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35. Jahrqanq

M 221.

Gvftes WLcltt

Dymitr der Kosak

Wir waren eben an den Sümpfen

von

wahrte ich Apostol noch immer im Sattel, starr und unbeweglich geradeaus blickend — ich schaute hin — und o Entsetzen — o fürchterlicher Anblick!

„Kein altes Hetmansschloß erhob sich mehr stark und stelz in der Steppe I Keine zinnengekrön­ten Türme, keine Zelten und Hütten, kein Kirch- turm mehr und kein Dorf! Die nackte Ebene, hie und da von Trümmern und Schutt bedeckt, — aufgehäufte Reste menschlicher Wohnungen, ge­schwärzte Stücke von Mauern, von denen der Wind einen heftigen Brandgeruch herübertrug, das toar alles! Die Leute des Wojwoden hat­ten mit peinlicher Gewissenhaftigkeit seinen Be­fehl ausgeführt. Ueber Komecpol war Feuers­brunst und blutiges Gemetzel hingezogen; Ido sich einst das stolze Schloß erhoben hatte, da war nun nichts mehr als armselige Ruinen, Asche und Leichen.

All das überschaute ich mit einem einzigen Blick, dann stieß auch ich einen Schrei aus, — und — es schwanden mir einen Augenblick die Sinne: ich sah und hörte nichts mehr! Es war, als ob sich ein dichter roter Nebel vor meine Au­gen gelegt hätte, während mir das Herz in der Brust zum Zerspringen schlug.

„Nach einigen Sekunden jedoch kehrte mir das klare Bewußtsein wieder zurück, — schwankend hielt ich mich im Sattel fest. Einige Schritte vor mir war mein unglücklicher Freund vom Pferd gestiegen und schritt auf einen alleinstehen- den Pfahl zu, den ich nicht bemerkt hatte; an demselben war ein großes schwarzes Brett befe­stigt, das folgende Aufschrift trug:

„Fürchte die Palatine! Die Palatine wissen sich zu rächen! Fluch und Unheil jenem, der es wagt, dem Wojwoden von Kiew zu trotzen!"

„Das war alles! Jenseits desPfahles nichts als geschwärzte Mauern und Ruinen! Nur ein armer Hund, der wohl lange neben dem Leichnam seines unter den Trümmern begrabenen Herrn geheult hatte, näherte sich Apostol, beschnupperte ferne fileijwr und blickte ihn tut! fi-eutihli/fipn.

Erscheint ISgttch mtt gönotme btt $o.m« und Feiertage. Viertel- Mrlichei! Bezugspreis oh«« vringerlotzn «nb vestellgelb in Fulda ss> wie auswärts 1.50 Ult.

vrrantr» Redakteur;

Carl Stätte;

Von Marcel Etienne.

(Nachdruck verboten.)

Für den 26. September ist eine Sitzung des Flottenvereinspräsidiums in Berlin anberaumt. Ob nun dort endlich volle Klarheit und reine Bahn geschaffen wird?

Swrania und Swatczyno vorbeigekommen, wo die schwankenden Schilfrohre sich ewig in dem dunklen, grünen Wasser spiegeln; wo die großen Steppenreiher in ihrem Fluge anhielten und langsam hin und wieder spazieren, indem sie sich bald gravitätisch auf ihren langen Beinen auf­richten, bald sich zuin Wasserspiegel niederbeugen, um einen von den Fröschen ans dem Schlamm hervorzuziehen, die dort scharenweise quakend uinherfpringen. Uns zur Linken floß ruhig und klar am Grund des Tales der Boh mit seinen sil­bernen Wellen, die leise plätscherten, auf der an­dern Seite breiteten die großen Wälder oon Berszada ihre mächtigen Blätterdome aus, die sich als dunkle, schwere Massen von dem grauen Horizonte abhoben. Mein Gott! Wie traurig war an jenem Tage die Steppe! Auf dieser un­endlichen Fläche fein Geräusch, keine Bewegung, kein Sonnenstrahl, nicht einmal der Schatten eines Menschen ! Nichts als hohe Gräser, die ein eisiger Wind niederbeugte, nichts als graue Wol­ken, die sich an dem bleichen Himmel zusammen­ballten; riesige Schwärme von Raben, die mit Windeseile vorüberzogen und alle gegen einen Punkt des endlosen Raumes verschwanden, als ob sie dort eine Deute witterten I

„Woher mag nur", sagte ich mit, „diese trau­rige Einsamkeit, dieses seltsame Schveigen kom­men? Wir nähern uns doch schon Komeepol!"

„In einiger Entfernung mußte Czorka wohl dieselbe Empfindung, dasselbe Angstgefühl ver­spüren, denn ich sah, daß er zuweilen, ohne in feinem eiligen Ritte inne zu halten, sich nach vorne beugte, aanz blaß wurde, horchte und dann

* Der ewige Flottenvereinsstreit

Wie der Rudolstädter, der Weimarer und der Geraer Landesverband des Flottenvereins hat ge- stern abend auch eine außerordentliche Hauptver­sammlung des Provinzialverbandes Nassaus den Rücktritt der 3 Vorsitzenden des bayerischen Verbandes (v. Spieß, v. Würtzburg und v. Braun) verlangt. Der bayerische Landesver­band hat die Forderung nach dem Rücktritt des bayerischen Vereinsvorstandes ebenso einmütig wie entschieden a b g e I e h n t. Der alte „Keim der Zwietracht" blüht also wieder lustig auf.

Nachdem in Danzig ein Ausgleich vereinbart worden und das neue Präsidium des Großad­mirals von Köster bisher in durchaus einwand­freier Weise seines Amtes gewaltet hatte- ist der jetzige Vorstoß der Keimpartei als ein geradezu frivoler Friedensbruch zu bezeichnen.

Die persönliche Zuspitzung gegen die drei bayerischen Vorstandsmitglieder macht die Sache nicht besser. Wenn die Herren von Würtzburg, Spieß und Braun im Interesse des Friedens ihre Person zum Opfer bringen wollten, so wäre da­mit nichts gewonnen. Denn die Absicht der Ruhe­störer geht eingestandenermaßen dahin, den „al­ten Kur s" in vollem Umfange und in aller Form wieder zur ©eltung zu bringen, d. h. den Deutschen Flottenverein zur rücksichtslosen par­teipolitischen Agitation zu gebrauchen und die Flottenpolitik der Regierung nicht zu un­terstützen, sondern selbstherrlich zu übertrumpfen und zu vergewaltigen. Wenn die bayerischen Führer durch ihren Rücktritt den vollen Sieg der Extremen herbeiführen und sogar den Wiederein- tritt des Generals Keim ermöglichen würden, so würde der rückgebildete Flottenverein mit den be- ionnenen Elementen in Süddeutschland und auch in Norddeutschland, mit den Beamten und Offi­zieren sowie mit den prinzlichen Protektoren, ja mit dem Kaiser selbst in Konflikt geraten. Es käme dann doch zu einer Scheidung der Geister.

Wenn eilt Zerfall unabwendbar ist infolge der Friedlosigkeit der Keimpartei, fo ist es offenbar besser, daß die besonnene Richtung den Namen und die Hilfsmittel des alten Vereins behält und die Keimlinge zur Gründung eines neuen Vereins gezwungen werden.

Das verdient besonders deshalb den Vorzug, damit auch der letzte Schein des Verdachtes schwin­det, als ob die Keimsche Richtung mit ihren Maß­losigkeiten und ihrem herausfordernden Wesen der Regierung nahe stände.

Der Glaube, daß unsere vorlauten „All- deutschen die Politik der Regierung bestimmte n, hat ja im Auslande schon viel Unheil angerichtet. Es war nicht bloß für die innere Politik, sondern auch für das Ansehen und das Vertrauen der auswärtigen Politik ein schwerer Schaden, daß Fürst Bülow in der Krisis 1906/07 den General Keim zu feinem Wahlma­cher aufrücken ließ. Die gegenwärtigen hochpo­litischen Verhältnisse machen es erst recht notwen­dig, daß jede Gemeinsamkeit der Regierung mit den alldeutschen Treibereien offensichtlich ausge­räumt wird. Fürst Bülow hat ja überhaupt wenig Glück mit seinen vertrautesten Wahlhel­fern. General Keim, fein oberster Agitator, hw ihm und uns die häßlichsten Zänkereien und Rei­bungen eingebrockt, und General v. Liebert, der Adressat des Bülowscheu Silvesterbriefes, hat neulich durch die Verherrlichung Sedans als eines protestantischen Sieges sein edles Herz und seine tiefe Weisheit glänzend geoffenbart.

die Hände vor die Stirne, vor seine angstvoll spähenden Augen legte, als wollte er irgend ein grausiges Phantom, irgend ein schreckliches Bild nicht sehen.

„Meine Leute hinter mir sprachen kein Wort; wenn ich mich jedoch von Zeit zu Zeit uuUvandte, bemerkte ich an ihren Mienen, daß auch ihnen dieses Schweigen und diese Leere unbegreiflich erschien. Gewöhnlich begegnete man in der Nähe des alten Sck)losses durch Watacek lärmenden Gruppen junger Kosaken, die sich auf der Ebene vergnügten, ihre Pferde zuritten oder Lanzen- spiele anfführten.

„Nun sollten wir einen kleinen Eichenwald durchreiten und jenseits desselben mußten die zinnengeschmückten Mauern von Komecpol sicht- bar werden. In heißer Ungeduld, bald daheim zu sein, drückte Apostol seinem Pferde die Sporen in die Flanken und entschwand an einer Biegung des Weges meinen Augen.

„Da verdoppelte ich meine Eile, indem ich dem Pferde die Zügel schießen ließ, und glitt wie ein Pfeil zwischen den mit Reif bedeckten Ge­büschen, unter den entlaubten Zweigen der Bäume dahin. Doch hatte ich noch nicht eine kleine WaldblLße erreicht, die in der Mitte des Eichenschlages lag, als ein furchtbarer Schrei zu mir drang. Vor Schrecken verharrte ich einen Augenblick regungslos am Fuß einer mächtigen Eiche.

„Dann kehrten mir die Gedanken und damit auch der Wunsch zurück, möglichst rasch vorwärts zu kommen. War es nicht Apostols Stimme ge­wesen, die ich gehört hatte? Was war wohl ge­schehen? Was ging dort vor? Ich konnte mei­nen Freund nicht sehen, das dichte Geäst des Baumes entzog ihn meinen Blicken. Aber meine Gegenwart mußte ihm in diesem Augenblicke nötig sein. So sprengte ich denn voran, bereit, ihm zu helfen oder ihn zu rächen.

„In wenigen Sekunden war auch ich am Saume des Waldes onnekomweu »nd Änrf m>-

erduldeten Qualen und Demütigungen darnach sehnte, seine getreuen Kosaken, sein Weib und seine Kinder wiederzusehen l Und ich galoppierte hinter ihm drein, glücklich, ihn wieder aufleben zu sehen und endlich die traurigen Bilder von Gefängnis und Ketten, Tod und Galgen weit hinter uns lassen zu können.

jZXÄu wochenkilag-: „Illustrierte Zonntagszeitmlg"

scheid erteilt. In verschiedenen Gesuchen war angeregt worden, auch der ländlichen Bevölkerung die Wohltaten der billigen Sonntagsfahrkarten zugute kommen zu lassen. Gleich seinenrVor- gänqer Budde ist aber Mmistw Stedenbad) der Meinung daß die SonntagSfahrkarten lediglich dazu bestimmt sind, den Bewohnern der Städte die Erholung in frischer Luft zu erleichtern.

)( Fürst Eulenburg ist schneller, als er­wartet war, nach feiner Heimat Schloß Sieben« berg überführt worden. Am Donnerstag morgen 11 Ubr fuhr an der Charitee ein Kran­kenautomobil vor, das den Fürsten, feine Gattm, den Stabsarzt Dr. Ridder und den Hausmeister Kerisch ausnahm. Die Menge, die sich an der Charitee angesammelt hatte, kam nicht auf ihre Kosten, da sie von dem Fürsten nicht viel zu sehen bekam. Ursprünglich sollte der Weg in rwei Etappen zurückgelegt werden; Fürst Eulen- bürg hat sich aber dagegen gewehrt und seinen Willen durchgesetzt. Rur in Liebenberg erhofft er rasche und völlige Genesung. — Wie eine Berliner Korrespondenz verbreitet, ist Fürst Eulen­burg seit dem Dienstag, an dem der Haftbefehl aufgehoben wurde, mertlich aufgelebt. Man wirb sich nicht wundern dürfen, wenn diese plötz­liche Besierung des Fürsten, der eben noch als ein Sterbender geschildert wurde, bei manchen Leuten eigenartige Gedanken hervorruft.

» Die Gehaltsaufbesserung der Nnterbe- amten soll sich, wie die,9teue Post', das Organ für die Postunterbeamten berichtet, im Reiche und in Preußen aus eine Gehaltserhöhung von durch­schnittlich 15 Prozent belaufen, lieber die Abstufung des Wohmmgsgeldes ist noch nichts Hestimmtes bekannt geworden.

* Beteranenfürsorge als nationale Ehren­pflicht. Darüber werden wohl alle sich einig fern, daß ein Volk feine nationale Gesinnung auch dadurch zu beweisen hat, daß es die Männer ehrt, die in schwerer Zeit feine nationale Einheit und Größe schaffen halfen. Darum ist es be­dauerlich, daß das Thema von der !)iot nicht weniger Veteranen des Krieges von 1870/71 noch' immer nicht abgetan ist. Ein in Le!pzig wohnender Kriegsteilnehmer schilderte in feinem Schriftchen feine Erlebnisse bei einem nächtlichen Ueberfall durch die Franzosen. Eine Postanweisung ist beigesügt, ebenso ein Zettel, auf dem ein Arzt die vollständige As^eitsunfähigkrit des Veteranen infolge eines RückeNinarklewens bestätigt. Ohne jede Existenzmittel sieht der Mann der Ausnahme ms Armenhaus entgegen. Da u bemerkt ein Leser der ,Kö n. Volksztg/:

„Ist es nickt eine Schande, daß Teilnehmer jenes Feldzuges ihre alten Tage jo beschließen müssen? Wie wäre es, wenn man die Erträgnisse der Dom- herrnftrllen in Naumburg, Brandenburg usw. stall an BoUbefolbtte höhere Staatsbeamte ober jöofwürderi- träaer an solche ehemalige Krieger von 1870/71 ver­teilte, die sich ihren Unterhalt nicht mehr erwerben können?"

Dieser Anregung, bemerkt dazu die ,Köln. Zig/, liegt sicher ein Gedanke zugrunde, der sich mit dem allgemeinen Volksempfinden deckt. Jedenfalls macht es keinen guten Eindruck, wenn Veteranen sich in ihrer Not an die öffentliche Mildtätigkeit wenden müssen. Das Zentrum hatte im März d. Js. den Antrag gestellt, in den Etat die Bestimmung einzufetzen, daß als hülssbedürftig alle Kriegsteilnehmer gelten sollen, deren steuerbares Einkommen nicht mehr als 900 Mark beträgt. Ader der Block lehnte unter

Deutsches Keich.

□ Die halbe Milliarde Steuern.

Wie Medizin werden dem Volke die neuen Steuerpläne schluckweise eingesührt. Jetzt bringt die,Kölnische Zeitung^ Ausführungen über die Reichsfinanzreform, die auS anscheinend offiziös unterrichteten Berliner parlamentarischen Kreisen stammen. Es werden hier zum ersten Male sämtliche projektierte Steuern und die Beträge, die jede einzelne von ihnen erbringen soll, auf­gezählt. Branntwein, Bier und Tabak tollen mit 280 Millionen herangezogen werden. Dabei wird von den verbündeten Regierungen ein Rohspiritusmonopol vorgeschlagen werden. Bier soll 100 Millionen Mark mehr als bisher erbringen. Diejen drei großen Steuer­gebieten tritt als viertes der Wein hinzu. Die Nachlaßsteuer soll 100 Millionen Mark dem Reichssäckel zuführen. Um 500 Mil- lionen Mark Reichsbedarf voll zum machen, wird sodann eine Steuer auf Gas und Elektrizität, ferner auf Inserate vorgeschlagen. Für diese beiden Steuern sind 55 und 25 Millionen als Ertrag in Aussicht genommen.. Die Erhöhung der Matrikularbeiträge von *40 Pfennig auf 80 Pfennig würde ein Mehr von 26 Millionen ergeben. Das Blatt ist der Meinung, daß In­seraten-, Gas- und Elekrizitäts steuer keine Aus­sicht auf Annahme haben und daß deshalb die Matrikularbeiträge entsprechend stärker erhöht werden dürsten.

(*) Ter Kaiser hat eine Einladung des Erz­herzogs Franz Ferdinand von Oesterreich zur Jagd im Revier von E ck a r t s a u an der Donau angenommen. Der Zeitpunkt für den Besuch ist für Ende Oktober oder Anfang November fest­gesetzt.

* Der Kaiser und der Preffekongresi. Aus das Huldigungstelegramm des Pressekongresses bat der Kaiser an die beiden Präsidenten folgendes Telegramm gerichtet:

Für das mir durch Sie übermittelte, freundliche Begrüßungstelegramm der in Berlin versammelten Vertreter der Presse spreche ich Ihnen meinen auf­richtigen Dank aus. Ich hoffe, daß Sie alle sich in meiner Haupt- und Residenzstadt wohlfühlen werden, und hege die Erwartung, daß Sie auch die neuen Be­ziehungen, die Sie dort bei dieser Gelegenheit anknüpfen, in den Dienst der großen zivilisatorischen Aufgaben stellen werden, welche der internationalen Presse obliegen. Wilhelm. I. R.“

* Der Reichskanzler und die Deutsche Mittelstandsvereinigung. Fürst Bülow hat dem kürzlich in Düsseldorf abgehaltenen Kongreß der Mittelstandsvereinigung auf ein Telegramm eine DankanIwort erteilt, in der es heißt: „Der deutsche Mittelstand kann als eine der wesent­lichen Stützen des «Staates meiner Fürsorge und Teilnahme stets gewiß fein."

— Als chinesischer Gesandter für Beilin ist der General Ain Tschaug vom Kaiser von China ernannt worden. Der neue Gesandte ist schon wiederholt in Berlin gewesen und erfreut sich in diplomatischen Kreisen großer Beliebthesi.

* Die Sonntagsfahrkarten. Auf die Gesuche um Ausdehnung der Sonntagsfahrkarten hat Minister Breitenbach einen ablehnenden Be­

Fulda, Freita« den 25. Septeniber 1908.

allerhand etatsrechtlichen Vorwänden diesen An* trag ab. Eine nationale Forderung — vom angeblich „antinationalen" Zentrum er» hoben — wird von der „nationalen" Mehrheit abgelehnt!

(*) Zum Kurpfuschereigesetz haben die Bundes» regierimgen mit Ausnahme von Preußen dem Reichsamte des Innern die Gutachten jetzt ein» gesandt. Das preußische Material ist so um» sangreich, daß es nicht vor Ende des Jahres bearbeitet werden kann.

* Zur Reform des Strafgesetzbuches. Von angesehener Seite erhalten wir folgende Zuschrift; „Den Freidenkern und Humanitätsaposteln, die für die Abschaffung der Todesstrafe sprechen, möchte ich sagen: Unsere Zeit hat weniger Grund, sich vor dem Schwert des Scharfrichters zu fürchten, als vor der hypodermis chen Spritze (Impfung-Vivisektion) der modernen Aerzte, der alljährlich viele Menschen heimlich in Kranken­häusern zum Opser fallen. Wie viele Hunderte auf dem Altar dieses Molochs jahraus jähren hingeschlachtet werden, darüber besteht keine Str« listik. Aber in den letzten Jahren sind dennoch viele dercriige Sachen ans Tageslicht gekommen. Ich er nvre an die bekannten Experimente dr- Prof. Reißer in Breslau, der sich von einem Kollegen 50 arme Leute im Krankenhause entlieh, um ihnen heimlich Syphilisgift einzn» spritzen, Natürlich gehen solche Menschen langsam, wenn auch oft erst nach Jahren, qualvoll an dem schleichenden Gift zu Grunde. Ist solch eine Todesart nicht tausendmal grausamer als der schnelle gerichtliche Tod? Die Aerzte kommen durch diese Forschungen zu hoben Ehren, Orden und Würden, werden Universitätsprofessoren und steinreiche Leute. Arme unschuldige Menschen müssen dafür mit ihrem Herzblut und ihrem Rückenmark zahlen. Das heimliche Pro­bieren und Experimentieren der moder­nen Aerzte in Krankenhäusern, das ist das Schwert des Scharfrichters, vor dem sich unsere Zeit zu fürchten hat. Der „SimplizifsimuS" bringt am 17. August eine sehr richtige Be» merkung: „Versuchskannckel." „Im Vertrauen, Herr Medizinalrat, ich halte einen operativen Eingriff bei einem derartigen Fall für etwaS gewagt — ich würde das erst einmal bei einem Krankenmitglied probieren." Als ob der arme Mensch nicht auch das Recht auf die kurze Spanne Erdenzeit hätte. Mord ist Mord. Ge« radezu verblüffend aber ist die Milde des Gesetzes in bezug auf die modernen Aerzte; es sieht fast aus, als ob, wer die Stufe eine­medizinischen Professors oder gar Geheimrats er­klommen hat, außerhalb des Gesetzes steht. Aus manchen Anzeichen geht hervor, daß wir in einer Zeit leben, wo Versuche am lebendigen Menschen grausiger als alle Greuel des Mittelalters von Vertretern der Wissenschaft ausgeführt werden und sie danach verlangen, die öffentliche Geneh­migung zu bekommen. Prof. Waldenburg fagt: „In der Tat haben auch schon Aerzte — obwohl man es zu leugnen oder zu bemänteln versucht — Experimente an Kranken nur zum Zwecke der Prüfung invifeklorischer Versuche gemacht." Ferner: Graf Kielmannsegg, der Kaiser!. Kgl. Statthalter, sagte am 3. November 1903 im niederösterreichischen Landtage: „Die vom ver» ftorbenen Prof. Kraft-Ebing auf dem Moskauer medizinischenKongreß(1897)erwähntenJmpsungen von Paralytikern (Irrsinnigen) mit Syphilis

„Ich brauche es Euch wohl nicht zu sagen, mit welch' namenloser Freude ich zu Apostols Gefängnis eilte, — ich führte meinen geliebten Freund zur Freiheit und zum Licht zurück! . . . Ich war jo glücklich > Ich wollte ihm die Hand drücken, ihn an mein Herz schließen, ihn um­armen! Er aber stieß mich mit eisiger Kälte zu­rück; ich mochte ihm noch so eindringlich und überzeugend alles klar legen, ihn, unter Tränen sogar, beschwören, er schien mich nicht einmal zu hören!

„„Bin ich frei, um abzureisen?" fragte er nur. „Wenn ja, so laßt mir mein Pferd vor­führen, damit ich dieses Haus verlasse!""

„Indem er unter meinem Dache weder Woh­nung noch Ituhe annehmen wollte, schritt er in den Hof hinab, schwang sich in den Sattel und sprengte davon.

„Doch konnte er trotz all seines Hasses nicht verhindern, daß ich ihn begleitete. Eine mir K unerklärliche Angst hatte mich erfaßt, feit leinen Freund frei vor mir sah; die letzten Worte des Wojwoden kamen mir in den Sinn. Hatte er vielleicht in einem Rest von Ehrenhaf­tigkeit, von feinem Gewissen getrieben, mich warnen wollen, daß Apostol Gefahr drohte? Wer weiß, ob nicht ein paar Räuber aus den zahl­reichen Eskorten des Wojwoden ihm in irgend einem Hohlweg anflanerten, um ihn heimlich zu töten? Oder doch zu berauben? So nahm ich denn meine getreuesten Diener mit mir und folgte dann etwas beruhigter meinem Freunde Nach. Doch fühlte ich noch immer irgend eine düstere Ahmmg meine Seele bedrücken!

„Apostol war eine beträchtliche Strecke vor mir, da er mit fliegender Eile dahinraste. Ich jgntpfanb es mit ihm, wie er sich nach den eben

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