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M 223.

Fulda, Montag den 28. September 1908.

35. Jahrgang.

Deutsches Kelch.

Ein merkwürdiger Gerichtsbeschluß, der von dem Amtsgerichtsrat Laue in Leobschütz herrührte, ging anfangs Juli durch die Preffe. Der Gerichtsbeschluß lehnte die Eintragung einer Gesellschaft zur Gründung eines Zentrumsblattes ab und griff dabei die Zentrumspartei mit Worten an, die die Herren Graf Hoensbroech und v. Siebert nicht hätten übertrumpfen können. Die Einwohner des Kreises Leobschütz stehen aber ganz überwiegend auf dem Standpunkte der Zentrumspartei. Amtsgerichtsrat Laue hatte eine größere' Anzahl von Geistlichen des Kreises, darunter gerade die angesehensten Geistlichen, „als Christ" hingewiesen auf die Bibelstelle: „Gebet dem Kaiser" usw. und auf ähnliche Bibelstellen. Er hatte darin in bezug auf die Bevölkerung des Kreises Leobschütz gesagt, „ihr gehe die Urteilskraft ab, zu prüfen, was an Zei­tungsartikeln wahr ist". Bei aller Hochachtung vor der richterlichen Unabhängigkeit mußte man hierin offenbar Entgleisungen erblicken, die die Justizverwaltung nicht ungeahndet lasten konnte. Die letzte Nummer des ,Justiz-Ministerial-Blattes' hat nun die Nachricht gebracht, daß Amts­gerichtsrat Laue die nachgesuchte Dienst­entlassung mit Pension erteilt worden sei. Sein politischer Beschluß scheint also auch sein richterliches Testament gewesen zu sein. Herr Laue scheint mit manchen Eigentümlichkeiten be- haftet gewesen zu fein. Gerade im Anschluß an seinen Beschluß sind manche solcher Sachen zur Sprache gekommen. So hat z. B. die .Ober­schlesische Volkszeitung' über ihn eine Mitteilung gebracht, sür deren Richtigkeit wir natürlich ihr die Verantwortung überlasten müssen. Danach hat Herr Amtsgerichtsrat Saue, als während der Hamburger Choleraepidemie bei dem königlichen Amtsgerichte zu Leobschütz eine Depesche aus Hamburg eintraf, die Anordnung erlassen, daß diese sorgfältig desinfiziert werde.

* Das Interesse für die Reichsfinanzreform durch öffentliche Vorträge zu wecken, dieser geniale Plan besteht bei dem Staatssekretär Sydow nicht. Offiziös wird mitgeteilt, daß das Reichsschatzamt an derartigen Projekten, vorausgesetzt, daß sie überhaupt bestehen, voll­kommen unbeteiligt ist.

* Die geplante Weinsteuer hat der »Deutschen Leinztg.' zufolge eine Grundgebühr von 10 Psg. für jede Flasche. Dazu kommt eine Wertzu- fchlagssteuer mit progressiven Sätzen nach einer bestimmten Wert grenze. Alkoholfreie Getränke sind steuerfrei.

* Der Kampf im Flottenverein. Die Vor- standschaft des bayerischen Landesverbandes des Deutschen Flottenvereins erläßt eine Erklärung, in der bestritten wird, daß in der Münchener Delegiertenoersammlung der Danziger Friede ge­brochen und dort erklärt worden sei, die Danzi­ger Resolution existiere sür den bayerischen Landesverband nicht. Es sei auch nicht richtig, daß Freiherr von Würtzburg geäußert habe, es wüste jetzt dem bayerischen System Geltung ver­schafft oetben. Man habe sich vielmehr bestrebt, dem bayerischen Landesverband, den möglichst einmütigen Beitritt zur Dan iger Resolution zu ermöglichen.

* Ein eigenartiges Zeugniszwangsverfahren ist gegen den Redakteur Brecour von der Kieler sozialdemokratischen .Schleswig-Holfteini- *

$)pmitr, 6er Kosak.

Von Marcel Etienne.

17J (Nachdruck verboten.)

Vyychowski, welcher sich durch diese vertrau­liche Mitteilung wirklich erleichtert und etwas ruhiger zu fühlen schien, antwortete auf die gut­gemeinten Worte Treciaks nur mit einem weh­mütigen Lächeln und einem vielsagenden Schüt­teln des Kopfes. Dann, die Schritte seiner üb­rigen Gäste im Korridor hörend, stand er auf und ging zur Türe, von der er ohne Geräusch den Schlüssel zurückzog.

7. Kapitel.

So nah und doch so unerreichbarl

Wo sind sie jetzt die alten Schlösser der Ukrai­ne? lieber diese blutgetränkte Erde, die von so {ahlloseii Kämpfen zerfleischt wurde, schritt erst ie Furie des Krieges mit ihrem Gefolge von Feuer und Cleud, und dann die Vergessenheit! Die Gloriole, der Ruhm der heroischen Zeiten pich nur mehr eine Erinnerung, ein ferner Traum! Alu den Ufern des Dnjcpr sind an Stelle der kleinen beweglichen Kofakenzelte und der früheren fürstlichen Wohnsitze armselige, elende Hütten getreten! — Die freie Steppe hat treu i>ie Gräber vergangener Zeit gehütet. Das ist alles, was. oen Söhnen als Erbe ihrer stolzen Väter geblieben ist; sie allein sprechen von jenen goldenen Tagen, da die stolzen Männer der llframe in Ruhm und Freiheit lebten, kämpften und starben.

Jenseits des Torfes von Koszowata erhob sich poch zu Ende der Negierung der Königin Katha- riua das alte Schloß Heimanns in gut erhaltenem Zustande. Wohl senkte sich hier und dort ein Pfeiler in die Erde, bröckelte zuweilen ein großer Granit los, der bann schiver am Boden lag und sich nach und nach mit Gras überzog. Die zin- tzengekrönten Mauern jedoch ragten noch stolz

schm Volksztg.' ein geleitet worden. Im Dezember vorigen Jahres würde Brecour wegen Beleidi- : gung des Bürgermeisters MuuS aus lietetfen i vom Kieler Schöffengericht zu zwei Monaten . Gefängnis verurteilt. Die Berufung hatte : den Erfolg, daß die Strafkammer das Straf- i maß auf einen Monat herabsetzte. Brecour hat ! seine Strafe abgebüßt. Nunmehr, neun Monate i nach der ersten Verhandlung, wurde Brecour , vor dm Untersuchungsrichter zitiert und auf» : gefordert, den Verfasser der der hier in Frage : kommenden Zeitungsnotiz zu nennen. Als dies : abgelehnt wurde, verhängte der Untersuchungs- , richter über dm Redakteur eine Geldstrafe von , 25 Mark. Gleichzeitig wurde die Anwendung

der ZwangShaft in Aussicht gestellt. Wir : haben hier also den eigenartigen Fall, daß je- : mand wegen ein und derselben Tat zweimal in : Strafe genommen wird, das erste Mal als An- । geklagter und das zweit Mal,, nachdem schon längst Verjährung eingetreten ist, als Zeuge, weil er die Aussage verweigert, — Es erscheint sehr zweifelhaft, ob das beliebte Verfahren zu­lässig ist. Eine Strafverfolgung des vermuteten Verfassers ist ausgeschloffen, weil das Preß­vergehen in sechs Monaten, als Antragsdelikt sogar in drei Monaten verjährt war. Wenn keine Strafverfolgung mehr möglich ist, gibt es auch kein Recht zu einer Zeugenvernehmung.

)( Eine militärische Eifenbahnkonferenz tritt in den ersten Oktobertagen in Rotenburg an der Tauber zusammen. 120 höhere Offiziere aller Landesteile werden dort mit höhenn Eisen­bahnbeamten über die militärischen Interessen am Eisenbahnwesen beraten.

* Reserveoffiziere und Kriegervereine. Nach dem „Berliner Tageblatt" haben verschiedene Bezirkskommandos in diesen Togen an die Offiziere und Sanitätsoffiziere des Beurlaubten­standes dienstliche Zirkulare richten müssen, in denen sie die ihnen unterstellten Herren zur Aeußerung auffordern, ob und welchem Kriegerverein sie angehören, und im ver­neinenden Falle sie wiederum dienstlich er- suchen, einem solchen Verem baldigst beizu- treten. — Selbstverständlich ist der Beitritt und die Zugehörigkeit zu einem Kriegerverein eine reine Privatfache, und kein Reserveoffizier kann dazu dienstlich genötigt werden, ebensowenig wie er verpflichtet ist, über die Frage seiner Zu­gehörigkeit eine Antwort zu erteilen.

* Eulenburg muß Kaution stellen. Der Strafsenat des Kammerger.chls hat den Beschluß der siebenten Siraskammer des Landgerichts Berlin I betreffend die Haftentlassung des Fürsten Eulenburg aufgehoben und be» schloffen, die Freilassung von einer Sicher­heitsleistung von 100000 Mark abhängig zu machen.

* Koblenz, 26. Sept. 1908. Unter Vorsitz, des Oberbürgermeisters Marx-Düffeldors fand heute mittag hier die Gründung des Rhei- nischen Städtetages statt. Es waren 130 Vertreter der rheinischen Städte anwesend.

* Stettin, 27. Sept. 1908. Der Stapel­lauf des Linienschiffes „Ersatz Württem­berg" fand Samstag mittag auf der Werft des Vulkan statt. Die Taufrede hielt der Ober­präsident der Rheinprovinz, Frhr. v. Schorlemer- ‘

und gerade in die Höhe, die Bastionen warm un­versehrt und schauten wie achtsame Wächter über das Land. Und wenn auch die alte Fahne der Heimanns nicht mehr fröhlich vom hohen vier­eckigen Turme flatterte, so grüßte dafür das Banner der Starosten von den Zinnen herab jeden Ankömmling, der auf der Heerstraße daherritt.

An jenem traurigen Wintermorgen hatte der Schnee, welcher die weite Ebene zudeckte, fein toeißes Bahrtuch über die Mauern und Dächer des Schlosses, wie über die Spitze des Turmes ge­legt. Dieses gleichförmige, traurige und wilde Weiß hob sich kaum mit mattem Glanze von dem grauen Himmel ab. Es war, als ob die schönen Tage der Vergangenheit, die poetischen Legenden einer entschwundenen Zeit all ihre Erinnerungen, ihre Helden und ihren Ruhm unter dieser weißen Sargdecke für immer begraben, als ob sie sich in schweigender Resignation in Trauer und Ver­gessenheit gefügt hätten.

Auch im Innern hatte der alte Wohnsitz feine ehemalige Einrichtung, sein altertümliches Aus­sehen beivahrt. Den Mauern entlang bis zur Decke mit den vorspringenden Holzbalken hinauf liefen dichte gewebte Wandteppiche in verblaßten Farben, oder solche aus bemaltem Leder; auf dem Parquet lagen noch die wunderschönen Tep­piche, welche die Hetmanns einst den Starteten, die sie direkt von den Märkten in Smyrna und Konstantinopel brachten, entrissen hatten; überall in den Gemächern Möbel aus altem dunklen Eichenholz, mit steifen Formen und massiven Con- turen, — behangen, mit orientalischen Decken in warmen Farben, — vor den Stühlen und Bänken Bärenfelle, denen man den Kopf und die Tatzen gelaffcn hatte, — Pelze von Wölfen und Füchsen. Dem Gesims entlang sah man alte Trophäen: Schilde, die zahlreiche Athiebe aufweisen, — durchbohrte spitze Mützen, krumme Säbeln, — große ottomanische Turbane. Uatagans und Kü­rasse, ja foaar einige Roßschweife, wie sie den türkischen Paschas im Kriege als Standarten dienen.

Lieser. Die Lause vollzog die Fürstin zu Wied. Das Schiff erhielt den Namen „Rheinland".

Ausland.

♦ Der bulgarische. Gewaltstreich

der Besetzung der durch bulgarisches Gebiet führenden Strecken der Orientbahn ist trotz aller freundschaftlichen Vorstellungen der Großmächte in Soüa noch nicht rückgängig gemacht worden. Im Gegenteil, die bulgarischen Herrschaften fangen an, in einer Weise auszutrumpfen, daß eine Ge­fährdung des europäischen Friedens zu befürchten steht, wenn den Gernegroßen in Sofia nicht bald das Handwerk gelegt wird. Gleichzeitig mit der Eisenbahnsrage wird in Bulgarien die Frage der Unabhängigkeits-Erklärung erörtert, und es scheint dort nicht an Stimmen zu fehlen, die Gelegenheit für günstig erachten, sich gänzlich von der Türkei loszutrennen. Welche Folgen ein solcher Schritt haben würde, ist nicht ohne weiteres vorauszusehen. Zeden- falls hat Bulgarien das ungeeignetste Mittel er­wählt, um die Großmächte günstig zu stimmen. Die Machthaber in Sofia haben sich einen Rechtsbruch zu Schulden kommen lassen, der zugleich einen schweren Eingriff in den inter­nationalen Verkehr bedeutet.

Die Pforte richtete an die Signaturmächte des Berliner Vertrages eine Zirkularnote, worin diese aufgesordert werden, wegen der Be setzung der Orientbahntinien durch Bulgarien die dem Vertrag entsprechenden Schritte in Sofia zu tun. Die bulgarische Regierung kann über­zeugt sein, daß solche Schritte nicht ausbleiben werden.

Inzwischen fährt die bulgarische Regierung fort dir von ihrangemaßten Hoheitsrechte über die bulga- rischeStreckederOrientbahnen tatsächlich auszuüben. Sie hat den Angestellten der Orientbahnen den Vorschlag gemacht, in bulgarische Dienste zu treten. Die Direktion der Orientbahngesellschast empfahl ihren Beamten, nur der Gewalt zu weichen und alle Forderungen der bulgarischen Regierung abzulehnen.

* Tie Begegnung zwischen Schön und JLwolsky, dem deutschen und dem russischen Staatssekretär des Aeußeren, in Berchtesgaden ist programmäßig verlausen, und die Besprechungen der beiden Staatsmänner über die politische Lage haben, wie offiziös versichert wird, ergeben, daß diese zurzeit keine Frage enthält, die ungünstig auf die Beziehungen zwischen den beiden Nachbar- reichen einwirken könnte.

* Die Zu stünde in Englands Wirtschafts­leben werden für gewöhnlich immer weiß Gott wie glänzend geschildert. Daß diese glänzenden Zustände aber auch ihre Schattenseiten haben, das zeigen die Meldungen über die Arbeitslosig­keit und die Arbeitslosen - Not in den verschie­denen Industrie-Zentren. Aus Manchester liegen jetzt Nachrichten vor über große Ausschrei­tungen der Arbeitslosen, die am Freitag bis spät in die Nacht andamrien. Eine große Menge Arbeitsloser, die das Stadium der Ver­zweiflung erreicht haben, erschien im Zentrum der Stadt und bedrohte die reichen Geschäftshäuser, dir Banken und die öffentlichen Gebäude. Die Arbeitslosen planten hauptsächlich einen Angriff auf das Postamt mit der Absicht, das Bargeld zu rauben. Die Polizei erschien und griff die

Auch die Bilder der Heiligen waren nicht ver­gessen. Auf mattem Goldgrund zeichnete sich oft­mals das sanfte Profil einer byzantinischen Ma­donna ab, die aus ihrem Emaillerahmen herab- grüßte. Rings um sie schienen die Bilder ande­rer Heiligen ihren Hofstaat zu bilden, die Köni­gin zu verehren und zu bewundern; im flackern­den Schein der Kerzen, die stets auf goldenen Leuchtern vor den alten Bildern brannten, ge­wannen die süßen, frommen Gesichter Leben, das wie überirdisches Lächeln anzusehen war.

Mit einem Wort, seit der Wiederherstellung durch die Herren Koszolvacki hatte das Schloß seine einstige Physigonomie kaum verändert. Nur, so seltsam es scheinen mag, so begreiflich wird es nach einigem Nachdenken, schienen die Bewohner in ihrem eigenen Hause nicht daheim zu fein. Man hatte das Gefühl, als feien diese riesigen Säle mit den enormen Fenstern und den geschnitzten Eichenplafonds, diesen überall herum­hängenden Waffen, Trophäen, einer alten krie­gerischen Zeit — zu gewaltig für sie, zu schwer für ihre schmächtigeren Gestalten; als wären sie viel weniger dazu vorhanden, die Ruhe des gegen- wattigen Besitzers zu hüten, seinem stolzen Lurusgefühl zu genügen, als vielmehr um die Erinnerung an die Vergangenheit zu verewigen, an den toten Hetmann, den einstigen Herrn!

Ein einziges Wesen nur schien ganz an feinem Platze in diesem schönen und vornehmen Wohn­sitz, der so voll Poesie, so voll Größe und Majestät war. Das war Maryiryia Koszowacka, die schöne Starostin. Sie war zugleich reizend und impo­nierend, ob sie sich nun vor der reichgeschmückten Nische niederkniete, aus welcher das Bild der Madonna im Purpurmantel lächelnd auf sie nie- dcrsah, oder ob sie in der Abenddämmerung sich mit ihrem Söhnchen auf dem Arm vor eines der hohen Fenster setzte und die untergehende Sonne ihr ein goldenes Strahlennetz um das zum Kinde herabgesenkte Haupt legte; oder sei es endlich, daß sie an irgend einem glänzenden Abend ihren vornehmen Gästen, die ihr Gatte oftmals em«

Menge wiederholt an. Bei den Straßenkämpsen erlitten 30 Personen so schwere Verletzungen, daß sie inS Krankenhaus geschafft werden mußten. In anderen Städten folgten bereits die Arbeits- losen dem Beispiele ihrer Genoffen in Manchester.

* Ein deutsch-französischer Zwischenfall in Casablanca. Zwei Fremdenleg,onäre, die sich unter den Schutz des deutschen Konsulats in Casablanca gestellt hatten und in Begleitung des KonsulatssekretärS und eines deutschen Kon- sulatssoldaten zum Dampfer „Cintra" sich be­gaben, betf sie in die deutsche Heimat befördern sollte, wurden unterwegs von sranzösi'chen Sol­daten erkannt, angegriffen, geschlagen gefesselt und ins Gefängnis geschleppt. Der deutsche Kon­sulatssoldat wurde ebenfalls blutig geschlagen und seine Kleidung zerriffen. Der Konsulatssekretär wurde ebenfalls geschlagen und ihm die Jacke zerriffen, als er gegen die Gefangennahme der beiden Legionäre protestierte. Ein französischer Hafenosfizier bedrohte ihn sogar mit dem Revolver. Als der deutsche Vizekonsul Maens auf dem Schauplatze erschien, erreichte er die Freilassung des deutschen Konsulatssoldaten, der ebenfalls gefeffelt war. Die Herausgabe der beiden Le­gionäre wurde verweigert.

* Der Schah von Persien hatdieZusammen - berufung des Medschläs (persischen Unter­hauses) und des Senates für den 14. November verfügt. Die englisch-russischen Vorstellungen scheinen also doch gewirkt zu haben. So ganz ehrlich meint es aber der Schah keineswegs mit dem neuen Versuch einer konstitutionellen Regie­rung. In Teheran sind nämlich am Freitag zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Die Truppen des Schahs haben, den Kampf gegen ihre Gegner in Täbris wieder aufgenommen. Sie eröffneten ein Geschütz- und Gewehrseuer gegen die Hauptbefestigungen der revolutionären Stadtteile Kjiabcm und Amrakhis.

volkswirtschaftlicher und soziales.

* Zürich, 26. Sept. 1908. Montag be­ginnen in Luzern die Verhandlungen des inter­nationalen Arbeiterschutzkongresses. Eine Sprzialkommission der internationalen Vereini­gung für gesetzlichen Arbeiterschutz, welche die Frage des Verbots der Nachtarbeit der Jugendlichen in den Industrien zu beraten hat, trat bereits heute zusammen.

Die Generalversammlung der Görres-Gesellschaft in Limburg

vom 12.—14. Oktober 1908.

Wir sind nun in der Sage, über das Pro­gramm der Generalversammlung der Görres- Gesellschaft nähere Angaben zu machen. Für wissenschaftliche Vorträge sind vorgemerkt:

Baumgarten (Rom): DaS päpstliche Urkunden­wesen im späteren Mittelalter (mit Sichtbildern); Falk (Kleinwinterheim): Die archäologischen Funve von St. Alban bei Mainz und die ältere rheini­sche Kirchen^eschichte; ElerS (Breslau): Die römische Kurie gemäß der Konstitution sapienti consilio vom 29. Juni 1908; Geyser (Münster i. W.): Zum Versuch der psychologischen Be­gründung des Satzes vom Widersprach; Heide­mann (Berlin): Elemente der griechischen Mytho­logie; Jöris (Limburg): Sukian von Samosata

pfing, den Tee reichte, und sogar, wenn sie im großen Saal nahe dem Schlosse die Vorräte oder die Arbeite:, des Tages verteilte---

Bei der Rückkehr konnte die junge Frau, die zitternd und schwankend ihr Zimmer erreicht hatte, unter dem Eindruck des entsetzlichen Dra­mas, dem sie mit knapper Not entronnen war, nicht einschlafen; düstere Visionen erfüllten ihre gemarterte Seele. Als sie die Wiege ihres Kindes verließ, warf sie sich vor ihrem Betschemel auf die Knie und sprach unter Tränen heiße Ge­bete. Nach und nach wurde ihr Schlugen ruhiger, ihre Tränen versiegten, bis sie endlich, die Arme über der Brust verschränkt, den müden Kopf auf die Lehne gestützt, so regungslos ver­harrte, als ob sie schliefe.

Minute um Minute, Stunde und Stunde ver­strich, sie rührte sich nicht; sie befand sich in einer Art Erstarrung, die ihr beinahe den Gebrauch der Glieder lähmte. Plötzlich ertönte neben ihr bas Geräusch eines leisen Frauenschrittes, eine lebhafte und dennoch leise, sanfte Stimme sprach ein paar Worte, welche die junge Starostin er­zittern machten:

„Euer Gnaden, schlaft Ihr, Mütterchen? — Euer Gnaden, wollt Ihr mich nicht anhören? Ich habe Euch eine glückliche Botschaft mitzuteilen!"

Sogleich wandte Marynia den Kopf der Spre- cherin zu. Es war Marta, das hübsche Kosaken- mädcl)en, ihre bevorzugte Kammerfrau, deren Blick zugleich glänzend und sanft, deren Lächeln lebhaft und zärtlich, deren Herz so jung und lie­bend, deren Zuneigung so groß und aufrichtig war!

War für einen liebenswürdigen und anmu­tigen Anblick bot dies Kosakenkind in der schönen Tracht der Ukraine! Von mittlerer Größe, schlank und wohl gebaut, trug sie mit koketter Anmut und unbewußter Grazie den etwas kurzen, ama­rantfarbenen Rock, dessen Saum in lebhaften Eden «stickt war: das Hemd aus feiner Lein-