! Ich durfte Eure Hande küssen, - und Ihr habt mich stolz und zufrieden mit dieser Gunst gemacht!"
Bei dieser Antwort, die sie von einem der Herren des Hofes, nicht aber bon einem einfachen Diener, einem leibeigenen Kosaken erwartet hätte .errötete Marynia und streckte ihm von neuem die Hand entgegen. Dann jedoch schien !'c«^erregen, zog ihre Hand zurück und hielt statt dieser das schöne Kind, das auf iijren nntcen spielte, dem jungen Mann entgegen, indem sie ihn mit ihrem reizenden Lächeln aütia anb lickte. '
,Nun wohl, Dymitr, wenn es so ist", sagte sie, „wenn solche Gunst Dich stolz und glücklich macht, so komme und umarme meinen Sohn Mas. Auch er wird Dir nach feiner Art dafür
Herr Sydow erinnert an das Zustandekommen des Zolltarifaesetzes von 1879, als ob damals die Regierung sich besonders dankbar erwiesen habe und sagt: „die Erfahrungen, die sich an das Zustandekommen dieses Gesetzes knüpfen, sprechen Bände.", Diesem Satz können wir nur zuftiminen. Fürst Bismarck, der bis dahin auf die Hilfe der Liberalen angewiesen gewesen war, machte im Jahre 1879 die Zoll- und Steuerreform m 11 beut Zen 1 rum. Er war nämlich so klug gewesen, sich niemals mit einer bestimmten Partei oder Parteigruppe solidarifch zu machen, soliden sich stets die Freiheit zu wahren, die Unterstützung zu nehmen, wo sie zu finden wäre. Für das Zentrum war die Mitarbeit an diesem Werk schwierig und riskant. Man hatte dem Abg. Wiiidthorst prophezeit, er werde der Geleimte _ .. ., —,------ — —o..„, ...
fein, worauf er mit dem bekannten Satze anttoor- Osnabrück abgehaltene Berbandstag deutscher tete: Wer mich düpieren will, muß früh auf- Bier Händler eine einstimmige Resolution gefaßt, stehen! Aber aus die Dankbarkeit des Für-1 <*J*“ ~ ~ - -• -
sten Bismarck hatte er dabei nicht gerechnet. Er war auch keineswegs entsetzt, als Fürst Bismarck schon bald nachher einen förmlichen Kriegsruf erließ gegen das Zentrum dessen „Unüberwindlich- keif" ein Block aller anderen Parteien durchbrechen sollte. Tas ganze folgende Jahrzehnt war angefüllt von Bemühungen des Fürsten Bismarck, das Zentrum ziirückzudrängen von der einsliiß- reichen Stellung, die es sich von 1879 ab errungen hatte. Doch die Logik der Tatsachen, auf die sich bet kluge Windthorst verlassen Haffe, erwies sich stärker als die größte Kunstfertigkeit. Auch die vorübergehende Karfellmehrheit, die aus den Angstwahlen von 1887 hervorging, vermochte keine dauernde Aenderung in der natürlichen Entwicklung herbeizuführen. Tas Zentrum erntete nach und nach einen schätzbaren Lohn für seine
| überschritten zu haben scheint. Gleichwohl wurde I zu größerer Sicherheit gegen eine Einschleppung I der Seuche nach Deutschland beschlossen, daß an I denjenigen Stellen, wo die Memel, Weichsel und Warthe aus Rußland nach Preußen übertritt, die gesundheitliche Uebertoachung des SchiffahrtS- und Flößereiverkehrs eingeführt; daß das Zugpersonal auf den aus Rußland kom- menden Bahnzügen zur Beobachtung des Gesundheitszustandes der Reisenden angehalten; daß für die auS Rußland in deutsche Orte zureisenden Personen die Verpflichtung eingeführt wird, sich
| innerhalb 24 Stunden polizeilich anzumelden.
* Reserveoffiziere und ttcieqervereine. Wir erwähnten kürzlich ein an die Offiziere und Sanitätsoffiziere der Reserve gerichtetes Zirkular, in dem die Herren in dienstlicher Form zum Beitritt in die Kriegervereine angeregt wurden. Wie es sich jetzt herausstellt, geht dieser rnoralische Druck von dem Kriegsministerium selbst a«8. Das ,Berl. Tagebl/ veröffentlicht zwei geheime Verfügungen eines Bezirkskommandos, deren eine wie folgt lautet: I
Auszug au? der Verfügung des Kriegsministeriums I vom 13. Januar 1892 — Nr. 67/12. 91. C. 3. II. Ang. — Geheim. Betrifft: Verpflichtung der Offiziere! des Veurlaubtenstandes usw. zur Beteiligung an I